Skip to main content

Full text of "Numismatische Zeitschrift"

See other formats


cl^ 


■•^ 


J^^j^^y^  PURCHASED   FOR  THE 

?Z    Ä^V  UNIVERSITY  OF  TORONTO  LIBRARY 

vVVv  FROM  THE 

^S/^  CANADA  COUNCIL  SPECIAL  GRANT     j 


NUMISMATISCHE  ZEITSCHRIFT, 

Siebzehnter  Band. 

Jahrgang     1885 


.^j^^IjBP^RV 


FEB  1 9  1968 


Inhalt  des  siebzehnten  Bandes. 


A,  Nach  der  Reihenfolge  der  Artikel* 

Seite 

I.  K.  B.  Hof  mann:  Zur  Geschichte  der  antiken  Legirung-en  ....  1 

II.  Dr.  Friedrich  Kenner:   ProgTamm-Münzen  römischer  Kaiser  .  51 

III.  Carl  D omanig:  Einige  Babenberger  Münzen  in  der  Münzsamm- 
lung des  Allerhöchsten  Kaiserhauses 87 

IV.  R.  V.  Höfken:  Zur  Bracteatenkunde      117 

V.  H.  Dannenberg:  Nachträge   zu   meinen   früheren  Aufsätzen   in 

dieser  Zeitschrift 125 

VI.  Dr.  V.  Kaiman n:  Der  Münzfund  zu  Sallingberg 133 

VII.  Dr.  Alexander  Ritter   v.  Pawlowski:  Zwei  Vorträge    über 

Nachahmung  und  Nachfälschung  von  Münztypen 145 

VIII.  Johann    Newald:    Das    österreichische    Münzwesen    unter   den 

Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathias I(j7 

IX.  Adolph  Meyer:   Albrecht  von  Wallenstein  (Waldstein)  Herzog 

von  Friedland  und  seine  Münzen 417 


JB,  Nach  numismatischer  Eintheilung, 

Vlte  Zeit. 

I.  K.  B,  Ho fma Uli:  Zur  Geschichte  der  antiken  Legirungen  .    ...         1 
II.  Dr.  Friedrich  Kenner:  Programm-Münzen   römischer  Kaiser  .      .'d 

Mittelalter  ixnd  Neue  Zeit. 

III.  Carl  Domanig:  Einige  Babenberger  Miinzcn  in  der  '\runzsanun- 
lung  des  Allerhöchsten  Kaiserhauses   .  .....      87 

IV.  R.  V.  Höfken:  Zur  Bracteatenkunde 117 

V.  II.  Dannenberg:  Nachträge   zu   meinen    tVülieren   Aufsätzen   in 

dieser  Zeitschrift PJ.') 

VI.  Dr.  V.  R.-i  iiii.'iint.   1  )<•)•  Miin/tniHl  /n  Sallingberg \'V\ 


VI 


Seite 

VII.  Dr.  Alexander  Ritter  v.  Pawlowski:   Zwei  Vorträge   über 

Nachahmung  und  Nachfälschimg  von  Münztypen 145 

VIII.  Johann  Newald:    Das    österreichische    Münzwesen    unter    den 

Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathias       167 

IX.  Adolph  Meyer:   Albrecht  von  Wallenstein  (Waldstein)  Herzog 

von  Friedland  nnd  seine  Münzen 417 


Miscelle. 

och  einmal  die  Karolus-  und  Ludovicus-Florene      523 


Nnuiismatische  Literatur. 

Dr.  Friedrich  Imhoof-Blumer.  Porträtköpfe  auf  antiken  Münzen 
hellenischer  und  hellenisirter  Völker,  mit  Zeittafeln  der  Dynastien 
des  Alterthums  nach  ihren  Münzen 524 

F.  Imhoof-Blumer  und  Percy  Gardner.  —  Nuniismatic  commentary 

on  Pausanias.  (Reprinted  from  the  Journal  of  Hellenic  studies.)  .    ,    525 

Nicolö  Papadopoli:  „8ul  valore  della  moneta  veneziana" 526 


1 


VII 


Mitarbeiter  des  siebzehnten  Bandes. 

Dannenberg,  H.,  kön.  Laii(lg(^iichtsratli  in  Berlin. 

Domanig,  Carl,  Custos-Adjinict  an  der  Münz-  nnd  Autikensammlung  des 

Allerhöchsten  Kaiserhanses  in  Wien. 
Höfken,  Rudolph  Ritter  v.,  Pierausgeber  des  Archiv  für  Bracteatenkunde 

in  Wien. 
Hofmann,  Dr.  K.  B.,  Üniversitäts-Professor  in  Graz. 
Kenner,  Dr.  Friedrich,  Director  der  kunsthistorischen  Sammlungen  des 

Allerhöchsten  Kaiserhauses  in  Wien. 
Meyer,  Adolph,  Bankbuchhalter  in  Berlin. 
Müller,  Joseph,  k.  k.  Bergrath  in  Wien. 
Newald,  Johann,  k.  k.  Director  und  Conservator. 
Pawlowski,  Dr.  Alexander  Ritter  v.,  f  k.  k.  Hofrath  in  Wien. 
Raimann,  Dr.  Franz,  Ritter  v.,  k.  k.  Oberlandesgerichtsrath  in  Wien. 


VIII 


Sachregister  des  siebzehnten  Bandes. 


Aiitiiiion-Mttnze  .    .    - 
Aiig'sburger  Bracteuten 


Seite 

43 

110 


B. 

Babenberger  Münzen  in  der  Münz- 
sammlung   des    Allerhöchsten 

Kaiserhauses 87 

Batenberg",  dessen  Naehprägungen  1G4 
Bathory  Sigismnnd,  dessen  Münz- 
prägungen in  Nagy-Bänya    .  313  ff. 

Bohl,  Nachträge 128 

Bracteaten,  deren  Entstehen    .    .  118 

—  deren  Fabrikation 120 

—  deren  Blütezeit 128 

Bracteatenkunde,  Zur 117 

Breslau,  Münzstätte  unter  Maximi- 
lian II 222 

unter  Rudolph  II 28G 

Budweis,  Münzstätte  unter  Maximi- 
lian ir 220 

unter  Rudolph  II 283 

O. 

Castiglione,  ital.  Heckenmünze    .    156 
Coconato,  ital.  Heckenmünze    .    .    152 
Corregio,   Syrus  v.,  ital.  Münz- 
fälscher    157 


13. 

DANNENBERf;  H.,  Nachträge  zu 
dessen  früheren  Aufsätzen   . 

Deutsche  Inschriften  auf  Mittel 
.iltermünzen 

Dezana,  ital.  Heekemnünzc   .    . 

DOMAMG  CARL,  Einige  Baben 
berger  Münzen  in  der  kaiser 
liehen  .Alünzsammlung  .    . 


125 

125 
153 


E. 


Legri- 


Electronmünzen,  über  die 

rung  kleinasiatischer     ....  1 

Eusisheim,  Münzstätte 324 

Esslinger  Müiizordnung  ....  193 


F. 

Floreue,  Karolus-  und  Ludovicus- 


523 
151 


G. 

Gold  gülden 12(3  ff. 

—  vom  Florentiner  (^Jepräge      ,    .  130 
Gonzaga,  ital.  Münzfälscher  .    .    .  155 
Goswiner,   Münzen   von  Regens- 
burg       107 

Groschen,  Venetiauische  ....  100 


IX 


Seite 


179 
315 
330 
341 
164 

117 


Hall,  Münzstätte,  Walzeiiprä^uiig 
_  —  unter  Erzherzog-  Ferdinand 

unter  Rudolph  II 

—  —  unter  Maximilian  III.  .  .  . 
s'Heerenberg,  Münzfälschungen  . 
HÖFKEN,  R.  V.,  Zur  Bracteaten- 

kunde  

HOFMANN,  K.B.,  Zur  Geschichte 

der  antiken  Legirungen    .    .    . 


I. 

IMHOOF-BLLMER,  Porträtköpfe 

auf  antiken  Münzen 524 

—  Xumismatic  comraentary  on 
Pausanias 525 

Italienische  Münz-Nachahmuugen 

und  -Fälschungen 147  ff. 

J. 

Joachimsthal,    Münzstätte   unter 

Maximilian  II 217 

unter  Rudolph  II 277 

unter  Mathias 387 

Easchau,  Münzstätten  unter  Ru- 
dolph II 305 

KENNER  FRIEDRICH,  Dr.,  Pro- 
gramm-Münzen römischer  Kaiser  51 
Kreiiiuitz,  Münzstätte  unter  Maxi- 
milian II 224 

unter  Rudolph  II.                .  200 

unter  3Iathias    .  31)0 

Kreuz/iigsiiiün/en 95 

Kutteuberg: ,     Münzstätte     unter 

Maximilian  II 212 

—    —  unter  Rudolph  II 2(58 

unter  .Mathias 383 


Seite 


L. 


Laiidprobirer,  deren  Einführung 

in  Oesterreich      .......    197 

Legiruiig  kleinasiati  scher  Electron- 
münzen 1 

—  sicilianischer  Goldmünzen    .    .      12 

—  einiger  BarT)arenmünzen   .    .    .      40 
Lilie     auf    Baudenkmälern     und 

Münzen 91 

Liiigahöl  Joachim,  österr.  Münz- 

wardein  in  Segovia 184 

Löwe  auf  Mittelaltermünzen    .  94,  102 


Maccagno,  ital.  Heckenmünze  .    .  155 
Maille,  Nachmünze  des  Denars     .  IGO 
Mathias,  Kaiser,  dessen  Münzprä- 
gungen       348 

Maximilian  II.,  dessen  Münzprä- 

giuigen 171 

Messerano,  ital.  Heckenmünze     .  152 
MEYER      ADOLPH ,      Albrecht 

Wallenstein  uiul  seine  Münzen  417 

Mitkowitzer  Fund 88 

Münzfund  zn  Sallingberg    ...  133 

—  zu  Pfaffstätten 142 

Münzmeisterzeichen  .      414,  415,  41Ö 

Münzorduung  von  1559     ....  18(5 

—  Erzherzog      Ferdinands     Be- 
schwerden über  dieselbe  .    .    .  188 

—  Esslinger 193 

—  vom  Jahre  1551 195 

MUnzprobationstage 191 


IV. 

Nachahmung  und  NachfäLschnng 

v(Mi  Münztypen 145,  159 

Nagy-Hiinya,    .Mihizstätte     unter 
Rudolpli  II 309 


X 


:NEWALU  JOHANX,  Dhs  österrei- 
chische Münzwesen  unter  Maxi- 
milian IL,  Euclolph  II.  und 
Mathias 167 

Niederlande,  Münznachahmungen 
daselbst 159 

o. 

Oesterreichs  Münzweseu  unter 
Maximilian  IL,  Kudolph  IL  und 
Mathias 167 

F. 

Papadopoli  Mcolö:    Sul  valore 

della  moneta  veneziana     .    .    .    526 
PAWLOWSKI,l)r.  ALEXANDER 

R.  V.,  über  Nachahmung-  und 
Nachfälschung  von  Münztypen 

145,  159 

Podmokler  Typen      37 

Prag,  Münzstätte  unter  Maximi- 
lian II 203 

unter  Rudolph  II 259 

unter  Mathias    .....    380 

Programm  -  Münzen     römischer 

Kaiser 51 

RAIMANN,  l)r.  v.,  Der  Münzfund 

zu  Sallingberg 183 

Reckheim,  Münzfälscher   ....    164 
Regenlbogenschiüsselchen,    über 

ihren  Feingehalt 24 


Seite 

Regensburger  Denar   .    .  95,  101,  105 
Rudolph  II.,  dessen  Münzprägun- 
gen    232 

Segovia,  österr,  Münzleute  daselbst  183 

Sallingberg,  Münzfund 133 

Seborga,  ital.  Heckenmünze      .    .  154 
Sieilianische  (xoldniünzen,  deren 

Legirungsverhältnisse   ....  12 
Spanien,  österr.  Münzleute  daselbst  182 
Speeiflsches  Gewicht  von  Gold- 
münzen, dessen  Bestimmung    .  45 
Spinola,  Münzfälscher 154 


Vogler  Johann,  Münzkünstler  .    .    18) 


Wallenstein 


und    seine 


Münzen 

j                                                    417,  469  ft'. 
'  —  dessen  Geschichte 420 

—  dessen  Wappen 437 

—  Archivalisches 441 

—  Mimzgeschichtliches 465 

Walzenprägung  in  Hall     .    .    .    .     179 

—  in  Krenmitz 290 

Wiener  Münzstätte  unter  Maximi- 
lian II 173,  197 

unter  Kudolph  II 232 

unter  Mathias 348 


1. 

Zur  Geschichte  der  antiken  Legirungen. 


Von 

K.  B.  Hofmann. 


Y. 

Leber  die  Legirung  kleinasiatischer  Elektronmüuzen. 

Im  Band  XVI  dieser  Zeitschrift  i)  habe  ich  die  Resultate  mit- 
getheilt,  zu  denen  ich  durch  meine  Untersuchung  gelangt  bin,  die  ich 
über  die  Legirung  der  kleinasiatischen  Elektrummtinzen,  welche  in 
der  Münzsammlung  des  Allerhöchsten  Kaiserhauses  aufbewahrt 
werden,  angestellt  habe.  Seither  habe  ich  Gelegenheit  gehabt,  eine 
neue  Reihe  solcher  Stücke  zu  untersuchen  und  das  ganze  Materiale 
aus  einem  neuen  Gesichtsjiunkte  zu  überschauen.  Die  Stücke  ent- 
nahm ich  den  reichen  Münzsammlungen  Seiner  Durchlaucht  des 
Prinzen  Ernst  zu  Windisch-Grätz  und  des  hochwürdigen 
Schottenstiftes  in  Wien,  sowie  der  gewählten  Antikensammlung 
des  Senats-Präsidenten  der  k.  Tafel  zu  Budapest,  Herrn  Georg 
V.  Rath,  die  mir  ihre  Schätze  in  liberalster  Weise  zur  Untersuchung 


1)  Die  folgenden  Mittheilungen  bilden  die  Fortsetzung  der  in  dieser  Zeit- 
schrift Bd.  XVI  publieirten  Untersuchungen. 

1 


■^  -^ 


K.  B.  Hofmann; 


anvertraut  haben.  Es  ist  mir  eine  sehr  angenehme  Pflicht,  für  solche 
gütige  Förderung  an  dieser  Stelle  meinen  wärmsten  Dank  auszu- 
sprechen. Den  neuen  Gesichtspunkt  aber,  von  dem  aus  man  das 
gesammelte  Materiale  überblicken  kann,  wies  Hen*  J.  P.  Six  van 
Hillego m.  Nach  einer  brieflichen  Mittheilung,  die  ich  seiner  Ge- 
fälligkeit verdanke,  haben  ihn  seine  langjährigen  Untersuchungen 
auf  diesem  Gebiete  der  Münzkunde  zu  der  Ueberzeugung  geführt, 
dass  sämmtliche  zweiseitig  geprägte  Hekten  in  Mytilene  gemünzt 
worden  sind.  „Es  war  nämlich  in  Mytilene  üblich,  jedes  Jahr 
wenigstens  einen  der  Typen  zu  ändern  oder  zu  wechseln,  und  somit 
erklären  sich  auf  ganz  einfache  Weise  die  langen  Reihen  verschiede- 
ner Typen,  welche  diese  Hekten  aufweisen." 

Es  sind  sonach  in  dem  früheren  Verzeichnisse  (Bd.  XVI,  S.  32 
u.  if.)  folgende  Verbesserungen  in  der  Zutheilung  der  Münzen  vor- 
zunehmen: Nach  Mytilene  sind  zu  rechnen  Nr.  18  bis  21,  24,  26  bis 
33,  38,  41  bis  47.  Nr.  7  gehört  nach  Herakleia  im  Pontus,  Nr.  22 
vielleicht  nach  Klazomenae,  nicht  nach  Kebrene;  ebenso  Nr.  23  nur 
nach  Phokaia.  Nr.  25  zeigte  bei  nochmaliger  genauerer  Besichti- 
gung das  winzige  Bild  einer  Robbe  unter  dem  Frauenkopfe  und 
gehört  daher  auch  zu  Phokaia.  Eben  dahin  sind  Nr.  4  und  5  zu  ver- 
weisen, die  für  gewöhnlich  unter  dem  Frauenkopfe  ganz  deutlich 
die  Robbe  zeigen.  Der  Frauenkopf  in  Nr.  5  ist  die  Copie  des  Kopfes, 
den  Kimon  auf  den  Dekadrachmen  von  Syracus  geschnitten  hat 
(Six).  Nr.  3  gehört  zu  den  in  Thessalonika  gefundenen  Münzen, 
welche  Brandis  S.  532  verzeichnet.  Die  Stücke  aus  der  Sammlung 
Borrell  befinden  sich  nicht,  wie  es  dort  irrthümlich  angegeben  ist, 
in  Paris,  sondern  in  der  Sammlung  des  Herrn  v.  Six.  Ilire  Zutheilung 
ist  bisher  unsicher.  Nr.  1  hat  auf  seiner  Vorderseite  nicht  (wie  es 
im  ersten  Verzeichnisse  heisst)  einen  Löwenkopf,  sondern  ein  erha- 
benes Quadrat,  das  dem  incusen  der  Reversseite  entspricht.  Six 
macht  darauf  aufmerksam,  dass  die  Münze  einer  Zeit  oder  einer 
Stadt  angehört,  die  noch  keine  Typen  hatten.  Der  hohe  Feingehalt 
spricht  auch  für  das  Alter  der  Münze.  Nr.  2  des  ersten  Verzeich- 
nisses hat  vor  dem  Löwenkopfe  eine  Inschrift  ^^^^  ;  diese  Legende, 
von  deren  Buchstaben  nicht  einmal  sicher  feststeht,  ob  sie  dem 
phrygischen    oder  lydischen    oder   welchem    sonstigen  Alphabete 


Zur  GesciiK'iitt.'  ner  aiuiK<-ii  Ltuiruii^eu.  *^ 

angehören,  macht  die  gewöhnliche  Ziitheilung  (Milet)  sehr  zweifel- 
haft. 2)  Es  sind  Theilstttcke  eines  Staters  von  14-10  Gr.  (8ix). 

Bei  dieser  Auffassung  der  zweiseitig  geprägten  Münzen  ent- 
fallen manche  Vermuthungen  und  Subtilitäten,  die  mir  nach  der 
älteren  Auffassung  von  verschiedenen  Prägestädten  Bedeutung  zu 
haben  schienen. 

Die  folgende  Tabelle  enthält  nun  die  neuen  Resultate  in  ähn- 
licher Weise  zusammengestellt,  wie  es  in  meiner  ersten  Publication 
der  Fall  war. 


2)  Ein  ähnliches  Exemplar  ist  von  Head  im  Numism.  Chronicle  N.  S. 
1875,  Vol.  XV.  226  gegeben,  deren  Inschrift  Herr  Six  R=L14=1  liest.  DieTrite 
dazu  von  4-702  Gr.  ist  in  der  Münchener  Sammlung  (Sestini  Statere  T.  IV.  15). 
Deren  Inschrift  liest  Six  ^^  1  ^  ^.  Sestini  hat  den  Namen  der  Stadt  Kyzikos  in 
der  Legende  finden  wollen.  Dies  ist  nach  Herr  v.  Six  unmöglich.  Auch  stimme 
das  Gewicht  nicht  dazu. 


K.  B.  Hol! 


B 
B 

Münzbeschreibuug 

■^ 

O 

1 

1 
< 

2 
>  S 

02     so 

'3 

c  tJ 

m 

= « s 

—  '5: 

3 

S 

s 

B 
5 

Mytileiie. 

1 

Zeus  Amnion  r.  Rv.  Adler  rechts 
umsehend,    im    Viereck     von 
Linien.  10  Mm.  (ältere  Zuthei- 
lung:  Abydos;  gleich  Nr.  21 
des  1.  Verzeichnisses.) 

2-5558 

0-2052 

12-455 
12432 

34-40 

Seh.  3) 

2 

Gleiche  Prägung. 

2-5470 

0-2037 

12-503 
12483 

35-16 

R 

3 

Frauenkopf  mit  langem  Haar  und 
Epheukranz  r.  Rv.  vollbärtiger 
Satyrkopf  von  vorn  im  Stab- 
rahmen.   11  :  12    Mm.    (Vergl. 
I.  Verz.  Nr.  41.) 

2-6390 

0-1939 

13-610 
13-588 

5011 

R 

4 

Pallaskopf  mit  dreifacher  Crista. 
Rv.  Ephebenkopf  r.  mit  Reise- 
hut im  Nacken,  im  viereckigen 
Rahmen.  10  Mm.  (Früher  Pho- 
kaea  =  Nr.  42  des  I.  Verz.) 

2-5505 

0-2036 

12-527 
12604 

35-46 

Seh. 

5 

Persephonekopf    r.     Stossender 
Stier  im  Stabramen  1.  9: 10  Mm. 
(Gleich  Nr.  43  im  I.  Verz.)  Das 
Stück  ist  beschnitten. 

2-4582 

0-1071 

12-472 
12451 

34-68 

R 

6 

Ephebenkopf  mit  Hut  r.  Rv.  Leo- 
pard im  Stabrahmen.  9:  K)  Mm. 
(Früher  Smyrna.  Vergl.  Nr.  45 
im  I.  Verz.) 

2-3385 

0-1630 

14-347 
14321 

58-76 

W 

7 

Löwenkopfmit  geöffnetem  Rachen 
r.    Rv.    Stierkopf    r.   vertieft. 
10  Mm.  (Früher  Knidos  oder 
Samos.  I.  Verz.  Nr.  47.) 

2-4820 

0-1978 

12-548 
12525 

35-77 

W 

H 

3)  Seh.  bedeutet  die  Sammlung 
immlung  Seiner  Durchlaucht  des 
errn  Hofrathes  G.  Rath. 

^  des  W 
Prinzen 

lener  S 
zu  Wii 

ihottens 
idisch-C 

jtiftes,  ^ 
xrätz,  I 

Wd\e 
l  des 

Zur  Geschichte  der  antiken  Leglrungen. 


Münzbeschreibung 


=«    C 


's 
a 

02 


10 


11 


12 


1  - 


14 


15 


Gleiches  Gepräge.  (Mionnet  S.  V. 
304,  Nr.  128.) 

Eber,  Vorclertheil  r.  Vorderfüsse 
eingebogen*)  Kv.  Löwenkopf 
mit  offenem  Rachen  r,  im  Stab- 
rahmen. 11  Mm.  (Früher  Me- 
thymna.) 


Gleiche  Münze  wie  Nr.  9. 


Vorclertheil  eines  Stieres  mit  ein- 
gebogenen Knien  1.  Ev.  ver- 
tiefter Löwenkopf  mit  offenem 
Eachen  1.  10  Mm.  (Sonst 
Samos.) 

Widderkopf  r.  Rv.  Löwenkopf 
mit  offenem  Rachen,  heraus- 
geschlagener Zunge  r.  10  Mm. 

Verschleierter  Frauenkopf  r.  Rv. 
Dreifuss  geschmückt  im  vier- 
eckigen Stabrahmen.  10  Mm. 
(Sonst  Parium.  Brandes.  S. 
410.) 


Ganz  ähnlich  wie  Nr.  13.  10  Mm. 


Ganz  ähnlich,  nur  etwas  dunkler 
als  Nr.  14.  10  :  11  Mm. 


2-5782 


2-4472 


2-4553 


2-4545 


2-4330 


2-3942 


2-5675 


2-5480 


0-1980 


0-2016 


0-1998 


0-1895 


0-1985 


0-1952 


0-2059 


0-2050 


13-021 
12-996 

12-139 
12117 
12-289 
12265 

12-953 
12930 

12-257 
12234 

12-266 
12243 
12-470 
12447 
12-429 
12-406 


42-41 


29-60 


31-89 


43-06 


31-41 


31-55 


34-62 


34-01 


Seh. 


W 


Seh. 


W 


W 


W 


Seh. 


Seh. 


4)  Mionnet  S.  VL  p.  83  hält  die  eingeknickten  Kniee  irrig  für  eine 
Blume. 


K.  B.  Hofmann: 


1 

Münzbe  Schreibung 

2 

II 

??   x^ 

Mi 

zi  y 

1 

16 

Behelmter  bärtiger  Kopf  r.   Rv. 
Im  Stabrahmen  weiblicher  Kopf 
1.  Stern  über  demselben.  10 Mm. 
(Gleiches  Stück  im  Joanneum 
I.  Verz.  S.  39,  Aum.  30.; 

2-5220 

0-2035 

12-393 
12-370 

33-48 

w 

17 

Lorbeerbekränzter,  bartlos(M-  Kopf 
r.      Rv.      Weiblicher     ähren- 
bekränzter Kopf  r.    im  Stab- 
rahmen. 10 :  9  Mm. 

2-5245 

0-2040 

12-375 
12-855 

33-25 

1 
R 

18 

Behelmter  (weibl.  ?)  Kopf  r.  Rv. 
Eule   r.    Kopf  dersel])en    von 
vorn  hn   Stabrahmen.  11  Mm. 

2-5478 

0-2039 

12-495 
12474 

35-02 

Iv' 

19 

Zeuskopf  1.  Rv.  Satyrmaske  von 
vom  im  Stabrahmen.  9 :  10 Mm. 5) 

2v).'^11 

0'1650 

15-340 
15316 

69-19 

1 
R 

20 

Widderkopf    r.      Darunter     die 
Klaue.  Rv.  Stierkopf  vertieft 
1.  11  Mm. 

2-704o[  0-1998 

13-533 
13511 

4915 

R 

Phokaia. 

21 

Omphalekopf  mit  Ohrring,  Löwen- 
fell und  Keule,  darunter  Robbe. 
Rv.  Zapfenlöcher.  10:  11  Mm. 

2-5558 

0-2070 

12-347 
12326 

32-81 

R 

22 

Frauenkopf  mit  Kranz    1.    unter 
dem  Kopfe  eine  winzige  Robbe. 
Rv.     Zapfenlöcher.     10     Mm. 
(Gleich  Nr.  25  des  I.  Verz.) 

2-5036 

0-2034 

12-309 
12286 

32-21 

Seh. 

23 

Beh(}lmter  Pallaskopf  1.  Rv.  Zap- 
fenlöcher.  9:10  Mm.    (Gleich 
Nr.  35  des  I.  Verz.) 

2-5208 

0-2050 

12-296 
12273 

32-01 

Seh. 

lic 
de 

5)  Gehört  zu  den  allerspätesten  1 
h  unter  der  Regierung  Alexanders 
s  IV.  Jahrhunderts,  Six). 

^rägung€ 
des  Gros 

m  von  Ä 
sen  odt 

[ytilene 
n-  noch 

vvabr8( 
später  ( 

?hein- 
Eude 

Zur  Geschichte  der  antiken  Lcgirungen. 


'v 

s 

B 

Münzbeschreibuiig- 

'S 
% 

1 

< 

Gewichtsverlust 
im  Wasser 

Rohes    und    corri- 

girtes    specifisches 

Gewicht 

ö 

51 

'S 

a 

B 

24 

Gleiches  Gepräge  wie  die  vorige 
Nummer.  11  Mm. 

2-5456 

0-2257 

11-279 
11269 

15-16 

R 

25 

1 

Epheubekränzter  Frauenkopf  1.; 
darunter  eine  winzige  Robbe. 
10     Mm.     Rv.     Zapfenlöcher. 
(Vergl.  Nr.  25  des  I.  Verz.  — 
Mionnet  S.  VI.  284,  Nr.  1301.) 

Kyzikos. 

2-5580 

0-2056 

12-417 
12-394 

34-40 

Seh. 

26 

Löwe  auf  Thunfisch  1.  Rv.  Zapfen- 
löcher.   17  :  20    Mm.     (Yergl. 
I.  Verz.  Nr.  15.) 

15.8235 

1-1764 

13-451 
13425 

48-06 

Seh. 

27 

Löwe  I.  sitzend;  die  rechte  Vor- 
derpranke erhoben,  auf  einem 
Thunfisch.   Rv.  Zapfenlöcher. 
10 :  11  Mm. 

2-6325 

0-1917 

13-732 
13  707 

51-59 

W 

28 

Kopf  mit  kurzem  Backenbart  r. 
bedeckt  mit  einerHaube,  deren 
Zipf  nach   Art   einer  phrygi- 
schen  Mütze    nach   vorn    ge- 
schlagen ist.  Rv.  Zapfenlöcher. 
10:  11  Mm. 

Lampsakos. 

2-7146 

0-2126 

12-768 
12746 

38-94 

Seh. 

29 

Seepferd    geflügelt   1.;     darüber 
Blumenstengel     stilisirt.     Rv. 
4   Zapfenlöcher,    zwei   ausge- 
füllt. 18  :  20  Mm. 

Milet. 

14-966 

1-2140 

12-328 
12305 

32-49 

w 

30 

Löwenkopfmitgeöflftietem  Rachen 
r.  Stern  darüber.  Rv.  Unregel- 
mässiges oblonges  quadratum 
incusum.  12  :  13  Mm. 

4-7092 

0-3502 

13-447 
13423 

48-04 

Seh. 

ö  K.  B.  Hofmann  : 

1.  Von  den  in  diesem  Verzeichniss  aufgeführten  27  Hekten 
sind  18  Stück,  d.  h.  2/3  aller,  bei  denen  der  Feingehalt  zwischen  30 
und  36o/o  Gold  schwankt,  und  zwar  enthalten : 

3O0/0  Gold 1  Stück 

31Vo      .       2      .. 

320/0      „       4      , 

330/0     ., a    ,, 

340/0      „       3      .. 

350/0      „       4       „ 

36o/o      ,       1       .. 

Das  gleiche  Verhältniss  zeigt  sich  auch,  wenn  sämmtliche  von 
mir  bisher  untersuchte  Hekten  —  64  an  der  Zahl  —  in  Rechnung 
gebracht  werden.  Bei  der  Hälfte  aller  dieser  Stücke  enthält  die 
Legirung  34— 36o/o  Gold,  bei  mehr  als  a/5  derselben  aber  31— 33o/o ; 
der  Rest  ist  mehr  oder  minder  feinhältig. 

2.  Ein  noch  deutlicheres  Bild  der  Legirungsverhältnisse  tritt 
uns  entgegen,  wenn  wir  die  Hekten  von  Mytilene,  Phokain  inul 
Kyzikos  abgesondert  betrachten. 

Berücksichtigt  man  nur  die  42  doppelseitig  geprägten  mytile- 
nischen  Hekten  (beider  Verzeichnisse),  so  findet  man  32  Stücke,  also 
ungefähr  vier  Fünftel  aus  einer  Legirung  geschlagen, 
welche  zwischen  31o/o  und  36o/o  Gold  enthält.«)  Nur  ein 
Stück  ist  geringer  ausgebracht  (30o/o),  die  andern  sind  feinhältiger 
(bis  69 0/0).  Der  prävalirende  Feingehalt  ist  34 — 350/^.  Diese 
Zahlen  erhält  man  unter  Voraussetzung  der  weissen  Karatirung.  Der 
thatsächliche  Feingehalt  wird  sich  etwas  höher  stellen.  Man  wird 
kaum  sehr  irren,  wenn  man  einen  Kupfergehalt  voraussetzt,  der  um 


«)  Die  Stücke 

vertheilen  sich 

folgender 

weise  : 

300/0  Gold  ....    1 

Stück 

390/0  Gold  ...     1  Stück 

3104     „ 

.    .    5 

"     "l 

4lo;     .. 

1 

320/0     „ 

.    .    3 

" 

420,0     .. 

1 

330/0     „ 
340/0     „ 

.     .    2 
.    .     6 

»  ( 

32  Stück 

430/0     .. 
490/0     „ 

^          n 

350/0     „ 

.    .  12 

" 

500/0     „ 

^         n 

36o/o     „ 

.    .    4 

1 

.590/0     .. 

*^              V 

370/0     „ 

.    .    1 

r> 

690/0     , 

^         r> 

38o/o     „ 

.    .    .    1 

r) 

Zur  (.TeocLiclite  dtr  autikt 


9 


5Vo  schwankt,  meist  wohl  darunter  liegen  mag.  Dies  angenommen, 
müssen  die  Werthe  für  Gold  um  2o/o  erhöht  werden,  so  dass  die 
meisten  Stücke  aus  einer  33 — 38Vo  haltenden  Legirung  bestehen 
und  ein  Feingehalt  von  36 — 37o/o  als  der  herrschende  angesehen 
werden  darf.  Als  mittleres  Gewicht  berechnet  sich  für  eine  mytile- 
nische  Hekte  (aus  den  42  Stück): 

2*52  Gramm. 
„Die  Hekten  von  Mytilene   und  Phokaia  übersteigen  fast  nie 
2*60  Gr."    bemerkt  Herr  Six,  dem  die  meisten  dieser  Stücke  im 
Originale  vorliegen. 

3.  Von  den  in  diesem  zweiten  Verzeichnisse  aufgenommenen 
Stücken  haben  einen  abnormen  Goldgehalt: 

1  Stück  zu  39o/o  (Kyzikus) 

1       „       „  42o  0  (Mytilene) 

1      „       „  430^0  (      —     ) 

1      „       „  48o/o  (Kyzikus) 

1      „       „  48o/o     (Milet) 

1      „       ,,  49«  0  (Mytilene) 

1         V         V    50o/o  (       —        ) 

1  „  ,,  52o/o  (Kyzikus) 
1  ..  .,  590/0  (Mytilene) 
1       .,       ..  69o/o  (      —     ) 

Ein  Stück  (Phokaia)  enthält  nur  15o/o  ^old. 

Von  diesen  feinhältigeren  Münzen  gehören  3  Stück  (darunter 
ein  Stater)  Kyzikos  an,  dessen  Elektronmünzen,  wie  ich  schon  in  der 
früheren  Publication  (S.  47)  nachgewiesen  habe,  aus  einer  besseren 
Legirung  geschlagen  sind.  Die  beiden  Stücke  von  Mytilene  mit  dem 
Goldgehalt  von  50  und  59o/o  (Nr.  3  und  6)  zeigen  eine  merkwürdige 
Anomalie  in  der  Zusammensetzung,  insofern e  zwei  andere  Stücke 
mit  ganz  ähnlicher  Prägung  (I.  Verzeichniss)  sich  vom  Durchschnitts- 
Feingehalte  nicht  entfernen.  Ganz  abweichend  ist  Nr.  19  mit  einem 
Goldgehalt  von  69o/o,  den  sonst  keine  kleinasiatische  Münze,  die 
ich  zu  untersuchen  Gelegenheit  hatte,  erreicht.  Da  sie  von  sehr 
später  Prägung  ist,  wäre  es  wichtig,  Stücke  aus  der  gleichen  Zeit- 
periode (Alexander)  auf  ihren  Feingehalt  zu  prüfen.  Die  drei  anderen 
mytilenischen  Hekten  (Nr.  8,  11  und  20)  weisen  auf  einer  Seite 
ein   vertieftes   Prägbild.    Es    ist    nun    wohl    kein   blosser  Zufall, 


10 


K.  B.  Hof  mann: 


dass  sämmtliche  (7)  Hekten,  die  auf  einer  Seite  ein  ver- 
tieftes Prägbild  besitzen,  aus  feineren  Legirungen 
(38-4— 47-3— 41— 36— 42-4— 43— 490/0)  gemacht  sind,  während 
von  den  35  mit  beiderseits  erhabener  Prägung  versehenen,  von  mir 
untersuchten  Stücken,  nur  4  Stück  über  36o/o  Gold  halten.  ,,Die 
mytilenischen  Hekten  mit  incusen  Bildern  im  Revers  sind  die 
Aeltesten"  (Six). ') 

4.  Die  phokai sehen  Hekten  scheinen  etwas  schwerer  als 
die  mytilenischen  zu  sein.  Das  Mittelgewicht «)  der  14  von  mir 
untersuchten  Stücke  ist  2*543  Gr.  Die  Legirung  dieser  Stücke  ist, 
wie  ich  schon  früher  (1.  c.  S.  46)  darauf  hingewiesen  habe,  von  der 
schwankendsten  Zusammensetzung.  Auch  dieses  Verzeichniss  weist 
in  Nr.  23  und  24  zwei  Hekten  ganz  ähnlicher  Prägung  auf,  von 
denen  die  eine  32,  die  andere  nur  15o/o  Gold  hält. 

5.  Die  kyzikenischen  Hekten  sind  noch  schwerer  (im  Mittel: 
2*65  Gr.).  Sie  und  die  Stateren  sind  durchwegs  aus  feine- 
rem Golde,  als  die  phokaischen  und  mytilenischen 
gefertigt.  Herr  Six  macht  mich  darauf  aufmerksam,  dass  als  die 
athenische  Flotte  gegen  Syrakus  ausgesandt  ward,  der  Schatz- 
meister den  Strategen  reichlich  Kyzikencr  mitgab;  dass  also  die 
Münze  so  ziemlich  überall  cursirte  und  sehr  gesucht  war.  Auch  der 
neu  hinzugekommene  Drittel-Stater  von  Milet  (Kr.  30)  weist  ein 
viel  feineres  Korn  auf,  wie  dies  bei  Nr.  34  des  I.  Verzeichnisses 
auch  der  Fall  war.  Mit  Rücksicht  auf  den  wahrscheinlichen  Kupfer- 
gehalt, dürfte  bei  dem  Stater  und  dem  Drittelstater  der  Feingehalt 
5O0/0  erreichen. 

6.  Einer  besonderen  Aufmerksamkeit  werth  ist  der  Stater  von 
Lampsakos  aus  der  Sammlung  Seiner  Durchlaucht  des  Prinzen  zu 
Windisch-Grätz.  Das  Stück  hat  einen  viel  geringeren  Feingehalt, 
als  das  von  mir  unter  Nr.  17.  des  I.  Verzeichnisses  aufgeführte,  dem 
es  doch  an  Gewicht  und  Alterthümlichkeit  des  Aussehens  überlegen 


')  lieber  die  Münzgeschichte  von  Mytilene  ist  eine  Piiblication  des  HeiTü 
Six  jun.  zu  erwarten,  der  sich  mit  diesem  Gegenstande  uufs  eingehendste 
beschäftigt. 

8)  Nach  dem  Verzeichniss  von  Brandes  wäre  das  Mittel  2*55  Gr.  Doch 
sind  diese  Wägungen  gewiss  zum  geringsten  Theile  mit  so  minutiöser  Genauig- 
keit ausgeführt,  wie  die  meinen. 


Zur  Geschichte  der  antiken  Legirungen.  J  i 

ist.  Dem  ersteren  nach  stimmt  es  mit  dem  Stücke  des  Herzogs  de  Luyues, 
der  Prägung-  nach  mit  dem  von  Mommsen  (8.  18,  Anmerkung  65 
angeführten  Stücke  zu  13-98  Gr.  Gewicht)  überein.  Da  von  bisher 
analysirten  natürlichen  Elektrumsorten  die  silberreichste  von  Vörös- 
patak  60-5 o/o  Gold  enthielt  (G.  Rose);  so  ist  es  wohl  nicht  zweifelhaft, 
dass  der  Stater  von  Lampsakos  aus  künstlich  1  e  g  i r  t  e  m  G  o  1  d  e 
geschlagen  ist.  Trotz  des  alterthümlichen  Aussehens  ist  das  niedrige 
Gewicht  (unter  15  statt  über  16  Gr.)  und  der  geringe  Feingehalt 
ein  Beweis,  dass  das  Stück  ziemlich  spät  geschlagen  ist  (nach  Six 
um  400  V.  Chr.). 

Die  Weissgoldziegel,  die  Krösus  nach  Delphi  stiftete,  enthielten 
730/0  Gold  und  27o/o  Silber  (Hultsch,  2.  Aufl.,  S.  579).  Wenn  sie 
aus  dem  Elektrum  des  Pactolus  gefertigt  waren,  wie  nicht  zu  be- 
zweifeln, so  hat  dieses  mit  Recht  im  Alterthume  den  Ruf  eines  sehr 
silberreichen  Goldes  gehabt.  9)  Und  doch  bleiben  sämmtliche  Kyzi- 
kener,  ja  alle  von  mir  bisher  untersuchten  kleinasiatischen  Münzen 
(78  Stück)  in  Bezug  auf  den  Goldgehalt  weit  unter  diesem  Krösus- 
schen  Elektrum.  10) 

Gestützt  auf  die  bisherigen  Untersuchungen,  glaube  ich  die 
Behauptung  wagen  zu  dürfen,  dass  sämmtliche  mytilenische, 
phokaische  und  kyzikenische  Hekten,  sowie  die  Sta- 
teren von  Kyzikos  und  Lampsakos  und  wahrscheinlich 
auch  alle  milesischen  Drittel  nicht  aus  natürlichem 
P^lektrum,  sondern  aus  künstlichen  Legirungen  herge- 
stellt sind. 


9)  Zum  Vergleiche  sei  hier  eine  Angabe  aus  dem  Briefwechsel  zwischen 
A.  V.  Humboldt  und  Gf.  G  v.  Cancrin,  S.  37  angeführt.  Minister  Cancrin  berichtet 
an  Humboldt:  La  Perse  nous  a  paye  en  partie  en  lingots  d'or,  qui  ont  parfai- 
tement  le  contenu  de  notre  or  lave  ä  l'Oural.  (d.  h.  8%6  Gold,  das  übrige  Silber). 
II  parait  venir  des  montagnes  de  Boukliarie. 

10)  Auch  die  alterthümlichsten  kleinasiatischen  Münzen  in  der  Sanunlung 
des  Herrn  Six  haben  eine  sehr  bleiche  Farbe.  Er  zweifelt,  dass  sich  deren  Fein- 
gehalt auf  72«/o  erhebt. 


12 


K.  B.  Hofmann 


VI. 

lieber  die  Legirungsverhältnisse  sicilianischer  Goldmünzen. 

Bei  einer  früheren  Untersuchung  i*)  der  sicilianischen  Gold- 
münzen habe  ich  die  Beobachtung  gemacht,  dass  manche  Stücke, 
die  man  ihrem  Aussehen  (ihrer  Farbe)  nach  für  feinhältig  nehmen 
konnte,  thatsächlich  aus  sehr  stark  legirtem  Gokle  gemünzt  sind. 
Ausserdem  hat  diese  Prüfung  ergeben,  dass  die  Mischungsverhält- 
nisse der  beiden  edlen  Metalle  in  den  verschiedenen  Stücken  sehr 
wechselnd  sind.  Diese  Wahrnehmungen  bestimmten  mich,  da  die 
Keihe  der  bisher  untersuchten  nur  klein  ist,  noch  andere  mir  zugäng- 
liche sicilische  Münzen  auf  ihren  Feingehalt  zu  prüfen. 

A. 

An  die  in  meinem  ersten  Aufsatz  S.  52  abgeliaudL'ltLMi  Miiii/L-n 
von  Panormos  reihen  sich  noch  vier  andere  Stücke: 

Nr.  1.  (Seh.  i~)  Ein  den  Nr.  1  und  2  des  ersten  Verzeichnisses 
in  der  Prägung  (Frauenkopf  mit  Aehrenkranz  —  Pferd)  ganz  glei- 
ches Stück,  das  aber  trotz  seines  messinggelben  Ansehens  feinhältiger 
ist,  als  jene.  Das  Gewicht  ist  kleiner,  weil  das  Stück  an  einer  <t«'ll«' 
etwas  beschnitten  ist. 

Durchmesser:  18  Mm. 

Absolutes  Gewicht 7-3502  Gr. 

Gewichtsverlust  im  Wasser .    0-4548  „ 

Specifisches  Gewicht  (direct) 16-175    Gr. 

„  „        (corrigirt) 16147     „ 

Goldgehalt:  76-Uo  o/« 

11)  Dieser  Aufsatz  schliesst  unmittelbar  als  Ergänzung  an  den  in  Bd.  XM, 
S.  50  abgedruckten  an. 

12)  Seh.  bedeutet  die  Sammlung  des  Sehottenstiftes;  W.  die  Sammlung 
Seiner  Durchlaucht  des  Fürsten  Ernst  zu  Windisch-Grätz ;  M.  Kaiserliches  Münz- 
kabinet. 


Zur  Geschichte  der  antiken  Legirungen.  iö 

Nr.  2,  (Seh.)  ganz  ähnlich  der  von  mir  analysirten  Münze  Nr.  3 
des  I.  Verz.  Fast  gleiche  Prägung-,  nur  sind  unter  dem  Pferde  drei 
Kügelchen  *•• 

Durchmesser:  19  Mm. 

Absolutes  Gewicht 7-6087  Gr. 

Gewichtsverlust  im  Wasser 0*5309  ,, 

Specitisches  Gewicht  (direct) 14-332    Gr. 

„      (corrigirt) 14-306     „ 

Goldgehalt:  58-59  o/. 

Wenn  das  Stück,  wie  man  mit  Kecht  annehmen  kann,  gleich 
dem  analysirten  2o/o  Kupfer  enthält,  so  ist  sein  wirklicherFeingehalt 
ungefähr  59-5  %,  also  ähnlich  dem  des  analysirten. 

Nr.  3.  (W.)  Gleich  dem  Stück  Nr.  5  des  I.  Verz. 
Durchmesser:  13  Mm. 

Absolutes  Gewicht 1-8815  Gr. 

Gewichtsverlust  im  Wasser 0'0990  „ 

Specifisches  Gewicht  (direct) 19*005    Gr. 

„        (corrigirt) 18*973     „ 

Goldgehalt:  98-08  o/,. 

Da  unzweifelhaft  auch  dieses  Stück  etwas  Kupfer  enthält,  so 
darf  man  annehmen,  dass  seine  Legirung  genau  unserem  Ducaten- 
gold  =  98-6  %  gleichkommt,  dessen  specifisches  Gewicht  nach 
meinen  Untersuchungen  (an  7  verschiedenen  Ducaten  bestimmt)  im 
Mittel  18-972  beträgt. 

Nr.  4.  (M.  Nr.  6677.) 
Durchmesser:  7  Mm. 

Absolutes  Gewicht .    0*5249  Gr. 

Gewichtsverlust  im  Wasser 0-0279  „ 

Specifisches  Gewicht  (direct) 18*814    Gr. 

„  „         (corrigirt) 18*782     „ 

Goldgehalt:  96*85  o/«. 

Die  Vergleicluuig  der  karthagisch-sicilischen  Goldmünzen,  deren 
Gewicht  um  7*5  Gr.  schwankt,  lässt  trotz  der  kleinen  Zahl  der  unter- 


14  K.  B.  Hofmaiin  : 

suchten  Stücke  wenigstens  zwei  Legiernngsverliältnisse  dieser  Nomi- 
nale erkennen.  Die  eine  Reihe  der  Stücke  hat  einen  zwischen  72 
und  77  «/o  (hei  etwas  grösserem  Kupfergehalt  einzelner  aber  zwischen 
74  und  79  o/o)  schwankenden  Goldgehalt,  die  andere  einen  Fein- 
gehalt von  60  o/o.  Da  in  der  Grösse,  dem  Gewicht  und  Prägebild 
keine  wesentlichen  Unterschiede  auffallen,  so  dürfte  vielleicht  die 
Annahme  berechtigt  sein,  dass  es  sich  um  Representanten  von  zwei 
(vielleicht  drei)  zu  verschiedenen  Zeiten  geschlagenen 
Reihen  von  Stateren  handelt. 

Bei  weiteren  Untersuchungen  wäre  das  Augenmerk  auch 
daraufzurichten,  ob  die  Zahl  der  Kügelchen  oder  ihr  Fehlen  mit 
den  Legirungs Verhältnissen  nicht  in  einer  bestimmten  Beziehung 
steht.  Im  Gegensatz  zu  jenen  grösseren  Stücken  sind  die 
kleinen  Theilstücke  aus  sehr  feinem  Golde  angefertigt. 

B 

Bei  den  syracusanischen  Münzen  habe  ich  die  L  utersuchungen 
des  Vergleiches  halber  auch  auf  einige  Königsmünzeu  ausgedehnt. 

Die  folgende  Zusammenstellung  schliesst  sich  als  Ergänzung 
an  die  Bd.  XVI.  S.  53  gegebene  an.  «M 

Dem  Peutobolon  —  S'^U  entsprechend. 

Nr.  1.  (Sch.j  A[)iiullnkopl  mit  Lurbccrkrauz  liiik>.  K».  Dreifu^s 
zwischen  ^YPAK  ~  OXIHN.  Blassgelb.  Aehnlich  Nr.  9  des  ersten 
Verzeichnisses. 

Durchmesser:  15  Mm. 

Absolutes  Gewicht 2-4890  Gr. 

Gewichtsverlust  im  Wasser 02497  „ 

Specifisches  Gewicht  (direct) 13*973    Gr. 

„  „       i^corrigirt) 13-948     „ 

Goldgehalt:  54*47  o/«. 

13)  Die  numismatischen  Details  verdanke  ich  der  fördernden  Theilnahme 
des  Herrn  Directors  Dr.  Kenner,  mit  welcher  er  diese  Untersuchungen  freund- 
lichst begleitet, 


Zur  Geschichte  der  antiken  Legirungen.  1^ 

Nr.  2.  (Netionalmuseum  zu  Budapest)  Apollokopf  1.  Hinter  dem 
Kopfe  Astragal.    Ks.  Dreifuss    zwischen   ^YPAK  —  O^IHN.   Ganz 
ähnlich  Nr.  9  des  ersten  Verzeichnisses. 
Durchmesser:  11  Mm. 

Absolutes  Gewicht 3-4888  Gr. 

Gewichtsverlust  im  Wasser  .    .    .   •     ....    0-2488  „ 

Specifisches  Gewicht  (direct) 14*023    Gr. 

„  „        (corrigirt) 14-000     „ 

Goldgehalt:  55-09  o/«. 

Nr.  3.  (W.)  Apollokopf  mit  Lorbeerkranz  1.  Hinter  dem  Kopfe 
Kantharus.  Rs.  :SYPAK  und  Dreifuss. 
Durchmesser:  15  Mm. 

Absolutes  Gewicht 3.6265  Gr. 

Gewichtsverlust  im  Wasser 0-3345  ;, 

Specifisches  Gewicht  (direct) 10-812    Gr. 

„  „        (corrigirt) 10.792     „ 

Goldgehalte  6-31  o/,. 

Dem  attischen  Tetrobolon  =  2*91  entsprechend. 

Nr.  4.  (M.   Nr.  6791).   T(?^  Kopf  eines  Epheben  1.  Dahinter 
Gerstenkorn.  Rs.  unter  PAKOC  springendes  Pferd,  r.  Mionnet.  I.  290^ 
Nr.  703.  Suppl.  I.  426,  Nr.  470. 
Durchmesser:  12  Mm. 

Absolutes  Gewicht 2-8976  Gr. 

Gewichtsverlust  im  Wasser 0*1554  „ 

Specifisches  Gewicht  (direct) 18*633    Gr. 

„  .,        (corrigirt) 18-614     .. 

Goldgehalt  =  95*74  »/o. 


Dem  attischen  Triobolon  =  2-18  entsprechend. 

Nr.  5.  (M.  Nr.6792.)ZEY$  EAEY  (0)  EPI05  Zeuskopf  mit 
Lorbeerkranz  1.  Rs.  XYPAKOZIHN.  Springender  Pegasus  1.  unten 
drei  Kügelchen.  Mionnet.  I.  290,  Nr.  707.  Suppl.  L  425,  Nr.  464. 


lt>  K.  B.  Hofmann: 

Durchmesser:  12  Mm. 

Absolutes  Gewicht 2-3085  Gr. 

Gewichtsverlust  im  Wasser 0*1369  ,, 

Specifisches  Gewicht  (^direct) 16-863    Gr. 

„  ,,        (corrigirt) 16-834     ^ 

Goldgehalt  =  82.70  o/o. 

Dem  attischen  Diobolou  =  1-46  entsprechend. 

^r,  6.  (M.  Nr.  6796.)  Demeterkopf  mit  Aehrenkranz  1.  Rs. 
^YPAK.  .  .  .  Schreitender  Stier  mit  gesenktem  Kopf.  1.  Mionnet.  I. 
291,  Nr.  709. 

Durchmesser:  10  Mm, 

Absolutes  Gewicht 1-3972  Gr. 

Gewichtsverlust  im  Wasser 0*0743  „ 

Specifisches  Gewicht  (direct) 18-805    Gr. 

(corrigirt) 18-773     „ 

Goldgehalt  =  96-79  o^o. 


J?  V 


Nr.  7.  (M.  Nr.  6793.)  ^YPA  Herakleskopf  mit  dem  Löwenfell 
1.  Rs.  Rest  eines  vertieften  Vierecks,  in  der  Mitte  in  runder  Ver- 
tiefung kleiner  Frauenkopf  1.  Mionnet.  I.  2>^0.  Nr.  6)^7. 
Durchmesser:  9  Mm. 

Absolutes  Gewicht 11 648  Gr. 

Gewichtsverlust  im  Wasser 0-0636  ,, 

Specifisches  Gewicht  (direct) 18-314    Gr. 

„  „        (corrigirt 18-283     „ 

Goldgehalt  =  93*51  %. 

Nr.  8.  (M.  Nr.  6794.)  Gleiche  Prägung,  nur  ist  die  seitliche 
Inschrift  nicht  vorhanden  (verwischt?) 
Durchmesser:  11  Mm. 

Absolutes  Gewicht  , M497  Gr. 

Gewichtsverlust  im  Wasser 0*0635  ,, 

Specifisches  Gewicht  (direct) 18-105    Gr. 

„        (corrigirt) 18-074     „ 

Goldgehalt  =  92-06  o/^ 


1 


Zur  Geschichte  der  antiken  Legirungen.  i  i 

Nr.  9.  (Seh.)  Ganz  älinliches  Gepräge  wie  in  Nr.  7  5YP.  Mion- 
net. I.  p.  289,  Nr.  688. 

Durchmesser:  11:9  Mm. 

Absolutes  Gewicht M653  Gr. 

Gewichtsverlust  im  Wasser 0-0633  „ 

Specifisches  Gewicht  (direct) 18-409    Gr. 

„  „        (corrigirt) 18-379     „ 

Goldgehalt  ==  94-16  %. 

An  diese  syracusani sehen  Diobolen  sehliesst  sieh  nach  Momm- 
sen  iß.  133)  eine  Münze  von  Agrigent,  die  in  der  That  nach 
Gewicht  und  Feingehalt  dem  Stücke  Nr.  6  sehr  nahe  kommt; 
es  ist  dies 

Nr.  10.  (M.  Nr.  6278.)  AKPÄ  Adler  auf  Felsen  1.  gegen  eine 
Schlange,  die  emporzüngelt,  gewendet ;  unterhalb  zwei  Kügelchen. 
Rs.  Krabbe,  darunter  51 AA.  Mionnet.  Suppl.  I.  S.  360,  Nr.  15. 
ZON. 
Durchmesser:  11  Mm. 

Absolutes  Gewicht 1  3560  Gr. 

Gewichtsverlust  im  Wasser 0-0717  „ 

Specifisches  Gewicht  (direct) 18*912    Gr. 

„        (con-igirt) 18-880     „ 

Goldgehalt  =97-48  o/„. 


Dem  attischen  Obolon  =  0*74  entsprechend. 

Nr.  11.  (M.  6795.)   A  q  Y  S  Pallaskopf  mit  Helm,  1.  Rs.  Aegis 
mit  Medusenkopf.  Mionnet.  I.  291,  Nr.  712. 
Durehmesser:  9:10  Mm. 

Absolutes  Gewicht 0-6630  Gr. 

Gewichtsverlust  im  Wasser 0-0354  „ 

Specifisches  Gewicht  (direct) 18.729    Gr. 

„  „        (corrigirt) 18-697     „ 

Goldgehalt  =  96-29  o/„. 

2 


?7 


18 


K.  B.  Hofmaun: 


Nr.  12.  (M.  Nr.  6797.)  ^YP. .  .  .IHN  Aehre.   Rs.    Vordertheil 
eines  stossenden  Stieres  1.  Mionnet  I.  291.  Nr.  713. 
Durchmesser:  8  Mm. 

Absolutes  Gewicht 0.7232  Gr. 

Gewichtsverlust  im  Wasser 0*0404  „ 

Specifisches  Gewicht  (direct) 17.901    Gr. 

„        (corrigirt) 17-870     , 

Goldgehalt  =  90-61  o/,. 

Königsmünzen. 

Agathokles  (^317-289). 

Nr.  13.  (M.  Nr.  7234.)  Kopf  der  Afrika  mit  der  Kopfliaut  eines 
Elephanten  r.  Rs.  A  f  A  0  0  K  A  E  0  X  Speerschwingende,   geflügelte 
Pallas  r.  vor  ihr  Eule.  Mionnet»  I.  332,  Nr.  42. 
Durchmesser:  20  Mm. 

Absolutes  Gewicht 8*4554  Gr. 

Gewichtsverlust  im  Wasser 0.4492  „ 

Specifisches  Gewicht  (direct) 18-823    Gr. 

„  ,,       (corrigirt) 18-796     „ 

Goldgehalt  =  96-94  o/,. 

Nr.   14.   (M.  Nr.   7236.)    Pallaskopf  r.    Rs.    ATAGOKAEO^ 
BA^IAEO^.  Geflügelter  Blitz.  Mionnet.  I.  332,  Nr.  37. 
Durchmesser :  1 7  Mm. 

Absolutes  Gewicht 5*676  Gr. 

Gewichtsverlust  im  Wasser 0*299  „ 

Specifisches  Gewicht  (direct) 19*226  Gr. 

„        (corrigirt) 19*198  „ 

Goldgehalt  =  99*49  o/«. 

Hiketas.  (287-278) 

Nr.  15.  (M.   Nr.  7252.)   Wie  Mionnet.  I.  333.  56.  Rs.   oben 
Blitz,  unten  Aehre. 


Zur  Geschichte  der  antiken  Legirungen. 


U» 


Absolutes  Gewicht 4-2432  Gr. 

Gewichtsverlust  im  Wasser 0-2207  „ 

Specifisches  Gewicht  (direct) 19*226    Gr. 

,,  ;,        (corrigirt) 19-198     ., 

Goldgehalt  =  99-49  o/^. 

Nr.  16.  (M.  Nr.  7253.)  Wie  die  vorige  Nr.  oben  Mond,  unten  0 

Absolutes  Gewicht 4-2175  Gr. 

Gewichtsverlust  im  Wasser 0-2210  ^ 

Specifisches  Gewicht  (direct) 19-084    Gr. 

(corrigirt) 19-056     „ 

Goldgehalt  =  98-61  o/^,. 

Hiero  II.  (275—216.) 

Nr.  17.  (M.  7254).  Wie  Mionnet  I.  334.  65.  Hinter  dem  Kopfe 
Aehre.  Rs.  unten  E. 

Gesammtgewicht 4-2660  Gr. 

Gewichtsverlust  im  Wasser 0-2225  ,, 

Specifisches  Gewicht  (direct) 19-173    Gr. 

„  ,,        (corrigirt) 19-143     ,, 

Goldgehalt  =  99-15  o/,. 

Nr.  18.  (M.  7255.)  Wie  Mionnet  I.  334,  61.  Rs.  Zweigespami 
nach  r.,  unten  fehlt  das  Beizeichen. 

Gesammtgewicht 4-2437  Gr. 

Gewichtsverlust  im  Wasser 0-2227   „ 

Specifisches  Gewicht  (direct) 19.056    Gr. 

„        (corrigirt) 19-026     „ 

Goldgehalt  =  98-41  «/o- 

Nr.  19.  (M.  Nr.  7256.^  Wie  Mionnet.  I.  334.  60,  jedoch  hinter 
dem  Kopfe  Fackel.  Rs.  unten  TT. 

Gesammtgewicht 4*2471  Gr. 

Gewichtsverlust  im  Wasser 0*2216  „ 

Specifisches  Gewicht  (direct) 19-166    Gr. 

„  „         (corrigirt) 19.136     „ 

Goldgehalt  =  99-13  o/o. 

2* 


20 


K.  B.  Hofmann: 


Nr.  20.  (M.  Nr.  7257.)  Wie  Mionnet  I.  334.  66,  jedocli  Rs. 
unter  dem  Namen  5.  Das  Exemplar  ist  etwas  abgeschliffen. 

Gesammtgewicht 4-2314  Gr. 

Gewichtsverlust  im  Wasser 0*2194  ,, 

Specifisches  Gewicht  (direct) 19*286    Gr. 

„  „        (corrigirt) 19*256     „ 

Goldgehalt  =  ^9*86  o/^. 

Nr.  21.  (M.  Nr.  7258),  wie  oben  Nr.  18,  jedoch  Rs.  oben  MI. 

Gesammtgewicht 4-2528  Gr. 

Gewichtsverlust  im  Wasser 0*2238  „ 

Speciiisches  Gewicht  (^direct) 19-003  Gr. 

(corrigirt) 18'973  „ 

Goldgehalt  =  98*08  o/q. 

Nr.  22.  (M.  Nr.  7259),  wie  Nr.  18,  jedoch  hinter  dem  Kopfe 
der  Vorderseite  <t>  und  Aehre. 

Gesammtgewicht 4-2749  Gr. 

Gewichtsverlust  im  Wasser 0*2246  ,, 

Specifisches  Gewicht  (direct^ 19-033    Gr. 

„       (corrigirt) 19*002     „ 

Goldgehalt  =  98-26  o/,. 

Hieronymus.  i216 — 215) 

Nr.  23.    (M.  Nr.  7309.)    Wie  Mionnet.   I.    336.    86,   über  dem 
Blitze  MI. 

Gesammtgewicht 4*2110  Gr. 

Gewichtsverlust  im  Wasser 0*2232  „ 

Specifisches  Gewicht  (direct) 18*866    Gr. 

„  „       (corrigirt) 18-835     „ 

Goldgehalt  =  97-19  o/,. 


Zur  Ge.^chichte  der  antiken  Legirangen.  iwl 

Die  bisherigen  Uutersucbungsdaten  zusammenfassend  erlaube 
ich  mir  die  Aufmerksamkeit  der  Fachgelehrten  auf  folgende  Ver- 
hältnisse zu  lenken : 

a)  Die  der  attischen  Drachme  (Nr.  8  des  I.  Verz.),  dem  Tetro- 
bolon  (Nr.  4  dieses  Verz.),  den  Diobolen  (Nr.  6—9)  und  Oboleu 
(Nr.  11  und  12)  entsprechenden  Stücke  sind  von  feinhältigem  Me- 
talle (zwischen  91  und  99  o/^  Gold)  gefertigt.  Selbst  noch  das  Stück 
Nr.  5  (Triobolon?)  besteht  aus  besserem  Gold  (83  o/o)-  Diesen 
Reihen  gegenüber  stehen  aber  Stücke,  die  sich  mit  ihren  Gewichten 
zum  Theil  noch  weniger  den  Normalgewichten  des  attischen  Fusses 
anschliessen  und  aus  viel  geringern  Legirungen  geschlagen  sind. 
Hierher  gehören  die  grösseren  Stücke  zu  6-5  Gr.  (Nr.  7  des  I.  Verz. 
und  das  dort  angeführte  Stück  von  Hultsch),  in  denen  nur  30  o/o 
(höchstens  32  o/o)  Crold  enthalten  ist;  ferner  Stücke,  die  ihrer 
Schwere  nach  sich  einem  attischen  Pentobolon  nähern.  Von  10  theils 
von  mir,  theils  von  Hultsch  i*)  angeführten  Stücken  haben  7  einen 
Goldgehalt  von  50 — 55  o/o  (oder  von  52 — 58  o/^,,  w  enn  sie,  wie  das 
ähnliche  de  Luynes'sche  Stück,  2  o/^,  Kupfer  enthalten).  An  diese 
reihen  sich  Stücke,  die  als  Hälften  der  vorigen  angesehen  werden 
können  (nämlich  Nr:  11,  12  und  13  meines  I.  Verz.),  deren  Fein- 
gehalt zwischen  61  und  64  o/„  liegt.  Vielleicht  gehört,  trotz  seines 
dem  Obolon  genau  entsprechenden  Gewichtes,  das  Stück  Nr.  14 
des  I.  Verz.  auch  hierher  und  ist  als  ein  niedrig  ausgebrachtes  Viertel 
der  obigen  Pentobolen,  also  ein  Halbstück  der  eben  angeführten 
Nr.  11 — 13  des  I.  Verz.  zu  betrachten,  mit  denen  es  in  der  Legirung 
(64-84  o/o)  stimmt,  während  die  beiden  anderen  Obolen  (Nr.  11  und  12 
des  vorliegenden  Verzeichnisses)  viel  feinhältiger  sind.  Ich  weiss  zu 
wohl,  dass  diese  Verhältnisse  bei  einer  grösseren  Reihe  dieser 
Münzen,  als  ich  zu  untersuchen  Gelegenheit  hatte,  eine  wesentliche 
Aenderung  zeigen  können,  um  meine  Bemerkung  für  mehr  denn  eine 
blosse  Vermuthung  zu  geben,  die  vielleicht  einer  weiteren  an  meh- 
reren Stücken  vorzunehmenden  Prüfung  nicht  unwerth  wäre. 

Die  folgende  Zusammenstellung  der  abgekürzten  Zahlenwertho 
soll  die  Uebersicht  erleichtern. 


«4)  Berliner  Zeitsclir.  f.  Niunisni.  1H84.  XI.  S.  IGl. 


■-.fi^^ 


22  K.  B.  Hofmann  : 

Dem  attischen  Münzfuss  xt.    i            •  ^        nr         r 

,        j  Nicht  attischer  Miinzfuss: 
entsprechend: 

Gewicht            Gold  %  Gewicht  Gold  % 

4-32            98-7  6-48  30-4 

2-90            95-7  *)6-56  30-0 


2-31 

82-7 

3-72 

54-4 

1-40 

96-8 

*)  3-63 

52-0 

1-16 

93-5 

*)  3-58 

51-0 

1-15 

92-1 

*)  3-44 

49-6 

M6 

90-6 

3-49 

55-1 

0-66 

96-3 

3-49 

54-5 

0-72 

90-6 

3-40 

58-0  (Duc  de  Luynes) 

1-84  60-8 

1-80  64-5 

1-75  63-6 

1-80  63-0  (Duc  de  Luynes) 

6)Mommsen  (Gesch.  d.  r.Müuzw.  S.  132)  macht  auf  „das  selt- 
sam schwankende  Gewicht"  der  Stücke,  welche  auf  der  Vorder- 
seite den  Apollokopf,  auf  der  Reversseite  den  Dreifuss  zwischen 
^YPAK  —  O^IHN  zeigen,  aufmerksam.  Noch  viel  schwankender 
ist  die  Zusammensetzung  der  Legirung  dieser  Münzen,  die  aber  in 
keiner  erkennbaren  Beziehung  zu  ihrem  Gewichte  steht.  Von  den 
10  Stücken,  deren  Zusammensetzung  mir  bekannt  ist,  sind  drei,  die 
sich  von  den  7  anderen  wesentlich  unterscheiden.  Das  eine  (Nr.  10 
meines  I.  Verz.)  enthält  nur  27  o/o,  das  andere  (von  Hultsch  ange- 
führte) nur  25*5  %  Gold.  Beide  tragen  die  Fackel  als  Beizeichen 
hinter  dem  Apollokopf.  Ein  Stück  aber  (Nr.  3  des  vorliegenden  Verz.) 
mit  dem  Kantharus  als  Beizeichen  enthält  nur  6-31  o/o  (im  besten 
Fall,  mit  Rücksicht  auf  etwa  vorhandenes  Kupfer,  8  o/o)  Gold.  Der 
Befund  hat  mich  so  überrascht,  dass  ich  die  Wägung  wiederholte^ 
beidemale  aber  bis  in  der  vierten  Decimale  tibereinstimmende 
Werthe  erhielt,  so  dass  kein  Irrthum  unterlaufen  war.  Das  Stück  ist 
auch  nicht  gegossen,  daher  eine  moderne  Fälschung  ausgeschlossen 
scheint.  Es  liegt  also  entweder  eine  antike  Falschmünze  vor,  oder 


*)  Bezeichnet  die  von  Hultsch  1.  c.  angeführten  Stücke.  Der  Feingehalt 
ist  der  Gleichförmigkeit  wegen  zum  Theil  umgerechnet. 


Zur  Geschichte  der  antikoii  Lt  ^i,  u..;..  ...  äO 

es  gab  eine  Periode,  in  der  diese  Stücke  so  geringhaltig  ausgebracht 
worden  sind.  Die  Untersuchung  einer  grösseren  Reihe  sehr  blasser 
Stücke  dieser  Prägung  muss  über  die  Frage  Aufschluss  geben. 

e)  Ob  das  Stück  Nr.  6  einerseits  und  die  Stücke  Nr.  7,  8  und  9 
anderseits  wirklich  einer  Reihe  angehören,  scheint  mir  zweifelhaft. 
Die  letzteren  drei  („von  alterthümlicher  Arbeit"  Mommsen  1.  c. 
S.  133)  stimmen  untereinander  in  der  Zusammensetzung  der  Legirung 
besser  überein,  als  mit  der  von  Nr.  6.  Allerdings  sind  die  drei  Stücke 
von  gleichem  oder  sehr  ähnlichem  Gepräge,  während  gerade  Nr.  6 
sich  darin  von  ihnen  unterscheidet,  und  es  scheint,  dass  bei  den 
syrakusanischen  Goldmünzen  einer  gleichen  Prägung  eine  sehr  ähn- 
liche Mischung  der  beiden  Edelmetalle  entspricht. 

Dagegen  stimmt  die  Münzsorte  von  Agrigent,  welche  Momm- 
sen S.  133  bei  den  syrakusanischen  eingereiht  hat  und  von  der  ein 
Stück  unter  Nr.  10  dieses  Verzeichnisses  aufgeführt  ist,  mit  Nr.  6 
nicht  bloss  im  Gewicht,  sondern  auch  in  der  Legirung  sehr  gut. 

(!)  Mommsen  weist  (S.  132)  darauf  hin,  dass  sämmtliche 
Goldstücke  des  Hiketas  und  Hiero  II.  das  gleiche  Gewicht 
haben,  wie  die  syrakusanischen  Münzen,  die  der  attischen  Drachme 
entsprechen.  Wenn  diese  letzteren  durchwegs  von  der  Zusammen- 
setzung des  von  mir  unter  Nr.  8  des  I.  Verz.  aufgeführten  Stückes 
sein  sollten,  so  stimmen  die  Münzen  des  Hiketas,  Hiero  und  Iliero- 
nymus  auch  im  Feingehalte  mit  ihnen  überein,  ja  übertreffen  sie 
wohl  noch.  Die  Nr.  15,  17,  19,  20  (!)  sind  von  reinem  Gold,  dem 
nur  Spuren  Kupfer  beigemischt  sein  mögen,  wodurch  das  specifische 
Gewicht  des  Goldes  etwas  herabgedrückt  wird.  Ueberdies  sind  ja 
die  unseren  Berechnungen  zu  Grunde  gelegten  Constanten  für  Gold 
(19-28)  und  Silber  (10-48)  auch  nur  Mittelwerthe. 

Die  zwei  von  Agathokles  geschlagenen  Münzen  Nr.  13  und  14 
geben  im  Feingehalt  denen  der  folgenden  Könige  nichts  nach. 

Dieser  Feingehalt  ist  ein  nicht  minder  ehrendes  Zeugniss  für 
die  Fertigkeit  der  das  Gold  raffinirenden  Arbeiter  (dßovtövrwv),  als 
für  die  finanzpolitische  Einsicht  der  syrakusanischen  Herrscher. 


24 


K.  B.  Hofraauii 


YII. 
Ueber  den  Feingehalt  der  Regenbogenschüsselehen. 

Die  unter  dem  Namen  der  j,Regenbogenscliüsselchen"  bekann- 
ten Goldmünzen  theilen  mit  allen  inscliriftlosen  Wertlizeichen  den 
Nachtheil  der  Unsicherheit  mit  Rücksicht  auf  ihre  Localisation;  ja 
diese  Unsicherheit  erreicht  bei  ihnen  so  ziemlich  das  höchste  Mass, 
indem  man  trotz  mancher  fleissigen  und  eingehenden  Untersuchung 
nicht  einmal  über  das  Volk,  das  diese  Münzen  geschlagen  oder 
gegossen  und  sie  gebraucht  hat,  einige  Sicherheit  besitzt.  Zudem 
entschädigen  sie  den  sich  mit  ihnen  Beschäftigenden  nicht  einmal 
durch  die  Anmuth  und  Schönheit  ihres  Gepräges,  wie  dies  z.  B.  die 
anepigraphen  Electrummtinzen  Kleinasiens  thun.  Wenn  ich  in  den 
folgenden  Blättern  über  diese  wenig  anziehenden  Stiefkinder  der 
Numismatik  doch  einige  Mittheilungen  mache,  so  geschieht  es  in  der 
Erwägung,  dass  bei  schwierigen  Gegenständen  der  Forschung  jeder 
Umstand  der  Beachtung  werth  ist,  da  er  im  Verlaufe  weiterer  Unter- 
suchungen zur  richtigen  Deutung  beitragen  kann;  die  Beziehung  aber 
zwischen  Prägetypus  und  Legirung  einer  Münze  an  sich  wichtig  ist. 

Ueber  die  Legirung,  aus  der  die  Regenbogenschüsselchen 
bestehen,  sind  nur  ganz  ungefähre  Vermuthungen  geäussert  worden 
(wenigstens  kenne  ich  nur  3  oder  4  Analysen^  und  diese  Vermuthun- 
gen finden  durch  die  genauere  Untersuchung  nur  theilweise  Bestäti- 
gung. Das  rohe  Gepräge  dieser  Münzen  Hess  vermuthen,  dass  ihre 
Legirung  mehr  vom  Zufall  abhing,  als  dass  sie  nach  beabsichtigtem, 
festgesetztem  Verhältnisse  zu  Stande  gekommen  wäre.  Eine  genauere 
Prüfung  lehrt  uns,  dass  diese  Annahme  nicht  richtig  ist,  insofern 
doch  bei  gewissen  Gruppen  eine  Regelmässigkeit  und  Beständigkeit 
im  Mischungsverhältnisse  der  beiden  Edelmetalle  nicht  verkannt 
werden  kann. 

Ich  stelle  die  Uebersicht  der  Untersuchungsresultate  voraus 
um  die  daraus  gezogenen  Schlüsse  folgen  zu  lassen. 


w 


Zur  Geschichte  der  antiken  Legirungen. 


25 


Gagers-Irschinger  Typen. 


B 

B 

5^ 'S 

^5 

O 

< 

Gewichtsverlust 
im  Wasser 

•r   © 
O   ü 

2 

C5 

Anmerkung 

1 

15)        1 

7-2680 

0-3856 

18-848 

18-822 

97-11 

W.  26652. 

2 
3 

2 

7-0180 

0-3892 

18-019 
17982 

91-41 

Im  Besitze  des  Herrn  Trau  in 
Wien.  Stammt  von  Wels  in 
0.  Ö.  Am  Ende  der  Axt  ist 
ein  drittes,  bei  Streber  fehlen- 
des Kügelchen  (oder  Ring) 
eingeschlagen. 

5 

7-5407 

0-5057 

14-911 

14-889 

64-88 

W.  26687.  Drache;  6  Kügelchen. 

4 

18 

2-2504 

0-1281 

17-567 
17  535 

88-15 

W.  26642.  Drache;  3  stylisirte 
Blumen. 

5 

18 

2-3605 

0-1281 

18-427 
l«-395 

94-33 

W.  26643.  Aehnlich. 

6 

18 

2-5593 

0-1343 

19-056 
19024 

98-40 

W.  26641.  Stark  verwischtes  Ge- 
präge. 

7 

— 

2-6755 

0-1395 

19-179 
19147 

99-18 

W.  26640.  Sehr  undeutliches  Ge- 
präge, doch  wohl  in  die  gleiche 
Gruppe  gehörig. 

i 
8 

1 

19 

7-4832 

0-5797 

12-909 

12-888 

40-90 

W.  26678.  Vogelkopf;  Kreuz  mit 
3  Kügelchen  darüber. 

15)  Die  Zahlen  beziehen  si 

1 
ch  auf  die  Abbildungen  der  bekannten 

8tr 
1.  C 

ober 's 
1.,  IX.  ] 

chc;n   A 
Bd.,  1.  . 

Lbhaudl 
\bth.). 

ungen  ( 

Abh.  d 

.  k.  bayer.  Aka<l.  d.  Wisseusch. 

'^^^^m 


2Q 


K.  B.  Hofmann; 


-C 

ü 

<x> 

^ 

-fi  ;h 

o 

tH       ® 

O 

S    Si 

If 

CG 

Sa 

1» 

1 

'S  a 

,Ä 

C»  •« 

<J 

^ 

2^     b£ 


Anmerkung 


10 


11 


12 


13 


14 


15 


16 


17 


18 


19 


21 


44 


44 


48 


51 


53 


58 


101 


104 


7-3035 


7-3332 


6-8436 


7-5890 


7-4860 


7-4420 


7-4388 


2-1031 


4-2273 


7-8068 


1-8253 


0-5162 


13-371 
13349 


47-09 


W.  26686.  Aehnlich,  ohneKügel- 
chen. 


0-4887 


0-5340 


0-5070 


0-5011 


0-4905 


0-4982 


0-1100 


0-8485 


0-5105 


0-1155 


15-005 
14981 
12-816 
12795 
14-968 
14944 
14-939 
14915 
15-172 
15-148 
14-931 
14907 


19119 
10-089 


65-83 


39-64 


65-45 


65-15 


67-52 


65-08 


98-81 


W.  26681.  Vogelkopf;  5  Kügel- 
chen. 


W.  26683.  Aehnlich. 


W.  26679.  Aehnlich. 


W.  26684.  Vogelkopf;  4  Kügel- 
chen. 


\V.  26685.  Vogelkopf;  3  Kügel- 
chen. 


W.  26680.  Blätterkranz;  6  Kügel- 
chen. 


W.  26653. 


12-130 
12-112 


29-52 


BP.  Kreuz;  glattes  Schild. 


15-292 
15270 
15-803 
15776 


68-73 


73-54 


W.    26688.     Drei     Halbmonde; 
glattes  Schild. 


Joanneum  in  Graz.  X-förmig  ge- 
stellte Halbmonde. 


Zur  Geschichte  der  antiken  I,ei>irun£ 


27 


a 

B 

li 

a   <ü 

1 

02 

OD     /S 

Rohes    und   corri- 

girtes  specifisches 

Gewicht 

2 

Cm 

'S 
0 

Anmerkung 

20 

105 

7-7138 

0-4091 

18-855 
18823 

97-10 

W  26631.  Beide  Seiten  glatt; 
schüsseiförmig  hohl. 

21 

108 

6-5669 

0-3696 

17-768 
17737 

89-64 

W.  26633.  Concentrische  Strah- 
len ;  Schild  mit  vertieftem 
Fleck. 

22 

109 

6-7348 

0-3748 

17-969 
17944 

91-14 

BP.  Aehnlich  wie  Nr.  21. 

23 

111 

6-4401 

0-3962 

16-255 
16227 

77-60 

W.  26632.  Aehnlich. 

24 

112 

7-1432 

0-3962 

18-029 
17998 

91-52 

W.  26636.  Strahlige  Muschel; 
glattes  Schild;  in  der  Muschel 
drei  Kügelchen  ^\. 

25 

113 

6-9064 

0-3822 

18-201 
18170 

92-73 

Joanneura  in  Graz.  Die  Muschel 
ohne  Kügelchen.  Auf  dem 
Frauenberge  ob  dem  Leib- 
nitzer  Felde  gefunden. 

26 

115 

6-9223 

0-3761 

18-406 
18-375 

94-14 

W.  26634.  Aehnlich  wie  die 
vorige  Nummer. 

27 

115 

7-2407 

0-3923 

18-457 
18426 

94-48 

W.  26635.  Aehnlich. 

28 

114 

6-8270 

0-3731 

18-298 
18270 

93-42 

W.  26628.  Strahlige  Muschel; 
Kugel  mit  fünf  fingerförmigen 
Fortsätzen. 

29 

114 

7-0630 

0-3940 

17-927 
17-899 

90-81 

W.  26629.  Aehnlich. 

28 


o 

K.I 

!.  Hofmann: 

B 

a 

PS 

5z; 

% 

O 

m 

< 

2 

11 

Rohes    und   corri- 

girtes  specifisches 

Gewicht 

2 

il 

Anmerkung 

30 

114 

6-7023 

0-3723 

18-002 
17971 

91-33 

W.  26630.  Aehnlich. 

31 

114 

6-7431 

0-3756 

17-953 
17-920 

90-91 

Joanneum.  Aehnlich  (in  Gleis- 
dorf in  Steienuark  gefunden). 

32 

^^Viie 

6.6323 

0-3679 

18-027 
18002 

91-55 

BP.  Glatte  Muschel  wie  Stre- 
ber 16;  bandförmiges  Zeichen 
wie  Streber  114. 

33 

^^Vll6 

6-6663 

0-3679 

18-120 
18094 

17-506 
17-481 

92-20 

BP.  Gleich  Nummer  32. 

34 

— 

6-6610 

0-3805 

87-75 

BP.  Strahlige  Muschel;  über  dem 
bandförmigen  Zeichen  ein 
Kügelchen. 

35 

— 

6-4922 

0-3782 

17-166 
171B8 

85-12 

W.  26627.  Aehnlich. 

36 

— 

6-5262 

0-4015 

16-134 
16111 

75-58 

PB.  Aehnlich. 

37 

— 

6-4950 

0-4035 

16-097 
16074 

76-25 

BP.  Aehnlich. 

38 

6-4640 

0-4164 

15-523 
15500 

70-96 

BP.  Aehnlich,  undeutlich. 

40 

— 

6-4362 

0-3962 

16-245 
16219 

77-53 

W.  26625.  Aehnlich,  wie  die  obi- 
gen; statt  des  Kügelchens 
steht  über  der  Hand  BIATEC. 

41 

— 

6-4557 

0-3936 

16-402 
16379 

78-91 

BP.  Ebenso  wie  40. 

r 


Zur  Geschichte  der  antiken  Legirungen. 


29 


B. 
Podmokler  Typen. 


(V)    •-• 


C    ü 


'S  ü 


tiß 


'S 


Anmerkung 


42 


43 


44 


45 


46 


47 


48 


49 


50 


51 


8-1699 


8-1145 


0-4-291 


0-4307 


2-3519 


2-2428 


2-3246 


2-5203 


2-1422 


2-1291 


2-0969 


2-1170 


0-1355 


0-1246 


0-1328 


0-1345 


0-1202 


0-1340 


0-1195 


0-1370 


19-040 
19-013 
18-840 
18814 

17-062 
17037 
18-000 
17969 
17-504 
17473 
18-738 
18704 
17-822 
17791 
15-888 
16868 
17-547 
17621 
15-452 
16430 


98-33 


97-05 


BP.  Beiderseits  glatter, platt  gedrückter 
Goldtropfen,  nur  an  einer  Seite 
buckeiförmige  Erhöhung. 


BP.  Ganz  ähnlich. 


84-32 


91-31 


87-69 


96-33 


90-04 


74-35 


88-05 


70-29 


BP.  S chmaler Typus.  Abbildung  I.  S.37. 


W.  26639.  Ganz  ähnlich. 


W.  26637.  Ganz  ähnlich. 


Joanneum.  Fundort  Podmokl. 


W.  26638.   Aehnlich,   aber  nicht  ganz 

übereiTisfiiiniKMul. 


W.  26626.  Breiter  Typus.  Abbildung  II. 

S.  ;)7. 


BP.  Ganz  ähnlich  der  Nummer  48. 


BP.  Mittelleiste  fehlt.  Abbildung  III. 
S.37. 


30 


K.  E,  Ilofmani 


o  — 


•C  2 


II 
"So 


Ü    13 

Sud 

'o 

O 


Anmerkung 


52 


53 


54 


55 


56 


57 


58 


59 


60 


61 


62 


2-1259 


0-8092 


0-8827 


0-9712 


0-9260 


0-7277 


0-8383 


0-7840 


0-8266 


0-5899 


0-5318 


0-1329 


0-0463 


0-0489 


0-0514 


0-0494 


0-0457 


0-0533 


0-0474 


0-0441 


0-0443 


0-0393 


15-996 
15973 


17-499 
17474 
18-051 
18028 
18-895 
18866 
18-745 
18716 
15-923 
16898 
15-728 
15-708 
16-540 
16515 


18-744 
18718 


13-316 
13292 
13-532 
18-508 


75-35 


87-69 


91-69 


97-39 


96-41 


74-67 


72-87 


80-06 


96-43 


46-35 


49-11 


BP.  Der  vorigen  Nummer  gleich. 


BP.  Unter  dem  Dreieck  3  Kügelchen. 
Abbildung  IV.  S.  38. 

W.  26646.  Ganz  ähnlich  wie  das  vorige 
Stück;  jedoch  2  Reihen  von  je  3  Kü- 
gelchen. 


W.  26647.  Aehnlich  dem  vorigen  Stück. 


W.  26648.  Aehnlich,  nur  ist  der  Umbili- 
cus  der  Rev>^rsseite  sehr  dick. 


W.  26649.  Statt  der  Kügelchen  Leisten; 
Rovers  A-förmig.  Abbildung  V.  S.  38. 


W.  26650.  Fast  ein  Pare  des  vorigen 
Stückes. 


BP.  Verwandter  Typus.  Abbildung  VI. 
S.  38. 


BP.  Undeutliches,  strahliges  Gepräge. 


W.  26717.  Zur  Hälfte  hohl  geprägt. 


W.  26718.  Pare  des  vorigen  Stückes. 


Zur  Geschichte  der  antiken  Legirungen. 


31 


ganz  undeut- 


Ausser  diesen  Stücken  sind  noch  kleinere  mit 
lichem  Gepräge  versehene  wahrscheinlich  den  obigen  beizuzählen, 
insoferne  sie,  wie  es  scheint,  theils  dem  Podmokler  Funde,  theils 
älteren  böhmischen  Funden  angehören.  Sie  sind  sehr  feinhältig.  An 
drei  solchen  Stücken  fand  ich  folgende  Verhältnisse: 


3 
g 

S 
5z5 

,0 

% 
1 

'o 

2 

'S  i; 

p     70 

u 

■V 

Rohes    und    corri- 

girtes    speeifisches 

Gewicht 

2 

Oh 

31 

O 

A  n  ni  e  r  k  u  n  g 

63 
64 
65 

0-2640 
0-2866 
0-2576 

0-0140 
0-0155 
0-0137 

18-857 
18831 

18-490 
18464 

18-803 
18777 

97-16 
94-74 
96-81 

;  Budapester  National-Museum. 

\ 

Die  im  vorstehenden  Verzeichnisse  aufgenommeneu  Münzen 
sind  theils  in  der  k.  Münzsammlung  in  Wien  (im  Verzeichnisse  mit 
W.  und  der  Inventarsnummer  angeführt),  theils  im  ungarischen 
Nationalmuseum  (mit  BP.  bezeichnet)  aufbewahrt,  i»)  Als  „Gagers- 
Irschinger  Typen"  sind  in  eine  Abtheilung  jene  Münzformen 
zusammengefasst,  welche  Streber  in  seiner  bekannten  Abhandlung 
abgebildet  hat.  Unter  der  Bezeichnung  der  „Podmokler  Typen"^ 
führe  ich  solche  an,  die  entweder  in  Podmokl,  Kuttenberg, 
Ni  seh  bürg  oder  sonst  in  Böhmen  (besonders  im  BoniinuM-  Kn;ise'i 
gefunden  worden  sind. 


*«)  Die  Münzen  der  letzteren  Sammlung  sind  mir  mit  liebenswürdiger  Zuvor- 
kommenheit durch  Hen-n  Professor  Dr.  Hampel,  Custos  am  ungar.  National- 
museum übermittelt  worden.  Di<^  Wägungen  führte  ich  im  mineralogischen 
Institute  des  Herrn  Professors  Dr.  K renne r  duselhst  aus,  der  mir  eine  feine 
Wage  (von  Schickert  in  Dresden)  freundlichst  zur  Verfügung  gesteUt  hat. 


32 


K.  B,  Hofmann: 


1.  Ueber  die  Zusammengehörigkeit  der  Prägeformen  hen-seht 
noch  Unsicherheit,  da  von  vielen  Stücken  nicht  einmal  die  Fundorte 
zuverlässig  bekannt  sind. 

Streber  erklärt,  dass  man  die  in  Bayern,  Schwaben  und  Fran- 
ken vorkommenden  Kegenbogenschüsselchen  in  gar  keiner  Bezie- 
hung mit  den  Podmoklern  zusammenstellen  könne  (1.  c.  S.  183),  die 
ersteren  seien  IS^/a-karätig  (=  7  7*08 o/o  Grold),  die  letzteren  aus 
Feingold.  Wenn  auch  die  Angabe  über  den  Feingehalt  der  ersteren 
nicht  durchwegs  richtig  ist,  so  bestätigt  doch  auch  Herr  Dr. 
Eiggauer  auf  Grund  seiner  Fundnotizen,  dass  die  Podmokler 
Typen  mit  den  Streberischen  niemals  zusammen  gefunden  worden 
sind.  „Wahrscheinlich  gehen  diese  beiden  TypentiTuppen  von  ver- 
schiedenen Stämmen  aus." 

Um  so  merkwürdiger  muss  der  Zufall  erscheinen,  dass,  durch- 
mustert man  die  von  mir  untersuchten  Stücke,  zwischen  den 
Gewichten  der  grossen  Mehrzahl  von  ihnen  einfache  Relationen  zu 
bestehen  scheinen : 

1  =  7-013— 7-807      6-436— 7-024 
Vs  =  2-40  -2-67        2-10  —2-35 
V,  =  0-73  —0-97 
1/27  =  0-258— 0-287 

2.  Zwischen  den  Prägetypen  und  der  Legirung,  nicht  aber 
zwischen  der  letzteren  und  dem  Gewicht  der  Stücke  besteht  eine 
Beziehung.  Auffallend  ist  dies  besonders  bei  Gruppen,  die  eine 
grössere  Zahl  von  Stücken  umfassen,  z.  B.  die  Stücke  mit  Kügelchen 
Nr.  3,  10 — 15,  oder  die  mit  Muscheln  Nr.  24—33.  Weniger  ist  es 
bei  den  Podmokler  Stücken  der  Fall;  doch  ist  hier  die  Zahl  der 
Münzen  gleicher  Prägung  zu  klein,  um  ein  endgiltiges  Urtheil  zu 
gestatten. 

3.  Die  Stücke,  welche  über  7  Gramm  wiegen,  zeigen  drei 
Prägetypen :  a)  eine  Art  Axt  (?),  h)  eine  verschiedene  Anzahl  von 
Kügelchen,  c)  ein  Kreuz.  Zum  erstem  gehören  die  Nrn.  1  und  2 
(dieses  durch  Abnützung  leichter  geworden V,  sie  sind  sehr  fein- 
hältig  (91 — 97o/o).  Sie  scheinen  bisher  nur  in  Oberösterreich  ge- 
funden worden  zu  sein.  Vergleicht  man  die  Abbildung  des  Stückes 
Nr.  16  (bei  Streber  89)  mit  der  von  Nr.  2,  so  scheint  mir  die 
Zusammengehörigkeit  unverkennbar.  Die  Zeichnung  der  Reversseite 


Ji 


pp^' 


Zur  Geschichte  der  antiken  Legirungen. 


33 


scheint  mir  derselbe  zusammengerollte  Drache  zu  sein,  nur  stilisirt. 
Die  Legirung  ist  gleichfalls  sehr  feinhältig.  Das  von  Streber  abge- 
bildete ist  eben  das  von  mir  untersuchte  Stück  der  Wiener  Samm- 
lung. Es  könnte  das  Drittel  von  Nr.  2  sein;  das  Sttick  des  Linzer 
Museums  soll  6-5  Gr.  wiegen  (Streber).  Der  Feinheit  der  Legirung 
nach  gehören  die  jedes  Prägebildes  entbehrenden  Regenbogen- 
schtisselchen,  wie  Nr.  20,  wahrscheinlich  auch  hierher. 

Eine  besondere  Gruppe  bilden  jene  Münzen,  die  in  ihrem  Präge- 
bild Kügelchen  aufweisen.  Streber  hat  darauf  hingewiesen  (S.  575), 
dass  die  Kugeln  kein  Zeichen  des  Werthes  seien,  da  bei  sehr  wech- 
selnder Zahl  derselben  (3—6)  das  Gewicht  gleich  ist.  Dasselbe 
gilt  für  die  Mischungsverhältnisse  der  beiden  Metalle.  Nr.  14  mit 
drei,  Nr.  13  mit  vier,  Nr.  10  und  12  mit  fünf,  Nr.  3  und  15  mit 
sechs  Kugeln  bestehen  aus  derselben  Legirung.  Diese  ist  bei  der 
ganzen  Gruppe  viel  goldärmer,  als  bei  den  vorher  besprochenen 
Stücken  (mit  der  Hacke).  Der  Goldgehalt  schwankt  sehr  wenig  um 
65 Vo-  (Nr.  11  unterscheidet  sich  im  Gewicht  und  in  der  Legirung 
ganz  ausserordentlich.)  Für  die  Güte  der  Legirung  scheint  weniger 
das  zweite  Prägbild  (Yogelkopf,  Drache  oder  Blätterkranz)  ent- 
scheidend zu  sein.  Wenigstens  ist  Nr.  3,  das  wie  die  feinhältigen 
Stücke  Nr.  1  und  2  einen  Drachen  weist,  in  der  Legirung  doch  mit 
Nr.  15,  mit  dem  es  die  6  Kügelchen  im  Gepräge  theilt,  ganz  gleich. 
Während  Nr.  9,  das  einen  Vogelkopf  zeigt,  viel  weniger  feinhältig 
ist,  als  die  anderen  Stücke,  die  eben  auch  Vogelköpfe  zeigen. 

Eine  ähnliche  Feinhältigkeit,  wie  sie  den  mit  Kugeln  markirteu 
Münzen  eigen  ist,  zeichnet  auch  das  mit  drei  Halbmonden  versehene 
Stück  (Nr.  18)  aus. 

Als  Repräsentanten  des  dritten  Typus  (mit  dem  kreuzförmigen 
Stern)  hätten  wir  Nr.  8,  9*7)  und  vielleicht  16  anzusehen  (von 
Nr.  16  fehlt  mehr  als  ein  Drittel  des  Stückes,  daher  das  scheinbar 
kleinere  Gewicht,  das  gleiche  Streber'sche  Stück  wog  7-737).  Die 
Stücke  dieser  Prägung  sind  sehr  gohbinn  i etwas  unter  und  über 
45o/o). 


17)  Hierher  ^einm  wuiil  »Lirt  ivcgenbogenschüsselchen,  eins  Hultsch  (Ber- 
liner Zeitschr.  f.  Numism.,  XL,  S.  166)  unter  Nr.  15  anlVihrt,  und  das  ^2% 
Gold  hält. 


%-T«-;  i>  -■.X--/^^j-^Jtrr-r^'a 


^^  K.  B.  Hofmann: 

Zu  dieser  geringhaltigen  Gruppe  von  Regenbogenschusselchen 
gehört  auch  der  Typus  Nr.  84  von  Streber  (Triquetrum  im  offenen 
Blätterkranz;  Reversseite  6  Ringel  statt  der  Kugeln  und  eine  diese 
umfassende  Zickzacklinie  statt  der  einfachen  halbmondförmigen 
Leiste).  Das  von  Hultsch  (1.  c.  Nr.  16)  angeführte  Stück  dieser 
Art^  6*99  Gr.  schwer,  enthält  nur  41*8o/o  Gold.  Diese  Stücke  sind 
offenbar  jüngeren  Datums  als  die  mit  einfachen  6  Kugeln;  dafür 
scheint  mir  —  wenn  ich  so  sagen  darf  —  die  künstlerisch  feinere 
Ausführung  zu  sprechen:  die  feingezähnelte  Linie  statt  der  ein- 
fachen, die  concentri sehen  Doppelringel  statt  der  glatten  Kugeln. 
Die  Vorderseite  zeigt  ein  anderes  Motiv. 

Von  den  Regenbogenschüsselchen,  die  keine  Prägung  haben, 
gibt  Streber  an,  dass  sie  nach  dem  Striche  IBkarätig  sein  (d.  h. 
75o/o  Gold  enthalten)  sollen.  Das  von  mir  untersuchte  Stück  Nr.  20 
war  viel  feinhältiger  (97*1  «/o).  Diesem  Stücke  kommen  an  Fein- 
gehalt die  beiden  Nr.  42  und  43  gleich.  Sie  sind  nicht  hohl,  son- 
dern auf  der  einen  Seite  ganz  eben,  während  die  andere  zu  einem 
Umbo  erhöht  ist.  Ich  habe  beide  in  die  Gruppe  der  Podmokler 
Typen  aufgenommen,  obwohl  ihre  Provenienz  unbekannt  ist.  Soweit 
man  aus  den  ungenauen  Abbildungen,  die  Voigt  seinem  Aufsatze 
über  den  Podmokler  Fund  i»)  beigefügt  hat,  schliessen  darf,  sind 
sie  gleich  dem  von  ihm  als  Nr.  1  abgebildeten  Stücke.  Diese  Art 
Stücke  sind  nach  seiner  Angabe  133 — 134  Grän,  d.  h.  7-74  bis 
7-80  Gramm  schwer  und  23  Karat  8  Grän  fein,  d.  h.  98-61  o/^  Gold 
haltend,  was  dem  Feingehalte  nach  sehr  genau  mit  unseren  beidei 
Stücken  stimmt,  die  nur  etwas  schwerer  sind. 

Ich  habe  auch  ein  kleines  Regenbogenschüsselchen  (W.  26732), 
das  nur  1*9275  wog  (im  Wasser  1.7820),  untersucht,  das  ohne  alles] 
Gepräge  zu  sein  schien  und  aus  dessen  specifischem  Gewichte! 
(corrig.  13*223)  sich  ein  Goldgehalt  von  45*45o/o  ergibt.  Ich  ver- 
muthe  indess,  dass  es  ähnlich  den  Stücken  99  und  100  von  Streber 
war,  dass  aber  das  kleine  Kreuzchen  in  der  Höhlung  durch  Ab- 
nützung verschwunden  ist.  Es  würde  der  Feingehalt  dann  mit  dem 
der  Ganzstücke  des  dritten  Typus  Nr.  8,  9  stimmen  und  diese  kleinen 

18)  Beschreibung  der  böhmischen  Münzen,  I.Bd.,  S.47.  —  Auch  A.Voigt. 
Schreiben  an  einen  Freund  von  den  bei  Podmokl  gefundenen  Goldmünzen 
Prag,  1771,  S.  7,  als  Nr.  1  beschrieben. 


Zur  Geschichte  der  antiken  Lcgirimgen. 


35 


(joldschüsselchen  die  Viertelstücke  der  grossen  sein.   (^Mittelwerth 
der  grossen  aus  4  Stücken  =  7-6  Gr.;  das  Viertel  =  1-9  Gr.). 

4.  Eine  besondere  Gruppe  bilden  die  RegenbogenscliUsselchen, 
die  auf  einer  Seite  ein  muscbelförmiges  Bild  tragen;  die  andere 
Seite  ist  glatt  oder  zeigt  eine  Kugel,  von  der  kurze  fingerfijrmige 
Fortsätze  ausgeben  (bandförmig) ;  bei  einer  Anzabl  von  Münzen  ist 
darüber  nocb  eine  Kugel  angebracbt.  Diese  Stücke  findet  man 
nicbt  bloss,  wie  Streber  meinte,  in  Bayern  und  Böbmen,  sondern 
aucb  vereinzeint  in  Steiermark  (Nr.  25  und  31).  Ibr  Gewicbt  ist 
meist  unter  7  Gramm  (6-7 — 6*9  Gr.),  bisweilen  sebr  wenig  über 
;  Gramm  (7.1,  7-2  Gr.). 

Die  Stücke  mit  glatter  Reversseite  oder  der  bandiormigen 
Prägung  (Nr.  24—32)  sind  von  sebr  constanter  Legirung:  im  Mittel 
92*3o/o  Crold  entbaltend.  Minder  beständig  ist  das  Miscbungsver- 
bältniss  jener  Stücke,  die  eine  Kugel  über  dem  bandförmigen  Bilde 
fübren:  der  Feingebalt  liegt  zwiscben  71  und  87*70/o.  Zwei  Stücke 
mit  der  Inscbrift  BIATEC  entbalten  77-5  und  78-9o/o  Gold.  Im 
<ianzen  scbeint  sieb  bei  den  beiden  Prägetypen  der  Feingebalt 
orberrscbend  um  76o/o  zu  bewegen.  Nocb  scbwankender  im  Fein- 
^ebalt  sind  die  Stücke,  deren  Reversseite  einen  vertieften  Fleck 
zeigt.  (Nr.  21  —  23.) 

Strebers  Angabe  (S.  701),  dass  die  Münzen  seiner  VII.  Gruppe 
in  unserem  Verzeicbnisse  Nr.  21 — 32)  nicbt  aus  Elektron,  sondern 
Ducatengold  besteben,  ist  also  nicbt  ganz  ricbtig.  Von  den  13  ber- 
gebörenden  Stücken,  die  icb  untersucbt  babe,  erreicht  keines  den 
Feingebalt  eines  Ducaten  (98-6o/o);  am  näcbsten  kommen  ihm 
Nr.  26  und  27  mit  94-14  und  94-480/,  Gold. 

Streber  spracb  (S.  727)  die  Meinung  aus,  dass  die  mit  der 
Muschel  geprägten  (oder  vielleicht  gegossenen)  Stücke,  aus  Ducaten- 
gold bestehend,  von  den  Bojen  stammen,  welche  bereits  die  böhmi- 
nchen  Bergwerke  ausgebeutet  hätten,  während  alle  anderen  aus 
Elektrum  gefertigt  wären,  d.  i.  aus  dem  Goldsand,  den  einst  der 
Uhein,  die  Donau,  der  Inn  und  kleinere  Flüsse  getllhrt  haben  solleu. 
Diese  Ansicht  kann  nach  obigen  Erörterungen  nicht  ohne  Eiu- 
x'hräukung  angenommen  werden.  Die  leichteren  Stücke  haben  eine 
li  inreichend  variable  Zusammensetzung,  so  dass  man  an  eine  solche 
l^lelle   des  Münzmetalls   denken  darf,   dagegen  ist  dies  fllr  die 

3* 


f^!^PfS^fT^*yWi 


36 


K.  B.  Hofmann: 


in  ihrem  Prägbilde  Kugeln  führenden  Stücke  sehr  unwahrschein- 
lich. Ihr  verschiedenes  Gepräge  lässt  die  Annahme  nicht  zu,  dass 
sie  alle  gleichzeitig  aus  einem  Elektrumbarren  gefertigt  seien ;  ihre 
grosse  Uebereinstimmung  der  Zusammensetzung  macht  es  überhaupt 
höchst  unwahrscheinlich,  dass  sie  aus  einer  zufälligen  Legirung^ 
wie  sie  als  natürliches  Elektrum  in  sehr  wechselnden  Mischungs- 
verhältnissen vorkommt,  gegossen  sind.  Das  gleiche  möchte  ich 
selbst  für  die  Stücke  36 — 41  behaupten. 

Von  kleineren  Nominalen  —  sit  venia  verbo  —  habe  ich 
nur  zweierlei  zu  untersuchen  Gelegenheit  gehabt:  Nr.  16,  Nr.  19 
und  die  Gruppe  Nr.  4 — 7.  lieber  das  erste  dieser  Stücke  habe  ich 
meine  Vermuthung  schon  ausgesprochen.  Nr.  19*»)  scheint  zu 
Nr.  18  zu  gehören.  Leider  ist  der  Fundort  nicht  bekannt.  Das 
Streber'sche  grosse  Stück  stammt  von  Ampfing.  Für  die  Zusammen- 
gehörigkeit der  Stücke  würden  die  Legirungen  einigermassen 
sprechen.  Vielleicht  ist  es  das  Vierto!  dos  Stüokos  Nr.  18.  Das 
Streber'sche  Exemplar  wog  ....  .7-51  Gr. 

Zu  Nr.  18  wäre  das  Gewicht  des  Viertels 1*93  .. 

Zu  Strebers  Stück 1-73  „ 

also  der  Mittelwerth 1-83  Gr. 

was  mit  dem  Gewichte  von  Nr.  19  (1.8253  Gr.)  sehr  gut  stimmt. 
Ob  zu  Podmokl  ähnliche  Stücke  gefunden  worden  sind,  ist  aus  der 
Abbildung,  die  Voigts«)  gibt,  nicht  mit  Sicherheit  zu  entscheiden. 

Die  Stücke  Nr.  4 — 7  weichen  in  den  Gewichten  ziemlich  stark 
von  einander  ab:  2*25 — 2*67.  Es  könnten  DrittelstUcke  zu  einem 
grösseren  Nominal  von  7*6  Gr.  sein.  In  der  That  ist  das  mittlci 
Gewicht  der  von  Streber  (Nr.  16  und  17)  abgebildeten  grosse 
Stücke  ganz  gleicher  Prägung  7-621  Gr. 

Die  Legirung  differirt  um  lOo/o  bei  den  verschiedenen  Exe 
plaren. 


I 


19)  Abgebüdet  bei  Fr.  Pich  1er,  Repertorium  der  steierischen   Mün 
künde,  I.  Bd.,  Taf.  V,  Nr.  4.  ■■ 

20)  A,  Voigt.  Schreiben.  Abbildung  Nr.  8  und  Beschreibung  der  b(^H 
mischen  Münzen.  Bd.  I,  S.  63,  Abbildung  VII.  Das  von  mir  untersuchte  Stück ' 
hat  auf  der  Reversseite  kein  Kreuz  und  in  den  Concavseiten  der  Halbmonde 
keine  Punkte.  Uebrigens  sind  Voigt's  Abbildungen  nicht  ganz  zuverlässig. 


Zur  Geschichte  der  antiken  Legirungen.  ö  i 

Von  den  Podmokler  Typen  scheinen  drei  Arten  in  dieselbe 
Gruppe  zu  gehören  (Nr.  44—51).  Sie  tragen  nur  auf  der  hohlen 
Seite  ein  Prägbild.  Im  Verzeichniss  nenne  ich  der  Kürze  halber 
diese  drei  Formen :  den  schmalen  Typus  (Abbildung  I),  den  breiten 
(Abbildung  II)  und  den  Typus  mit  fehlender  Mittelleiste  (Abbil- 
dung III).  Die  ganz  ungenauen,  zum  Theil  sehr  abenteuerlichen 
Abbildungen,  welche  in  den  beiden  Schriften  Voigt's  gegeben  sind, 
gestatten  keinen  Vergleich.  Die  hier  gelieferten  Darstellungen  sind 
in  den  Dimensionen  und  Details  möglichst  sorgfältig  und  genau 


ausgeführt.  Beachtenswerth  ist  bei  T.  1,  dass  an  den  Exemplaren, 
die  ich  gesehen  habe  (Nr.  44—48)  nur  das  linke  kornartige  Ge- 
bilde die  Querfurche  zeigt,  dass  die  Zahl  (10)  der  Zacken,  ebenso 
die  Richtung  (nicht  aber  die  Zahl  21)  der  aufwärts  gerichteten 
Leisten  an  allen  Stücken  gleich  bleibt.  Desgleichen  ist  bei  den 
Stücken  des  T.  II  (Nr.  49  und  50)  die  Zahl  der  Zacken  an  den 
))eiden  Exemplaren  gleich.  Der  T.  III  ist  aus  dem  vorherigen  ent- 
standen, indem  am  Stempel  die  Mittelleiste,  durch  welche  die  Mittel- 
furche bei  II  erzeugt  worden,  weggeblieben  ist.  Die  Zahl  der 
Zacken  stimmt  mit  der  bei  II.  Die  beiden  Kügelchen  über  dem 
Mittelschild  sind  zwar  minder  deutlich,  aber  doch  auch  vor- 
handen. 

Das  Gewicht  der  Stücke  vom  schmalen  Typus  liegt  zwischen 
2-2  und  2-5  Gr.  22)  Das  des  T. II  und  III  schwankt  zwischen  2-9  und 
1^13  Gr.  Als  Münzmetall  scheint  das  Gold,  wie  es  vorgefunden 
wurde,  ungereinigt  und  unlegirt  verwendet  zu  sein.  Es  ist  sonst 
nicht  leicht  einzusehen,  warum  zwei  so  ähnliche  Stücke,  wie  Nr.  44 
imd  47  im  Feingehalt  um  12o/o  von  einander  abweichen. 


21)  Das  dargestellte  Exemplar  hat  deren  ;3,  das  unter  Nr.  47  aiifgetührte 
Ivxemplar  hat  sehr  deutlich  ihrer  i. 

22)  Nr.  48  weicht  im  Gepräge   etwas   ab   und    nähert   sich  mehr  dein 

II.  Typus;   niwli  im  r^cuiclit  stiniint  c^^  I^ossim-  /u  dicsifin  Tvo'i-^, 


38 


K.  B.  Hofmann; 


Eine  andere  Gruppe  bilden  die  Stücke,  deren  Prägbild  aus 
concentriscben  Leisten  zusammengesetzt  ist.  Die  einen  (Abbil- 
dung IV)  zeigen  unter  dem  Dreieck  3  Kügelchen,  die  anderen  zwei- 
mal drei.    Das  Stück  Nr.  53  ist  etwas  leichter  als  die  anderen;  auch 


etwas  minder  im  Feingebalt.  Es  beruht  dies  wohl  nicht  auf  Absicht, 
bei  so  geringen  Metallmengen  ist  selbst  diese  Uebereinstimmung 
der  Stücke  nur  mit  einiger  Geschicklichkeit  zu  erzielen.  Die  in  Ab- 
bildung V  und  VI  dargestellten  zwei  anderen  Prägformen,  die  ich 

VI. 

in  dieser  Gruppe  vereinigen  möchte,  sind  in  ihren  Gewichten  ahn 
lieh.  Alle  zusammen   (Nr.  53 — 59)  schwanken  zwischen  0-73  und 
0-97  Gr.  Im  Mittel  wiegen  sie  0-848  Gr.  Die  Stücke  des  T.  IV  sind 
aus  feinem  Gold  gemacht,  die   des  T.  V  und  VI,  soweit  man    aus 
den  vereinzelten  Untersuchungen  vermuthen  darf,  aus  Elektron. 

Noch  kleinere  Münzen  von  dem  mittleren  Gewichte  0-26  Gr. 
von  schwer  zu  deutendem  Gepräge  bestehen  aus  Gold,  das  dem 
Ducatengold  an  Feine  sehr  nahe  kommt.  Sind  es  vielleicht  Neuntel 
zu  den  Münzen  Nr.  44—47? 

Merkwürdig  sind  die  zwei  Stücke  Nr.  61  und  62,  von  denen 
hier  eine  Darstellung  (VII)  gegeben  ist.  Sie  sind  ganz  regelmässi 


kreisrund,   die  eine  Hälfte  der  Fläche  ist  eben,  die  andere  hohl- 
geschlagen, wie  es  die  beistehende  Abbildung  des  Durchschnitt 
zeigt,  aus  der  man  auch  die  Dicke  der  Münze  entnehmen  mag. 
Stücke   sind  aus  einer  künstlichen  Legirung,   die  nicht  ganz 


1 


Zur  Geschichte  der  antiken  Legirungen. 


39 


Hälfte  Gold  enthält,  geschlagen,  und  scheinen  mit  den  übrigen  Pod- 
mokler  Stücken  nichts  gemein  zu  haben. 

Aus  dem  Podmokler  Funde  rühren  noch  Stücke  her,  deren  un- 
klares Prägebild  vielleicht  die  Darstellung  eines  Thieres  beabsichtigt. 
Eine  dürftige  Abbildung  davon  findet  sich  bei  A.  Voigt,  Brief, 
Fig.  4  und  etv^as  besser  in  seiner  Beschreibung  der  böhmischen 
Münzen,  I.,  S.  235,  Nr.  3.  Das  daselbst  als  Nr.  2  gegebene  Bild  ist 
das  gleiche  Gepräge,  w^ie  3,  nur  auf  den  Kopf  gestellt,  noch  etwas 
undeutlicher  und  mit  vorgefasster  Meinung  (zwei  Berge  mit  Bäumen!) 
wiedergegeben.  Die  Stücke  dieses  Gepräges  wogen  auch  zwischen 
2'44  und  2*68  Gr.  und  waren  von  gleichem  Feingebalt  wie  Nr.  3. 

Ich  untersuchte  zwei  Stücke  der  Prägung  Nr.  3 : 
Wiener  Kabinet  Nr.  26644. 
Gewicht  2-5949  (im  Wasser  2-46)  Gr. 
Specifisches  Gewicht:  19-236  (corrigirt  19-206). 

Goldgehalt:  99-54. 
(Das  Voigfsche  Stück  wog  2-61  Gr.  und  war  fein: 
23  Karat  8  Grän  =  98-61o/o  Gold.) 

Budapester  Stück,  ganz  ähnlich: 
Gewicht  2-506  (im  Wasser  2-3735)  Gr. 
Specifisches  Gewicht  18-913  (corrigirt  18-883). 
Goldgehalt:  97-50. 

Die  Thatsache,  dass  vielleicht  alle  Münzen  des  Podmokler 
Typus  (die  Nrn.  61  und  62  ausgenommen,  die  ihm  wahrscheinlich 
gar  nicht  beizuzählen  sind)  aus  unraffinirtem  und  unlegirtem  Golde 
gefertigt  sind,  stimmt  gut  zu  den  Ansichten  Strebers  und  Rigg- 
auers,  dass  sie  einem  anderen  Stamme  anüchörcn,  als  die  Irschin- 
ger  Münzen. 

Da  zur  Herstellung  einer  constanten  Gold-Silberlegirung  eine 
höliere  Culturstufe  erforderlich  scheint,  so  würde  ich  eine  solche 
bei  jenem  Volksstamme  vermuthen,  welchem  die  MUnzen  der 
Gagers-Irschinger  Typen  und  die  beiden  eben  erwähnten  (Nr.  61 
und  62)  angehören. 


yi^i^^f^  .r'^-^-:^"*-: 


40 


K.  B.  Hofmann: 


YIII. 
Ooldlegirungen  einiger  Barbarenniünzen. 

Bei  der  Untersuchung  der  Regenbogenschüsselchen  drängte 
sich  der  Wunsch  auf,  des  Vergleiches  wegen  die  Zusammensetzung 
einiger  Barbarenmünzen,  die  nach  classischen  Vorbildern  geprägt 
zu  sein  scheinen,  kennen  zu  lernen.  Die  scheusslich  rohen  Präge- 
bilder Hessen  auch  in  Hinsicht  auf  den  Feingehalt  nicht  viel  Gutes 
erwarten.  33) 

Hier  die  Resultate  der  Prüfung: 

Sogenannte  Gallische  Münzen. 

Nr.  1.  BP.  (Budapester  Nationalmuseum).  Pferd  1.  vor  dem- 
selben 3,  über  ihm  4  Kügelchen.  Aehnliches  Gepräge  ohne  Kttgel- 
chen  Fig.  12  in  [v.  Bienenberg-Wydra's]  „Abhandlung  über  die 
bei  Podmokle  im  J.  1771  gefundenen  Goldklumpen."  Prag  1777. 
Reversseite  ein  Stück  eines  nach  r.  gewendeten  Kopfes. 

Gewicht  1-52  (in  Wasser  1-381)  Gr. 

Specifisches  Gewicht  10*935  (corrigirt  10-918). 
Goldgehalt:  8-79Vo. 

Nr.  2.  BP.  Biga  r.  Reversseite  Kopf  r.  Aehnlich  wie  bei 
Lambert.  Essai  sur  la  numism.  gauloise.  PI.  IV.  19,  jedoch  unter 
dem  Pferde  ein  senkrecht  gestreiftes  Quadrat.  Auffallend  kupferig 
roth. 

Gewicht  7-0051  (im  Wasser  6-3761)  Gr. 

Specifisches  Gewicht  11.137  (corrigirt  11-119). 
Goldgehalt:  12-59o/o. 

23)  üebrigens  sind  manche  Consular-Medaillen  auch  nicht  feinhältiger, 
als  die  sog.  gallischen  Münzen.  Eine  solche  aus  der  Sammlung  Prinz 
Windisch-Grätz  (Cohen,  p.  345,  Nr.  4,  pl.  XLIII,  4)  wiegt  2-730  (im  Wasser 
2-502)  Gr.  —  Specifisches  Gewicht  11-974  (corrigirt  11-952).  —  Goldgehalt: 

2ö-98o/o. 


Zur  Geschichte  der  antiken  Legirungen. 


41 


Nr.  3.  BP.  Biga  mit  einem  Rad  unter  dem  Pferde.  Einseitig 
geprägt.  Aehnlich  bei  Lambert.  PI.  VI.  6.  Lamberts  Stück  wog 
110  franz.  grains  =  5*841  Gr.  und  hat  am  Revers  eine  Prägung. 

Gewicht  5-8659  (im  Wasser  5-4168)  Gr. 

Specifisches  Gewicht  13-061  (corrigirt  13-042). 
Goldgehalt:  43-04o/o. 

Nr.  4.  BP.  Pferd,  springend  nach  r.  Reversseite  glatt.  Ein 
gleiches  Stück  bildet  Lambert.  PI.  VI.  3  ab.  Es  wog  119  grains 
=  6-319  Gr. 

Gewicht  6-3381  (im  Wasser  5-9094)  Gr. 

Specifisches  Gewicht  14-784  (corrigirt  14764). 
Goldgehalt:  63-57o/o. 

Nr.  5.  BP.  Stehender  Krieger?  Reversseite  wellig  glatt.  Ab- 
gebildet in  Wiczay.  Num.  barbar.  T.  XXX.679.  Ein  gleiches  Stück, 
2-71  Gr.  wiegend,  ist  im  Joanneum.  (F.  Pichler.  Steierische 
Münzkunde.  I.  Taf.  V.  Nr.  7.)  Ein  drittes  Stück  bildet  minder  gut 
Lambert.  PI.  VHI.  26  ab.  Es  wog  50  grains  =  2-655  Gr.  Leider 
scheint  die  Provenienz  keines  einzigen  dieser  Stücke  bekannt  zu 
sein,  und  ist  kein  Grund  angegeben,  warum  Lambert  das  Stück 
den  gallischen  Münzen  zuzählt.  Der  Goldgehalt  spricht  nicht  dafür. 

Gewicht  2-7512  (im  Wasser  2-6066)  Gr. 
Specifisches  Gewicht  19-026  (corrigirt  18.998). 
Goldgehalt:  98-24- 


Nach  makedonischem  Muster. 

Nr.  6.  BP.  Biga.  Reversseite  Apollokopf?  Aehnlich  bei  Lam- 
bert. PI.  Xn,  5  oder  PI.  XI  (bis)  Nr.  3.  Nur  sieht  man  an  unserer 
Münze  nicht  den  zweiten  Pferdekopf.  Unterm  Pferde  eine  Rosette 
(Rad?)  von  7  Punkten.  Darunter  Rest  einer  Inschrift.  Lambert 's 
Stück  XI  (bis)  3  wog  36  grains  =  1-91  Gr. 

Gewicht  1-8882  (im  Wasser  1-7547)  Gr. 

Specifisches  Gewicht  14-144  (corrigirt  11 -1*21). 
Goldgehalt:  5(>-49Vo 


42 


K.  B.  Hofmann 


Römische  Kaisermünzen  barbarischer  Prägung. 


Nr.  7.  Kaiser?  Sammlung  Prinz  zu  Windisch-Grätz,  in 
Britannien  geschlagen. 

Gewicht  2*0880  (im  Wasser  1-9475)  Gr. 

Specifisches  Gewicht  14-861  (corrigirt  14*835). 
Goldgehalt:  64:*32Vo. 

Nr.  8.  Caracalla  &  Geta.  (Sammlung  des  Herrn  Trau  in 
Wien.  Vgl.  Cohen.  VII,  p.  227,  Nr.  1,  alte  Auflage.) 

Gewicht  5*3635  (im  Wasser  5*0555)  Gr. 

Specifisches  Gewicht  17*414  (corrigirt  17*379). 
Goldgehalt:  86*98Vo. 

Nr.  9.  Gallien  US.  (Sammlung  Trau.  Vgl.  Cohen.  IV, 
p.  418,  548.) 

Gewicht  2*8670  (im  Wasser  2-7052)  Gr. 

Specifisches  Gewicht  17-719  (corrigirt  17-684). 
Goldgehalt:  89-25Vo. 

Nr.  10.  Diocletian.  (Sammlung  Trau.  Angeblich  bei  Kron- 
stadt gefunden.  Barbarengepräge  aus  dem  Ende  des  dritten  Jahr- 
hunderts.) 

Gewicht  5*6850  (im  Wasser  5*3264)  Gr. 

Specifisches  Gewicht  15*853  (corrigirt  15-821). 
Goldgehalt:  73*97o/,. 

Nr.  11.  Constantin  (Magnus?)  Cohen,  VI,  117,  153.  (Buda- 
pester Nationalmuseum.) 

Gewicht  4*4672  (im  Wasser  4*2108)  Gr. 

Specifisches  Gewicht  17-423  (corrigirt  17-395). 
Goldgehalt:  87-10o/o. 

Nr.  12.  Constantin  IL  (Budapester  Nationalmuseum.  Vgl. 
Cohen  VI,  295,  113.) 

Gewicht  4-0385  (im  Wasser  3*7751)  Gr. 

Specifisches  Gewicht  15*332  (corrigirt  15'308). 
Goldgehalt:  69*10o/o. 

Bei  einigen  dieser  Stücke  dürfte  der  Goldgehalt,  mit  Rücksicht 
auf  die  gemischte  Karatirung,  um  2— 4o/o  höher  sein,  als  hier  aus- 
gerechnet ist. 


r 


Zur  Geschif-hr^  Hpr  in-it.  p  T.egirungen.  4cJ 


IX. 
Antimon-Münze. 

Seit  Bayern's  EntdeckuDg  von  Schmuckgegenständen  (aus 
den  Gräbern  von  Redkin-Lager),  welche  auf  Virchow's  Ver- 
anlassung untersucht,  als  Antimonobjecte  erkannt  worden  sind, 
hat  man  keine  anderen  Gegenstände  des  Alterthums,  die  aus 
diesem  Metalle  bestehen  würden,  kennen  gelernt.  Da  man  bisher 
keine  Antimon-Münzen  kennt  (Virchow's  Bericht  in  den  Verh.  der 
Berl.  Ges.  f.  Anthropol.  1884,  S.  128),  war  ich  überrascht,  in  der 
Sammlung  des  Herrn  Trau  in  Wien  ein  Stück  zu  finden,  das  als 
solche  angesprochen  werden  könnte. 

Die  Münze  (Divus  Augustus,  Cohen  L,  pag.  76,  Nr.  87  =  alte 
Aufl.  L,  p.  70,  Nr.  263)  ist  dunkelgrau,  die  Oberfläche  auf  der 
Reversseite  glänzend,  von  dem  Aussehen  dunkelgewordenen  Horn- 
silbers ;  auf  der  Reversseite  zumTheil  bröcklig.  Ihr  absolutes  Gewicht 
ist  10-317  Gr.,  das  specifische  Gewicht  6*63  Gr.  (das  des  Antimons 
ist  6'8  Gr.,  des  Zinns  7*3  Gr.,  der  Antimonoxyde  zwischen  5*56  und 
6-69  Gr.). 

Ob  die  Münze  noch  einen  Metallkern  hat,  konnte  ich,  ohne  die 
Gefahr  sie  zu  zerstören,  nicht  erfahren.  Zwei  hirsekorngrosse 
Krümel,  die  ich  qualitativ  untersuchen  konnte,  Hessen  sich  mit  dem 
Glasstabe  unter  leicht  knirschendem  Geräusche  in  ein  erdiges  Pulver 
zerdrücken.  Neben  Spuren  von  Eisen,  Nickel  und  Blei  fand  ich  vor 
allem  Antimon.  2*)  Alle  transkaukasischen  Antimongegeustände  sind 
ausnahmslos  gegossen  2»),  ja  es  ist  bei  der  grossen  Sprödigkeit  des 


2*)  Andere  Beimischungen  waren  we^en  der  ij^orin^^i^n  Afontro  <los  ITntrr- 
suchungsobjectes  nicht  festzAistellen. 

25)  Fr.  Bayern'»  Untersuchungen  über  «li»-  mh  >itn  t .,.,.., ,-  m 
in  Kaukasien,  her.  v.  R.  Virdiow,  Berlin.  1885,  S.  15. 


1 1  ■  1 1  /.  1 11 1 1  <  I  < 


.^'^-i 


44 


K.  B.  Hofmaan: 


Metalles  kaum  eine  andere  Behandlung  denkbar.  Auch  die  Trau'sche 
Münze  muss  daher  gegossen  sein.  Ihre  Bedeutung  ist  räthselhaft.  Als 
Fälschung  kann  man  sie  kaum  ansehen.  So  lange  sie  blank  war, 
konnte  sie  mit  einer  Bronzemtinze  schon  der  Farbe  wegen  nicht  ver- 
wechselt werden;  in  ihrem  gegenwärtigen  Zustande  ebensowenig. 
In  der  That  kaufte  sie  Herr  Trau  als  Bleimünze  nebenbei  mit 
anderen  Objecten.  Ist  sie  ein  Abguss  der  Matrizen,  um  daran  die 
Richtigkeit  und  Schärfe  der  Prägebilder  darzuthun?  Diente  sie  viel- 
leicht zu  demselben  Zwecke  einem  Fälscher  des  XVII.  Jahrhunderts 
(denn  dieses  Alter  könnte  man  dem  Objecte  zusprechen)?  Vielleicht 
findet  sich  in  grossen  Sammlungen  ein  oder  das  andere  Stück,  das  als 
„Blei"  aufbewahrt  wird,  in  der  That  aber  aus  Antimon  besteht.  Um 
hierauf  die  Aufmerksamkeit  zu  lenken,  habe  ich  vor  allem  diese  Mit- 
theilung zu  machen  mir  erlaubt. 


Zur  Geschichte  der  antiken  Legirangen.  ■40 


Anhang. 


Um  denen,  die  sich  mit  Bestimmungen  der  specifischen  Ge- 
wichte von  Goldmünzen  beschäftigen  wollen,  die  zeitraubenden 
Reductionsrechnungen  zu  ersparen,  habe  ich  die  hier  mitgetheilte 
Correctionstabelle  ausgerechnet,  welcher  ich  zur  Orientirung  nur 
wenige  Bemerkungen  vorausschicken  muss. 

1.  Sollen  die  Eesultate  nicht  ganz  unbrauchbar,  ja  geradezu 
irreführend  werden,  so  muss  bei  der  Feststellung  der  beiden 
Werthe :  des  Gewichtes  in  der  Luft  und  im  Wasser  die  grösste  Sorg- 
falt angewendet  werden.  Die  Wage  muss  auch  bei  den  Wägungen, 
die  im  Wasser  vorgenommen  werden,  noch  0-2  Milligramm  mit  voller 
Sicherheit  anzeigen.  Wegen  der  Fehlergrenzen  und  ihres  Einflusses 
auf  die  Resultate  verweise  ich  auf  meinen  ersten  Aufsatz  (dieser 
Zeitschr.  Bd.  XVI.  S.  23—30.) 

2.  Da  erst  die  zweite  Decimale  des  specifischen  Gewichtes 
auf  die  Zehntel  eines  Procentes  von  Einfluss  ist,  so  sind  nur  drei 
Decimalen  in  die  Tabelle  aufgenommen,  obgleich  die  Berechnung 
durchweg  auf  5  Decimalen  ausgeftlhrt  worden  ist.  Der  Abstrich  der 
letzten  zwei  Decimalen  i^t  nntiT  AnbringunL»-  drr  iMitsincclKMKlt'ii 
Correctur  vorgenommen. 

3.  Die  Temperatur  des  Wassers,  bei  welcher  solche  Arbeiten 
ausgeführt  werden,  liegt  gewöhnlich  zwischen  16**  und  22''  C.  Daher 
ist  die  Correctionstabelle  nur  fitr  diese  Grade  ausgeführt. 


46 


K.  B.  Hoftnann: 


A  =  CT  —  (q   -^  A)  (7  -f-  X 

Diese  Formel  ermöglicht  die  Re- 
duetion  der  Wägung  auf  Wasser 
von  4°    und  auf  den  leeren  Raum. 


4.  Die  Berechnung  geschah  nach  der  Formel: 

<7  ist  das  directe  specifische 

Gewicht. 
0^1  —  q   d.  h.  der  Dichte 
des  Wassers  bei  1 1 — 22  ° . 
S.  Kohlrausch  Physik 
Tab.  4. 
l  ist  die  Dichte  der  Luft,  be- 
zogen auf  Wasser  und  ist 
der   Einfachheit    wegen 
.^  =  0-0012  gesetzt. 

5.  Als  Formel  für  die  weitere  Reduction  auf  die  Norm.iltempe- 
ratur  von  0°  diente: 

A,  =  A  (1  -+-  3  ß  t) 

6.  Ist  das  specifische  Gewicht  unter  13-66,  so  herrscht  das 
Silber  vor,  ist  das  specifische  Gewicht  über  13*66  so  prävalirt 
das  Gold. 

7.  Dem  verschiedenen  specifischen  Gewichte  entspricht  ein 
verschiedenes  Mischungsverhältniss  der  beiden  Edelmetalle  und 
diesem  ein  verschiedener  Ausdehnungsconfficient  ((3)  für  die  ver- 
schiedenen Electrumsorten;  und  zwar  ist: 


bei 


für 


iß) 

3ß 

10-0  - 

-  11-5  specifischem  Gewicht  gleich 

0-000015 

0-000045 

11-6  - 

-  12-5 

r 

r      r 

0-000016 

0-000048 

12-6  - 

-  14-5 

77 

r 

0-000017 

0-000051 

14-6  - 

-  17-5 

r 

r 

(1-000018 

0000054 

17-6  - 

-  190 

r 

Daher  (1 

11               V 
-+-3iSt°): 

0-000019 

0-000057 

bei 

10-11-5 

11-6-12-5 

12-6-14-5 

14.6—17-5 

17-6-19 

16°  = 

1-00072 

1-00077 

1-00082 

1-00086 

1-00091 

17°  = 

1-00076 

1-00082 

1-00087 

1-00092 

1-00097 

18°  = 

1-00081 

1-00086 

1-00092 

1-00097 

1-00103 

19°  = 

1-00085 

1-00091 

1-00097 

1-00103 

1.00108 

20°  = 

1-00090 

1-00096 

1-00102 

1-00108 

1-00114 

21°  = 

1-00094 

1-00101 

1-00107 

1-00113 

1-00120 

22°  = 

1-00100 

1-00106 

1-00112 

1-00119 

1-00125 

p^ 


Zui  Geschichte  der  antiken  Legirungen. 


47 


Auf  Grund  dieser  Werthe  ist  die  Correctioustabelle  ausge- 
arbeitet. 

8.  Bei  ihrem  Gebrauche  suche  mau  in  der  ersten  Reihe  das 
directe  (aus  dem  absoluten  Gewichte  und  dem  Gewichtsverluste 
berechnete)  specifische  Gewicht  auf  und  ziehe  von  diesem  die  neben- 
stehende Zahl  ab.  Man  hätte  z.  B.  bei  einer  Temperatur  des  Wassers 
von  20°  gearbeitet;  das  Goldstück  habe  das  specifische  Gewicht 
14-261,  so  sucht  man  bei  20°  in  der  ersten  Columne  nach.  Das  spe- 
cifische Gewicht  liegt  zwischen  14-21  und  15-22,  daher  zieht  man 
die  nebenstehende  Zahl  (8.  Zeile)  0-026  ab :  14-261—0-026  = 
14*235.  Diese  Zahl  ist  das  corrigirte  specifische  Gewicht. 


Corrections-Tabelle. 


Bei  16" 


Rohes  specifisches  Gewicht: 


10-00  bis  10-05  . 

.     abzuziehen 

.    .  0-014 

10-05  „ 

11-35  . 

V 

.    .  0-015 

11-36  „ 

12-75  . 

rj 

.  0-016 

12-76  „ 

13-45  . 

r 

.    .  0-017 

13-46  „ 

14-25  . 

« 

.  0-018 

14-26  „ 

15-45  . 

?? 

.    .  0-019 

15-46  „ 

16-25  . 

r 

.  0-020 

16-26  , 

16-96  .    . 

r 

.  0-021 

16-97  „ 

18-40  . 

r 

.  0022 

18-41  „ 

19-20  . 

>7 

.  0.023 

Bei  17°. 


10-00  „    10-21  .    , 

« 

.    .  0-015 

10-22  „    10-83  . 

r 

.    .  0-016 

10-84  „    11-88  .    . 

r) 

.    .  0-017 

11-89  „    12-93  . 

n 

.    .0-018 

12-94  „    13-55  . 

11 

.    .  0019 

13-56  „    14-23  . 

11 

.    .0020 

.^^'x^aS 


48 


K. 

B.  Hofmann: 

14-24  bis  15-20  . 

.     abzuziehen 

.    .  0-021 

15-21 

?5 

16-05  . 

77 

.    .  0-022 

16-06 

r 

16-68  . 

77 

.    .  0-023 

16-69 

77 

18-00  . 

77 

.  0-024 

18-01 

n 

19-00  . 

77 

.  0-025 

E 

;ei  18 

o 

10-00 

}■) 

10-50  . 

abzuziehen    . 

.  0-016 

10-51 

)•) 

11-08  . 

77 

.  0-017 

11-09 

n 

12-02  . 

77 

.    .  0-018 

12-03 

r 

13-11  . 

77 

.    .  0-019 

13-12 

1-} 

13-68  . 

77 

.  0-020 

13-69 

T) 

14-85  . 

77 

.    .  0-021 

14-86 

T) 

15-50  . 

J»                        • 

.  0-022 

15-51 

77 

16-15  . 

77 

.  0-023 

16-16 

77 

16-93  . 

77 

.  0-024 

16-94 

77 

18-17  . 

» 

.  0-025 

18-18 

77 

18-87  . 

77 

.    .  0-026 

18-88 

77 

19-00  . 

77 

.  0-027 

I 

{ei  19 

0 

10-00 

7? 

10-12  . 

.     abzuziehen 

.  0-017 

10-13 

77 

10-66  . 

77 

.  0-018 

10-67 

77 

11-20  . 

77 

.  0-019 

11-21 

77 

12-14  . 

77 

.    .  0-020 

12-15 

77 

13-13  . 

77 

.    .  0-021 

13-14 

77 

13-70  . 

77 

.    .  0-022 

13-71 

77 

14-28  .    , 

77 

.    .  0-023 

14-29 

77 

15-39  . 

77 

.    .0-024 

15-40 

77 

15-99  . 

77 

.  0-025 

16-00 

77 

16-59  . 

77 

.  0-026 

16-60 

77 

17-16  . 

77 

.    .  0-027 

17-17 

77 

18-33  . 

77 

.    .  0-028 

18-34 

77 

18-95  .    , 

77 

.  0-029 

18-96 

77 

19-00  .    . 

n 

.  0-030 

Zur  Geschichte  der  antiken  Legirungen. 


49 


Bei  20^ 


10-00  bis  10-36  . 

.     abzuziehen 

.  0-019 

10-37  „ 

10-86  . 

?7 

.    .  0-020 

10-87  „ 

11-37  . 

11 

.    .  0-021 

11-38  „ 

12-22  .    . 

?7 

.  0-022 

12-23  , 

13-14  .    . 

11 

.  0-023 

13-14  „ 

13-67  . 

n 

.  0-024 

13-68  „ 

14-20  .    . 

n 

.  0-025 

14-21  „ 

15-22  .    . 

11 

.  0-026 

15-23  „ 

15-77  .    . 

n 

.  0-027 

15-78  „ 

16-31  .    . 

11 

.  0-028 

16-32  , 

16-87  .    . 

» 

.  0-029 

16-88  „ 

17-41  .    . 

57 

.  0-030 

17-42  „ 

18-57       . 

ri 

.  0-031 

18-58  „ 

19-00  .    . 

V) 

.  0032 

Bei2r. 


10-00  „ 

10-05  . 

abzuziehen 

.    .  0-020 

10-06  „ 

10-30  . 

n 

.    .  0-021 

10-31  „ 

10-98  . 

n 

.    .  0-022 

10-99  „ 

11-44  . 

n 

.    .  0-023 

11-45  „ 

12-28  . 

V) 

.  0024 

12-29  „ 

13-15  .    . 

11 

.  0-025 

13-16  „ 

13-62  .    . 

n 

.  0-026 

13-63  „ 

14-14  .    . 

n 

.    .  0-027 

14-15  „ 

15-32  . 

r> 

.  0-028 

15-33  „ 

15-53  . 

11 

.  0-029 

15-54  „ 

15-99  .    . 

11 

.  0-030 

16-00  „ 

16-59  . 

n 

.  0-031 

16-60  „ 

1710  .    . 

rt 

.  0-032 

1711  „ 

18-25  .    . 

n 

.  0-033 

18-26  . 

18-78  .    . 

n 

.  0-034 

18-79  „ 

19-00  . 

n 

.  0-035 

•  _;^  -^^  ,*-,irK.::;:^'nR^4fi 


50 


K.  B.  Hofraann:   Zur  Geschichte  der  antiken  Leglrungen. 


Bei  22' 


10-00  „ 

10-31  . 

abzuziehen 

.  0-022 

10-32  „ 

10-74  . 

r 

.  0-023 

10-75  „ 

11-18  . 

r 

.  0-024 

11-19  „ 

11-89  . 

n 

.  0-025 

11-90  „ 

12-37  . 

V 

.  0-026 

12.38  „ 

13-15  . 

11 

.    .  0-027 

13-16  „ 

13-63  . 

r> 

.  0-028 

13-64  „ 

14-12  . 

T» 

.    .  0-029 

14-13  „ 

15-01  .    . 

r 

.  0-030 

15-02  „ 

15-49  . 

V 

.  0-031 

15-50  , 

15-96  .    . 

>»                 « 

.  0-032 

15-97  „ 

16-44  . 

n 

.  0-033 

16-45  „ 

16-91  . 

r 

.  0-034 

16-92  „ 

17-38  . 

n 

.  0-035 

17-39  „ 

18-38  . 

n 

.  0-036 

18-39  „ 

18-81  . 

.  0-037 

18-82  „ 

19-00  . 

r, 

.  0-038 

II. 

Programm-Münzen  römischer  Kaiser. 


Von 

Dr.  Friedrich  Kenner. 


Wenn  es  zuweilen  schwierig  ist,  für  eine  Abhandlung  über 
ein  Thema  aus  dem  classischen  Alterthume  einen  kurzen,  präg- 
nanten Titel  in  moderner  Sprache  zu  finden,  so  trifft  dies  gewiss 
auf  unseren  Fall  zu.  Es  wird  scheinen,  dass  der  Titel  „Pro- 
gramm-Münzen" mehr  verspricht,  als  gehalten  werden  kann; 
man  wird  es  als  gewagt  bezeichnen,  überhaupt  von  Regierungs- 
programmen der  römischen  Kaiser  und  von  Münzen  zu  sprechen, 
die  ein  solches  zum  Ausdrucke  bringen  sollen.  Aber  man  wird  auch 
zugeben,  dass  Aufschiift  und  Bild  einer  Münze  unter  bestimmten 
Verhältnissen  die  Situation  des  Reiches  beim  Beginne  einer 
Regierung,  sowie  die  Ansichten  und  Vorsätze  des  betreffenden 
Kaisers  schlagender  zum  Ausdruck  bringen  können,  als  man  mit 
vielen  Worten  darzulegen  vermöchte.  Solches  ist,  wie  gezeigt  wer- 
den soll,  in  der  That  der  Fall  gewesen,  ja  sogar  angestrebt  worden. 
Aus  diesem  Grunde  habe  ich  jenen  Titel  für  einen  Vortrag  gewählt, 
den  ich  in  der  Versammlung  der  numismatischen  Gesellschaft  am 
12.  December  1883  zu  halten  Gelegenheit  liatte;  ich  wende  ihn,  so 
unzulänglich  er  sein  mag,  der  Kürze  halber,  auch  für  die  folgende 
Abhandlung  an,  die  im  Wesentlichen  auf  jenem  Vortrage  beruht. 
So  viel  ich  zu  wissen  glaube,  ist  eine  Zusammenstellung  dieser  Art 
noch  nicht  versucht  worden;  ich  betrachte  auch  das  Folgende  nur 
als  einen  Versuch,  der,  wie  ich  nicht  zweifle,  vielfacher  Verbesse- 
rungen bedürftig  ist.    Zu  bemerken  habe  ich  noch,  dass  die  Citate 

4* 


'' s'^_^  -f^^Z' 


52 


Dr.  Friedrich  Kenner: 


für  die  angeführten  Münzen  weggelassen  sind;  man  wird  die  letzte- 
ren nach  den  Aufschriften  der  Eückseiten,  die  stets  angezeigt  sein  wer- 
den, in  Cohens  Verzeichniss  leicht  zu  finden  vermögen,  so  dass  der 
Wust  von  Ziffern  vermieden  bleibt;  in  den  wenigen  Fällen,  in  wel- 
chen man  das  genannte  Werk  vergeblich  zu  Rathe  zieht,  handelt  es 
sich  um  Münzen,  welche  in  der  Sammlung  des  Allerhöchsten  Kaiser- 
hauses verwahrt  werden. 


Gold-  und  Silbermünzen  auszugeben  war  in  der  Zeit  der  römi- 
schen Kaiser  ein  ausschliessliches  Vorrecht  derselben,  ein  Attribut 
der  kaiserlichen  Würde,  und  zwar  nach  Aussen  hin,  für  die  Reprä- 
sentation, eines  der  wichtigsten.  Die  Münze  stellt  in  Bild  und  Auf- 
schrift fast  alle  anderen  Attribute  des  Principates:  seine  hohen 
Aemter,  das  Abzeichen  des  Kranzes,  das  Bildnissrecht  u.  s.  f.  ver- 
einigt dar  und  brachte  sie  zum  Ausdruck  nicht  blos  in  den  grösse- 
ren Städten  des  Reiches,  sondern  überall,  wohin  sie  selber  durch 
den  Verkehr  getragen  wurde;  in  den  fernsten  Gegenden  und 
abgelegensten  Winkeln  des  Staates,  überall  zeigte  sie  einen  voll- 
zogenen Thronwechsel  an  und  stellte  den  neuen  Herrn  im  Bilde 
vor.  Für  sich  ein  Zeichen  der  Bethätigung  der  übernommenen 
Kaiserwürde  war  also  die  Münze  zugleich  ein  Mittel,  dieselbe  zur 
öffentlichen  Kenntniss  zu  bringen,  und  zwar  unter  den  damaligen 
Verhältnissen  eines  der  am  meisten  beliebten  und  erfolgreichen  Mittel, 
der  Publication. 

Daher  war  es  nicht  bloss   einer  der  ersten  Souverainetatsactej 
eines  Kaisers,   Geld  mit  seinem  Namen   und  Bildniss  auszugeben^] 
wenn   er  auch  nur  von  der  Aimee  eines  Grenzlandes   ausgerufenj 
war,  und  seine  Regierung  voraussichtlich  nur  eine  ephemere  blieb,.! 
sondern  man  gewöhnte   sich   auch,   die  Regierung  recht  eigentlich 
erst  dann  als  angetreten  und  übernommen  zu  betrachten,  wenn  der 
neue  Kaiser  Münzen  mit  seinem  Bildnisse  prägen  liess.  Selbst  Prä- 
tendenten, die  den  Umsturz  einer  bestehenden  Regierung  und  ihre 
eigene  Erhebung  auf  den  Thron  planten,   Hessen   als   eine  vorbe- 
reitende Massregel  Münzen  mit  ihrem  Namen  und  Bildniss  her- 
stellen, um  sie  zur  Hand  zu  haben,  wenn  sie  oifen  mit  ihren  Aspira- 
tionen hervortreten  würden,  und   folgerichtig  galt  der  Hochverrath 
für  begangen  und  erwiesen,  wenn  ein  Prätendent  Geld  mit  seinem 


Prograram-Münzen  römischer  Kaiser.  0*5 

Bildniss  herstellen   liess,  auch  wenn  er  es  noch  nicht  ausgegeben 
und  noch  nicht  offen  seine  Absichten  ausgesprochen  hatte.  *) 

Es  lag  nun  sehr  nahe,  durch  die  Münze  nicht  bloss  den  Antritt 
einer  Regierung  anzuzeigen,  sondern  auch  die  Gesinnung  des  neuen 
Kaisers,  die  Auffassung,  die  er  von  seiner  Aufgabe  mit  auf  den 
Thron  brachte,  auszusprechen,  in  analoger  Weise,  wie  etwa  heut- 
zutage ein  Fürst  bei  seiner  Thronbesteigung  einen  Wahlspruch 
annimmt,  welcher  das  Princip  seiner  Regierung  bündig  andeutet. 
Dass  eine  derartige  Verwendung  der  Münze  herkömmlich  gewesen 
und  regelmässig  geschehen  sei,  dafür  haben  wir  schriftliche  Nach- 
richten allerdings  nicht.  Aber  sie  liegt  in  der  Natur  der  Sache  be- 
gründet. Schon  die  Bedeutung  der  Münzbilder,  welche  der  neue 
Kaiser  wählte  —  und  sicher  sind  mindestens  jene  des  ersten 
Regierungsjahres  von  ihm  bestimmt  worden  —  lassen  seine  An- 
schauungen erkennen.  Und  in  der  That,  wenn  wir  jene  Münzen  in's 
Auge  fassen,  welche  aus  dem  ersten  Jahre  einer  Regierung 
stammen,  so  gewahren  wir  fast  regelmässig  Anspielungen  in  Bild 
und  Aufschrift  nicht  bloss  einer  Münze  allein,  sondern  mehrerer, 
welche  zusammengehalten  mit  den  Zeitverhältnissen  und  den 
Charakterschilderungen  der  betreffenden  Machthaber  ein  mit  diesen 
übereinstimmendes,  aus  ihnen  erklärbares  Bild  der  Tendenz  der 
neuen  Regierung  geben.  Ja  wir  werden  durch  Vergleichung  solcher 


1)  Unter  Kaiser  Commodus  i^t  uns  ein  aolcher  Fall  üherlictcrt.  Der  Le^at 
von  Pannonien,  der  jüngert)  Perennis,  strebte  nach  dem  Throne;  im  Einvor- 
ständniss  mit  seinem  Vater,  der  ein  Liebling  des  Kaisers  war  und  zu  Rom  in 
hohen  Aemtem  stand,  bereitete  jener  im  Stillen  seine  Erhebung  vor.  Da  ent- 
wichen einige  seiner  Kriegsleute  und  kamen  nach  Rom,  wo  sie  dem  Kaiser 
Commodus  die  Verschwörung  verriethen  und  Münzen  vorwiesen,  auf  denen 
bereits  das  Bildniss  des  jüngerem  Perennis  als  des  künftigen  Kaisers  geprägt 
war.  Commodus  bedurfte  keines  weiteren  Beweises  für  die  Schuld  der  Auf- 
ruhrer, er  Hess  sofort  den  Vater  Perennis  tödten  und  lockte  den  Soiui  nach 
Italien,  wo  auch  er  beseitigt  wurde  (Herodian  I,  9).  Ein  anderes  Beispiel  wird 
aus  der  Regierungsepoehe  des  Kaisers  Elagabalus  erzählt.  Damals  Hess  ein 
Valerianus  Paetus  sein  Brustbild  auf  einige  goldene  Münzen  prägen,  vorg(d)lich, 
um  sie  seine  Buhlerinnen  als  Schmuck  tragen  zu  lassen,  in  der  That  aber  als 
Vorbereitung  für  eine  Empörung,  die  er  in  Cappadocien,  dem  Nachbarlando 
seiner  Heimat  Galatien,  ins  Wcu'k  zu  setzen  im  Begritfe  stand.  Audi  er  nuisste 
sterben  (Dio  Cassius  79,  4). 


-'^^»^.5'^^^^i^T^^ 


54 


Dr,  Friedrich  Kenner; 


Münzbilder  auch  bestimmte  Gesichtspunkte  und  Normen  kennen 
lernen,  welche  bei  ihrer  Auswahl  befolgt  wurden. 

Um  dies  zu  zeigen,  berücksichtigen  wir  nur  die  Münzen  des 
ersten  Regierungsjahres  eines  Kaisers,  insoferne  sie  datirt  oder 
sicher  datirbar  sind,  und  zwar  bis  Aurelian  nur  die  goldenen  und 
silbernen,  als  zweifellos  kaiserliche  Gepräge;  überdies  werden  nur 
noch  die  Erstlingsmünzen  der  Caesaren,  die  das  Bild-  und  Auf- 
schriftsrecht gleichfalls  besassen,  herangezogen.  Dabei  sind  jene 
Münzen  tibergangen,  welche  Anspielungen  auf  Ereignisse  und  Ver- 
fügungen enthalten,  die  mit  der  Thronbesteigung  und  der  Bestim- 
mung der  Nachfolge  keinen  directen  Zusammenhang  haben:  Ein- 
zelne Siege  und  Friedensschlüsse,  die  Ankunft  der  neuen  Kaiser  in 
Rom,  seine  Abreise  (Fortuna  redux),  die  Salus  Augusti,  die  selbst- 
verständliche Vorsorge  für  Beschaffung  von  Getreide  und  für  die 
Münze,  die  Liberalitates,  Vota,  die  häufig  mit  Letzteren  zusammen- 
hängende Securitas  u.  a. 

Die  wichtigste  Beobachtung,  die  wir  an  Erstlingsniünzen 
machen,  besteht  in  der  Wahrnehmung  zweier  nebeneinander 
auftretender  Reihen  von  Münzbildern,  denen  ein  verschie- 
dener Sinn  innewohnt.  Die  eine  Reihe  hat  den  Zweck,  in  ausser- 
ordentlichen Fällen  die  Art  der  Berufung  als  den  Rechtstitel  der 
Thronbesteigung  anzudeuten,  während  die  andere  die  Vorsätze  der 
neuen  Regierung,  ihre  Tendenz,  zum  Ausdrucke  bringt.  Wir 
betrachten  beide  Reihen  durch  alle  Regierungen  hindurch  abge- 
sondert. 

L 

Die  Erhebung  auf  den  Thron,  um  einen  modernen  Ausdruck 
zu  gebrauchen,  erfolgte,  indem  eine  bestimmte  Persönlichkeit  der 
Aufforderung  entsprach,  das  Imperium  (die  proconsularische  Gewalt) 
zu  übernehmen,  mag  diese  Aufforderung  vom  Senate  oder  den  Solda- 
ten, das  ist  den  Praetorianern  oder  einer  oder  mehreren  Armeen  in 
den  Provinzen  ausgegangen  sein.  „Die  Bezeichnung  des  Imperators 
durch  den  Senat  wird  als  das  schicklichere  und  massigere  und 
dem  Gemeinwesen  erspriesslichere  Verfahren  betrachtet",«)  aber 


2)  Mommsen,  Römisches  Staatsrecht  II,  788  f. 


^J^' 


Programm-Münzen  römischer  Kaiser. 


55 


rechtlich  besteht  kein  Unterschied  zwischen  den  genannten  Arten 
der  Berufung,  die  eine  wie  die  andere  begründet  sofort  die  Rechts- 
giltigkeit  des  Principates,  obwohl  dieser  erst  dann  als  völlig  geord- 
net erscheint,  wenn  die  Anerkennung  auch  von  der  anderen  Seite 
erfolgt  ist. 

Um  dieBerufung  durch  den  einen  oder  anderen  dieser  Factoren, 
und  um  die  Zustimmung  der  übrigen  handelt  es  sich  in  jenen  Mttnz- 
bildern,  die  den  Rechtstitel  einer  Thronbesteigung  betreffen.  Wir 
führen  sie  zunächst  im  Einzelnen  an  und  zwar  vorerst  jene  des 
ersten  und  zweiten  Jahrhunderts  bis  zu  Commodus'  Tode. 

Das  Symbol  der  Uebertragung  des  Principates  an  den  Kaiser 
Augustus  durch  den  Senat  ist  die  Bttrgerkrone,  der  Eichenkranz,  mit 
der  Aufschrift  S •  P •  Q * R * P * P  (Patri  patriae)  OB  C I Ves  S E Rvatos ») 
die  wir  nicht  bloss  wiederholt  auf  den  Münzen  des  Kaisers  Augustus 
treffen,  sondern  auch  auf  jenen  der  folgenden  Kaiser.  Caligula 
setzte  sie  im  ersten,  dritten  und  vierten  Jahre  seiner  Regierung  (37, 
40  und  41  n.  Ohr.)  auf  seine  Goldstücke,  offenbar  doch  nicht  aus 
Vorliebe  für  den  Senat,  dem  er  vielmehr  feindlich  gesinnt  war,  son- 
dern um  eben  an  die  Uebertragung  des  Principates  zu  erinnern,  an 
welcher  er  durch  Verfügung  des  Vorgängers  Theil  genommen  hat. 

Auch  Kaiser  Claudius  bediente  sich  dieses  Symboles  mit 
der  Umschrift  SP  QRPPOBCIVESSERVATOS  auf  seinen 
Erstlingsmünzen;  überdies  erscheint  auf  diesen  und  den  Münzen 
folgender  Regierimgsjahre  mit  grosser  Consequenz  das  Lager  der 
Praetorianer  mit  der  Aufschrift  IMPERator  RECEPTus  oder  der 
Kaiser  im  Handschlag  mit  einem  Praetorianer  und  der  Aufschrift 
PRAETORiani  (in  fidem)  RECEPT(I).  Bei  den  Unruhen,  welche 
nach  Caligula's  Tode  entstanden,  hatte  man  den  Claudius  in  die 
Kaserne  der  Garde  geflüchtet,  wo  er  als  Kaiser  proclamirt  wurde. 
Die  Erinnerung  daran  hielt  er  fest;  doch  wurde  die  Thatsache, 
dass  er  den  Praetorianern  die  Erhebung  verdankte,  noch  verblümt 
angedeutet,  indem  nur  seine  Aufnahme  im  Lager  und  die  receptio 
in  fidem,  die  Beeidigung  der  Garde,  auf  die  Münze  kamen.  Damit 
ist  aber  nichts  Anderes  gemeint,  als  eben  die  Berufung  auf  den 
Thron   in  der  erwähnten    ausserordentlichen  Weise;    denn    einen 


3;  Ekhel  VI,  HS. 


,^VV.    ^-.-^..- 


56 


Dr.  Friedrich  Kenner: 


rechtlichen  Anspruch  auf  den  Principat  hatte  Claudius  nicht,  auch 
von  seinem  Vorgänger  war  über  ^die  Nachfolge  nichts  bestimmt 
worden. 

Nach  Nero's  Sturze,  als  zum  ersten  Male  die  Legionen  sich  an 
der  Thronfrage  betheiligten,  treten  neue  Ausdrücke  zur  Bezeichnung 
des  Rechtstitels  auf:  Concordia  und  Consensus.  Der  Erstere 
schliesst  in  sich  den  Begriff  der  Gegenseitigkeit,  in  der  Thronfrage 
also  die  Uebereinstimmung  des  Pro clamir enden  und  des  Procla- 
nurten,  während  der  Letztere  nur  die  Zustimmung  zu  einer  voll- 
zogenen Thatsache  anzeigt;  „Concordia"  besagt  viel  mehr  und  ist  in 
der  That  späterhin  in  verschiedenen  Wendungen  gebraucht  worden, 
während  „Consensus"  nur  vereinzelt  auftritt. 

Kaiser  G alba  wählte  mehrere  Münzbilder:  so  die  CONCOR- 
DIA PROVINCIARVM,  nämlich  Spanien  und  Gallien,  deren  Armeen 
sich  auf  ihn  vereinigten,  sie  werden  auf  anderen  Münzen  theils  ein- 
zeln (H  ISPAN  lA,  GALLIA,  HISPANIAE,TRES  GALLIAE),  theils 
zusammen  (GALLIA  HISPANIA  im  Handschlag)  gefeiert;  ferner 
erscheint  die  FIDES  MILITVM,  endlich  die  Bürgerkrone  mit 
S-P-Q-R'OB-C'S.  Auch  Vit el lins,  von  den  Legionen  in  Ger- 
manien gegen  Galba  ausgerufen,  bringt  eine  Reihe  von  bedeutungs- 
vollen Bildern  auf  seinen  Münzen  an;  er  nennt  zum  ersten  Male 
unverblümt  den  CONSENSVS  EXERC ITVVM,  sowie  die  FIDES- 
EXERCITVVM,  daneben  aber  auch  die  CONCORDIA  und  FIDES 
PRAETORIANORVM  und  nimmt  überdies  die  Btirgerkrone  mit 
S'P-Q'R'OB-C'S  auf;  endlich  rühmt  er  zum  ersten  und  einzigen 
Male  die  CONCORDIA  Populi  Romani.  Offenbar  also  sind  beide 
genannten  Kaiser  bestrebt,  neben  der  Berufung  durch  die  Legionen 
die  Uebereinstimmung  der  übrigen  Factoren  des  politischen  Lebens 
in  der  Hauptstadt,  des  Senates  und  der  Praetorianer,  hervorzuheben, 
um  ihren  Principat  auch  formell  als  völlig  begründet  erscheinen  zu 
lassen,  ein  Vorgehen,  das  bei  der  Neuheit  der  Berufung  durch 
Erstere  erklärlich  ist.  Sie  stehen  damit  in  scharfem  Gegensatze  zu 
Otho,  welcher  keinen  Rechtstitel  der  Thronbesteigung  angibt. 

Vespasian,  von  den  in  Judaea  stehenden  Legionen  gegen 
Vitellius  prociamirt,  setzt  auf  seine  Erstlingsmünzen  die  Bürger- 
krone mitS  PQROBCS  und  den  CONSENSVSEXERCITuum. 
Wie   er  der  Letzte  ist,   welcher  die  Bürgerkrone  aufnimmt  —  sie 


I 


Programm-Münzen  römischer  Kaiser. 


57 


erscheint  auf  goldenen  und  silbernen  Erstlingsmünzen  von  nun  an 
nicht  mehr—  so  istKerva  auf  längere  Zeit  hinaus  der  Letzte, 
der  durch  die  Mitwirkung  der  Legionen  auf  den  Thron  kam;  er 
beschränkt  sich  darauf,  die  CONCORDIA-EXERCITVVM  anzu- 
geben. Schon  seine  beiden  Nachfolger  Trajan  und  Hadrian  weisen 
auf  ganz  neue  Rechtstitel  für  den  Principat  hin.  Trajan  spielt  auf 
seine  Adoption  durch  Nerva  an,  indem  er  diesen  darstellt,  wie  er 
dem  Adoptivsöhne  die  Weltkugel  übergibt ;  die  Umschrift  des  Bildes 
lautet  PROVIDentia  (seil.  Nervae).  Hadrian  setzt  direct  die 
AD  OPTIO  auf  seine  ersten  Münzen,  und  nennt  sich  auf  einer 
Gruppe  derselben,  welche  ihn  im  Handschlag  mit  Trajan  zeigt, 
DIVITRAIANI  AVGusti  Filius.*)  Seine  Nachfolger  bis  zu  Com- 
modus'  Tode  erwähnen  als  Augusti  des  Rechtsgrundes  ihres  Prin- 
cipates  ebensowenig,  als  es  vorher  Nero,  Otho,  Titus  und  Domitian 
gethan  hatten. 

Eine  Ausnahme  bildet  nur  die  Ernennung  eines  Mitregenten, 
die  Theilung  des  Principates  zwischen  zwei  Kaisern,  von  welcher 
der  erste  Fall,  jener  des  M.  Aurel  und  L.  Verus,  noch  der  hier 
besprochenen  Periode  angehört.  Auf  ihren  Erstlingsmünzen  wird  in 
consequenter  Fortbildung  der  gegebenen  Beispiele  die  CONCOR- 
DIA'AVGG  (Augustorum),  d.  i.  die  Uebereinstimmung  des  Mitthei- 
lenden und  des  Betheilten  gesetzt.  Das  dazugehörige  Bild  stellt  die 
beiden  Kaiser  im  Handschlag  oder  auch  verbundene  Hände  mit  dem 
Feldzeichen  (also  Theilung  der  Macht  in  Krieg  und  Frieden)  dar. 
Andere  Bilder  auf  den  ersten  Münzen  beider  Kaiser  führen  diese 
bis  dahin  unerhörte  Verfügung  M.  AureKs  auf  PROVIDENTIA* 
DEO Rum,  auf  die  Vorsehung  der  Göttin  zurück,  wohl  anknüpfend 
an  den  von  Trajan  bezüglich  seiner  Adoption  ausgesprochenen 
Gedanken.  Der  MitheiTSchaft  des  Commodus  (seit  178^  wurde  auf 
gleichzeitigen  Münzen  nicht  gedacht,  in  späteren  Fällen  aber  ist  das 
von  M.  Aurel  und  L.  Verus  gegebene  Beispiel  befolgt  worden. 

Die  Caesar en,  welche  leibliche  Söhne  des  regierendeu 
Princeps  sind,  lassen  im  ersten  Jahrhundert  jede  Anspielung  auf  die 


*)  Copirt  wurde  dieses  Beispiel  von  Kaiser  Septimius  Soverus,  als  er  die 
Adoption  durch  Marc  Aurel  fingirte;  wir  werden  zum  Schlüsse  darauf  zurück- 
kommen. 


58 


Dr.  Friedrich  Keuiier 


Kechtsquelle  ihrer  neuen  Stellung  hinweg,  wie  Titus  und  Domitian. 
Auch  im  zweiten  und  dritten  Jahrhundert  ist  dies  der  Fall.  Doch 
wird  in  jener  Zeit  für  die  Andeutung-  der  Thatsache  ihrer  Ernennung 
zum  Caesar  ein  ständiges  Münzbild  gebräuchlich,  die  Darstellung 
der  Priestergeräthe  mit  der  Aufschrift  Pietas  Aug(usti),  welch' 
letztere  indirect  auf  die  Quelle  ihrer  neuen  Würde  hindeutet.  Die 
Aufnahme  in  die  grossen  Priestercollegien  durch  den  Princeps  folgte 
nämlich  der  Ernennung  zum  Caesar  und  der  damit  verbundenen 
Designation  zum  Nachfolger  so  genau,  dass  sie  als  mit  dieser  ver- 
bunden und  das  Symbol  der  Collegien  —  die  Priestergeräthe  —  als  ihr 
Abzeichen  betrachtet  werden  kann.  Wahrscheinlich  war  für  die  Auf- 
nahme dieses  Münzbildes  das  Beispiel  aus  der  Jugend  Nero's  •>  i 
massgebend. 

Hingegen  die  Caesarcn,  welche  Adoptivsöhne  des  beirftleu- 
den  Princeps  sind,  wenden  zur  Bezeichnung  der  Rechtsquelle  neben 
der  Pietas  Aug.  noch  ein  deutlicher  sprechendes  Mttnzbild  an,  die 
Concordia  Aug(usti);  abermals  begegnet  also  jener  Ausdruck, 
der  die  Uebereinstimmung  des  Ernennenden  und  des  Ernannten 
hervorhebt.  Dass  damit  in  der  That  die  Rechtsquelle  der  Designation 
bezeichnet  werden  soll,  lehrt  die  Analogie  der  Ausdrücke:  Concordia 
provinciarum,  Concordia  exercituum,  Concordia  praetorianorum, 
Concordia  Angustorum,  die  wir  bisher  getroffen  haben.  Dafür  spricht 
auch  ein  Fall,  den  wir  aus  späterer  Zeit  vorgreifend  hier  anfuhren. 
Alexander  Severus,  von  dem  nach  seiner  Adoption  durch  Elagabalus 
die  beiden  Gepräge:  Pietas  Aug.  und  Concordia  Aug.  zu  erwarten 
wären,  bedient  sieh  zwar  der  Pietas  Aug.,  setzt  aber  statt  der  Con- 
cordia die  I N  D  V  L  G  E  N  T I A  A  V  G  mit  dem  Bilde  der  Spes  auf  seine 
ersten  Münzen,  er  führt  seine  Ernennung  zum  Caesar  auf  die 
Nachsicht  oder  die  Gnade  des  Kaisers  zurück,  ein  Ausdruck,  der 
ebenso  augenscheinlich  die  Rechtsquelle  seiner  Caesarenwürde 
bezeichnet,  als  er  das  sonst  übliche  Wort  Concordia  Aug.  ersetzt, 
dem  also  die  gleiche  Geltung  wie  dem  Ausdrucke  Indulgentia 
zukommen  muss. 


5)  Nero  führt  sich  im  Jahre  51  als  PRINC-IVVENT  unter  Hinweis  auf 
seine  Aufnahme  in  die  Priestercollegien  ein.  lieber  die  Beziehung  der  Letzteren 
zur  Caesarenwürde  s.  Mommsen,  Staatsrecht  II,  2,  1063. 


Programm-Münzen  römischer  Kaiser. 


59 


Im  Sinne  des  hier  dargelegten  Gebrauches  bedienen  sich  im 
zweiten  Jahrhundert  die  Adoptivsöhne  Aelius  Caesar  und  Antoninus 
Plus  auf  den  ersten  Münzen  sowohl  der  PIETAS'AVG,  als  der 
CONCORDIA  und  CONCORDIAAVG.  Dagegen  M.  Aurel,  der  zwar 
auch  Adoptivsohn,  aber  zugleich  Schwiegersohn  und  Genial  der 
Erbtochter  des  Antoninus  Pius  war,  sowie  Commodus,  als  Aurel's 
leiblicher  Sohn,  haben  nur  die  PIETAS'AVG  auf  ihren  Erstlingen. 
Aehnliches  begegnet  in  der  folgenden  Zeit. 

Vergleicht  man  die  bisher  besprochenen  Fälle,  so  ergibt  sich, 
dass  für  die  Andeutung  des  Rechtstitels  bestimmte  Normen  bestan- 
den haben  und  beobachtet  worden  sind.  Alle  jene  Kaiser,  deren 
Nachfolge  schon  vom  Vorgänger  auf  dem  Throne  bestimmt  und 
geordnet  war,  mögen  sie  seine  leiblichen  oder  Adoptivsöhne 
gewesen  sein,  lassen  als  Augusti  jeden  Hinweis  auf  den  Rechtstitel 
ihrer  Nachfolge  hinweg,  so  Nero, «)  Titus,  Domitian,  Antoninus  Pius, 
M.  Aurel  und  Commodus.  Für  sie  bedurfte  es  der  Publication  des 
Rechtstitels  durch  Münzgepräge  nicht,  er  war  klar  und  öffentlich 
bekannt.  Die  beiden  Ausnahmen  Trajans  und  Hadrians  sind  dem 
nicht  entgegen,  insoferne  als  Trajans  Fall  noch  neu  und  auf  Münzen 
noch  nicht  bekannt  gemacht  war.  Aehnliches  ist  auch  für  das  Ver- 
halten Hadrians  bestimmend  gewesen.  Seine  Adoption  durch  Trajan 
galt  schon  im  Alterthume,  wenn  nicht  als  eine  fingirte,  so  doch  als 
eine  Trajan  abgenöthigte ;  in  den  letzten  Augenblicken  seines 
Lebens  soll  dieser  Jenen  an  Sohnes  Statt  angenommen  haben;  die 
Ankindung  konnte  daher  noch  nicht  öffentlich  bekannt  sein,  als 
Hadrian  die  Regierung  bereits  übernommen  hatte.  Daher  wählte  er 
für  einen  Theil  seiner  Erstlingsmünzen  das  Bild  der  Adoptio. 

Hingegen,  wenn  über  die  Thronfolge  keine  Bestimmung  getroffen 
war,  sondern  nach  dem  plötzlichen  Tode  des  Prineeps  —  es  geschah 
dies  durch  Verschwörung  gegen  die  despotischen  Regierungen  des 
Tiberius,  CaliguUi,  Nero,  Domitian  und  Commodus,  die  alle  keine 
leiblichen  Söhne  als  Nachfolger  hinterliessen  —  die  Thronfrage 
durch  die  wichtigsten  Factoren  des  öffentlichen  Lebens,  d.  i.  durch 


«)  Seine  Goldmünzen  mit  der  Biirgerkrone  und  EX-S-C  beziehen  sich  auf 

speciclle  Anlässe  und  beginnen  erst  im  zweiten  Regierungsjahre. 


60 


Dr.  Friedrich  Kenner: 


den  Senat  und  das  Heer  (Praetorianer  und  Legionen  in  den  Pro- 
vinzen) aufs  Neue  bestimmt  wurde,  zeigt  sieh  ein  verschiedenes 
Verhalten.  Waren,  was  sehr  selten  geschah,  beide  Factoren  oder 
auch  nur  der  Senat  einerseits  und  ein  bestimmter  Armeekörper, 
seien  es  Praetorianer  oder  die  Armee  einer  einzelnen  Provinz,  ander- 
seits einig,  so  wurde  der  Rechtstitel  gleichfalls  nicht  erwähnt,  wie 
bei  Otho,  später  bei  Pertinax  und  anderen  Wenigen,  die  unten  zu 
nennen  sein  werden.  Ging  jedoch  die  Proclamation  nur  von  einem 
der  Factoren  zunächst  aus,  dann  wird  der  Rechtstitel  angedeutet,  und 
zwar  so,  dass  anfänglich  neben  der  Berufung  durch  die  Praetorianer 
oder  die  Legionen  auch  auf  die  nachträgliche  Zustimmung  des 
Senates,  einmal  selbst  des  Volkes,  angespielt  wird,  wie  von  Clau- 
dius, Galba,  Vitellius  und  Vespasian,  später  aber,  von  Nerva  ab, 
die  Hindeutung  auf  den  Senat  wegbleibt  und  nur  jene  auf  das  Heer 
erfolgt.  Eben  dieses  Verhalten  beobachten  auch  die  meisten  Kaiser 
des  dritten  Jahrhunderts. 

Die  Art  und  Weise,  welche  für  die  Caesaren  die  gebräuchliche 
war,  ist  schon  oben  dargelegt  worden.  Wenn  die  leiblichen  Söhne 
des  jeweiligen  Princeps  den  Rechtstitel  übergehen,  so  ist  dies  dem 
Verhalten  der  neuen  Augusti  in  jenen  Fällen  analog,  in  welchen  diese 
mit  Uebereinstimniung  der  wichtigsten  Factoren  den  Thron  bestei- 
gen; letzteres  geschieht  durch  die  Souverainetät  des  in  jenen 
Factoren  repräsentirten  Volkes;  ersteres  folgt  aus  der  eben  dadurch 
auf  den  Kaiser  libertragenen  Vollmacht  vermöge  Erbrechtes,  wel- 
ches hervorzuheben  überflüssig  ist.  Dagegen  bei  Adoptivsöhnen, 
deren  Succession  nicht  im  Erbrechte  begründet  ist,  muss  für  jeden 
einzelnen  Fall  eine  Bestimmung  getroffen  werden,  welche  den 
speciellen  Rechtstitel  seiner  Thronbesteigung  bildet  und  daher  an- 
gedeutet wird.  — 

Mit  der  Ermordung  des  Commodus  beginnt  eine  neue  Epoche 
in  den  Besetzungen  des  Thrones.  Die  ruhige,  weil  vom  Vorgänger 
geregelte  Nachfolge  hörte  auf,  der  Principat  wurde,  wie  nach  Nero's 
Tode,  wieder  der  Siegespreis  der  schon  genannten  Parteien,  in 
denen  sich  inzwischen  manche  Veränderungen  ergeben  hatten.  Seit 
Septimius  Severus  —  wenige  Jahre  nach  Commodus'  Tode  —  die 
alte  aus  Italikern  und  Norikern  gebildete  Garde  in  Rom  aufgelöst 
und  an  ihre  Stelle  eine  neue,  aus  den  verschiedenen  activen  Armeen 


■-;>Ä. 


Programm-Münzen  römischer  Kaiser,  U 1 

gebildete,  gesetzt,  traten  die  Praetorianer  nicht  mehr  selbständig  in 
der  Thronfrage  auf,  sondern  vertraten  die  Interessen  der  Legionen 
in  Rom  selbst,  wodurch  die  Stellung  des  Senates  noch  machtloser 
wurde,  als  früher.  Dazu  kam,  dass  die  Stellung,  welche  bisher  die 
Heere  in  den  Grenzländern  häufig  gegen  Rom  und  den  Senat  ein- 
genommenhatten, inzwischen  durch  neue,  intensiver  wirkende  Beweg- 
gründe verschärft  wurde.  Da  sie  seit  Hadrians  Neuerungen  in  der 
Organisation  des  Heeres  beständig  in  denselben  Provinzen  ver- 
blieben und  mit  dem  in  diesen  während  der  längeren  Friedens- 
epoche mächtig  emporgekommenen  Römerthume  enge  verwachsen 
waren,  standen  sie  nunmehr  auf  als  Vertreter  der  wenn  auch 
rauhen,  doch  frisch  und  kräftig  sich  äussernden  Mischcultur  der 
Grenzländer  —  um  es  mit  einem  Worte  zu  sagen  —  des  Provin- 
cialismus  gegenüber  dem  Centrum  des  Reiches,  der  Haupt- 
stadt Rom,  deren  altclassische  Traditionen  vom  Senate  vertreten 
wurden. 

Im  Allgemeinen  finden  wir  im  dritten  Jahrhundert  bezüglich 
der  Angabe  des  Rechtstitels  die  Normen  aufrecht  bestehen,  welche 
im  zweiten  Jahrhunderte  sich  beobachten  Hessen.  Die  leiblichen  Söhne, 
wie  Caracalla,  Geta,  Diadumenian,  Maxinms,  Philippus  junior  u.s.  w., 
geben  einen  Rechtstitel  weder  als  Caesaren,  noch  als  Augusti  au; 
sie  führen  als  Caesaren  gleichmässig  nur  die  Pietas  Aug.  auf  ihren 
ersten  Münzen  auf.  Der  adoptirte  Caesar  Alexander  Severus  weist 
hingegen  auf  ihn  hin,  wie  schon  bemerkt  worden  ist.  Aehnlich  ver- 
hält sich  Caesar  Albinus,  welcher  weder  leiblicher  noch  Adoptivsohn 
des  Augustus  war,  dem  er  die  Caesarwürde  verdankte. 

Ebenso  haben  die  Kaiser,  auf  welche  sich  eine  Armee  und 
zugleich  der  Senat  vereinigten,  den  Rechtstitel  nicht  angegeben,  so 
Pertinax,  Gordianus  IL,  und  Philippus,  wenn  sie  gleich  sonst 
Anspielungen  auf  ihre  Parteistellung  machten.  Ihnen  <'"i"t  n.».-. 
diauiis  III.  als  Caesar. 

In  den  Fällen  der  Mitregentschaft  (Septimius  Severus  und 
Caracalla,  Caracalla  und  Geta,  Balbinus  und  Pupienus)  findet  sich 
die  Concordia  Augg.  und  die  Providentia  Deor (um)  auf  den  Erst- 
lingsmünzen meist  beider  Kaiser.  Die  einschlägigen  Münzen  der 
beiden  Philippi,  sowie  des  Valerianus  und  Gallienus,  des  Diocletianus 
und  Ilerculeus  u.  s.  f.,  welche  zumeist  nur  die  Concordia  Augg.  und 


'fib: 


62 


Dr.  Friedrich  Kenner: 


Concordia  Augg.   et  Caess.  N.  N.  haben,   sind  nicht   datirt.  Von 
Decius  und  Herennins  fehlen  solche  Gepräge  ganz. 

Dagegen  Didius  Julianus,  der  letzte  von  der  alten  Garde 
um  Geld  proclamirte  Kaiser  rühmt  die  CONCORDIA  MILITVM 
(seil. praetorianorum),  während  Septimius  Severus  im  bewussten 
Gegensatz  hiezu  in  seinen  ersten  Münzen  der  FIDEI  LEGIONVM 
ein  Denkmal  setzte  und  ähnlich  wie  der  Triumvir  Antonius  alle 
Legionen,  die  auf  seine  Seite  getreten  waren,  mit  Namen  und  Ab- 
zeichen auf  seine  Silbermünzen  setzen  liess;  in  welchem  Sinne 
dies  geschah,  wird  dadurch  deutlich,  dass  er  auf  die  XIV.  und  die 
I. Legion (Minervia),  die  ihn  zuerst proclamirt  zuhaben  scheinen, allein 
Goldmünzen  schlagen  liess.  In  ähnlicher  Weise  rühmen  Pescennius 
die  FIDEI  EXERCITVI,  Albinus  die  FIDES  LEGIONVM, 
Macrinus  die  FIDES  MI  LITVM.  Mit  dem  gleichen  Bilde')  und 
überdies  mit  einer  anderen  vielsagenden  Allegorie  verräth  Maxi- 
minus Thrax  die  Rechtsquelle  seines  Principates,  indem  er  sich 
durch  alle  Jahre  seiner  Regierung  hindurch  im  Kriegskleide  dar- 
stellen lässt,  zwischen  Feldzeichen  stehend,  auf  deren  eines  er  ein- 
mal die  Hand  zu  legen  scheint;  die  Umschrift  biklen  seine  Titel. 
Auch  sein  Sohn  Maximus  stellt  sich  alsPRINCIVVENTVTlS  mit 
zwei  Feldzeichen  im  Hintergrunde  dar.  Für  unsere  Frage  ist  dies  Ge- 
präge von  grossem  Belange,  da  es  späterhin,  im  gleichen  Sinne  an- 
gewendet, zu  vorzüglicher  Geltung  gelangte.  Der  unter  Kaiser 
Philippus  im  1001  Jahre  Roms  (AN- MILLPRIMO)  vom  Heere 
proclamirte  Pacat  i  an  US  ist  der  Letzte,  von  welchem  auf  datir- 
baren  Erstlingsmünzen  die  CONCORDIA  und  FIDES'MILITVM 
erwähnt  werden. 

Von  den  Caesaren  hebt  Albinus  nach  Trajan's  Beispiel  die 
P  R  0  V I D  E  N  T I A  •  A  V  G  (d.i.  des  Septimius  Severus )  hervor.  Der 
Enkel  Gordia  nus  feiert  als  Caesar  nur  diePIETAS'AVGG",  worunter 
die  beiden  Senatskaiser  Pupienus  und  Balbinus  gemeint  sind;  seine 
Erstlingsmünzen  als  Augustus,  der  er  auf  das  Andringen  der  Sol- 
daten wurde,  führen  dagegen  in  bezeichnender  Weise  die  FIDES* 
MILITVM  auf. 


7j  So  verstehe  ich  Cohens  Beschreibimg  (I.  Aufl.  IV,  90,  Nr.  17  und 
IL  Aufl.,  IV,  510,  Nr.  43):  P-M-TR-P-P-P-  Femme  assise  entre  deux  enseignes 
militaires. 


Programm-Münzeii  römischer  Kaiser.  Öö 

Mit  Philippiis'  Nachfolger  Decius  sind  wir  an  einen  neuen 
Wendepunkt  gelangt.  Die  Partei  des  Senates  niusste,  da  die  Be- 
setzung des  Thrones  lediglich  eine  Machtfrage  war,  endlich  unter- 
liegen, zudem  war  der  Zustand  des  Reiches  in  Folge  der  zunehmen- 
den Einfälle  fremder  Völker  so  ernst  geworden,  dass  aller  Partei- 
hader im  Innern  verstummte;  alle  Berufungen  erfolgen  von  nun  an 
bis  auf  Diocletian  durch  die  Armeen  in  den  Grenzländern,  von  wel- 
chen schliesslich  die  pannonische  oder  il lyrische  bleibend  den  Vor- 
rang behauptete.  Daher  entfallen  von  nun  an  auch  die  Hinweisungen 
auf  den  Rechtstitel  der  Thronfolge;  denn  es  gab  nur  mehr  einen 
solchen,  über  welchen  nicht  weiter  ein  Zweifel  bestehen  konnte. 
Die  datirten  Münzen,  welche  überhaupt  selten  werden,  zeigen  im 
ersten  Regierungsjahre  zumeist  nur  mehr  den  Kaiser  in  der 
Toga  mit  Zweig  und  Kugel  oder  im  Feldherrngewande, 
opfernd  oder  mit  der  Weltkugel  oder  dem  Friedenszweige,  oder 
auch  —  wie  unter  Probus  und  Maximianus  Herculeus  —  zwischen 
Feldzeichen  stehend  oder  endlich  zu  Pferde. 

Es  wird  von  diesen  Kaiserbildern  im  zweiten  Abschnitte  aus- 
führlicher gesprochen  werden. 

Die  bisher  für  die  Andeutung  der  Berufung  gebräuchlichen 
Typen  begegnen  auch  weiterhin,  aber  sie  finden  sich  nur  mehr  auf 
undatirten  Münzen  und  verlieren  daher  jede  Geltung  für  unsere 
Frage. 

II. 

Anziehender  und  mannigfaltiger  als  die  bisher  betrachteten, 
meist  gleichförmigen  Angaben  der  Rechtsquelle  der  Thronfolge 
sind  jene  Bilder  der  Erstlingsmünzen,  welche  Anspielungen  auf  die 
Tendenz  des  neuen  Kaisers  und  auf  die  Zeitverhältnisse,  wie 
sie  bei  seiner  Thronbesteigung  bestanden,  enthalten.  Sie  hängen 
von  seiner  Individualität  ebenso  gut  ab,  als  von  der  Lage  des 
Reiches,  die  er  vorfindet;  daher  lassen  sich  für  sie  so  klar  bestimmte 
Regeln  nicht  erkennen,  wie  für  die  bisher  betrachteten  Münzen ;  die 
mitspielenden  Momente  sind  eben  durchaus  eigenartig.  Wohl  aber 
liegt  es  in  der  Natur  der  Sache,  dass  in  den  Zeiten  des  geordneten 
und  meist  friedlichen  Staatslebens  die  Bilder  einen  entspre('}"'"<1('u 


64 


Dr.  Friedrich  Kenner: 


mehr  idealen  Gehalt  haben,  als  unter  den  aufgeregten  Verhältnissen, 
welche  den  gewaltsamen  Sturz  einer  Regierung  begleiten,  und  in 
den  Zeiten  des  Kampfes  um  den  Thron.  In  solchen  Fällen  werden 
die  Anspielungen  auf  die  Zeitverhältnisse  und  die  Versprechungen 
des  neuen  Princeps  schärfer  pointirt,  das  parteiliche  Moment  tritt 
freier  hervor,  insbesondere  gegenüber  einem  verhassten  Vorgänger 
und  einem  nicht  minder  verhassten  Nebenbuhler.  Schon  dadurch 
gewinnen  die  Erstlingsmünzen  der  Nachfolger  des  Nero,  Domitian 
und  Commodus  an  geschichtlicher  Bedeutung;  es  wird  sich  die 
Aufzählung  der  einzelnen  Fälle  nach  ihren  Epochen  gliedern. 

Der  Erste,  welcher  Münztypen  wählte,  die  als  Programmbilder 
gelten  können,  ist  Kaiser  Claudius.  Nicht  ohne  Grund  widmet  er 
gegenüber  Caligula's  Veränderlichkeit,  der  nach  einem  kurzen 
guten  Anfange  in  einen  schlinmien  Despoten  ausgeartet  war,  Münz- 
bildei  der  CONSTANTIAE  AVGVSTI  und  PACI  AVGVSTAE, 
Standhaftigkeit  der  Gesinnung  und  Friedfertigkeit  sind  die 
Ideale,  zu  denen  er  sich  im  ersten  und  in  den  folgenden  Jahren 
seines  Principates  bekennt.  Noch  mehr  gab  Nero's  Missregie- 
rung Anlass  zu  verständlichen  Seitenblicken.  Galba  feiert  die 
LIBERIAS  PopuliRomani,  LIBERIAS  PVBLICA  und  RESII- 
IVIA,  die  ROMA  RENASCENS  und  VICIORI A  POPVLI 
ROMAN  I;  gegenüber  der  Willkür  des  Vorgängers  liebt  er  die 
AEQVlIASAVGusti  hervor  und  bezeichnet  die  SALVSGENERIS 
HVMANI  als  Zielpunkt  seiner  Regierung.  Auch  feiert  er  den 
BONUS  EVENIus  und  die  FORIVNAAVGVSIi,  denen  er  aller- 
dings zum  Danke  verpflichtet  war.  Andere  Bilder,  wie  Aequitas, 
Concordia,  Abundantia,  zeigen  sich  mit  dem  Titel  PONIM  AX  ver- 
bunden. Sein  Nachfolger  Otho  gibt  im  Allgemeinen  die  PAX 
ORBIS  lERRARVM  und  SECVRIIASPopuliRomani  als  sein 
Programm  an,  wohl  mit  deutlicher  Nebenbeziehung  auf  den  eben 
beseitigten  Soldatenkaiser  Galba,  von  welchem  die  friedensbedürftige 
Hauptstadt  kriegerische  Unternehmungen  im  Interesse  der  Armeen 
gefürchtet  haben  mochte  —  in  der  Regel  betonen  auch  späterhin 
die  Senatskaiser  den  Frieden,  ihre  Gegner  den  Krieg.  Sowie  Galba 
feiert  auch  Vitellius,  der  dritte  Kaiser  in  Jahresfrist  seit  Nero's 
Tode,  die  LIBERIAS'RESIIIVIA;  rühmt  aber  gegenüber  der 
Despotie  des  Letzteren    nicht  die  Aequitas  Augusti,    sondern    die 


Programm- Münzen  römischer  Kaiser.  OQ 

CLEMENTIAIIVIPeratorisGERIVIANICI.Vespasian  endlich  Über- 
rascht das  Reich  sofort  nach  seiner  Proclamation  mit  einer  Ver- 
füf;inig,  welche  die  Wiederkehr  ähnlicher  Erschlttteriui^^en  des 
Staates,  wie  sie  nach  Nero's  Tode  stattgefunden,  verhindern  sollte, 
die  Ernennung  seiner  beiden  leiblichen  Söhne  Titus  und  Domitian 
zu  Caesaren;  schon  auf  den  in  Antiochia  geprägten  Erstlingen 
(J.  69)  stellt  er  sie  dem  Volke  im  Doppelbilde  nebeneinander 
reitend  oder  in  der  Toga  mit  Zweigen  nebeneinander  sitzend  und 
mit  der  Umschrift  CA  ESARES  PR(INCIPES)  •  IVV(ENTVTIS) 
vor,  anknüpfend  an  das  von  Augustus  gegebene  Beispiel,  der  auch 
seine  Enkel  Caius  und  Lucius  auf  den  Münzen  als  Caesares  einge- 
führt hatte.  Daneben  feiert  Vespasian  auf  den  in  Antiochia  ge- 
schlagenen Erstlingsmünzen  nur  noch  die  FO  RTVN  A- AVGVSTI, 
die  alte  strenge  Schicksalsgöttin,  welche  die  Geschicke  der  Men- 
schen lenkt  und,  indem  sie  ihn  noch  am  Abend  des  Lebens  auf  den 
Thron  des  Weltreiches  setzte,  damit  eine  Bürgschaft  für  seine 
Regierung  geben  zu  wollen  schien.  Im  folgenden  Jahre  finden  wir 
Hinweisnngen  auf  die  Aequitas,  die  Vesta  als  Staatsgöttin  und  auf 
den  zu  hoffenden  Frieden   (PACI •  A VGVSTAE  und  PACI'ORB' 

TERR.). 

Von  seineu  Söhnen  wählt  Titus  für  die  ersten  Münzen,  die  er 
als  Caesar  schlug,  dasselbe  in  Rom  stets  gern  gesehene  Gepräge 
mit  der  Umschrift  PACI'ORB'TERR-AVG-  und  lässt  sich  selbst 
in  der  Toga  mit  dem  Friedenszweig,  oder  auch  nur  den  Caduceus 
als  sprechendes  Symbol  darstellen.  Als  Augustus  rühmt  er  sich 
seiner  Kriegsthaten  in  Judaea  und  bringt  die  entsprechenden  Typen: 
die  Kuh,  das  Triumph  algespann  und  das  Siegeszeichen  nebst  ver- 
schiedenen Götterfiguren  (Ceres  und  Venus  victrix)  vor.  Umgekehrt 
stellt  sich  Domitian  zunächst  ohne  Aufschrift  als  Caesar  zu  Pferde 
dar;  auf  einer  anderen  Münze  des  folgenden  Jahres  74  mit  der 
Aufschrift  PRINCEPSIVVENTVTis  erscheint  das  Bild  der  Spes, 
der  Göttin  der  Hoffnung,  die  fortan  auf  den  Münzen  noch  jugend- 
licher Caesaren  häufige  Anwendung  fand.  Seine  Erstlinge  als 
Augustus  enthalten  allgemeine  religiöse  Anspielungen,  welche  sich 
aus  den  Priesterwürden  erklären,  das  Lectisternium  mit  Blitz  und 
Tempelgiebel,  Kranz,  Ank(ir  und  Delphin,  ül)erdies  die  Pallas, 
«'i''^'  Lieblingsgöttin,  und  drn  IVPPITER-CO NSERVATOR. 


e^-t^^^S-:^^^-^  ;^ 


66 


Dr.  Friedrich  Kenner: 


Nach  seiner  Ermordung  zeigen  sich  ähnliche  Erscheinungen, 
wie  nach  Nero's  Tode.  Nerva  proclamirt,  ähnlich  wie  Galba,  die 
LIBERTASPVBLICA,  AEQVITAS  und  IVSTI  TIA- AVGVSTI, 
dazu  fügt  er  als  Zielpunkt  seiner  Thätigkeit  die  S  ALVS*  P  V  BLICA 
und  erinnert  gleich  dem  Vespasian  an  die  FORTVN  AAV6  VSTI. 
Noch  weit  mehr  verheisst  der  optimus  princeps  Trajan,  indem  er 
gleich  im  ersten  Jahre  eine  ganze  Keihe  von  Vertrauen  erwecken- 
den Bildern  auf  seinen  Münzen  anbringen  Hess;  neben  den  ver- 
schieden abgefassten  Titelumschriften  erscheinen  die  Vesta  und 
Roma,  Concordia,  Felicitas,  Fortuna,  Justitia,  Pax  und  Victoria. 

Enger  umschreil)t  Hadrian  sein  Programm;  er  sieht  die 
Grundlage  des  öffentlichen  Gedeihens  in  der  Eintracht,  Gerechtig- 
keit, Gewissenhaftigkeit  und  im  Frieden :  C  0  N  C  0  R  D^l  A),  I V  S  T I T I A 
PI  ET  AS  und  PAX  glänzen  auf  seinen  Erstlingsmünzen,  letztere 
sehr  wahrsclieinlich  im  Gegensatze  gedacht  zu  den  grossen,  ruhm- 
vollen Kriegen  Trajans,  welchen  er  aus  Eifersucht  zu  verkleinern 
und  verdunkeln  stre))te.  Daneben  erscheint  eigenthümlicher  Weise 
derORIENS;  es  ist  nicht  klar,  in  welchem  Sinne  dies  Bild  zu 
nehmen  sei.  Es  lag  Hadrian  sicher  ferne,  damit  auf  die  Eroberun- 
gen Trajan's  anzuspielen,  die  er  den  Parthern  abgerungen  hatte, 
im  Gegentheil  verwarf  er  dessen  Politik;  ebenso  wenig  kann  er 
sich  selbst  als  Herrn  des  Orientes  haben  verherrlichen  wollen ;  er 
gab  ja  sofort  die  eroberten  Länder  zurück.  In  diesem  letzteren,  für 
die  Folge  so  verhängnissvollen  Schritte  dürfte  die  Erklärung  des 
Münzbikles  zunächst  gesucht  werden  können.  Hadrian  will  dami 
wohl  sagen,  er  gebe  die  neu  eroberten  Länder  zurück,  denn 
wolle  mit  dem  Sonnengotte  (Oriens)  die  Herrschaft  des  Erdkreisei 
theilen,  dieser  soll  im  Morgenlande  herrschen,  sowie  er  selbst  i: 
Abendlande.  Darum  stellt  er  seinem  Bildniss  auf  der  einen,  Jen 
des  Sonnengottes  auf  der  anderen  Seite  der  Münze  gegenüber. 

Sein  Adoptivsohn  Aelius  Caesar  hat  seine  Erstlingsmünzen, 
die  er  als  Caesar  schlug,  mit  den  Bildern  der  Felicitas  und  Spes 
geschmückt ;  wenn  er  daneben  die  Salus  anruft,  so  bezieht  sich  das 
wohl  auf  den  schon  damals  (J.  137)  bedenklich  gewordenen  Gesund 
heitszustand  des  Kaisers  Hadrian.  Aber  noch  vor  diesem  starb  er 
fjelber  und  räumte  seine  Stelle  dem  Antoninus  Pius  (J.  138),  der 
auf  seinen  Caesarmünzen  die  Bilder  der  Diana  und  Pallas   mit  den 


■ 


I 


Programm-Münzen  römischer  Kaiser. 


67 


Titelumschriften  verbindet.  Um  die  Hälfte  jenes  Jahres  starb  auch 
Hadrian  und  nun  stellte  Pius  ein  seiner  Individualität  und  seiner 
Regierungsepoche  vollkommen  entsprechendes  Programm  in  den 
Bildern  der  Pietas,  Aequitas,  Felicitas  und  Fides  auf;  es  ist  zu  ver- 
muthen,  dass  Letzteres  seine  Spitze  gegen  Hadrian  selbst  richtete; 
denn  dieser  verrieth  in  seinen  letzten  Lebensjahren  einen  launen- 
haften Zug  zur  Grausamkeit,  der  das  öffentliche  Vertrauen  unter- 
grub. Dieses  sollte  unter  Antoninus  wieder  hergestellt  werden  und 
wurde  es  in  der  That  auch.  Andere  Erstlinge  tragen  neben  der  Titel- 
umschrift die  Darstellungen  der  Minerva,  Diana  und  Pax.  Der  zwei 
Jahre  später  zum  Caesar  ernannte  M.  Aurel,  der  junge  Liebling  des 
Volkes,  wählte  ein  treffendes  neues  und  vereinzelt  gebliebenes 
Symbol  für  seine  Erstlingsmünzen:  den  HO  NOS,  den  Gott  der  Ehre, 
und  als  dazu  gehöriges  Gegenstück  die  IVVENTAS,  bald  als 
Göttin  der  Jugend,  bald  als  Inbegriff  der  Zeitgenossen  Aureis  ge- 
dacht, für  welche  also  die  Ehre  als  Ideal  hingestellt  wurde.  Seine 
ältesten  datirten  Caesarmünzen  verbinden  mit  der  Titelaufschrift  die 
Pallas,  Spes,  Fides  und  Securitas.  Als  Augustus  bedient  er  sich  im 
ersten  Jahre  neben  den  schon  erwähnten,  auf  die  Ernennung  des 
L.  Verus  zum  Mitregenten  zielenden  Münzbildern,  seines  eigenen 
Bildes,  das  im  Viergespanne  oder  stehend  mit  der  Weltkugel  vor- 
gestellt ist.  Sein  Sohn  Commodus  wählte  für  seine  Caesarmünzen 
(J.  176)  die  HILARITAS  und  SPESPVBLICA;  auch  als  PRINC' 
IVVENT  mit  dem  Friedenszweig  neben  einem  Tropaeum  stehend 
lässt  er  sich  darstellen.  Seine  datirten  Erstlinge  als  Augustus 
und  Mitregent  seines  Vaters  (J.  178)  verbinden  mit  der  Titel- 
umschrift ausser  den  aus  dem  damaligen  Kriege  erklärlichen 
Götterbildern  die  Spes,  Fides,  Roma  und  wohl  mit  Rücksicht 
auf  die  damals  herrschende  Pest  — die  SALVS;  als  Alleinherrscher 
(J.  180)  führt  er  die  Fortuna,  Roma  und  Providentia  auf,  d.  h.  er 
sei  bestimmt,  für  die  von  der  Vorsehun«;-  ihm  ühergebene  Roma 
vorzusorgen. 

Genau  so  wie  nach  Nero's  und  Domilian's  Tode,  von  deren 
nächsten  Nachfolgern  die  Libertas  restituta  uml  publica  gepriesen 
wurden,  galt  eines  der  ersten  Münzbilder  des  Pertinax  nach  der 
Beseitigung  des  Commodus  denLIBERATISCIVIBVS  und  der 
LAETITIA-TEMPORum;    auch   er  verspricht,   wie  es   in  gleicher 


-■'^?^^?'*^^T^>?W*^/^*| 


68 


Dr.  Friedrich  Kenner : 


Lage  Galba  und  Kerva  gethan,  im  Gegensatze  zur  vorausgegangenen 
Willkürherrscliaft  ein  gerechtes  Regiment:  AEQ VI Tas-AVG.,  und 
verräth  sicli  als  hervorgegangen  aus  der  Schule  Aurel's  durch  einen 
religiösen  Zug,  indem  er  sich  und  den  Staat  der  PROVIDentia 
DEORum,  den  DIS  CVSTODIBVS,  dem  lANO  CONSERVATORI 
und  der  0  P I  *  D I V I  N  A  E  empfiehlt ;  endlich  w^idmet  er  eine  Münze 
der  MENTI'LAVDANDAE,  der  hochzupreisenden  Besonnenheit, 
ein  Bild,  welches  man  kaum  verstanden  hätte,  wenn  nicht  die  Toll- 
heiten und  der  jugendliche  Wahnwitz  des  Commodus  noch  in 
beängstigender  Erinnerung  gewesen  wären;  in  sehr  deutlicher 
Weise  wird  diesem  die  Erfahrenheit  des  neuen,  in  den  Lebensjahren 
vorgerückten,  vielverdienten  Kaisers  entgegengestellt. 

Die  schmähliche  Ermordung  des  Letzteren  gab  das  Zeichen  zu 
einem  lange  andauernden  erbitterten  Kampfe  um  den  Thron,  in  dem 
nicht  mehr,  wie  nach  Nero's  Tode,  die  Armeen  einzelner  Länder 
nach  einander,  sondern  zu  gleicher  Zeit  ihre  Praetendenten 
durchzusetzen  suchten,  theils  mit  dem  Senate  im  Bunde,  theils  gegen 
seine  Autorität.  Dieser  Kampf  ist  für  unsere  Frage  von  der  grössten 
Wichtigkeit;  er  bereitet  den  Verfall  der  Programmbilder  vor  zu 
einer  Zeit,  wo  sie  die  grösste  Entwicklung,  die  grösste  Lebhaftigkeit 
der  Anspielungen  zu  erreichen  scheinen.  In  den  bisher  betrachteten 
Fällen  wiegt  das  individuelle  Moment  vor;  es  sind  die  persönlichen 
Gesinnungen  und  Anschauungen,  welche  die  neuen  Kaiser  in 
mannigfaltigen,  verschiedenen  Münzbildern  zum  Ausdruck  bringen, 
und  in  der  That  liegt  darin  eine  vorzügliche  Anziehung  für  uns,  es 
reizt  uns  y-u  sehen,  in  welche  Worte  der  und  jener  Kaiser  die 
Anschauungen  kleidet,  mit  denen  er  den  Principat  antritt.  Dieses 
seelische  Moment,  wenn  wir  es  so  bezeichnen  dürfen,  geht  in  der 
folgenden  Zeit  verloren. 

Der  Praetendent  der  einen  oder  anderen  Partei  tritt  nicht  mehr 
völlig  frei  und  unabhängig  seiner  Aufgabe  entgegen,  sondern  als 
Parteimann,  er  ist  an  den  Factor  gebunden,  der  ihn  beruft,  wenig- 
stens für  die  erste  Zeit  seiner  Regierung,  er  muss  sein  Programm 
den  Interessen  desselben  anpassen ;  es  ist  werthlos  den  Unterschied 
seiner  Bestrebungen  und  jener  seines  Vorgängers  hervorzuheben, 
wohl  aber  muss  er  suchen,  seinen  Nebenbuhler,  den  Praetendenten 
einer  andern  Partei,  zu  überbieten  und  in  den  Schatten  zu  stellen. 


[l^-- 


Programm-Münzen  römischer  Kaiser. 


69 


Nicht  mehr  also  Schlagworte  für  persönliche  Ansichten,  sondern 
Parteischlagworte  sind  die  Umschriften,  die  er  seinen  MUnzbildern 
gibt;  nur  diese  haben  actuellen  Werth,  alle  anderen  etwa  noch 
vorkommenden  Typen  und  Umschriften  verlieren,  so  schön  sie 
klingen,  stets  mehr  an  individuellem  Gehalt.  Dies  zeigt  sich  sehr 
deutlich,  als  der  Soldatenkaiser  Maximinus  Thrax  der  Senatspartei 
erlag  und  die  Hauptstadt  Rom  auf  kurze  Zeit  wieder  in  den  Vorder- 
grund trat,  wozu  das  Herannahen  des  Festes  ihres  tausendjährigen 
Bestehens  wohl  auch  beitrug.  Die  Kaiser  jener  Zeit,  welche  ent- 
gegengesetzte Parteischlagworte  verbinden  oder  alle  Anspielungen 
absichtlich  vermeiden,  gerathen  auf  Münzbilder,  die  durchaus 
objectiv  und  von  allgemeiner  Bedeutung  sind. 

Di  diu  s  Juli  an  US  feiert  die  Fortuna  und  lässt  sich  wohl  mit 
Absicht  Aurel's  Beispiele  folgend  in  der  Toga  als  Princeps  Senatus 
oder  als  Consul  mit  der  Weltkugel  und  der  Umschrift  RECTOR- 
ORB  IS  darstellen.  Auch  dieses  Bild  hat  in  der  folgenden  Zeit  eine 
grössere  Bedeutung  erlangt.  Wichtiger  ist  fiir  uns  vorläufig  der 
glückliche  Gegner  des  Didius  Julianus,  Septimius  Severus,  der 
vielleicht  unter  allen  römischen  Kaisern  am  gewandtesten  mit 
Schlagworten  zu  hantiren  wusste.  Er  tritt  gleich  im  ersten  Jahre  mit 
einer  stattlichen  Reihe  von  Münzbildern  auf,  alle  neu  und  auf  seine 
Chancen  berechnet.  Er  kennzeichnet  sofort  seine  Absichten,  indem 
er  dem  lOVI*  PR  AESidi-ORB  IS,  dem  die  Erde  beherrschenden 
Jupiter,  als  dem  Vorbilde  seiner  eigenen  Alleinherrschaft  huldigt ; 
das  Vertrauen  in  seine  Mission  bezeugen  die  BONA*  SPES  und  das 
Bild  des  BON'EVENTVS,  des  Erfolges,  als  Bringer  vollendeter 
Thatsachen ;  ihm  hatte  er  nach  dem  beispiellosen  Gelingen  seines 
Römerzuges  dankbar  zu  sein,  ebenso  alle  Ursache,  wie  seinerzeit 
der  Kaiser  Galba,  der  ähnliche  Bilder  benützte.  Danehen  preist 
er  die  FELICITas  TEMPORum  und  SAECVLI  FELICITAS,  die 
er  herbeiführen  werde,  an  die  Zeiten  Trajan's  und  des  Antoniuus 
Pius  erinnernd,  unter  denen  die  Felicitas  zuerst  auftaucht,  und 
kriegerische  Gottheiten  :  IVIINERVAVICTRIX,  VICTORIA* 
(AVG);  VICTORIVSTAVG-  und  VIRTVSAVG;  endlich  fügt  er 
den  Zuruf  bei:  I  N  VI  CTO  •  IMPeratori  •  TROPAEA,  wohl  nach 
einer  Acclamation  des  Heeres  im  Kriege  gegen  Pescennius 
Kii;-er. 


70 


Dr.  Friedrich  Kenner : 


Der  Letztere,  sein  Gegner  im  Orient,  copirt  die  wichtigsten 
Münzen  des  Severus;  man  findet  von  ihm  eine  Widmung  an  IOV|- 
PRAEsidiORBIS,  an  BONOEVENTVI,  BONAE  SPEI,  diese 
noch  verstärkt  durch  ein  zweites  Bikl  der  S  P  E I  •  F I R IVI A  E ,  ferner 
Münzen  auf  die  FE  LI  CitasTEMPorum  (und  SAECVLI);  MARTI* 
AV6VST0,  MINERyaVICTrix,  VICTOR  IVSTAVG/vIRTVTI- 
AVG.  Wir  sehen  darin  ein  interessantes  Beispiel,  in  welcher  Weise 
der  Praetendent  des  Orients  dem  Nebenbuhler,  der  ihm  in  der 
Besetzug  Rom's  zuvorgekommen  war,  mit  gleichen,  vielmehr  mit 
noch  stärkeren  Bildern  entgegentrat,  um  die  Gemüther  seiner  Sol- 
daten ebenso  für  seine  Sache  zu  entflammen,  als  es  seinem  Gegner 
gelungen  sein  muss. 

Der  andere  Nebenbuhler  des  Severus,  AI  bin  us,  in  Britannien, 
war  von  Ersterem  zunächst  lahm  gelegt  w^orden  durch  die  Ernen- 
nung zum  Caesar,  die  er  angenommen  hatte.  Er  hebt  als  solcher 
noch  im  Jahre  193  die  Providentia  und  FORTVNA-AVG  hervor. 
Während  des  Zweikampfes  zwischen  Pescennius  und  Severus 
änderte  sich  aber  die  Lage,  die  Caesarmünzen  des  Albinus  aus 
den  Jahren  194  und  195  laufen  der  Tendenz  des  Severus  gerade 
entgegen,  jener  zeigt  sich  immer  offener  als  Parteigänger  des  Senates, 
indem  er  ausser  der  FELICITAS- A VG  die  MINERVA- PA Cl FERA 
(entgegen  der  Minerva  victrix  des  Severus j,,  das  SAECulum- 
FRVG(iferum),  also  gleichfalls  ein  Symbol  des  Friedens  und  eine 
Widmung  an  ROM AE'AET ERNA E  aufnimmt.  Im  folgenden  Jahre 
196  erscheinen  seine  Erstlingsmünzen  als  Augustus ;  sie  feiern  die 
AEQVITAS  undCLEMENTIA-AVG,  durch  welche  augenscheinlich 
auf  die  leidenschaftliche  Strenge  des  Severus  gegen  seine  politi- 
schen Feinde  hingewiesen  werden  sollte;  gleichen  Sinn  hat  gegen- 
über der  Tücke  des  Letzteren  die  FID  ES' AVGusti  des  Albinus. 
Andere  Bilder  scheinen  nach  jenen  des  Severus  oder  doch  in 
gleichem  Sinne  gewählt  w^orden  zu  sein^  wie:  lOVI'VlCTORI, 
MARTiVLTori,  SPESAVG  und  VIRTVTT AVG;  der  MARS- 
PATER ist  sicher  von  Severns  entlehnt,  wir  werden  zum  Schlüsse 
ausführlicher  darauf  zurückkommen. 

Nach  dem  Abfalle  des  Albinus  ernannte  Severus  seinen  älteren 
Sohn  Caracalla  zum  Caesar  (196).  Letzterer  führt  sich  mit 
SECVRITASPFRPETVA  und  SPEIPERPETVAE  ein,  insoferne 


Programm-Münzen  römischer  Kaiser.  i  1 

mit  Recht;  als  durch  die  Vorausbestimmung  der  Thronfolge  der 
Bürgerkrieg;  der  schon  so  lange  wtithete,  geschlossen  und  die 
Sicherheit  des  öffentlichen  Lebens  ,.hoflfentlich  für  immer"  gewonnen 
schien.  Zwei  Jahre  später  (198)  zum  Mit-Augustus  erhoben,  preist 
er  die  FIDES  PVBLICA  und  SPES  PVBLICA,  die  IVSTITIA 
und  MIN  ER  VA- VI  CTR IX,  also  das  öffentliche  Vertrauen  auf  die 
von  seinem  Vater  neu  geschaffenen  Zustäude^  sowie  die  Hoffnung, 
diese  mit  Hilfe  der  siegi-eichen  Göttin  und  durch  eine  gerechte 
Regierung  zu  erhalten.  Der  ebendamal s  zum  Caesar  ernannte  zweite 
Sohn  des  Kaisers,  Geta,  datirt  seine  Caesarmünzen,  welche  die 
Felicitas'temporum,  Providentia -Deorum,  Spes- publica  und  Spei 
perpetuae  aufweisen,  nicht,  so  dass  seine  Erstlinge  nicht  mit  Be- 
stimmtheit erkannt  werden  können.  Vielleicht  am  besten  drückt 
seine  Gesinnung  das  Bild  des  CA  STÖR  aus,  dem  freilich  auf 
seines  Bruders  Münzen  das  Gegenstück,  Pollux,  fehlt.  Als  Augustus 
setzt  Geta  die  Abundantia,  den  Bonus  eventus  und  die  Felicitas 
auf  die  ältesten  Münzen.  Andere  Gepräge  vom  Jahre  211,  wie 
die  Fides  exercitus  und  der  Janus  weisen  wohl  ebenso  wie 
jene  Caracalla's  mit  Fax  und  Victoria  auf  den  damals  siegreich 
beendigten  Feldzug  in  Britannien  und  den  wiedergewonnen  Frie- 
den hin. 

Farbloser  sind  die  Münzbilder  auf  den  ersten  Münzen  des 
Kaiser  Macrinus:  Jupiter,  Abundantia,  Felicitas  und  SALVS' 
P  V  B  Lica ;  sein  Sohn  Diadumenianus  begnügt  sich  mit  der  S  P  E  S  • 
PVBLICA  und  seiner  Darstellung  als  PRINCeps  •  IVVENTVTIS, 
er  wird  in  der  Kriegsrüstung,  mit  einem,  zwei,  selbst  drei  Feld- 
zeichen abgebildet.  Dagegen  bringt  Kaiser  Elagabalus,  der 
in  Syrien  proclamirte  und  vom  Senat  anerkannte,  vorgebliche 
Sohn  Caracalla's,  neben  der  Fortuna  die  Senatsgöttin  Roma  auf 
seinen  Erstlingen  an.  Nach  seiner  Ermordung  wiederholt  sich 
eine  schon  öfter  beobachtete  Erscheinung;  der  halb  gegen  seinen 
Willen  von  ihm  adoptirte  Alexander  Severus  feiert,  wenn  auch 
nicht  so  auffällig,  als  es  sonst  geschehen  war,  die  Libertas;  er 
fügt  dazu  den  Jupiter,  die  B'ortuna,  den  Sol  (auch  Alexander 
war  syrischer  Abkunft)  und  den  Mars  als  Friedenbringer,  welcher 
des  Kaisers  Gesinnungen  deutlich  oflFenl)art.  AuffalhMi  muss  es, 
dM^*:^    Elagabalus    die   Roma,    welch«'    Ab'XMJidrr   ^.v-.nis    IiIhwcl'-- 


72 


Dr.  Friedrich  Kenner: 


lässt,  8)  als  Bild  für  seine  Erstlingsmünzen  erkor,  während  von 
ihm,  dem  Syrer,  der  er  auch  in  Rom  in  allen  seinen  Gewohnheiten 
blieb,  und  von  seinem  Nachfolger,  der  alle  Rücksichten  gegen 
Senat  und  Heer  beobachtete,  das  Gegentheil  erwartet  werden 
konnte.  Sehr  wahrscheinlich  wollte  Alexander  in  keinem  Stltcke  an 
seinen  schlimmen  Vorgänger  erinnern. 

Die  datirten  Mtinzbilder  des  Maximinus  Thrax  aus  seinem 
ersten  und  den  folgenden  Regierungsjahren  zeigen  immer  nur  den 
Kaiser  zwischen  Feldzeichen  in  der  Kriegsrüstung  stehend,  wovon 
schon  oben  die  Rede  war.  Die  anderen  Münzen,  die  nicht  aus- 
diücklich  datirt,  aber  durch  das  Fehlen  des  Triumphaltitels  Ger- 
manicus  auf  die  Zeit  von  235  bis  236  bestimmbar  sind,  enthalten 
die  PAXAVGusti  und  PROVID  ENTIA' A  VG"sti;  sie  sind  schon 
völlig  ohne  individuelle  Bedeutung;  niemand  wird  geglaubt  haben, 
dass  dieser  derbe  Kriegsmann,  welcher  seine  Berufung  durch  das 
Heer  so  deutlich  hervorhob,  den  Frieden  bringe,  oder  dass  seine 
Providentia  sich  auf  mehr  als  auf  die  Interessen  seiner  Partei  allein 
erstrecke;  augenscheinlich  nahm  er  diese  Typen  auf,  um  die  An- 
hänger des  Senates  zu  beruhigen.  Bezeichnender  ist  es  vielleicht, 
wenn  er  nicht  bloss  im  ersten,  sondern  auch  in  den  folgenden  Jahren 
die  Senatsgöttin  Roma  von  seinen  Geprägen  verbannt. 

x\uch  die  mit  dem  Senate  gehenden  Gegenkaiser  des  Maximinus 
Thrax  aus  dem  Jahre  238  bekennen  sofort  ihre  Parteistellung; 
Gordianus  I.  widmet  die  Erstlingsmünzn  der  ROMAE •  AETER- 
N  A  E  und  PROVIDENTIA-AVGG,  er  bringt  ausserdem  sein  eigenes 
Bild,  und  zwar  in  der  Toga  und  mit  dem  Fiiedenszweige  in  der 
Hand  vor  —  ein  deutlich  sprechendes  Seitenstück  zu  dem  Kaiser- 
bilde des  Maximinus  Thrax;  —  sein  Sohn  Gordianus  IL  wieder- 
holt die  Widmung  anROMAEAETERNAE  und  feiert  ebenfalls  die 
PROVIDENTIA-AVGG  und  die  VI  R  TVS  AVGG.  Noch  deutlicher 
sprechen  sich  die  beiden  vom  Senat  aufgestellten  Consulen-Kaiser 
Baibin  US  und  Pupienus  aus.  Ersterer  wählt  in  bezeichnender 
Weise    eine   Widmung    an    10  VI  CO  NSERVATORI,    den    AMOR 


8)  Drei  Stück  in  der  Münzsammlung  des  Allerliöehsten  Kaiserhauses  mit 
dem  Namen  des  Alexander  Severus,  welche  auf  der  Rückseite  das  Bild  der 
Eoma  tragen,  sind  mit  Benützung  von  Reversstämpeln  des  Elagabalns  her- 
gestellt. 


Programm-Münzen  römischer  Kaiser.  1  ö 

MVTVVS,  die  FIDES  und  PIETASMVTVA  AVGG  bei;  denu  es 
handelt  sich  um  Erhaltung  der  alten  Staatsordnung  gegen  die 
Kaiser  der  Provincialheere,  um  Abwendung  der  von  ihnen  drohen- 
den Gefahr  von  Rom  und  Italien,  für  welche  das  einmilthige  Vor- 
gehen der  Machthaber  in  Rom  Unterpfand  und  Vorbild  war;  nicht 
minder  aufrichtig  ist  die  Betonung  der  PAX'PVBLICA  von  ihm 
gemeint^  die  Fax  und  der  Kaiser  selbst,  abermals  in  der  Toga  mit 
dem  Friedenszweige,  wiederholen  sich  auf  anderen  Denaren,  die 
nur  den  Titel  zur  Umschrift  haben  — ;  denn,  wie  schon  bemerkt, 
war  die  Abwendung  der  Bürgerkriege  für  Rom  ein  Bedürfniss, 
ebenso  wie  für  die  Soldatenkaiser  der  Krieg.  Sein  Amtsgenosse 
Pupienus  betont  gleichfalls  in  allen  seinen  Münzbildern  die  Noth- 
wendigkeit  der  Eintracht,  als  Beispiel  für  alle  Römer  und  Italiker. 
lOVI  CONSERVATORI,  AMOR  •  M VTVVS  AVGG,  CARITAS' 
MVTVA'AVGG.  waren  für  seine  Zeit  beruhigende,  Vertrauen 
erweckende  Enunciationen.  Zum  ersten  und  einzigen  Male  feiert  er 
ferner  die  PATRESSENATVS;  und  zwar  mit  dem  Symbole  der 
Einmüthigkeit,  zwei  verschlungenen  Händen;  endlich  stellt  er  die 
PAX'PVBLICA  und  sich  selbst  als  Friedenbringer  in  der  Toga  mit 
dem  Zweige  dar. 

Der  auf  Andringen  der  Soldaten  den  beiden  Augusti  als  Caesar 
gesellte  Gordian  US  III.  feiert  als  solcher  nur  die  PIETASAVGG; 
als  alleiniger  und  selbständiger  Princeps  (Juli  238)  zeigt  er  sich 
als  opfernder  Priester;  im  nächsten  Jalire  wählt  er  eine  lange 
Reihe  von  Bildern,  welche  auf  beide  Parteien  berechnet  und  ohne 
individuelle  Farbe  sind. »)  Sowie  er  suchte  auch  sein  Mörder  und 
Nachfolger  Philippus  mit  beiden  Parteien  im  Frieden  zu  bleiben, 
da  seine  Bestrebungen  auf  die  Gründung  einer  neuen  Dynastie 
gerichtet  waren.  Seine  Erstlingsmünzen  zeigen  eine  neue  Erschei- 
nung; er  setzt  auf  sie  ausser  Anspielungen  auf  den  Frieden  mit  den 
Persern  nur  die  FELICITAS  und  sein  eigenes  Bild,  in  der  Toga 
auf  dem  curulischen  Stuhle  sitzend;  damit  ist  die  vollständige 
Neutralität,  die  Stellung  als  Augustus  über  den  Parteien,  deutlich 


»)  Z.  B.  dor  Kaiser  zu  Pferd  in  der  Kriegsrüstung  und  opfernd  im  Prie- 
stergewande,  Pax,  Virtus  und  Victoria,  Jupiter  und  Providentia. 


.■^^■^:': 


74 


Dr.  Friedrich  Kenner: 


ausgesprochen,  lo)  Sein  Sohn  Philippus  II.  bewegt  sich  durchaus 
in  den  herkömmlichen  Bildern.  Die  Caesarmtinzen  seigen  ihn  als 
PRINCIPI-IVVENTVTIS,  zwar  in  der  Kriegsrttstung,  aber  ohne 
Feldzeichen^  mit  umgekehrtem  Sperr  und  der  Weltkugel^  andere 
rühmen  die  SPES- AVGVSTO RVM  und  SPES  PVBLICA;  wogegen 
er  als  Augustus  genau  seinem  Vater  folgend  nur  die  Felicitas  und 
sich  selbst  auf  dem  curulischen  Stuhle  sitzend  darstellen  lässt. 

Der  Zustand  der  Ruhe  zwischen  Senat  und  Heer  dauerte  kaum 
über  die  tausendjährige  Jubelfeier  der  Stadt  Rom  hinaus.  Der 
Kampf  um  den  Thron  brach  neuerdings  aus,  um  bald  eine  Wendung 
zu  erhalten,  welche  die  Frage  um  die  Nachfolge  auf  ein  ganz  ande- 
deres  Gebiet  verlegte,  als  jenes  war,  auf  der  sie  sich  bisher  bewegt 
hatte.  Waren  bisher  die  Heere  der  Grenzländer  als  Vertreter  der 
Provincialinteressen  gegen  Rom  aufgestanden  und  ehrgeizigen 
Generalen  gefolgt,  so  waren  es  nunmehr  Acte  bitterer  Nothwehr, 
welche  sie  trieben,  demjenigen  den  Purpur  zu  bieten,  der  in  seiner 
Umsicht  und  Tapferkeit  die  Bürgschaft  bot,  dass  die  immer  heftige- 
ren Einfälle  der  Barbaren  abgewiesen  w^erden. 

Seit  der  Hälfte  des  dritten  Jahrhunderts  mussten  diese  Kämpfe 
auf  dem  Boden  des  Reiches  selbst  geführt  werden,  nicht  mehr 
ausserhalb  seiner  Grenzen,  die  Provinzen  litten  unsäglich  und  es 
ist  begreiflich,  dass  unter  einer  schlaffen  Regierung,  die  keine  Hilfe 
bot,  nicht  bloss  die  Bedrängniss  der  Grenzländer  durch  die  Feinde 
grösser  wurde,  sondern  auch  die  Selbsthilfe  der  einzige  Ausweg 
war.  Es  bedurfte  so  harter  Zeiten,  wie  sie  unter  Gallienus  ein- 
eintraten, um  jene  eisernen  Charaktere  hervorzubringen,  welche  die 
auswärtigen  Feinde  niederschlugen,  aber  auch  die  widerstrebenden 
Grenzländer  zu  einer  Einheit  zurückzuführen  vermochten. 

Dass  diese  gewaltigen  Männer  aus  Illyricum  hervorgingen, 
darf  nicht  überraschen.  Die  pannonische,  später  il lyrische  x\rmee 
schien  von  Anfang  an  dazu  praedestinirt.  Seit  den  Markomannen- 
kriegen M.  Aureis .  in  steter  Kriegsübung  förderte  und  hütete  sie 
eine  durch  den  steten  Contact  mit  dem  nahen  Italien  rasch  gezeitigte 


10)  Die  Erwähnung  ROMAE-AETERNAE  auf  seinen  und  auf  den  Caesai  - 
münzen  seines  Sohnes  scheint  mit  dem  Millenium  der  Stadt  Rom,  welches  nahe 
bevorstand,  zusammenzuhängen. 


Programm-Münzen  römischtr  Kaiser. 

^fischciiltiir  und  war  überdies  durch  die  geograpisebe  Lage  im  Vor- 
theil  gegenüber  den  Armeen  des  Rhein-  und  Euphratlandes.  Sie 
beherrschte  Italien  und  die  Heeresstrassen,  welche  aus  dem  Orient 
in  das  Abendland  führten,  so  gut  als  die  oberitalische  Ebene  und 
also  die  Verbindung  der  Hauptstadt  mit  den  wichtigsten  Reichs- 
ländern; sie  stand  mitten  zwischen  den  grossen  Schlachtfeldern 
am  Po  und  in  Moesien.  Die  Vortheile  dieser  Lage  setzten  sie  in  deu 
Stand,  den  entscheidenden  Schlag  in  den  wichtigsten  Fragen  von 
der  Nähe  aus  zu  führen.  Insbesondere  zeigte  sich  dies  in  jener 
Epoche,  in  w^elcher  das  Reich  um  sein  Dasein  kämpfte. 

Wie  in  dieser  Zeit  nicht  mehr  um  die  Autorität  des  Senates 
gefragt  wird,  sondern  nur  mehr  das  Heer  bei  der  Besetzung  des 
Thrones  den  Ausschlag  gibt,  und  daher,  wie  wir  gesehen  haben, 
die  Bilder  und  Umschriften,  welche  den  Rechtstitel  angeben,  von 
den  Erstlingsmünzen  verschwinden,  ebenso  verschwinden  jetzt  die 
verschiedenen  Schlagworte  und  Tendenzbilder  neuer  Kaiser;  es 
gibt  jetzt  nur  mehr  ein  Programm,  die  Defensive  des  Reiches,  und 
dem  entspricht  es,  dass  aut  datirten  Erstlingsmünzen  das  Bild  des 
Kaisers  durchaus  in  den  Vordergrund  tritt,  und  zwar  in  jener  zwei- 
fachen Art  der  Darstellung,  wie  sie  sich  in  der  ersten  Hälfte  des 
dritten  Jahrhunderts,  während  des  Kampfes  um  den  Thron  heraus- 
gebildet hatte.  Die  eine  gibt  den  Kaiser  in  der  Toga,  meist  mit  der 
Kugel  oder  dem  Friedenszweige;  es  ist  jener  Typus,  welchen 
Didius  Julianus  nach  M.  AureFs  Vorbild  gewählt  und  später  dieKaiser 
der  Senatspartei,  die  älteren  Gordiane,  sowie  Balbinus,  Pupienus  und 
Philippus  aufgenommen  hatten.  Die  ändere  Art  stellt  den  Kaiser  in 
der  K  r  i  e  g s  r ü  s  t  u n g  mit  der  Weltkugel  oder  dem  Speere  oder  Feld- 
zeichen vor;  zuerst  hatte  sich  Maximiniis  Thrax  auf  seinen  datirten 
Erstlingsmünzen  in  dieser  Weise  darstellen  lassen;  der  Nachdruck 
liegt  in  diesem  Bilde  auf  der  militärischen  Stellung  des  Kaisers. 
Anfänglich  mag  die  Wahl  des  einen  oder  andern  Bildes  noch  eine 
bestimmte  Tendenz  oder  vielmehr  eine  Reminiscenz  der  früheren 
l'arteistellung  verrathen  haben,  doch  findet  man  beide  Arten  ver- 
einigt schon  unter  Gallienus,  Tetricus  (I)  und  Claudius;  je  näher 
die  absolute  Monarchie  ihrem  Abschlüsse  kommt,  um  so  mehr  ver- 
lieren beide  Arten  ihren  älteren  Sinn,  eine  Parteistellung  zum  Aus- 
druck zu  bringen,  und  gewinnen  eine  neue  Function,  den  Kaiser  in 


76 


Dr.  Friedrich  Kenner: 


seiner  Vollgewalt,  sowohl  als  obersten  Kriegsherrn^  als  auch  als 
obersten  Kichter  und  Verwalter  des  Reiches  darzustellew.  Daher 
verbindet  sich  die  Togafigur  des  Kaisers  seit  Diocletian  zumeist 
mit  der  Angabe  des  Consulates. 

Eine  andere  Erscheinung  in  dieser  Epoche  ist  die  Abnahme 
datirter  Münzen.  Nur  wenige  mehr  sind  es,  welche  durch  Angabe 
der  Aemterzahlen  ausgezeichnet  werden.  Sie  sind  ohne  Zweifel 
schon  durch  diesen  Umstand  als  die  wichtigeren  von  der  grossen 
Menge  undatirter  herausgehoben,  in  der  That  lässt  sich  nur  auf 
ihnen  die  eben  besprochene  Erscheinung,  das  Hervortreten  des 
Kaiserbildes_,  beobachten.  Damit  verändert  sich  auch  der  Stand- 
punkt, den  wir  biser  eingenommen  haben;  wir  werden  nunmehr  alb 
Münzen  ohne  Aemterzahlen  übergehen,  auch  w^enn  sie  indirect  auf 
das  erste  Jahr  datirbar  sind,  d.  h.  wenn  der  betreffende  Kaiser  nur 
eine  kurze  Zeit,  wenige  Wochen  oder  Monate  regiert  hat.  Umgekehrt 
werden  wir  nicht  bloss  die  datirten  Münzen  des  ersten,  sondern 
auch  aller  folgenden  Regierungsjahre  eines  Kaisers  in  den  Kreis 
unserer  Betrachtung  ziehen,  weil  sich  nur  so  herausstellen  wird, 
dass  die  Erscheinungen  an  den  Erstlingen  nicht  auf  Zufall,  sondern 
auf  Absicht  beruhen ;  denn  die  Behelfe  früherer  Zeiten,  eine  gewisse 
Mannigfaltigkeit  von  Anspielungen  auf  die  Zeitverhältnisse,  die  für 
ein  erstes  Regierungsjahr  charakteristisch  sind,  gibt  es  in  der 
Epoche,  von  der  nun  die  Rede  sein  wird^  nicht  mehr.  Endlich  wer- 
den von  Aurelianus  ab,  da  der  Unterschied  des  kaiserlichen  und 
senatorischen  Geldes  wegfällt,  auch  die  Kupfermünzen  heran- 
gezogen. 

Die  Götterfiguren  und  iVllegorien  werden  nun  auf  den  datirte 
Münzen  immer  seltener;  Felicitas  und  Mars  propugnator  erscheine 
anfänglich   noch;     später   treten    sie   zurück    so    gut   als   Jupiter^ 
Apollo,   Neptun^  welche   mehr   um   persönlicher  Beziehungen    de 
Kaiser  willen,   als  wegen  ihres  idealen  Gehaltes  angewendet  wer- 
den. Vereinzelt  taucht  einmal  die  Fides  militum  und  Abnndantia 
auf.    Um   so  reichlicher  zeigen  sie  sich  auf  den  undatirten  Münzen  \ 
auf  diesen  trifft  man  sie   in  buntester  Mischung,  welche  erkenne 
lässt,  dass  die  Anspielungen  kriegerischen  oder  friedlichen  Sinne 
sowie   die  Hinweise   auf  die  Stadt  Rom  und  das  Heer  keineswe 
mehr  im  Parteisinne  zu  nehmen  sei,  sondern  nur  mehr  als  Ausdruc 


1 


Programm -Münzen  römischer  Kaii.er.  77 

allgemeiner  den  Staat  betreffender  Wünsche ;  ja  es  ist  nicht  aus- 
geschlossen, dass  der  wichtigste  Grund,  sie  in  so  reicher  Auswahl 
anzuwenden,  vielleicht  nur  mehr  ein  rein  äusserlicher,  inUuztech- 
niseher  war:  die  Kennzeichnung  bestimmter  Emissionen  und  Serien 
derselben. 

Ein  kurzer  Uebergang  der  älteren  in  die  neue  Zeit  stellt  sich 
in  den  Münzen  der  Kaiserzwischen  248  und  253  dar.  Pacatianus, 
der  in  der  Angabe  des  Rechtstitels  noch  der  älteren  Uebung  folgt, 
feiert  wie  Philippus  die  FELI CITAS" PVBLICA,  überdies  die  PAX 
AETERNA,  dagegen  Decius,  der  Nachfolger  des  Philippus,  be- 
zeichnet scharf  den  Umschwung  der  Dinge,  indem  er  den  GENIVS 
ILLYRICh  GENIVSEXERCITVSILLYRICIANI  und  die  beiden 
PANNONIAE  (superior  und  inferior)  hervorhebt ;  1 1)  ähnlich  verhält 
sich  der  Caesar  He  renn  i  US,  welcher  neben  die  herkömmlichen 
Gepräge :  P R I N Cipi •  I VV E N Tutis  (als  solcher  ähnlich  wie  Philip- 
pus II.  dargestellt)  und  S  PES' PVB  LI  CA  ebenfalls  den  GENIVS- 
EXERCITVSILLYRICIANI,  die  PANNONIAE  und  eine  Widmung 
an  MARTI-PROPVGNATORI  stellt.  1 3)  Letztere  wiederholt  er  als 
Augustus.  Hostilianus,  der  andere  Caesar,  hat  nur  die  PAN- 
NONIAE; auch  die  Widmung  an  MA  RTI  PROPVGNATORI 
wiederholt  er,  abgesehen  von  den  für  Caesarmünzen  herkömm- 
lichen Geprägen.  Seine  Augustusmünzen  führen  Aequitas  und 
MARTI-PROPVGNATORI  auf,  welch  letztere  Darstellung  aus 
den  Zeitverhältnissen  erklärt  werden  muss;  Mars  propugnator 
wurde  als  (^ott  der  Defensive,  als  Vorkämpfer  gegen  die  Gennanen- 


»ij  Diese  Münzen  gehören  in  die  Jahre  249  oder  250,  da  die  gleichen 
Typen  auch  auf  den  Caesarraünzen  des  Herennius  vorkommen,  die  vor  251 
geschhigen  sind.  Nach  dem  Beispiel,  welclies  Galba  gegeben,  indem  er  die  ihn 
auf  den  Thron  rufenden  Provinzen  auf  seinen  Erstlingen  anbraciite,  und  nach 
so  vielen  anderen  Praecedenzfälien  ist  kein  Zweifel,  dass  auch  die  vorliegen- 
den Gepräge  dem  ersten  Kegierungsjahre  249,  nicht  dem  zweiten,  angehören. 
Die  übrigen  Münzbilder  des  Decius  dürften  schwer  auf  seine  einzelnen  liogie- 
rungsjalire  zu  bestimmen  sein. 

«2;  Herennius  ist  der  einzige  leibliciie  8ohn  und  Caesar,  der  «lie  CON- 
COROIA-AVGG  auf  seine  Erstlin^^smünzcn  setzt,  augonsciieinlich  feiert  er 
damit  nicht  die  Uebertragung  der  Caesarwürde,  sondern  seine  beiden  Aeltern 
Philippus  und  Otacilia,  die  ja  gewöhnlich  mit  dieser  Umschrift  zusammen  ab- 
gebildet wurden.  Das  Gleiche  gilt  von  Hostilianus. 


Zl- '-."E^ 


78 


Dr.  Friedrich  Kenner: 


Stämme,  mit  ßecht  gerade  von  den  genannten  Kaisern  ange- 
rufen. 

Trebonianus  Gallus  setzt  auf  eine  Münze  des  Jahres  254 
(TR-PIIII)  die  Felicitas;  mit  Volusianus  beginnen  die  Kaiser- 
bilder. Er  hat  .in  demselben  Jahre  (254)  neben  der  Felicitas  das 
Bild  des  Kaisers  in  der  Toga  mit  dem  Friedenszweige.  Aenülia- 
nus  lässt  sich  in  der  KriegrUstung  abbilden,  indem  er  ein  Opfer 
feiert.  Valerianus  wird  wieder  durchaus  in  der  Toga  dargestellt, 
bald  ofernd,  bald  sitzend  mit  der  Weltkugel ;  auch  Jupiter  und 
Mars  finden  sich  auf  seinen  datirten  Münzen.  Ebenso  bringt  Gal- 
lien us  verschiedene  Götterfiguren  an;  i^'j  seine  Kaiserbilder  zeigen 
ihn  ])ald  in  der  Toga,  opfernd  oder  mit  der  Weltkugel,  bald  in  der 
Rüstung  zwischen  Flussgöttern  stehend  (J.  259).  Postumus  ge- 
braucht im  Jahre  258  ein  älteres,  treffendes  Symbol  der  Stärke  und 
Herrschaft,  den  schreitenden  mit  Strahlen  bekränzten  Löwen,  der 
den  Donnerkeil  im  Rachen  trägt;  im  folgenden  Jahre  lässt  er  sich 
in  der  Kriegsrüstung,  den  Helm  auf  dem  Haupte  und  die  Weltkugel 
in  der  Hand  oder  von  Victoria  bekränzt  darstellen;  daneben  er- 
scheint Mars  und  —  im  Jahre  267  —  häufig  die  Victoria.  Die  mit 
COS  11  datirten  Münzen  des  Victorin  us  geben  dem  vollgerUsteten 
Kaiser  ein  Tropaeum  in  die  Hand,  während  Claudius  H.  wieder 
beide  Arten  der  Kaiserbilder  vereinigt;  er  erscheint  im  Jahre  269 
bald  in  der  Kriegsrüstung  mit  der  Kugel,  bald  in  der  Toga  mit  dem 
Zweige;  als  genisteter  Imperator  mit  der  Kugel  wird  auch  Quin- 
tillus  im  Jahre  270  da,rgestellt. 

Eine  Ausnahme  macht  Aurelianus,  sei  es  dass  bis  jetzt  die 
entsprechenden  Kaiserbilder  von  ihm  noch  nicht  gefunden  wurden 
oder  dass  er  in  derThat  dieselben  absichtlich  abgelehnt  hat,  obwohl 
sie  damals  schon  gebräuchlich  waren.  Seine  ältesten  datirten  Münzen 
mit  COS -(270— 272)  zeigen  den  mit  Strahlen  bekränzten  Löwen 
mit  dem  Blitz  im  Rachen,  den  sitzenden  Apollo  und  den  Neptunus; 
im  Jahre  275  fügt  er  den  Mars  mit  dem  Tropaeum  bei. 

T  e  t  r  i  c  u  s  (L)  wendet  dagegen  im  Jahre  268  sowohl  das  Bild 
des  Kaisers  in  der  Toga  mit  dem  Zweige  als  in  der  Rüstung  mit 
der  Kugel  an;  das  Letztere  finden  wir  auch  im  Jahre  269;  im 


13)  So  Jupiter,  Mars,|Neptim,  Roma,  Serapis,  Sol,  Virtus. 


Programm-Münzen  römischer  Kaiser.  79 

folgenden  zeigt  sieb  die  auf  ein  Feldzeichen  gestutzte  Fides  militum. 
Auf  den  Münzen  des  Tacitus  (275)  treffen  wir  ebenso  vereinzelt 
die  Abundantia  neben  dem  Kaiserbilde  in  der  Kriegsrlistung.  Der 
gewaltige  Probus  macht  zum  ersten  Male  Abänderungen  in  der 
Darstellung.  Er  erscheint  im  Jahre  277,  wie  Maximiuus  Thrax  auf 
seinen  Münzen  als  gerüsteter  Krieger  zwischen  Feldzeichen;  auf 
anderen  Münzen  desselben  und  der  folgenden  Jahre  sehen  wir  ihn 
im  Triumph  algespann  als  den  glücklichen  Vollbringer  der  Ab- 
wehr der  Feinde  und  der  Einigung  des  Reiches.  Im  Jahre  278 
endlich  treten  der  Sol  als  CONSERVATor- AVG  und  die  Virtus 
nebst  einer  Widmung  HERCVLIPACIFERO  dazu.  Wie  Probus 
lässt  sich  Carinii s  als  Caesar  (282  auf  283)  mit  der  Aufschrift 
PRINCIPIIVVENTVTIS  in  der  Rüstung  zwischen  vier  Feld- 
zeichen abbilden,  auf  anderen  Münzen  mit  gleicher  Umschrift  wird 
er  neben  seinem  Vater  im  Viergespann,  wieder  auf  anderen  mit  der 
Umschrift  VI RTVS- AVG 6  neben  Vater  und  Bruder  gleichfalls  im 
Viergespanne  vorgestellt.  Als  Augustus  erscheint  er  ähnlich,  aber 
mit  dem. Zweige. 

Die  letzten  Aenderungen  finden  wir  von  Diocletian  ab.  Er 
wird  als  CONSVL  IUI,  V,  VIII  (P  P  PROCONSVL)  in  der  Toga 
mit  der  Erdkugel,  auf  anderen  Münzen  mit  COS -111  (und  1111)  in  der 
Kriegsrüstung  zu  Pferde,  die  Rechte  grüssend  erhoben,  abge- 
bildet. Herculeus  zeigt  sich  im  ersten  Jahre  (286)  als  gerüsteter 
Kriegerzwischen  vier  Feldzeichen,  im  nächsten  Jahre  287  (COS), 
sowie  in  den  Jahren  295,  297  (COS'V)  und  305  (COS* VII)  in  der 
Toga  mit  der  Kugel,  im  Jahre  290  ebenfalls  in  der  Toga,  sitzend 
und  von  Victoria  bekränzt,  endlich  im  Jahre  288  (COS* II)  als  Feld- 
herr zu  Pferde.  Consta ntius  Chlor us  erscheint  auf  den  Caosar- 
mtinzen  mit  PRINCIPIVVENTVTIS(J.  292)  in  der  KriegsrUstung 
bald  zwischen  zwei  Feldzeichen,  bald  mit  der  Wehkugel ;  Gleiches 
gilt  von  Galerius,  als  er  Caesar  wurde  (J.  292).  Aehnlich  sind  die 
Kaiscrbilder  des  Maxentius,  Licinius  (I.)  und  Constantiu 
des  Grossen;  auch  sie  erscheinen  als  Consulen  in  der  Toga, 
stehend  und  mit  der  Weltkugel,  Letzterer  auch  auf  dem  curulischeu 
»Stuhle  sitzend;  in  der  Umschrift  wird  entweder  der  Consulat  oder 
der  FELIX  PROCESSVSCONSVLÄRISAVGNostri  «Hier  der 
Kaiser  .ils    CON SE RV ATOR  V  R  B  IS  S  V  A  E    bczricbuet.    Letztere 


'^n:  »:^^*rr^'%  -a 


80 


Dr.  Friedrich  Kenner: 


Umschrift   wird   übrigens    auch   mit    dem   Bilde    der   Roma   ver- 
bunden. 


Wer  die    im   vorhergehenden   Abschnitte   betrachteten   Fälle 
vergleicht,  wird,  wie  ich  hoffe,  nicht   erst  des   Beweises  bedürfen, 
dass  die  Umschriften  und  bildlichen  Darstellungen  auf  den  Erstlings- 
münzen  römischer  Kaiser  und  Caesaren  in  der  That  neben  dem 
Eechtstitel  ihre  Anschauungen  über  die  Aufgabe,   die  sie  zu  voll- 
ziehen hatten,  und  die  Richtung,  in  der  dies  geschehen  soll,  wieder- 
geben. Sie  sind  im  ersten  und  zweiten  Jahrhundert  individuell,   im 
dritten  vom  Geiste  der  Parteistellung  in  der  Thronfrage  beeintiusst; 
sie  betreffen  in  den  unruhigen  Zeiten  der  Erschütterungen  des  Staates 
die  brennenden  Tagesfragen,  in  welchen  sich  das  BedUrfniss  des- 
selben oder  auch  nur  einer  Partei  auf  gewisse  Ziele  concentrirt,  wäh- 
rend in  den  Epochen  ruhigen  geordneten  Lebens  die  Erhaltung  dieses 
Zustande«  für  die  Gesammtheit  des  Reiches  und  für  die  Gesammtheit 
der  öffentlichen  Interessen  in   den  Vordergrund  tritt.   In   den  Zeit- 
lag6n   erster  Art  treten   sie  schärfer  und   fasslicher,  weil   auf  be- 
stimmte Punkte  beschränkt,  hervor,  in  jenen  der  letzten  Art,  wie 
unter  Trajan,  Hadrian,  Antoninus  Pius  verschwimmen  sie  mit  dem 
allgemeinen  Ideale  des   Staatslebens.   Da  die  verschiedenen  Zeit- 
läufte  eigenartige   Signaturen  haben,  sind  auch    die   gebrauchten 
Bilder  verschieden.  Nur  wenige,  wie  Aequitas  Aug.,  Fortuna  Aug., 
später  die  Felicitas  sind  häufig  und  fast  durchgehend  wiederholt 
worden.  Zumeist  bringen  einzelne  Kaiser,  in  deren  Regierung  eine 
bestimmte  Ansicht  oder  ^Zeitrichtung  voll  zum  Ausdrucke  kommt, 
neue  Typen  auf,  wie  Vespasian,  Trajan,  Antoninus  Pius,  M.  Aurel^ 
Septimius  Severus,    die  Senatskaiser   des   Jahres  238,  Philipp  L, 
Decius,  Volusian,  Probus  und  Diocletian.    Nicht  bloss  gleichzeitig 
auftretende  Nebenbuhler  im  Thronstreit  copiren  sich,   sondern   mit 
Absicht  werden  aus  älterer  Zeit  gewisse  Typen  in  jüngerer  Zeit 
wiederholt,  sei  es  wegen  der  Analogie  der  Lage  des  Reiches,  oder 
mit   dem  Anspruch    eine   in   den  Erinnerungen    des   Volkes   zum 
Ideale  glücklicher  Zeiten  gewordene  Epoche  des  Ruhmes  und  der 
Zufriedenheit  wieder  herbeiführen  zu  wollen  (hierin  spielen  Erinne- 
rungen an  Trajan  und  Antoninus  Pius,  namentlich  aber  das  Andenken 
an  M.  Aurel  eine  grosse  Rolle)  oder  endlich  weil  unter  gegebenen 


I 


Programm-Münzen  römischer  Kaiser.  ^ 

Verhältnissen  die  Beobachtung  der  vom  Vorgänger  eingeschlagenen 
Richtung  das  einzig  Mögliche  war.  Insbesondere  gilt  dies  von  der 
zweiten  Hafte  des  dritten  Jahrhunderts,  als  der  Ernst  der  Lage,  der 
Kampf  um's  Dasein  allen  Streit  im  Innern  schloss  und  einer  nüch- 
ternen Anschauung  Bahn  brach,  die  in  der  Alleinherrschaft  eines 
tapferen  und  entschlossenen  Feldherrn,  woher  er  kommen  mochte, 
die  einzige  Rettung  fand. 

III. 

Zum  Schlüsse  möge  es  gestattet  sein,  noch  auf  eine  eigen- 
thtimliche  Art  von  Programm -Münzen  hinzudeuten,  welche  nicht  die 
Tendenz  der  Regierung,  sondern  die  Tendenz  der  Hauspolitik 
einzelner  Kaiser  betrifft.  Schon  Vespasian  hat,  wie  ich  vorhin  er- 
wähnte, um  der  Wiederkehr  von  Bürgerkriegen  im  Falle  der 
Erledigung  eines  Thrones  vorzubeugen,  versucht,  durch  Begründung 
einer  neuen  Dynastie  die  Thronfolge  zu  regeln.  Denselben  Zweck 
verfolgten  im  zweiten  Jahrhundert  die  Adoptionen,  durch  welche 
noch  bei  Lebzeiten  des  regierenden  Kaisers  die  Thronfolge  be- 
stimmt wurde, 

Aehnliche  Versuche  gab  es  auch  im  dritten  Jahrhunderte ;  ent- 
weder im  Wege  der  Adoption,  wie  z.  B.  Elagabalus  den  Alexander 
Severus  an  Sohnes  Statt  annahm,  oder  wenn  leibliche  Söhne  vor- 
handen waren,  auf  dem  Wege  der  Ernennung  derselben  zum 
Caesar,  sollte  die  Thronfolge  gesichert  werden.  Auf  der  Münze 
erscheint  in  der  Regel  diese  Verfügung  erst  ausgedrückt,  wenn  sie 
bereits  eine  vollzogene  Thatsache  war,  theils  durch  die  Caesar- 
münzen, theis  durch  Familienbildnisse,  indem  die  Porträte  des 
Kaisers,  der  Kaiserin  und  des  Caesars  oder  der  Caesaren  auf 
Vorder-  und  Rückseite  dargestellt  wurden,  wie  wir  dergleichen 
von  den  beiden  Philippi  und  Otacilia  oder  von  Decius  und  seiner 
Familie  haben.  Kaiser  Philippus  und  Decius,  sowie  früher  Macrinus 
und  Maximinus,  später  Valerianus  ernannten  ihre  Söhne  sofort,  als 
sie  den  Thron  bestiegen,  zu  Caesaren,  respective  zu  Mitkaiseru ; 
es  bedurfte  keiner  weiteren  Vorbereitungen,  sie  hatten  im  Augen- 
blicke der  Proclamation  keine  Gegner. 

Anders  war  es  bei  Septimius  Severus,  er  befand  sich  in  dieser 
Hinsicht  in  einer  viel  schwierigeren  Lage.    Er  stand   am  Beginne 


82 


Dr.  Friedrich  Kenner: 


des  grossen  inneren  Kampfes  zwischen  den  verschiedenen  Militär- 
parteien und  dem  Senate,  er  hatte  mehr  als  einen  Prätendenten 
gegen  sich  und  überdies  war  seit  Vespasian  kein  Versuch  gemacht 
worden,  eine  neue  Dynastie  zu  begründen;  die  Nachfolge  war,  mit 
einziger  Ausnahme  des  Commodus,  stets  durch  Adoption  erfolgt. 
Hier  bedurfte  es  also  Vorbereitungen  von  längerer  Hand  und  es 
macht  eine  Gruppe  von  Münzen  des  Septimius  Severus  eben  so 
interessant,  dass  wir  auf  ihnen  diese  Vorbereitungen  angezeigt 
finden;  wir  gewinnen  einen  Einblick,  wie  nicht  bloss  für  die 
Kegierungstendenz,  sondern  auch  für  die  Hauspolitik  die  Münz- 
bilder zu  Enunciationen  benützt  worden  sind. 

Als  Septimius  Severus  in  dem  Jahre  194  auf  195  den  mächti- 
gen Nebenbuhler  Pescennius  Niger  im  Oriente  besiegt  und  dadurch 
seine  Macht  bedeutend  gestärkt  hatte,  trat  er  offen  mit  dem  Plane, 
eine  Dynastie  zu  begründen  hervor.  Mehrere  Münzen  der  Jahre 
195  und  196  enthalten  eine  nur  in  diesen  beiden  Jahren  auftretende 
Neuerung  im  Titel,  und  zwar  an  einer  auffallenden  Stelle,  am 
Anfang  der  Inschrift  der  Rückseite,  wofür  die  Erstlingsmünzen  des 
Kaisers  Hadrian  massgebend  gewesen  sein  mögen;  auf  der  Vorder- 
seite steht  L -Septimius- Severus -Pertinax-Aug-Imp- VII,  die  Fort- 
setzung der  Titel  folgt  auf  der  Rückseite  und  beginnt  da  mit :  D I V I  * 
M  AR  Cl -PI  r  Filius  pmtrpllircosll.  Der  Kaiser  nennt  sich 
also  einen  Sohn  des  vergötterten,  d.  h.  verstorbenen  Marcus  Pius, 
d.  i.  M.  Aurel,  der  gleichwohl  schon  15  Jahre  todt  war.  Es  ist  dies 
jene  fictive  Adoption,  welche  so  vielen  Spott  bei  seinen  Zeitgenossen 
in  Rom  hervorrief;  <*)  allein  Severus  wusste,  was  er  damit  wollte. 
Sowohl  das  Volk,  als  auch  die  Armee  hing  noch  immer  mit  abgötti- 
scher Verehrung  an  dem  Andenken  des  vorzüglichen  und  sieg- 
reichen M.  Aurel;  mit  dem  Namen  der  Antonine  —  so  hiess  letzte- 
rer nach  seinem  Adoptivvater  Antoninus  Pius  —  verband  sich 
bleibend  die  Vorstellung  „der  guten  alten  Zeit".  Aus  der  Pietät 
des  Volkes  für  die  Erinnerung  an  die  Antonine  suchte  nun  Severus 
Capital  für  seine  eigenen  Zwecke  zu  schlagen,  um  das  Praestigium, 


1*)  Ein  Witzbold  bemerkte  damals  mit  Rücksicht  auf  die  Herkunft  des 
Kaisers  —  der  einer  unbekannten  Familie  in  Afrika  entsprossen  war  —  zu 
dieser  Nachricht :  Ich  gratulire  dem  Severus,  dass  er  nun  doch  einen  Vater 
gefunden  hat. 


cr-iVTT  V 


Pro-ramra-Münzeii  römischer  Kaiser.  ö*5 

welches  das  Andeukoü  derselben  umgab,  seinem  Hause  zuzuwen- 
den. Daher  trat  er  nun,  da  er  glorreicher  Sieger  über  die  Heeres- 
partei im  Orient  geworden  war,  plötzlich  aus  dem  Geheimniss  seiner 
Abkunft  mit  der  Aussage  hervor,  M.  Aurel  habe  ihn  adoptirt;  er 
traf  damit  die  Gemüther  des  gemeinen  Mannes  und  des  Soldaten  im 
Innersten,  indem  sie  darin  zum  mindesten  die  Absicht  des  Kaisers 
erkannten,  dass  er  nun  die  gute  alte  Zeit  M.  Aurel's  und  des 
Antoniniis  Pius  wieder  zurückführen  wolle. 

Die  Münztypen,  welche  mit  jener  Bezeichnung  Divi  •  Marci  *  Pii 
Filius  verbunden  werden,  führen  den  Gedanken  näher  aus,  welchen 
Severus  zu  manifestiren  wünschte.  Noch  im  Jahre  195  tritt  ein 
Medaillon  auf,  welches  die  Adoption  anzeigt  und  mit  ihr  den  jugend- 
lichen Mars  verbindet.  Im  nächsten  Jahre  196  treten  noch  mehrere 
Münzen  hinzu,  auch  des  gewöhnlichen  Courantes,  von  denen  nur 
eine  in  Gold  ausgebracht  wurde.  Diese  eine  zeigt  abermals  den 
Ivriegsgott  Mars,  also  offenbar  war  es  dieser  Gott,  welchem  Severus 
<lie  erste  Stelle  anwies ;  die  anderen  Münzen  —  Denare  —  zeigen 
ilen  Jupiter  Victor  mit  der  Siegesgöttin,  ferner  die  Felicitas  und  den 
Kaiser  von  der  Virtus  bekränzt.  Der  Sinn  ist  klar;  der  Adoptivsohn 
des  M.  Aurel  ist  als  Schützling  des  Mars  und  durch  seine  Tapfer- 
keit wie  durch  sein  Kriegsglück  oder  durch  das  Gelingen  seiner 
Unternehmungen  der  unbesiegte  Herr  des  Weltalls,  der  irdische 
Jupiter  Victor,  er  ist  also  ein  würdiger  Erbe  der  Traditionen  seines 
vorgeblichen  Adoptivvaters ;  sein  eigener,  blutig  erworbener  Kriegs- 
ruhm wird  durch  die  Adoption  an  die  Traditionen  einer  glänzenden 
Vergangenheit  geknüpft  und  erhält  in  den  Augen  des  Volkes  und 
der  Armee  die  Weihe  einer  grossen  historischen  Tradition. 

Dies  aber  thut  der  Kaiser  aus  keinem  anderen  Grunde,  als  um  all' 
diesen  Glanz  und  Ruhm  auf  seinen  älteren  Sohn  Caracalla  zu  über- 
tragen, indem  er  ihn  in  eben  jenem  Jahre  196  zum  Caesar  ernennt 
und  ihm  zugleich  den  bedeutsamen  Namen  Antoninus  beilegt.  So- 
fort nachdem  dies  geschehen,  verschwindet  der  Hinweis  auf  jene 
fingirte  Adoption  wieder  von  den  Münzen.  Es  ist  also  klar,  dass 
Severus  seine  Adoption  durch  M.  Aurel  erfand,  um  seine  eigene 
obscure  Herkunft  mit  dem  Glänze  eines  ausgestorbenen  Hauses  zu 
verhüllen  und  für  seinen  Sohn,  bevor  er  ihn  zum  Caesar  ernannte, 
beim  Volke,  insbesondere  aber  bei  den  Soldaten,  Stimmung  zu  machen. 

6* 


84 


Dr.  Friedrich  Kenner: 


Neben  den  Münzen,  welche  die  Adoption  durch  M.  Aurel  an- 
zeigen, gehen  andere  einher:  Denare,  Asstiicke  und  ein  Bronce- 
medaillon,  gleichfalls  im  Jahre  195  nach  Niederwerfung  des  Pes- 
cennius  Niger  geschlagen  und  ebenso  vereinzelt  auftauchend,  wie 
jene  mit  dem  Titel  Divi  •  M  ■  Pii  •  filius.  Es  sind  dies  Münzen,  welche 
den  schreitenden  Mars  mit  der  Umschrift  MARS* PATER  zeigen, 
eine  Bezeichnung,  die  früher  und  später  nicht  vorkommt,  nach  dem 
Jahre  195  auch  auf  Münzen  des  Severus  nicht;  erst  unter  Constan- 
tin  dem  Grossen  taucht  der  Mars  Pater  wieder  auf.  Es  muss  also 
eine  besondere  Bewandtniss  haben,  wenn  Severus  gerade  diesen 
Mars  auf  seine  Münzen  setzte. 

Den  Feinamen  Pater  führt  Mars  als  Vater  des  Romulus  und 
Remus;  indem  diese  die  Gründer  Roms  wurden,  ist  Mars  der  väter- 
liche Schutzgott  des  römischen  Staates.  Diesen  Gedanken  auf  Sep- 
timius  Severus  und  seine  beiden  Söhne  Caracalla  und  Geta  zu  über- 
tragen, dazu  zwingt  uns  geradezu  die  Vorderseite  des  hiehergehöri- 
gen  Medaillons;  sie  zeigt  den  Severus  als  Mars  mit  Schild  und 
Speer.  Dadurch  wird  der  Zusammenhang  deutlich.  Neben  den 
mythischen  Mars  tritt  Severus  als  der  erklärte  Liebling  und  Sohn 
des  Kriegsgottes,  als  sein  irdisches  Abbild,  als  irdischer  Mars. 
Neben  die  mythischen  Marssölme  Romulus  und  Remus  treten  ferner 
die  historischen  Söhne  des  Kaisers  Caracalla  und  Geta.  Wie  jene, 
d.  i.  Romulus  und  Remus  die  mythischen  Gründer  Roms  waren,  so 
sollten  die  Söhne  des  Kaisers  Neugründer  des  römischen  Staates 
werden,  sie  sind  die  Erben  des  Kriegsruhraes  ihres  Vaters  und 
seiner  Reichthümer,  sie  werden  das  Reich  M.  Aurel's  wieder  her- 
stellen, unter  ihnen  als  Kindern  des  irdischen  Mars  wird  eine  ruhm- 
und  erfolgreiche  Zukunft  auch  allen  Armeen  winken.  Das  ist  eine 
beredte  Aufforderung  des  Kaisers  an  seine  Soldaten,  in  Zukunft 
ebenso  seinen  Söhnen,  wie  ihm  selbst  ergeben  zu  sein.  Wie  sie  seine, 
des  Severus,  Proclamation  nicht  zu  bereuen  hatten,  da  er  sie  von 
Sieg  zu  Sieg  geführt,  so  werden  sie  es  auch  nicht  zu  bereuen  haben, 
wenn  sie  seinem  Hause,  d.  h.  seinen  Söhnen,  zunächst  dem  Cara- 
calla als  dem  neuen  Caesar,  dem  zukünftigen  zweiten  Romulus,  treu 
bleiben;  sie  werden  dann  all'  den  Glanz  theilen,  den  die  fort- 
dauernde, von  Mars  Pater  verbürgte  Sieghaftigkeit  der  Kaisersöhne 
über  das  neue  Rom  der  Zukunft  bringen  wird. 


Programm-Münzen  römischer  Kaiser. 


85 


Es  ist  keiu  Zweifel;  auch  mit  diesen Mars-Patennlliizeu  empfiehlt 
Septimius  Severus  seine  Söhne  der  Armee. 

Augenscheinlich  aber  haben  die  Gepräge  auf  die  Adoption  und 
jene  mit  Mars  Pater  noch  eine  andere  Absicht.  Sie  sind  ausgegeben 
gerade  zur  Zeit,  als  der  Kriegszug  gegen  Albinus,  den  Neben- 
buhler des  Severus  im  Abendlande,  gerüstet  wurde.  Dieser  gehörte 
einer  alten  römischen  Adelsfamilie  an,  er  hatte  dadurch  in  den 
Augen  der  Römer  einen  unleugbaren  Vorzug  vor  dem  Parvenü 
Severus,  dessen  Familie  kaum  in  der  Provinz  recht  bekannt  war. 
Letzterer  sucht  diesen  Makel  seiner  Herkunft  durch  die  Adoption, 
die  er  vorgab,  in  den  Augen  der  Römer  zu  verdecken.  Ueberdies 
fordert  er  damit  das  Heer  auf,  in  dem  bevorstehenden  Kampfe  an 
die  Sache  des  Severus  zu  glauben,  ihr  treu  zu  bleiben.  Denn  er, 
nicht  Albinus,  sei  der  wahre  Liebling  des  Mars;  er,  nicht  Albinus, 
sei  von  M.  Aurel  der  Adoption  gewürdigt  worden,  er,  nicht  Albinus, 
habe  zwei  Söhne,  welche,  wenn  sie  ihm  nachfolgen  werden,  in 
gleicherweise  die  Armee  in  Ehren  halten  werden;  sein  Haus, 
nicht  das  des  Albinus,  sei  vorherbestimmt,  zu  regieren  und  nur, 
wenn  die  Soldaten  mit  voller  Tapferkeit  für  Severus  einstünden, 
sicherten  sie  auch  zugleich  ihre  eigene  Zukunft. 

Wir  können  uns  zwar  vorstellen,  dass  diese  Aufforderung  an 
die  Soldaten  von  Seite  derselben  eine  begeisterte  Aufnahme  gefun- 
den, dass  Severus  damit  eine  grosse  Wirkung  erzielt  habe.  Aber 
auch  einen  vollgiltigeu  Beweis  hiefür  haben  wir  in  dem  Umstände, 
dass  Albinus  das  Vorgehen  des  Severus  sofort  nachahmte;  auch  er 
setzt  das  bisher  ungewöhnliche  Bild  des  Mars  Pater  auf  seiny  Erst- 
lingsmünzen als  Augustus;  auch  er  will  damit  seine  Soldaten  ge- 
winnen. 

Allein  Mars  Pater  blieb  in  der  That  der  Sache  des  Severus 
getreu;  in  einer  überaus  blutigen  Schlacht  entschied  sich  Mars 
für  Severus  und  seine  Söhne.  Wir  können  uns  wohl  ausmalen, 
welche  grosse  moralische  Wirkung  dieser  Sieg  auf  die  Truppen 
ausübte,  nachdem  die  so  zuversichtliche  Agitation,  die  dieser  vor- 
her ins  Werk  gesetzt  hatte,  so  ghänzend  erprobt  worden  war.  Nun 
war  Severus  in  der  That  der  Jupiter  praeses  orbis  und  Jupiter 
Victor  und  der  neue  Mars  Pater  des  römischen  Staates,  die  er  auf 
seine  Münzen  gesetzt  hatte.   Niemand  auf  dem  weiten  Boden  des 


^ 


86 


Dr.  Friedrich  Kenner:  Programm-Münzen  römischer  Kaiser. 


Reiches  machte  ihm  und  seiner  Armee  den  Primat,  seinen  Söhnen 
die  Nachfolge  streitig.  Schon  im  folgenden  Jahre  198  ernannte  er 
den  Caesar  Caracalla  zum  Augustus,  den  Geta  zum  Caesar.  Der 
neue  Romulus  und  der  neue  Remus  traten  auf  den  Schauplatz  der 
Geschichte,  um  von  all*  den  Erwartungen,  die  der  Vater  hegte, 
nichts  zu  erfüllen.  Nur  in  einem  Punkte  wurde  der  Vergleich  mit 
den  Marssöhnen  in  grauenhafter  Weise  wahr.  Wie  Romulus  den 
Remus  erschlug,  so  tödtete  Caracalla  den  Geta  in  den  Armen  seiner 
Mutter,  zu  der  er  geflüchtet  war.  Der  Brudermörder  irrte  scheu  von 
einem  Standlager  zum  andern.  Als  er  im  Oriente  im  Feldlager 
starb,  ward  die  Dynastie  des  Severus,  auf  deren  Gründung  er  so  viel 
verwendet  hatte,  noch  einmal  und  abermals  durch  eine  Fiction  er- 
neuert in  Elagabalus,  dem  angeblichen  Sohne  Caracalla's,  mit  dem 
sie  unter  Schande  und  Spott  in's  Grab  sank. 


'^-^^•o- 


III. 

Einige  Babenberger  Münzen 

in  der 
Münzsammlung  des  Allerhöchsten  Kaiserhauses. 

Von 

Carl    Domanig. 

(Hiozii  Tafel  VII.) 


Obwohl  Mader  und  Luschin^  die  beiden  ausgezeichnetsten 
Kenner  des  österreichischen  Münzwesens  im  Mittelalter^  der  An- 
sicht sind,  dass  uns  „bisher  kein  Denkmal  des  von  den  Babenberger 
Markgrafen  oder  Herzogen  wirklich  ausgeübten  Münzrechtes"  vor- 
liege, i)  und  dass  ,,die  als  Babenberger  bezeichneten  Pfenninge 
einer  späteren  Periode  angehören,  ^^  2)  so  glaube  ich  nun  doch  einige 
in  der  Münzsammlung  des  Allerhöchsten  Kaiserhauses  befindliche 
Stücke  mit  aller  Sicherheit  den  Babenbergern  zuweisen  zu   dürfen. 

Ich  hatte  dieselben,  zum  Theile  in  Uebereinstimmung  mit  der 
so   beachtenswerthen   Tradition    des    kaiserlichen    Cabinetcs,   fllr 


1)  Mader  Jos.  Kritische  Beyträge  zur  Münzkunde  des  Mittelalters  II. 
(1806)  S.  38. 

2)  Prof.  Luschin  von  Ebengreuth  noch  im  VI.  VII.  Bd.  der  Numisiu. 
Zeitschr.  (1876)  S.  59.  —  lieber  die  Schwierigkeiten,  die  »ich  der  Ciassitication 
der  österreichischen  Münzen  des  Mittelalters  entgegenstellen  vergl.  u.  A. 
V.  Raimann  im  V.  Bde.  der  Wr.  Numism.  Monatsh.  S.  73  ffg.  Dersi'lbo  über  di« 
Existenz  von  Babenberger  Prägen,  Niunisni.  Zeitschr.  XIII,  S,  \i\  ffg. 


88 


C.  Domanig:  Einige  Babenberger  Münzen 


babenbergisch  gehalten,  noch  bevor  mir  der  Aufsatz  Max  Donebauer's 
im  XIV.  Bande  der  Numismatischen  Zeitschrift  (S.  27  ffg.)  bekannt 
war;  Gründe  verschiedenster  Art  hatten  mich  zu  dieser  Ansicht 
geführt,  ohne  dass  ich  es  jedoch  gewagt  hätte,  derselben  Ausdruck 
zu  geben.  Nun  theilt  uns  Donebauer  unter  dem  „fremden  Bei- 
gemenge" des  Mitkowitzer  Fundes  zwei  unbekannte  Prägen  mit 
(a.  a.  0.  Tab.  n.  c.  u.  d.,  S.  51  fg.),  welche  sich  als  blosse  Vari- 
anten eines  Pfenninges  darstellen,  den  ich  unter  den  vermeinten 
Babenbergern  als  „Leitmünze" 3)  behandelte;  und  das  Wiederfinden 
desselben  im  Funde  von  Mitkowitz  war  mir  von  entscheidender 
Beweiskraft. 

In  diesem  Funde  kommen  nämlich  unter  mehr  als  4000  Pfen- 
ningen, welche  26  verschiedenen  Arten  angehören,  nur  5  Stück 
ausserbrjhmische  vor,  ein  Zeichen,  dass  der  Handel  in  der  Gegend 
des  Fundortes  wenig  ausgedehnt  war,  und  ein  Wink,  dass  wir  die 
Heimat  jener  Fremdlinge  nicht  in  weiter  Ferne,  sondern  am  besten 
in  Oesterreich  suchen,  mit  welchem  Böhmen  schon  zu  Beginn  des 
Xni.  Jahrhunderts  in  regen  Handelsbeziehungen  stand.*)  Umsomehr 
gilt  dies  hinsichtlich  jener  beiden  Stücke  c  und  d,  weil  sie  früher 
schon— von  irgend  Jemandem  — aus  völlig  anderen  Gründen  für  öster- 
reichisch gehalten  wurden  und,  so  weit  ich  sehe,  den  gleichzeitigen 
Prägen  anderer  benachbarten  Länder  überhaupt  nicht  angereiht 
werden  können.  Schien  mir  auf  diese  Weise  der  Ort  ihrer  Prägung 
nahezu  sichergestellt,  so  konnte  über  ihre  Eutstehungszeit  noch 
weniger  ein  Zweifel  obwalten;  denn  da  der  Mitkowitzer  Fund, 
welcher  böhmische  Münzen  von  Friedrich  (f  1189)  bis  Pfemysl 
Ottokar  I.  (f  1230),  und  zwar  von  letzterem  über  90  Percent  ent- 
hält, zweifelsohne  unter  der  Regierung  dieses  Königes  vergraben 
wurde  s),  so  hatte  ich  es  in  den  genannten  zwei  Stücken,  und  dem- 
nach auch  in  meiner  Leitmünze,  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  mit 
Prägen  des  gleichzeitig  regierenden  Herzogs  Leopold  des  Glor- 
reichen (1198 — 1230),  möglicherweise  mit  solchen  eines  seiner 
nächsten  Vorgängers  zu  thun.  — 


3)  Siehe  unten  Nr.  1. 

*)  Kurz,  Fr.  Oesterreichs  Hiindel  in  cälteren  Zeiten,  S.  15,  44,  328  u.  ö. 

5)  Nach  Smolili  und  Donebauer  (1.  c.  S.  50)  etwa  um  1205/6. 


in  der  Münzsammlung  des  Allerhöchsten  Kaiserhauses. 


89 


Ich  gehe  nunmehr  zur  Beschreibung  meiner  vermeinten  Baben- 
berger  über  und  werde  dabei  die  zahlreichen  übrigen  Gründe,  die 
mir  diesen  ihren  Charakter  verbürgen,  berühren.  Alles  Gewicht 
lege  ich  auf  die  Gat  t  u  ng  s  gleich  he  it  der  hier  besprochenen 
Prägen,  welche  wohl  schon  nach  der  beigegebenen  Abbildung 
(Tafel  VlI),  umsomehr  bei  Autopsie  der  Originale  nicht  zweifelhaft 
ist;  an  der  Hand  unserer  Leitmünze  werden  wir  einer  jüngeren,  vor- 
geschritteneren Art  begegnen  und  mittelst  dieser  zu  anerkannten, 
legendarisch  verbürgten  österreichischen  Münzen  gelangen.  — 

Deutlich  unterscheiden  wir  zwei,  einer  und  derselben  Münz- 
stätte entstammende  Arten. 

Erste  Art. 

Nr.  1.  Zwei  kaum  verschiedene  Stücke. 

Av.  Nach   links   trabender   Reiter  mit  Fahne,    von   einem 
Punkte  begleitet. 

Rev.  Vier  um  fünf  Punkte  gestellte  Halbkreise,  welche,  von 
Punkten  begleitet,  unkenntliche  Bilder  umschliesseu 
(siehe  Nr.  2). 

Gewicht:  0-91  und  1-01  Gr. 

Nr.  2.  Ein  Stück. 

Einseitige  Münze. 

Vier  um  fünf  Punkte  gestellte,  von  Punkten  begleitete 
Halbkreise,  welche  je  einen  Kopf  uraschliessen. 

Gewicht  0-93  Gr. 

Mit  Vierschlag. «) 

Vier  Köpfe  in  die  Winkel  eines  Kreuzes  gestellt  begeg- 
nen uns  auf  einem  Denar  von  LUttich  aus  der  Zeit 
Bischof  Heinrich  I.   (1075—1091).   Danneberg  bat   die 


«)  Ueber  den  \  ici«rlilH{^  (Quadiaiiim  aupercusiirnj  „als  etwas  allen'*  (?) 
„österreichischen  Münzen  Eigonthümliches"  vergl.  Lusehin,  Niimiem.  Zeitschr. 
Bd.  VI.,  VU.  S.  60  ffff. 


..res  i-:CV^'^S2-5 


y'-'  C.  Domanig:  Einige  Babenterger  Münzen 

Münze  abgebildet  (Deutsche  Münzen^  Taf.  IX.  208)  und 
nennt  die  Darstellung  „höchst  merkwürdig  und  ein- 
zig." Aber  im  höheren  Mittelalter  begegnet  uns  dieselbe 
in  Bayern  häufig  (vergl.  Obermayr,  Bayrische  Mün- 
zen, Taf.  ir.  19.  Taf.  III.  44,  45  und  ähnlich  öfter) 
und  einmal  auch  in  Ungarn  (Rupp,  Taf.  VII.  179; 
ähnlich  181). ') 

Nr.  3.  Zwei  Stücke  von  unwesentlicher  Verschiedenheit. 
Av.  wie  Nr.  1. 
Rev.  wie  Nr.  2. 

Gewicht:  0.47  und  0-51  Gr. 

Hälblinge  zu  Nr.  1. 

Auf  einem  Exemplar  der  Vierschlag. 

Nr.  4.  Ein  Stück,  wenig  verschieden  von  Nr.  3,  doch  namhaft 
grösser  und  schwerer:  0*65  Gr.;  auch  scheint  die 
Zeichnung  feiner  (wenn  das  nicht  Folge  der  Abnützung). 

Hälbling  zu  Nr.  1,  der  (ebenso  wie  Nr.  3?)  durch  blosses 
Beschneiden  eines  Exemplares  jener  Art  gewonnen 
wurde. 

Dieses  Stück  nun  ist  es,  welches  an  Grösse,  Fabrik  und 
Zeichnung  mit  den  oben  besprochenen  Mitkowitzer 
Münzen  c  und  d  fast  völlig  übereinstimmt;  die  ganze 
Verschiedenheit  besteht  darin,  dass  sich  auf  dem  Revers 
unseres  Stückes  die  Halbkreise  um  fünf  Punkte  stellen, 
statt,  wie  bei  den  Exemplaren  des  Mitkowitzer  Fun- 
des, um  vier  Punkte  oder  um  eine  Rosette  mit  vier 
Punkten. 


7)  Vergl.  auch  Luschin,  Niimism.  Zeitschr.  Bd.  VIII.  Taf.  III.  187.  —  Dass 
diese  vier  Köpfe  wenigstens  ursprünglich  und  in  Verbindung  mit  dem  Kreuze 
die  vier  Evangelisten  (an  Stelle  der  XPISTIANA  RELIGIO  u.  dergl.)  bedeu- 
teten, ist  wohl  kaum  zweifelhaft. 


^T^. 


In  der  Münzsammlung  des  Allerhöchsten  Kaiserhauses.  «?! 

Nr.  5.  Ein  Stück. 

Av.  wie  Nr.  1. 
Kev.  ähnlich  wie  Nr.  2.  Das  Ornament  ist  verschieden:  die 
Halbkreise  sind  verbunden  und  um  eine  Rosette  gestellt; 
Punkte  fehlen. 
Gewicht:  0-90  Gr. 

Nach  der  Technik  zu  urtheilen  ist  dieses   und  das  folgende 
Stück  etwas  jünger  als  die  Nr.  1 — 4. 

Nr.  6.  Ein  Stück. 

Av.  Nach  links  trabender  Reiter  mit  geschultertem  Schwert. 
Rev.  Lilienornament^  von  Punkten  begleitet. 
Gewicht:  1-00  Gr. 

Nr.  7.  Ein  Stück. 

Av.  kaum  kenntlich^  doch  unzweifelhaft  ein  Reiter,  ähnlich 

wie  Avers  Nr.  6,  oder  ebenso 
Rev.  Lilienornament;  von  Kreuzen  begleitet. 
Gewicht:  0-68  Gr. 

Die  Lilie  (francisca)  ist  nach  Freiherrn  v.  Sacken  »)  „ein,  wie 
es  scheint,  aus  dem  Orient  stammendes,  in  der  Goldschmiedekunst, 
auf  Stoffen  u.  dergl.,  weniger  in  der  Steinsculptur  im  XTL  Jahr- 
hundert nicht  selten  angewendetes  Ornament." 

Wir  begegnen  ihm,  um  einige  Beispiele  anzuführen,  welche 
zugleich  geeignet  sind,  dieEntwickelung  des  vorliegenden  Münz- 
bildes zu  beleuchten,  in  der  Sophienkirche  zu  Constantinopel  »),  in 
der  Krypta  zu  S.  Marco  in  Venedig,  deren  Bau  in  der  zweiten  Hälfte 
des  XL  Jahrhunderts  begonnen  wurde  ^«) ;  an  einem  Capital  des 
Domes  von  Seckau  (erbaut  1142—1 163)  n);  ferner,  zueigenthümlicher 
Bedeutung  entwickelt  am  Rundbogenfries  des  Karners  in  Mödling 


8)  Mitth.  der  Central-Comm.  Bd.  III,  S.  265. 

9)  Bucher,  Real-Lexikon  der  Kunstgewerbe,  S.  2»i,  i  ij 

10)  Mitth.  der  Central-Comm.  Bd.  XI.  S.  Hb. 
n)Ib.  Bd.  XIX.  S.  64. 


92 


Domanig:  Einige  Babenberger  Münzen 


(vor  1200):  —  „hier  sind  die  Bogenschenkel .  . .  unten  abgerundet, 
und  jeder  Bogen  zwischen  ihnen  enthält  eine  schwungvolle  Lilie, 
deren  beide  Seitenblätter  aufgebogen  sind."  12)  Endlich  auf  einer 
Münze  des  Königes  Andreas  ü.  von  Ungarn  (1205 — 1235).  is) 


Fig.  1, 


a.  Hagia  Sophia. 


b.  San  Marco. 


Seckau. 


d.  Mödling. 


e.  Ungarn. 


Der  Zusammenhang  des  so  bebandelten  Lilienornameutes  mit 
dem  Rundbogen  ist  evident  1*),  und  ich  glaube  nicht  zu  viel  zu  be- 
haupten, wenn  ich  sage,  dasselbe  komme,  sowie  der  Spitzbogenstil 
zu  unbestrittener  Herrschaft  gelangt  ist,  in  dieser  Weise  nicht  mehr 
zur  Anwendung. 


12)  Freiherr  v.  Sacken  a.  a.  0. 

13)  Rupp,  Niimmi  Hungar.  I.  Taf.  VII.  S.  169. 

14)  Vergl.  übrigens  die  „Entwicklung  der  Lilienform«  bei  Demmin,    A. 
Handbuch  der  bildenden  und  gewerblichen  Künste.  I.  Bd.  S.  141  fg. 


in  der  Münzsammlung  des  Allerhöchsten  Kaiserhauses. 


93 


Auf  Capitälen  von  Lilienfeld,  dessen  Bau  im  Jahre  1202  be- 
gonnen wurde  ^^)  klingt  in  der  Behandlung  der  Lilie  noch  die  ältere 
Reminiscenz  nach ;  auf  einem  wenig  späteren  Bau  des  sogenannten 
Uebergangsstiles  —  der  Dominicanerkirche  in  Krakau  i«)  —  zeigt 
das  Ornament  schon  völlig  veränderten  Charakter,  und  kaum  noch 
kenntlich  erscheint  es  am  Friese  des  frühgothischen  Domes  von 
Drontheim.  i?) 


Tig.  2. 


a,  h.  Lilienfeld. 


c.  Krakau. 


d.  Drontheim. 


Hier  bedingte  zunächst  die  veränderte  Bauweise,  aber  auch 
—  und  zwar  hier  wie  fast  überall  i»)  —  ein  verändertes  Stilgefühl  das 
Verlassen  der  Tradition.  „Ohne  den  Charakter  strengerer  Stilisirung 
aufzugeben,"  sagt  Essenwein,  i»)  „ohne  dem  Einfluss  des  Materials 
auf  die  Formenbildung  sich  zu  entziehen,  hatte  das  Ornament« 
( —  gegen  Ende  des  XII.  Jahrhunderts  — )  „Formen  gewonnen,  die 
in  freier  lebendiger  Bewegung  in  Einklang  standen  mit  der  Ent- 
wicklung der  Architektur."  —  Ich  möchte  desshalb,  da  unsere  Münze 
das  romanische  Lilienornament  schon  sehr  ausgebildet  zeigt,  ihre 
Entstehung  kurz  nach  dem  J.  1200  ansetzen,  ao) 


15)  Ber.  des  Alterth.-Ver.,  Bd.  XVII,  S.  133,  136. 

18)  Erbaut  1223.  Mitth.  der  Central-Coram.  II.  S.  18  fg. 

17)  Seemanns  kunsthistor.  Bilderbogen  79,  9. 

18)  Vergl.  z.  B.  heraldiBche  yjien,  bei  Mayer,  Herald.  \  R  r  Buch 
Taf.  LX. 

1»)  Ber,  des  Alterth.-Ver.  Bd.  V.  8.  25. 

20)  Vergl.  Essenwein,  der  Entwicklungsstandpunkt  der  Baukunst  im 
ersten  Viertel  des  XIII.  Jahrhunderts,  mit  besonderer  Berücksichtigung  des 
Landes  Oesterreich,  Ber.  des  Alterth.-Ver.,  Bd.  V,  ^    ^ "  *^'- 


94 


C.  Domanig:  Einige  Babenberger  Münzen 


Zweite  Art. 

Die  zweite  Art  unserer  Münzen  unterscheidet  sich  von  der 
ersten  durch  kräftigere  Zeichnung  und  Prägung  überhaupt,  ins- 
besondere aber  durch  Anwendung  eines  breiten,  häufig  von  dicken 
Punkten  begleiteten  Wulstringes  unmittelbar  um  das  Bild  der  Vor- 
derseite. Wir  haben  es  mit  einem  Fortschritte  in  der  Technik,  mit 
jüngeren  Münzen  zu  thiin. 

Gewissermassen  einen  Uebergang  zeigt 

Nr.  8.  Zwei  verwandte  Stücke. 

Av.  Ein  menschlicher   Oberleib    aus    zwei    Löwenleibem 
herauswachsend;  über  jedem  der  beiden  ausgestreck- 
ten Arme  ein  Kreuz. 
Rev.  Schwer  kenntlich.  Ein  Löwe  und  ein  Mann. 
Gewicht:  0-70  und  0-81  Gr. 

Die  eigenartige  Darstellung  der  Vorderseite  findet  sich  auf 
einer  bekannten  Münze,  welche  das  k.  k.  Cabinet  in  mehreren 
Varianten  besitzt  und  Obermayr  (Bayer.  M.  Tab.  II.  27,  S.  23)  und 
ähnlich  Cappe  (Kaiser  M.  1,  Tab.  IX.,  135,  S.  136)  mittheilen. 

Darnacii  ist  mit  Sicherheit  der  Revers  zu  ergänzen:  Ein  Löwe, 
von  einem  Manne  überwältiget. 


Figr.  3. 


(Nach  Obermayr. 


„Was  es  nun  aber  bedeuten  solle,"  meint 0 bermayr  (S.  27)  „da 
ist  guter  Rath  theuer!  Mir  scheinet  die  hieroglyphische  Vorstellung 
eine  Satyr-  und  Spott-Münze  wider  Herzog  Wolfen,  Heinrichs  des 
Grossmüthigen  Bruder,  unter  König  Konrad  III.  durch   den  jungen 


in  der  Münzsammlung  des  Allerhöchsten  Kaiserhauses.  95 

König  Heinrich  seinen  Sohn  um  das  Jahr  1149  zu  Regensburg 
geschlagen  zu  seyn-^  etc.  —  Cappe  folgt  ihm  in  dieser  Erklärung, 
(l  c.) 

Dagegen  darf  man  wohl  an  eine  Mahnung  Grote's  31)  erinnern, 
welche  neuerdings  Dannenberg  22)  zur  Beherzigung  empfiehlt: 
,. Nicht  politische  Spitzfindigkeiten,  sondern  naive  Darlegung  des 
Zeitgeistes  in  der  Richtung  auf  bildende  Kunst  in  den  unteren 
Schichten  ihrer  Schöpfungen — also  nichts  Verschrobenes,  23)  sondern 
etwas  sehr  und  nicht  uninteressantes  Naturwüchsiges  muss  man  in 
den  Münztypen  des  Mittelalters  —  namentlich  des  früheren — lesen 
wollen." 

Meine  Anschauung  über  die  Obermayer'sche  Münze  ist  diese, 
dass  sie  zu  Regensburg  geprägt  wurde,  und  zwar  aus  Anlass  eines 
Kreuzzuges,  als  „Kreuzzugsmünze",  wenn  diese  Bezeichnung  er- 
laubt ist. 

Man  gestatte  mir  die  letztere  Behauptung  (die  erste  wird 
von  Niemandem  bezweifelt)  ihrer  Tragweite  entsprechend  ausführlich 
zu  begründen. 

Auffallend  ist  vor  Allem,  dass  der  Revers  unserer  Münze  so 
häufig  und  darunter  an  hervorragenden  Münzstätten  verwendet 
wurde.  Ich  finde  denselben  ausser  auf  unserer  Wiener  Münze  auf 
drei  böhmischen  Denaren:  einem  des  Herzogs  Wladislaus 
(1109 — 1125),  24)  einem  anderem  des  Königs  PlPemysl  Ottokar  I. 
(1198 — 1230),  25)  einem  dritten,  mir  nicht  zugänglichen,  des  Her- 
zogs Sobeslaus  H.  (f  1180);  26)  sodann  auf  einem  ungarischen, 
welchenRupp  dem  Ladislaus  Cumanus  (1272 — 1290)  zuschreibt »'); 


21)  Münzstudien  VIII.  S.  43. 

22)  D.  M.  S.  23. 

28)  Wie  der  Stil  dieses  Grote'schen  Satzes! 

24j  Nach  Voigt  Beschreibung  der  ...  böhm.  M.  I.  .*5.  .ilo,  11;  das  hier 
abgebildete  Exemplar  des  k.  k.  Cabinetes  besitzt  keine  leserliche  Inschrift. 

26)  Nach  Donebauer  1.  c.  S.  40.  Die  Zuweisung  dieses  im  Mitkowitzer 
Funde  einzigen  Stückes  an  Ottokar  I.  ist,  da  eine  Legende  ♦"'-i'  ^^'»i'i  ^v'-ht 
stringent. 

2«)  Nach  Donebauer,  1.  c.  abgebildet  „Pamätky"  Tab.  X,\\  1,  Nr.  iL 

«Tj  Kupp  (l.  S.  150)  sieht  darin  ein  Symbol  dos  Sieges  Ladislaus  über  die 
Cumanen,  wogegen  mir  die  Bestimmung  auch  dieser  Münze  als  Kreuzzugs- 
raünze  unzweifelhaft  erscheint. 


;;  .',5'~^S*"-S^,'? 


---♦^•s-^,. 


96 


C.  Domanig:  Einige  Babenberger  Münzen 


endlich  auf  zwei,  so  viel  ich  weiss  noch  unedirten  Brakteaten  des 
k.  k.  MUnzcabineteS;  welche  beide  einer  südostdeutschen  (doch 
schwerlich  derselben)  Prägestätte  entstammen. 


a.  Wladislaiis. 


l.  Ottokar  L 


Fig.  4. 


c,  d.  Oesterreich  (?). 


e.  Ungarn. 

Also  (nur  wie  weit  ich  heute  sehe)  volle  acht  Male  kehrt  die- 
selbe Zeichnung  mit  nur  geringen  Aenderungen  2»)  auf  Prägen  ver- 
schiedener benachbarten  Fabriken  und  verschiedener  Zeiten  wieder. 
Wie  erklärt  sich  dieses?  Nicht  ohne  besondere  Veranlassung  hat 
ein  damaliger  MUnzmeister  (und  gar  ein  Regensburger  oder  Prager 
oder  Wiener  MUnzmeister!)  fremdes  Geld  so  geraden  Weges  nach- 
gebildet; 39)  denn   in  den  besten  Zeiten  des  Mittelalters  und  noch 


28)  Eine  verwandte  Darstellung:  Ein  Mann  den  Löwen  mit  dem  Schwerte 
vor  sich  hertreibend,  auch  von  einem  Kreuze  begleitet,  kehrt  ebenfalls  auf 
verschiedenen  Münzen  wieder. 

29)  Nachahmungen  fremder  Münze  sind  selbst  im  XII.  Jhrdt.  und  früher 
selten.  „Die  Kunst  der  deutschen  Stempelschneider"  in  dieser  Zeit  „war  im 
Ganzen  eine  sehr  eigenartige"  sagt  Dannenberg  (D.  M.  S.  39).  Wo  einmal  zwei 
Fürsten  sich  desselben  Stempels  bedienten,  lag  sicherlich  ein  ausdrückliches 
Uebereinkommen  zu  Grunde.  Vergl.  den  Vertrag  (von  c.  1284)  zwischen 
Regensburg  und  Bayeni  (Obermayr  S.  295)  und  andere  von  Luschin  (Wien, 
Numism.  Monath.  11.  S.  10)  angeführte  Fälle.  Das  Land-  und  Lehem-echt  befahl: 
Nymandt  soll  Pfenning  schlagen,  die  andern  Pfenning  gleich  sind,  sie  sollen 
haben  besonder  Zeichen,  (ib.) 


in  der  Münzsammlung  des  Allerhöchsten  Kaiserhauses.  9  * 

lange  nachher  galt  es  nicht  bloss  für  Geistesarmuth,  sondern  für 
ein  Plagiat,  sich  eines  fremden  dönes  oder  einer  fremden  wtse  und 
ebenso  sich  eines  fremden  Münzbildes  zu  bedienen.  Dagegen  wäre 
es  denkbar  (und  diese  Annahme  reicht  zur  Erklärung  unseres  Falles 
aus),  dass  das  lebhafte  Grefühl  christlicher  Solidarität,  wie  es  bei 
Kreuzzügen  erwachte,  sich  über  die  Regel  hinwegsetzte  und  die 
Nachbildung  einer  Kreuzzugs  münze  zuliess,  ja  sie  vielleicht 
sogar  forderte,  gleichwie  alle  germanischen,  slavischen  und  roma- 
nischen Zungen  in  den  Einen  Gesang  des  Mönches  Notker  ein- 
stimmten, und  thatsächlich  Alle,  ob  reich,  ob  arm,  zu  Zwecken  der 
„Gottesfahrt"  ihr  Schärflein  beisteuerten.  . .  . 

Dieser  Gedanke  führt  einen  anderen  mit  sich.  Man  weiss,  die 
Ausgabe  einer  neuen  Münze  bedeutete  im  Mittelalter  eine,  häufig 
sehr  drückende  Steuer.  Nicht  selten  finden  wir  desshalb,  wie  zur 
Beschwichtigung  der  Gemüther  den  Anlass  zur  Erhebung  derselben 
auf  der  neuen  Münze  selbst  angedeutet.  Das  Schwert  (oder  Schwert 
und  Schild)  auf  alten  und  ältesten  böhmischen  Prägen,  ist  dasselbe 
Schwert,  welches  nach  slavischer  Gewohnheit  so)  bei  der  Zurüstung 
zu  einem  Kriege  im  Lande  herumgetragen  wurde  und  das  Volk  zu 
den  Waffen  rief.  Nicht  befremden  könnte  es  also  auf  einer  Münze 
auch  einem  Hinweis  auf  den  nahen  kostspieligen  Kreuzzug  zu 
begegnen,  «i) 

Sehr  befremdlich  dagegen  ist  es,  dass  auf  unserer  Münze  die 
sonst  übliche  mehr  oder  minder  deutliche  Bezeichnung  des  Landes- 
fürsten oder  der  Prägestätte  oder  des  Volkes,  für  das  sie  geschlagen 
wurde,  gänzlich  fehlt,  und  ferner,  dass  an  Stelle  dessen  sowohl  auf 
der  Vorder-  als  auf  der  Rückseite  eine  Zeichnung  und  ein  Symbol 
angewendet  ist,  welche  allgemein  bekannt,  Gemeingut  des  ganzen 
Abendlandes  waren. 

Das  Bild  der  Vorderseite  —  man  vergleiche  damit  die  von 
Bock  mitgetheilte  „Snbductura"  »2)  —  ist  ohne  Zweifel  orientali- 
schen Ursprunges  und  durch  Webereien  ins  Abendland  gelangt. 


80)  Voigt,  Böhm.  M.  I.  S.  35. 

81)  Ein  eigentlicher  Saladinszehent  wi<'  in  1^  nmkreich  uini  i^n^laiul  scheint 
in  Deutschland  allerdings  nicht  erhoben  worden  zu  »oin.  Vgl.  Riezler,  Der 
Kreuzzug  K.  Friedrich  I.  in  den  Forschungen  z.  deutsch,  (iesch.   X.  Bd.  S.  17. 

82)  Mitth.  d<'r  rViitral-Oomm.  TM    IV   .^   •^'.«. 


^-c- 


T^^^W^'^. 


98 


C.  Domanig:  Einige  Babenberger  Münzen 


Wir  begegnen  ähnlichen  Darstellungen,  Kentanren,  zwei  Löwen- 
leibern unter  einem  Löwenkopf  33)  und  dergl.  an  unzähligen  Orten. 

Dasselbe  gilt  von  dem  Revers.  Dieser  „Samson"  oder  ,,David" 
constringens  ora  leonum  (denn  nichts  Anderes  kann  die  Darstellung 
bedeuten)  34)  findet  sich  nach  Bock  35)  zu  Chur  und  Mastricht,  zu 
Benediktbeuren  und  Wien  wie  zu  Palermo  auf  sarazenischen  Gewe- 
ben des  IX.  Jahrhunderts;  aber  wo  und  wie  viele  Male  erst  in  der 
folgenden  Zeit!  Viele  Beispiele  dieser  Art  führt  Heider  an;  ..doch  eine 
vollständige  Aufzählung  wäre  ermüdend  und  nutzlos. ^^  3« 

Ich  frage  nun:  darf  und  muss  man  nicht  aus  der  Anwendung 
solch  allgemeinster  Bilder  und  bei  dem  gleichzeitigen  Abgange 
jedes  individualisirenden  Zeichens  zu  dem  Schlüsse  gelangen,  dass 
man  mit  der  Ausgabe  dieser  Münze  eben  auch  ein  allgemeines,  ein 
internationales  Interesse  fördern  wollte  oder  zu  fördern  vorgab: 
—  das  Interesse  der  Kreuzfahrer?.  .  . 

Hiezu  lag,  um  nun  die  Frage  von  einer  anderen,  mehr  kauf- 
männischen Seite  zu  beleuchten,  auch  eine  dringende  Veranlassung 
vor.  Der  Chronist  des  dritten  Kreuzzuges  —  denn  ungefähr  dieser 
Zeit  muss,  nach  ihrem  Stile  zu  urtheilen,  unsere  Regensburger 
Münze  angehören  —  Ansbert  erzählt  uns  von  Bedrückungen, 
welche  die  Kreuzfahrer  von  Seite  ungarischer  Wechsler  zu 
erdulden  hatten:  ,Jn  .  .  .  . commutatione  denariorum  vel  argenti 
Ungari  graviter  nostros  angariaverunt,  quippe  qni  pro  duobus  Colo- 
niensibus  V  tantum  suos  et  pro  duobus  Frisacensibus  IV  dabant 
Ungaricos  et  proRatisponense  unum  Ungaricum,  qui  vixVeronensem 
valebat."  37)  Mit  gebundenen  Händen  also  war  man  der  Willküi  und 


83)  Diesen  z.  B.  am  Portal  von  St.  Stephan  in  Wien  und  an  einem  Capital 
in  Millstadt  in  Kärnten  (Mitth.  der  Central-Comm.  Bd.  XI,  S.  56). 

8*)  Vergl.  die  bei  Reichenbach  gefundene  Münze,  Obermayr  VIII.  n.  104,, 
wo  Simson  mit  dem  Thore  oder  an  Säulen  rüttelnd. 

35)  Mitth.  der  Central-Comm.  Bd.  V. 

36)  Ueber  Thiersymbolik  etc.  S.  22  fg. 

37)  Ansbert,  Ausg.  v.  Tauschinsky  und  Pangerl  in  den  Fontes  rer.  Austr. 
I.  Abthlg.  V.  Bd.  S.  19.  —  Um  nur  annähernd  einen  Begriflf  von  der  Grösse 
dieses  Wuchers  zu  geben,  sei  an  die  Stelle  bei  Meichelpeck  (Obermayr  1.  c. 
S.  280)  ad  a.  1278  erinnert;  „Quilibet  denurius  Frisacensis  valere  debet 
XII  parvulos  Veronenses." 


I 


^5^?! 


in  der  Münzsammlung  des  Allerhöchsten  Kaiserhauses.  99 

Habsucht  dieser  Wucherer  preisgegeben !  Und  wohl  nicht  unab- 
sichtlich nennt  Ansbert  nur  die  allergebräuchlichsten  und  besten 
der  damaligen  Münzsorten;  denn  ohne  Zweifel  waren  weniger  gang- 
bare gegen  diese  bereits  ausgewechselt  worden,  so  dass  man  in 
Ungarn  schon  zum  zweiten  Male  Aufwechsel  gab;  diesem  zweiten 
folgte  dann  vielleicht  in  Griechenland  ein  dritter,  in  Kleinasien  ein 
vierter!  38).  .Welche  Verluste  ergaben  sich  daraus  bei  den  namhaften 
Summen,  die  jeder  Kreuzfahrer  zur  Bestreitung  seines  zwei-  bis 
dreijährigen  Aufenthaltes  mit  sich  führen  musste,  so)  und  welche 
Unbequemlichkeiten  obendrein!  Sollte  mau  da  nicht,  durch  Er- 
tahriing  gewitzigt,  da  oder  dort  eine  Art  Münzconvention  getroffen 
haben,  nicht  zwar  indem  man  gleiches  Loth  und  Gewicht  statuirte, 
aber  indem  man  wenigstens  hinsichtlich  gewisser  Prägen  vielleicht 


38j  Im  Vertrage  von  Adrianopel  (14.  Februar  1190)  muss  K.  Isaac  zuge- 
stehen, „quod  argenti  marca  emetur  pro  yperperis  qiiinque  et  dimidio,  et  quod 
mutabitur  yperperum  pro  staminibus  centum  viginti,  nulla  differentia  existente 
inter  nova  et  vetei-a  stamina."  (Ansbert  S.  50)  Yperperum  war  der  byzantinische 
Solidus  aureus  zu  4*55  Gr.,  deren  72  auf  ein  römisches  Pfund  gingen.  Stamina 
eine  schlechte  Scheidemünze,  s,  bei  Du  Gange  s.  v.  Starania  und  Supplement. 
Dissert  GV.  S.  196,  wo  Odo  de  Diogilo  lib.  3  de  profect.  Ludov.  VII.  in  orien- 
tem  citirt  ist:  „Hie  primo"  (in  Graecia)  „cupream  monetam  et  Stammas  oflfeu- 
dimus,  et  pro  una  earum  V  denarios  et  pro  XII  solidis  (sc.  staminum  oder  sta- 
minarum  (?)  D.  G.)  marcam  (!)  tristes  dabamus."  Solche  Erfahrungen  blieben 
auch  den  Deutschen  nicht  erspart.  Kaiser  Friedrich  berichtet  seinem  Sohne 
K'mig  Heinrich,  die  Griechen  hätten  endlich  concambium  consuetum  ver- 
sprochen (Ansb.  S.  31),  sieht  sich  aber  dennoch  genöthiget,  wiederholt  auf  Ein- 
haltung des  Goncambium  justum  zu  dringen  (ib.  S.  3G  und  38),  bis  er  euillich 
als  Sieger  —  sehr  zu  Ungunsten  der  treulosen  Griechen  (Vgl.  die  zweite 
Stelle  aus  Odo  de  D.  bei  D.  G.)  —  die  obigen  Gurse  dictirt.  —  Auf  dem 
Kreuzzuge  v.  J.  1147  folgten  Wechsler  in  grosser  Zahl  dem  französischen 
Heere.  Wechsler  (Pisaner,  Venetianer)  finden  wir  in  Ptolemais  u.  a.  0.  ansässig 
bei  Wilken). 

89)  Am  dntten Kreuzzug  sollte  laut  kaiserlicher  Verordnung  Niemand  theil- 
iK'hmen,  der  nicht  „wenigstens  3  Mark  Silber  oder  die  Mittel  für  zwei  Jahre  mit 
allen  Bedürfnissen  zur  Heerfahrt  sich  zu  versehen,  besitze.^  (Wilken,  Gesch.  der 
Kreuzzüge  IV.  17.)  Das  Lat.  Goucil  aber  befahl  1215,  dass,  wer  den  Kreuzzug 
nicht  selbst  mitmachen  könne,  das  Seinige  dazu  beitragen  müsse,  um  Soldaten 
lu'bst  den  Kosten  ihres  Unterhaltes  auf  drei  Jahre  zu  stellen.  (^ Weiss,  Wolt- 
gesch.  III.  430.) 

7* 


_^-y  ^^-  jir^^^'v^ 


100 


C.  Domanig:  Einige  Babenbergtr  Münzen 


nicht  immer  förmlichj  aber  thatsächlich  übereinkam,  sie  mit  den  lan- 
desüblichen im  Kauf  zu  acceptiren?*o) 

Was  uns  über  die  Entstehung  der  venetianischen  Groschen 
erzählt  wird,  bestätigt  diese  Annahme.  Dandolo's  Scliiffstruppen, 
welche  die  Kreuzfahrer  des  Jahres  1203  zu  befördern  hatten,  seien 
mit  den  kleinen  Münzchen,  in  denen  der  Sold  bezahlt  wurde,  unzu- 
frieden gewesen,  was  Dandolo  bewog,  eine  neuere  grössere  und 
feinere  Gattung,  Grossi  oder  Matapane  genannt,  zu  erzeugen.  Das 
heisst  wohl  nichts  Anderes  als  dass  die  Matapane  anfänglich  zum 
Gebrauch  der  Kreuzfahrer  für  den  Verkehr  mit  dem  Oriente  geprägt 
wurden  (wie  denn  auch  Grösse  und  Zeichnung  byzantinischer 
Münzen  für  sie  zum  Muster  dienten);  und  Martin  da  Canale  bemerkt 
in  der  That,  dass  diese  nobles  medailles  d'argent  bald  überall 
(parmi  le  mond)  cursirten.  *i) 

Dasselbe  nun,  was  Venedig  mit  Erfolg  gethan,  konnte  Regens- 
burg vorher  unternommen  haben,  welches  während  des  XII.  Jahr- 
hunderts im  Handel  der  Lagunenstadt  kaum  zurückstand,  an  Bedeu- 
tung für  die  Kreuzzüge  sie  vielleicht  überragte.  Regensburg  „war 
im  Mittelalter  der  erste  Handelsplatz  Süddeutschlands,  lange  bevor 
sich  Augsburg  und  Nürnberg  erhoben,  und  die  aus  dortiger  Münz- 
stätte hervorgegangenen  Münzen  galten  überall  als  gutes  Geld .  .  . 
Sie  hatten    stets    einen   guten  Gehalt,    der  gewöhnlich  nie   unter 


*0;  Auch  Grote  (Münzstiid.  I.  S.  151)  meint:  „Durch  die  Kreuzzüge  waren 
alle  Verhältnisse  des  abendländischen  Europa  umgeändert.  Ein  Völkerverkehr 
war  eingetreten,  der  Handel  hatte  sich  entwickelt;  der  Fundamentalgi-undsatz 
des  deutschen  Münzwesens:  „Der  Heller  gilt  nur  da,  wo  er  geschlagen  ist," 
musste  aufgegeben  werden,  als  man  eines  allgemeinen  Austauschungsmittels 
bedurfte."  So  sei  später  die  Goldwährung  eingeführt  worden. 


t 


*i)  Müller,  Jos.  Numism.  Zeitschr.  Bd.  XV.  S.  226  fg.  —  Hier  mag  an  die 
Bestimmung  des  Vertrages  von  Ptolemais  (1123)  erinnert  werden,  „dass  im  ^— - 
heiligen  Lande  den  Venetianeni  nicht  nur  in  ihrem  Handel  unter  sich,  sondern  Hl 
auch  dann,  wenn  die  Venetianer  anderen  Einwohnern  verkauften,  derGebrauch 
des  venetianischen  Maasses  und  Gewichtes  freistehen,  das  königliche 
Maass  und  Gewicht  aber  gebraucht  werden  sollte,  wenn  die  Venetianer  von 
anderen  Einwohnern  kauften."  Wilken  II.  S.  498. 


r 


in  der  Münzsammlung  des  Allerhöchsten  Kaiserhauses.  101 

1 2  Loth  fein  Silber  sank" :  *2)  konnte  man  also  den  Versuch  nicht  wagen, 
ihnen  auch  weiterhin,  auch  im  Oriente  Eingang  zu  verschaffen? 
Es  lag  dazu  eine  dringende  Aufforderung  in  dem  Umstände,  dass 
Regeusburg  in  dem  zweiten  und  ebenso  in  dem  dritten  Kreuzzuge 
zum  Sammelplätze  aller  deutschen  Pilger  bestimmt  worden  war. 
Vergegenwärtigen  wir  uns  nur  die  Lage.  „Anfangs  Mai  1189  sammel- 
ten sich  die  Pilger  in  Regensburg,  20.000  Ritter  ausser  unzähligen 
Knechten  und  Fussgängern,  und  jeder,  der  mitzog,  musste  die 
Kosten  des  Zuges  auf  zwei  Jahre  bestreiten  können,  aus  eigenen 
Mitteln  oder  durch  Unterstützung  der  Zurückbleibenden."  43)  Wel- 
cher Münze  werden  sich  nun  die  Kreuzfahrer  dabei  bedient  haben? 
Die  Prägen  damaliger  Zeit  hatten  meist  nur  ganz  beschränkte  terri- 
toriale Geltung;  die  Elsässer,  die  Osnabrücker,  die  Passauer  sahen 
sich  bald  genöthiget,  ihre  heimatliche  Münze  gegen  eine  gangbarere 
auszutauschen:  wo  und  wie  geschah  das  besser  als  in  dem  Sammel- 
platze Regensburg  gegen  die  dortige  gute  Münze,  welche  zum  min- 
desten in  Bayern  und  Oesterreich  gerne  genommen  wurde?  Und 
musste  man  dabei  nicht  wünschen,  sowohl  von  Seite  des  Wechs- 
lers wie  des  Käufers,  dass  die  theuer  erstandene  Münze  auch  weiter- 
hin, auch  im  Oriente  verwendbar  sei? 

Und  gehen  wir  jetzt  einen  Schritt  weiter.  Wenn  unter  den  geschil- 
derten Verhältnissen  der  Geldwechsel  der  Stadt  jedenfalls  sehr  lebhaft 
und  der  Bedarf  an  Regensburger  Denaren  ein  ungewöhnlich  grosser 
war,  sollte  man  da  nicht  eigene  Münzen  geprägt  haben,  welche  ihren 
besonderen  Zweck  schon   an   den  Münzbildern  erkennen  Hessen? 


42)  Beierlein,  die  bayrischen  Münzen  des  Hauses  Witteisbach  S.  5.  —  Die 
Bischöfe  von  Salzburg  und  Freising  (vide.  Loiy,  Sammlung  des  bayr.  Münz- 
rechts I.  p.  6)  sowie  jene  von  Augsburg  (Leitzmann  p.  481)  erhielten  a.  99G  das 
Recht  in  ihren  Städten,  „raonetam  Ratisponensem  imperiali  potentia  con- 
strui  et  adprime  incoeptari."  —  Regensburger  Kaufleute  werden  a.  1191  neben 
den  Köln(u-n,  Aachenern  und  Ulmern  an  erster  Stelle  genannt.  Archiv  für  K.  ö. 
G.  Q.  X.  S.  92.  Vergl.  ebenda  S.  93  das  Privileg  Leopolds  V.  S.  auch  Hor- 
niayr's  Schilderung  in  „die  Bayern  im  Morgenlande."  S.  XXII. 

*3j  Weiss  III.  I.  168.  —  Näheres  bei  Wilken,  IV.,  54  fg.  —  Regensburger 
Bischöfe  hatten  sich  1004  und  114(3  unter  den  ersten  am  Zuge  betheiligt  und 
am  Kreuzzuge  von  1189  nahm  Bischof  Conrad  ganz  hervorragenden  Autheil. 
(Ansbert  S.  58  u.  ö.)  Eine  stattliche  Schaar  von  Kriegern  muss  ihn  begleitet 
haben,  (ib.) 


■ß  KA^  *',Vi^.;;Ä•^,-^^^  ''.T*'^ 


102 


C.  Domanig:  Einige  Babenberger  Münzen 


Gewiss,  jenem  geraüths volleren  Zeitalter  entsprach  dies  eben  so 
sehr,  als  dem  geschäftlichen  Interesse;  auch  hatte  es  fremden  Kreuz- 
fahrern gegenüber  keinen  Sinn,  die  als  Regensbnrger  Fabrikat  ohne- 
hin erkennbaren  Denare  mit  dem  üblichen  herzoglichen  oder  bischöf- 
lichen Stempel  zu  versehen,  von  Seite  der  Machthaber  Hess  es  bei- 
nahe prätensios;  und  dachte  man  gar  daran,  diesen  Prägen  im 
christlichen  Oriente  Eingang  zu  verschaffen,  so  war  es  vollends  ein 
Gebot  der  Nothwendigkeit,  dieselbenmit  einer  specifisch  christlichen, 
internationalen  Zeichnung  zu  versehen,  welche  wie  das  beliebte 
kreuzweise  Zusammenlegen  zweier  Finger  allerorten  Jedermann 
verständlich  war. 

Kann  aber  also  die  Zeichnung  der  oben  mitgetheilten  Regens- 
burger Münze  in  diesem  Sinne  gedeutet  werden?  Ich  glaube  ja,  und 
zwar  mit  aller  Bestimmtheit. 

Der  Löwe  auf  dem  Avers,  welcher  so  häufig  und  in  grotesken 
Combinationen  wohl  ausnahmslos  das  Böse  bedeutet,  ist  hier,  in 
Verbindung  mit  einem  menschlichen  Oberleibe,  das  von  Menschen 
repräsentirte  Böse,  das  heisst  —  woran  jene  Zeit  gewiss  zuerst 
dachte  und  was  auch  das  gekrönte  Haupt  andeutete  —  der  Muha- 
medanismus.  **)  Ihm  entgegen  wird  das  Kreuz  geprediget  (die 
beiden  Kreuze!).    n]<   .'^cliiitz-  und   Nothwehr  vor  dtni    drohenden 


**)  Man  beachte  mir,  wie  jeder  Misserfolg  der  Kreuzfahrer  diesen  sen)st 
immer  als  Strafe  ihrer  Sünden  erscheint  (über  diese  Gesinnung  Ansberts  vgl. 
Eiezler  1.  c.  S.  97);  wie  der  Papst  den  Fall  Jerusalems  als  eine  Zulassung 
Gottes  wegen  der  Sündhaftigkeit  der  christlichen  Welt  hinstellt  und  also  fort- 
fährt: . .  .„in  nobis  prirao  quod  male  gessimus,  emendemus,  deinde  foedita- 
tem  et  malitiam  hostium  attendamus,  et  quod  illi  contra  dominum  attem- 
ptare  nou  timent,  nosprodeo  agere  nullatenus  haesitemus"  (Gregor  VIII. 
i.  J.  1187,  bei  Ansbert  S.  8).  Ebenso  spricht  der  päpstliche  Legat  für  Deutsch- 
land :  „Milites Christi  abjicientes  opera  tenebrarum  et  ad  vindicandam  crucis 
injuriam  iuduci  non  differant  arma  lucis  (bei  Ansbert  S.  11);  Ansbert  selbst 
sagt  geradezu:  „...milites  crucis  Christi  signaculum  sibi  affigentes  contra 
hostem  antiquum  et  ejus  membra  . . .  aciem  instaurabant"  (S.  12)  und  nennt 
die  Mohamedaner  ein  anderes  Mal  (S.  68)  „filii  Belial."  Daher  erfreuen  sich 
auch  die  Kreuzfahrer  des  unmittelbaren  Schutzes  Gottes,  der  sich  in  Wunder 
und  Zeichen  offenbart  (ib.  S.  64  u.  ö.),  während  der  Teufel  sie  fort  und  fort 
zu  hindern  sucht  (ib.  SS.  12,  76  u.  ö.). 


in  der  ilünzsamralung  des  Allerhöchsten  Kaiserhauses.  lUd 

Verderben.  *5)  DerRevers,  ein  allgemein  bekanntes  Bild  Christi,  des 
Siegers  über  Tod  und  Hölle,  zeigt  den  Heerführer  der  Christenheit 
gegen  das  Heidenthum.  46) 

Wem  diese  Deutung  zweifelhaft  erseheint  (und  ich  weiss  wohl, 
dass  man  Deutungen  dieser  Art  mit  meist  nur  zu  berechtigtem 
Misstrauen  aufzunehmen  pflegt),  der  werfe  einen  Blick  auf  andere 
von  Obermayr  mitgetheilte  Prägen.  Selbstredend  gab  es  Kreuzzugs- 
mtinzen  in  Regensburg,  wenn  überhaupt  eine,  so  gewiss  eine  ganze 
Anzahl;  ja  ich  bin  geneigt,  ohne  übrigens  einem  berufeneren  Detail- 
forscher vorgreifen  zu  wollen,  alle  jene  Regensburger  Denare  des 
XII.  Jahrhunderts  und  manche  spätere,  welche  weder  ein  bischöf- 
liches noch  herzogliches  noch  städtisches  Emblem  tragen,  in  diese 
Rubrik  zu  setzen.  47) 


*5)  Die  hier  wie  sonst  häufig  wiederkehrende  Verdoppelung  der  Thier- 
figur  mag  man  stilistischen  Motiven  zusclireiben;  vielleicht  aber  soll  damit  die 
Gefährlichkeit  des  Islam,  der  Europa  von  zwei  Seiten  bedrohte  und  von  den 
KreuzfahreiTi  (man  denke  an  Leopold  VI.  Zug  nach  Spanien!)  auf  beiden  Seiten 
befehdet  wurde,  ausgedrückt  werden-,  denn  nach  der  Haltung  der  Hände  ist  er 
als  offensiv,  alle  Lande  bedrohend,  gedacht.  Peter  von  Chmy  (Wilken  lU.  60) 
undAnsbert  reden  von  der  audacia  Sarrazenorum:  ad  ulciscendam  effrenera 
audaciam  eorum"  nahm  K.  Friedrich  das  Kreuz  (Ansb.  S.  5;.  Riezler  (1.  c. 
S.  4j  behauptet  freilich :  „Es  ist  eitles  Bemühen,  die  Kreuzzüge  als  einen  zu 
Vertheidigungszwecken  geführten  grossartigen  Angriffsstoss  der  christlichen 
gegen  die  mohamedanischen  Völker  aufzufassen."  Es  bleibt  uns  aber  unbe- 
nommen, der  von  nicht  minder  ausgezeichneten  Gelehrten  vertretenen  gegen- 
theiligen  Meinung  beizupflichten,  die  ich  mir  selbst  mit  einem  Dutzend  solider 
Argumente  zu  belegen  getraue. 

*»)  Auf  dem  „Hoflager  Christi"  zu  Mainz  (1188)  verzichtete  <ler  Kaiser 
auf  den  Vorsitz,  „denn  man  dachte  sich  Christus  inmitten  seiner  Gläubigen 
und  als  Haupt  dieser  Versammlung  (Riezler  S.  IG).  „Christus  unser  Kriegsherr", 
sagt  K.  F'riedrich  zu  Kubbeddin  (ib.  S.  61)  und  mit  dem  Kufe:  Christus  regnat 
Ch.  viricit,  Ch.  imperat  führt  er  seine  Deutschen  zum  Siege  von  Iconium  (Ans- 
bert S.  68);  dementsprechend  ist  die  Bezeichnung  der  Kreuzfahrer  als  miiitia, 
exercitus,  athletae  domini  u.  dergl. 

*7)  Obermayr  selbst  hat  später  (1.  c.  S.  169)  daran  gedacht,  indem  er  seine 
„hieroglyphischen  Gedanken"  über  Münzen  dieser  Art  als  „blosse  Muth- 
massungen"  hinstellt  mit  dem  Bemerken:  „Wann  mann  änderst  keine  schick- 
lichere Auslegung  durch  den  Creutzzug  in  Asien  ausfindig  machen  kann. " — Die 
Zuweisungen  und  Deutungen  Obermayr's  sind  übrigens  wohl  fast  ausnahmsloa 


104 


C.  Doinanig:  Einige  Babenberger  Münzen 


Hier  nur  ein  paar  Beispiele  (Obermayr  VII.  94,  95),  welcae 
bei  aller  formellen  Verschiedenheit  inhaltlich  mit  unserem  Prototyp, 
wie  ich  das  Stück  Fig.  3.  nennen  mag,  übereinstimmen. 


a,  5.  (Nach  Obennayi*. 


c.  (Nach  Marchant.) 

Denn  die  Sterne  auf  dem  Avers  des  ersten  Stückes  —  ich 
darf  das  wohl  als  bekannt  voraussetzen;  es  wiederholt  sich  unzäh- 
lige Male,  unter  anderem  auch  auf  der  Varietät  desPrototypes,  welche 
Cappe  I.  Taf.  IX,  N.  135  mittheilt  —  sind  gleichbedeutend  mit 
Kreuzen ;  der  Kopf  ist  Christi,  wie  aus  der  Vergleichung  folgender 
bei  Obermayr  abgebildeter  Stücke  hervorgeht:  Taf.  VI.  79  mit  V. 
62  mit  IV.  51.  *8)  in  dem  gemeinsamen  Revers  erblicke  ich  das 


unhaltbar.  Dass  z.  B.  der  Löwe,  welchen  erst  Otto  II.  nach  Erwerbung  der 
Eheinpfalz  (1228)  führte,  hier  nicht  das  Wittelsbach'sche  Wappenthier  sei, 
ergibt  sich  nicht  bloss  aus  chronologischen  Gründen,  sondern  meist  schon  aus 
der  ihm  zugewiesenen  Stellung  eines  Verfolgten,  Unterdrückten. 

*8)  Man  dürfte  dabei  an  Daniel  unter  den  Löwen  denken:   „Hie  Daniel 
vincit  Coetum  Leoninum",  Heider  1.  c.  S.  27  fg. 


in  der  Münzsaraiulung  des  Allerhöchsten  Kaiserhauses.  105 

eroberte  oder  zu  erobernde  Jerusalem  49)^  dessen  Fall  (3.  October  1 187) 
den  dritten  Kreuzzug  zur  Folge  hatte.  Das  Uebrige  lehrt  der  Augen- 
schein und  der  Vergleich  dieser  Regensburger  mit  einer  von  Mar- 
chant  (Mel.  lettr.  7,  P.  1  n.  1)  mitgetheilten  unzweifelhaften  Kreuz- 
fahrermünze (Fig.  5.  c). 


Die  Zeichnung  unserer  Regensburger  Denare  wird  uns  weiter 
unten  noch  einmal  beschäftigen ;  hier  ist  es  endlich  am  Platze  den 
Leser  in  der  Hauptsache  nicht  länger  im  Ungewissen  zu  lassen  und 
die  Frage:  ob  es  überhaupt  eigentliche  ,,Kreuzzugsniünzen"  in 
Regensburg  gegeben  habe,   zum  endgiltigen  Abschluss  zu  bringen. 

Einen  sicheren  Beweis  dafür  liefert  mir  die  Stelle,  welche 
Theodor  Mayr  im  Archiv  für  K.  öst.  G.  Q.  Bd.  VI.  S.  282  mittheilt: 

„Verpfändungen  von  Gütern  zum  Behuf  des  Zuges  ins  heilige 
Land  gab  es  zu  jener  Zeit  mehrere  in  Kärnten.  Z.  B.  1189,  25.  Juli, 
erhielt  Adalbert  Graf  von  Bogen  in  einer  zahlreichen  Versammlung 
zu  Friesach  vom  Erzbischofe  Albert  IL  von  Salzburg  ein  Anlehen 
von  700  Mark  Silbers  Regens purg er  Gepräges  (700  marcis 
examinati  argenti  in  pondere  datis  Guswini  Ratisbonen- 
sis  monetarii),  wofür  er  ihm  die  Herrschaft  Gurkfeld  in  Unter- 
krain  auf  zwei  Jahre  als  Pfand  anwies."  50) 


4»)  Eine  Münze  Guido's  vonLusignan,  Königs  von  Jerusalem  (1186—1192) 
welche  Marchant,  Lettres  pl.  XXVIII.  n  3.  (p.  464)  raittheilt,  zeigt  auf  dem 
Rv.  ein  thurmälmliches  Gebäude  mit  der  Umschrift  HIE RU SALEM.  Ebenso 
eine  Münze  Balduins  (1173  —  1185)  1.  c.  n.  2(p.  464)  und  ähnlich  mehrere.  —  Eine 
andere  Münze  zeigt  auf  dem  Av.  ein  thurmartiges  Gebäude  mit  der  Umschrift 
T*V-R'R*I*S,  während  der  Rev.  die  bekannte  auf  Christus  gedeutete  Rosette 
und  die  Legende:  -J-  D-A-V-TD-  hat.  (Turris  davidica!)  Lelewel  versetzt 
dieses  Stück  in  die  Zeit  der  Einnahme  von  Jerusaleum  unter  Friedrieh  IL, 
Consinery  und  Saulcy  in  die  Zeit  Gottfrieds  von  Bouillon.  (Marchaut,  Lettr.  p. 
463.)  —  Als  man  den  Fall  Jerusalems  erfuhr,  wurdeu  nicht  nur  IJuss-  und 
Klagelieder  gedichtet,  sondern  auch  aufreizende  Bilder  gezeigt.  (Riezler,S.7). 

50j  Bei  Schumi,  Fr.  Urkunden-  und  Regestenbuch  des  ITerzogthums 
Krain,  I.  Bd.  p.  133:  „AdelberLus  coraes  de  Bogin  ol)ligavit  domiuo  Adelhorto 
Salzburgensi  archiepiscopo  castrum  Gurkeveit  cum  totu  dominicatura  illa  pro 
septingentis  niarcis  examinati  argenti  in  pondere  tlatis  Go  z  wini 
Ratisp onensis  monetarii"  etc.  Die  Urkunde  ist  —  ich  verdanke  den  Hin- 
weis auf  die  Quelle  der  Freundlichkeit  des  Herrn  Prof.  v.  Luschin  —  auch 


'^ 


106 


C.  Domanig:  Einige  Babenberger  Münzen 


Werden  wir  uns  erst  über  die  hier  vorliommenden  Termini 
völlig  klar.  Was  ist  argentum  examinatum?  Nach  Üu  Gange  (s.  v.) 
ist  examinatapecunia,  in  erster  Linie  soviel  wie  peeunia  parat  a  oder 
numerata.  Und  so  finde  ich  einmal,  a.  1200:  Wir,  König  Philipp 
„necessitateni  habentes  accredere  pecuniam  (wohl  um  den  Sold 
und  dergl.  zu  bezahlen)  C  C  marcas  examinati  argenti  mutuavi- 
mus;  51)  und  ein  anderesmal,  a.  1274:  Kloster  Kremsmünster  ent- 
lehnt „parat am  pro  expensis  pecuniam  sufiicientem,''  um  das 
Concil  von  Lyon  zu  beschicken  52)  —  das  nöthige  Baargeld,  wie 
wir  sagen.  (Argent  bas,  comptant,  Du  Gange.) 


abgedruckt  bei  Hormayr,  Archiv  f.  8.  D.  II.  S.  256.  Das  Original,  welches  ich 
nicht  mehr  einsehen  konnte,  liegt  im  k.  k.  Staatsarchiv. 

Graf  Adalbert  III.  von  Bogen  starb  nach  Hopf,  Histor.  geuealog. 
Atlas  S.  13,  i.  J.  1196.  Sein  Sohn  Albrecht  IV.,  der  letzte  seines  Stammes 
(f  1242j,  zog  i.  J.  1232  ins  heilige  Land.  Ein  Friedrich  von  Bogen,  von  welchen 
die  Grafen  von  Arco  (ab  arcu)  sich  herleiten,  machte  den  zweiten  Kreiizzug 
mit  und  ward  1149  bei  den  Templern  in  Jerusalem  begraben  (Hormayr,  Die 
Bayern  im  Morgenlande.  S.  XXIV.)  —  Dem  Namen  Gozwin  begegnen  wir  in 
Ried's  Codex  Chronol.  diplom.  ep.  Eatisbon.  verschiedene  Male:  Als  Zeuge 
erscheint,  und  zwar  uoter  den  Ministeriales,  i.  J,  1147  Pertold  et  tilius  Albe- 
ronis  Gozewin  d(?  Porchusen;  a.  llöG  Gozwin  et  filius  ejus  Gozwin; 
a.  1157  (inter  testes,  qui  Ratispone  in  prolatione  Sententie  presentes  fuerunt) 
Gozwin;  a.  1161  Gozwinus  ante  urbem  et  filius  ejus  Gozwin;  a.  1174  Goz- 
win; a.  1183  Gozwin  di  ves;  a.  1189,  29.  Martii  Gozwinus  dives  und8  Namen 
vorher  Adelbertus  Comes  de  Bogen.  A.  1196  kommt  ein  Gozwin  mit 
zwei  anderen  als  Pächter  vor;  a.llOS  ein  rJozwiniis  iudex  als  Fideijiissor  pro 
50  marcis. 

Dass  ilfrdo/vviijiis  divusj  wt-iciicra.  i  l.^VMu'ijcn  ui-iii  Wi.-iicn  Adalbert  von 
Bogen  als  Zeuge  erscheint,  der  monetarins  Goswin  sei,  ist  schon  wegen  des  Bei- 
namens dives  annehmbar;  ebenso  dass  der  G.  dives  identisch  ist  mit  dem  spä- 
teren G.  iudex,  lideijussor.  In  Wien  hatten  viele  Münzmeister  des  XIV.  Jahrhun- 
derts vor  oder  nach  diesem  Amte  das  eines  Stadtrichters  inne.  (v.  Franzenshuld 
in  den  Berichten  d.  A.  V.  XV.  S.  159  ffg.) 

Die  Gozwin  scheinen  nach  Allem  ein  altes  angesehenes Patriciergeschlecht 
von  Eegensburg  gewesen  zu  sein,  das  zu  den  hochmögenden  Grafen  v.  Bogen 
vielleicht  in  näheren,  freundschaftlichen  Beziehungen  stand.  Albrecht  IV. 
V.  Bogen  lässt  eine  i.  J.  1233  den  Minoriten  in  Regensburg  gemachte  Schen- 
kung in  mehreren  Orten  verlautbaren  u.  a.  „in  Ratispona  in  octava  beati  Ste- 
phani  in  domoDni  (siclj  Gozwini  coram  multis  civibus  eiusdem  civitatis."  (ib.) 

51)  Monumenta  boica  Bd.  XXIX,  I.  S.  499. 

52)Hagn,  Urkundenbuch  S.  133.  (Auch  Mon.  boica  XXIX,  II.  507.) 


^5E^s:--: 


in  der  Münzsammlung  des  Allerhöchsten  Kaiserhauses.  107 

BaareSj  d.  b.  gemünztes  Geld  aber  wurde  entweder  zugezählt 
oder  zugewogen,  letzteres  wohl  seltener  und  nur  bei  grösseren 
Beträgen.  So  liest  man  z.  B  in  der  Stiftungsurkunde  des  Wiener 
Spitals  zu  St.  Job  (a.  1267):  „decem  niarcas  ponderatorum  dena- 
riorum,  53)  und  so  geschah  es  auch  in  unserem  Falle:  „marcis. .  .in 
pondere  datis.'^  Wenn,  was  sonst  Regel  ist,  das  pondus  hier  nicht 
näher  bezeichnet  ist,  so  wird  es  eben  in  Friesach,  dessen  Geld  und 
Gewicht  ja  weit  über  die  Grenzen  hinaus  bekannt  und  zur  Geltung 
gekommen  war,  überflüssig  erschienen  sein;  dass  es  thatsächlich 
Friesacher  Gewicht  war,  erfahren  wir  aus  dem  Vertrage,  welchen 
die  Söhne  des  Schuldners  a.  1202  mit  dem  Erzbischof  abschliessen: 
da  wird  eine  andere  in  der  Schuldurkunde  des  Vaters  nicht  näher 
bezeichnete  Summe  von  800  Mark  „examinatiargenti"  ausdrücklich 
bezeichnet  als  800  Mark  „argenti  Frisacensis  ponderis."  J^*) 

Und  so  kann  auch  kein  Zweifel  mehr  obwalten,  woher  der 
Genetiv  „Goswini"  bedingt  sei;  nicht  etwa,  wie  man  nach  einer 
zweiten  selbst  in  unserer  Urkunde  vorkommenden  Bedeutung  von 
examinatum  argentum  ==  a.  probatum,  igne  examinatum  (Du  Gange 
s.v.)  vermuthen  könnte,  von  pondus,  sondern  von  argentum. 
Der  Graf  von  Bogen  erhielt  baares  Geld,  wie  es  zu  Regens- 
burg vom  Münzmeister  Goswin  geprägt  worden  war. 

Man  erwäge  nun:  ein  Kreuzfahrer  entlehntGeld  zu  seiner  Kreuz- 
fahrt, in  Friesach,  von  dem  Eigenthümer  und  Nutzniesser 
dieser  Münzstätte,  und  zwar — Regensburger  Denare,  wie  sieMeister 
Goswin  prägt!  Das  sagt  genug.  Nicht  denkbar  ist  es  unter  diesen 
Umständen,  dass  der  Gläubiger  aus  eigenem  Antriebe  ein  anderes  als 
Friesacher  Geld  abgegeben  hätte;  ")  geschah  dies,  so  geschah  es  auf 
ausdrückliches  Begehren  des  Contrahenten,undman  muss  annelimen, 


53;  Mon.  boic.  XXIX,  IL  S.  468. 

5*)  Bei  Mayr,  1.  c. 

55)  Salzburg  bezahlt  sonst  selbst  in  Regeusburg  in  Friesacher  Denaren. 
Ai-chiepiscopus  datiirus  est  comiti  (H.  de  Lechisgemunde)  duo  niillia  et  Octin- 

gentas  et  quiuquaginta  marcas  Frisacensis  monete Hec  autem  pecunia  tota 

debet  persolvi  in  civitatc  liatisponcnsi.  (D.  a.  1207)  Mon.  boica  XXIX,  1. 
537  fg.  —  200  Mark  ungemünztes  «über  bezahlt  a.  1220  der  Erzbisciiof  von 
Salzburg  dem  Bischöfe  von  Regensburg  in  Salzbiirger  Gewicht.  Kied,  Cod.  I. 


108 


C.  Domanig:  Einige  Babenberger  Münzen 


dass  die  begehrte  (unerhörterweise  sogar  mit  Namen  bezeichnete) 
Geldsorte  den  besonderen  Bedürfnissen  desselben  entsprochen  habe; 
d.  h.  der  Graf  von  Bogen  hat  die  Goswiner  Pfenninge  begehrt,  weil 
er  sie  zu  seiner  Kr  euzfahrt  benöthigte  und  die Friesacher  hiefUr 
nicht  ebenso  brauchbar  fand,  56) 

Oder  waren  Regensburger  Pfenninge,  und  gerade  diese  Gos- 
winer, eine  damals  auch  in  Friesach  gang  und  gäbe  (und  so  häufige!) 
Sorte?  War  es  Zufall,  dass  eben  sie  in  unserer  Schuldurkunde  er- 
scheinen? 

Nahe  liegende  Gründe  sprechen  dagegen;  unter  anderem,  wie 
mich  dünkt,  jene  weiteren  Bestimmungen  des  Contractes,  dass, 
wenn  die  Burg  bis  Weihnachten  1191  nicht  eingelöst  und  die  be- 
rufenen Schätzmänner  nicht  einig  wären,  800  Mark  „  examin ati 
argenti"  (Frisacensis  ponderis),  *')  und  wenn  der  Graf  oder  sein 
Erbe  das  Pfand  vor  jener  Zeit  einlösen  wollte,  700  Mark  „exami- 
nati  argenti"  die  Lösungssumme  sei.  Also  hier  nicht  mehr  Goswiner 
Denare,  sondern  einfach  „Feinsilber;"  das  versteht  sich,  weil  ja  der 
Grund,  wesshalb  man  augenblicklich  Goswiner  Denare  benöthigte, 
in  den  gedachten  Fällen  nicht  mehr  bestehen  wird. 


Nun  noch  ein  Wort  über  die  Zeichnung  auf  unseren  Regeus- 
burger  Denaren,  das  zugleich  geeignet  sein  dürfte,  die  Frage  über 
die  praktische  Verwendbarkeit  solcher  Kreuzzugsmüuzen  einer 
Lösung  zu  nähern. 


56j  Allerdings  entlelint  ein  Poppo  von  Albeck  a.  IIOU  vom  Biscliot'e  von 
Gurk  zu  gleicliera  Zwecke  C  marcas  frisacensis  luonete.  (Archiv,  1.  c.  S.  305). 
Dies  sagt  indessen  nur,  dass  Regensburger  Pfenninge  vielleicht  nicht  zu  be 
schaffen  waren,  vielleicht  nicht  begehrt  wurden.  Ein  Zwang  bestand  ja  nicht, 
sich  gerade  dieser  „Kredzzugsmünzen"  zu  bedienen;  in  Ungarn  wurden  sie 
vielleicht,  wie  wir  nach  Ausbert  (siehe  oben)  vermuthen  könnten,  (aus  Eifer- 
sucht?) niedriger  taxirt  als  anderes  Geld,  und  eigentlich  von  Vortheil  dürften 
sie  sich  wohl  erst  im  Orient  erwiesen  haben. 

57)  Vergl.  oben  den  Vertrag  der  Söhne.  —  Auch  die  Einkünfte  von  (iurk- 
feld  werden  in  unserer  Schuldurkunde  erwähnt,  und  zwar  einmal  kurz  weg  als 
centum  et  octoginta  marcarum,  das  zweite  Mal  aber  als  centum  octoginta  marc. 
frisasensis  monete.  Also  Friesacher  Münze  selbstverständlich! 


in  der  Münzsammlung  des  Allerhöchsten  Kaiserhauses.  109 

Was  den  ersten  der  oben  mitgetheilten  Pfenninge  (Obermayr  IL 
27)  betrifft,  so  mag  man  nach  dem,  was  wir  über  die  Provenienz 
dieser  Münzbilder  bereits  gehört  haben  und  bei  dem  Umstände, 
dass  ältere  Kegensburger  Münzen  byzantinischen  Stiles  nach- 
gewiesen sind  (Dannenberg,  D.  M.  S.  39),  an  directen  Einfluss  des 
Orients  denken ;  aber  wenigstens  dieser  Simson  begegnet  uns  auf 
einem  älteren  böhmischen  Pfenninge  (Boleslaus',  f  1139),  und  im 
Allgemeinen  hat  die  Eegensburger  Münze  thatsächlicb  während 
des  XII.  Jahrhunderts  den  Einfluss  der  böhmischen  erfahren. 

Hier  im  Osten  begegnen  wir  zuerst  jenen  freieren  und  reichen 
figuralen  Darstellungen,  welche  von  sicherer  Hand,  mit  Gefühl  und 
Schönheitssinn  entworfen,  für  den  späteren  Regensburger  Typus 
entscheidend  wurden.  Alle  gleichzeitigen  Prägen  in  stilistischer 
Hinsicht  überragend,  erinnern  sie  an  die  Blüthe  der  höheren  Kunst, 
deren  sich  das  Reich  der  Pfemysliden  in  damaliger  Zeit  erfreute  5»), 
und  als  deren  Träger  uns  zwei  einzige  Namen  begegnen,  doch  charak- 
teristisch genug  die  Namen  zweier  Aebte  von  Sa zava:  Bozeteeh 
(1061 — 1092)  undReginhard  (gegen  Ende  des  XII.);  59)  Sazava  war 
der  Mittelpunkt  der  griechisch-slavischen  Lithurgie,  und  eben  dem 
Einflüsse  der  von  einem  classischen  Anhauche  neubelebten  byzan- 
tinischen Kunst  begegnen  wir  in  der  böhmischen.  — 

Wichtiger  für  uns  ist  jedoch  die  Wahrnehmung,  dass  der  zweite, 
S.  18  mitgetheilte  Regensburger  Pfennig  (Obermayr  VII.  94)  mit  einer 
armenischen  Münze  Leons  IL  (Fig.  6.  ««<>)  auffallende  Aehnlichkeit 
besitzt,    und   dass    wir    fast    genau    denselben    Münzbildern    anf 


58)  Vergl.  Gruebcr,  B.  Die  Kunst  d.  M.  A.  in  Böhmen  in  (\on  >rittlilK-  dor 
Central-Comm.  XVI.  S.  I  ffg. 

59)  Von  diesem  heisst  es  in  der  Cosmae  Contin.  p.  363:  „Ad  humilia 
etiam  quaeque  opera  nullus  eo  promptior,  nullus  efficacior;  fuit  in  eo  peritia 
pingeie  vel  sciilpere  quasi ib et  imagines  ligno,  vel  osso,  vel  otiam  divorsi 
generis  metallo,  fabrilis  quoque  non  ignarus  fuit  artis"  etc.  (Bei  Grueber 
1.  c.  S.  IX,  Anmerkung.)  SoHte  1?  ^\\rht  ■aucU  .nii"  den  Stempelsclmitt  EinfluöS 
geübt  haben? 

«Oj  Hier  abgebildet  nach  dem  im  k.  k.  Kabinet  befindlichen  Exemplar. 
Bei  Langlois,  Numismatique  de  l'Armenie  au  moyen  ••"•"  '•'   T    4 


^t^^JÄT^ÄIf^^ 


110 


C.  Domanig:  Einige  Babenberger  Münzen 


Brakteaten  begegnen,   welche  (um  1230  vergraben)  in  der  Nähe 
des  Federsees  im  Württembergischen  gefunden  wurden,  ei) 


Fig.  6, 


ff.  Leon  II. 


5,  c.  Augsburg. 


Diese  Brakteaten  (Fig.  6.  h,  c.)  sind  —  man  vergl.  damit  Bey- 
schlag,  Versuch  einer  Münzgeschichte  Augsburgs  etc.  Tab.  II.  22,  25 
u.  a.  —  Augsburger  Fabrikat.  Es  ist  jedoch  bei  der  notori- 
schen Abhängigkeit  der  dortigen  von  der  Regensburger  Münzstätte 
(siehe  unten) ;  sowie  bei  dem  Umstände,  dass  diese  Münzbilder  «a) 
im  Osten  von  Deutschland  «s)  und  in  Ungarn,  ^'*)  wohin  der  Einfluss 
Augsburgs  doch  schwerlich  reichte,  Nachbildung  fanden;  endlich 
bei  der  Beschaffenheit  des  vorei*wähnten  Regeiisbnrger  Pfenninges 
(Fig.  5.  a.)  kaum  ein  Zweifel,  dass  die  erste  Nachbildung  der  arme- 
nischen Königsmünze  nicht  am  Lech,  sondern  an  der  Donau  erfolgte. 

Ich  spreche  von  einer  Nachbildung  der  armenischen  Münze; 
denn  dass  man  in  Armenien  nach  deutschem  Muster  geprägt 
hätte,  ist  mir,  von  vielen  anderen  Momenten  abgesehen,  schon  dess- 


61)  Leitzmann's  Numism.  Zeitung,  Jahrg.  1861,  S.  73  ffg.  Tab.  I.  und  II. 

62)  Wie  in  Schwaben?  Vergl.  Beyschlag  V.  1,  2,  27. 

63)  Auf  einem  böhmischen  (?)  Brakteaten  und  einer  steirischen  Präge  des 
k.  k.  Cabinets;  auf  einer  östeiTeichischen  bei  Luschin,  Numism.  Zeitschr. 
Bd.  VIII,  Taf.  IV.  n.  224. 

64)  Rupp  Vm.  218-220. 


in  der  Münzsammlung  des  Allerhöchsten  Kaiserhauses.  1  1  1 

halb  unwabrscheinlicli,  weil  hier  die  beiden  Löwen  nicht  wie  in 
Deutschland  eine  mystische  Bedeutung,  sondern  die  weit  ursprüng- 
lichere eines  redenden  Wappens  hatten,  ß^)  welches  (neben  dem 
einfachen  Löwen)  auf  armenischen  Münzen  von  Leon  IL  bis  auf 
König  Ochin  (also  in  der  Zeit  von  1185  —  1320)  häufig  wiederkehrt. 
Andererseits  ist  die  gegentheilige  Annahme  von  vorneherein  nicht 
unglaubhaft,  wenn  man  erwägt,  in  wie  nahen  Beziehungen  Ar- 
menien gerade  unter  Leon  IL  (1185—1218)  zum  deutschen  Kaiser- 
reiche stand. 

„Noch  am  Ausgang  des  XVI.  Jahrhunderts,"  erzählt  uns 
Riezler  (S.  66),  „hat  es  ein  Papst  (Gregor  XIII.)  anerkannt,  dass 
keine  Nation  die  Kreuzfahrer  mit  grösserer  Bereitwilligkeit  geför- 
dert habe  als  die  armenische ;  durch  Menschen,  Pferde,  Waflfen, 
Zufuhr,  Rath  und  jede  Art  von  Hilfe  habe  sie  die  Christen  in  den 
heiligen  Kriegen  stets  auf  das  thatkräftigste  und  getreulichste 
unterstützt."  Daher  auch  unsere  Deutschen  den  Armeniern  mit 
grossem  Zutrauen  entgegengekommen;  „Armeni  fideles  nostri  sunt", 
sagt  Tageno  (Rer.  germ.  Script.  L  409;  ähnlich  Ansbert  S.  o6.)  Und 
Leon  IL,  der  Grosse  genannt,  „ausgezeichnet  durch  Tapferkeit, 
Klugheit,  Frömmigkeit  und  Herzensgute"  (Tschamtschean)  „war  voll 
Sympathie  für  die  Abendländer,  für  die  Deutschen  voll  besonderer 
Vorliebe''.  66)KaiserFriedrichL  verspricht  ihm  „auf  seinem  Durchzuge 


65j  ^Les  lions  que  Ton  voit  röpresenter  sur  les  raonmiies  d'Armenie  ötaient 
des  armes parlantes que L6on, Premier  roi  roupönien,  avait  prises  pour  emblöme.*' 
Langlois  p.  39.  —  Wie  der  Armenier  Tschamtschean  berichtet,  schickte  K. 
Heinricli  VI.  an  Leon  „ein  Panier  mit  dem  Zeichen  des  Löwen,  theils  als  An- 
spiehmg  auf  seinen  Namen,  theils  weil  die  früheren  armenischen  Könige  ein 
solches  liatten;  und  diess  solle  er  fortan  vor  sich  hertragen  lassen."  liei  Peter- 
mann, Beiträge  zu  der  Geschichte  der  Kreuzzüge  aus  armenischen  Quellen  in 
den  Abhandlungen  der  königl.  Akad.  d.  W.  zu  Berlin,  18«0,  S.  154. 

*öj  Riezler,  S.  67.  —  „Dem  deutschen  Orden  hat  er  später  Adamadona 
geschenkt,  dessen  erste  Niederlassung  auf  armenischem  Boden.  In  allem  nahm 
er  sich  die  Abendländer  zum  Muster;  in  abendländischer  Weise  hat  er  seineu 
Hof,  einen  Lehensadel  und  die  ganze  Verwaltung  einzurichten  gesucht,  und 
durch  mannigfache  Begünstij,'ungen  hat  er  den  Handelsverkehr  (sie!)  mit  dem 
Westen  utul  die  Niederlassung  von  Occidentalen  von  Armenien  gefördert." 
ib.)  Auch  mit  den  abendländischen  Christen  in  Syrien  stand  Leon  „in  viel- 
fältiger Verbinduni^"  fWilken,  IV.  138). 


112 


C.  Domanig:  Einige  Babenberger  Münzen 


durch  Cilicien  die  Investitur  der  Königswürde,  wird  aber  durch  den 
Tod  daran  gehindert.  Dessen  Sohn  und  Nachfolger,  Heinrich  YI., 
und  Papst  Cölestin  IIL  schicken  ihm  die  Insignien  des  Königthnms 
durch  Cardinal  Konrad,  Erzbischof  zu  Mainz,  der  ihn  um  6.  Jänner 
1198  als  König  von  Armenien  krönt."  «7)  Ohne  den  plötzlichen  Tod 
Barbarossa's,  sagt  Weiss,  es)  ,^wäre  Armenien  deutsches  Land 
geworden." 

Unter  solchen  Umständen  ist  es  wohl  begreiflich,  dass  ein  Regens- 
burger Münzmeister,  indem  er  deutschen  Kreuzfahrern  eine  auch 
im  Oriente  möglichst  gangbare  Münze  prägen  will,  auf  das  befreun- 
dete Armenien  besondere  Rücksicht  nimmt  und  eine  armenische 
MUnze,  welche  durch  heimgekehrte  Pilger  in  seine  Hand  gekommen 
war,  zum  Vorbilde  wählt,  «s») 

A  usserdem  wäre  nur  noch  die  Annahme  statthaft,  dass  sowold  die 
kleinasiatische  als  die  süddeutsche  Münze  einer  dritten  nachgebil- 
det sind,  und  von  Interesse  wäre  es,  dieselbe  auszuforschen,  nach- 
dem das  armenische  Königsbild  (Avers  von  Fig.  6.  a.)  später  ein 
so  beliebter  Typus  wurde  und  namentlich  in  Frankreich,  in  Rom, 
Neapel,  Arragon  und  Ungarn,  aber  auch  von  König  Heinreich  H. 
in  Jerusalem  (1285 — 1324),  von  den  Johannitern,  ja  (zwischen 
1299  und  1345)  sogar  von  dem  Seldschuken-Emir  Sarcan  in  Lydien 
angewendet  wurde,  ^o) 

Dieser  letztere  hielt  sich  an  die  Münzen  Roberts  von  Anjou 
und  liess  dieselben  sehr  genau  bis  auf  „das  grosse  Lilienkreuz  der 
Kehrseite  und  die  kleinen  Kreuze  am  Anfang  der  Umschriften" 
nachprägen  und  mit  seinem  Namen  in  lateinischen  Lettern  versehen. 


«7)  Kraflft,  Alb.  Armen.  Münzen  in  den  Jahrbücheni  der  Lit.  i.s43,  An- 
zeigeblatt Nr.  CHI,  S.  2.  Näheres  Petermann  1.  c. 

«8)  m.  1,  S.  178.  —  Vergl.  auch  Langlois  1.  c.  S.  36. 

•9)  „Nie  scheinen  zahlreichere  Wallfahrten  aus  Deutschland  nach  Palä- 
stina unternommen  worden  sein,  als  in  den  Jahrzehnten,  welche  dem  zweiten 
Kreuzzuge  folgten,"  sagt  Riezler  (S.  7).  Ansbert  (S.  20)  spricht  von  Mitpilgem, 
welche  der  Wege  in  Bulgarien  kundig  waren,  und  (S.  40)  von  einem  Regens- 
burger Bürger  „graecae  linguae  ac  provinciae  gnaro."  Nach  dem  Tode  Barba- 
rossa's blieben  Deutsche  in  Armenien  zurück,  wie  eine  armenische  Quelle  be- 
richtet (Petermann  S.  150)  und  Riezler  (71,  Anmerkung  2)  aus  anderem  Grande 
vermuthet. 

70)  Friedländer,  Beiträge  zur  Münzkunde.  Bd.  I.  S.  52  fg. 


•^:*5*«?^?tSv  7-' 


iu  der  Müazsammluug  des  Allerhöchsten  Kaiserhauses.  1  lo 

Friedländer  macht  hiezu  die  richtige  Bemerkung.  71)  „Bei  näherer 
Betrachtung  scheint  es  weniger  auffallend,  dasg  ein  seldschukischer 
Emir  lateinische  Münzen  mit  christlichen  Typen  geprägt  hat ;  er 
war  mit  dem  christlichen  Byzanz  im  Bunde,  seine  Küstenländer  und 
seine  Meeresfahrten  mussten  ihn  mit  Venetianem  und  Genuesen  in 
vielfache,  wohl  auch  friedliche  Verbindung  bringen  und  für  den 
Verkehr  seiner  Unterthaneu  mit  den  Europäern  mochte  er  denn 
wohl  diese  Münzen  geprägt  haben."  Aehnlich,  so  wiederhole 
ich  schliesslich,  müssen  umgekehrt  „Kreuzzugsmünzen"  für  den 
Verkehr  mit  dem  christlichen  Morgenlande  geprägt  worden  sein, 
ob  man  sich  übrigens  die  Verwandtschaft  jener  Regensburger  und 
armenischen  Prägen  auf  die  eine  oder  die  andere  Weise  zu  erklären 
sucht.  — 

Wenden  wir  uns  endlich  wieder  unserer  österreichischen 
Münze  zu. 

Dass  sie  eine  Nachmünze  des  Regensburger  Stückes  ist  und 
wie  dieses  zum  Gebrauche  der  Kreuzfahrer  geprägt  wurde,  ergibt 
sich  aus  dem  Gesagten;  es  erübrigt  nur  die  Frage:  welcher  Zeit 
und  welchem  österreichischen  Fürsten  sie  zuzuschreiben  sei? 

Und  noch  einmal  muss  ich  diesbezüglich  auf  unsere  Regens- 
burger Prägen  zunickgreifen,  deren  genauere  Altersbestimmung 
sonst  nicht  in  den  Rahmen  dieses  Aufsatzes  fällt. 

Die  Münzbilder  Fig.  5.  a,  und  Fig.  3.  sind  —  leicht  verfolgt 
man  diese  Entwicklung  der  Arten  —  aus  Bildern  entstanden,  wie 
sie  die  beiden  Augsburger  Brakteaten  Fig.  6.  6,  c  zeigen;  ange- 
nommen nun  den  mehr  als  wahrscheinlichen  Fall,  dass  denselben 
die  armenische  Königsmünze  Fig.  6.  «.  zum  Vorbild  diente,  ergibt 
sich,  dass  der  Pfenning  Fig.  3.  nach  dem  Jahre  1185  (als  dem 
Regierungsantritt  Leons  11.)  geschlagen  sein  müsse. 

Dies  bestätigt  sich  durch  eine  andere  Wahrnehmung.  Regousburg 
war  zweimal  zum  Sammelplatz  der  Kreuzfahrer  erkoren,  1 147  und 
1189;  in  einem  dieser  beiden  Jahre  wird  die  Emission  der  „Kreuz- 
zugsmünzen" stattgehabt  haben;   in  welchem?  Es  ist  im  Juli  1 189, 


V,,,   ,.^^^^^,.,,^,^^^^,^^.,^^^^^^1^^ 


114 


C.  Domanig  :  Einige  Babenberger  3IÜDzen 


da  Adalbert  von  Bogen  die  Münzen  Giiswini  Ratisbonensis  mone- 
tarii  nennt;  deutet  diese  ungewöhnlichste  Benennung  nicht  darauf 
hin,  dass  ihre  Erscheinung  noch  ganz  den  Reiz  der  Neuheit  hatte? 
Oder  würde  nicht,  wenn  die  Pfenninge  schon  lang  im  Umlauf  waren, 
der  Name  des  Münzmeisters  schon  vergessen  und  sein  Geld  mit 
einem  anderen,  volksthümlichen  Sammelnamen  bezeichnet  sein?. .  . 

Bekannt  ist  ferner  der  seit  langem  herrschende  „anhaltende 
Parallelismns"  ^a)  zwischen  der  Regensburger  und  Augsburger 
Münze.  Nun  theilt  uns  Beyschlag  73)  einen  Denar  mit  Umschrift  mit, 
welcher,  augenscheinlich  nach  Regensburger  Muster  fabricirt,  die 
Legende  hat:  Av.:  AVGVSTVDALRICV8,  Rev.:  CONRAD VS- 
ePISCOPVS.  Bischof  Konrad  aus  dem  Geschlechte  der  Hirschek  — 
der  einzige  Augsburger  Bischof  dieses  Namens  —  regierte  1150  bis 
1167.  Steht  es  nun  auch  für  diese  Zeit  noch  fest,  ,^dass  Regens- 
burger und  Augsburger  Denare  bei  gleichen  Typen  sich  als  gleich- 
altrig erweisen,"  74)  so  muss  unseren  Regensburgern  rücksichtlich 
ihres  durchaus  vorgeschrittenen  Stiles  ein  geringeres  Alter  zuerkannt 
werden  als  den  Prägen  des  Bischofes  Konrad. 

Sind  wir  so  zu  dem  Schlüsse  berechtigt,  dass  das  Vorbild 
unserer  Wiener  Münze  nach  dem  Jahre  1185  und,  wahrscheinlich, 
nicht  vor  dem  Jahre  1189  geprägt  sein  müsse,  so  ergibt  sieh 
anderseits  als  äusserste  Grenze  des  Entstehens  beider  Stücke 
das  Jahr  1206. 

Denn  „anno  1205  in  fine  vel  1206  initio"  verlautbart  König 
Philipp  das  Uebereinkommen  zwischen  dem  Bischöfe  von  Regens- 
burg und  dem  Herzog  von  Bayern :  's) 

„Quod  cum  Ratisponensis  episcopatus  cum  ducatu  bawarie  ab 
imperio  monetam  thelouea  et  quaedam  indicia  habeat  communia 

(S.  524) item   de  nioneta  Ratisponensi   statu  er unt,    quod 

nulla  um  quam  post  7«)  eam  fiat.  Quod  si  factum  fuerit  dux  ad 
consilium  et  velle  episcopi  prohibebit  (S.  525  in  fin.)''  Ohne 
Zweifel    hat   man   in  Oesterreich   eine  solche  Vereinbarung   und 


72)  Dannenberg,  ^.  M.  S.  396. 

73)  Beyschlag  1.  c.  S.  18  (T.  II.  19  a  b). 
7*)  Dannenberg  1.  c. 

75)  Post = ad  vde.  Du  Gange  s.  v. 

76)  Mon.  boica.  Bd.  XXIX.  I.  S.  524  ffg. 


in  der  Münzsammlung  des  Allerhöchsten  Kaiserhaasos.  llO 

Erklärung-  respectirt,  ")  und  es  nicht  gewagt,  noch  nach  dem  Jahre 
1206  Nachmünzen  einer  Regensburger  Präge  auszugeben. 

Ob  aber  vielleicht  gerade  dieWiener  Münze  mit  Veranlassung  zu 
tlieser  Vereinbarung  vom  Jahre  1205  oder  1206  gegeben  hat?  Zum 
Jahre  1206  berichtet  uns  die  Babenberger  Chronik:  ^s)  ^^Der  lobsam 
herczog  lewpolt  von  osterreich  und  von  steyr,  da  sein  erster  sun 
pegraben  ward,  von  rew  und  von  andacht  nam  er  das  chrewcz  an 
sich  mit  vil  edeln  herrn  auf  dem  lande  zu  newburch."  Das  war  frei- 
lich im  Jahre  1206.  Wohl  geschah  aber  auch  damals,  was  Walther 
von  der  Vogel  weide  vom  Jahre  1217  berichtet,  dass  „Liutpolt 
sparte  üfgotesvart,  üf  künftigere"  '9),  und  so  wird  man  die  Emission 
der  Wiener  Kreuzzugsmünze,  die  ja  solchem  Zwecke  sehr  förder- 
lich war,  unbedenklich  noch  vor  der  Abmachung  der  bayrischen 
Mtinzherren,  etwa  1205  ansetzen  dürfen.  Den  Wiener  Pfenning  in 
das  Jahr  1190,  wo  zum  letzten  Male  ein  österreichischer  Fürst  das 
Kreuz  genommen  hatte,  »<>)  zu  verlegen,  verbietet  seine  vorgeschrit- 
tene Technik. 


Nr.  9.  Ein  Stück. 

Av.  Nach  links  trabender  Reiter  mit  geschultertem  Schwert. 
Rev.  Auffliegender  Adler. 

Gewicht:  0-78  Gr.  Mit  Vierschlag. 

xN'r.lO.  Zwei  Stücke. 

Av.  Ein  lediges  Pferd,  nach  rechts  trabend ;  auf  dem  Sattel 
lässt  sich  ein  Adler  nieder. 


77)  Mit  welchem  Nachdruck  übrigens  die  Regensburger  Müuzherren  dieser 
Vrreinbarung  Geltung  verschafften,  zeigt  ein  Fall,  dessen  Kenntniss  icli  der 
ütite  des  Hen-n  Gebert  in  Nüiiiberg  verdanke.  K.  Friedrich  verbietet  auf  Bitteu 
Bischofs  Konrad  und  Herzogs  Ludwig,  „ne  . . .  apud  Nurenberch  moneta  fiat,  quae 
contineat  imaginem  similem  imagini  monete  liatispon.",  obwohl  der  Kaiser 
früher  selbst  angeordnet  hatte,  dass  die  Nüniberger  „secuudura  iuiaginem  mo- 
nete Ratisponensis"  prägen  sollten.  Die  Urkunde  ist  raitgetheilt  in  Mon.  boica 
XXX,  I.  95  und  in  Ried,  Cod.  I.  324. 

78)  Archiv  für  K.  öst.  G.  Q.  Bd.  IX,  .>.  .);)5  ffg. 
7»)  Ed.  Pfeiffer  n.  120.  Vergl.  auch  ib.  n.  86. 
80)  Meiller,  Regesten  S.  236. 

8* 


:  'j-^^^^^^r^^.^ 


116 


C.  Domanig:  Einige  Babenberger  Münzen  etc. 


Rev.  (erinnert  an  Rev.  Nr.  2)  Vier  oben  durch  Kreuze  ge- 
trennte, am  Hals  verbundene  Köpfe,  von  weiten  Bogen 
umschlossen. 
Gewicht:  0-88,  1-10  Gr. 

Nr.  11.  Ein  Stück. 

Av.  Dieselbe  Zeichnung  wie  Nr.  10. 
Kev.  Wie  Nr.  10,  doch  sind  die  Köpfe  durch  Punkte  getrennt 
und  um  einen  Punkt  gestellt. 
Gewicht:  8  Gr. 

Einer  ähnlichen  Darstellung  wie  auf  dem  Avers  unserer  Münze 
begegnen  wir  auf  einer  von  Cappe  K.  Otto  IV.  (?)  zugewiesenen 
Münze  (D.  K.  M.,  I.  Taf.  XI,  171)  und  bei  Luschin  (Numism.  Zeit- 
schrift, VIII.  Taf.  V.  n.  237);  an  Stelle  des  Adlers  ist  auf  diesen 
beiden  Exemplaren  eine  Lilie  (?).  Ich  bin  nicht  ungeneigt,  unser 
Bild  auf  die  Achterklärung  Friedrichs  V.,  des  Streitbaren,  zu  beziehen 
und  in  dem  Adler  das  kaiserliche  Wappenthier  zu  erblicken. 
Darnach  müsste  der  Pfenning  zwischen  1236 — 1240  geschlagen  sein. 

Um  das  Dutzend  vollzumachen,  setze  ich  schliesslich  einen 
ohne  Zweifel  noch  jüngeren,  vielleicht  nicht  mehr  babenbergischen 
Denar  hieher,  der  offenbar  gleicher  Fabrik,  durch  seine  Wappen- 
bilder, aber  auch  in  technischer  Hinsicht  durch  seine  nahe  Verwandt- 
schaft mit  sichern  Münzen  König  Rudolfs  (Numism.  Zeitschr. 
Bd.  XIV,  Taf.  XVn.  n.  1.)  sofort  als  Oesterreicher  kenntlich  ist  und 
damit  in  augenfälligster  Weise  den  österreichischen  Ursprung  der 
übrigen  von  uns  mitgetheilten  Münzen  darthut. 

Nr.  12.  Ein  Stück. 

Av.  Ein  Adler  (der  österreichische)  in  einem  mit  vier  Lilien 
ornamentirten  Quadrat,  von  einem  Ringe  umgeben. 
Rev.  Ein  Panther  (der  steierische)   von  Sternchen  begleitet. 
Gewicht:  1-01  Gr. 

Wien,  im  Mai  1885. 


-^CM- 


p^ 


IV. 
Zur  Bracteatenkunde. 

Von 

R.  V.  Höfken. 


Nachdem  einerseits  in  der  Wiener  numismatischen  Zeitschrift 
eine  Skizze  über  die  Bracteatenkunde  noch  nicht  veröffentlicht  wurde, 
anderseits  aber  das  Interesse  für  die  Bracteaten  nun  auch  in  Oester- 
reich  zunimmt,  so  möge  es  mir  gestattet  sein,  in  diesen  Blättern 
einen  Auszug  meines  Vortrages:  „Ueber  das  Wesen  und  die  Ent- 
wicklung der  Bracteaten"  niederzulegen. 

Ueber  die  Geschichte  des  Bracteatenstudiums  wissen  wir,  dass 
die  Gelehrten  des  XVII.  Jahrhunderts,  welche  hin  und  wieder  dies 
Gebiet  betraten,  sich  zwar  um  die  Wissenschaft  selbst  weniger  Ver- 
dienste erworben  haben,  dass  aber  immerhin  ihre  Bemühungen 
dankbar  anerkannt  werden  müssen,  indem  sie  der  Numismatik  ein 
neues  Feld  eröffneten  und  zur  Kehabilitation  jener  Münzen  beitrugen, 
von  welchen  Leuckfeld  erzählt,  man  habe  sie  für  Knopftiberzüge, 
versilberte  Oblaten  gehalten,  auf  ihnen  sogar  magische  Zeichen, 
selbst  den  Teufel  gewittert  und  daher  angelegentlichst  vernichtet. 

Deutschlands  Münzfreunde  begannen  endlich  zu  bemerken,  dass 
nicht  nur  Rom  und  Hellass,  sondern  dass  auch  das  eigene  Vaterland 
interessante  Münzen,  Denkmäler  längst  entschwundener  Zeiten 
besitze. 

Wir  sehen  demzufolge  im  Laufe  des  XVIII.  Jahrhunderts  eine 
erfreuliche  Anzahl  von  Männern  bemüht,  der  Bracteatenkunde  Bahn 
zu  brechen,   auf  sie  die  Aufmerksamkeit  gelehrter  Mllnzfreiinde  zu 


■^K,, 


118 


R.  V.  IKfken: 


lenken,  um  so  eine  neue  Perspective  auf  die  vaterländischen  Cultur- 
verhältnisse  fast  eines  Viertel -Jahrtausends  —  und  nicht  nur  inso- 
ferne  sie  das  Münzwesen  betreffen!  —  zu  erschliessen. 

Ihre  Arbeiten  freilich  sind  jetzt  zum  Theile  veraltet;  die  neuere 
Forschung  hat  ihnen  viele  Irrthümer  nachgewiesen.  Allein,  den 
Boden  hatten  sie  doch  geebnet,  Platz  gemacht  für  Josef  v.  Maders 
numismatisches  Genie,  für  den  Eckhel  des  Mittelalters,  wie  Leitz- 
mann  ihn  nannte. 

Mader  war  es,  welcher  zuerst  dem  Mtinzwesen  des  Mittelalters 
und  speciell  der  Bracteatenkunde  ein  richtiges  Verständniss  und  eine 
richtige  Behandlung  zu  sichern  wusste. 

Seine  Nachfolger  »)  strebten,  auf  die  richtige  Bahn  geleitet, 
muthig  und  unverdrossen  vorwärts ;  hochgelehrte  Männer  gaben  sich 
dem  Studium  der  Bracteatenkunde  mit  Eifer  hin  und  führten  sie, 
begünstigt  durch  interessante  Funde,  der  Vervollkommnung  ent- 
gegen; Männer,  welche  noch  heutigen  Tages  unermüdlich  forschen 
und  arbeiten,  der  Wissenschaft  zur  Ehre,  den  jüngeren  Kräften  zum 
wüidigen  Vorbild ! 

Wenden  wir  uns  nun  zu  den  Bracteaten  selbst.  Bractea  be- 
zeichnet ein  dünnes  Metallblech  (ß^sa/iTv  knistern,  rauschen),  im 
Gegensatze  zu  lamina,  der  dicken  Metalltafel.  Bracteat  ist  im 
Grunde  also  jede  Dünnblechmünze  und  es  wäre  daher  vielleicht 
zutreffender,  von  ein  und  zweiseitigen  Bracteaten,  als  von  „eigent- 
lichen" Bracteaten  und  „Halbbracteaten"  zu  sprechen. 

Beide  Arten  aber  wurden  im  Mittelalter,  wie  die  Dickpteunigc, 
„denarii^,  Pfennige,  local  auch  wohl  Struffen  oder  Straubpfennige 
genannt,  weil  sie  nicht  dicht  zusammengepackt  werden  konnten, 
sondern  viel  Baum  einnahmen,  sich  sträubten  2);  das  Wort  „Bracteat" 
ist  jüngeren  Ursprungs  und  verdankt  sein  Vorhandensein  der 
Wissenschaft. 

Dass  die  Chronik  uns  nichts  über  das  Aufkommen  der  Brac- 
teaten, jener  von    den   bisherigen  Dickdenaren  so   verschiedenen 


1)  Eine  detaillirte  Aufzählung  aller  Autoren  und  ihrer  Werke  würde  hier 
den  Leser  zu  sehr  ermüden;  übrigens  erscheint  eine  solche  im  „Archiv  für 
Bracteatenkunde. " 

2)  Schmidcr,  Handwörterbuch  der  gesammten  Münzkunde.    1811.  pag.  67. 


Zur  Bracteateukundf.  119 

Münzen,    erzählt,    findet   in    der    Entstehungsweise    der    ersteren 
einige  Begründung-, 

•  Der  Uebergauij,-  von  den  Dickdenaren  zu  den  zweiseitigen  Dünu- 
denaren,  von  diesen  zu  den  einseitigen,  war  ein  so  natürlicher, 
durch  Umstände  bedungener,  in  seiner  Entwicklung  unbemerkter, 
dass  die  Geschichtsschreiber  es  füglich  der  Nachwelt  überlassen 
konnten,  sich  darüber  den  Kopf  zu  zerbrechen. 

Die  natürlichste  Erklärung  für  die  Entstehung  der  Bracteaten 
dürfte,  mit  Uebergehung  all  der  verschiedenen  älteren  Ansichten, 
die  nachfolgende  sein. 

Man  fand  gegen  Ende  des  11.  Jahrhunderts,  als  in  Deutsch- 
land noch  der  Dickdenar  üblich  war,  mehr  und  mehr  Gefallen  an 
den  umfangreicheren  Münzen  romanischer  und  orientalischer  Staaten. 

Um  der  Beliebtheit  ihrer  Münze  nicht  Eintrag  zu  thun,  suchten 
einzelne  Münzbereclitigte  dieser  neuen  Geschmacksrichtung  ent- 
gegenzukommen, indem  sie  grössere  Denare  schlagen  Hessen,  welche, 
da  der  alte  AYerth  ihnen  innewohnen  und  die  alte  Rechnungsweise 
beibehalten  werden  sollte,  im  selben  Verhältniss  dünner  werden 
mussten,  als  ihr  Umfang  zugenommen  hatte. 

Die  Folge  dieser  Dünne  aber  war  die  Zerstörung  des  Gepräges 
der  einen  Seite  durch  die  Prägung  der  andern. 

So  beschaffene  zweiseitige  Dünndenare,  welche  wir  heute  Halb- 
bracteaten  nennen,  waren  dem  damals  bereits  fortgeschrittenen 
Kunstsinne  zuwider.  Von  Erfurt  und  Nordhausen  s)  kennen  wir 
Dünndenare,  welche  auf  der  einen  Seite  die  Umschrift,  auf  der 
andern  das  Münzbild  führen;  vielleicht  haben  wir  hierin  einen  Ver- 
such zu  erblicken,  trotz  des  dünnen  Schrötlings  ein  schöneres  Gepräge 
zu  fertigen  und  der  gegenseitigen  Zerstörung  derselben  vorzubeugen. 

Allein  dieser  Ausweg  konnte  schon  desshalb  keinen  Anklang 
finden,  weil  sich  durch  Ausbreitung  des  Handels  und  Entfaltung 
eines  regeren  Verkehres  überhaupt  ein  grösserer  Bedarf  an  Zahl- 
mitteln geltend  machte,  in  Folge  dessen  die  Manipulation  des  MUn- 
zens  eine  möglichst  leichte,  rasche  und  billige  sein  musste. 

Natürlicher  war  es  also,  die  Prägung  der  einen  Seite  ganz  weg 
zu  lassen,  zum  einseitigen  Dünndenar  überzugehen,  welche  Münze  — 

8j  Fr.  V.  Posern-Klett,  pag.  58  imd  Nr.  U4— 150;  v.  Mader,  Vers.  Nr.  99 

und  100. 


:■;-•■>  ■^'^i'f,:'5;>jP?5F,S:-^,'y?^-''^P**^ 


120 


R.  V.  nöfken : 


unser  Bracteat  —  allenthalben  Beifall  fand :  Bild  und  Umschrift  war 
auf  einer  Seite  vereinigt,  ein  zweiter  Stempel  erspart,  das  Ver- 
fahren einfach,  die  Herstellung*  weniger  kostspielig,  die  leichte  Theil- 
barkeit  der  Münze  eine  angenehme  Beigabe.  *) 

Die  Bracteaten  waren  anfänglich,  wie  ihre  Vorgänger,  von 
flachem  Gepräge;  allmählich  jedoch  machte  sich  der  damalige  Ge- 
schmack an  getriebener  Metallarbeit  auch  bei  der  Münze  geltend : 
sie  nahm  ein  Reliefgepräge  an.  Dr.  Schöneraann  5)  weist  sehr  richtig 
auf  den  Aufschwung  deutschen  Kunstfleisses  im  12.  Jahrhundert, 
auf  die  Ausbildung  der  Reliquienbehälter,  der  in  Silber  und  Kupfer 
getriebenen  Deckel  der  Evangelienbücher  und  Plenarien  hin. 

Nur  dieser  Kunstrichtung  verdanken  wir  jene  schönen,  überaus 
kunstvollen  Bracteaten,  welche  angethan  sind,  auch  dem  Laien  leb- 
haftes Interesse  einzuflössen. 

Was  nun  die  Fabrikation  anbelangt,  so  wissen  wir  bis  jetzt, 
dass  der  Stempel  bei  der  Prägung  entweder  nach  oben  gerichtet 
war,  der  Schrötling  auf  diesen  hinauf  gelegt  und  mit  einem  Hammer, 
zur  Schonung  des  Stempels  an  seiner  Aufschlagfläche  wohl  mit  Leder 
oder  dergleichen  versehen,  eingetrieben  wurde;  oder  der  Stempel 
ward,  nach  unten  gerichtet,  auf  das  Silberblech, «)  unter  welchem 
sich  vermuthlich  eine  Blei-,  Leder-  oder  Filzunterlage  ')  befand,  auf- 
gesetzt und  mittelst  Hammerschlages  die  Prägung  vollzogen.  Die 
letztere  Methode  war  jedenfalls  die  praktischere,  gewiss  mehr  ver- 
breitete. Ueber  den  Stempel  selbst  wird  uns  in  Professor  Luschin 
vonEbengreuth'sPublication  „derBracteatenstempel  von  Lette witz"  ») 


*)  Das  Zerstückeln  der  Münzen  war  auch  in  späteren  Zeiten  oftmals  ein 
natürlicher  Nothbehelf  bei  Mangel  an  Kleingeld;  selbst  zu  Anfang  dieses  Jahr- 
hunderts noch  war  es  z.  B.  bei  den  Indianern  Sitte,  die  goldenen  Eagles  (Zehn- 
dollarstück) mittelst  Messers  oder  Dolches  durch  einen  gewandten  Schlag  in 
zwei  Hälften  zu  theilen. 

5)  Zur  vaterländischen  Münzkunde  vom  12.  bis  15.  Jahrhundert,  pag.  2. 

6)  Das  zur  Bracteatenprägung  verwendete  Metall  war  Silber,  zu  ver- 
schiedenen Zeiten  und  Orten  von  verschiedener  Qualität;  goldene  Bracteaten 
sind  Absehläge  aus  neuerer  Zeit  und  entbehren  jedes  numismatischen  Werthes. 

7)  Cfr.  in  der  Berliner  Zeitschrift  für  Numismatik  XI,  pag.  88.  A.  v.  Sallet's 
Entgegnung  auf  die  in  der  Wiener  numismatischen  Zeitschrift  erschienene  Be- 
sprechung von  H.  Halkes  „Einleitung  in  das  Studium  der  Numismatik." 

8)  Wiener  Numismatische  Zeitschrift  1881. 


Zur  Bracteatenkunde. 


121 


Aufklärung  zu  Theil;  es  sei  daher  der  Vollständigkeit  halber  ge- 
stattet, die  Hauptpunkte  daraus  anzuführen: 

Dem  Stoffe  nach  gibt  es  noch  Originalstempel  zu  Bracteaten 
aus  Bronze  und  Eisen. 

Ihre  Herstellung  erfolgte  entweder:  a)  durch  Guss,  und  dies 
gewährte  den  Vortheil,  dass  man  von  einer  Patrize  eine  beliebige 
Anzahl  von  Matrizen  abformen  konnte;  b)  durch  Gravirnng  des  ge- 
schmiedeten Eisenkornes,  wobei  jedoch  schon  frühzeitig  die  Nach- 
hilfe durch  Punzenschläge  üblich  erscheint. 

Die  Frage,  warum  trotz  der  grossen  Mannigfaltigkeit  der  Brac- 
teaten nur  wenige  Stempel  erhalten  blieben,  könnte  nicht  besser 
beantwortet  werden,  als  durch  Professor  von  Luschin's  eigene 
Worte  (a.  a.  0.): 

,. Besondere  Gründe  zur  Aufbewahrung  der  Stempel  lagen  nicht 
vor,  eher  rieth  die  Vorsicht  zur  Vernichtung,  um  spätere  Fälschun- 
gen auszuschliessen,  ganz  ebenso,  wie  die  gleiche  Ursache  in  den 
Kreisen  der  Siegelberechtigten  zur  Zertrümmerung  des  Typars 
nach  dem  Tode  des  früheren  Eigners  führte.  Aber  auch  die  Be- 
schaffenheit des  Materials,  aus  welchem  die  Matrizen  hergestellt 
wurden,  hat  oft  deren  Untergang  in  alter  Zeit  veranlasst.  Es  empfahl 
der  Werth  des  Rohmaterials  die  Wiederverwendung,  da  im  Mittel- 
alter die  Metalle  überhaupt,  Eisen  und  Stahl  insbesondere,  ungleich 
höher  im  Preise  standen,  als  heutzutage.  Erwägt  man  endlich  die 
geringe  Widerstandskraft  des  Stahles  und  Eisens  gegen  Rost,  so 
kann  es  nicht  Wunder  nehmen,  dass  die  Zahl  der  echten  Münz- 
stempel aus  dem  Mittelalter  ungemein  gering  ist." 

Es  ist  ausser  Zweifel,"dass  alle  Bracteaten  als  ZahlungsmUnzen 
dienten;  dies  beweisen  nicht  nur  die  Worte  denarius,  moneta, 
numus,  sowie  die  Fundverhältnisse,  sondern  auch  der  Mangel 
jeder  Zeit-  und  Begebenheitsangabe  auf  Bracteaten.  Die  übliche 
Münzerneuerung  war  überhaupt  nicht  angethan,  die  Idee  einer 
Denkmünze,  einer  Verewigung  merkwürdiger  Geschehnisse  auf 
Münzen,  aufkommen  zu  lassen. 

Dessen  ungeachtet  besitzen  wir  Bracteaten,  welche  unverkenn- 
bar eine  historische  Begebenheit  versinnbildlichen,  die  daher  wohl 
als  Vorläufer  späterer  Gelegenheitsmünzen,  wie  Geschichtsthaler 
u.  dgl,  anzusehen  sind. 


?^?t^^r .  ^> ',  i..^  ■  A  4»"*' f."  ^"^^vß 


122 


R.  V.  Höfken : 


Sie  dürften  vorzüglich  beim  Regierungsantritte  eines  Fürsten 
—  ich  erinnere  z.  B.  an  jenen  Bracteaten  auf  Bernhards  von  Anhalt 
Besitzergreifung  des  Herzogthums  Sachsen»)  —  üblich  gewesen 
und  der  Verpflichtung  des  Stempelschneiders  zu  danken  sein,  dem 
neuen  Pfenning  ein  vom  alten  verschiedenes  Gepräge  zu  geben. 
Jeder  passende  Vorwurf  zu  einem  neuen  Münzbilde  wurde  mit 
Freuden  ergriffen  —  namentlich  wenn  anzunehmen  war,  dass  er 
dem  Geschmacke  des  Landesherrn  entsprechen  dürfte  —  und  auf 
diese  Weise  mit  der  Zahlungs-  eine  Denkmünze  geschaffen.  Auch 
andere  historische  Begebenheiten,  wie  den  Märtyrertod  des  heiligen 
Stephan  10)^  ferner  merkwürdige  Ereignisse  anderer  Natur  n)  u.  dgl 
mehr,  sehen  wir  geschickt  und  verständnissvoll  ausgenützt. 

Jedoch  waren  als  leicht  ersichtliche,  in  Folge  der  Münzerneue 
rung  nothwendig  gewordene,  Unterscheidungsmerkmale  zwischen 
neuen  und  alten  Pfenningen  auch  nur  Kreuze,  Ringel,  einzelne 
Buchstaben  etc.  unter  Beibehaltung  der  übrigen  Zeichnung  genügend 
und  gebräuchlich. 

Die  Münzerneuerung,  wie  wir  im  Sachsenspiegel  lesen,  anfang- 
lich wohl  nur  bei  dem  Regierungsantritt  eines  Fürsten  üblich, 
artete  später  zu  einem  Unfug  bedenklichster  Art  aus. 

Wenn  schon  die  münzberechtigten  Herren  ihre  Säckel  auf 
Kosten  der  Unterthanen  nach  Möglichkeit  zu  füllen  bedacht  waren, 
so  gestalteten  sich  die  Verhältnisse  ganz  besonders  ungünstig  für 
Land  und  Leute,  wenn  die  Münze  an  gewissenlose  Pächter  über- 
geben war,  wesshalb  wir  auch  durchwegs  das  Bestreben  der  Bürger- 
schaft, die  Münze  an  sich  zu  bringen,  oder  wenigstens  dieselbe 
beeinflussen  zu  können,  wahrnehmen. 

Die  Pfennige  blieben  nur  durch  ein  Jahr,  mitunter  sogar  nur 
durch  ein  halbes,  im  Umlaufe,  um  dann  eingezogen  und  gegen  ein 
bedeutendes  Aufgeld  durch  neue,  in  späterer  Zeit  meist  minder- 
werthige,  ersetzt  zu  werden. 

Wie  störend  solche  Umstände  auf  Handel  und  Wandel  ein- 
wirken mussten,  bedarf  keiner  weiteren  Erörterung. 


n 


9)  S.  Dr.  Elze's  „Münzen  Bernhard's  von  Anhalt"  I.  Heft,  h. 

10)  S.  Pastor  Stenzel's   „Bracteatenfund  von  Freckleben"   Nr.  34  und  35. 

11)  Sehr  interessant  und  lehrreich  ist  diesbezüglich  Herrn  v.  Graba's  Ab- 
handlung „St.  Mauritius  oder  Dionysius?"  fZeitsch,  tur  Numism.  VIIL,  pag.  17.) 


mm^' 


Zur  Bracteatenkunde.  J.äÖ 

Bei  grösseren  Zahlungen  wurden  die  Bracteaten,  gleich  den 
zweiseitigen  Denaren,  gemeiniglich  nach  Pfunden,  Ferdingen  (der 
4.  Theil  der  Mark)  und  Lothen  (der  16.  Theil)  berechnet i").  An- 
fänglich war  das  Zählpfund  oder  Talent  dem  Gewichtspfunde  oder 
Mark  äquivalent.  Im  13.  Jahrhundert  sank  ersteres  jedoch  durch 
die  stete  Verschlechterung  des  Geldes  so  sehr,  dass  man  ausdrück- 
lich auf  gewogene  Marken  handelte,  sich  geläutertes  Silber  ver- 
schreiben Hess  oder  die  Prüfung  des  in  Zahlung  anzunel)nienden 
Silbers  vorbehielt. 

Die  Epoche  der  eigentlichen  Bracteaten  fällt  in  die  Zeit  vom 
12.  bis  Ende  des  14.  Jahrhunderts;  im  ersten  Viertel  des  12.  Säcu- 
lums  wurden  die  schönsten  Exemplare  verfertigt,  während  schon 
ungefähr  vom  13.  Jahrhundert  an  mit  der  Kunst  allmälig  auch  der 
Feingehalt  der  Münze  abnahm. 

So  gibt  V.  Posern-Klett  in  seinem  berühmten  Werke  über 
Sachsens  Münzen  im  Mittelalter  ein  interessantes  Beispiel  des  Ver- 
falles der  Münze  zu  Erfurt.  Dort  wurden  aus  einer  Mark  geprägt: 
um  das  Jahr  1150  ungefähr  260  Pfennige;  50  Jahre  später  330; 
abermals  nach  50  Jahren  440  und  um  das  Jahr  1300  bei  TOOPfennige. 

Es  würde  zu  weit  führen,  wollten  wir  hier  auf  die  den  ver- 
schiedenen Münzstätten  eigenthümlichen  Typen  13)  oder  auf  erstere 
selbst  eingehen.  Nur  kurz  sei  erwähnt,  dass  die  Bracteaten  beson- 
ders im  damaligen  Ober-  und  Niedersachsen,  Schwal)cn,  der  Lau- 
sitz, in  Polen  und  Böhmen  üblich  waren. 

Als  Nachfolger  der  Bracteaten  —  diese  blieben  nur  in  einzelneu 
Städten,  wie  Braunschweig,  Erfurt,  Goslar,  mehr  Kupfer  wie  Silber 
enthaltend,  länger  im  Gebrau cli  —  sind  die  Hohlpfenniugc  anzu- 
sehen, welche  die  Stelle  einer  Theilmünze  des  Groschens  einnahmen 


12)  Näheres  s.  u.  n.  in  Dr.  Bode's  „älterem  Münzwesen  der  Staaten  und 
Städte  NiedersMchscns." 

i3j  Trotz  des  eingehendsten  Studiums  derselben  wird  die  Bestimmung: 
und  richtige  Zutheilung  oftmals  sehr  erschwert  durch  die  mittelalterliche  MUnz- 
nachahmung  der  Nachbarstaaten  untereinandtu-,  von  welchen  joder  seinen  Pten- 
ningen  ein  möglichst  grosses  Umiaufsgebit^t  sichern  wollte.  Dieser  Absicht 
verdanken  wir  zum  grossen  Theil  die  oft  sinnlosen  Umschriften  und  di«'  leicht 
auf  falsche  Fährte  bringende  Imitation  der  Vorstellung  auf  dem  UrstUeke. 
Cfr.  Zeitschr.  für  Numism.,  XII,  pag.  31)1;  Dr.  H.  A.  Erbstoins  Mllnzfund  von 
Trebitz-,  etc.  etc. 


.■  >;>'*^r-i^SlS^5^,  ^'^■J<JiW2 


124 


R.  V.  Höfken :  Zur  Bracteatenkunde. 


und  ein  weit  grösseres  räumliches  Gebiet  umfassten,  als  ihre  Vor- 
gänger. 

Schliesslich  sei  noch  der  Falsificate  Erwähnung  gethan,  an 
welchen  leider  auch  kein  Mangel  und  die  sich  unversehens  i*)  hie 
und  da  in  ältere  Werke  eingeschlichen  haben.  Die  neuere  For- 
schung verfolgt  ihre  Spuren  i^)  und  lässt  sich  nicht  leicht  mehr  irre- 
führen. Denn  mag  das  Falsum  noch  so  täuschend  „alt  gemacht" 
sein,  der  Zahn  der  Zeit,  das  Charakteristische  der  Zeichnung  und 
der  Buchstaben  lässt  sich  kaum  glücklich  imitiren.  — 

Naturgemäss  musste  bei  dieser  Skizzirung  der  allgemeinen 
Gesichtspunkte  über  die  Bracteaten  den  Münzkundigen  manch 
längst  Bekanntes  wiederholt  werden;  sie  mögen  es  gütig  hinneh- 
men und  sich  mit  der  Hoffnung  trösten,  dass  diese  kleine  Ab- 
handlung vielleicht  doch  da  und  dort  Anregung  geben  und  unserem 
Specialstudium  neue  Freunde  zuführen  werde. 


1*)  Bei  Seeländers  „zehen  Schriften  von  teutschen  Müntzen"  ist  das  Wort 
„unversehens"  nicht  gar  genau  zu  nehmen. 

15)  So  sind  in  v.  Posem-Klett's  oben  angeführtem  Werke  viele  Falsa 
kritisch  beleuchtet  und  abgebildet;  feraer  in  M.  Donebauer's  „Fälschungen 
böhmischer  Münzen  und  deren  Stempel"  (Wiener  numismatische  Zeitschrift 
1880)  u.  a.  m. 


V. 
Nachträge 


zu 

meinen  früheren  Aufsätzen  in  dieser  Zeitschrift. 

Von 

H.  Dannenberg. 

(Hiezu  Tafel  VIII.) 


In  je  kräftigerer  Entwicklung  eine  Wissenschaft  sich  befindet, 
um  so  mehr  Anhänger  wird  sie  gewinnen,  da  jeder  hoffen  darf,  zu 
ihrer  Bereicherung  beitragen  zu  können.  Dass  unter  diesen  stetig 
fortschreitenden  Wissenschaften  unsere  Münzkunde  nicht  die  letzte 
Stelle  einnimmt/  das  wird  man  recht  gewahr,  wenn  man  nach  Ver- 
lauf einiger  Zeit  eigene  oder  fremde  numismatische  Abhandlungen 
einer  Prüfung  unterwirft,  man  wird  dann  bald  inne,  wie  beträchtlich 
inzwischen  unsere  Erkenntniss  gewachsen,  denn  auch  wenn  die 
grösste  Sorgfalt  auf  sie  verwandt  ist,  werden  Berichtigungen  sowohl 
als  Ergänzungen  auf  Grund  neu  entdeckten  Stoffes  sich  an  ans 
herandrängen.  Die  daraus  erwachsende  Pflicht  zu  solchen  Besserun- 
gen möchte  ich  im  Nachstehenden  bezüglich  dreier  in  diesen 
Blättern  veröffentlichten  Abhandlungen  aus  meiner  Feder  erfüllen. 

I.  Deutsche  Inschriften  auf  Mittelaltermünzen  {s.M.  11,  6.  517). 

a)  Berichtigungen. 

Nr.  1.  Edl  Robertus  comes  durfte  zu  streichen  sein;  ich  möchte 
Grote's  Ansicht  beitreten,   der  (Mtinzstud.  VE.,  S.  446)  von  den 


-^■\  T    ■^■"^4-    i^i'.Tn^fTw.wsp?*^^ 


i-^^  H.  Daunenberg:  Nachträge 

bekannten  Luxemburgischen  Sterlingen  Johanns  von  Böhmen  mit 
Eiwanes  oder  Ediwanes  sprechend,  in  denen  man  jetzt  wohl  allge- 
mein keine  slavische  Wortform  mehr  sieht,  sondern  lediglich  das 
Bestreben,  sie  dem  Auge  als  englische  Edwards-Münzen  erscheinen 
zu  lassen,  daran  die  Bemerkung  knüpft,  es  lasse  sich  auf  ebendie- 
selbe Weise  wohl  auch  des  Edl  Robertus  des  Flandrischen  Grafen 
Robert  von  Bethune,  sowie  das  Edl  Wilhelmus  des  Grafen  Wilhelm 
von  Namur  erklären. 

Nr.  3.  Ein  Englisch  ganz  gleichen  Gepräges,  aber  mit  Margre 
comi,  der  auf  der  Rückseite  die  Münzstätte  Ratingen  nejint  (Münz- 
stud.  VIL,  S.26,  Nr.  22,  Taf.III,  22),  macht  es  doch,  trotzdem  Vrouwe 
eine  Uebersetzung  von  domina,  nicht  von  comitissa  ist,  sehr  glaub- 
lich, dass  wir  dessenungeachtet  in  dieser  vrouwe  Margaretha  eben- 
dieselbe Gräfin  von  Berg  zu  erblicken  haben. 

Nr,  7.  Grote  bemerkt  bezüglich  dieser  Münze  (Münzstud.  VII., 
S.  74'.  Anmerkung):  „dass  die  Umschrift  des  Heinsbergischen 
Wappen  -  Turnosen  (Nr.  7)  Her  Goderte  er  van  Henb  weder,  wie 
Mader  lesen  wollte,  „Herr  God(fried)  dritter  Erbe",  noch,  wie 
Dannenberg  lesen  will  „dritter  Herr",  sondern  Her(r)  Goderte, 
(H)er(r)  van  ne(i)n(s)b(erg)  zu  lesen  ist.  „ Goderte ''  ist  das  nieder- 
deutsche Diminutiv  des  abgekürzten  Gode,  sowie  Götz  die  ober- 
deutsche Abkürzung.  —  Diese  Erläuterung  der  Umschrift,  die  doch 
wohl  ohne  Frage  die  richtige  ist,  wurde  mir  einst  von  Boiil  mündlich 
mitgetheilt.'' 

Nr.  12.  In  dem  Wilhelm  dieses  Turnosen  habe  ich  inzwischen 
(s.  V.  Sallet  Zeitschr.  f.  Numism.  X.,  S.  231")  den  Burggrafen  Wil- 
helm von  Hammerstein  (1357 — 1410)  ermittelt. 

bj  Neues. 

Nr.  29.  Dirk-Loef  von  Hörn  (t  1390). 

LOVIGVS :  Dai :  GKKCVK  i  hWcta  i  VTTR  hOR :  G  i  TILTGR  (v.  d. 

Chijs,  munten  der  leenen  van  Brabant  S.  135,  Taf.  XI,  2). 


I 


zu  meinen  früheren  Aufsätzen  in  dieser  Zeitschrift.  127 

Nr.  30.  Arnold,  Herr  von  Steyn  (urkundlich  1381). 
höR'  TTRnOLDVS  t  VÄR  STetma  (Kab.  d.  Gartheschen  Münz- 
sammlung, Köln  1884,  Nr.  7686).  Im  k.  Münzkab.  zu  Berlin. 

Nr.  31.  Otto  L,  Graf  von  Geldern  (1182—1207). 
►^  GieVeOTT  (Rev.  num.  Beige  V,  Bd.  VI.,  S.  269,  Taf.  IX,  1 ; 
s.  auch  V.  d.  Chijs  Utrecht  VI,  1,  2,  XXX,  I). 

Nr.  32.  Adolf,  Herzog  von  Berg  (1408  —  1423). 
TTDOLPhVS  •  DVK  •  30  •  Döflß  •  BORG  •  i  •  GOflßöS  (Münz- 
stud.  VII,  S.  74  ^  Nr,  59  B,  Taf.  XVIII,  59  B). 

Nr.  33.  Adolf,  Graf  von  Waldeck,  1214—1270. 
+  ALF   COMGS   DG   WKh   (Plato,   Sendschr.,   Taf.  II,  40, 
Münzstud.  V,  S.  103.) 

Nur  die  deutsche  Namensktirzung  „Alf"  berechtigt  zur  Erwäh- 
nung dieses  Denars. 

Nr.  34.  Heinrich  IV.,  Herzog  von  Braunschvreig-Salzderhelden 
(1463—1526). 

DVXShRIC'TOSBRVSW  (Münzkab.  d.  Grafen  Jnn-  &  Knyp- 
hausen  Nr.  7326). 

Nr.  35.  +  hIRIC§T0§BRVRSSI5IZ  ßr.  oflßORG*nOV'Ä 
TO^DG^SOLTh  (Num.-sphragist.  Anzeiger  v.  Walte  und  Bahr- 

feldt,  1881,  S.  21.) 

Nr.  36.  Mark  Brandenburg,  Ende  des  XIII.  Jahrhunderts). 
STGHDALGSCHe    (seil.   Muncz.).    (Weyl,   Rerl.  Mjiir/>i •'>♦"• 
1882,  S.  270;  v.  Sallet,  Zeitschr.  X,  S.  126). 

Nr.  37.  Glatz.  Ulrich,  Graf  zu  Hardegg  (1501—1525). 

VLRICH  o  GKKB  3 V  o  hTtRDGQ  IJ;.  SXlÖUaT  o  1^0 VK  o  TTV  Rö 
03VOGLOG3  (Berl.  Blätter  für  Münzkunde  LH,  S.  285,  Taf. 
XXXIX,  1). 

Nr.  38.  OVLRICHOGR0POC3VO6L0C5  (Ebenda  Taf. 
XXXEK.  2). 


■  ^ ;  ■  ,  i?V'-:cc/:'^-*5Ä" 


128 


H.  Danneuberg:  Nachträge 


Nr.  39.  Neisse.  Wenzel  König  von  Böhmen  (1378—1419). 
4-  naiSÖR^höLL'  (d.  h.  haLLaR)    (v.  Sallet,  Zeitschr.  V, 

S.  288). 

Nr.  40.  Burchard^  Bischof  von  Augsburg  (1373  —  1404). 
BVRKHRT   BISCHOF   I  •  HVGSPVRG    (J^'.    O^ORÖTH    IXl 

Die  Kenntniss  dieser  interessanten  Münze,  welche  sich  im 
königl.  MUnzkabinet  zu  München  betiiidet,  verdanke  ich  Herrn 
Dr.  Riggauer  daselbst. 

Schliesslich  mögen  noch  die  räthselhaften  westfälischen  Denare 
mit  HIR  STEID  TE  BISGOP  (Dannenberg  Mz.  d.  Sachs,  u.  Kaiserz. 
Nr.  1220—1223,  v.  Sallet  Zeitschr.  XL,  S.  304)  aus  der  Mitte  des 
elften  Jahrhundertes  erwähnt  sein,  von  denen  es  jedoch,  trotz  Grotes 
Ausführungen  in  den  Münzstud.  VII.,  S.  103,  wohl  noch  recht 
zweifelhaft  ist,  ob  sie  wirklich  eine  deutsche  Inschrift  tragen.  Mit 
mehr  Recht  könnte  man  wohl  als  Vorläufer  der  in  Rede  stehenden 
Münzklasse  gewisse  Denare  derselben  Zeit  betrachten,  welche  statt 
der  gebräuchlichen  lateinischen  Städtenamen  Argentina,  Ratisbona, 
Juvavium  die  deutschen  Namensformen  Stratburc,  Regnesburc  und 
Salzburg!)  aufweisen  (Dannenberg  a.  a.  0.  911,  912,  llOOa,  1152, 
V.  Sallet  Zeitschr.  XL,  S.  300,  Nr.  270). 

IL  Nachträge  zu  BohFs  Buche  über  die  Triersehen  Münzen 

(Bd.  III,  S.  546). 

a)  Berichtigungen. 

Der  Denar  mit  B'D'LI  (nicht  hY)  S.  551  gehört  dem  Stifte 
Toul,  die  Inschrift  ist  zu  lesen:  LIB'D'  =  Liverdun,  also  mit  der 
MOHÖTTk  der  Schwertseite  zu  verbinden ;  die  Stellung  der  Buch- 
staben der  Hauptseite  entschuldigt  den  Irrthum  (s.  rev.  Fran^.  1874, 
S.  173,  catal.  Monnier,  Paris  1874,  Nr.  1206). 


1)  Auch  Dannenberg  1115  hat  SALZPVRCH. 


zu  meinen  früheren  Aufsätzen  In  dieser  Zeitschrift.  \*2i} 

b)  Neues. 

1.  Erzbischof  Cuno  IL  von  Falkenstein,  1362—1388. 
aV«0 :  TTRÖPS  — :  TReVeCRGRS  der  heilige  Petrus  mitKreuz- 

stab  und  Schlüssel,  halben  Leibes,  Itber  dem  Falkenstein'schen 
Schilde.  Rs.  DÖVS  — m'RO  -  HlPe  — TVOD  langes  Kreuz,  in 
jedem  Winkel  3  Kugeln.  —  In  meiner  Sammlung.  (Taf.  VIII,  Nr.  1.) 

Dieser  aus  der  Garthe'schen  Sammlung  (Nr.  5697)  stammende 
Englisch  ist  bemerkenswerth  wegen  des  Spruches  der  Rückseite. 
Denn  alle  übrigen  Trierschen  Münzen  des  Mittelalters  geben  uns 
nur  die  Namen  und  Titel  der  Mtinzherren  sowie  die  Prägstätten  an, 
niemals  aber  enthalten  sie,  von  dem  Turnosen-Spruche  „Christus 
vincit  etc."  abgesehen,  religiöse  Sprüche.  Wie  übrigens  das  D  am 
Schlüsse  der  Inschrift  zu  deuten,  weiss  ich  nicht;  auf  den  Stral- 
sunder Witten  lautet  der  Spruch:  Dens  in  nomine  tuo  salus.  Also 
etwa:  da  salutem?  da  gloriam?  da  pacem?  Oder  soll  man  einen 
Stempelfehler  annehmen,  wie  in  dem  TRÖVeRÖRS? 

2.  Erzbischof  Johann  IL,  Markgraf  von  Baden,  1456  —  1503. 
lOhSÄRo  _  oaPSTRa  St.  Petrus  mit  Schlüssel  und  Kreuzstab 

in  halber  Figur  über  dem  gevierteten  Trier-Badischeu  Wappen- 
schilde. ?f.  ^On(e)  ^ROVK  — BGRI^  -  olo/oz  durchgehendes 
Blumenkreuz,  in  den  Winkeln  die  Wappen  von  Mainz,  Trier  Bayern 
und  Köln. 

Gew.  MO  Gr.  —  In  meiner  Sammlung.      Taf.  VIII,  Nr.  2. 

Bis  zu  Bohl  kannte  man  Bernkasteier  Münzen  nur  vom  Er/- 
bischofe  Richard  (1511 — 1531).  Dieser  Schriftsteller  fügte  einen 
halben  Raderalbus  seines  Vorgängers,  Jakob  IL,  vom  Jahre  1503 
hinzu.  Unser  halber  Raderalbus  tritt  also  als  das  älteste  Denkmal 
der  ephemeren  Bernkasteier  Münzstätte  an  die  Spitze  dieser  kleinen 
Reihe  und  verdient  Beachtung  auch  wegen  der  Seltenheit  seines 
Gepräges,  das  nur  noch  auf  dem  eben  erwähnten  halben  Raderalbus 
von  1503  und  dem  von  mir  in  dieser  Zeitschrift,  Bd.  III,  S.  555 
(Taf.  XIII,  11)  bekanntgemachten  Koblenzer  Groschen  von  1505 
vorkommt.  Uebrigens  kann  die  Jahrzahl  füglich  nicht  anders  als 
vorstehend  angegeben  gelesen  werden,  obwohl  nur  I. .  .OZ  ganz 
deutlich  ist. 


130 


H.  Danuenberg:  Nachträge 


3.  Erzbischof  Jakob  II.,  Markgraf  von  Baden  1503 — 1511. 

HOna  KO  -  ÄVReÄ  I/OÄ  Der  Heiland  auf  einem  gothischen 
Throne  sitzend,  mit  segnender  Kechten  und  Evangelium  (?),  zu 
seinen  Füssen  der  Trier'sche  Schild  mit  Badischem  Herzschildchen. 
5?  ^lÄaOB'  -  ^ÄRaP'-K  —  ÄTReve'  im  Drelpass  der  ge- 
viertete  Trier-Badische  Schild,  in  den  Ecken  die  Wappen  von  Mainz, 
Köln  und  Bayern.  —  Goldgulden  meiner  Sammlung. 

(Taf.  YIII,  Nr.  3.) 

Von  den  bisher  bekannten  drei  Goldgulden  dieses  Herrn 
wesentlich  unterschieden  nicht  bloss  durch  die  Jalirzahl,  sondern 
auch  von  den  im  Gepräge  ähnlichen  von  1502!  (Bd.  III,  S.  554, 
Taf.  XIII,  9  dieser  Zeitschr.)  dadurch,  dass  hier  Jakob  nur  erst  als 
confirmatus  erscheint,  von  den  zwei  Bohrschen  aber  von  1505  durch 
deren  Umschriften  mon.  aurea  Ren.  und  Rene. 


III.   Die    Goldguldeu    vom    Florentiuer    Gepräge   (Bd.  Xll, 

Nr.  23«;.  Gaston  III  Phoebus,  Graf  von  B^arn,  1343—1391. 

4-  PEBVS  — aOMES  Lilie  ^-S-IOHTI—IIMES-B  Beizeichen 
Helm.  —  Im  MUnzhandel.  (Taf.  YHI,  Nr.  23  a.) 

Nr.  43  b).  Venaissin.  Papst  Johann  XXII,  1316—1334. 

Gekreuzte  Schlüssel  GOMES  -  VEHSI  gekreuzte  Schlüssel,  im 
Felde  die  Lilie.  ^  S-IOHÄ  — HHES  B  gekreuzte  Schlüssel  als  Bei- 
zeichen. —  Sammlung  Marignoli  in  Rom  (Rossi  ragionamento 
suir aurea  moneta  di  papa  Giovanni  XXII,  Roma  1881). 

(Taf.  Vni,  Nr.  43  b.) 

Rossi,  dem  wir  die  Bekanntschaft  mit  diesem  interessanten 
Stücke  verdanken,  führt  zugleich  aus,  dass  Nr.  43  und  43  a)  von 
Clemens  VI.  (1342—1352)  geschlagen  sind,  der  zur  Bezahlung  von 
Avignon  an  die  Königin  Johanna  i.  J.  1348  die  Summe  von  80.000  Gold- 
gulden bedurfte,  oder  vielleicht  zum  kleineren  Theile  von  Urban  V. 


I 


vT^r^''^^ 


zu  meinen  friihtren  Aufsätzen  in  dieser  Zeitschrift.  131 

1 362—1370,  der  gleich  JohannXXII.  von  derRepublik  Florenz  1368 
die  Erlaubniss  erhielt,  Floreiien  nach  dem  Vorbilde  der  ihrigen  zu 
prägen.  —  Uebrigens  entbehrt  die  Rossi'sche  Abbildung  jeder  Styl- 
treue  in  so  hohem  Grade,  dass  ich,  wenn  auch  ungern,  nicht  umhin 
j^ekonnt  habe,  in  dieser  Beziehung  etwas  nachzuhelfen,  jedenfalls 
wird  die  hier  gegebene  Darstellung  dem  Originale  bedeutend  näher 
kommen,  als  die  Rossi'sche. 

Nr.  50  a).  Looz,  Graf  Dietrich,  1336—1361. 

ThöORI  —  ö  ÖOMES  Lilie  ß;  S-I0H7r-MMESB-  als  Bei- 
aichen  Adler.  K.  Münzkab  in  Haag.  (Taf.  Vm,  Nr.  50  a). 

Für  die  Mittheilung  dieser  seltenen  Münze  bin  ich  dem  Director 
<ler  genannten  Sammlung,  Herrn  Roest,  zum  Danke  verpflichtet. 

N.  53  a).  Karl  IV.,  1346—1378,  Kaiser  seit  1355. 

+  KREK  — ROMÄR'   Lilie,   ^r  -S-IOHK  — MHES-B   Bei- 

/eichen  undeutlich.  — Im  MUnzhandel.—     (Taf.  VIII,  Nr.  53  a.) 

Da  das  K  der  Hauptseite  nicht  ganz  klar  ist,  so  wurde  diese 
Münze  von  ihrem  ehemaligen  Besitzer,  der  sie  mir  freundlichst  mit- 
T heilte,  Heinrich  VIL  zugeschrieben.  Dieser  ist  indessen  schon  1313 
•Tstorben,  also  lange  vor  der  Zeit,  in  welche  die  ersten  deutschen 
1  lorentiner  Gulden  fallen,  und  es  bleibt  daher  nur  die  Lesung  K, 
nicht  h'  möglich.  —  In  der  Fabrik  scheint  dieser  Gulden  ganz  dem 
vohl  sicher  deutschen  mit  Karolu  rex  zu  gleichen,  der  als  Bei- 
/eichen  neben  dem  Heiligen  statt  der  üblichen  Krone  einen  Adler 
zeigt  (Joseph,  Bretzenheimer  Goldguldenfund,  S.  42,  Nr.  21).  Zur 
ij-hellung  der  wichtigen  Frage,  ob  die  gewöhlichen  KAROLV  REK 
i  lorenen  (mit  der  Krone  als  Beizeichen)  und  demgemäss  auch  die 
•  lirdichen  mit  LODOVICI  REK  ungarisch  oder  nicht  vielmehr 
deutsch  sind,  trägt  unser  Stück  nicht  wesentlich  bei.  Luschin  hat 
diese  Frage  kürzlich  gründlich  erörtert  (Bd.  XV,  S.  364  dieser 
Zeitschr.)  und  sich  zu  Gunsten  der  älteren  Meinung,  also  für 
Hngara,  entschieden;  man  wird  seinen  irrwiflitii!*'»  r:iiii.,l..i,  A\,^ 
/uslimmung  nicht  versagen  können. 


"f--  *W'^':^^'p^^^^^WI^ 


132 


H.  Daiinenberg:  Nachträge  zu  meinen  früheren  Aufsätzen  in  dieser  Zeitschrift. 


Nr.  60.  Adolf  IL,   Graf  von  der  Mark,  Erzbischof  von  Köli 
1363—1364. 

Von  einem  inzwischen  für  meine  Sammlung  gewonnene! 
schönen  Exemplare  seines  Goldguldeus  kann  ich  jetzt  folgendj 
genaue  Beschreibung  nebst  Abbildung  geben: 

4-  ÄDOL'--ELaS:aO  Lilie,  ?;  S-IOHÄ  — HHES,  Krone  ak 
Beizeichen.  (Taf.  VIII,  Nr.  60.) 

Nr.  72  a).  Tirol,  Graf  Meinhard  IIL,  1362—1363. 
aOUaS  —  Uamh  UWe.   ?rS-IOHH— HHaS»B*  Röschen 
als  Beizeichen.  —  (Aus  Dresdener  Sammlungen,  Heft  m,  Taf.  I,  l.V 

(Taf.  VIII,  Nr.  72  a.) 

Berlin,  Juni  1885. 


II 


VI. 
Der  MUnzfund  zu  Sallingberg. 


Dr.  von  Raimann. 


Die  Herren  8.  Egger  &  Comp,  erwarben  im  Frühjahre  1884 
einen  Münzfund,  welcher  kurze  Zeit  vorher  in  Sallingberg  Bezirk 
<  >ttenschlag  in  Niederösterreich,  im  Hause  des  Bauers  Johann  Fich- 
liuger  gemacht  wurde.  Die  näheren  Umstände  der  Auffindung  sind  nicht 
bekannt,  die  äussere  Beschaifenheit  der  Münzen  zeigt  aber,  dass  sie 
jedenfalls  durch  lange  Zeit  in  der  blossen  Erde  lagen,  wenn  sie  auch 
ursprünglich  in  einem  Behältnisse  gewesen  sein  dürften.  Die  Erwerber 
gestatteten  mir  in  der  liberalsten  Weise  die  Besichtigung  und  Prüfung 
des  Fundes,  wofür  ich  ihnen  den  aufrichtigsten  Dank  ausspreche, 
und  da  derselbe  manches  Interessante  bietet,  dürfte  dessen  Ver- 
öffentlichung gerechtfertigt  erscheinen.  Er  besteht  fast  ausschliesslich 
aus  sogenannten  Wiener  Pfennigen,  welchen  nur  eine  kleine  Zahl 
bayerischer  Pfennige  beigemengt  ist;  die  Gesammtzahl  ist  2503 
Stücke,  wozu  noch  8*2  Gramm  an  Bruchstücken  kommen.  Unter 
den  Münzen  befanden  sich  208  unkenntliche  Stücke,  von  den  übrigen 
ist  eine  grosse  Zahl  stark  abgenützt. 

Die  Mehrzahl  der  Typen  kommt  in  Professor  v.  Luschin's 
Wiener  Pfennigen  vor,  doch  finden  sich  ziemlich  viele  dort  nicht 
beschriebene  Rückseiten,  von  welchen  aber  seither  die  Mehrzahl 
durch  den  von  Dr.  Rollet  veröffentlichten  Pfaffstättner  Fund  bekannt 
geworden  ist. «) 


1)  Wiener  Numismatische  Zoitschrift,  XVI.  Band,  S.  Gf)  ff. 


'■':i^^-~r-^'l^.r.  'i 


134 


Dr.  von  Eaimann: 


Nach  Luschins  Wiener  Pfennigen  geordnet,   ergeben  sich  fc 
gende  Typen :  2) 

1.  Vs.  Zwei  gekrönte  Köpfe,  dazwischen  W  — I — XI 
Rs.   .VS.Rie  Balkenschild. 

18  Mm.,  0-83  Gr.,  abgenützt  (Lii.  Nr.  5). 

2.  Vs.  Gekröntes  Brustbild  mit  Schwert  und  Reichsapfel. 
Rs.  Gekrönter  Kopf  in  sechsbogiger  Einfassung. 

14—17  Mm.,  15  Stück  =  10-63  Gr.  Durch- 
schnittsgewicht 0-71  Gr.,  theilweise  abgenützt 
(Lu.  Nr.  8).  15  St^ 

3.  Vs.  Brustbild  mit  Hut  nach  rechts,  mit  Scepter. 
Rs.  In  einem  dreieckigen  Schilde  oben  ein  Löwe 

nach    rechts    mit    emporgehobenem    Sehweife, 
unten  eine  blumenartige  Verzierung  (^Lilie?). 

17  Mm.,  0-72  Gr.  und  16  Mm.,  0-71  Gr.  Ein 
Stück  sehr  abgenützt  und  ohne  Rs.  (Lu.  Nr.  9.)  2 

4.  Vs.  Gekröntes  Brustbild,  ober  Laubzierat. 
Rs.  Gekrönter  Adler  mit  2  Balkenschilden. 

15—17  Mm.,  60  gut  erhaltene  =  48-15  Gr., 
1  =  0-8  Gr.,  die  übrigen  abgenützt  (Lu.  Nr.  13).     260 

5.  Vs.  Kopf  mit  spitzigem  Hute. 
Rs.  Adler  nach  rechts  gewendet. 

15—17  Mm.,  30  =  22-20  Gr.,  1  =  0-74  Gr. 
(Lu.  Nr.  17).  38 

6.  Vs.  Kopf  mit   einer   Kopfbedeckung    mit    Ochsen- 

hörnern. 
Rs.  Spuren. 

16  Mm,  0-76  Gr.,  stark  abgenützt  (Lu.  Nr.  21).         1 

7.  Vs.  Vollmond  in  knorriger  Umrahmung. 
Rs.  Greif  nach  rechts. 

15_16  Mm.,  30  =  22-73  Gr.,  1  =  0-75  Gr., 
die  übrigen  abgenützt  (Lu.  Nr.  26).  326 


2)  Die  dort  und  im  Pfaifstättner  Funde  vorkommenden  sind   nur  kurz 
bezeichnet,  andere  genauer  beschrieben. 


Der  Münzfund  zu  Sallinj^berg. 


135 


S.     Vs.  Kreuzstab  auf  Balkenschild  zwischen  zwei  auf- 
gerichteten Löwen. 
Rs.  V  im  Dreibogen. 

17  Mm.,  0-75  Gr.,  abgenützt  (Lu.  Nr.  31).  1  St. 

"9.     Vs.  Löwe  nach  rechts  mit  zurückgewendetem  Kopfe. 
Rs.  Spuren. 

15-16  Mm.,  0-67,  0-68,  0-73,  0*88  Gr.  (Lu. 
Nr.  33).  4  St. 

10.  Vs.  Liegender  Löwe  nach  links. 

Rs.  Gekrönter  Kopf  ober  zwei  Adlern. 

14—16  Mm.,  30  =  22  Gr.,  1  =  0-733  Gr., 
stark  abgenützt  (Lu.  Nr.  36).  40  St. 

11.  Vs.  Liegender   Löwe,    ebenso    mit   umgewendetem 

gekröntem  Kopfe. 
Rs.  Spuren  von  Verzierungen  und  Rosetten. 

16  Mm.,  0-799  Gr.,  abgenützt  (Lu.  Nr.  37).  1  St. 

(Ein  Pfennig  meiner  Sammlung  zeigt,  wie  die 
Abbildung  im  Archiv  für  österreichische  Ge- 
schichte XLI,  Taf.  I,  19  einen  wachsenden  Adler, 
darunter  scheint  ein  Krückenkreiiz?  mit  gega- 
belten Armen,  in  jedem  Winkel  eine  Rosette.) 

12.  Vs.  Löwe  mit  zottigem  Schweife. 

Rs.  Nach  rechts  schreitendes  Thier  (Panther?  oder 
Greif?)  in  einfachem  Kreise. 

14—16  Mm.,  20  =  13-77  Gr.,  1  =  OCSR  Gr., 
ziemlich  abgenützt  (Lu.  Nr.  38).  22  St. 

V).     V.s.   Hiisclikopr. 

Rs.  Spuren. 

15,  16  Mm.,  0-58,  0-74  Gr.,  stark  abgenützt 
(Lu.  Nr.  44).  2  St. 


:  «v  ->-i  '^^,>- 


136 


Dr.  von  Kaimann : 


14.     Vs.  Osterlamm. 
Rs.  Spuren. 

15—16  Mm.,  10 

Nr.  47). 


6-60,   1  =  0-66  Gr.  (Lu. 


14  St. 


A     Vs.  Osterlamm  von  der  linken  Seite  mit  nimbirtem 
umgewendeten  Kopfe  und  Kreuzstab  mit  Fabne. 
Rs.  Ein  niebt  zu  entzifferndes  feines  Gepräge.  (Helm 
mit  Kleeblättern  besteckt?) 

16  Mm.,  0-598  Gr.,  Abb.  1.  1  St. 

15.  Vs.  Hase  nach  rechts. 

Rs.  Panther  in  sechsbogiger  Einfassung. 

14—16  Mm.,  25  =  16-50  Gr.,   1  =  0-66  Gr. 
(Lu.  Nr.  55).  33  St. 

16.  Vs.  Schwan  nach  links. 
Rs.  ?  in  Bogeneinfassung. 

14—16  Mm.,  0-70,-0-73,  0-77  Gr.  (Lu.  Nr.  72).         4  St. 

17.  Vs.  Drei  Fische  um  ein  Kleeblatt  schwimmend. 

Rs.  Adler  in  Einfassung  aus  Halbbogen  und  Ecken. 
15-16  Mm.,    9  =  6-20  Gr.,   1  =  0-691   Gr. 
(Lu.  Nr.  76).  4  St. 

18.  Vs.  Balkenschild  zwischen  zwei  Fischen. 

Rs.  Gekrönter  Kopf  in  sechsbogiger  Einfassung. 

14—16  Mm.,  40  =   28  Gr.,   1   =  0-7   Gr. 
(Lu.  Nr.  78).  54  St. 

19.  Vs.  Drei  Kleeblätter  im  Dreibogen. 
Rs.  wie  Nr.  17. 

14—16  Mm.,  40  =  30-87  Gr.,  j  =  0-77  Gr., 
meist  abgenützt  (Lu.  Nr.  84).  424  St. 


I 


Der  Münzfund  zu  Sallingberg.  loT 

20.  Vs.  Balkenschild  ober  zwei  Lilien. 
Rs.  Spuren. 

16,  17  Mm.,  0-70,  0*63  Gr.  (Lii.  Nr.  88).  2  St. 

21.  Vs.  Balkenschild  auf  sechsspitzigem  Sterne. 
Rs.  Stehender  Greif  nach  rechts. 

15—16  Mm.,  30  =  21-95  Gr.,   1  =  0*73  Gr., 
grösstentheils  abgenützt  (Lu.  Nr.  93).  165  St. 

Eine  alte  Fälschung  0*53  Gr.  1  St. 

22.  Vs.  Sechsstrahliger  Stern,  in  den  Winkeln  Kleeblätter. 
Rs.  wie  Nr.  17. 

15—16  Mm.,   20  =  13-9  Gr.,  1  =  0*695  Gr., 
stark  abgenützt  (Lu.  Nr.  95).  23  St. 

23.  Vs.  Engelsbrustbild  mit  Herzogshut  und  Balkenschild. 
Rs.  ?  in  sechsbogiger  Einfassung. 

14_16  Mm.,    10  =  7-1   Gr.,   1  =  0-71   Gr., 
stark  abgenützt  (Lu.  Nr.  98).  10  St. 

24.  Vs.  Rohgezeichnetes  geflügeltes  Brustbild. 
Rs.  Schwan. 

16  Mm.,  0*57,  0*7  Gr.,  stark  abgenützt   (Lu. 
Nr.  100).  2  St. 

25.  Vs.  Gekrönter   Meermann    in    zwei    Fischschwänze 

endigend. 
Rs.  Greif  nach  rechts  in  einfachem  Kreise. 
14-17  Mm.,  40  =  28-68  Gr.,  1=0-717  Gr., 
grösstentheils  abgenützt  (Lu.  Nr.  101  \  235  St. 

26.  Vs.  Meermann  mit  Kapuze. 

Rs.  Panther  nach  rechts  in  sechsbogiger  Einfassung. 
14-16  Mm.,   30  =  20  Gr.,   1  =  0-667  Gr., 
stark  abgenützt  (Lu.  Nr.  103).  37  St. 

27.  Vs.  Harpye  mit  gekröntem  Menschenkopfe. 

Rs.  Gekrönter  Kopf  in  sechsbogiger  Einfassung. 

14_16  Mm.,  30  =  20-6  Gr.,  1  «=  0687  Gr., 
abgenützt  (Lu.  Nr.  105).  40  St. 


A  :'y'^r-»^-gf^ir'yy:yv'^ 


138 


Dr.  von  Raimann : 


28.  Ys.  Drache  nach  rechts  mit  wolfsartigem  Kopfe. 
Rs.  Spuren. 

14,  15  Mm.,  0-6,  0-74  Gr.  (Lu.  Nr.  116).  2  St. 

29.  Vs.  Drache  nach  rechts  mit  vogelartigem  Kopfe. 
Rs.  Gekrönter  Kopf  ober  zwei  Adlern. 

13-14,  15,16Mm.,  20=13-4  Gr.,  1  =  0-67  Gr. 
(Lu.  Nr.  117).  27  St. 

Eine  alte  Fälschung  0-88  Gr.  1  St. 

30.  Vs.  Drache  nach  links  mit  aufgeringeltem  Schweife. 
Rs.  wie  Nr.  29. 

15—16  Mm.,    70  =  49-7  Gr.,   1=0-71  Gr., 
meist  abgenützt  (Lu.  Nr.  119).  373  St. 

B     Vs.  Ebenso. 

Rs.  Ein  ähnlicher  Drache  mit  kurzem  Halse. 

15  Mm.,  0-8  Gr.  8),  Abb.  2.  1  St. 

31.  Vs.  Stern  aus  fünf  laubförmigen  Zieraten. 
Rs.  wie  Nr.  29. 

15—16  Mm.,  20  =  13-53  Gr.,  1  =  0-676  Gr., 
stark  abgenlitzt  (Lu.  Nr.  133).  35  St. 

32.  Vs.  Blätterkreuz  mit  wiedergekreuztem  Unterbalken. 
Rs.  ?  in  sechsbogiger  Einfassung. 

15,  16  Mm.,   12  =  8-32  Gr.,   1  =  0-69  Gr., 

stark  abgenützt  (Lu.  Nr.  139).  16  St. 

33.  Vs.  Ankerkreuz  mit  Kleeblättern. 

Rs.  Adler  nach  rechts  gewendet  in  einfachem  Kreise. 
14—16  Mm.,  30  =  23*20  Gr.,  1  =  0-773  Gr. 
(Lu.  Nr.  141).  43  St. 

Dann  eine  alte  Fälschung  0-52  Gr.  ]  St. 

34.  Vs.  Einhorn  von  links. 
Rs.  Verzierungen? 

15,  16  Mm.,  0-68,  0-71,  0-58  Gr.  (Lu.  Nr.  244).         4  St. 


3)  Ohne  Zweifel  eine  Verpräguiig. 


Der  Münzfiind  zu  Sallingberg.  130 

35.     Vs.  Kopf  eines  Bischofs  zwischen  zwei  ThUrmen. 
Rs.  Löwe  nach  rechts. 

15,   16  Mm.,  9  =  6-08  Gr.,   1  =  0-675  Gr., 
abgenützt  (Lu.  Nr.  265).  9  st. 


C     Vs.  Gekrönter  Löwenkopf?  und  Hals  von  der  linken 
Seite. 
Rs.  In  einfachem  Kreise? 

17  Mm.,  0-81  Gr.,  Abb.  3.  1  St 

36.  Vs.  Verprägt,  scheint  ein  Thier  mit  langem  Hörne? 
Rs.  In  einfachem  Kreise  ? 

15  Mm.,  0-53  Gr.  1  St. 

37.  Vs.  Panther,  darüber  R  L. 
Rs.  Undeutlich. 

15  Mm.,  3  =  1-96  Gr.,  1  =  0-65  (Lu.  Nr.  259).  ;]  m. 

38.  Vs.  Hund  nach  rechts  mit  Röschen. 
Rs.  Undeutlich. 

15—16  Mm.,  4  =  2-8  Gr.,   1  =  0*7  Gr.  (Lu. 

Nr.  262).  I  si. 

39.  Vs.  Mönch  mit  Stab. 
Rs.  Undeutlich. 

15  Mm.,  5  =  3-34  Gr.,   1  =  0-67  Gr.  (Lu. 
Nr.  253). 

40.  \'s.  Frauenkopf  mit  Schleier. 

15,  16  Mm.,  0-73,  0-68  Gr.  (Lu.  Nr.  257).  2  St. 

2295  St. 

Wahrscheinlich  aus  demselben  Funde  stannnt  eine  Partie  von 
circa  150  Pfennigen,  welche  mir  im  Mai  1884  zu  (Jesicht  kam  und  als 
aus  einem  Funde  bei  Zwettl  herrührend  bezeichnet  wurde,  die  ich  aber 


140 


Dr.  von  Raimann: 


nur  flüchtig  durchsehen  konnte.  Es  waren  von  Nr.  2  2  St.,  von  Nr.  4 
3  St.,  von  Nr.  5  3  St.,  von  Nr.  7  20—25  St.,  von  Nr.  9  1  St.,  von 
Nr.  15  1  St.,  von  Nr.  17  1  St.,  von  Nr.  19  40—50  St.,  von  Nr.  21 
6  St.,  von  Nr.  22  1  St.,  von  Nr.  23  1  St.,  von  Nr.  24  1  St.,  von 
Nr.  25  circa  10  St.,  von  Nr.  26  1  St.,  von  Nr.  28  3—4  St.,  von 
Nr.  29  2—3  St.,  von  Nr.  30  15—20  St.,  von  Nr.  32  1  St.,  von 
Nr.  33  40—50  St.,  von  Nr.  35  4  St,  von  Nr.  37  1  St.,  ferner  von 
Luschin's  Nr.  52  (Eichhörnchen)  1  St.  Es  ändern  sich  hiedurch  die 
relativen  Zahlenverhältnisse  im  Wesentlichen  nicht,  mit  Ausnahme 
von  Nr.  33. 

Was  vor  Allem  in  die  Augen  fällt,  ist  die  grosse  l.'ebereinstim- 
mung  mit  dem  von  Professor  v.  Luschin  in  den  Wiener  Pfennigen 
zu  Zeiten  König  Otakars  *)  in  die  Zeit  vor  1276  gesetzten  Pfaff- 
stättner  Funde,  während  wenige  gemeinsame  Typen  mit  dem  ebenda 
beschriebenen  Funde  Q  vorhanden  sind,  wie  sich  aus  der  folgenden 
Tabelle  ergibt,  in  welcher  die  von  Luschin  benutzten  Funde,  wie 
dort  mit  P  und  Q,  unser  Fund  mit  S  bezeichnet  erscheint. 

Die  letzte  Abtheilung  der  Tabelle  enthält  die  mit  je  50  Stücken 
von  6  Typen  in  dem  analytisch-technischen  und  patochemischen 
Laboratorium  des  Herrn  A.  E.  Haswell  in  Wien  vorgenommenen 
Feingehaltsproben.  Die  Differenz,  welche  die  beiden  Bestimmungen 
ergaben,  findet  nach  Herrn  Haswell's  Ausspruch  ihre  Erklärung  in 
der  leichten  Oxydirbarkeit  des  Kupfers,  die  trotz  Gegenwart  von 
Cyankalium  in  dem  Flussmittel  beim  Einschmelzen  solch'  kleiner 
Mengen  unvermeidlich  ist. 


*)  Wiener  Nimiisnuitisclie  Zeitsclirift,  XVI.  Baiul,  6.  77  rt.  und  S.  461  ff. 


Der  Münzfuiid  zu  .Salliiigberg. 


1-n 


Nr. 

P 

Q 

S 

P  al 

oiu 

Q  ulleiii 

S  allein 

Feingehalt 

5 

1 

9 

1 

11 

1 

4 

1 

9 

9 

Nr. 

8 
13 
17 

2 
100+x 
100+x 

97 

15 
260 

38 

107 
240 
246 

2 
1 

1 

I 
II 
10 

2 

8 

93 
101 

1 

166 
235 

13 

26 

5  0-6453 
\   0-6479 

(  0-6755 
\   0-6698 

(  0-6846 
)    0-6759 

21 

26 

1 

300 

3 

1 
32 

257 
263 

2 

2 

12 
12  b 

21 

119 
B 

373 

1 

84 

31 
33 

1 
1 

3 

1 

4 

ly 

V 

1 
1 

15 
240? 

13 

253 
257 

5 
2 

93 

(  0-6309 
\   0-6315 

3ö 

50+x 

— 

40 

VI 

1 

III 

15 

259 

3 

101 

0-6818 
1    0-6808 

37 

38 

7 

1 

1 

22 

41 
42 

262 

C 

4 

1 

119 

j  0-6854 
)   0-6856 

47 

1 

X 

— 

2 
14 

43 
49 

undeut- 
lich 

1 

55 

12+x 

— 

33 

90 

60 

1 

58 

108 

61 

2 

1 

114 

11 

69 

1 

1 

115 

72 

1 

3 

4 

76 

X 

24 

9 

78 

200+x 

— 

54 

84 

200-+-X 

— 

424 

88 

l 

2 

2 

95 

100+x 

— 

23 

98 

X 

42 

10 

100 

2 

— 

2 

103 

244-x 

— 

37 

105 

24-f-x 

— 

40 

116 

1 

5 

2 

117 

3 

— 

28 

133 

lOO+x 

— 

35 

139 

X 

64 

16 

141 

300-rX 

— 

180 

244 

— 

1 

4 

265 

3 

— 

9 

142 


Dr.  von  Raimann : 


Es  sind  also  zusammen  72  Typen  vertreten,  von  welchen  allen 
3  Funden  10,  den  Funden  P  und  Q  13,  P  und  S  29,  Q  und  S  12 
gemeinsam  sind,  in  P  9,  in  Q  17  und  in  S  12  allein  vorkommen. 
Die  nicht  gemeinsamen  Typen  von  P  und  S  betreffen  grossentheils 
fremde  Beimengungen  oder  einzelne  Stücke,  mit  Ausnahme  von 
drei  des  Fundes  S  (Wiener  Pfennige  Nr.  93,  101,  119),  welche  in  so 
bedeutender  Anzahl  vorkommen,  das«  sie  offenbar  der  Vergrabungs- 
zeit  nahe  stehen  müssen. 

Einen  wichtigen  Anhaltspunkt,  um  diese  bestimmen  zu  können, 
bieten  die  Pfennige  Nr.  37  (Lu.  Nr.  259)  mit  R  L.  Sie  gehören  den 
Herzogen  Rudolph  I.  und  Ludwig  IV.  von  Bayern  an,  welche  am 
2.  Februar  1294  die  Regierung  antraten,  Letzterer  unter  Vormund- 
schaft des  Ersteren  (bis  1302)  und  bis  1.  October  1310,  sodann  vom 
21.  Juni  1313  bis  19.  März  1317  gemeinsam  regierten.  ^) 

Nähme  man  nun  auch  an,  dass  diese  Münzen  in  die  erste 
Regierungszeit  gehören,  bedurfte  es  doch  gewiss  einiger  Zeit,  bis 
sie  in  Oesterreich  in  Umlauf  kamen,  weil  damals,  wie  alle  älteren 
Funde  ausweisen,  die  „frömbde  Münz"  noch  nicht  so  stark  ein- 
drang, wie  in  der  Folge. 

Unser  Fund  kann  daher  keinesfalls  vor  1295  vergraben  wor- 
den sein. 

Hieraus  ergeben  ^'wh  einige  nicht  unwichtige  Folgerungen, 
und  zwar: 

I.  Für  die  Zeitbestimmung  des  Pfaffstättner  Fundes,  welcher 
nachstehend  zur  Vereinfachung  nur  mit  P,  sowie  der  Sallingberger 
Fund  nur  mit  S  bezeichnet  wird.  Es  ist  nämlich  kaum  anzunehmen, 
dass  Typen,  welche  schon  um  1270  im  Umlaufe  waren,  nach  mehr 
als  20  Jahren  noch  in  so  bedeutender  Anzahl  sich  im  Verkehre 
befanden,  wie  es  z.  B.  in  S  bei  den  Wiener  Pfennigen  Nr.  13,  78, 
141,  vor  Allem  aber  bei  Nr.  84  der  Fall  ist,  obschon  nicht  zu  über- 
sehen ist,  dass  diese  Stücke  in  S  eine  grössere  Abnützung  zeigen, 
als  in  P.  Unser  Fund  erschüttert  aber  auch  das  für  das  x\lter  von  P 
geltend  gemachte  Argument,  dass  in  demselben  keine  Deuarii  lati 
und  redenden  Münzen  Rudolph  I.  vorkommen,  weil  er  trotz  der 
zweifellos  nicht  vor  1295  zurückreichenden  Vergrabungszeit  gleich- 


1 


5)  Beierlein,  Münzen  des  Hauses  Witteisbach,  S.  24,  Nr,  41,  Abb.  Tat".  lU. 


1 


Der  Münzfund  zu  Sallingberg.  14«> 

falls  nicht  ein  einziges  Stück  dieser  Art  enthält.  P  durfte  also  jünger 
lind  vielleicht  um  1285  zu  setzen  sein. 

II.  Ist  aber  dies  richtig^  fällt  die  Hauptgrundlage  (ici  >uii 
Professor  Luschin  aufgestellten  Behauptung,  dass  alle  in  P  vorkom- 
menden Typen  und  jene,  welche  mit  denselben  gleiche  Reverse 
zeigen,  Otakar  IL  zuzuweisen  seien  und  es  ist  dann  vielmehr  wahr- 
scheinlich, dass  die  ad  I  bezeichneten  und  die  übrigen  in  grösserer 
Anzahl  vorhandenen,  insbesondere  Wiener  Pfennige  Nr.  17,  26,  36, 
55,  103,  105  und  133  in  die  Zeit  nach  Otakars  Regierung  gehören. 

III.  Der  Fund  Q  wäre  mit  Rücksicht  hierauf  vielleicht  als  älter 
anzusehen  als  P,  woraus  sich  die  jedenfalls  auffallende  Thatsache 
erklären  Hesse,  dass  er  offenbar  Otakarische  Gepräge,  wie  Wiener 
Pfennige  Nr.  5,  12  und  insbesondere  Nr.  8  und  60  in  viel  grösserer 
Zahl  enthält  als  P. 

IV.  Mit  fast  vollständiger  Gewissheit  können  die  einen  Haupt- 
bestandtheil  von  8  ausmachenden  Wiener  Pfennige  Nr.  93,  101, 119 
(beiläufig  30"/o);  ^vohl  auch  Nr.  84  und  vielleicht  Nr.  13  dem  vor- 
letzten oder  letzten  Jahrzehnte  des  XIIL  Jahrhunderts  zugewiesen 
werden. 

Interessant  sind  die  in  P  vorkommenden  Rückseiten,  von  wel- 
chen eine  nicht  unbedeutende  Zahl  in  den  Wiener  Pfennigen  nicht 
beschrieben  ist,  die  meisten  allerdings  seither  durch  P  bekannt 
geworden  sind.  Sie  liefern  weitere  Belege  für  Luschin's  Ansicht, 
dass  die  Rückseiten  viel  constanter  sind  als  die  Vorderseiten  und 
bereichern  die  von  ihm^)  zusammengestellten  Gruppen  durch 
weitere  Typen. 

So  gehört  zur  Gruppe  VI  ausser  Wiener  Pfennige  Nr.  36,  107, 
133  auch  119;  zur  Gruppe  VI!  ausser  Nr.  26  und  34  (richtig  38) 
auch  93  und  101. 

Noch  sind  von  vielen  Wiener  Pfennigen  die  Rückseiten  nicht 
bekannt;  wenn  aber  jeder  Fund,  wie  es  in  jüngster  Zeit  der  Fall 
war,  Lücken  ergänzt  und  wenn  namentlich  auch  die  Schätze  v»»n 
Wiener  Pfennigen,  welche  das  kaiserliche  Münzcabinet  birgt,  genau 
durchforscht  werden,  wird  auch  die  Deutung  derselben,  welche 
Lusehin  wiederholt  versucht  hat,   vielleicht  mit  Sicherheit  erfolgen 


11(11  AldiaiMlIilii;:. 


144 


Dr,  von  Raimann:  Der  Münzfund  zu  Sallingberg. 


können  und  es  sich  lierausstellen,  ob  sie  Abzeichen  der  Münz- 
stätten sind  (etwa  der  Adler  von  Wien,  der  Panther  von  Eiins,  der 
Greif  von  Wiener-Neustadt  ?)  oder  Zeichen  und  Wappen  der  Müuz- 
meister  und  Münzbeamten,  oder  ob  vielleicht  Beides  vorkommt. 

Vielleicht  findet  sich  eine  andere  Gelegenheit  auf  diese  und 
andere  einschlägige  noch  ungelöste  Fragen  einzugehen,  wozu  mir 
jetzt  vor  Allem  die  Zeit  mangelt  —  ich  kann  zum  Schlüsse  nur 
den  Wunsch  aussprechen,  dass  dieser  Fund  wenigstens  nicht  ganz 
nutzlos  veröffentlicht  wurde. 

Wien,  im  August  1885. 


7)  Die  Marktfreiheit  und  Münzstätte,  welche  1141  dem  Grafen  Ekkebert  IL 
von  Putten  für  Neunkirchen  verliehen  worden  war,  wurde  nach  Erbauung  von 
Neustadt  dorthin  übertragen  (Luschin,  Wiener  Pfennige  S.  150).  Das  Wappen 
Ekkeberts  war  (nach  Bergmann,  Untersuchung  über  das  älteste  Münzrecht  von 
Lieding  etc.  in  den  Jahrbüchern  der  Literatur,  CL  Band;  ein  Greif  mit  vier 
Krallenfüssen,  emporgestrecktem  Vogelschweif,  ausgefranzten  Flügeln,  läng- 
lichen Olirrii.  einen  Hasen  h;ilt''iMl 


*^<y§^>^* 


VII. 
Zwei  Vorträge 

über 
Naclialiniung  und  Naclifälscliung  von  Münzty]:)en 

von  weiland 
Dr.  Alexander  Ritter  v.  Pawlowski. 


I. 

(21.  October  1875.) 

Schon  seit  geraumer  Zeit  haben  gewisse  räthselhafte  Münzen, 
die  dem  Schlüsse  des  XVI.  und  dem  Beginne  des  XVII.  Jahrhun- 
derts angehören,  die  Aufmerksamkeit  und  den  Scharfsinn  der 
Numismatiker  in  Anspruch  genommen.  Es  sind  dies  zumeist  Billon- 
mlinzen  mit  sehr  bekannten,  häufig  vorkommenden  Typen,  ol^ 
italienische,  theil weise  auch  französische,  Schweizer  und  Nieder- 
länder Münzen,  die  von  den  Sammlern  häufig  als  bekannte  Stücke 
bei  Seite  gelegt  werden,  die  aber  bei  näherer  Prüfung  merkwürdige, 
oft  kaum  zu  entrUthselnde  Modificationen  der  Legenden  /.eigen.  Bald 
sind  nur  einzelne  Buchstaben  in  der  ursprünglichen  Umschrift  geän- 
dert oder  hinzugefügt,  bald  ist  die  Legende  der  einen  Seite  voll- 
ständig beibehalten,  jene  der  anderen  Seite  aber  durch  eine  fremde, 
auf  die  Münze  gar  nicht  passende  Umschrift  ersetzt,  niebt  selten 
befinden  sich  auf  beiden  Seiten  fremdartige  Legenden.  Ich  will  hier 
nur  einige  Beispiele  anführen : 

Die  Venetiauer  Sesini,  welche  dureh  zwei  Jahrhunderie  sieis 
den  gleichen  Typus  trugen,   nämlieh   auf  einer  Seite  das  Brustbild 


146 


Dr.  Alexander  Ritter  v.  Pa-wlovrski:  Zwei  Vorträge 


des  heiligen  Marcus  mit  dem  geflügelten  Löwen  und  der  Umschrift: 
8  an  ct.  Marc.  VenetnSj  auf  der  anderen  Seite  das  Kreuz  und  den 
Namen  des  Dogen  als  Umschrift ;  diese  finden  sich  in  der  Weise 
verändert,  dass  die  eine  Legende  San  ct.  Marc.  cus.  nos.  lautet 
und  der  Name  des  Dogen  durch  einen  allgemeinen  Spruch,  z.  B.: 
Maria  protege  nos,  ersetzt  ist. 

Eine  in  Italien  während  des  XVL  Jahrhunderts  weit  verbreitete 
und  stets  nach  demselben  Typus  geprägte  Münzsorte  waren  die 
päpstlichen  Bajocchette.  Sie  zeigen  auf  einer  Seite  das  Brustbild 
des  Papstes  und  seinen  Namen  und  Titel  als  Umschrift,  auf  der 
anderen  Seite  den  Namen  und  die  Figur  eines  Heiligen.  Unter 
Sixtus  V.  wurden  grosse  Mengen  dieser  Münzsorten  geprägt,  welche 
alle  im  Avers  die  Umschrift:  Sixtus  V.  Pont.  Max.  führen.  Es 
kommen  nun  gar  nicht  selten  derartige  Stücke  vor,  auf  welchen  die 
erwähnte  Umschrift  in  S.  Sixtus  Pont.  Max.  modificirt  und  in  der 
Legende  des  Reverses  dem  Namen  des  Heiligen  einige  Buchstaben 
beigefügt  sind,  z.  B.  Sanctus  Petrus  P.  C. 

Um  noch  ein  drittes  Beispiel  anzuführen,  erwäline  ich  der 
Parpajole  von  Piacenza.  Diese  zu  Ende  des  XVL  Jahrhunderts  in 
Italien  weitverbreitete  Münzsorte  von  2^1^  Soldi  wurde  in  Piacenza 
unter  den  Fürsten  Octavian  und  Alexander  Farnese  in  grosser 
Menge  geschlagen.  Die  schönen  Gepräge  zeigen  im  Avers  die  Brust- 
bilder der  beiden  Fürsten  mit  der  Umschrift:  Oct.  et  Alex.  F.  P.  P. 
(Principes  Placentae),  im  Revers  eine  sitzende  Figur  mit  einem 
Lilienstengel  und  die  abgekürzte  Umschrift:  Fei.  sub.  his  Plac. 
(Felix  ....).  Nicht  selten  findet  man  die  Umschrift  des  Averses 
in  folgender  Weise  abgeändert:  Oct.  et  Alex.  Imp.  und  im  Revers 
steht  statt  der  erwähnten  Legende  eine  Reihe  anderer  Buchstaben, 
die  aber  meist  mit  F  anfangen. 

Es  Hessen  sich  noch  Hunderte  solcher  Beispiele  anführen,  und 
zwar  zumeist  aus  der  Reihe  der  italienischen,  französischen, 
Schweizer,  niederländischen  und  deutschen  Münzen.  Man  betrachtete 
diese  Münzen  anfänglich  als  Producte  der  privaten  Falsch- 
mtinzung,  da  sie  durchwegs  von  sehr  schlechtem  Gehalte  sind. 
Allein  die  vielfältigen  Aenderungen  und  Zusätze  in  den  Legen- 
den und  Wappenbildern  sehliessen  diese  Erklärung  aus,  denn  im 
Interesse  der  Falschmünzer  musste  es  gelegen  sein,  ihre  Vorbilder 


Sita 


über  Nachahmung  und  >'a<-hf;i]sphiing  von  Münztypt.D.  1  ^  < 

möglichst  genau  zu  copiren,  was  hier  eben  nicht  der  Fall  ist.  Einige 
Niimismatiker  hielten  diese  Aenderungen  in  den  Legenden  t\\v 
Stempelfehler,  welche  durch  die  Cnwissenheit  oder  Nachlässig- 
keit der  Stempelschneider  entstanden.  Dem  vviderstreitet,  dass  die 
Aenderungen  in  den  Legenden  gewöhnlich  so  beschaffen  sind,  dass 
ein  Stempelfehler  gar  nicht  vermuthet  werden  kann,  da  sie  meist  plan- 
mässig  durchdacht  erscheinen.  In  den  alten  Münzwerken,  z.  B.  in 
,,Hoifmann's  Münzschlüssel'^  finden  sich  daher  viele  solcher  Münzen, 
darunter  auch  Thaler,  als  unbekannt  und  unerklärbar  bezeichnet. 
Erst  als  Zanetti  die  ((uellenmässige  Münzgeschichte  der  kleineren 
italienischen  Münzstätten  veröffentlichte,  entdeckte  man  den  Ursprung 
dieser  bisher  unerklärbaren  Imitationen.  Durch  die  zahlreichen 
Monographien  des  unermüdlichen  Promis,  sowie  durch  die  Arbeiten 
Morel  Fatio's,  Bigi's  u.  A.  stellte  sich's  heraus,  dass  die  meisten 
dieser  räthselhaften  Münzen  in  verschiedenen  Münzstätten  plan- 
mässig  fabricirt  wurden. 

Die  bisherigen  Vorarbeiten  sind  noch  äusserst  lückenhaft, 
allein  schon  jetzt  lassen  sich  die  Rosultnte  dieser  Forschungen  in 
folgende  Punkte  zusammenfassen : 

1.  Diese  Münzen  stammen  beinahe  ausnahmslos  aus  den  Münz- 
stätten einiger  kleiner  münzberechtigter  Dynasten  Oberitaliens, 
Frankreichs,  der  Niederlande  und  Deutschlands.  Insbesondere  war 
Oberitalien  der  Hauptsitz  dieser  Nachahmungen. 

2.  Die  Zeit  dieser  Imitationen  fällt  in  die  zweite  Hälfte  des 
XVI.  und  in  die  erste  Hälfte  des  XVII.  Jahrhunderts. 

3.  Der  Zweck  derselben  war  auf  Täuschung  des  Publicums, 
und  in  letzter  Linie  auf  Gewinn  gerichtet. 

Die  eigenthUmlichcn  politischen  Verhältnisse  des  oberwähnten 
Zeitraumes  liefern  die  Erklärung  dieser  Erscheinung.  In  Oberitalien 
und  in  den  Niederlanden,  welche  nominell  unter  der  Hoheit  des 
deutschen  Kaisers  standen,  wurden  in  diesem  Zeiträume  tlieils  aus 
politischen,  theils  aus  fiscalischen  Gründen  zahlreiche  Münzberech- 
tigungen an  die  Besitzer  kleiner  Reichslehen,  deren  (Jebiet  oft  kaum 
mehr  als  1  bis  2  Quadratmeilen  umfasste,  verliehen.  Dieselben  waren 
bestrebt,  dieses  Regal  nach  Kräften  auszunützen.  Bei  der  Präge 
harter  Münzen,  deren  Gewicht  und  Feingehalt  durch  Gesetz  und 
Usus  normirt  waren,  liess  sich  nur  ein  geringer  Gewinn  erzielen  — 

Kl* 


148 


Dr.  Alexander  Ritter  v.  Pawlowski:  Zwei  Vorträge 


sie  verlegten  sich  daher  zumeist  auf  die  Präge  kleiner,  geringhal- 
tiger Scheidemünzen.  Da  die  benachbarten  grösseren  Staaten,  von 
denen  sie  umschlossen  wurden,  den  Curs  derselben  verboten,  so 
verfielen  sie  auf  das  Auskunftsmittel,  die  bekannten  Typen  anderer 
grösserer  Staaten  täuschend  nachzuahmen  und  die  Legenden  derart 
zu  modificiren,  dass  die  Abweichung  vom  Originaltypus  nur  bei 
sorgfältiger  Prüfung  zutage  trat.  Daher  ist  auch  das  erste  Wort 
im  Avers  und  Revers  zumeist  der  nachgeahmten  Münze  entnommen. 
Sie  rechneten  eben  auf  die  damals  noch  sehr  verbreitete  Unkennt- 
niss  des  Lesens,  wodurch  die  Täuschung  wesentlich  erleichtert 
wurde.  Hiebei  vergassen  sie  jedoch  nicht,  einige  Buchstaben  bei- 
zufügen, welche  entweder  den  Prägeherrn  oder  die  Prägestätte 
anzeigten,  um  sich  von  der  Anklage  der  Falschmünzerei  schützen 
zu  können. 

4.  Das  0 b j  e  c  t  d i e s  e r  Na c  h  a h m u u g e n  waren  die  Münzen 
solcher  grösserer  Staaten,  deren  Typus  schon  seit  Jahrhunderten 
constant  und  daher  im  Verkehre  wohl  bekannt  war.  Von  italieni- 
schen Münzsorten  wurden  daher  jene  von  \'enedig,  Genua,  Lucca, 
Mailand,  Savoyen,  Piemont  und  Mantua,  besonders  aber  jene  der 
Päpste  nachgeahmt.  Von  französischen  Münzen  waren  jene 
Heinrich  KL  und  l\.,  Ludwig  XIIL,  sowie  die  Feudalmünzen  der 
damals  noch  zu  Deutschland  gehörigen  östlichen  Provinzen  und 
Städte :  Lothringen,  Besannen,  Strassburg  u.  s.  w.  Gegenstand  der 
Nachahmung.  Dasselbe  Loos  hatten  von  den  Schweizer  Münzen 
jene  der  südlichen  an  Frankreich  und  Italien  angrenzenden  Can- 
tone.  Von  niederländischen  Münzen  wurden  nur  die  im  Han- 
delsverkehre beliebtesten,  und  zwar  zumeist  grösseren  Sorten  als 
Vorbilder  benützt.  Auf  die  Nachahmung  deutscher  Scheidemünzen 
verlegten  sich  die  italienischen  und  französischen  Münzherren  nur 
selten,  da  in  Deutschland,  wo  eigene  Organe  das  Münzwesen  beauf- 
sichtigten, die  Controle  zu  genau  war.  Dagegen  bildete  sich  in  der 
ersten  Hälfte  des  XVÜ.  Jahrhunderts,  in  der  sogenannten  Kipper- 
zeit, im  Inneren  Deutschlands  ein  ähnliches  Fälschungssystem  heraus, 
dem  ich  später  einen  besonderen  Vortrag  zu  widmen  gedenke. 

Als  endlich  diese  Münzfälschungen  durch  die  vereinten  Bemü- 
hungen der  grösseren  italienischen  Staaten  und  des  kaiserlichen 
Fiscus    eingestellt   wurden,     warfen    sich    die    Fälscher    auf    ein 


•.il>er  NaiMiaümunu  uml  Naohtalschung  von  Müiiztypen. 

weiiig-er  gefährliches  Object,  nämlich  auf  die  Imitation  beliebter 
Hand  eis  münzen,  von  denen  ich  insbesondere  der  sogenannten 
Liügini  oder  Ottavetti  erwähnen  will.  Die  durch  ihre  Lebensschick- 
sale hochinteressante  Prinzessin  Anna  Maria  Louise  von  Bourbon, 
die  letzte  souveräne  Besitzerin  des  Fürstenthums  Dombes,  welche 
dieses  Ländchen  seit  1650  regierte,  Hess  in  ihrer  Münzstätte  zu 
Tr^voux,  die  damals  in  Frankreich  gangbaren  Münzsorten  in  grosser 
Menge,  und  zwar  von  gutem  Feingehalte  und  mit  einer  für  die 
damaligeZeit  seltenen  künstlerischen  Vollendung  prägen.  Die  Stücke 
zu  5  Sous  oder  1/^3  Thaler,  welche  auf  einer  Seite  ihr  Brustbild  mit 
Namen  und  Titel,  auf  der  anderen  Seite  das  französische  Lilien- 
wappen tragen,  wurden  von  französischen  Kaufleuten  im  Handel  mit 
dem  Oriente,  namentlich  in  Nordafrika,  häufig  gebraucht  und  fanden 
daselbst  so  grossen  Beifall,  dass  bald  andere  Quantitäten  derselben 
in  Dombes  bestellt  wurden.  Sie  fanden  von  Afrika  ihren  Weg  n'ach 
Asien  bis  in  das  Innere  von  Persien  und  wurden  nicht  nur  als 
Handelsmünze,  wie  z.  B.  in  unseren  Tagen  die  ^laria  Tlieresia- 
Thaler,  sondern  auch  als  Schmuck  der  Frauen  vielfach  verwendet. 
In  Folge  der  grossen  Nachfrage  verschlechterte  sich  aber  der 
innere  Gehalt  dieser  Münze  immer  mehr  und  es  wurden  bei  diesem 
Geschäfte  enorme  Gewinne  erzielt.  Die  Genueser,  Venezianer  und 
Livorneser  Kaufleute,  welche  einen  lebhaften  Handel  mit  dem 
Oriente  unterhielten,  suchten  sich  diese  Waare  billiger  zu  wr- 
schaffen  und  schlössen  mit  verschiedenen  kleineren  italienischen 
Fürsten  Contracte  auf  Lieferung  solcher  Münzen  ab.  Zur  Be- 
dingung wurde  gemacht,  dass  die  Imitationen  im  Brustbilde  und 
Wappen  vollkommen  ähnHch,  in  den  Umschriften  aber  wenigstens 
in  den  Anfangs-  und  Endbuchstaben  gleich  sein  müssten,  hiobei 
wurden  jene  B^ürsten  am  meisten  gesucht,  welche  in  ihren  Familien- 
wappen eine  Lilie  oder  ein  derselben  ähnliches  Wappenbild  und 
im  Kreise  ihrer  weiblichen  Verwandten  eine  Mutter,  Gattin  etc.  mit 
dem  Namen  Anna  Maria  aufzuweisen  hatten.  Die  Zusammenstellung 
einer  dem  Originaltypus  älinliclien  Legende  fiel  dann  nicht  schwer, 
denn  statt  des  auf  den  ecliten  Münzen  vorkommenden  Titels:  Princ. 
Domb.  wurde  der  Ausdruck:  Princ.  Dom.  (Domina»  gewählt.  Als 
man  sich  überzeugte,  dass  diese  Münzen,  welche  in  Italien,  wo  sie 
HSoldi  galten  und  Ottavetti  oderLuigini  hiessen,  auch  mit  veränderten 


150 


Dr.  Alcxaiider  Ritter  v.  Pawlowski:  Zwei  Vorträge 


Legenden  angenommen  wurden,  wenn  nur  der  Typus  möglichst 
genau  nachgeahmt  war,  ersetzte  man  die  bisherigen  Legenden 
durch  allgemeine  Aufschriften  oder  Sinnsprüche,  z.  B. 

Pnlchra  virtutis  imago 

In  pulchritudine  virtus 

Hanc  Asia  mercem  querit 

Mel  libat  ex  liliis  etc. 
u.  s.  w. 

Von  den  Fürsten  Italiens,  welche  ihre  Münzstätten  mit  der 
Präge  dieser  Münzsorten  beschäftigten,  sind  zu  nennen:  Spinola, 
Doria,  Monaco,  8eborga,Messerano,  Campi  und  Fosdinovo.  In  letztem 
Lande  wurden  auf  den  Namen  der  Fürstin  Anna  Maria  Magdalena 
Malaspina,  in  Campi  auf  den  Namen  der  Fürstin  Julia  Centurione, 
von  den  Doria  aber  auf  den  Namen  der  Violanthe  Lomellina 
u.  s.  w.  zahlreiche  Luigini  geprägt.  Letztere  Fürstin  nützte  diese 
Speculation  am  meisten  aus.  Als  sie  nach  dem  Tode  ihres  Gemals 
Andreas  III.  die  Vormundschaft  über  ihren  Sohn  und  zugleich  die 
Regentschaft  übernahm,  Hess  sie  in  der  Zeit  von  1665— 1670  auf 
ihren  licnuesischen  Gütern  Torriglia  und  Laccio  sieben  Münzstätten 
errichten,  welche  sich  durchgehends  nur  mit  der  Verfertigung  dieser 
Münzsorten  beschäftigten. 

Nach  diesen  kurzen  einleitenden  Bemerkungen  will  ich  nun- 
mehr noch  die  Liste  jener  Münzstätten  bekannt  geben,  von  denen 
diese  Fälschungen  ausgingen,  und  zwar  will  ich  —  um  nicht  zu 
ermüden  — heute  nur  die  italienischen  Münzstätten  aufzählen, 
indem  ich  jene  Frankreichs,  der  Niedtrlandc  und  Deutschlands 
einer  späteren  Besprechung  vorbehalte. 

Bis  jetzt  sind  16  italienische  Mnnzherren  bekannt,  die  sich 
mit  den  geschilderten  Nachahmungen  befassten,  und  zwar  sind  es 
Besitzer  kaiserlicher  Reichslehen,  die  in  Oberitalien,  im  nord- 
westlichen Theile  desselben,  in  Savoyen  und  Piemont,  im  Ge- 
biete von  Genua,  in  der  Lombardei  und  Mantua  und  im  ehe- 
maligen Herzogthume  Modena  liegen.  In  Mittel-  und  Süditalien 
Hess  die  geschlossene  päpstliche  und  neapolitanische  Herrschaft 
solche  Fälschungen  nicht  aufkommen,  während  die  Zerrissen- 
heit des  Territorialbesitzes  in  Oberitalien  und  das  zu  jener  Zeit 
daselbst   herrschende    Münzpachtsystem   derartiaen    Experimenten 


w^  - 


il'M'r  N:ifu:iuiiiuiig  und   S:icuKiiM-uiin^'  T..n  >iunjiypeil.  101 

sehr  günstig-  war.  lu  Oberitalien  bestanden  nämlich,  sowie  in 
Frankreich  und  Stiddeutschland,  die  sogenannten  Mlinzgenosseu- 
schaften,  das  ist  besondere  mit  kaiserlichen  und  königlichen  Privilegien 
begnadete  Zünfte,  deren  Mitglieder  allein  in  den  verschiedenen 
Münzstätten  angestellt  und  verwendet  werden  durften.  Im  XVI.  Jahr- 
hunderte herrschte  in  Italien  die  Sitte,  die  Münzstätten  gegen  Ent- 
richtung eines  Jahreszinses  an  die  Mitglieder  der  Münzgenossen- 
schaft zu  verpachten.  Da  in  den  kleineren  Münzstätten  durch  Präge 
der  Landesmünze  wenig  Gewinn  in  Aussicht  stand,  so  verfiel  man 
auf  die  oberwähnten  betrügerischen  Auskunftsmittel.  Es  bildete  sich 
bald  eine  förmliche  Fälscherbande  heraus,  die  von  einer  Münzstätte 
zur  andern  zog,  um  ihre  Dienste  anzubieten  und  die  wir  daher 
abwechselnd  bald  da,  bald  dort  finden.  Daher  ist  auch  erklärlich, 
dass  ganz  ähnliche  Fälscluingen  eines  und  desselben  Typus  von 
ganz  gleicher  Fabrik  aus  verschiedenen,  oft  entfernten  Münzstätten 
herrühren. 

Der  Hauptsitz  dieser  Fälscher  war  die  heutige  Provinz  Pieinnm. 
es  waren  die  Grafen  Frinco,  Coconato,  Messerano  und  Dezana. 

Die  Grafschaft  Frinco,  ein  kleines  Ländchen  in  der  Nähe 
von  Asti,  welches  zum  Theil  Reichslehen,  zum  Thcil  Afterlehen  von 
Savoyen  war,  stand  seit  dem  XIII.  Jahrhundert  im  Besitze  der 
Familie  Mazetti,  welche  schon  im  XV.  Jahrhundert  das  Münzrecht 
erhalten  hatte,  es  aber  erst  1581,  als  ihr  dasselbe  von  Seite 
Savoyens  bestätisrt  wurde,  ausübte.  Da  die  Besitzer  wegen  ihrer 
Falschmünzen  die  Reclamationen  der  oberitalienischen  Staaten  her- 
vorriefen, stellten  ihnen  die  Herzoge  von  Savoyen  IGOldie  Ausübung 
des  Münzrecbtes  ganz  ein.  Sie  prägten  meist  nur  gemeinschaftlich 
unter  dem  Titel:  Consortium  Dominorium  Fringi.  Ihre  Münzen 
wurden  von  Promis  in  einer  besonderen  Monograi)hie:  Monete  dei 
Mazetti,  beschrieben.  Unter  den  von  ihm  angetllrten  H5  Münzen  sind 
kaum  drei,  die  nicht  als  eigentliche  Fälschungen  zu  betrachten  sind. 
Seit  der  Herausgabe  jenes  Werkes  hat  Morel  Fatio  in  der  franzö- 
sischen Revue  und  Pronus  in  seinen  Monete  inedite  zahlreiche 
Nachträge  zu  diesem  Capitel  geliefert.  Die  damals  circulirende 
Scheidemünze  Frankreichs,  Avignons,  Piacenzas,  Mailands,  Mo- 
denas,  Bolognas,  der  Schweiz  und  Venedigs  wurde  in  der  rattiiiirte- 
sten  Weise  nachgeahmt.  Von  diesen  Fälschungen  will  ich  bcispiels- 


:^;-^^ 


152 


Dr.  Alexander  Ritter  v.  Pawiowski:  Zwei  Vorträge 


weise  nur  zwei  hervorheben,  jene  der  Parpagliole  von  Piacenza  mit 
den  Köpfen  der  Herzoge  Oetavian  und  Alexander,  auf  denen  sie  die 
Umschrift  des  Averses  in  Oet.  et  Alex.  imp.  fälschten  und  jene  der 
Sesini  von  Venedig,  welch  letztere  für  sie  verhängnissvoll  wurde. 

Sie  imitirten  nämlich  die  Sesini  des  Dogen  Marino  Grimani  in 
vielfachen  Variationen  San  ct.  Marc.  Cus.  nos  =  Custode  nos, 
Sanct  Marcellus  und  im  Reverse  statt  Marin,  dux  =  Maria 
protege.  Als  die  Venetianer  von  diesen  Fälschungen  erfuhren,  for- 
derten sie  die  Einstellung  dieses  betrügerischen  Handwerks  und  da 
die  damals  regierenden  Grafen  Hercules  und  Julius  Csesar  nicht 
allsogleich  Folge  leisteten,  setzten  sie  einen  Preis  von  10.000  Ducaten 
auf  ihre  und  von  2.000  Ducaten  auf  die  Köpfe  ihrer  MUnzmeister. 
Zugleich  wandte  sich  der  Senat  an  den  Herzog  von  Savoyen  und 
an  den  Kaiser.  Ersterer  stellte  ihnen  1601  die  Münzung  allsogleich 
ein  und  der  kaiserliche  Hof  erklärte  sie  1611  ihres  Lehens  verlustig, 
das  sie  erst  später  — jedoch  ohne  Münzrecht  —  durch  Vermittlung 
Piemonts  wieder  zurück  erhielten. 

In  der  Nachbarschaft  Frinco's  lag  die  Grafschaft  Coconato^ 
welche  seit  dem  XH.  Jahrhundert  im  Besitze  der  Familie  Radicati 
war,  die  in  Passerano  zufolge  kaiserlichen  Privilegiums  von  1530 
das  Münzrecht  übte.  Bei  25  Münzen  sind  von  dieser  Münzstätte 
bekannt,  welche  Promis  in  seinem  Werke  Monete  dei  Radicati  näher 
beschreibt.  Promis  kennt  nur  einige  Imitationen  savoyscher,  fran- 
zösischer und  Mailänder  Typen  ;  durch  die  Nachträge  Morel  Fatios 
und  Maggiora  Verganos  aber  wurde  die  Zahl  der  in  Passerano  ver- 
übten Fälschungen  bedeutend  erweitert.  Auch  in  diesem  Lande 
griffen  die  Herzoge  von  Savoyen  ein  und  nöthigten  die  Grafen  1598 
auf  das  Münzrecht  zu  verzichten. 

Aerger  als  diese  beiden  trieben  es  die  Grafen  von  Messe rano. 
Dieses  Reichslehen  war  seit  dem  XIV.  Jahrhundert  im  Besitze  der 
Fieschi,  welche  nebstbei  auch  die  Grafschaft  Lavagna  besassen.  Sie 
sollen  das  Münzrecht  schon  1249  erhalten  haben,  fingen  aber  erst 
Ende  des  XV.  Jahrhunderts  zu  münzen  an.  Münzstätten  waren  zu 
Messerano  und  Crevacore.  Da  sie  durch  nahezu  zwei  Jahrhunderte 
prägten,  sind  ihre  Münzen,  von  denen  Promis  in  einer  besonderen 
Monographie  150  beschrieb,  sehr  zahlreich.  Schon  die  erstem  Fürsten 
liebten  es,   die  Typen  der  benachbarten  Staaten  möglichst  genau 


über  Nachahmung  und  Nachfälschung  von  Müuztypen.  lOO 

ZU  imitiren,  doch  erscheinen  auf  denselben  der  Name  des  MUnz- 
herrn  und  der  Prägeort  vollkommen  deutlich  ausgedrückt,  daher 
können  sie  nicht  als  Fälschungen  aufgefasst  werden.  Die  Reihe  der 
letzteren  beginnt  erst,  als  mit  Filibert  Ferero  1532  die  Linie 
Ferero-Fieschi  zur  Regierang  kam.  Von  den  zahlreichen  Imita- 
tionen von  Schweizer,  Montferrater,  Mailänder,  Savoyer,  Genueser, 
deutschen  und  französischen  Münzen  will  ich  als  Beispiel  nur  jene 
des  sogenannten  Carolus  von  BesauQon  erwähnen.  Die  echten  Typen 
haben  im  Revers  die  Umschrift:  Carolus  V.  Imperator  und  das 
gekrönte  Brustbild  des  Kaisers,  im  Revers  die  Umschrift:  Mone. 
civi.  Bis un.  Kreuz  und  Adler.  Er  behielt  den  ganzen  Typus  bei, 
änderte  nur  die  Umschrift  im  Avers  in  Carol.  V.  imper.  gratia  und 
jene  im  Revers  Monae.  nova  Messer.  Nicht  minder  schlau  sind  die 
Nachahmungen  der  Genueser  Typen,  auf  denen  bekanntlich  im 
Felde  des  Averses  stets  die  sogenannte  Janua,  eine  Art  Pforte, 
erscheint.  Er  ahmte  dieselbe  genau  nach  und  nur  bei  genauer  Be- 
trachtung merkt  man,  dass  sie  aus  den  Buchstaben  F.  i.  1.  (ibert) 
gebildet  ist.  Von  seinem  Nachfolger  B  e  s  s  o  sind  insbesondere  die 
Bologneser  Lire  Pius  IV.  hervorzuheben.  Er  änderte  nur  die 
Umschrift:  „Pius  IUI  Pont.  Max"  in  „A  Pio  IIIL  Pont.  Max.-^ 
Diese  Fälschung  setzte  dessen  Nachfolger  Franz  Filibert  fort,  der 
die  Bologneser  Lire  Clemens  VIII.  in  der  Weise  iniitirte,  dass  der 
Umschrift  Clemen.  VIII.  Pont.  Max.  das  Wort  ausp.  (iciis)  beige- 
setzt wurde,  weil  er  von  ihm  1592  den  Fürstentitel  erhalten  hatte. 
Ausserdem  sind  von  ihm  und  seinem  Nachfolger  Paul  täuschende 
Nachahmungen  verschiedener  Mailänder,  Mantuaner,  Venetianer, 
Lothringer,  Savoyscher,  Genueser,  Schweizer  und  Brabanter  Münz- 
typen bekannt.  Als  die  strengen  Maassregeln  der  Kaiser  vor  weitereu 
Fälschungen  zurückschreckten,  warf  man  sich  Mitte  des  XVII.  Jahr- 
hunderts auf  die  Fabrikation  der  Luigini,  die  unter  dem  Namen  der 
Anna  Mar.  Christina,  Gemalin  des  Fürsten  Carl  Ludwig,  angefertigt 
wurden. 

Ebenso  arg  ging  es  in  der  Duodez-  Grafschaft  Dezaua  im 
Gebiete  von  Vercelli  zu,  wo  seit  dem  Beginn  des  XV.  S»cu- 
luras  die  Familie  Tizzone  herschte  und  zufolge  kaiserlichen  Privi- 
legiums seit  1510  in  Dezana  münzte.  Promis  hat  die  Münzgeschichto 
dieses  mUnzreichen  Ländchens,   von  dem  bei  130  Münzen  von  zehn 


■r:^^jr--i^jrr.r:i^ 


154 


I)r.  Alexander  Rittor  v.  Pawlowski:  Z-wei  Vortrag 


verschiedenen  Regenten  bekannt  sind ,  in  einer  besonderen  Mono- 
graphie bearbeitet.  Aus  seinem  Werke  und  aus  manchen  Kachträgen, 
die  in  der  Revue  beige  und  frangaise,  ferner  in  den  Arbeiten  Morel 
Fatio's  geliefert  wurden,  geht  hervor,  dass  die  ^ier  letzten  Fürsten 
ihre  Münzstätte  durch  ein  volles  Jahrhundert  fast  nur  mit  Imitationen 
französischer,  modenensischer,  Bologneser,  Mailänder,  Schweizer, 
deutscher  und  Metzer  Typen  beschäftigten.  Vom  Grafen  DelfinTizzone 
sind  beinahe  nur  Fälschungen  bekannt,  unter  anderen  Piacenzaer 
Parpajolen  mit  0 ct.  et  Anton.  Imp.  und  genaue  Copien  der  Metzer 
Fiorini,  auf  denen  statt  Moneta  nova  Met.  (M.  e.c.T.  =  Marchionis 
et  comitisTizone)  steht.  Die  Grafen  hatten  wegen  dieser  Fälschungen 
zahh-eiche  Conflicte  mit  den  Nachbarstaaten  und  einen  Process  mit 
dem  kaiserlichen  Fiscus,  so  dass  sie  1693  ihr  Münzrecht  käuflich 
an  Piemont  abtraten. 

Im  Gebiete  von  Genua  lagen  drei  Reiclislehen,  von  denen  zwar 
keine  eigentlichen  Fälschungen  aber  Imitationen  der  Handelsmünzen 
ausgingen;  es  waren  jene  der  Spinola,  der  Doria  und  des  Klosters 
von  Lesino. 

Die  Familie  Spinola  bi^>;t>>  aa>Li"»>i  vht-  x.ui-uairinon^ 
Landischen  Reichslehen  Tassarolo,  Ronco,  Arquata  und  Vergagui 
und  errichtete  auf  jeder  derselben  eine  MünV.stätte.  Ihre  Münzen, 
welche  Olivieri  in  seinem  Werke:  Monete  degli  Spinola  beschrieb, 
sind  grösstentheis  gute  Landmünze,  nur  Luigini  wurden  auf 
Bestellung  von  Livorneser  Kautieuten  in  Tassarolo  im  grossen  Maass- 
stabe geprägt. 

Dasselbe  war  auch  der  Fall  auf  den  Besitzungen  der  Doria, 
welche  im  Gebiete  von  Genua  das  Fieschi'sche  Lehen  Torriglia  und 
die  Grafschaft  Loano  besassen.  Auch  ihre  Münzen  wurden  von 
Olivieri  in  einer  besonderen  Monographie  beschrieben.  Dass  die 
Fürstin  Violanta  Doria  an  sieben  Orten  ihres  Gebietes  Münzstätten 
für  Luigini  errichtete,  wurde  bereits  erwähnt. 

Dem  Beispiele  dieser  beiden  Fürsten  folgte  auch  das  an  der 
Küste  der  Provence  gelegene  Kloster  S.  Honorato  di  Lerino,  welches 
im  genuesischen  Gebiete  das  Lehen  Seborga  (Castrum  Sepulcri) 
besass.  Die  Mönche  hatten  kein  Münzrecht,  errichteten  aber  hier 
oder   vielleicht   auf  der  Ins^el   S.   Honorato   selbst   im  Jahre   1666 


ül.er  Naifiahmuiig  und  Nachfälschung  von  Müiiztypen.  I  Oi") 

eine  Münzstätte  für  Ausprägung  von  Luigini,  welche  im  Avers  das 
jugendliehe  Brustbild  eines  Mönches,  im  Revers  das  Wappen  des 
Klosters  und  auf  beiden  Seiten  die  Umschrift :  Monaster.  Lerinense 
S.  Sepulchri  führen.  Obwohl  die  Münzstätte  durch  fünf  Jahre  diese 
MUnzsorte  prägte,  sind  ihre  Luigini  höchst  selten. 

Auf  dem  lombardischen  Boden  konnten  dergleichen  Fäl- 
schungen nicht  recht  gedeihen,  da  die  Territorialgewalt  der  Mailäu- 
dischen  Herzoge,  die  zugleich  Könige  von  Spanien  waren,  zu  mächtig 
war.  Doch  wurden  in  drei  Ländchen  solche  Imitationen  versucht;  in 
der  kleinen  an  der  Schweizer  Grenze  gelegenen  Grafschaft  Mac- 
cagno,  wo  Jacob  IIL  aus  der  Familie  Mandelli  seit  1622  das  Münz- 
recht ausübte  und  mehrere  Schweizer  und  Mailänder  Typen  copirte, 
ferner  in  dem  Fürstenthume  Campi,  im  Gebiete  von  Pavia,  wo  die 
Familie  Centurione  seit  1654  prägte.  Von  diesen  Fürsten  sind  über- 
haupt nur  einige  wenige  höchst  seltene  Münzen  bekannt,  dagegen 
sind  die  auf  den  Namen  der  Fürstin  Julia  Centurione  geprägten 
Ottavetti  nicht  selten.  Endlich  ist  noch  das  vonMantua  umschlossene 
Marquisat  von  Gazzoldo  zu  erwähnen. 

Dieses  Marquisat  war  zur  Zeit  der  von  uns  erwähnten  Münz- 
fälschung im  Besitze  der  Familie  Ippoliti,  welche  vom  Kaiser 
Rudolf  IL  das  Münzrecht  erhalten  hatte.  Bisher  sind  nur  4  und 
zwar  sehr  seltene  Münzen  aus  dieser  Prägstättc  bekannt.  Um 
so  mehr  lag  die  Vermuthung  nahe,  dass  man  auch  hier  mit  der  Münz- 
fälschung anderer  Typen  ein  Geschäft  getrieben.  Neuere  Forschungen 
haben  diese  Vermuthungen  bestätigt.  Zahlreiche  Bajochelle  und 
sogenannte  Murajolo  (a  2  Soldi)  mit  den  Typen  Sixtus  \'.  und  Gre- 
gors XIII.  wurden  bekannt,  bei  denen  die  versteckte  Umschrift :  Mo 
Co.  Gaz.  oder  Fra.  Co.  Gaz.  u.  s.  w.  den  Ursprung  anzeigt. 

Die  zahlreichsten  und  ärgsten  Fälscher  waren  im  Gebiete  von 
Mantua.  Die  Familie  Gonzuga,  welche  seit  1328  dieses  Land  be- 
herrschte, hatte  durch  Erbtheilungen,  am  Schluss  des  XV.  und  seit 
Anfang  des  X\  L  Jahrhunderts  zahlreiche  kleine  Fürstenthünier  ge- 
schaffen, welche  später  meist  auch  den  Herzogstitel  erhielten;  es 
waren  dies  die  Herzogtliümer:  Pomponesco,  Bozzolo,  Sabionetta, 
Castiglioue  (von  anderem  gleichen  Fürstenthum  Italiens  durch  den 
Beisatz  delleStiviere  unterschieden)  undSi)lferino,  welche  später  alle 


156 


Dr.-  Alexander  Ritter  v.  Pawlowski:  Zwei  Vorträge 


wieder  mit  Mantua  vereinigt  wurden,  ferner  Guastalla  und  Novel- 
lara,  die  später  zuModena  kamen.  Die  Regenten  dieser  sieben  kleinen 
Ländchen  erhielten  als  Nachkommen  der  Gonzaga  durch  kaiserliche 
Verleihung  das  MUnzrecht.  Da  das  Umlaufgebiet  ihrer  Landmünze 
meist  sehr  klein  war  und  nur  wenige  Quadratmeilen  umfasste,  so 
verlegten  sie  sich  auf  Fälschungen.  Am  massvollsten  war  die  Linie 
Sabionetta,  von  der  nur  wenige  Nachahmungen  constatirt  sind. 
Mehrere  Täuschungen  finden  wir  bei  Pomponesco,  und  zwar  zunächst 
Brabanter,  Genueser  und  Genfer  Typen  (auch  ganz  anonyme:  G  e- 
nuina  civilitas  statt  Genevensis  civitas). 

Arg  ging  es  in  Castiglione  und  der  von  1640 — 78  fungiren- 
den  Münzstätte  von  Solferino  zu,  wo  kurze  Zeit  eine  Nebenlinie 
regierte.  Von  Castiglione  aus  wurde  in  der  Zeit  von  1586  bis  1650 
ganz  Oberitalien  mit  derartig  gefälschten  Münzen  überschwemmt,  und 
zwar  wurden  Mantuaner,  Mailänder,  Savoysche,  Luccheser  vor  allem 
aber  päpstliche  Typen  nachgeahmt.  Unter  den  drei  fürstlichen  Fäl- 
schern dieses  Hauses  gebührt  dem  Fürsten  Rudolf  (1586  bis  93)  der 
Vorrang.  Er  verlegte  sich  insbesondere  auf  päpstliche  Bojochelle, 
Gregor  XIII.  und  Sixtus  V.  von  denen  Cinagli  in  Le  monete  de 
Papi  allein  55  verschiedene Typenaufzälilt,  welche  alle  das  päpstliche 
Brustbild  und  statt  der  Umschrift:  Sixtus  V  pont.  max.  eine  ähnlich 
lautende  Umschrift:  S.  Sixtus  Pont.  max.  oder  den  Namen  eines 
Heiligen  führen,  der  Rev.  ist  ebenfalls  täuschend  nachgeahmt  und 
hat  meist  dieselbe  Umschrift  wie  die  päpstliche  Münze  mit  Beigabe 
einiger  Buchstaben,  welche  der  Präger  Gant,  oder  den  Prägehen*n 
Rud.  C.  C.  anzeigen.  Nicht  besser  machte  es  Carl  Gonzaga,  der 
Solferino  als  selbständiges  Fürstenthum  erhalten  hatte,  das  später 
mit  Castiglione  vereinigt  wurde;  er  ahmte  die  Scheidemünzen  von 
Mantua,  Lucca,  Modena  und  päpstliche  Münzen  nach.  Von  manchen 
dieser  Fälschungen  ist  es  schwer,  den  Ursprung  auf  Solferino  zurück- 
zuführen, da  sie  oft  ganz  anonym  sind,  allein  einzelne  Worte  z.  B. : 
D.  Sol.  =  Dux  Solf  oder  S.  N.  P.  Sol  =  S.  Nicol.  Protector  Sol- 
ferini  führen  auf  die  Spur. 

Weniger  frech  trieben  es  die  Gonzaga  in  Guastalla,  von 
denen  nur  Copien  der  Bologneser  Lire  bekannt  sind,  und  die  Gon- 
zaga in  No  vellara,  von  denenAlfons  I  (1650  bis  78)  modenesische, 
Luccaner  und  Bologneser  Typen  copirte.  Diese  beiden  Herzogthümer 


I 


f 


über  Nachahmung  und  Nachfalsrhuut;  von  Münztypeu,  '  •  *  < 

lagen,  wie  bereits  erwähnt  wurde,  im  Gebiete  von  Modena,  wo  sich 
noch  zwei  andere  derartige  Münzstätten  befanden.  Daselbst  besassen 
die  Malaspina  das  Münzamt  Fosdinovo,  für  das  ihnen  Leopold  I. 
]  666  das  Müuzrecht  bewilligte.  Bis  jetzt  sind  nur  zwei  gute  Münzen 
(Teston  und  6  Soldi)  aus  dieser  Münze  bekannt,  dagegen  war  Fos- 
dinovo  durch  mehrere  Jahre  eine  der  thätigsten  Münzstätten  für  die 
Präge  der  schon  oft  erwähnten  Luigini.  Pasquale  Malaspina  Hess 
zahlreiche  anonyme  Typen  mit  dem  Porträt  seiner  Gemalin  Maria 
Magdalena  und  Carl  Augustin  auf  seine  Mutter  Christina  Pallavicini 
prägen.  Sie  haben  alle  im  Avers  das  Brustbild  einer  Frau,  das  dem  der 
Anna  Maria  Louise  von  Dombes  täuschend  ähnlich  ist  und  im  Revers 
das  Lilienwappen,  aber  auf  beiden  Seiten  allgemeine  Sprüche  z.  B. 
Hanc  Asia  mereem  querit  etc. 

Ich  schliesse  die  Reihe  der  italienischen  Fälscher  mit  dem  be- 
rüchtigten Fürsten  Syrus  von  Correggio.  Dieses  kaum  einige  Meilen 
umfassende  Ländchen  gehörte  seit  dem  12.  Saeculum  einer 
Patrizier  Familie,  die  sich  nach  der  Stadt  nannte,  1452  in  den 
Grafenstand  erhoben  wurde,  1559  das  Münzrecht  erhielt,  1580  in 
Folge  der  Gleichheit  ihres  Wappens  mit  dem  Österreichischen  den 
Beinamen  d'Austria  und  1616  den  Fürstentitel  erhielt.  Nur  drei 
Glieder  dieses  Hauses  münzten,  und  zwar  Camillo  und  Fabrizio, 
anfangs  gemeinschaftlicli,  dann  Ersterer  allein  und  endlich  der 
erwähnte  Syrus,  der  1605  die  Regierung  übernahm.  Während  sich 
die  vorher  genannten  Fälscher  nur  auf  kleine  Scheidemünzen  und 
meist  nur  auf  italienische  oder  Schweizer  Typen  verlegten,  betrieb 
dieser  das  Fälschungsgeschäft  in  ausgedehentesteni  Masstabe.  Nicht 
nur  Scheidemünze,  sondern  auch  Imitationen  grosser  Münzen  Deutsch- 
lands, Frankreiclis.  der  Schweiz,  der  Niederlande  und  Italiens  gingen 
aus  seiner  Münzstätte  hervor.  Er  construirte  beliebige  Wai)pen, 
Brustbilder,  Embleme,  wie  er  sie  eben  brauchte.  Sign.  Quiriuo 
Bigi  hat  sich  der  Mühe  unterzogen,  diese  Fälschungen  in  einem 
besonderem  Werke  zusammenzustellen.  So  eingehend  auch  seine 
Forschungen  waren,  so  sind  sie  beiweitem  noch  nicht  erschöpfend, 
wie  dies  Carlo  Kunz  in  seiner  Beschreibung  des  Museo  Bottaciu 
durch  Beifügung  zahlreicher  Nachträge  und  auch  in  unserer  Zeit- 
schrift E.Forchheimerdurch  Bekanntgabe  eines  von  Bigi  übersehenen 
Tlialersdarthun.  Solches  Treiben  blieb  nicht  ungestraft.  Zahlreiche 


158 


Dr.  Alexander  Ritter  v.  Pawlowski:  Zwei  Vorträsc 


Keichsstände  reichten  Klagen  am  kaiserlichen  Hofe  gegen  Syru« 
ein,  wo  ihm  der  Process  gemacht,  er  seines  Landes  verlustig  erklärt, 
1633  durch  kaiserliche  Soldaten  vertrieben  und  ihm  ein  Pönale 
von  300.000  Gulden  auferlegt  wurde.  Modena,  welches  das  Strafgeld 
für  ihn  erlegte,  wurde  hierauf  mit  Correggio  belehnt. 

Ich  schliesse  diese  kurzen  Andeutungen  mit  dem  Wunsche, 
dass  dieselben  die  Aufmerksamkeit  der  Anwesenden  auf  dieses 
interessante,  bisher  noch  wenig  cultivirte  Gebiet  hinlenken,  und  zu 
neuen  Forschungen  anregen  mögen. 


d 


über  Nachahnmng  und  Nachfälschung  von  Münztypen.  10  J 


IL 

(21.  October  1876.) 

Im  verflossenen  Jahre  habe  ich  mir  erlaubt,  an  dieser  Stätte 
über  ein  Gebiet  der  Numismatik  zu  sprechen,  das  bisher  noch 
wenig  Beachtung  gefunden  hat,  und  über  das  wir  eine  zusammen- 
fassende literarische  Darstellung  leider  gänzlich  vermissen,  näm- 
lich über  die  im  Mittelalter  und  im  Beginne  der  Neuzeit  von  Seite 
einiger  mtinzberechtiger  Dynasten  und  Städte  Italiens,  Frankreichs, 
Deutschlands  und  der  Niederlande  im  grossartigen  Maassstabe  be- 
triebenen Münzfälschungen.  Ich  habe  meine  damalige  Darstellung 
zuerst  nur  auf  die  italienischen  Länder  beschränkt.  Heute  will  ich 
es  versuchen,  über  die  in  den  Niederlanden  stattgefundenen 
Münzfälschungen  einige  Andeutungen  zu  geben. 

Dieselben  werden  vielleicht  dazu  beitragen,  manches  Räthsel, 
das  den  Forschern  und  Sammlern  bisher  ungelöst  blieb,  aufzu- 
klären. 

In  den  Niederlanden,  woselbst  sich  nach  dem  Verfall  der 
carolingischen  Monarchie  die  nationalen  Herzogthümer  in  zahl- 
reiche münzberechtige  Grafschaften  und  Herrlichkeiten  auflösten, 
war  derselbe  günstige  Boden  für  derartige  Fälschungen  vorhanden, 
wie  in  Italien.  Hier  wie  dort  wurde  ein  lebhafter  auswärtiger 
Handel  betrieben,  der  zur  Ausgleichung  grosse  Summen  baren 
Geldes  erforderte.  In  beiden  Ländern  war  keine  stramme  Central- 
gewal  t  vorhanden,  welche  derartigen  Ausschreitungen  mit  Erfolg 
entgegentreten  konnte.  In  den  Niederlanden  berührten  sich  die 
Grenzen  des  deutschen  und  französischen  Reiches,  und  seit  dem 
Beginne  der  Neuzeit  durchkreuzten  sich  die  deutsche,  spanische, 
französische  und  republicanische  Oberherrschaft  im  stetem  Wechsel, 
so  dass  die  Ausschreitungen  der  kleinem  Dynasten  kein  energisches 


^'<^■r/'-c'  '>^;'^^j^. 


160 


Dr.  Alexander  Ritter  v.  Pawlowski ;  Zwei  Vorträge 


Einschreiten  zu  fürchten  hatten.  Die  Münzfälschungen  beginnen 
daher  daselbst  auch  schon  früher,  als  in  den  übrigen  Ländern 
Europa's^  nämlich  schon  gegen  Ende  des  13.  Sieculums,  und  finden 
erst  gegen  Ende  des  17.  Jahrhunderts  ihren  Abschhiss. 

Um  ein  volles  Verständniss  dieser  eigenthümlichen  Erscheinung 
herbeizuführen,  halte  ich  es  für  nöthig,  eine  kurze  Skizze  über  die 
historische  Entwicklung  der  Münztypen  in  den  Niederlanden 
voranzuschicken. 

Als  die  nationalen  Herzogthünier,  Grafschaften  und  Herrlich- 
keiten das  Münzrecht  erhielten,  bildete  der  caroliugische  Denar 
das  Vorbild  für  den  Typus  sowohl  wie  flir  den  Münzfuss.  Erst  im 
12.  Jahrhundert  wurden  die  Münzbilder  etwas  mannigfaltiger,  dafür 
aber  der  Denar  in  seinem  Umfange  und  Gewichte  immer  kleiner,  bis 
sich  endlich  gegen  Anfang  des  13.  Jahrhunderts  in  der  sogenannten 
Maille,  einer  kleinen  niedlichen  obolenartigen  Münzsorte,  eine  dem 
Typus  und  Münzfusse  nach  streng  nationale  Münze  herausbildete. 
Da  aber  die  erwähntenLänderzu  jener  Zeit  einen  äusserst  schwung- 
haften Handel  einerseits  gegen  Norden  mit  England,  andererseits 
gegen  Süden  mit  Frankreich  und  Italien  und  gegen  Osten  mit 
Deutschland  führten,  so  waren  sie  bald  durch  ihre  Interessen  ge 
nöthigt,  ihr  Münzsystem  und  ihre  Münztypeu  dem  internationalen 
Verkehre  anzupassen.  Seit  der  zweiten  Hälfte  des  13.  Sseculunis 
erlangten  zwei  Silbermünzsorten  eine  fast  allgemeine  Verbreitung 
durch  ganz  Europa:  der  englische  Sterling,  welcher  den  Verkehr 
im  Norden,  und  der  französische  gros  tournois,  das  heisst  Turnose 
welche  den  Verkehr  in  Mittel-  und  Südeuropa  beherrschte.  Diese 
Münzsorten  wurden  von  zahlreichen  Dynasten  Europas  mehrere 
Jahrhunderte  hindurch  nach  feststehenden  gleichen  Typen  aus 
geprägt.  Für  den  Sterling  wurde  der  Typus,  den  König  Heinrich  III. 
von  England  zuerst  einführte,  ständig.  Er  zeigt  im  Avers  ein  ge- 
kröntes gelocktes  Brustbild  von  vorne  mit  demNamen  des  Regenten, 
im  Revers  ein  durchgehendes  Kreuz  mit  je  drei  Kügelchen  in  den 
Winkeln  und  dem  Prägeort  als  Umschrift.  Bei  den  Turnosen  wurde 
jene  Form  beibehalten,  welche  Ludwig  IX.  der  Heilige  zuerst 
anwandte:  im  Avers  innerhalb  einer  Lilieneinfassung  ein  Castell 
mit  der  Umschrift  Tu  r  onus  civis,  im  Revers  ein  Kreuz  mit  doppel- 
ter Umschrift,  nach  aussen  der  Spruch:    Benedictum  sit  nomenj 


über  Nachahmung  und  Xachfälschung  von  Münztypen. 


161 


Doiuini,  nach  Innen  der  Name  des  Regenten:  Lodovicus  Rex, 
oder  Philipp  US  rex  u.  s.  w.  Als  im  14.  Sseculumdie  von  Italien  aus- 
gehende Goldwährung  den  internationalen  Verkehr  zu  beherrschen 
anfing,  wurden  diese  Silbermlinzen  auch  in  den  Niederlanden  all- 
mälig  durch  die  Goldmünze  verdrängt.  Dem  florentinischen  Gold- 
gulden mit  der  Lilie  und  dem  heiligen  Johannes,  dem  französischen 
Mouton  d'or  und  Royal  folgten  später  der  englische  Goldnobel, 
der  rheinische  Goldgulden  und  der  ungarische  Ducate.  Sie  wurden 
daselbst  viele  Jahrhunderte  hindurch  nach  stereotypen  Normen  fort» 
geprägt.  Seit  Einführung  der  früheren  Goldwährung  im  internatio- 
nalen Verkehre  verwandelten  sich  die  grösseren  Silbermünzsorten  zu 
eigentlichen  Land-  oder  Landesmünzen.  Von  nun  an  werden  ihre 
Typen  immer  mannigfaltiger,  an  die  Stelle  des  Castells  treten 
Wappen,  Löwen,  Helme  u.  s.  w.,  es  bildeten  sich  in  den  ver- 
schiedenen Ländern  locale  Typen  aus,  welche  sich  gleichfalls  oft 
Jahrhunderte  hindurch  erhielten,  und  im  Volksmunde  besondere 
Namen  z.  B.Botdrager  (Leonheaumö)  Roosbecker,  Spaphan  u.  s.  w. 
erhielten.  Sobald  ein  solcher  Typus  allgemeine  Beliebtheit  erlangte, 
wurde  er  von  den  benachbarten  kleineren  Münzherren  allsogleich 
nachgeahmt,  um  dadurch  der  eigenen  Münze  ein  grösseres  üm- 
laufgebiet  zu  verschaffen.  Diese  Typennachahmung  kommt  übri- 
gens auch  in  anderen  Gebieten  Europas  vielfach  vor.  Sie  gehört 
nicht  in  das  Gebiet  der  Münzfälschung,  sie  gab  aber  Anlass 
und  Gelegenheit  zu  derselben. 

Um  nämlich  gewissen,  im  internationalen  Verkehre  beliebten 
Münzsorten  den  Verkehr  im  Auslande  zu  erleichtern,  um  ferner  den 
Münzen  kleiner  unbekannter  Münzherren  ein  grösseres  Umlaufgebiet 
zu  sichern,  und  um  endlich  geringhaltige,  nach  leichter  Fassung 
ausgeprägte  MUnzen  in  den  Verkehr  einzuschmuggeln,  versuchte 
man  es,  nicht  nur  die  Typen  sondern  auch  die  Umschriften  fremder 
Münzsorten  möglichst  genau  nachzuahmen,  indem  man  durch 
schlaue  Combinationen  den  grösseren  Theil  der  Legende  des  Ori- 
ginals (womöglich  die  Anfangsworte  des  Av.  und  Rev.)  auf  die 
nachgeahmte  Münze  übertrug.  Man  rechnete  hiebei  auf  die  damals 
noch  stark  verbreite  Unkenntniss  des  Lesens,  welche  die  Täuschung 
wesentlich  erleichtert.  Eine  vollständige  Wiedergabe  der 
fremden  Legende,  also  eine  eigentliche  Falschmünzerei  wurde  nicht 

11 


^^y-f:^^-r^ 


162 


Dr.  Alexander  Ritter  t.  Pavel owski :  Zy 


gewagt,  da  man  sich  vor  der  Bestrafung  fürchtete,  daher  wurden 
stets  einige  Buchstaben  oder  Worte  beigefügt,  um  den  Präge - 
herrn  oder  die  Prägestätte  anzuzeigen.  Oft  wurde  z.B.  der  Avers  der 
nachgeahmten  Münze  vollständig  beibehalten  und  nur  im  Kevers 
der  eigentliche  Prägeort  angedeutet.  So  haben  wir  Double  und 
Denier  tournois  von  der  Grafschaft  Rechheim,  auf  welchen  im  Avers 
nicht  nur  der  Typus,  sondern  auch  die  Umschrift  des  französischen 
Originales  iKarolusfrancorum  Rex  vollständig  erscheint,  während 
im  Revers  durch  die  Umschrift  moneta  de  Re.  der  eigentliche 
Prägeort  ausgewiesen  wird. 

Durch  diese  Fälschungen  wurde  eine  grosse  Serie  räthsel- 
hafter  Münzen  geschaffen,  die  man  lange  Zeit  hindurch  für 
Producte  der  privativen  Falschmünzung  oder  deren  unverständliche 
Legenden  man  für  Stempelfehler  hielt  und  die  man  daher  in  Samm- 
lungen zu  den  Originalen  legte,  denen  sie  nachgeahmt  sind. 
Erst  in  der  neuesten  Zeit,  als  man  anfing,  die  Münzgeschichte  der 
einzelnen  Länder  quellenmässig  aus  Urkunden  und  Münzacten 
zu  Studiren,  kam  Licht  in  diesen  bisher  dunkeln  Theil  der  Numis- 
matik. 

Wenn  wir  die  Reihenfolge  der  in  den  Niederlanden  beschrie- 
benen Fälschungen  chronologisch  verfolgen,  so  finden  wir,  dass 
sie  daselbst  schon  Ende  des  13.  Jahrhunderts  beginnen,  und  zwar 
wurde  mit  den  englischen  Sterlings  der  Anfang  gemacht.  Wie  ich 
bereits  erwähnte,  wurde  diese  in  das  niederländische  Münzsystem 
genau  hineinpassende  Geldsorte  —  sie  repräsentirte  ein  Drittel 
des  niederländischen  Groschen  —  von  allen  Mlinzherren  dieses 
Landes  genau  nach  dem  englischen  Urtypus  naehgeprägt.  Um 
diesen  Beischlägen  auch  in  England  und  im  Auslande  überhaupt  leicht 
Eingang  zu  verschaffen,  wurden  die  Legenden  häufig  so  einge- 
richtet, dass  das  erste  Wort  im  Avers  und  Revers  den  gleich- 
zeitigen englischen  Sterlings  gleichkam.  Insbesondere  in  Luxem- 
burg wurden  derartige  Fabrikate  für  den  Handel  erzeugt,  so  fangen 
z.  B.  die  Sterlings  des  Königs  Johann  von  Böhmen  meist  mit  dem 
Worte  Edu.  an,  um  sie  den  Sterlings  Eduard  IL  von  England  ähn- 
lich zu  machen,  so  dass  die  Legende  des  Averses  ganz  unverständ- 
lich: Edu.  Joanes  Rex.  B.  lautet.  Ruding  und  Hawkins  in  ihrem 
Werke  über  die  englischen  Silbermünzen,   und  Chautard  in  seinem 


I 


w 


'"Cr.^fr- 


über  Nachatimung  ond  Nachfälschuiig  vun  Miniztyi)»n. 

Werke:  Monuaies  au  type  esterliu  liabeu  Hunderte  solcher  räthsel- 
bafter  Sterlings  abgebildet,  deren  T.rtsmiii-  ict/.t  .<r-hon  grössfmtli.'ils 
gelungen  ist. 

Auch  mit  den  Tournosen  wurden  ähnliche  Kunststücke  versucht. 
In  der  eigentlichen  Umlaufzeit  des  gros  Tournois  hiessen  alle  fran- 
zösischen Könige  entweder  Ludwig,  Philipp  oder  Carl.  Ihre  Tournosen 
unterscheiden  sich  von  einander  nur  durch  die  innere  Umschrift  des 
Reverses  welche  den  Namen:  Ludovicus  Rex,  Philippus  rex. 
u.  s.  w.  flihrt.  Diesen  Umstand  benützten  die  niederländischen 
Mtinzherren,  welche  den  gleichen  Namen  führten.  Sie  copirten  die 
französischen  Turnosen  mit  photographiseher  Treue,  und  setzten  nur 
an  Stelle  des  Wortes  Rex  drei  andere  Buchstaben,  welche  ihren 
Titel  andeuteten  z.  B.:  C.  V.  B.  soll  bedeuten  Comes  Valkenburg. 
D.  N.  S.  =  dominus.  Die  Bestimmung  solcher  Turnosen  ist  daher 
oft  sehr  schwierig. 

Als  dann  die  Goldmünzen  das  Silber  aus  dem  internationalen 
Verkehre  verdrängten,  wurden  diese  Manöver  auch  auf  die  Gold- 
münzen ausgedehnt,  und  bis  gegen  das  Ende  des  16.  Jahrhunderts 
fortgesetzt.  So  Hessen  z.  B.  noch  die  niederländischen  Provinzen, 
die  sich  von  Spanien  losgerissen  hatten,  die  Goldmünzen  nach  spa- 
nischem Typus  selbst  mit  dem  Namen  und  Brustbild  des  spanischen 
Königs  fortprägen,  weil  man  im  Verkehre  daran  gewöhnt  war.  Die 
in  den  Niederlanden  geprägten  Excellentes  mit  dem  Namen  und 
Brustbilde  Ferdinands  und  Isabellas  sind  bekannte  Beispiele.  Durch 
Beifügung  des  Namens  der  Provinz  und  den  Beisatz  ad  valorem 
Hispanise  sind  sie  bei  genauer  Betrachtung  kenntlich. 

Die  meisten  der  bisher  erwähnten  Münznachahmungtn  ImittMi 
nur  den  Zweck,  den  Geprägeu  der  kleinereu  Länder  einen  leichten 
Absatz  zu  verscbatfen.  Sie  waren  meist  an  Schrot  und  Korn  den  nach- 
geahmten Originalen  vollkommen  gleich,  und  richteten  daher  im 
Verkehr  keinen  besonderer  Schaden  an.  Seit  der  Mitte  des  IG.  S». 
culuras  beginnt  aber  eine  Reihe  schamloser  Münzlälschungcu, 
die  zunächst  auf  Betrug  berechnet  waren,  indem  man  geringhaltige 
schlechte  Münze  unter  fremdem  Stempel  in  den  Verkehr  einzu- 
schmuggeln suchte.  Als  nändich  die  Niederlande  unter  spanische 
Herrschaft  gelangten,  und  dadurch  die  Lehensverhältnisse  zum 
deutschen  Reiche  theils  zerrissen  theils  gelockert  wurden,  als  dann 


-^i?'^'^'' 


164 


Dr.  Alexander  Ritter  v.  Pawlowski :  Zwei  Vorträge 


später  nach  dem  Abfalle  der  nördlichen  Provinzen  die  Machtver- 
hältnisse fortwährend  wechselten,  gelangte  in  den  an  der  Maas 
gelegenen  östlichen  Gebieten  diese  Art  der  Münzfälschung  zur 
vollen  Blühte.  Die  an  der  Maas  gelegenen  geldrischen  und  bra- 
banter  Lehen:  Die  Grafschaften  Batenburg,  s' Heerenberg,  Kuilen- 
burg,  Stevensvaert,  die  Grafschaft  Vianen  und  Megen,  die  Herrlich- 
keiten Pallant,  Limb  rieh  und  Blijt,  vor  allem  aber  die  in  nieder- 
ländischen Gebiet  eingekeilten  deutschen  Reichslehen  Reckheim 
und  Gronsfeld  betrieben  diese  Industrie  systematisch.  Sie 
ahmten  nicht  nur  die  Münzsorten  ihrer  niederländischen  Nachbar- 
staaten, sondern  auch  englische,  französische,  deutsche,  Lothringer] 
und  Metzer  Typen  nach.  Ich  will  hier  nur  einige  der  am  meisten  be- 
rüchtigten Fälscher  beispielsweise  anführen. 

Graf  Wilhelm  von  Batenburg,  der  zwischen  1556—1573 
regierte,  Hess  bei  20  fremdländische  Münzsorten  nachprägen.  Wir 
kennen  vor  ihm  italienische  Kronen,  englische  Angelotten,  portugie- 
sische Goldkrusaden,  deutsche  Mariengroschen  und  italienische 
Lire  nach  Bologneser  Typus.  Alle  diese  Münzen  sind  auf  Täuschung 
berechnet,  obschon  sie  den  Prägeort  Mo.  no.  Ba.  führen. 

DieGrafenvon'sHeerenberg  oder  Berg  nützten  die  politische! 
Wirren  gleichfalls  zu  ähnlichen  Zwecken  aus.  Graf  Wilhelm  IVj 
(1546—1556)  hatte  in  Berg,  Hedel  und  Diesen  solche  Falsch- 
münzen.  Sein  Enkel  Friedrich  (1611  — 1618)  Hess  grossen  Massen' 
niederländischer  insbesondere  friesischer  Kupferdeuts  fabriziren. 
Die  Originale  hatten  im  Avers  ein  Leopardenwappen  ohne  Umschrift, 
im  Revers  das  Wort  Frisia  in  einer  Zeile.  Er  wählte  nun  aus  seinem 
vielfeldigen  Wappen  gleichfalls  ein  Leopardenschild  aus  und  setzte 
es  auf  den  Avers.  Im  Revers  gebrauchte  er  statt  des  Wortes  Fri- 
sia das  Wort  Frisib,  dasselbe  enthielt  nämlich  die  Anfangsbuch- 
staben seines  Namens:  Fredericus  Romani  Imperii  Comes  in  Baten- 
berg.  —  Auf  der  Prägstätte  Wered  oder  Stevenswaert,  wo  eine 
Seitenlinie  der  Grafen  von  Berg  regierte,  wurden  die  Metzer 
Groschen  täuschend  ähnlich  nachgeahmt,  nur  wurde  die  Umschrift 
S.  Stephanus  Mettensis  in  S.  Stephanus  Wertensis  ver- 
wandelt. 

Am  ärgsten  trieben  es  aber  die  deutschen  Reichsgrafen  Reck- 
beim,  deren  Land  zwischen  Brabanter  undLütticher  Gebiet  einge- 


über  Nachahmung  und  Xachfalschung  von  Münztypen.  lÜÖ 

keilt  war,  das  aber  jetzt  zu  Belgien  gehört.  Schon  im  15.  Jahrhundert, 
als  Reckheim  dem  Hausse  Sombref  gehörte,  und  im  16.  Jahrhundert, 
als  das  Geschlecht  Flodorf  daselbst  herrschte,  wurden  in  Reckheim 
meist  nur  auf  Täuschung  berechnete  Nachahmungen  niederländi- 
scher, französischer,  Lothringer  und  Aachner  Typen  ausgeprägt. 
Noch  grossartiger  setzte  dieses  Geschäft  das  Haus  Aspremont- 
Linden  fort,  welches  die  Herrschaft  im  17.  Jahrhundert  käuflich  an 
sich  brachte.  Es  gibt  wenige  niederländische  Kupfermünzen,  die 
nicht  in  Reckheim  nachgeprägt  wurden.  Vom  Grafen  Ferdinand, 
der  1636 — 1665  regierte,  zählt  Neumann  in  seinem  Werke  über 
die  Kupfermünzen  allein  bei  70  derartige  Fälschungen  auf. 

Zu  diesen  Fälschungen,  welche  von  münzberechtigten  Herren 
und  Städten  ausgingen,  gesellten  sich  später  noch  die  Producta 
der  sogenannten  Heckmtinzen,  das  ist  unberechtigter  Münzstätten, 
welche  gar  kein  Münzrecht  besassen  und  die  gegen  Ende  des 
16.  und  gegen  Anfang  des  17.  Sa^culums  stark  verbreitet  waren. 
Diese  ahmten  nicht  nur  fremde  Münzen  vollständig  nach,  son- 
dern verfertigten  auch  Phantasiemünzen,  auf  welche  sie  willkür- 
lich componirte  Wappen  und  unverständliche  Legenden  z.  B. 
Moneta  nova  argentea  Cha.,  oder  moralische  Sprüche:  Ora  et 
labora  u.  s.  w.  setzten.  Manche  dieser  Ileckmünzen  wurden  in 
Städten  oder  auf  der  Besitzung  ansehnlicher  Herreu,  gestützt  auf 
angebliche,  jedoch  nie  existirende  MUnzprivilegien  mit  schamloser 
Frechheit  etablirt.  Die  Geschichte  mehrer  dieser  Heckmünzen 
ist  bereits  veröffentlicht.  Ich  will  hier  nur  einige  Beispiele  anttihreu. 

Die  holländische  Stadt  Gori  ehern  liess  während  der  politi- 
schen Stürme  im  Jahre  1583  eigenmächtig  eine  Münzstätte  errichten, 
deren  Benützung  sie  berechtigten  und  unberechtigten  Personen 
gegen  Entgelt  Uberliess.  Wir  wissen  aus  Urkunden,  dass  die  Pfalz - 
gräfin  Amalia  von  Neuenaar,  der  portugisischen  Kronprätendent 
Don  Antonio,  der  Graf  und  die  Gräfin  von  Chimey,  die  Stände  von- 
Ommelanden  und  auch  noch  andere  Personen  daselbst  unter  ihrem 
Namen  prägen  Hessen.  Die  dortigen  Mün/»'r  xcrfcrt listen  aber  noch 
PhantasiemUnzen  auf  eigene  Rechnung. 

Ein  englischer  Goldnobel  mit  der  Unischritt:  Muueta  aurea 
Domini  de  Arkel,  über  den  sich  die  Numismatiker  lange  Zeit 
den  Kopf  zerbrachen,  da  die  Herren  von  Arkcl  schon  im  14  Jahr- 


^  ^ 


166 


Dr.  Alexander  Ritter  v.  Pawlowski:  Zwei  Vorträge  etc. 


hundert  ausstarben,  die  Münze  aber  ihrem  Typus  nach  dem 
16.  Sseculum  angehörte,  stammt  ebenfalls  aus  dieser  Münzstätte, 
welche  auf  Befehl  der  holländischen  Stände  im  Jahre  1591  ge- 
schlossen wurde. 

Ein  zweites  Beispiel  liefert  uns  die  Münzstätte,  welche  Lambert 
von  Oyembrugge  Freiherr  von  Dures,  gestützt  auf  ein  angebliches 
Münzprivileg,  auf  seinem  Gute  Vanette  im  Herzogthume  Brillon 
eröffnete.  Er  Hess  daselbst  nicht  nur  Gold-  und  Silbermünzen  unter 
seinem  Namen  prägen,  sondern  errichtete  auch  eine  förmliche 
Falschmünzerei,  über  deren  Producte  uns  der  Process  des  Bischofs 
von  Ltittich  gegen  die  dortigen  Münzer,  dessen  Acten  die  Revue 
beige  im  Jahrgange  1849  veröffentlichte,  interessante  Auskünfte 
gibt.  Seine  Münzstätte  wurde  zerstört,  sein  Münzwardein  wurde 
gehenkt,  er  selbst  aber  ging  als  französischer  Officier  straflos  aus. 

Ich  will  dieses  Bild  menschlicher  Verirrungen  nicht  noch  weiter 
aufrollen.  Die  angeführten  Beispiele  dürften  vielleicht  genügen, 
Forscher  und  Sammler  zu  weiterem  Studien  auf  diesem  Gebiete 
anzueifern. 


Berichtigungen. 


In  dem  folgenden  Artikel :  Das  österreichische  Münzweseii  unter  den 
Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathias  sind  einige  irrige  Seiten- 
angaben zu  berichtigen : 


;it( 

3  198, 

Zeile 

5  ^ 

^on  unten, 

statt  Seite 

6 

li.'S 

Scitt 

174. 

n 

201, 

51 

13 

r) 

oben. 

rt 

n 

14 

182. 

V 

207, 

,, 

6 

n 

n 

n 

n 

25 

193. 

T) 

233, 

^ 

10 

n 

unten, 

•1 

23 

191. 

T) 

259, 

n 

6 

n 

., 

•JIO. 

n 

260, 

n 

9 

n 

oben. 

„ 

.. 

203. 

n 

261, 

n 

20 

n 

r> 

n 

n 

88 

n 

r> 

256. 

n 

26G, 

n 

5 

n 

unten. 

r) 

n 

67 

n 

v 

235. 

n 

269, 

n 

10 

n 

oben. 

„ 

., 

48 

n 

„ 

216. 

n 

269, 

r) 

3 

rt 

unten. 

:;:' 

207. 

n 

273, 

n 

17 

T) 

^ 

„ 

'Jb 

„ 

„ 

266. 

n 

273, 

n 

1 

n 

r? 

V 

n 

94 

n 

n 

262. 

n 

277, 

n 

12 

n 

v 

v 

„ 

50 

V 

n 

218. 

n 

282, 

r) 

10 

n 

oben. 

n 

., 

98 

„ 

^ 

266. 

n 

282, 

V) 

26 

•7 

„ 

111 

279. 

T) 

28i, 

n 

2 

n 

•7 

260. 

285, 
286, 

n 

3 
13 

71 
VI 

unten. 

210. 
222. 

VIII. 
Das  österreichische  MUnzwesen 

unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathias. 

Münz^eschichtliche  Studien 

von 
Johann  Newald. 

(Für  den  Verfasser  bleiben  alle  Rechte  vorbehalten.) 


Vorwort. 

Die  vorliegende  Publication  ist  eine  Fortsetzung  meiner 
das  österreichische  Münzwesen  unter  Ferdinand  I.  behan- 
delnden münzgeschichtlichen  Arbeit.  Sie  umfasst  die  Zeit 
von  1564  bis  zum  Ausbruche  des  dreissigjährigen  Krieges. 

Die  Zielpunkte  meiner  Forschungen  blieben  dieselben 
wie  bei  den  Untersuchungen  über  das  Münzwesen  Ferdi- 
nands I.  In  erster  Reihe  sind  es  die  Münzstätten,  welche 
im  Laufe  dieser  Periode  im  Betriebe  waren,  daran  knüpfend 
die  Feststellung  des  Zeitpunktes  der  Errichtung  neuer 
Münzhäuser,  sowie  der  Störungen  und  Unterbrechungen 
ihrer  Thätigkeit  und  das  alltallige  gänzliche  Auflassen  der- 
selben. Weitere  Nachweise  beschäftigen  sich  mit  der  Reihen- 
folge der  für  die  einzelnen  Münzhäuser  bestellten  Münz- 
meister   und   Bestimmung    ihrer   Münzzeicheu.    Eine 


168 


Johann  ^tcwald  :  Das  österreichische  Münzwesen 


besondere  Aufmerksamkeit  wurde  der  Klarstellung  jener 
Momente  zugewendet,  welche  Anlass  zu  einer  Aenderung 
des  bishin  üblichen  Kornes  und  Schrotes  der  Münzen 
gaben,  welche  Aenderung  sich  bald  auf  eine  grössere  Zahl 
der  Münzhäuser  ausdehnte,  bald  sich  lediglich  auf  eine  ein- 
zelne Münzstätte  beschränkte.  Wo  sich  verlässliche  Daten 
vorfanden,  wurde  auch  der  Umfang  des  Prägebetriebes  für 
einzelne  Zeitperioden,  sowie  Ereignisse  und  Vorkommnisse] 
mitgetheilt,  welche  auf  die  Entwicklung  des  österreichische! 
Münzwesens  von  Einfluss  waren. 

Wie  ich  dieses  bei   allen  meinen  historischen  Publi- 
cationen   als  Grundsatz   aufrecht  gehalten  habe,   werden- 
auch  in  der  vorliegenden  Monographie  die  benützten  Quellen 
fort  und  fort  mit   Sorgfalt  angegeben.  Von  den   Wiener 
Archiven  kommt  in   erster  Reihe   das   k.  k.  Hofkammer- 
Archiv,   sodann  das  k.  k.  Haus-  Hof-  und  Staats- Archiv, 
endlich  das  Archiv  des  k.  k.  Hauptmünzamtes  zu  erwähnenj 
Für  die  bereitwillige  Förderung  meiner  Forschungen  bn 
ich  den  Herren  Beamten  dieser  Archive   zu  besonderei 
Danke  verpflichtet.  Mit  gleicher  Wärme    danke   ich    den 
Herren  Beamten   des  k.  k.  Münz-Gabinets   für  die  zuvor- 
kommende  Unterstützung   meiner    Studien   in    der   ihrer 
Obsorge  anvertrauten  Münzensammlung. 

Eine  wesentliche  Förderung  meiner  Arbeiten  gewährt( 
der  k.  k.  Hauptmann  i.  F.  Herr  Heinrich  Rappe  i 
Kuttenberg,  der  mir  aus  dem  ehemaligen  Kuttenbergei 
Bergamts-Archive,  welches  nunmehr  in  einem  grossen! 
Theile  in  den  Besitz  der  dortigen  archäologischen  Gesell- 
schaft übergegangen  ist,  sehr  schätzenswerthes  archivaU-Ä| 
sches  Materiale  mittheilte,  wofür  ich  hiemit  dem  wärmsten  ' 
Danke  Ausdruck  gebe. 


I 


^laximiliaii  II..  i^  i.r  u'"  ji.  i.  10*7 


Einleitung. 


.aiser  Ferdinand  I.  starb  zu  Wien  am  25.  Juli  1564.  Durch 
■^^  43  Jahre  war  das  Streben  des  staatsklugen  Herrn  unverrlickt 
dahin  gerichtet,  die  Regierung  der  seinem  Zepter  unterworfenen 
Königreiche  und  Länder,  nach  einem  einheitlichen  Systeme  zu  con- 
solidiren.  Durch  zahlreiche  Mandate  und  Verordnungen,  welche, 
wenn  sie  auch  die  Eigenthlimlichkeiten  und  altgewohnten  Bräuche 
der  einzelnen  Landgebiete  thunlichst  schonten,  dennoch  jedesmal 
die  allen  Ländern  gemeinschaftlichen  Interessen  geltend  zu  machen 
suchten,  wurden  nahe  sämmtliche  Zweige  der  öffentlichen  Verwal- 
tung auf  neuen  Grundlagen  eingerichtet.  Wohlgegliederte  Regie- 
rungsformen und  eine  organische  Gesetzgebung  begannen  sich  zu 
entfalten,  um  Einheit  und  die  Herrschaft  eines  obersten  Willens  zu 
begründen.  Welche  Pflege  Ferdinand  L  bei  allen  seinen  Regie- 
rungseinrichtungen dem  Gesammtstaatsge danken  zugewendet 
hatte,  ergibt  sich  zunächst  aus  der  Organisation,  dem  Wirkungs- 
kreise und  den  Machtbefugnissen  seiner  Centralstellen,  aus  denen 
namentlich  die  Hofkanimer  für  die  Durchführung  aller  Verwaltungs- 
und Finanzangelegenheiten  von  entscheidender  Bedeutung  war. 

Eine  grosse  Sorgfalt  wendete  der  Kaiser  dem  MUnzwesen 
seiner  Länder  zu.  Mit  einer  Umsicht,  der  wir  alle  Anerkennung 
zollen  müssen,  suchte  er  die  aus  den  mannigfaltigsten  l'rsachen 
Hich  geltend  machenden  Gegensätze  auszugleichen  und  jene  Schwie- 
rigkeiten zu  beheben,  welche  sich  einer  gedeihlichen  Förderung 
dieser  wichtijreu  Verwaltungsangelegenheit  entgegenstellten. 

Die  Erfolge,  welche  Ferdinand  1.  für  die  einheitliche  Regie- 
rung seiner  Königreiche  und  Länder  anbahnte,  sehen  wir  in  ihrem 


\;>;- 


i  <  U  Johann  Newald:  Das  österreichische  Münzwesen 

wichtigsten  Theile  von  ihm  selbst,  durch  die  testamentarisch  ange- 
ordnete Vertheilung  dieser  Länder  unter  seine  drei  Söhne 
Maximilian,  Ferdinand  und  Karl,  wieder  in  Frage  gestellt 
und  in  ihren  Grundlagen  erschüttert.  Die  Frage,  welche  Gründe 
den  staatsklugen  Eegenten  in  letzter  Reihe  bei  dieser  seiner  Ver- 
fügung leiteten,  wird  sich  in  einer  alle  Momente  aufklärenden 
Weise  wohl  niemals  beantworten  lassen. 

Als  nächste  Folge  dieser  Land erth eilung  organisirten  sich 
nach  dem  Tode  Ferdinands  L  drei  von  einander  unabhängige 
Eegierungen.  An  den  Erzherzog  Maximilian,  den  späteren 
Kaiser  Maximilian  IL,  waren  die  beiden  Erzherzogthümer  Oester- 
reich  unter  und  ob  der  Enns,  Böhmen  mit  seinen  Nebenländern  und 
das  damals  von  den  Türken  hart  bedrängte  Königreich  Ungarn 
gefallen.  Die  Regierung  dieser  Länder  verblieb  in  Wien.  Für  die 
dem  Erzherzog  Ferdinand  zugetheilten  ober  österreichischen 
Länder,  das  heisst  Tirol  mit  dem  Vorarlberg  und  mit  den  sogenann- 
ten vorderösterreichisehen  Herrschaften  und  Landen  organisirte 
sich  die  Regierung  zu  Innsbruck,  und  endlich  für  die  an  den 
Erzherzog  Karl  gefallenen  innerösterreichischen  Länder,  das  heisst 
Steiermark,  Kärnten,  Krain  und  die  Küstenländer  entstand  die 
Regierung  zu  Graz. 

Die  Königreiche  Böhmen  und  Ungarn  mit  ihren  Nebenländern, 
sowie  die  Erzherzogthümer  Oesterreich  unter  und  ob  der  Enns  ver- 
einigten sich  allerdings  schon  im  Jahre  1619  nach  dem  Tode  des 
Kaisers  Mathias  mit  den  innerösterreichischen  Ländern,  allein  die 
Regierung  zu  Graz  bewahrte  noch  durch  eine  lange  Reihe  von 
Jahren  eine  Art  Selbstständigkeit  gegenüber  den  Centralstellen  am 
Kaiserhofe  zu  Wien.  Tirol  und  die  vorderösterreichisehen  Lande 
fielen  erst  nach  dem  Tode  des  Erzherzogs  Sigismund  Franz  im 
Jahre  1665  wieder  an  den  habsburgischen  Gesammtstaat. 

Durch  die  Auflösung  der  bis  zum  Tode  Ferdinands  I.  bestan- 
denen Centralregierung  werden  münzgeschichtliche  Forschungen  in 
hohem  Grade  erschwert,  indem  sich  das  archivalische  Quelleu- 
materiale  nunmehr  an  mehreren  Orten  vertheilt  vorfindet  und  die 
Acten  nicht  überall  in  gleicher  Weise  erhalten  blieben,  wie  im 
k.  k.  Hofkammer-Archive  in  Wien. 


xv;iiseru  Maxim iuii  11  n..  uua.uiJii  ii.  uu<i  .M.imias.  1  <  1 


Kaiser  Maximilian  II. 
i. 

Die  Guldentlialer-Prägung  und  ihre  Folgen. 

Beim  Regierungsantritt  des  Kaisers  Maximilian  II.  stand  in 
den  österreichischen  und  böhmischen  Mtiuzhäusern  die  auf  dem 
Reichstage  zu  Augsburg  am  19.  August  1559  für  das  Reich 
erlassene  Mlinzordnung  in  Wirksamkeit.  Obwohl  dieselbe  in  den 
österreichischen  Erblanden  mit  dem  Patent  ddo.  1.  August  1560,  in 
Böhmen  jedoch  ddo."  Prag  1.  August  1561  bekannt  gemacht  worden 
war,  konnte,  nachdem  gegen  ihre  Einführung  die  lebhaftesten 
Bedenken  erhoben  wurden,  die  Ausprägung  der  sogenannten  Gul- 
denthaler  und  ihrer  Untertheilungen  erst  mit  dem  Jahre  1562 
eröffnet  werden.  > )  Für  die  ungarischen  Mihizstätteii  trat  dieselbe 
niemals  in  Wirksamkeit. 

Da  bei  jenen  münzberechtigten  Reiclisständeu,  welche  zugleich 
Besitzer  von  Gold-  oder  Silberbergwerken  waren,  die  Münzfrage 
eigentlich  den  Charakter  einer  Bergwerksfrage  besass,  ergab  sich 
aus  der  EinfUhrung  der  Reichsmünzorduung  vom  19.  August  1559 
für  alle  jene  österreichischen  und  böhmischen  Münzhäuser,  wo 
landesfUrstliclies  Bergwerksilber  zur  Ausprägung  gelangte,  eine 
schwere  Belastung  und  Benachtheiligung  des  Bergwerksertrages. 


*)  Vergl.  Newald:  Das  österreichische  Müuzwosou  unter  Ferdiiiaud  I., 
Seite  60—64.  So  oft  uumuehr  diese  Publicatiou  zu  erwähnen  könmit.  wird  nur 
„Münzwesen  unter  Fordinaiui  !.'•  citirt  werden. 


172 


Johann  Newald  :  Das  österreichische  Münzwesen 


Noch  empfindlicher  war  der  Druck  in  jenen  Münzhäusern,  wo  der 
Betrieb  auf  eingelöstes  Silber  und  Pagamente  basirt  war.  Ich  habe 
an  einem  andern  Orte  darauf  aufmerksam  gemacht,  wie  sehr  jedem 
Bergwerksbesitzer  Alles  daran  gelegen  sein  musste,  die  von  ihm 
erbauten  Edelmetalle^  durch  die  Vermtinzung  derselben,  um  einen 
Preis  zu  verwerthen,  bei  welchem  der  Betrieb  des  Bergbaues  und 
der  Bestand  desselben  dauernd  gesichert  erschien.  0  Die  Opposition, 
welche  Ferdinand  I.  im  Jahre  1524  gegen  die  sogenannte  Ess- 
1  inger  Reichsmünzordnung  erhoben  hatte,  war  aus  dieser  Erwägung 
hervorgegangen.  Soweit  miinzgeschichtliche  Forschungen  zurück- 
reichen, gebührt  das  Verdienst,  die  Münzfrage  das  erste  Mal  in 
bestimmter  Form  als  eine  Bergwerks  frage  zur  Geltung  gebracht 
zu  haben,  Ferdinand  I. 

Wie  berechtigt  die  Bedenken  und  Klagen  waren,  welche  in 
den  Erbländern  gegen  die  Münzordnung  vom  19.  August  1559 
erhoben  wurden,  wird  sich  aus  der  nachfolgenden  Erörterung  erge- 
ben. Nach  der  von  Ferdinand  I.  unterm  15.  Februar  1524  erlassenen 
Münzordnung  waren  „Guldiner"  auszuprägen,  welche  per  Stück 
damals  60  Kreuzer  rhein.  zu  gelten  hatten.  Aus  der  feinen  Wiener 
Mark  Silber  wurden  sohin  nach  dem  damaligen  Werthe  sehr  nahe 
10  Gulden  54  Kreuzer  ausgebracht.  2)  Durch  die  Preissteigerung  des 
Silbers  erhöhte  sich  auch  der  Werth  dieser  „Guldiner"  oder,  wie 
sie  später  genannt  wurden,  dieser  „Tlialer'' ;  er  war  mittlerweile  auf 
70  Kreuzer  gestiegen.  Das  Ausbringen  aus  der  feinen  Wiener  Mark 
Silber  erhöhte  sich  dadurch  auf  sehr  nahe  12  Gulden  43  Kreuzer.») 
Wie  aus  der  für  die  österreichischen  Münzliäuser  adaptirten  Münz- 
ordnung vom  19.  August  1559  zu  entnehmen  ist,  wurden  durch  die 
Ausprägung  der  sogenannten  Gulden  thaler  aus  der  feinen 
Wiener  Mark  Silber  12  Gulden  153/07  Kreuzer  ausgebracht.^  Es  ergab 


1)  Münzwesen  unter  Ferdinand  L,  Seite  10. 

3)  Daselbst  Seite  8  und  131.  Vergl.  auch  Seite  55  und  57. 

3)  10  Gulden  54  Kreuzer  sind  gleich  10-9  Gulden.  10-9  X  V6  =  12-7167  Gul- 
den oder  12  Gulden  43  Kreuzer.  Ruprecht  Puelacher,  Münzmeister  in  Linz, 
berechnete  im  Bericht  an  die  niederösterreichische  Kammer  vom  19.  Juni  1557 
dieses  Ausbringen  mit  12  Gulden  42  Kreuzer  3  Pfenninge.  Vergl.  Münzwesen 
unter  Ferdinand  L,  Seite  149. 

*)  Münzwesen  unter  Ferdinand  I.,  Seite  151. 


mr- 


unter  den  Kaisern  Maximilian  IL,  Rudolph  II.  und  Mathias.  1  iO 

sich  somit  bei  jeder  vermUnzten  feinen  Wiener  Mark  Silber  eine 
Einbusse  von  sehr  nahe  28  Kreuzer,  ein  für  die  damalige  Zeit  höchst 
empfindlicher  Verlust.  Um  den  üblen  Eindruck  dieser  Einbusse  zu 
vermindern,  wurden  die  älteren  in  den  österreichischen  Landen 
geprägten  Thaler,  obwohl  man  sie  im  Verkehr  allgemein  mit 
70  Kreuzer  berechnete,  in  der  Münzordnung  vom  19.  August  1559 
nur  im  Werthe  von  68  Kreuzer  angesetzt  i)  und  dadurch  der  bei 
jeder  Mark  resultirende  Verlust  mit  6  Kreuzer  dargestellt;  allein 
dadurch  konnte  der  verderbliche  Einfluss,  den  die  neue  MUnzordnung 
auf  das  Münzwesen  in  den  österreichischen  und  böhmischen  Ländern 
und  somit  auch  auf  das  Bergwerkerträgniss  in  denselben  nahm, 
nicht  aufgehalten  werden. 

Die  gänzliche  Einstellung  des  Betriebes  im  Linzer  Münzhause 
war  die  nächste  Folge,  welche  sich  aus  der  Einführung  der  1559er 
Münzordnung  ergab.  Der  bisherige  Unternehmer  Ruprecht  Pue- 
lacher  lehnte  die  Fortführung  des  Betriebes  ab,  in  gleicher  Weise 
ablehnend  äusserten  sich  die  Stände  des  Landes  ob  der  Enns,  so 
dass  schliesslich  über  Antrag  Maximilians  IL  ddo.  Linz,  23.  August 
1562  das  Linzer  Münzhaus  gesperrt  wurde.  ^) 

Die  Wiener  Münze  anbelangend  war,  da  sich  dieselbe  am 
Sitze  der  Centralregierung  befand,  die  gänzliche  Auflassung  nicht 
durchführbar,  allein  die  Geschäfte  geriethen  auch  dort  bald  ins 
Stocken  und  trat  schliesslich  eine  mehrjährige  Unterbrechung  des 
Betriebes  ein,  wodurch  der  Umstand  eine  Erklärung  findet,  dass  bis 
nun  aus  dem  Wiener  Münzhause  ausgegangene  Guldenthaler  des 
Kaisers  Ferdinand  L  nicht  bekannt  sind. ») 

Nachdem  diese  Betriebsunterbrechung  oder,  wie  sie  in  den 
Acten  genannt  wird,  ,,das  Feyern  der  Münze'  durch  Jahre  an- 
dauerte, erging  an  den  Münzmeister  Adam  Hartman  ddo.  Wien, 
19.  April  1567  die  Verständigung,   der  Kaiser  verlange,  dass  „das 


1)  Münzwest'ü  unter  Ferdinand  L,  Seite  61.  Mau  hatte  diese  Th^Ier  schon 
mit  Patent  vom  14.  December  1555  von  70  Kreuzer  auf  t>8  Kreuzer  herab- 
gesetzt, musHte  jedoch  unterm  HO.  Mai  1556  diese  Vcrtllg:uug  zurücknehmen 
tmd  den  Wcrtli  vou  70  Kreuzer  wieder  herstellen.  Seite  55  und  57. 

»)  Üaselbst  Seite  106. 

8i  fhisolhsf  S..ifH  1(i:'. 


174 


Johann  \ewald :   Das  österreichische  Münz-wesen 


mtinzwesen  allhie  zu  Wienn  wider  au  vnnd  aufgericbt  werde".  Da 
aber  im  Laude  unter  der  Enns  keiue  Bergwerke  vorhandeu,  aus 
denen  das  Silber  in  die  Münze  geliefert  werden  kann,  somit  nur 
angekauftes  Bruchsilber  zu  Gebote  steht,  habe  er  zu  berichten: 
„wann  auf  den  Schrot  vnnd  Khorn  wie  die  neu  münzordnung  ver- 
mag, alhie  zu  Wienn  gemünzt  werden  solle,  ob  solches  von  dem 
Bruch  vnnd  demselben  frerpbden  Silbern  mit  Ir.  Mt.  nuz  oder 
schaden  beschehen  möge,  vnnd  Ir.  Mt.  als  dann  mit  solchen  Silbern 
auf  berürts  münzwesen  mit  der  genügen  gevolgen  wurd  khünnen."  i) 

Münzmeister  Adam  Hartman,  welcher  seit  dem  13.  März  1557 
dem  Wiener  Münzhause  vorstand  2)  und  seit  dem  Jahre  1563  ein 
Wartgeld  von  jährlich  200  fl.  bezog,  äusserte  sicli  dahin,  dass  das 
„Feyern'^  der  Wiener  Münze  ganz  zu  vermeiden  gewesen  wäre, 
wenn  das  Wechselamt  und  die  Scheiderei  beim  Münzamt  geblieben 
wären,  indem  aus  dem  Erträgniss  des  Wechselamtes  allfällige  Ein- 
bussen  bei  der  Münze  hätten  bestritten  werden  können.  Er  hebt 
hervor,  dass  schon  sein  seliger  Vater  jedoch  vergebens  auf  diese 
Vereinigung  angetragen  hatte  und  sagt  schliesslich,  dass,  wenn  man 
ihm  Beides  überlasse,  er  von  jeder  vermünzten  Mark  Gold  wie  sein 
Vater  einen  halben  Gulden  und  für  jede  vermünzte  Mark  Silber 
4  Kreuzer  als  Schlagschatz  reichen  würde.  3) 

Ueber  Antrag  der  niederosterreichischen  Kammer  vom  28.  Juni 
1569  ordnete  Kaiser  Maximilian  II.  ddo.  Wien,  16.  Juli  1569  die 
Dienstentlassung  des  Wiener  Münzeisenschneiders  Philipp  Haller 
und  die  Einstellung  des  von  demselben  bisher  bezogenen  Wart- 
geldes an.*)  An  dieses  Mandat  schloss  sich  ddo.  Pressburg,  3.  Sep- 
tember 1569  eine  weitere  kaiserliche  Resolution,  mit  welcher  die 
Wiederaufrichtung  der  Wiener  Münze  angeordnet  und  verfügt 
wurde,  dass  damit  das  Wechsel-,  Scheiderei-  und  Probiramt  zu  ver- 
binden ist,  auf  dass,  wenn  sich  bei  der  Münze  ein  Schaden  ergibt, 
derselbe  wieder  bei  diesen  Aemtern  hereingebracht  werden  könne. 


1)  K.  k.  Hofkammer-Archiv,  Fase.  17316. 

~)  Münzwesen  unter  Ferdinand  I.,  Seite  59. 

8)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  17508,  auch  17316.  Von  den  Arbeitern  waren  nur 
drei  Münzgesellen  zurückgeblieben,  denen  ein  massiges  Wartgeld  gereicht 
wurde. 

*)  Daselbst.  Gedenkbuch  Nr.  108,  Fol.  284. 


4 


unter  den  Kaisern  Maximilian  Tl.,  Rudolph  II.  und  Mathias. 


175 


Die  Kammer  habe  als  Verlag  6000  Gulden  „urab  ein  laidliches 
Interesse  mit  dem  farderlichisten  aufzubringen"  und  Capital  und 
Zinsen  auf  die  MUnze  sicherzustellen.  Es  sollen  nur  Tlialer  und 
Halbthaler  „nach  dem  gemainen  Reichß-Schrot  und  Khorn"  gemünzt 
werden,  weil  bei  der  kleinen  MUnze  der  Verlust  noch  grösser  sei, 
auch  dieselbe  genügend  vorhanden  ist.  M 

Trotz  dieser  Begünstigungen  blieb  während  der  Regierung  des 
Kaisers  Maximilian  II.  der  Betrieb  im  Wiener  Münzhause  ein 
sehr  beschränkter.  Es  erklärt  sich  daraus  das  seltene  Vorkommen 
von  Wiener  Münzen,  namentlich  in  Wien  geprägter  Thaler  und 
Halbthaler  Maximilians  II.  Vom  Jahre  1569,  als  dem  Jahre,  in 
welchem  der  Betrieb  in  der  Wiener  Münze  wieder  eröffnet  wurde, 
beginnend,  finden  sich  in  den  Acten  mehrere  Weisungen  zur  Vor- 
nahme von  Münzprägungen.  Aus  Wiener-Neustadt,  ddo.  26.  Septem- 
ber 1570  erfolgte  an  den  Münzmeister  Hartman  und  an  den  War- 
dein Thoman  Händl  der  Auftrag  zur  sofortigen  Ausmünzung  der 
von  Stefan  Balassa  eingelieferten  102  Mark  12  Loth  Gold  in  Ducaten 
und  19  Mark  12  Loth  Silber  in  Thaler.  2)  Mit  der  kaiserlichen  Reso- 
lution ddo.  Prag,  26.  Mai  1571  wurde  Münzmeister  Hartman  ange- 
wiesen, eine  Partie  niederländischer  Münzen,  welche  der  Landvogt 
in  Schwaben,  Georg  Ilsung,  eingesendet  hatte,  die  zur  Durchführung 
von  Festungsbauten  in  Ungarn  bestimmt  waren,  so  rasch  als  mög- 
lich ,,in  ganze  Thaller  dem  gewendlichen  Sclirot  vnd  Khorn  nach- 
umzumünzen,  s)  Im  Jahre  1572  wurden  hier  1292  zum  Festungsbau 
in  Raab  und  Komorn  bestimmte  Thaler  geprägt.*)  Unterm  14.  Jän- 
nerl573  erfolgte  die  Weisung,  es  seien  für  <1<mi  P.MiKmw.rhif.MHl.'nt.Mi 


ij  K.  k  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  108,  Fol.  347vcr.s.,  auch  Fase,  iloid.  Die 
Aufbringung  des  Verlages  von  G(MK)  Gulden  stiess  auf  grosse  Schwierigkeiten. 
Die  niederösterreichische  Kammer  berichtete  unterm  21.  November  1561>  an 
den  Kaiser,  dass  gegen  10  Procent  Verzinsung  und  lediglich  tlir  die  Dauer  eines 
Jahres  darleihen  wollen:  Gregor  SpiUecker  2U0U  Guldeu,  ein  Herr  von  Taxis 
2500  Gulden.  Dieser  verlange  überdies  die  Verschrei bung  des  Müuzhauses  als 
Pfand  und  den  Münzmeister  Hartman  als  Bürgen,  endlich  ein  Secretär  ebenfalls 
2000  Gulden,  jedoch  musste  Hartman  mit  seinem  eigenen  Vermögen  die  Haf- 
tung übernehmen. 

'^)  Daselbst  Fase.  173 IG. 

«)  Daselbst  Gdkb.  Nr.  112,  Fol.  448vor». 

4   i....,.ii..f  K...,.    i7:nG. 


i  .•;-^r.t5T'.-%4^- 


176 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Münzwesen 


ZU  Raab,  Urban  Süss,  1500  Gulden  Pauliner  umzuprägen  un( 
unterm  5.  Februar  1573  erfloss  ein  zweiter  Auftrag  zur  Ummünzuug 
von  4000  Gulden  Pauliner  zu  Thalern.  i)  Unterm  6.  October  1573 
wurde  Münzmeister  Hartman  ermächtiget,  für  die  Witwe  Katharina 
Yon  Bathiani  eine  Anzahl  Silber  gegen  Abzug  des  Schlagschatzes 
zu  vermtinzen.  2) 

Nachdem  durch  das  Vorhergehende  actenmässig  nachgewiesen 
erscheint,  dass  während  der  Regierung  Maximilians  IL  der  Betrieb 
im  Wiener  Mtinzhause  erst  im  Jahre  1569  eröffnet  wurde,  verdient 
unisomehr  der  Guldenthaler  mit  der  Jahrzahl  1565  Beachtung.  3) 
Dass  derselbe  aus  dem  Wiener  Münzhause  stammt,  wird  durcli  den 
Bindenschild  ausser  Zweifel  gestellt,  welcher  auf  dem,  auf  der 
Brust  des  Doppeladlers  befindlichen  Wappen  als  Herzschild  vor- 
kömmt. Der  Stempel  dürfte  von  dem  oben  erwähnten  Münzeisen- 
schneider Philipp  Haller  angefertigt  worden  sein.  Man  hatte  sich 
nach  dem  Regierungsantritte  Maximilians  H.  zur  Thalerprägung 
vorbereitet,  es  wird  jedoch  beim  Abschlagen  weniger  Stücke  geblie- 
ben sein.  Der  Dickthaler  hat  ein  Gewicht  von  72-19  Grammen,  was 
dem  Gewichte  eines  dreifachen  Guldenthalers  von  73*86  Grammen 
sehr  nahe  steht.  Dass  der  Dickthaler  nur  als  ein  Probeabschlag  auf- 
zufassen ist,  ergibt  sich  schon  aus  der  im  Reichsapfel  vorkommen- 
den Werthzahl  60,  das  ist  60  Kreuzer,  was  offenbar  im  Widerspruche 
ist  mit  dem  eigentlichen  Werthe  des  Stückes,  welcher  nicht  60,  son- 
dern 180  Kreuzer  betragen  hätte. 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  121,  Fol.  79vers.  und  Nr.  122,  Fol.  255vers 
und  296. 

2)  Daselbst  Gdkb.  Nr.  121,  Fol.  334.  Ddo.  Klosterneuburg,  14.  Novem- 
ber 1570,  erging  an  den  niederösterreichischen  Vicedom,  Hanns  Gg.  Khuefstainer 
die  Weisung,  dem  Wiener  Münzmeister  Adam  Hartman  „die  Unkosten  so  auf 
machung  3946  Eait-Pfennig  für  die  niederösterreichische  Cammer  vnd  der- 
selben Piiechhalterey,  benanntlich  6  Gulden  30  Kreuzer"  auszubezahlen. 
Gdkb.  Nr,  112,  Fol.  65.  Unverkennbar  handelte  es  sich  um  kupferne  ßait- 
pfenninge. 

3)  Ein  einfacher  Thaler  befindet  sich  in  der  Sammlung  Sr.  Durchlaucht 
des  Prinzen  Ernst  zu  Windischgraetz,  ein  Dickthaler  in  der  Sammlung  des 
Herrn  Ignaz  Spöttl  in  Wien.  Beide  sind  ohne  Münzmeisterzeichen. 


vf^rz- 


Das  ,,Feyem"  derWieuer  Münze  durch  nahe  sechs  Jahre,  sowie 
der  Umstand^  dass  selbst  nach  der  Wiederaufnahme  des  Betriebes 
kleine  Münzen  nur  in  sehr  geringer  Menge  zur  Ausgabe  kamen, 
hatten  zur  Folge,  dass  sich  auf  dem  flachen  Lande  viele  fremde 
geringhaltige  Scheidemünzen  verbreiteten.  Nachdem  zuvor  unterm 
1.  November  1572  eine  Valvirung  der  Pauliner,  auch  Schweizeri- 
scher und  anderer  ausländischer  Münzen  angeordnet  worden  war,  i) 
erfolgte  ddo.  Wien,  30.  December  1572  ein  „Offenes  Mandat-^, 
durch  welches  eine  Zahl  geringhaltiger  Münzen  verrufen  und  im 
Verkehre  verboten  wurden.  Um  die  Unterthanen  nicht  zu  schädi- 
gen, wurde  die  Einwechslung  gegen  gutes  Greld  angeordnet  und 
biezu  ein  Termin  bis  Ende  Jänner  1573  anberaumt.  Die  Umwechs- 
lung  hatte  stattzufinden  zu  Wien,  Wiener-Neustadt,  St.  Polten, 
Eggenburg,  Komeuburg,  Retz,  Krems,  Ybbs,  Steyr,  Linz  und  Frei- 
stadt. Die  hiezu  bestimmten  Geldverläge  wurden  für  Wien  mit 
1000  Gulden,  für  jede  der  übrigen  „Legstädten"  mit  500  Gulden 
bemessen.  Sollten  Parteien  das  Ummünzen  ihrer  leichten  Sorten  in 
gutes  Geld  vorziehen,  so  hatte  dieses  ohne  Zeitversäumniss  zu 
geschehen  und  verzichtete  der  Kaiser  auf  den  Schlagschatz,  welcher 
den  Parteien  gutzurechnen  war,  auch  die  Kosten  der  Einsendung 
der  schlechten  Sorten  an  das  Wiener  Münzhaus  hatte  die  ni('<1er- 
österreichische  Kammer  zu  bestreiten.'^) 

Die  Deckung  der  grossen,  namentlich  durch  die  sich  stets 
wiederholenden  Kriege  mit  den  Türken  ausserordentlich  gesteigerten 
Auslagen  verursachten  der  Wiener  Regierung  viele  Sorgen.  Es  darf 
uns  daher  nicht  befremden,  dass  man  auch  Alchymisten  und 
Adepten  Gehör  gab,  traf  man  ja  damals  und  durch  eine  lange  Zeit- 
periode dergleichen  Charlatane  beinahe  an  allen  Höfen  an.  In  der 
Darstellung  des  österreichischen  Münzwesons  würde  sich  unver- 
kennbar eine  Lücke  ergeben,  falls  man  diese  krankhaften  Aus- 
wüchse ganz  unberücksichtigt  lassen  wollte.  Es  genügt  jedoch,  wenn 
auf  diesem  Gebiete  nur  die  hervorragendsten  Erscheinungen  berührt 
werden. 


1)  K.  k.  H.  K.  A,  Gdkb.  Nr.  117,  Fol.  339. 
2j  Daselbst  Fase.   17316,    Huch    Gedenkbü«  1 
Nr.  117,  Fol.  339,  Nr.  119,  Fol.  701,  703^«".  uod  70  • 


■^rf^  i^  ,':^*^ : 


178 


Johana  Xewald :  Das  österreichische  Münzwesen 


Bald  nach  dem  Kegierungsautritte  Maximilians  IL  trat  ein  sol- 
cher „Goldklinstier",  er  hiess  Andreas  Zehen dtn er  von  Zehen t- 
grub  mit  ziemlich  weitgehenden  Anträgen  hervor.  Das  Wesen 
derselben  wird  sich  am  einfachsten  wiedergeben  lassen,  wenn  wir 
die  „Abredung  vnnd  vergleichung,  zwischen  der  Rom.  Kays.  MI^H 
vnnd  denn  Andraen  Zehendtner  von  Zehentgrub  vnnd  Connsortei^" 
ainer  angebrachten  Goldklmnst  halber''  ddo.  Wien,  4.  December 
1565  kennen  lernen.  Das  Consortium  versprach  „aus  ain  jedei 
raarkh  fein  Silber,  wo  nit  mehr  doch  8  Loth  fein,  in  allen  Probei 
beständig  gold  auszubringen  und  zu  machen".  Die  Unkosten  pei 
Mark  Silber  werden  mit  1,  2,  3,  meist  jedoch  4  Loth  Gold  veranj 
schlagt,  so  dass  als  Ueberschuss  5,  wenigstens  jedoch  4  Loth  Gol( 
verbleiben.  Diese  Kunst  v^oll  nicht  bloss  im  Kleinen,  sondern  ii 
Grossen  ausgeübt  werden,  so  dass  Fünf-  bisZehnmalhunderttausend,! 
ja  hoffentlich  viel  mehr  Gulden  Gold  geschafft  werden  können. 
Zehendtgruber  hat  die  Probe  binnen  einem  Vierteljahre  in  Gegen- 
wart von  kaiserlichen  Bevollmächtigten  auszuführen.  Im  Falle  der 
Kaiser  diese  Kunst  annimmt,  sollen  das  Consortium  dieselbe  nicht^ 
mehr  weiter  ausüben,  noch  lehren.  Zehendtgruber  jedoch  würd< 
30.000  Gulden  erhalten.  Sobald  die  kaiserlichen  Abgeordnetei 
diese  Goldkunst  erlernt  haben,  sollen  sie  zunächst  für  sich  ein^ 
Probe  mit  10  bis  20  Mark  Silber  durchführen ;  auch  würde,  falls 
nöthig  wäre,  eine  zweite  und  selbst  eine  dritte  Probe  mit  50  Mar^ 
Silber  gemacht  werden.  Nach  der  Ausführung  dieser  Proben  so] 
der  Kaiser  binnen  6  Wochen  sich  erklären,  ob  er  diese  Goldl 
kunst  annehme  oder  nicht;  im  ersteren  Falle  hätte  das  Consortium 
die  bedungene  Summe  nach  Ablauf  von  14  Tagen  zu  erhalten. 
Falls  die  Kunst  einen  solchen  Erfolg  hätte,  dass  die  kaiserlichen 
Verordneten  von  der  Mark  mehr  als  5  Loth  Gold  beständig  aus- 
bringen, so  soll  das  Consortium  für  jedes  Loth  Ueberschuss 
50.000  Gulden,  jedoch  mit  Abzug  der  ersten  30.000  Gulden 
erhalten,  i) 

Die  Regierung  brachte  den  schwindelhaften  Anträgen  ein 
grosses  Misstrauen  entgegen.  Noch  aus  dem  Feldlager  bei  Raab. 
26c    September    1566,    ordnete    Maximilian    IL    den    Kremnitz( 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  15378  und  17316. 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathias.  1  «  ". ' 

Kammergrafen  Wolfgang  Roll  als  Commissär  zur  ,, Goldprob  des 
Zehendtner"  ab.  Von  den  Resultaten  dieser  „Goldkunst*^  finden 
sich  jedoch  keine  weiteren  Nachrichten  vor. 


IL 

Die  Einführung  der  Walzenprägung  zu  Hall  im 

Innthale. 

Der  zweite  Sohn  des  Kaisers  Ferdinand  I.,  der  im  Jahre  1529 
geborene  Erzherzog  Ferdinand,  befand  sich  seit  dem  Jahre  1548 
als  Statthalter  in  Böhmen,  i)  Es  waren  ihm  durch  die  Erbtheilung 
Tirol  und  die  sogenannten  österreichischen  Vorlande  zugefallen,  fUr 
welche  zu  Innsbruck  eine  selbstständige  „Regierung  und  Kammer" 
entstand.  Nach  dem  Tode  Ferdinands  I.  musste  Erzherzog  Fer- 
dinand, der  als  Regent  von  Tirol  den  Namen  Ferdinand  II. 
führt,  aus  Rücksicht  auf  seinen  Bruder  Maximilian  IL,  welcher 
zunächst  die  Angelegenheiten  des  deutschen  Reiches  zu  ordnen 
suchte,  die  Statthalterschaft  in  Böhmen  noch  durch  einige  Zeit  fort- 
führen. Er  konnte  von  Prag  erst  am  2.  Jänner  1567  aufbrechen,  um 
nach  Innsbruck  zu  übersiedeln. 

In  diese  Zeit  fällt  die  Einführung  einer  ilir  die  österreichischen 
Länder  bedeutsamen  Verbesserung  im  Münzprägewesen,  und  zwar 
der  Walze nprägung.  Ferdinand  I.  hatte  schon  auf  dem  Reichs- 
tage zu  Augsburg  im  Jahre  1555  Verhandlungen  mit  dem  Unter- 
nehmer Kaspar  Seiler  bezüglich  Einführung  der  Walzenprägung 
im  Haller  Münzhause  eröffnet  und  fand  auch  zu  Augsburg  eine 
Probeprägung  statt.  Diese  Verhandlungen  führten  damals  zu  keinem 
Resultate.  Der  Kaiser  übertrug  später  die  Einrichtung  einer  Walzen- 
maschine zu  Mühlau  bei  Innsbruck  dem  Rudolph  von  Ror- 
dorff  aus  Zürch,  welcher  jedoch  der  von  ihm  übernommenen  Auf- 
gabe nicht  gewachsen  war.  Auf  diesen  neuerlichen  Versuch  bezieht 
sich  unverkennbar  eine  Eingabe  der  böhmischen  Kammer  ddo. 
Prag,  19.  September  1.504  an  Maximilian  11.    Dii'  KMuiint'    -m-» 


')  Vcrgl.  Dr.  J.)».  Hirn,  Erzherzog  Forainaiul  H.  von  Tirol,  I.  Bd.,  Seite  18. 

12* 


•  -rz-v;  '-^r. 


180 


Johann  Newald  :  Da^  österreichische  Münzwesen 


in  derselben:  Sie  habe  durch  den  Erzherzog  Ferdinand  erfahren^ 
dass  zu  Schwaz  beim  Münzen  durch  ein  Wasserrad  eine  neue 
Einrichtung  getroffen  wurde,  dass  durch  zwei  Personen  des  Tags 
bis  in  10.000  Gulden  der  neuen  Münze  gerichtet  werden.  Sie  bean- 
trage daher  die  Einführung  dieser  Einrichtung  in  Prag.  ^ )  Diese 
Eingabe  beruht  unverkennbar  auf  einem  Irrthume,  denn  die  neuen, 
die  Walzenprägung  betreffenden  Arbeiten,  waren  damals  in  Tirol 
noch  nicht  so  weit  gediehen,  um  Ergebnisse,  wie  sie  durch  die 
böhmische  Kammer  geschildert  wurden,  erreichen  zu  lassen ;  auc 
war  bezüglich  Aufstellung  der  neuen  Maschinen  Müh  lau  und  nich 
Schwaz  gewählt  worden. 

Zur  Zeit,  als  Rordorfl*  seine  misslungenen  Versuche  machte! 
fand  sich  in  Innsbruck  ein  zweiter  „Münzkünstler'*  ein.  Es  war  die 
Johann  Vogler  der  Jüngere,  ebenfalls  aus  Zürch.  Mit  der  Reso- 
lution ddo.  Wien,   21.  October   1565   ertheilte  Maximilian  II.   dem- 
selben   und    seinen   „Mithafftern^^    die   Zusicherung,  dass,   obwohl 
Kaiser  Ferdinand  I.  mit  Rudolph  von   Rordorff  „wegen  Auf- 
richtung eines  neuen  münz-Khunstwerkhs  in  deren  fürstlichen  Graf- 
schaft TyroU  in  Handlung  getreten,  er,  Vogler  als  der  eigentlich 
Erfinder  der  neuen  Münzkhunst  betrachtet  werde,  und  sobald  di 
in  Tyroll  errichtete  neue  Khunst  die  Prob  bestanden  haben  wird 
er  für  die  Zeit  von  zwanzig  Jahren  ein  Privilegium  durch  das  ganz 
heilige  römische  Reich   zur  Errichtung  dieser  Münzkunst  erhalte: 
werde.  2)    lieber   diese    Zusicherung  brachte  Johann  Vogler  dd 
Wien,  23.  October  1565  einen  Revers  ein,  womit  er  auf  das  Rech 
einer  Einsprache   bezüglich   Verwendung  des   „neuen  Münzkunst 
werkh''  sowohl  für  den  Kaiser,  als  auch  für  die  Erzherzoge  Ferdi- 
nand und  Karl,   gegen  die  Verleihung  des  ihm  zugesagten  Privi- 
legiums verzichtete,  auch  sich  verpflichtete,  das  Kunstwerk  in  Tirol 
binnen  Jahresfrist  in  guter  Ordnung  zu  übergeben,  wiedrigens  er 
seiner  Ansprüche  verlustig  sein  solle,  a)  Diese  dem  Vogler  ertheilte 
Zusicherung  verlängerte  Kaiser  Maximilian  11.  mit  der  Resolution 
ddo.  Wien,  21.  August  1567  für  ein  weiteres  Jahr.*) 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  16359. 

2)  und  3)  Daselbst  Gdkb.  Nr.  98,  Fol.  283  und  283vers. 
4)  Daselbst  Fase.  15261. 


Tl 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathias. 


181 


Aus  Innsbruck,  cldo.  28.  August  1568  meldete  Erzherzog  Fer- 
dinand dem  Kaiser,  dass  Rudolph  von  Rordorff  und  Hanns  Vogler 
der  Jüngere,  beide  von  Zürch  das  Münzkunstwerk  „zu  MuUau 
negst  bey  vnserer  Stat  Insprugg  gelegen  aufgericht,  vnd  sich  sovil 
befindt,  das  es  durch  vleissiges  Regieren  vnd  Zuesehen  verständiger 
Werkhleuth  bestendig  erhalten,  vnd  dadurch  gegen  dem  Halleri- 
schen  Münzwerch  im  Münzerion  wol  erspart  werden  kann*'.  Der 
Erzherzog  bevorwortete  das  Ansuchen  der  beiden  Unternehmer  um 
die  Ausfertigung  des  ihnen  zugesicherten  Privilegiums  und  bemerkte 
zum  Schlüsse,  dass  er  denselben  für  seine  ober-  und  vorderöster- 
reichischen Landen  ein  solches  Privilegium  bereits  ausgefertigt 
habe,  i)  Nunmehr  ertheilte  auch  Maximilian  IL  ddo.  Wien,  I.Jän- 
ner 1569,  den  beiden  genannten  „ Münzkünstlern '^  für  die  Zeit  von 
20  Jahren  ein  Privilegium  zur  Errichtimg  von  Münzprägewerken, 
„wie  aine  solche  Münzkhunst  alberait  in  des  Erzherzogs  Ferdinand 
fürstlichen  Grafschatft  TyroU  voUkummentlich  in  das  Werkh  gericht 
ist".  2)  Unterm  21.  Februar  1569  erfolgte  an  alle  Landeskammern 
die  Weisung,  darüber  Gutachten  zu  erstatten,  ob  und  in  welcher 
Weise  die  neuen  Münzwerke  in  den  ihnen  unterstehenden  Münz- 
häusern anzubringen  wären.  3) 

Aus  dem  vorstehenden  actengemässen  Nachweis  lässt  sich 
sohin  mit  voller  Sicherheit  die  Zeit  feststellen,  zu  welcher  in  Tirol 
die  Walzenprägang  definitiv  eingeführt  wurde.  Ursprünglich  waren 
die  neuen  Maschinen  zu  Müh  lau,  wo  die  erforderliche  Wasserkraft 
vorhanden  war,  aufgestellt,  auch  fand  zu  Hall  noch  immer  die 
Hammerpräiiung  statt.  Nachdem  jedoch  im  Jahre  1567  die  Münze 
aus  dem  festen  Hause  Sparb  er  egg  in  die  geräumige  Burg  Ha  s  egg 
übertragen  worden  war,  auch  sich  die  Möglichkeit  ergab,  durch 
eine  neue  Werl  '  e.  die  zum  Betriebe  des  Münzwalzwerkes 
erforderliche  \\i  iit  beizustellen,   wurde  bald  darauf  die  neue 

Münzeinrichtung  nach  Hall  übertragen.  Hanns  Vogler  überwachte 
einige  Zeit  den  Betrieb ;  an  seine  Stelle  trat  nach  seinem  Abgange 
Benedikt  Dillit/. 


»I  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  15261.  Das  Privilegium  des  Erzherzogs  ist  ddo. 
Iimsbruclc,  26.  August  1068,  ausgefertigt. 


m^m'' 


182 


Johann  Xewald:  Das  österreichische  Münzwesen 


Bei  dem  Umstände,  dass  sich  das  neue  Verfahren  im  Münz- 
hause zu  Hall  bestens  bewährte,  dürfte  die  Ansicht  Platz  finden^ 
dass  man  auch  in  den  Münzhäusern  der  übrigen  österreichischen 
Länder  dahin  strebte,  an  den  Vortheilen  dieser  Betriebsmelioration 
thunlichst  bald  theilzunehmen.  Die  Regierung  war  allerdings 
bereit  und  bemüht,  der  unverkennbaren  Verbesserung  in  der  Tech- 
nik der  Münzprägung  alsbald  Eingang  zu  verschaffen,  allein  ihre 
Bestrebungen  scheiterten  an  dem  Zusammenwirken  verschiedener 
Umstände.  Es  vergingen  mehrere  Jahrzehute,  bis  die  Walzenprägung 
in  den  österreichischen  Münzhäusern  zur  allgemeinen  Anwendung 
gelangte  und  werden  wir  später  die  Schwierigkeiten  kennen  lernen,  \ 
welche  bei  der  Einführung  derselben  tiberwunden  werden  mussten. 

Die  Haller  Münzprägemaschinen  machten  ein  grosses  Aufsehern 
Dem  Erzherzog  Ferdinand,  welcher  der  Hauptsache  nach  die  Ein- 
richtung derselben  als  sein  eigenes  Werk  bezeichnen  konnte,  ge- 
reichten sie  zu  ganz  besonderer  Befriedigung.  So  oft  sich  fürstliche 
Gäste  in  Innsbruck  einfanden,  wurde  unter  den  Sehenswürdigkeiten 
auch  das  Haller  Münzhaus  besucht.  Vom  Erzherzog  wird  erzählt^ 
dass  er  zum  öftern  von  seiner  Residenz  aus  einen  Frühritt  nach! 
Hall  machte,  um  das  Münzhaus  zu  besuchen  und  nach  einem  dort] 
genommenen  Morgenimbiss  nach  Innsbruck  oder  Ambras  zurück- 
kehrte. <) 

Um  geraume  Zeit  früher  als  die  Walzenprägung  in  einem  der 
übrigen  österreichischen  Münzhäuser  Eingang  fand,  gelangte  die- 
selbe in  Spanien  zur  Anwendung.  König  Philipp  II.  ersuchte  den 
Erzherzog  um  die  Ueberlassung  von  zwei  vollständig  eingerichteten 
Maschinen  und  um  die  Mitsendung  einer  Anzahl  werkverständiger 
Arbeiter.  Diese  verliessen,  dreizehn  an  der  Zahl,  im  Monate  Septem- 
ber 1584  Hall.  Die  Maschinen,  welche  sie  mitnahmen,  hatte  der 
Münzverwalter  Bertorf  angefertigt;  sie  besassen  ein  Gewicht  von 
81  Centnern.  Erzherzog  Ferdinand  gab  denselben  ein  ddo.  Inns- 
bruck, 21.  September  1584  ausgefertigtes  Schreiben  an  den  kaiser- 
lichen Gesandten  zu  Madrid  Freiherrn  Hanns  von  Kheven hüller 
mit,  welcher  auch  Ferdinands  Geschäftsträger  am  spanischen  Hofe 


i;  Vergl.  Hirn  1.  c.  Seite  592. 


I 


unter  den  Kaisern  Maximilian  IT.,  Rudolph  II.  und  Mathias.  183 

war.  In  diesem  Schreiben  sagt  der  Erzherzog  im  Eingange,  es  habe 
,,der  Knnig  zu  Hispanien,  Vnser  freundlicher  lieber  Herr  Vetter, 
hieuor  an  vns  begert,  das  wir  Irer  Kun.  Wuerde  zway  Mlinzdruckh- 
werch  machen  vnd  zuekhumen  lassen  wolten,  vnnd  obwol  Ir.  Kun. 
Würde  auf  diese  Arbeit  ain  Summa  gelts  von  etlich  tausent  gülden 
darzugeben  verordnet,  das  wir  doch  disen  Vncosten  auf  vns  genom- 
meuj  Vnd  angeregte  Zway  Mtinzdruckhwerch  Ir.  Kun.  Wlir.  in 
vetterlicher  Wolmainung  zu  merung  derselben  Camerguty  presentirt 
haben".  Diese  zwei  Münzmaschinen,  bemerkt  das  Schreiben  weiter, 
wurden  zu  Hall  ,,mit  bestem  fleiss  gemacht,  auch  alberait  probiert", 
sie  wurden  mit  einem  Inventarium  dem  Gregor  Gerl  von  Hal- 
benstein sammt  einem  Schreiben  an  den  König,  ferner  die  im 
Namen  des  Königs  den  nach  Spanien  abgehenden  Officieren  und 
Münzarbeitern  „abgenommenen  Aidspflichten",  endlich  in  Bezug 
auf  die  Verpflegung  der  Münzleute  „ain  Verzaichnus,  was  jeder 
Person  für  besoldung  vnd  ainestails  darunter  die  Tafel  sambt  der 
Herberg  zugeben"  vereinbart  worden,  übergeben.  Der  Erzherzog 
spricht  die  Erwartung  aus,  es  werde  das  nothwendige  ^Münzgebäude 
,, sambt  dem  wasser  und  Rinnwerkh  alberait  nach  aller  Notdurfft" 
fertig  sein  und  wünscht  Nachricht  zu  erhalten  „über  die  deutschen 
Handwerksleuth",  so  er  dem  König  „verschiner  Jaren  zu  dieser 
Arbeit"  zugeschickt  hat.  Als  „Werkh-Regierer"  wird  Martin  Faigl 
bezeichnet  und  von  ihm  gesagt,  dass  er  viele  Jahre  zu  Hall  bedien- 
stet, ..auch  an  anderen  Orten  bey  aufrichtung  von  Müuzdruckh- 
werch  gewest".  Nachdem  besorgt  werden  müsse,  dass  die  spani- 
schen Münzarbeiter  des  neuen  Druckwerks  halber  den  deutscheu 
Münzern  feindlich  entgegentreten  werden,  emi)tiehlt  der  Erzherzog 
die  Tiroler  Münzercolonie  und  ihre  Angelegenheiten  dem  Gesandten 
und  ersucht  um  Nachrichten  über  ihr  Verhalten  und  ihre  Lei- 
stungen, i) 

Wahrscheinlich  aus  dem  Grunde,  weil  sich  dort  die  zum  Be- 
triebe der  neuen  Münzmaschinen  erforderliche  Wasserkraft  vorfand, 
wurden  dieselben  zu  Sego via  eingerichtet.  Durch  den   bald  nach 


«)  Das  sehr  eingehende  Originalsch reiben  befindet  sich  in  der  Urkuudeu- 
samrnlung  deci  Herrn  Max  Donebauer  zu  Trag.  Im  Archive  des  k.  k.  Hnuptiuüuz- 
amtes  in  Wien  befindon  sich  mehrere  auf  diese  Angelegenheit  bezügliche 
Acten. 


184 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Münzweseu 


der  Ankunft  daselbst  erfolgten  Tod  des  Abgeordneten  Gerl  ergaben 
sich  verschiedene  Schwierigkeiten,  so  dass  sich  Khevenhüller  selbst 
nach  >Segovia  begab,  um  die  Einrichtung  des  Münzhauses  und  die 
Probearbeit  zu  überwachen.  Die  neuen  Münzen  stellten  den  König 
sehr  zufrieden,  Alles  war  überrascht,  dass  sechs  Mann  täglich  meh- 
rere hundert  Mark  zu  vermünzen  vermochten.  Als  Wardein  befand 
sich  unter  den  Tiroler  Münzern  Joachim  Li nga hol.  Er  meldete 
dem  Erzherzog  wiederholt  über  den  gedeihlichen  Fortgang  des 
Unternehmens.  An  einem  Herbsttag  1587  besuchte  König  P  h  i  1  i  p  p  II. 
in  Begleitung  seiner  Schwester,  der  Kaiserin- Witwe  Maria,  die  Münze 
zu  Segovia  und  widmete  drei  Stunden  der  Betrachtung  der  Maschi- 
nen und  des  Arbeitsganges.  Durch  diesen  Besuch  wurden  die  spani- 
schen Widersacher  der  Tiroler  sehr  eingeschüchtert.  Bis  zum  Jahre 
1587  hatten  diese  letzteren  bereits  180.000  Mark  vermünzt.  Im 
Jahre  1588  betrug  die  Ausprägung  in  drei  Monaten  50.000  Mark. 
Man  erweiterte  nunmehr  die  ganzen  Münzanlagen  und  da  auch 
spanische  Arbeiter  in  Verwendung  genommen  werden  mussten, 
äusserte  Lingahöl  die  Sorge:  „kommts  ihnen  (das  Werk)  in  die 
Hand,  werden  sies  bald  richten,  dass  in  acht  tagen  nit  mer  taugt". 
Lingahöl  starb  im  Jahre  1592.  Wie  lange  die  Tiroler  Arbeiter 
in  Segovia  verblieben  sind,  lässt  sich  aus  den  Acten  nicht 
bestimmen,  i) 

Der  Umstand,  dass  es  sich  in  dem  vorliegenden  Falle  um  aie 
Ausbreitung  eines  Industriezweiges  handelte,  welcher  in  Bezug  auf 
seine  praktische  Verwendbarkeit  in  einem  der  österreichischen 
Länder  die  erste  Probe  bestanden  hatte,  möge  die  eingehendere 
Besprechung  dieser  Angelegenheit  entschuldigen. 


III. 

Einstellung  der  Guldenthaler-Prägung. 

Es  wurde  wiederholt  darauf  aufmerksam  gemacht,   dass  jene 
münzberechtigten  Reiehsstände,  welche  zugleich  Bergwerksbesitzer 


1)  Vergl.  Hirn  1.  c.  Seite  593. 


unter  den  Kaisern  Maximilian  IT.,  Rudolph  II.  und  Mathias.  löu 

waren,  daher  in  ihren  Mtinzhäusern  die  aus  den  eigenen  Bergwerken 
gewonnenen  Edelmetalle  vermlinzten,  selbstverständlich  dahin 
strebten,  diese  Edelmetalle  durch  ein  hohes  Münzausbringen  thun- 
lichst  zu  verwerthen ;  während  alle  jene  Münzherren,  welche  keine 
Bergwerke  besassen,  daher  erkaufte  Edelmetalle  und  Pagameute 
vermlinzten,  ihr  Münzmetall  um  thunlichst  tiefe  Preise  zu  erwerben 
strebten. 

Durch  die  Reichsmünzordnung  vom  19.  August  1559  waren 
die  bergwerkbesitzenden  Münzherren  in  eine  sehr  nachtheilige  Lage 
gebracht.  Die  Verwerthung  ihrer  Edelmetalle  durch  die  Münze  war 
eine  höchst  gedrückte ;  sie  mussten  fort  und  fort  wahrnehmen,  dass 
ihre  guten  Münzen  alsbald  eingewechselt,  in  den  MUnzhäusern  der 
kleinen  Münzstände  in  der  Regel  in  leichte  Sorten  umgemünzt  und 
mit  denselben  die  Länder  überschwemmt  wurden.  Es  kann  uns 
daher  nicht  befremden,  dass  seitens  mehrerer  der  wichtigsten  berg- 
werksbesitzenden deutschen  Münzherren  die  Annahme  der  1559er 
Münzordnung  abgelehnt  wurde.  Churfürst  August  von  Sachsen 
erklärte  noch  im  Jahre  1569,  er  wolle  der  neuen  Münzordnung 
nicht  hinderlich  sein,  „doch  wolle  er  solche  aus  den  von  ihm  jeder- 
zeit angezogenen  Ursachen  nicht  auf  seine  Lande  verstanden 
wissen".  In  gleicher  Weise  lehnte  Anfangs  der  Salzburger  Erz- 
bischof Johann  Jackob  Khuen  von  Belasy  ab.  Braun- 
schweiger und  Mansfelder  Guldenthaler  sind  nicht  bekannt. 

Da  schlechtes  Geld  stets  eine  Preissteigerung  aller  Lebens- 
bedürfnisse zur  Folge  hat,  so  wurden  gerade  jene  Münz-  und  Berg- 
werksherren, welche  nach  der  Bodenbeschaffenheit  und  der  Natur 
ihrer  Länder  einen  grossen  Theii  der  Nahrungsmittel  aus  dem  Aus- 
lande beziehen  mussten,  hart  betroffen.  Unter  diese  letzteren  gehörte 
in  erster  Reihe  Erzherzog  Ferdinand  von  Tirol.  Trotz  des  Berg- 
segens seiner  Lande  drohte  ihm  und  seinen  Unterthanen  Verarmung. 
Wir  sehen  den  Erzherzog  selir  bnld  gegen  die  1559er  Reiehsmünz- 
ordnung  in  eine  lebhafte  Opposition  eintreten,  der  sich  alsbaUl  sein 
Bruder,  Erzherzog  Karl  von  Steiermark,  ansohloss.  Eho  wir 
jene  Schritte  näher  beleuchten,  welche  Erzherzog  Ferdinand  gegen 
diese  leidigen  Zustände,  im  Interesse  seiner  Bergwerke  und  seiner 
Lande  machte,  woraus  sich  schliesslich  ein  Loshisen  der  gesanmiten 
ristorrcichischen    Länder   von   der   mehrerwähnt*>"    i'"'^'  i-  l?.'l<l.<- 


186 


Johann  Ne-wald:  Das  österreichische  Münzwesfn 


münzordnung  ergab,   haben   wir   zuvor  mehrere  Momente  in  de] 
Kreis  unserer  Betrachtung"  zu  ziehen. 

Die  1559er  Münzordnung  hatte  die  Ausprägung  von  Thalei 
und  ihren  Untertheilungen,  nämlich  1/2  ^^^^^  \  4  Thal  er  eingestellt 
und  wurden  dafür  „Guldiner  zu  60  Kreuzer-^  ausgegeben.  Auf  den 
von  mehreren  Reichsständen  erhobenen  Vorwand,  dass  „an  vielen 
Orthen  und  Landschafften  der  Teutschen  Nation,  die  Contract  und 
Verschreibungen  auf  Thaler-Münzen  regulirt  und  gericht"  sind, 
wurde  im  Jahre  1566  auf  dem  Reichstag  zu  Augsburg,  laut  §.  150 
des  Reichstagsabschiedes,  eine  Thalerprägung  in  der  Weise  gestat- 
tet, dass  der  ganze  Thaler  68  Kreuzer  gelten,  einen  Feingehalt  von 
14  Loth  4  Grän  haben  solle  und  8  Stücke  aus  der  Kölner  Mark 
auszuprägen  wären.  Die  feine  Kölner  Mark  Silber  war  sohin  auf 
10  Gulden  12  Kreuzer  zu  bringen.  Die  Untertheilungen  in  V2  und 
1/4  Thaler  waren  in  gleichem  Verhältnisse  zu  prägen.  1) 

Die  somit  gewährten  Erleichterungen  hatten  auf  die  öster- 
reichischen Münzstätten  keinen  Einfluss ;  es  wurde  durch  dieselben 
auch  nur  die  Form  der  groben  Münzsorten,  nicht  aber  das  Aus- 
bringen abgeändert,  was  sofort  durch  die  Erwägung  klar  gestellt 
erscheint,  dass  durch  die  Ausprägung  von  „Reichsguldinern  zu 
60  Kreuzer"  nach  der  1559er  Münzordnung,  aus  der  feinen  Kölner 
Mark  Silber  10  Gulden  12 '/g  Kreuzer  und  5/13^  eines  Kreuzers; 
nach  dem  neuen  Zugeständnisse  jedoch  10  Gulden  und  12  Kreuzer 
ausgebracht  wurden,  der  Unterschied  somit  ganz  unerheblich  war. «) 

Um  das  in  zahlreichen  deutschen  Münzhäusern  in  Uebung 
gestandene  Einschmelzen  der  guten  Münzen  und  Ausgeben  gering- 
hältiger  Geldsorten  hintanzuhalten,  wurde  auf  dem  vom  fränkischen, 
bayerischen  und  schwäbischen  Kreis  zu  Nördlingen  abgehaltenen 
Kreistag,  im  Abschied  vom  5.  Juli  1567  die  Einrichtung  von  Kreis- 
münzstätten, und  zwar  in  jedem  Kreise  eine  oder  zwei  angeregt,  in 
denen  jeder  Münzstand  sein  Gold  und  Silber  nach  seinem  eigenen 
Gepräge  auszumünzen  hätte,  „vnnd  die  vbrigen  Münzwerk,  jedoch 
der  Münzständ  Freiheiten   vnvergriffen,   eine  Zeit  lang  eingestellt 


I 
I 


1)  J.  C.  Hirsch,  Münzarchiv.  IL  Bd.,  Seite  25. 

2)  Münzwesen  unter  Ferdinand  L,  Seite  151. 


JJV»-'     ""■- 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  IT.  und  Mathias.  187 

worden  wären''.  Zugleich  beschloss  der  Kreistag  eine  Eingabe  an 
den  Kaiser,  es  möge  der  Erzbischof  zu  Salzburg  „der  bisher  der 
Münz-Ordnung  dess  heyligeu  Reichs  nit  submittirn  wollen",  dahin 
vermocht  werden,  sich  dieser  Mlinzordnung  ,. gleich  anndern  gehor- 
samen Fürsten  vnnd  stenden  des  Reychs  anhengig  zu  machen".  <) 
Man  beschloss  ferner,  öfter  wiederholte  Mlinzvalvationstage  einzu- 
berufen und  gegen  die  leichten  Münzen  mit  aller  Strenge  vorzu- 
gehen ;  ja  selbst  der  Münzprägung  wendete  man  seine  Aufmerksam- 
keit zu.  Bisher  wurden  die  sogenannten  MUnzplatten  mittelst 
Hämmern  erzeugt,  woraus  sich  ergab,  dass  namentlich  bei  den 
kleinen  Sorten  viele  Stücke  zu  dünn  ausgebracht,  daher  die  Münzen 
im  Schrot  oft  wesentlich  zu  geringe  waren.  Zur  Gewinnung  dieser 
Münzplatten  war  in  mehreren  Münzhäusern  eine  Walzenmaschine 
in  Anwendung  gekommen,  der  man  den  Namen  Reckbank,  auch 
Ziehbank  gegeben  hatte.  Da  sich  gegen  die  allgemeine  Einführung 
dieser  Verbesserung  die  Münzarbeiter  widersetzen,  wurde  am  Nörd- 
linger  Kreistag  1567  bestimmt:  „im  Fall  sich  die  Münz-Geselleu 
dessen  verweygern,  auch  darob  vngehorsam  erzeigen  wollen,  diesel- 
ben mit  gefänglicher  Einziehung  oder  sunst  mit  Ernnst  zu  straffen, 
vnnd  aus  der  Gefenchnus  nit  zu  lassen  sind,  biß  sie  die  Reckbannk 
zu  gebrauchen  versprochen,  vnnd  solches  im  werck  vnverweigert 
jederzeit  schuldig  zu  seyn  erklären '^ 

So  wurden  auf  Reichs-  und  Kreistagen  wesentliche  Reformen 
und  Verbesserungen  im  Münzwesen  beschlossen  oder  doch  ange- 
regt, allein  die  Durchführung  dieser  Beschlüsse  war  eine  ganz 
ungenügende.  Es  darf  dabei  nicht  übersehen  werden,  dass  die  Auf- 
rechthaltung der  alten  Missstände  und  Missbräuche  im  Interesse 
einer  grossen  Zahl  mitunter  einflussreicher  Münzstände  lag  und  dass 
der  Reichsregierung  keine  Mittel  zu  Gebote  standen,  um  Beschlüsse, 
wenn  sie  auch  anerkannt  itir  das  Allgemeine  von  der  lir»(list»Mj 
Wichtigkeit  und  Nutzen  waren,  allgemein  durclizufllbren. 

Derartige  leidige  Wahrnehmungen  und  die  grossrn  litMuang- 
nisse,  in  welche  der  Tiroler  Bergbau  durch  die  corrumpirton  MUnz- 
zustände  im  Reiche  gebracht  worden  war,  gaben  dem  Erzherzog 


1)  Hirscli,  1.  c,  11.  Ijd.,  -Sciro  31. 


188 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Münzwesen 


Ferdinand  zu  einer  Bescliwerdesclirift  Anlass,  welche  er  ddo.  Inns- 
bruck, 15.  August  1570  an  seinen  Bruder,  den  Kaiser  Maximilian  IL, 
richtete.  Diese  Eingabe  umfasst  26  enggeschriebene  Seiten,  sie  ent- 
rollt ein  Bild  über  die  abnormen  Zustände  des  Münzwesens  im 
Reiche  und  der  Rückwirkung  derselben  auf  Tirol  im  Allgemeinen 
und  seinen  Bergbau  im  Besonderen.  Der  Erzherzog  hebt  hervor,  wie 
ihr  Vater  Kaiser  Ferdinand  I.,  nach  langen  Verhandlungen  im  Jahre 
1559  zu  Augsburg  die  neue  Münzordnung  aufgerichtet  und  dieselbe 
nicht  nur  als  römischer  Kaiser,  sondern  auch  als  „regierender  Erz- 
herzog zu  Oesterreich  von  aller  derselben  Erblichen  Fürstenthumber 
Landen  und  Leuten"  angenommen.  Der  Kaiser  habe  dieses  zum 
Wohle  des  Reiches,  jedoch  „wie  meniglichen  wissend,  mit  liöchster 
Irer  Kays.  Mt.  Beschwerung,  Abbruch,  Schaden  und  Nachtheils  Irer 
Mt.Perkhwerchen.  Fron,  Wechsel  undCamerguets  in  derselben  Kunig- 
reichen  vnnd  Erblannde"  gethan.  Der  Erzherzog  betonte,  dass  der 
Kaiser  und  seit  dem  Tode  desselben  er  als  sein  „Successor  der  Ober- 
vnd  Vorderösterreichischen  Landen,  dieser  Münzordnung  jeder  Zeit 
mit  hechster  Treuen  nachgelebt".  Dagegen  sei  es  „wissendtlich  vnd 
khundbar,  das  der  merer  theil  Chur  vnd  Fürsten,  auch  die  Stennde 
des  Reichs,  seit  Publicierung  angeregter  Reichsmünzordnung,  der- 
selben nit  nachkhomen,  vnd  durch  sie  auf  solche  Ordnung,  so  sie 
doch  angenommen,  gar  nicht  oder  doch  wenig  gemünzt  werde".  Der 
Erzherzog  hebt  weiter  hervor,  dass  es  allgemein  bekannt  sei,  wie 
die  von  ihm  ausgeprägten  gerechten  Reichsmünzen  gegen  leichte 
Münzen  von  jenen  Münzständen,  welche  sich  an  die  Reichmünzord- 
nung nicht  halten,  alsbald  eingewechselt  und  in  geringhaltige  Sorten 
umgemünzt  und  in  seine  Lande  „eingeschleift"  werden.  Der  Bergbau 
werde  immer  kostspieliger,  bei  vielen  Bergwerken  verzichte  er 
bereits  auf  Frohn  und  Zehende,  ja  er  leiste  aus  seinen  andern 
Kammergefällen  Gnadengelder  und  Aushilfen  und  dennoch  gehen 
viele  Bergwerke  ein,  indem  die  Kosten  des  Betriebes  höher  sind, 
als  der  Erlös  ist,  den  er  aus  der  Vermünzung  des  Silbers  nach  der 
neuen  Münzordnung  zu  erzielen  vermag. 

Nach  einer  eingehenden  Darstellung  der  ihm  und  seinen  Landen 
und  Unterthanen  aus  solchen  Zuständen  drohenden  Calamitäten 
stellte  der  Erzherzog  den  Antrag  zur  Abänderung  der  Reichsmünz- 
ordnung dahin,  dass  aus  der  feinen  Kölner  Mark  Silber  bei   den 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathlas.  189 

ganzen  und  halben  GulcHnern  und  Zehnern  10  Gulden  40  Kreuzer, 
bei  den  zwei  und  ein  Kreuzern  10  Gulden  50  Kreuzer  und  bei  den 
Pfennigen,  Hellern  und  Vierern  11  Gulden  30  Kreuzer  ausgebracht 
werden.  Im  Falle  die  Münzordnung  in  dieser  Weise  abgeändert, 
somit  eine  ,, durch  das  ganze  Reich  gerechte  guette  Mlinz,  von  allen 
Münzstennden  des  Reichs  geschlagen  wird",  wolle  er  sich  an  die- 
selbe treu  und  festhalten.  <) 

Die  Eingabe  des  Erzherzogs  Ferdinand  wurde  am  30.  August 
1570  an  den  damals  in  Speyer  anwesenden  Landvogt  von  Schwaben 
Georg  Ylsung  von  Trasperg  ausgefolgt,  welcher  schon  ddo. 
Speyer,  8.  September  1570,  sein  Gutachten  abgab.  Er  bestätigt  die 
volle  Begründung  der  vom  Erzherzog  erhobenen  Beschwerden  und 
fügt  schliesslich  die  Bemerkung  bei:  „Es  haben  auch  die  Rom. 
Kays.  Mt.  vil  mer  Vrsach  disem  hochschedlichen  verderblichen 
Werkh  nachzugedenkhen,  dann  die  Ftirstl.  Durchl.^  Er  stellte  den 
Antrag,  der  österreichische  Gesandte  möge  am  Reichstag  diese 
Beschwerden  vorbringen,  „vnd  solches  alles  von  dess  gemeinen 
Hauss  Oesterreichs  wegen,  mit  allem  Vleis  fürtragen".  Oline  Zweifel 
werden  jene  Stände,  welche  Bergwerke  besitzen,  diesen  Beschwer- 
den alsbald  zustimmen  und  dadurch  jene  Kurfürsten  und  Stände, 
welche  die  1559er  Münzordnung  vertheidigen,  dieselbe  aber  selbst 
nicht  einhalten,  zur  Erklärung  drängen,  „dass  sie  derselben  wirklich 
nachleben  wollen'^  Der  Gesandte  möge  nunmehr  für  die  allgemeine 
Durchführung  der  Münzordnung  in  allen  ihren  Punkten  einen  Termin 
von  drei  Monaten  stellen  und  würden  die  bergwerksbesitzenden 
Münzstände  ein  volles  Jahr  zuwarten,  um  sich  von  der  vollständigen 
Einhaltung  der  Münzordnung  seitens  aller  Münzstände  zu  über- 
zeugen. Sollte  dieser  Voraussetzung  nicht  entsprochen  worden  sein, 
„dann  sollte  auch  das  löbliche  Hauss  Oesterreich  merbemelter 
Münzordnung  verner  auch  nit  vnderwürffig,  sondern  genzlicli  darvon 
entbunden  sein  •. 

Maximilian  II.  richtete  nunmehr  ddo.  Speyer,  1 7.  >e|H«Mnbcr 
1570,  an  den  Er/lici/og  Ferdinand  ein  Schreiben,  in   wclchcin   der 


<)  K.  k.  ii.  i\.  .\..  1  a-ic.  17316.  Wiederholt  wurde  boiiniK.. *..* 

ReichHmünzordnnii^  vom  19.  August  1559  bei  der  Au.smUnzung  von  glänzen  uud 
halben  Guldinern  die  tVine  Kölner  Mark  Silber  auf  10  Gulden  12Vt  Kreuzer 
ji^ebracht  wurde. 


•  *!*?'-*T>>  ■»^■y-f  ■ 


190 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Münzwesen 


Kaiser  zunächst  darauf  hinweist^  wie  ihr  Vater  Kaiser  Ferdinand  I. 
nach  vielen  Bemühung-en  die  1559er  Münzordnung  eingeführt,  daher 
es  hoch  bedenklich  erscheint,  ,,dass  Hauss  Oesterreich  der  erst 
Stanndt  sein  solle,  der  solche  Constitution  retractiren  vnnd  mit  der 
guete  der  Münz  fallen  sollte".  Der  österreichische  Gesandte  werde 
daher  den  vom  Erzherzog  gestellten  Aenderungsvorschlag  nicht 
einbringen,  sondern  nur  den  Antrag  auf  die  vollständige  Durch- 
führung der  1559er  MUnzordnung  durch  alle  Münzstände  und  die 
strenge  Handhabung  der  gegen  die  Verbreitung  geringer  und  die 
Ausfuhr  guter  Münzen  erlassenen  Mandate  stellen  und  hiezu  den 
Termin  eines  Jahres  proponiren.  Sollte  nach  Ablauf  desselben  die- 
sem Antrag  nicht  allerorts  nachgelebt  werden,  dann  würden  ,,wir 
gebrüder  der  münz  lialben  nach  Vnnser  eignen  unvermeidlichen 
Nodturfft  handeln-.  Es  bestehe  kein  Zweifel,  dass  über  diesen 
Antrag  ein  grosser  Tlieil  der  Münzstände  ..auf  Ringerung  des 
MUnnz  Schrot  vnnd  Khorn  oder  sonst  auf  Freilassung  deß  Münzens 
dringen  werden",  womit  schliesslich  dasjenige,  was  der  Erzherzog 
anstrebt,  ebenfalls  erreicht  wäre.  Nachdem  der  Reichstag  in  die 
Verhandlungen  über  das  Münzwesen  schon  in  der  nächsten  Zeit 
eingehen  dürfte,  wurde  der  österreichische  Gesandte  in  diesem 
Sinne  informirt;  der  Erzherzog  möge  die  Zustimmung  geben,  seine 
besonderen  Anliegen  jedoch  thunlichst  bald  mittheilen. 

An  den  Erzherzog  Karl  von  Steiermark  wurde  ddo.  Speyer, 
17.  September  1570  eine  Abschrift  der  vom  Erzherzog  Ferdinand 
eingebrachten  Beschwerde  übermittelt  und  zugleich  bekannt  gege- 
ben, was  in  dieser  Angelegenheit  veranlasst  worden  ist,  er  möge 
alsbald  seine  Anträge  einbringen,  i) 

Die  Antwort  des  Erzherzogs  Ferdinand  erfolgte  schon  ddo. 
Innsbruck,  27.  September  1570.  Er  gab  seine  Zustimmung,  dass 
der  österreichische  Gesandte  am  Reichstage  die  Münzangelegenheit 
im  Namen  der  drei  Brüder  vertrete.  Er  theilte  jedoch  nicht  die  An- 
sicht, dass  sich  die  Stände  für  eine  Abänderung  der  Münzordnung 
entschliessen  werden,   denn  der  Mehrzahl  derselben,  die  auch  nicht 


I 


1)  Sämmtliche  Acten  im  k.  k.  H.  K.  A,.  Fase.  17316.  Der  Landvogt  Ylsiing 
erwähnt  in  seiner  Aeusserung  vom  8.  September  1570  einer  Münzstätte  zu 
Schlackenwald  in  Böhmen. 


I 


Bergwerke  besitzen,  gereiche  die  1559er  Müuzordnung  zum  hohen 
Vortheil ;  —  er  kann  daher  auch  nicht  seine  Zustimmung  geben, 
dass  der  Gesandte  auch  in  seinem  Namen  das  Verbleiben  bei  dieser 
Mtinzordnung  erkläre.  Mit  der  Darlegung  der  aufs  höchste  gestie- 
genen Nothlage  seines  Bergbaues,  seiner  Lande  und  Leute,  wieder- 
holte er  am  Schlüsse  jene  Aenderungsanträge,  die  er  schon  in  der 
Eingabe  vom  15.  August  1570  gestellt  hatte,  i ) 

Auf  die  Reichstände  blieb  die  Haltung  des  Erzherzogs  Ferdi- 
nand, dem  sich  auch  sein  Bruder  Karl  von  Steiermark  angeschlossen 
hatte,  zu  der  in  ihren  Schwierigkeiten  aufs  höchste  gestiegenen 
Mtinzfrage  nicht  ohne  Einfluss.  Im  Abschied  des  Reichstages  zu 
Speyer  1570,  wurde  eine  Zahl  das  Münzwesen  betreifende  Punkte 
behandelt,  und  schliesslich  für  den  Monat  Juni  1571  ein  General- 
münztag nach  Frankfurt  a.  M.  ausgeschrieben,  und  jene  Stände 
welclie  Bergwerksbesitzer  waren,  besonders  aufgefordert,  ihre  Abge- 
ordneten „mit  genügsamer  Gewalt  abzufertigen."  s) 

Der  Abschied  des  Frankfurter  Deputationstages  ddo.  1.  Oc- 
tober  1571  enthält  eine  Reihe  von  Beschlüssen,  welche,  falls  sie  zur 
vollen  Durchführung  gelangten,  auf  das  deutsche  Münzwesen  einen 
tief  einschneidenden  Einfluss  nehmen  mussten.  Von  höchster  Wich- 
tigkeit war  §.  27  des  Abschiedes.  Schon  zu  Speyer  war  beschlossen 
worden,  dass  in  jedem  Reichskreise  nur  drei  oder  vier  Münzstätten 
bestehen  sollten;  nur  jenen  Münzständen,  welche  Bergwerke 
besassen,  blieb  der  Betrieb  einer  eigenen  Münze  gestattet.  Da  es 
sich  jedoch  zeigte,  dass  in  diesen  letzteren  MUnzhäusern  nicht  blosg 
das  aus  den  Bergwerken  gewonnene  Gold  und  Silber,  sondern  auch 
erkaufte  Pagamente  zur  Verniünzung  kamen,  wurde  dieser  Vorgang 
eingestellt  und  sollten  alle  erkauften  Pagamente  in  die  KreismUnz- 
häuscr  gebracht  werden,  sohin  den  Münzherren,  welche  eigene 
Münzhäuser  hatten,  in  denselben  nur  das  Vermünzen  der  aus  den 
eigenen  Bergwerken  gewonnenen  Edelmetalle  gestattet  sein.  Um 
die  Handhabung  des  MUuzprobationswesens  zu  sichern,  wurden  mit 
§.  28,  der  kurrheinische,  oberrheinische  und  westphälische  Kreis, 


1)  K.  k.  II.  K.  A.,  i  «..-..  i..,iu. 
>j  Hirsch,  1.  c.  Seite  69  u.  f. 


_  i'^:i*i.*'^^#?F:^".'Ä»>^ 


192 


Johann  Newald  :  Das  österreichische  Münzwesen 


oder  die  sogenannten  drei  unteren  Kreise;  —  ferner  der  ober-  und 
niedersächsische  Kreis;  —  endlich  der  bayerische,  schwäbische  und 
fränkische  Kreis,  oder  die  sogenannten  drei  oberen  Kreise  zu- 
sammengelegt, und  sollten  dieselben  jährlich  zwei  Probationstage 
„zur  Handhabung  gerechter  Münzen  und  Abwendung  alles  ge- 
suchten Betruges^'  zu  halten  schuldig  sein.  Der  österreichische 
Kreis  sollte  mit  den  drei  oberen  Kreisen  in  Münzsachen  „gute 
nachbarliche  Correspondenz'^  halten,  ohne  doch  förmlich 
zu  ihnen  geschlagen  zu  sein.  Es  folgten  Bestimmungen  über 
die  Unterdrückung  der  Heckenmünzstätten,  der  Anwendung  der 
„Beck-  oder  Ziehebank  zum  Pfennig  und  Hellermünzen -^    u.  s.  w.  i) 

Das,  was  der  Erzherzog  Ferdinand  vorausgesehen  hatte,  war 
eingetreten.  Man  hatte  eine  Beihe  von  strengen  Bestimmungen  auf- 
gestellt, deren  Durchführung  nach  den  bisherigen  Erfahrungen  sehr 
zweifelhaft  blieb;  —  in  sein  Hauptanliegen,  nämlich  in  die  von  ihm 
beantragte  Erhöhung  im  Münzausbringen  per  Mark  oder,  wie  es  da- 
mals genannt  wurde,  in  einen  „Fall  der  Münze",  war  man  nicht 
eingegangen. 

Ueber  Bericht  des  österreichischen  Gewalthabers  beim  Frank- 
furter Generalmünztag,  Dr.  Ulrich  Sitzing,  brachte  Kaiser  Maxi- 
milian H.  das  Ergebniss  desselben  dem  Erzherzog  Ferdinand  mit 
Schreiben  vom  13.  October  1571  zur  Kenntniss.  Der  Erzherzog  ant- 
wortete ddo.' Innsbruck,  23.  November  1571.  Er  betonte  nochmals 
das  fortschreitende  Verderben  seines  Bergbaues  und  der  daraus  für 
Land  und  Leute  erwachsenden  Noth.  Er  hebt  hervor,  dass  jeder 
Reichsstand  und  jeder  Kaufmann  seine  Producte  und  Waaren  um 
möglichst  gute  Preise  zu  verwerthen  trachtet,  es  könne  ihm  sohin 
nicht  zugemuthet  werden,  durch  die  fernere  Aufrechthaltung  der 
1559er  Münzordnung  sein  werthvoUstes  Landesproduct,  das  Silber, 
um  einen  Preis  hintanzugeben,  der  weit  nicht  jene  Kosten  erreicht, 
welche  sich  aus  den  so  hoch  gestiegenen  Bergbauauslagen  ergeben. 
Der  Erzherzog  bemerkte,  dass  ihn  die  äusserste  Noth  zu  „einem 
Fall  in  der  Münz"  zwinge  und  schloss  zwei  Nachweise  bei,  wie  er 
in  Tirol  und  im  Elsass  diesen  Mtinzfall  vornehmen  werde.  Die 
erstere  Tabelle  hat  die  Wiener  Mark,  letztere  die  rheinische  oder 


I 


•)  Hirsch,  1.  c.  Seite  101  u.  f. 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  MathiM.  193 

Kölner  Mark  zur  Grundlage.  Für  Tirol  waren  zur  AusmUnzuug 
beantragt:  „Ganze  Guldiner  zu  60  Kreuzer,  im  Feingebalt  von  14 
Lotb  4  Grän  und  waren  aus  der  Wiener  Mark  11 24  Stücke  auszu- 
bringen. Die  feine  Wiener  Mark  Silber  war  somit  auf  12  Gulden 
491/2  Kreuzer  ausgebraebt.  Derselbe  Antrag  war  aucb  für  Elsass 
gestellt,  denn  die  Umrecbnung  von  der  Wiener  auf  die  Kölner  Mark 
naeb  dem  Verbältniss,  dass  6  Kölner  gleicb  5  Wiener  Mark,  ergab 
für  die  feine  Kölner  Mark  bei  den  ganzen  und  balben  Guldinern 
und  Zebner,  ein  Ausbringen  von  10  Gulden  41^/4  Kreuzer,  welcher 
Ansatz  aucb  in  der  vom  Erzberzog  vorgelegten  Tabelle  für  Elsass 
eingestellt  war.  1) 

Gegenüber  der  1559er  Reicbsmünzordnung  befand  sieb  Erz- 
herzog Ferdinand  nunmebr  auf  demselben  Standpunkt,  wie  seiner- 
zeit sein  Vater  Ferdinand  1.  gegenüber  der  Esslinger  Mtinzorduung 
vom  10.  November  1524,  nachdem  Kaiser  Karl  V.  mit  Patent  ddo. 
Madrid,  10.  März  1525  die  Wirksamkeit  derselben  auf  die  öster- 
reichischen Länder  aufgehoben,  und  verfügt  hatte,  dass  weder  er, 
noch  sein  Bruder  noch  ihre  Erben  an  dieselbe  gebunden  sein 
sollen.  2)  Für  die  richtige  Beurtheilung  des  Entwicklungsganges, 
welchen  das  österreichische  Münzwesen  genommen  hatte,  ist  es 
wichtig,  diesen  Umstand  besonders  im  Auge  zu  halten. 

Das  entschiedene  Vorgehen  des  Erzherzogs  Ferdinand,  im  Zu- 
sammenhange mit  den  geringen  Erfolgen,  welche  sich  für  eine  Ord- 
nung des  Reichsmünzwesens  aus  den  Frankfurter  Beschlüssen  vom 
1.  October  1571  wahrnehmen  Hessen,  drängten  auch  in  den  übrigen 
östeiTcicbiscben  Ländern  zu  einer  Entscheidung.  Diese  erfolgte  mit 
der  Resolution  Kaiser  Maximilians  II.  ddo.  Wien,  17.  März  1573. 
Der  kaiserliche  Erlass  an  die  böhmische  Kammer  von  demselben 
Tage  lautet: 

„Maximilian  etc.  Wir  geben  Euch  gcnediger  mainung  zu  wissen, 
das  wir  auf  jüngsten  der  dreyen  Stennde  in  Behamb  in  jüngstem 
Landtag  zu  Prag,  an  den  tit.  Rudolphen  Khünig  zu  Hungern,  vnnd 


ij  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  173 IG.  Eine  Erörterung  der  in  don  boldeu 
Taboüen  vorkommenden  Anträge,  miiss  für  tlio  Bespreeluing  der  HaMor  MUuzc 
vorbehalten  bleiben.  Hier  genügt  es  die  iiiün/iKilitiHclie  Seite  (!<'»  voui  En- 
heraog  resolvirten  Schrittes  hervorzuheben 

2)  MUnzwesen  unter  Ferdinand  I.  Seite  ;». 


13 


194 


Johann  Newald :  Das  österreichische  Miinzwesen 


Ernsten,  Erzherzog-  zu  Oesterreich  etc.  gehorsamist  gethan  Anlangen 
vnd  ritten,  mit  Gnaden  bewilliget,  das  hinfliran  anstatt  der  Reichs 
gannz  vnd  halben  Guldener,  auch  Zehn,  Zwey  vnnd  ein  kreuzern, 
widerumben  die  Taler  weiland  Kaiser  Ferdinandi,  vunsers 
geliebten  Herrn  vnd  Vaters  Hochleblicher  seeliger  Gedechtnus, 
Schrot  vnd  Khorn  nach  geschlagen,  vnnd  aUem  Gebrauch  nach, 
vmb  siebenzig  kreuzer,  oder  dreyssig  Weissgroscben  ge- 
nomben,  vnnd  dan  ferner  klaine  Müntz,  alss  Groschen  zu  7  weiss 
Pfennig,  vnnd  weiss  vnd  klaine  Pfennig  gemünzet  werden  sollen. 
Vnnd  befelchen  Euch  hierauf  genediglichen,  Ir  wollet  bey  vnnsern 
Mtinzer-Stetten,  zu  Prag,  Kuttenperg,  Joachimsthall,  Schlacken 
waldt  vnnd  Budweiss,  Verordnung  thuen,  damit  solche  Sorten,  ali 
ganz  vnd  halbe  auch  virtelß  Thaler,  vnnd  dann  weiss  Groschen  zu 
7  Pfennig,  auch  weiss  vnnd  khlain  Pfennig  also  gemünzt  vnd  ge- 
schlagen vnnd  obgehörten  massen  außgeben  vnd  genommen 
werden.'^ 

Es  folgen  nunmehr  Weisungen  in  welchem  Werthe  die  im  Lande 
cursirenden  Münzen    anzunehmen   sind,  für  die  Einwechslung  der, 
geringen  Münzen   wird  Michaelis  als  Termin  anberaumt  und  wir 
die  Kammer  beauftragt,   bezüglich   der  zur  Einwechslung  erforder 
liehen  Geld  verlage  rechtzeitig  Vorsorge  zu  treffen.  *) 

Nachdem  sich  Erzherzog  Karl  von  Steiermark  seinem  Bruder 
Ferdinand  angeschlossen  hatte,  nunmehr  auch  Kaiser  Maximilian  II. 
zur  alten  Ausprägung  zurückgegangen  war,  erschienen,  das  Münz- 
wesen anbelangend,  sämmtliche  österreichische  Königreiche  und 
Länder  von  dem  Reichsmtinz wesen  thatsächlich  abge- 
1  ö  s  et.  In  den  Münzfragen  verfolgten  nunmehr  beide  grosse  Länder- 
gebiete ihre  besonderen  Bahnen. 

Zu  untersuchen  bleibt  nun  noch,  welche  Thal  er  des  Kaisers 
Ferdinand  I.   nach  dem  Patente  vom  17.  März  1573  wieder  auszu- 
prägen waren.  Es  können  hier  o)  die  Thaler  nach  der  Münzordnung 
vom  28.  Juli  1551,  welche  mit  dem  Goldgulden  übereinstimmend  im^ 
Werthe  von  72  Kreuzer  ausgegeben  wurden,  und  h)   die  nach  dei 


e 

i 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  16359,  auch  Gdkb.  Nr.  314,  Fol.  137.  Auch 
vorstehenden  Patent  ist  von  einem  Münzhause  zu  Schlacken wald  die  Eede. 


unter  deu  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathias.  195 

MUnzordnung  vom  15.  Februar  1524   ausgegangenen  Thaler  in  Be- 
tracht kommen. 

Aus  den  eingehend  geschilderten  Verhandlungen  geht  hervor, 
dass  es  sieh  für  die  österreichischen  MUnzhäuser  um  ein  erhöhtes 
Ausbringen  aus  der  feinen  Mark  Silber  oder,  was  dasselbe  ist,  um 
«ine  bessere  Verwerthung  des  Bergwerksilbers  handelte.  Durch  die 
nach  der  MUnzordnung  vom  28.  Juli  1551  ausgegebenen  soge- 
nannten 72-Kreuzer-Thaler  wurde  die  feine  Wiener  Mark  Silber  auf 
12  Gulden  14»/4  Kreuzer  gebracht.  Nachdem  die  Absicht  der  1559er 
Münzordnung  zunächst  dahin  gerichtet  war,  den  Werth  der  grossen 
Silbermünze  mit  dem  Rechnungswerthe  des  Guldens  zu  60  Kreuzer 
in  üebereinstimmung  zu  bringen,  wurde  an  dem  Ausbringen  per 
Mark  ganz  unwesentlich  geändert.  Nach  der  1559er  MUnzordnung 
wurde  die  feine  Wiener  Mark  Silber  auf  12  Gulden  15«/67  Kreuzer 
gebracht. 

Es  leuchtet  wohl  sofort  ein,  dass  durch  das  Zurückgehen  auf 
die  Münzordnung  vom  28.  Juli  1551,  der  vorzüglichste  Anlass  zu 
den  erhobenen  Beschwerden  nicht  entfernt  worden  wäre.  Ganz 
anders  gestaltet  sich  jedoch  diese  Frage,  wenn  die  nach  der  Münz- 
ordnung vom  15.  Februar  1524  ausgeprägten  Thaler  in  Betracht 
gezogen  werden.  Das  Patent  vom  17.  März  1573  bestimmte,  dass 
die  neu  zu  prägenden  Thaler  im  Werthe  von  70  Kreuzer  zu  nehmen 
sein  werden.  In  diesem  Werthe  wurden  thatsächlich  die  alten  Thaler 
Ferdinands  I.  im  Verkehr  gegeben  und  genommen.  Das  Ausbringen 
von  der  feinen  Wiener  Mark  Silber  steigerte  sich  durch  die  Aus- 
münzung dieser  Thaler  auf  sehr  nahe  12  Gulden  43  Kreuzer  (siehe 
Seite  4j,  womit  man  sich  auch  den  vom  Erzherzog  Ferdinand 
gestellten  Anträgen  ziemlich  näherte.  *) 


*)  Nachdem  S.  Becher  für  sein   „österreichisches   Manzwesen  von  1524 
bis  1838"  vorlu'i  '    i.is  Reichsmünzarchiv  von  Hirsch  als  QueUc  i 

und  ihm  die  ein><  i  Acten  des  k.k.  Hotkammer- Archivs  ganz  ui 

j^eblioben  sind,  so  lassen  sich  durch  die  vorstehenden  queUenbegründoten  Dar- 
stellungen die  einschlägigen  Angaben  desselben,  und  zwar  I.  Band,  Seit«  18 
u.  f.  ferner  l\.  Band.  Seite  56  u.  f.  mehrfach  richtig  stellen,  und  berichtigen 
sich  auch  jene  A  i^cen,  welche  auf  Gni' 

andere  Werke  w  piolweise  G.  Zeller's  ..  m 

burgs"  Seite  16  u.  1.  übergegangen  sind.  Auch  A.  Voigt,  böhmische  Münzen 
III    H.,..,i   w..:...  w.i  ..   '   fiiuiet  eine  Ertjänzung. 

18* 


TJj-s*  3y;v^ 


196 


Johann  Newald  :  Das  österreichische  Münzwesen 


Es  wurde  wiederholt  aufmerksam  gemaclit,  dass  infolge  des 
durch  Kaiser  Karl  V.  ddo.  Madrid,  lO.März  1525  erlassenen  Patentes, 
das  österreichische  Mtinzwesen  von  jenem  des  deutschen  Reiches 
vollständig  abgelöset  worden  war.  i) 

In  Uebereinstimmung  befanden  sich  die  Münzsysteme  der  bei- 
den grossen  Ländereomplexe  lediglich  während  der  wenigen 
Jahre,  als  auch  für  die  österreichischen  Lande  die  Reichsmünzord- 
nung vom  28.  Juli  1551  und  jene  vom  19.  August  1559  in  Wirksam- 
keit waren.  2)  Die  Resolution  Maximilians  IL  ddo.  Wien,  17.  März 
1573  hob  dieses  Zusammengehen  wieder  auf,  in  Tirol  hatte  sich 
Erzherzog  Ferdinand  schon  durch  seine  Erkläning  ddo.  Innsbruck, 
23.  November  1571  von  den  Fesseln  der  für  Tirol  überaus  nach- 
theiligen Reichsmünzordnung  vom  19.  August  1559  freigemacht. 
Dass  in  Folge  dessen  die  österreichischen  Münzhäuser  auch  von 
dem  Einflüsse  der  nach  dem  Abschiede  des  Frankfurter  Deputations- 
tages ddo.  1.  October  1571  jährlich  zusammen  tretenden  Reichs- 
Probations  und  Valvationscommissionen  (siehe  Seite  24)  abge- 
löset erscheinen,  ergibt  sich  von  selbst.  Schon  Ferdinand  I.  hatte 
bei  den  im  Jahre  1533  in  Münzangelegenheiten  gepflogenen  Ver- 
handlungen ausdrücklich  erklärt,  dass  er  sich  einer  Probation  oder 
Valvation  der  aus  seinen  Münzhäusern  ausgehenden  Münzen  nicht 
unterwerfe,  „angesehen  das  wir  mit  vnnserm  löblichen  Haus  Oester- 
reich  von  Alter  gefreyt  das  wir  weder  mit  Probation  noch  Appella- 
tion beswert,  auch  den  gemeinen  Müntzordnungen  im  Reich  nit 
vnderw^örff'ig  sein  sollen."  s") 

Nachdem  in  Uebereinstimmung  mit  seinem  Bnider  Karl  von 
Steiermark,  Erzherzog  Ferdinand  von  Tirol,  und  schliesslicli 
auch  Kaiser  Maximilian  11.  von  der  Reichsmünzordnung  vom 
19.  August  1559  zurückgetreten  w^aren,  konnten  die  österreichischen 
Münzhäuser  auch  nicht  mehr  den  Beschlüssen  der  Reichs- Valvations- 
Commissionen  unterworfen  bleiben.  Es  ist  selbstverständlich,  dass 
sich  aus  den  Münzvalvationen  sehr  verschiedene  Resultate  ergeben 
mussten,  je    nachdem   für   die    einzelnen    Münzsorten  die  Bestim- 

1)  Münzwesen  unter  Ferdinand  I.  Seite  9  und  140. 

2)  Daselbst  Seite  50,  ferner  59  u.  f. 

3)  Daselbst  Seite  13. 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolpli  II.  und  Mathias.  l^T 

mimgen  der  Reichsmünzordnung,  oder  die  Ansätze  der  vou  Maxi- 
milian n.  und  den  beiden  Erzherzogen  flir  ihre  Münzhäuser  erlas- 
senen Instructionen  als  Grundlage  oder  Vergleichungsmassstab 
genommen  wurden.  Die  in  den  j,correspondirenden  Kreisen'^  jähr- 
lich zusammentretenden  Valvations-Commissionen  nahmen  fllr  ihre 
Proben  nur  die  Reichsmünzordnung  vom  19.  August  1559  und  die 
damit  verbundene  ,,Probirordnung"  vom  20.  August  1559,  als 
Orundlage.  *)  Würden  die  österreichischen  Landesiürsteu  diese 
Probationen  auch  für  ihre  Müuzhäuser  als  wirksam  anerkannt  haben 
dann  hätten  sie  sich  auch  der  Aufforderung  zur  Behebung  der  bei 
ihren  Münzen  constatirten  Abgänge  unterziehen  müssen,  wodurch 
sie  indirect  wieder  unter  den  Einfluss  der  von  ihnen  abgelehnten 
Reichsmünzordnung  gekommen  wären. 

Nachdem  die  Wirksamkeit  der  mehrerwähnten  Valvations- 
Commissionen  auf  die  österreichischen  Länder  entfallen  war,  musste 
in  Bezug  auf  Controle  und  Ueberwachung  der  aus  den  österreichi- 
schen Münzhäusern  ausgehenden  Münzen,  sowie  hinsichtlich  Val- 
virung  der  in  diese  Länder  eingedrungenen  fremden  Münzsorten, 
eine  entsprechende  Vorsorge  getroffen  werden.  Zu  diesem  Ende 
wurden  Landprobirer  bestellt,  auch  einzelne  Beamte  mit  der 
Untersuchung  und  Valvation  fremder  Münzen  betraut,  deren  Ergeb- 
nisse von  Zeit  zu  Zeit  durch  besondere  Valvations-Verzeichnisse  ver- 
lautbart  wurden.  Dass  dabei  die  für  die  österreichischen 
Münzhäuser  bezüglich  Korn  und  Schrot  bestehenden  Münzinstruc- 
tionen  und  nicht  die  diesfälligen  Anordnungen  der  Reichsmünz- 
ordnung als   Basis    zu   dienen  hatten,  versteht  sich  wohl  vou  selbst. 


IV. 
Die  Münzstätte  zu  Wien. 

Nachdem  im  Vorhergehenden  die  münzpolitischeu  Verhand- 
lungen und  Entsclieidungen  aus  der  Regierungsj)eriode  des  Kaisers 
Maximilian  IL,  soweit  dieselben  auf  das  Münzwesen  der  öster- 
reichischen  Königreiche   und    Länder   Bezug  hatten,    besprochen 

<)  Miiii/.w  »'.•seil  iiiirtT  FrrdliiaiKl  I.  Seite»  <i2. 


-f-^f^.'ltTr^r 


198 


Johann  Newald  :  Das  österreichische  Münzwesen 


wurden;  haben  wir  nunmehr  den  in  den  einzelnen  MUnzhäusern  ob- 
waltenden Zuständen  unsere  Aufmerksamkeit  zuzuwenden,  und 
sollen  zunächst  die  Münzstätten  jener  Länder,  welche  der  Regierung^ 
des  Kaisers  Maximilian  IL  unmittelbar  unterstanden  beleuchtet 
werden. 

Wiederholt  wurde  darauf  aufmerksam  gemacht,  dass  im 
Wiener  Münzhause,  wegen  Mangels  von  Bergwerks  Gold  und 
Silber,  der  Betrieb  lediglich  auf  die  Vermünzung  von  erkauften 
Pagamenten  beschränkt  war. 

Als  Ferdinand  L  im  Jahre  1524  die  Wiener  Münze  wieder 
aufrichtete,  vervollständigte  er  die  Organisation  derselben  durch 
die  Bestellung  eines  Ward  eins,  eines  Münzkämmerers  endlich 
eines  Münzwechslers  und  regulirte  das  Zusammenwirken  dieser 
Münzbeamten  durch  die  denselben  ertheilten  Instructionen.  *) 

Von  dieser  wohlgegliederten  Einrichtung  war  man  zur  Zeit  des 
Regierungsantrittes  Maximilian  IL  gänglich  abgekommen.  Das 
Wechselamt,  das  heisst  die  Gold-  und  Silbereinlösung,  hatte  man 
gegen  ein  jährliches  Pachtgeld  von  100  Gulden  an  den  Wardein 
übertragen,  dem  man  auch  die  Gold-  und  Silberscheiderei  über- 
lassen hatte,  wogegen  derselbe  auf  den  Bezug  seines  Gehaltes  von 
80  Gulden  verzichtete.  Die  zwei  wichtigsten  Nebenämter  waren 
somit  vom  Münzamte  abgelöset  und  der  Ertrag  des  letzteren  auf  die 
aus  der  Münzprägung  sich  ergebenden  Ueberschüsse  beschränkt, 
welche  aus  dem  Grunde,  dass  das  Münzausbringen  durch  die  Münz- 
ordnungen von  den  Jahren  1551  und  1559  ausserordentlich  herab- 
gedrückt war,  bald  in  Verluste  übergingen,  daher  der  Betrieb  einge- 
stellt werden  musste.  Wenn  nun  erwogen  wird,  dass  für  die  Gold- 
und  Silberarbeiter  die  gesetzliche  Verpflichtung  bestand,  ihren  Be- 
darf an  Edelmetallen  aus  dem  Münzhause  zu  beziehen,  so  erscheint 
es  als  vollkommen  berechtiget,  wenn  der  Münzmeister  Hartman 
(Seite  6)  hervorhob,  dass,  wenn  das  Wechselamt  und  die 
Scheiderei  beim  MUnzamt  geblieben  wären,  aus  deren  Erträgnis- 
allfällige  Einbussen  bei  der  Münze  hätten  bestritten  werden  können, 
so  aber  bezog  die  Kammer  lediglich  einen  Pachtzins  von  100  Gulden,, 
während  das  Einkommen  aus  dem  Wechselamt  und  der  Scheiderei^ 


1)  Münzwesen  unter  Ferdinand  I.  Seite  5. 


pö^:-^-¥3-^ 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathias. 


199 


welches  dem  Wardein  zufloss,  jährlich  mehrere  Tausend  Gulden 
ausmache.  Maximilian  11.  stellte  mit  der  Resolution  vom  3.  Sep- 
tember 1569  allerdings  die  alte  Einrichtung  wieder  her,  allein 
manche  Missbräuche  und  Uebelstäude  hatten  sich  mittlerweile  der- 
art eingewurzelt,  dass  ihre  baldige  Behebung  nicht  zu  erwarten  war. 

Aus  einer  Beschwerde  des  Raaber  Bausuperintendenten  Urban 
Süss  vom  Jahre  1572,  gewinnen  wir  einen  Einblick  in  die  durch 
den  Mtinzmeister  Hartman  vorgenommene  Thalerprägung.  Süss 
hatte  eine  Summe  leichter  Pauliner  in  die  Münze  gegeben  und 
fand  die  ihm  zugekommenen  1292  Thaler  als  Ausbringen  zu  geringe. 
Von  Hartman  liegen  nun  zwei  Ausweise  vor,  über  ihm  am  15.  Jänner 
und  5.  Februar  zugekommenen  leichten  Pauliner.  Es  ergab  sich  aus 
beiden  Posten  an  feinem  Silber  118  Mark,  10  Loth,  0  Quentchen, 
1  Pfennig,  diese  zu  14  Loth,  1  Quentchen,  1  Pfennig  beschickt, 
gaben  132  Mark  10  Loth,  woraus  zu  9s/4  Stücke  von  der  Mark  1292 
Thaler  ä  70  Kreuzer  entfielen.  Die  Hofbuchhalterei  bestätigte  die 
Richtigkeit  dieser  Ausmünznng. 

Es  wurden  somit  im  Wiener  Münzhause  im  Jahre  1572  nicht  die 
der  1559er  Reichsmünzordnung  entsprechenden  Guldenthaler,  son- 
dern Thaler  nach  der  Instruction  vom  15.  Februar  1524,  und  zwar 
im  Feingehalt  von  14  Loth,  1  Quentchen,  1  Pfennig,  97^  Stücke  von 
der  rohen  Wiener  Mark,  gepräg-t.  i)  Bei  dieser  durch  die  Hofbuch- 
halterei geprüften,  sohin  von  der  Regierung  zugegebenen  Thaler- 
prägung hat  man  sich  unverkennbar  durch  die  Rücksicht  auf  das 
erhöhte  Ausbringen  leiten  lassen,  worüber  eine  einfache  Rechnung 
Aufschluss  gibt.  Die  1292  Thaler  hatten  ä  70  kr.  einen  Werth  von 
1507  fl.  20  kr.  Bei  der  Vermünzung  der  verwendeten  118  Mark,  10 
Loth,  0  Quientchen,  1  Pf.  Wiener  Gewicht  fein  Silber  in  Gulden- 
thaler, hätte  sich,  da  bei  derselben  die  feine  Wiener  Mark  Silber 
auf  12  Gulden  15%,  Kreuzer  gebracht  wurde,  2)  nur  ein  Gesammt- 
ausbringen  von  1453  Gulden  10  Kreuzer,  somit  eine  Einbusse  von 
54  Gulden  10  Kreuzer  ergeben.  Das  Vorstehende  leitet  zu  einer 
weiteren  Erwägung.  Es  erscheint  durch  das  Vorhergehende  acteu- 
mässig  sicher  gestellt,  dass  im  Wiener  Müuzhause  im  Jalire  1572 


<)  Münzwesen  unter  Ferdinand  I.  Seite  131. 

2)  Daselbst  Seite  152. 


'-•^^r^F 


200 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Münzwesen 


Thaler  nach  der  Instruction  vom  15.  Februar  1524  ausgeprägt 
wurden.  Nun  sind  derart  ausgebrachte  Wiener  Thaler  des  Kaisers 
Maximilian  IL  vom  Jahre  1572  bisher  nicht  vorgekommen;  es  liegt 
somit  die  Vermuthung  nahe,  dass  bei  der  in  Rede  stehenden  Thaler- 
prägung  vorhandene  Stempel  Ferdinands  I.  verwendet  wurden. 
Man  war  durch  diesen  Vorgang  gegen  allfällige  Einsprachen  am 
besten  gesichert,  auch  stand  derselbe  nicht  vereinzelt  da,  denn  zu 
Kremnitz  wo  das  Mtinzhaus  ebenfalls  unter  der  niederösterreichi- 
schen Kammer  stand,  prägte  man  noch  immer  die  Thaler  mit  dem 
Brustbilde  und  Titel  Ferdinands  I.»)  Es  dürfte  überhaupt  der 
Schluss  berechtigt  sein,  dass  im  Wiener  Münzhause  während  der 
Regierung  Maximilians  IL  beziehungsweise  vom  Jahre  1569  begin- 
nend, l)ci  den  Thalerprägungen  vorherrschend  nach  der  Instruction 
vom  15.  Februar  1524  vorgegangen,  und  nur  ausnahmsweise 
Guldenthaler  ausgemünzt  wurden.  Wiener  Thaler  Maximilians  II. 
gehören  überhaupt  zu  den  Seltenheiten.  Das  k.  k.  Mtluzcabinet 
bewahrt  einen  der  1524er  Münzordnung  gemässen  Thaler  vom 
Jahre  1569,  das  einzige  mir  bekannte  Exemplar  dieser  Prägung. 

Aus  den  Acten  ist  zu  entnehmen,  dass  der  Betrieb  grössten- 
theils  auf  die  Umprägung  der  eingewechselten  oder  confiscirten 
verrufenen  Geldsorten  in  gute  Münzen,  basirt  war.  Mit  der  Weisung 
vom  8.  Jänner  1573  wurde,  da  das  Wechselamt  und  die  Scheiderei 
mit  dem  Münzamte  wieder  vereinigt  worden  war,  Gregor  Parrach  als 
Controller  oder  Gegenschreiber  bestellt.  2)  Indem  in  Folge  des  mehr- 
jährigen Stillstandes  und  später  durch  den  ungleichförmigen  Betrieb 
veranlasst,  die  Münzarbeiter  bis  auf  drei  Münzgesellen  Wien  ver- 
lassen hatten,  rief  man  aus  Joachimsthal  eine  Aushilfe  herbei.  Es 
waren  von  dort  die  Müuzgesellen  Aurelius  Alnpekh,  Marcus 
Schneider  und  Christoph  Hartleber  im  Wiener  Mtinzhause  bedienstet, 
denen  mit  Erlass  ddo.  Regensburg,  28.  Juni  1576,  für  die  Hin-  und 
Rückreise  zusammen  eine  Vergütung  von  43  Thaler  angewiesen 
wurde.  3) 


I 


1)  Münzwesen  unter  Ferdinand  I.  Seite  1 24  u.  f. 

2)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  17508. 

3)  Daselbst  Gdkb.  Nr  315,  Fol.  317vcrs. 


unter  deu  Kaisern  Maxiiiuiian  11.,  Rudolph  II.  und  Mathias.  .^01 

Zu  bemerken  kommt,  dass  die  BegräbnissmUnzeuFerdiuaudsL 
im  Wiener  Mnnzhaiise  geprägt  worden  sind.  Unter  den  Auslagen 
beim  Beisetzen  des  Kaisers  ündet  sich  folgende  Rechnungspost: 
„Adamen  Hartman,  Münzmaister  zu  Wienn  ist  von  wegen  Maehung 
der  gülden  und  silbern  Pfenning  so  bey  der  Khayserlichen  Be- 
gänkhnus  aussgeworfen  worden,  vergnügt  worden  1157  Gulden 
31  Kreuzer."  i) 

Auf  den  während  der  Regierung  Maximilians  IL  zu  Wien  ge- 
prägten Münzen  findet  sich  ein  Münzmeisterzeichen  nicht  vor. 

Nachdem  sich  die  Walzenprägung  zu  Hall  bewährte,  erging  an 
sämmtliche  Länderkammern  der  Auftrag,  über  die  Ausstattung  der 
anderen  Münzhäuser  mit  dieser  neuen  Einrichtung  Gutachten  einzu- 
bringen (Seite  14).  Die  niederösterreichische  Kammer  äusserte  sich 
bereits  ddo.  Wien,  18.  April  1569.  Sie  anerkennt  die  Vortheile  der 
Walzenprägung  namentlich  in  Bezug  auf  Ersparung  an  den  Arbeits- 
kosten. Da  die  Wiener  Münze  seit  mehreren  Jahren  gänzlich  feiert, 
so  werde  die  neue  Einrichtung  dazu  beitragen,  das  Münzwesen  im 
beständigen  Betrieb  zu  erhalten.  Auch  der  Münzmeister  Adam  Hart- 
man hebt  die  zu  gewärtigenden  Ersparungen  hervor,  macht  jedoch 
darauf  aufmerksam,  dass  schon  im  Jahre  1554  der  „Kunstmeister 
Constantin  Miller  eine  Münzdrukherey"  eingerichtet  hatte,  „der  aber 
die  Schwär  dem  Schrot  nach  nit  trefi^en  khünnen,  sondern  ain  Taller 
funfviertl  schwer  gewogen.  Das  Werk  liege  noch  in  dem  Augu- 
stiner Closter  alhier  beysammen."  Vogler  wurde  von  Hall  nach  Wien 
berufen.  Hier  legte  er  ddo.  20.  Mai  1569  einen  Ueberschlag  über 
ein  grösseres,  mit  Wasserkraft  betriebenes  Münzwerk  vor.  2)  Nach- 
dem in  Wien  eine  Wasserkraft  nicht  zur  Verfügung  stand,  auch  \iel 
weniger  Silber  zu  vermünzen  war  als  zu  Hall  oder  in  Kremnitz,  ver- 
fasste  er  für  Wien  einen  neuen  Anschlag,  in  welchem  an  Stelle  des 
Wasserrades  „Ein  gross  Rad  darinnen  mau  gehn  kann"  beantragt 
ist.  Die  Kosten  sämmtlicher  Werksbestandtheile  werden  auf  700 
Gulden  und  die  Auslagen  der  Aufstellung  und  Einrichtung  auf  380 
Gulden  präliminirt.  Würden  die  Münzwerke  gleichzeitig  auch   fllr 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  18607,  Reichsacten  202. 

2)  Daselbst  Fase.  15261.  Dieser  Ueberschla;?  wird  in  der  beil.i^'e  1  mit 
getheilt. 


-f    it-jr  tir-.-w  ',  37-i-,  j^~iti- 


202 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Münzwesen 


Prag,  Joachimsthal,  Kuttenberg  und  Breslau  angefertiget  werden, 
so  würden  sich  dadurch  die  Kosten  veimindern.  Die  Herstellung 
könnte  am  bequemsten  zu  Neustadt  erfolgen. 

Alle  diese  Vorerhebungen  und  Verhandlungen  führten  damals 
weder  für  das  Wiener  Münzhaus  noch  in  einem  der  übrigen  Münz- 
häuser  zu  einem  Resultat.  Ausser  der  schwer  zu  lösenden  Kosten- 
frage war  in  Wien  eine  für  die  Unterbringung  des  Münzwerkes  ge- 
eignete Oertlichkeit  schwer  zu  beschaffen.  Im  Jahre  1554  hatte 
man  die  „Münzdruckherey"  im  Augustinerkloster  eingerichtet, 
allein  dieses  Locale  blieb,  obwohl  die  Hofkammer  auf  die  dort  vor- 
handenen alten  Werksbestaudtheile  aufmerksam  machte,  nunmelir 
ausser  Betracht.  Es  verfloss  eine  sehr  lange  Reihe  von  Jahren  bis 
die  Walzenprägung  im  Wiener  Mtinzhause  zur  Anwendung  kam. 


V. 

Die  Münzhäuser  in  Bölimen. 

Beim  Antritt  der  Regierung  Maximilians  H.  standen  in  Böh- 
men drei  Münzhäuser  und  zwar  zu  Prag,  Kuttenberg  und 
Joachimsthal  im  Betriebe.  Wie  aus  einer  Eingabe  der  böhmi- 
schen Kammer  ddo.  Prag,  17.  August  1568  zu  entnehmen  ist,  hatte 
der  Wardein  Tobias  Gebhart  die  Anzeige  erstattet,  dass  im 
Prager  Münzhause  die  Pest  ausgebrochen  und  die  Tochter  des 
Mtinzmeisters  gestorben  sei.  Da  die  Gesellen  di«  Münze  verlassen 
wollen,  auch  das  meiste  Silber  von  Budweis  in  das  Prager  Münz- 
haus kommt,  so  beantragte  er  die  Uebertragung  der  Münze  nach 
Budweis,  wo  die  ganze  Einrichtung  mit  geringen  Kosten  ausgeführt 
werden  könnte.  Die  böhmische  Kammer  stimmte  diesem  Vorschlage 
bei.  Mit  der  Resolution  ddo.  Wien,  12.  September  1568  geneh- 
migte der  Kaiser  diesen  Antrag,  es  sei  der  Pest  wegen  das  „Münz- 
werk von  Prag  nach  Budweiss,  oder  an  ain  andern  gelegen  Ort, 
wie  es  am  besten  und  mit  den  geringsten  Unkosten  geschehen  mag, 
bis  auf  pessere  Sicherheit  zu  transferiren".  i) 


I 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  15621.  Der  Pest  wegen  hatte  sich  die  böhmische 
Kammer  zuerst  in  Kaufim  und  später  in  Kuttenberg  befunden. 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathias.  203 

In  der  kaiserlichen  Resolution  vom  17.  März  1573  (Seite  25) 
wird  unter  den  Münzstätten  auch  Schlacken  wähl  aufgeführt.  In 
einem  sehr  eingehenden  Mandat,  welches  ddo.  Wien,  28.  August 
1572  an  die  „Gewerke  im  Schlackenwaldischen  und  Lauttenbergi- 
schen  Bezirk"  erlassen  wurde,  erscheint  ein  in  Schlackenwald  be- 
stehendes Munzhaus  nicht  erwähnt.  <)  In  der  Resolution  ddo.  Press- 
bnrg,  4.  October  1572,  womit  der  Kaiser  eine  von  dort  eingelangte 
Relation  erlediget,  wird  jedoch  gesagt:  „mit  Berathschlagung  der 
Müntzhandlung  sein  Wir  allberait  im  werkh,  vnnd  wollen  dieselb 
sovil  immer  nnt glich  dem  wesen  zum  besten  befürdern,  vnd  Euch 
hernach  Besehaid  zukhomen  lassen."  2)  Es  dürfte  somit  der  Schluss 
berechtiget  sein ,  dass  die  Errichtung  eines  MUnzhauses  zu 
Schlackenwald  wohl  beabsichtiget  war,  der  Plan  jedoch  nicht  zur 
Ausführung  kam. 

Dieses  vorausgeschickt  wenden  wir  uns  nunmehr  der  Bespre- 
chung der  einzelnen  Münzhäuser  zu. 

Münzstätte  zu  Prag. 

Beim  Regierungsantritt  Maximilians  IL  war  hier  der  Betrieb 
ein  ziemlich  lebhafter.  Die  Münzamtsverwaltung  hatte  erst  im 
Jahre  1562  der  im  Vorjahre  als  Wardein  von  Linz  nach  Prag 
übersetzte  Hanns  Härder  übernommen.  3)  Um  die  Münzen  als- 
bald mit  dem  Bildniss  und  dem  Titel  des  neuen  Landesherrn  aus- 
zustatten, legte  der  Statthalter  Erzherzog  Ferdinand  ddo.  Prag, 
1.  März  1565  als  Probe  4  neue  zu  Prag  geprägte  Guldenthaler  vor, 
für  welche  ein  in  Linz  ansässiger  Eisenschneider  die  Stempel  ge- 
liefert hatte.  Schon  ddo.  Wien,  12.  März  1565  erfolgte  die  Erledi- 
gung. Nachdem  das  „Bildnuss  vnd  sonsten  vndeutlich"  sollen  die 
Stempel  nicht  weiter  benutzt,  sondern  gebrochen  werden.*)  Unver- 
kennbar war  es  der  Münzmeister  Härder,  welcher  die  Anfertigung 
dieser  Stempel  einem  Linzer  Eisenschneider  übertragen  hatte.  Da 
dieselben  abgelehnt  wurden,  lieferte  die  neuen  Stempeleiseu  nun- 
mehr der  zu  Kuttenberg  ansässige  Georg  von  RAsn^,  welcher 


«)  und  2)  K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  119,  Fol.  476^'^"  und  Fol.  540. 
3)  Münzwesen  unter  Ferdinand  I.  Seite  74. 
*)  K.  k.  H.  K.  A.  Fhöc.  15609. 


:'-' jiP  -^t5»*:1-f^ 


204 


Johann  Nevrald:  Das  östeiTeichische  Müuzwesen 


für  die  dortige  Münze  schon  seit  Jahren  mit  der  Beistelliing  der 
erforderlichen  Prägestempel  betraut  war.  Ueber  die  neuerdings 
vorgelegten  4  Probethaler  resolvirte  Maximilian  IL  mit  Erlass  an 
den  Erzherzog  Ferdinand  ddo.  Wien^  2.  October  1565,  dass  „auf 
sein  Bildnuss  vnd  Titel  wie  in  Kuttenberg  geprägt  wird."  in  glei- 
cher Weise  auch  zu  Prag  und  Joachimsthal  gemünzt,  und  die  alten 
Stempeleisen  gebrochen  werden  sollen,  i)  Gleichzeitig  mit  diesem 
Erlasse  erfloss  auch  und  zwar  ddo.  Wien,  1.  October  1565  für  den 
Mtinzmeister  zu  Prag  Hanns  Härder  und  den  Wardein  und  Gegen- 
schreiber Tobias  Geb  hart,  denen  der  Münzbetrieb  „auf  Rait- 
tung^^  übertragen  war,  eine  höchst  eingehende, nicht  nur  das  Münz- 
prägewesen, sondern  das  Ganze  des  Geschäftsverkehres  im  Münz- 
hause behandelnde  Instruction.  2)  Beide  Beamte  sollten  in  dem  in 
der  alten  Stadt  Prag  gelegenen  königlichen  Münzhofe  ihre  „stete 
Wohnung'^  haben.  Als  Bergwerke,  aus  denen  zunächst  der  Betrieb 
im  Prager  Münzhause  zu  decken  war,  werden  genannt:  Böhmisch- 
Budweis,  Przybram,  Tabor,  Elischau  und  Procopsberg.  Für  die  Aus- 
münzung wurde  die  mit  Patent  ddo.  Prag,  1.  August  1561  für  die 
böhmischen  Münzhäuser  bekannt  gemachte  Reichsmünzordnung  vom 
19.  August  1559  vorgescbneben.  3)  Als  „Vorgewicht"  beim  Giessen 
wurden  als  Maximum  von  100  Mark  ganze  und  halbe  Guldiner 
3  Loth  und  für  10  Kreuzer  und  Halbpatzen  5  Loth  gewährt.  Um 
Unzukömmlichkeiten  beim  Giessen  zu  verhüten,  wurde  ein  eigener 
„Tiegelwarter"   Namens   Blasius   Preslau   bestellt,     dem  jährlich 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  15612. 

2)  K.  k.  Haus-,  Hof-  und  Staatsarchiv.  Böhmische  Acten.  Im  Jahre  1648 
hatten  die  Scliweden  bei  ihrem  Abzüge  von  Prag  auch  einen  Theil  der  Archive 
mitgenommen.  Sie  brachten  denselben  bis  Stade,  wo  sie  diesen  Theil  ihrer 
Beute  zurückliessen,  der  nach  Verlauf  einer  längeren  Zeit  in  das  königliche  Ar- 
chiv nach  Berlin  kam.  Im  Tauschwege  gelangte  vor  einigen  Jahren  eine  Partie 
dieser  Acten,  worunter  mehrere  auf  das  böhmische  Münz-  und  Bergwerks- 
wesen bezugnehmende  Stücke  waren,  in  das  k.  k.  Haus-,  Hof-  und  Staats- 
archiv nach  Wien.  In  einem  1851:  von  dem  damaligen  Secretär  des  Vereines 
für  Numismatik  in  Prag,  Josef  Neumann,  herausgegebenen  Katalog  über  eine 
Sammlung  böhmischer  Münzen,  findet  sich  Seite  27  u.  f.  eine  höchst  schätzens- 
werthe  Aufzählung  der  in  den  böhmischen  Münzhäusern  thätigen  Münz- 
meister. 

3)  Münzwesen  unter  Ferdinand  I.  Seite  61. 


'^^r^^ 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathias.  20<> 

30  Schock  Meissniscli  zu  reichen  waren.  Das  den  Mttnzschmieden 
gewährte  ,, Vorgewicht"  wurde  mit  5  Qiiintchen  von  je  100  Mark 
für  ganze  und  halbe  Guldiner  und  10  Kreuzer  bestimmte  schwarze 
Zaine,  und  mit  9  Loth  von  100  Mark  für  V2  Patzen  oder  2  Kreuzer 
bestimmte  schwarze  Zaine  festgestellt.  An  Mlinzerlohn  wurden  ge- 
währt je  1  Thaler  zu  70  Kreuzer,  für  14  Mark  Guldiner  ig  Guldiner 
und  10  Kreuzer,  desgleichen  für  8  Mark  1/2  Patzen.  Ausnehmend 
eingehend  sind  die  Bestimmungen  über  das  Remedinm.  Besondere 
Passirungen  betrafen  die  sogenannte  ,,Lichtgans",  welche  jedem 
Münzer  mit  1  Thaler  und  jedem  Jungen  mit  y.  Thaler  zu  reichen 
war.  Jeder  Giesser  bezog  jährlich  ein  „Giesskleid"  oder  18  Wei«s- 
groschen,  endlich  wurde  den  Giessern  zusammen  für  jedes  Quartal 
als  „Giessbraten  und  Giesstrunk"  3  Gulden  Rheinisch  verabfolgt. 

Die  aus  dem  Prager  Münzhause  unter  dem  Münzmeister  Hanns 
Härder  in  den  ersten  Regierungsjahren  Maximilians  IL  ausgegan- 
genen Guldenthaler  sind  mit  ^  oder  ^  bezeichnet.  <)  Dass  sich 
dort  der  Betrieb  in  gedeihlicher  Weise  gestaltet  hatte,  ergibt  sich 
aus  dem  Umstände,  dass  der  Kaiser  über  Antrag  des  Erzherzogs 
Ferdinand  vom  4.  December  1565,  mit  der  Resolution  ddo.  Augs- 
burg, 8.  Februar  1566  für  die  Münze  zu  Prag  die  Bestellung  einer 
eigenen  Person  zum  Pagament-  und  Silberkauf  genehmigte.  Der 
Münzmeister  hatte  einen  Juden  vorgeschlagen,  der  Kaiser  nimmt 
denselben  jedoch  nicht  an,  sondern  sagt,  es  möge  eine  „ehrbare 
thaugliche  Person'^  aufgenommen  werden.  2)  Ueber  einen  wei- 
teren Antrag  des  Erzherzogs  ddo.  14.  Februar  1566  resolvirte  Ma- 
ximilian II.  ddo.  Augsburg,  6.  März  1566,  an  Stelle  des  abgetretenen 
Erasmus  von  Schwan berg  den  Carl  von  Biebersteiu  als 
obersten  Münzmeister.  3) 

Beim  Ausbruch  der  Pest  im  Sommer  1568  wurde,  wie  wir 
wissen,  das  Prager  Münzhaus  gesperrt  und  dafür  zu  Budweis  eine 


<)  Es  ergibt  sich  somit  eine  Ergänzung  dvr  m  lurmiin  „MUuzw©»eu 
unter  Ferdinand  I."  Seite  116  über  das  Zeiciicn  $  vorkommen^len  Angabe. 
Ich  verdanke  dieselbe  der  Güte  des  um  die  Khirstellung  der  auf  böhmischen 
Münzen  vorkommenden  Münzmeisterzeichen  sclir  verdienten  k.  k.  Ilnupt- 
mannes  Herrn  Heinrich  Rappe  in  Kuttenber;^ 

2)  und  3)  K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  .'Ul,  Foi.  -n.,  nun  _-..w. 


.  ■  ■ür^ji^'^r.'w;? 


206 


Johann  Newald:   Das  österreichische  Münzwesen 


neue  Münze  eingerichtet.  Nach  dem  Erlöschen  des  „Contagiums" 
hatte  man,  ohne  den  Betrieb  in  Budweis  einzustellen,  die  Thätigkeit 
in  der  Prager  Münze  wieder  aufgenommen;  es  häuften  sich  jedoch 
auch  hier  jene  Klagen,  welche  wir  bereits  aus  dem  Wiener  Münz- 
hause über  den  nachtheiligen  Einfluss  der  1559er  Reicbsmünzord- 
nung  kennen  gelernt  haben.  Die  böhmische  Kammer  hatte  dem 
Kaiser  im  Jahre  1570  einen  umfassenden  Bericht  über  das  böhmi- 
sche Kammerwesen  und  über  bei  demselben  nothwendige  Reformen 
vorgelegt.  Mit  der  Resolution  ddo.  Speyer,  13.  October  1570  erle- 
digte Maximilian  IL  diese  Vorlage  in  eingehender  Weise.  Das 
Münzwesen  anbelangend,  wird  gesagt:  „Was  dann  zum  18**^"  die 
Reichs-Münz-Orduung,  vnd  den  darbey  erscheinenden  Nachtheil 
antrifft,  haben  Wir  allberait  Verordnung  gethan.  Was  desswegen 
bei  den  Reichsständen,  anjetzt  angebracht  werden  solle.  Was  nun 
darauf  gehandlt  vnnd  beschlossen  wirdt,  das  wollen  wir  Euch  mit 
Gelegenheidt  in  Gnaden  verkhünden  lassen.  Mitterweil  wollet 
alsouill  immer  möglich,  verhuetten  helffen,  damit  die  Einschlaiffung 
der  bösen  Münzen  abgestellt  werde.'*  i)  In  letzterer  Beziehung 
hatte  der  Landeshaui)tmann  in  der  Ober-Lausitz,  Hanns  von 
Sc  blieben,  angezeigt,  dass  sehr  viele  geringhaltige,  vom  Kur- 
fürsten August  von  Sachsen  ausgegebene  Thaler  in  Umlauf  kom- 
men. 2)  Eine  ähnliche  Meldung  hatte  Christoph  Haller  von 
Hallen  st  ein  über  polnische  Münzen  erstattet,  welche  zu  Dikozin 
geschlagen  werden,  100  auf  die  Krakauer  Mark  gehen  und  nur 
5  Loth,  1  Quint.,  3  Pf.  Feinsilber  halten.  Diese  Münzen  sind 
mit  dem  Jagellonischen  Wappen  und  den  ineinander  geschlungenen 
Buchstaben  S  A  (Sigismund  August)  bezeichnet.  Ueber  die  Polen 
sagt  Haller:  „vnd  sy  pesser  mosco wittisch  dan  österreichisch  sein, 
vnd  auch  das  sodomitisch  vnd  epicurisch  leben  bey  Inen  dermassen 
in  schwang  geet  das  die  straf  gottes  hernach  pald  volgen  niues."  s) 
Der  sehr  nachtheilige  Einfluss,  welcher  sich  aus  der  1559er 
Reichsmünzordnung  für  das  Münzwesen,  sowie  überhaupt  für  den 
Verkehr  und  Handel  in  den  österreichischen  Erbländern  ergab, 
findet  nochmals  in  einem  kaiserlichen  Mandat  vom  3.  Jänner  1573 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  313,  Fol.  437  bis  443. 

2)  und  3)  Daselbst  Fase.  15615  und  15616. 


unter  deu  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathias. 

Ausdruck.  Maximilian  IL  betont  in  demselben,  dass  ,,Vunser  Khtl- 
nigreich  Hungern  der  Reichs-Münz-Ordnuiig  nit  vnndworffen,  Vnn- 
ser  Khünigreich  Behaimb  sich  derselben  Ordnung  zum  höchsten 
beschwert,"  daher  am  nächsteu  Landtag  mit  den  Ständen  zu  ver- 
handeln sein  wird. »)  Für  die  österreichischen  Münzhäuser  wurde, 
wie  bereits  Seite  25  mitgetheilt,  die  1559er  Münzordnung  mit  dem 
Patent  vom  17.  März  1573  aufgehoben.  2)  Den  darauf  bezüglichen 
Antrag  hatten  die  böhmischen  Stände  mit  dem  Landtagsbeschluss 
vom  Mittwoch  nach  Pauli  Bekehrung  (28.  Jänner)  1573  gestellt. 

Mit  dem  Erlasse  an  die  böhmische  Kammer  ddo.Wien,  30.  Jän- 
ner 1573  verlangte  der  Kaiser  Bericht  „über  des  Neufarers  und  des 
jetzigen  Münzmeisters  Härder  Raittiingen"  und  bemerkte,  dass  der- 
malen ,,mehr  Khauf-  als  Perkhsilber  vermünzt  werde,"  ob  sich 
daraus  ein  Nutzen  ergebe;  auch  sei  zu  berathschlagen,  ob  bei  dem 
geringen  Münzertrag  die  beiden  Münzämter  zu  Prag  und  Budweis 
nicht  zusammengezogen  werden  könnten,  s)  Die  böhmische  Kam- 
mer sprach  sich  für  den  Fortbestand  der  Münzstätte  zu  Budweis 
aus.  Da  vier  Münzhäuser  im  Lande  im  Betriebe  waren  und  abge- 
sehen davon,  dass  in  denselben  bei  der  Administration  und  Mani- 
pulation nicht  unwesentliche  Unterschiede  bestanden,  auch  die  aus 
den  verschiedenen  Mtinzhäusern  ausgegangenen  Thal  er  und  Kiein- 
münzen  ungleich  im  Gewichte  waren,  wurde  bezüglich  aller  vier 
Münzstätten  eine  eingehende  Erhebung  angeordnet.  Aus  Wien 
wurde  zurVergleichung  eine  „gerechte  zimmentirte  Wienneriseh  vnd 
Kölnerische  Mark"  herbeigeschafft. 

Es  fand  zunächst  im  Prager  Münzhause  am  15.  Februar  1574 
im  Beisein  des  böhmischen  Kammerpräsidenten  von  Oppersdorf, 
der  Kammerräthe  von  Rabenhaupt,  von  Steinberger  und 
Puchler,  des  Oberbergmeisters  Lazar  Erker  von  Schrecken- 
fels und  der  Münzamtleute  von  Prag,  Kuttenberg,  Joachimsthal 
und  Budweis  ein  Probegiessen  statt,  wobei  der  Joachimsthaler 
Mtinzamtmann  Geitzkofler  angewiesen   wurde,  50  Mark  Braud- 


ij  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  17508. 

2)  Vergl.  auch  Voigt  1.  c,  IH.  Bd.  Seite  190. 

8)  K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  314,  Fol.  58^^", 


r  7r~  ^wyr'^T'  <-^W' 


208 


Johann  Newaid  :  Das  österreichische  Jlünzwesen 


Silber  zn  Groschen  und  Weisspfennigplatten;  während  der 
Kuttenberger  Münzmeister  Sutny  von  Olivet  beauftragt  wurde, 
ebenfalls  im  Beisein  der  Commission  100  Mark  Silber  zu  T haier- 
und Kleinpfennigplatten  zu  giessen.  Die  Probe  zeigte,  dass  der 
Abgang  beim  Weisssieden  grösser  sei,  als  von  den  Münzamtleuten 
bisher  in  Rechnung  gestellt  wurde.  Beim  Kuttenberger  Thalerguss 
ergab  sich  bei  100  Mark  ein  Abgang  von  9  bis  10  Stücke  Thaler; 
bei  der  Prager  und  Budweiser  Münze  bestand  der  Abgang  in 
3  Stücken;  auch  wurde  constatirt,  dass  die  Thaler  dieser  drei  Münz- 
stätten gegen  den  Joachimsthaler  Thaler  leichter  sind,  daher  be- 
schlossen wurde,  den  Antrag  dahin  zu  stellen,  dass  bei  den  erst- 
genannten drei  Münzstätten  aus  100  Mark  Silber  Prager  Gewicht 
875  Stücke,  und  in  Joachimsthal,  wo  die  Kölner  Mark  im  Ge- 
brauche war,  aus  100  Mark  810  Stücke  Thaler  auszuschrotten 
wären. 

Bei  den  Weissgroschen  wurde  das  Ausbringen  von  der  Prager 
Mark  mit  1263/,  und  von  der  Kölner  Mark  mit  117  Stücken;  bei 
den  Weisspfennigen  die  Prager  Mark  mit  659,  die  Kölner  Mark  mit 
611  Stücken  festgestellt.  Da  Kleinpfennige  nur  in  Kuttenberg  ge- 
münzt wurden,  hat  man  das  Ausbringen  aus  der  Prager  Mark  mit 
737  Stücken,  und  den  bisher  üblichen  Abgang  am  Schrot  beibe- 
halten. 

Die  Abgänge  wurden  festgesetzt  wie  folgt,  und  zwar  beim 
Guss:  von  100  Mark  Thaler  mit  2,  bei  Weissgroschen  von  1  Mark 
mit  4,  und  bei  Weisspfennigen  von  1  Mark  mit  10  Stücken;  femer 
auf  der  Schmiede  bei  100  Mark  Thalerzain  5  Quintchen, 

„    100      „     Weissgroschenzain  11  Loth  und 
„    100      „     Weisspfennigen,    bei   der   Kutten- 
berger Münze  1  Mark,  bei  den  übrigen  18  Loth. 

In  Bezug  auf  die  Münzerlöhne  beantragte   die  Commission  fol- 
gende Sätze,  und  zwar  für  Kuttenberg 
von  171/2  Mark  Thalerguss, 
„    13  Vs      ?7     Weissgroschenguss  und 
„    II3/3      „     Weisspfennigguss  je  einen  Thaler. 

Bei  den  drei  übrigen  Münzstätten: 
von  14      Mark  Thalerguss  bei  allen  drei  Münzstätten, 
„      81/3      „     Weissgroschen  in  Joachimsthal, 


[J?i^^t'- 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  IT.  und  Mat>,i ,-  209 

von    8      Mark  Weissgroschen  in  Prag  und  Budweis, 
„      b^/\      ..     AVei^spfennigen,,  Joacbimsthal, 
r      o  ..  „  „   Prag  und  Budweis, 

ebenfalls  je  einen  Thaler.  Für  den  Landesi)robirer  war  von  jedem 
Thalerguss  1  Thaler,  bei  Weissgroschen  3  und  bei  Weisspfennigen 
21  Stücke  zu  deponiren.  Das  Remedium  wurde  beim  Thalerguss 
mitlVs,  beim  Weissgroschen-  und  Pfennigguss  mit  2  Quentchen 
bestimmt. 

Die  Commission  stellte  schliesslich  den  Antrag,  dass  den 
Münzmeistern  die  in  ihren  unerledigten  Kechnungen  ausgewiesenen 
Abgänge  nachgesehen  und  dieselben  angewiesen  werden,  sich  bei 
ihren  neuen  Rechnungen  an  die  commissionell  festgestellten  An- 
sätze zu  halten  i) 

Die  über  diese  Versuche  und  Erhebungen  an  die  Hofkammer 
eingebrachte  Relation  wurde  von  dieser  zunächst  dem  Kammerrath 
David  Hag,  ferner  dem  Wiener  Mtinzmeister  Adam  Hartman 
und  dem  Wardein  Thoman  Händl  zur  Aeusserung  zugewiesen. 
Am  Schlüsse  ihres  Gutachtens  sagen  dieselben:  „letztlichen,  als 
neben  andern  auch  Meldung  beschicht,  das  ain  jeder  Müntzmeister 
auf  die  Müntz  so  er  ausgehn  lässt,  vnder  des  Adlers  Schwantz  ain 
Bayzaichen,  bei  welchem  eines  jeden  Müntz  zu  khennen,  in  ain 
Schiltlein  oder  in  ain  rundts  Zuerckhlein  schlagen  solle,  in  diesem 
were  vnser  Guctbedünkhen,  das  solch  Beyzaichen  oben  auf  im  An- 
fang des  Titls  in  ain  rundts  Zuerkhlein,  vnd  nicht  in  ain  Schiltlein 
geschlagen  wurde."  In  dem  Vortrag  an  den  Kaiser  spricht  die  Hof- 
kammer ihre  Zustimmung  zu  dem  vorgelegten  Gutachten  aus  und 
erfolgte  ddo.  21.  März  1574  das  „Placet"  des  Kaisers.*)  Die  böh- 
mische Kammer  erhielt  über  die  von  ihr  vorgelegt«^  R.'l.ifi.m  .Id.» 
Wien,  30.  März  1574  eine  eingehende  Erledigung.») 

Bei  Gelegenheit  der  am  15.  Februar  1574  im  Prager  M Unz- 
hause abgehaltenen  Commission  wurden  auch  die  anwesenden  vier 
Münzmeister  aufi^-efordert,  ihre  Münzzeichen  aii/ii^rcbon.   Der  Pmiror 


1)  Archiv  des  arcujiolct^ischen  VenMiics  in  KllIn•^I^^^:.^  icii  vrrM;iiikr 
dieses  Detail  der  Güte  des  bereits  genannten  k.  k.  Ilauptuiannes  Herrn  Hein- 
rich Rappe. 

2j  K.  k.  H.  K.  A.,  Faso.  1Ü359. 

!J)  Daselljst  Gdkl).  Nr.  314,  Fol.  300  u.  f. 

I  I 


210 


Johann  Newald  :  Das  österreichische  Münzwesen 


Münzamtmann  Hanns  Härder  wählte  aus  seinem  Wappen  den 
Greifenkopf,  welches  Zeichen  nunmehr  an  die  Stelle  des  von 
Härder  bisher  am  häufigsten  verwendeten  $  oder  ^  tritt. 

Mit  der  Abänderung-  der  Mtinzordnung  im  Jahre  1573  im  Zu- 
sammenhange wurde  mit  der  kaiserlichen  Resolution  ddo.  Wien, 
28.  Juni  1573  der  Termin  zur  Einlösung  der  geringen  Münzen  bis 
Ende  September  bestimmt,  und  zugleich  Anordnungen  über  das 
Umprägen  derselben  erlassen,  i)  Ueber  Bericht  der  böhmischen 
Kammer  vom  6.  Juli  1573  genehmigte  Maximilian  H.  ddo.  Wien, 
21.  Juli  ,,zur  Verhütung  besorglicher  Aufrur  vnd  zu  nott- 
wendiger  Veilag  vnsers  Kuttenpergischen  Perkhwerkswees«^?is." 
die  Umniünzung  einer  Summe  Pauliner  auf  seine  Kosten.  >) 

Mit  der  Resolution  vom  17.  März  1573  hatte  Kaiser  Maximi- 
lian n.  die  Ausprägung  von  Guldenthal ern  eingestellt  und  die  Aus- 
gabe der  alten  Thaler  Ferdinands  I.  zu  70  Kreuzer  oder  30  Weiss- 
groschen angeordnet  (Seite  193).  Ueber  Beschluss  des  bölimischen 
Landtages  vom  Donnerstag  nach  dem  Sonntag  Jubilate  (18.  Mai) 
1576,  wurde  diese  Anordnung  dahin  vervollständigt,  dass  für  die 
Münzinstruction  die  Prager  Mark  als  Gundlage  genommen  wurde. 
Der  Feingehalt  der  Thaler  blieb  mit  14  Loth,  1  Quint.,  1  Pfennig 
jenem  der  Münzordnung  vom  15.  Februar  1524  gleich,  nur  wurden 
statt  9 8/4  Stücke  von  der  Wiener  Mark  nunmehr  83/4  Stücke  aus 
der  Prager  Mark  als  Ausbringen  angeordnet.  Die  neuen  Thaler 
waren  somit  um  etwas  besser  als  jene  der  1524er  Münzordnung.  3) 


1)  und  2)  K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  314,  Fol.  201vor8  und  213  u.  f. 

3)  Nachdem  die  Prager  Mark  231  Wiener  Pfennige  enthält,  so  würden  aus 
der  Wiener  Mark  :=  256  Pfennige  9-6960  Stücke  der  neuen  Thaler  entfallen. 
Bei  dem  Feingehalt  von  14  Mark  1  Quint.  1  Pfennig=  229  Pfennige  ent- 
fallen auf  das  Einzelstück  23*616  Pfennige.  Da  ferner  5  Wiener  =  6  Kölner 
Mark,  so  sind  23,616  Wiener  Pfennige  =  28-339  Pfennige  Kölner  Gewicht. 
Die  dermalige  österreichische  Währung  gibt  per  Mark  =  256  Pfennige  Kölner 
Gewicht  21  Gulden.  Aus  der  Proportion  256  :  21  =  28*339  :  x  ergibt  sich  der 
Werth  eines  neuen  böhmischen  Thalers  mit  2  Gulden  32*465  Kreuzer,  dem  ent- 
gegen der  Werth  eines  Thalers  nach  der  Münzordnung  vom  15.  Februar  1524, 
2  Gulden  31*197  Kreuzer  beträgt.  Vergl.  Münz  wesen  unter  Ferdinand  I.  Seite  6. 
Die  Wiener  Mark"  nach  dem  Gesetze  vom  23.  Juli  1871  zu  280*668  Gramme 
gerechnet,  hatte  der  neue  1576er  Thaler  ein  Gewicht  von  28-944  Gramme, 
während  der  alte  1524er  Thaler  ein  Gewicht  von  28-786  Gramme  hat. 


unter  den  Kaisern  Maxunilian  IT.,  Rudolph  II.  und  Mathias.  ^11 

Durch  die  im  Jahre  1576  erlassene  Mllnzinstructiou  wurde 
Schrot  und  Korn  der  Münzen^  wie  folg-t,  bestimmt: 

Es  waren  aus  der  Prager  Mark  auszubringen : 

Böhmische  Ducaten  7235o/g^^  Stücke  zu  23  Karat  8  rirlin  Ft-in- 
iichalt. 

Thaler  Ss/»  Stücke  zu  14  Loth,  1  Quintchen,  1  Pfennig  Fein- 
gehalt. 

Weissgroschen  1262/?  Stücke  zu  6  Loth  3  Qnintchen  Feingehalt. 

Weisspfennige  659  Stücke  zu  5  Loth  Feingehalt. 

Kleinpfennige  733  Stücke  zu   2  Loth  3  Quintchen  Feingehalt. 

Schliesslich  wurden  auch  verschiedene  Anordnungen,  und  zwar 
bezüglich  Abgabe  von  Probestücken  an  den  kaiserlichen  und  an  den 
Landesprobirer,  bezüglich  des  Remediums  u.  s.  w.  erlassen.  *) 

Der  Münzamtmann  zu  Prag  Hanns  Härder  scheint  eine  beson- 
dere Vertrauensperson  des  Kaisers  gewesen  zu  sein,  denn  mit  der 
Resolution  ddo.  Wien,  24.  März  1576  übertrug  Maximilian  IL  an 
denselben  das  Amt  eines  Landprobirers  „weil  er  solches  neben  dem 
Münzwerkh  woll  verrichten  wirdet  mögen",  und  besserte  ihm  seine 
Besoldung  um  100  Thaler.  2)  Von  allgemeinen,  sämmtliche  vier 
Münzhäuser  des  Landes  betreifende  Verfügungen  wäre  noch  die 
kaiserliche  Resolution  ddo.  Prag,  1.  Juni  1570  nachzutragen,  der 
zu  Folge  den  Schmiedmeistern,  Münzgesellen,  Münz-  und  Zehend- 
amtsdienern,  jedem  ein  Ehrenkleid  zu  verabreichen  war.  3) 

Eine  nicht  unerhebliche  Auslage  verursachte  die  im  Jahre  1573 
\  eranlasste  mit  vielen  Münzabbildungen  ausgestattete  Publicatiou 
der  Valvationstabellen.  Dieselben  waren  in  Wien  durch  den  Buch- 
drucker   Caspar    Stpi  iilum  s«>r    rrichfii;-    Stcinhofer'l     anirofortiirt 


1)  Voigt  1.  c,  III.  Bd.,  Seite  192.  Die  Bestellung  eines  Landprobirers 
wurde  im  Landtag  vom  14.  Juni  1574  beschlossen.  Obwohl  im  Verzoi. '  / 
<ler  auszugebenden  Münzen  Va  und  V4  Thaler  nicht  autgezählt  sind,  ho  > 

sich  aus  der  das  Remedium  betreffend<'n  Stelle  der  Verordnung,  dass  audi 
diese  Sorten  zur  Ausprägung  bestimmt  waren. 

2)  K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  315,  Fol.  254. 

»)  Daselbst  Gdkb.  Nr.  313,  Fol.  349.  Nach  einer  alten  T  ' 
in  mehreren  deutschen  Münzhäusern  bestand,   wurde  beim  Rt 
sobald  die  Münzen  mit  dem  Bilde  des  neuen  Landesherrn  auagegobüii  wurden, 
den  Münzbediensteten  diese  Gabe  verabfolgt. 

1\* 


••»■_■  .1  y  '- -.VI  ■ .  y      -;  -  >  ■  -«■  s-^T-kJ 


212 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Münzweser 


worden,  welcher  für  diese  Arbeit  den  Betrag  von  655  Gulden 
beziehen  hatte.  Unterm  19.  März  1574  erging  an  den  Hofzahlmeistt 
der  Auftrag,  dem  genannten  Buchdrucker  ,,  von  wegen  der  gedrukht< 
Behaimbisch  Münz-Maudat,  auch  schneidung  der  dazu  gehörige 
Formb'^  auf  seine  Kestforderung  von  490  Gulden  (175  Guld( 
waren  ihm  bereits  bezahlt;  200  Gulden  alsbald  und  das  übrige^ 
mit  ehestem  auszubezalen.  <)  Ferner  wurde  mit  Erlass  ddo,  Wien 
22.  October  1575  der  Vicedom  Wolf  Fürth  beauftragt,  er  habe 
an  die  „R^^s^^i'  (Zeichner)  und  Formschneider  der  Münzen'*  geh 
gentlich  Drucklegung  dieses  Münzmandates,  und  zwar  ..für  ganzi 
Va  und  1/4  Thaler  auch  kleine  Münzen,  der  grossen  280  Stücke,  d( 
kleinen  24  Stücke,  von  jedem  Stück  beide  Seiten,  dem  Reiss< 
73  V2  Thaler  und  denen  Formschneidern,  deren  vier  sein,  zusammei 
147  Thaler,  vnd  für  das  erforderlich  Birnbaumholz  61/.,  Thaler  zi 
bezalen''.2) 

Da  der  Betrieb  im  Prager  Mtinzhause  in  den  ersten  Regierungs- 
jahren Maximilians  II.  besonders  lebhaft  war,  kommen  auch  Münzen, 
namentlich  Guldenthaler  mit  den  Zeichen  ^  und  ^  häufiger  von 
sie  reichen  bis  einschliessig  1573.  An  ihre  Stelle  tritt  nunmehr  di 
dem  Wappen  des  Münzmeisters  Hanns  Härder  entnommei 
Greifenkopf.  3)  Beizufügen  kommt  jedoch,  dass  Härder  schon  v( 
dem  Jahre  1574  dieses  Mtinzzeichen  angewendet  hat;  wir  find( 
dasselbe  auf  Guldenthalern  von  den  Jahren  1569  und  1573,  di 
allerdings  den  Seltenheiten  beizuzählen  sind. 


VI. 

Die  Münzstätten  zu  Kuttenberg,  Joachimsthal 

und  Budweis.  M^ 

Nachdem   die  alle  vier  Münzhäuser  des  Landes  gemeinschaft- 
lich betreffenden  Entscheidungen  und  Administrations-Angelegen- 

1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  125,  Fol.  100.  Vergl.  auch  Dr.  A.  Maye  Jl 


Wiens  Buchdruckergeschichte  I.  Bd.,  Seite  101  und  110,  Nr.  624.  Ein  Exerapla 
dieser  Valvationstabellen  bewahrt  die  k.  k.  Hofbibliothek  in  Wien. 

3)  Daselbst  Gdkb.  Nr.  127,  Fol.  418. 

3;  Vergl.  Miltner,  Böhmische  Privatmünzeu,  Taf.  XV,  Fig.  110  und  117. 


I 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathias.  21o 

lieiten  beim  Prager  MUuzliause  erörtert  wurden,  kaun  sich  nunmehr 
ilie  Besprechung  der  übrigen  Münzstätten  auf  das  dieselben  einzeln 
l)eriihrende  Detail  beschränken. 

Beim  Regierungsantritte  Maximilians  IL  war  zu  Kuttenberg 
Mathes  Lidl  von  Misslaw  Münzamtmann.  i)  Derselbe  starb 
schon  vor  dem  31.  October  1565,  denn  mit  der  Eingabe  von  diesem 
Tage  stellte  Erzherzog  Ferdinand  den  Antrag,  es  sei  dem  Sohn  des 
verstorbenen  Münzamtmannes  zu  Kuttenberg  Mathes  Lidl  jähr- 
lich der  Betrag  von  100  Thaler  bis  zur  Abstattung  der  ihm  zuge- 
sicherten 1000  Thaler  zu  reichen.  Mit  der  Resolution  ddo.  Augsburg, 
13.  Februar  1566  genehmigte  Maximilian  IL  diesen  Antrag.  2)  Die 
Wiederbesetzung  des  erledigten  Dienstpostens  anbelangend,  betonte 
der  Erzherzog  in  der  Eingabe  vom  7.  Februar  1566,  dass,  indem 
ILanns  Huebmer  der  böhmischen  Sprache  nicht  kundig  sei.  er  au 
Stelle  des  Lidl  den  Georg  Sutny  von  Olivet  als  Münzamtmann 
in  Kuttenberg  beantrage.  Maximilian  IL  genehmigte  diesen  Vor- 
schlag mit  der  Resolution  ddo.  Augsburg,  22.  Februar  1566.  s)  Aus 
den  Acten  lässt  sich  nunmehr  entnehmen,  dass  in  Kuttenberg  zwei 
Münzamtleute  gleichzeitig  bestellt  waren.  Wir  treffen  dort  im  Jahre 
1566  auch  den  Ludwig  Karl  von  Räsn6  als  Münzamtmann, 
welcher  erster  und  sohin  der  neuernannte  Sutny  zweiter  Münz- 
amtraann  war. 

Schon  unter  Ferdinand  I.  verursachten  die  Kuttenberger  Berg- 
werks- und  Münzhauszustände  der  Regierung  endlose  Schwierig- 
keiten, die  zahllose  commissionelle  Erhebungen  zur  Folge  hatten. 
Auch  im  Jahre  1567  amtirte  dort  eine  ,,Reformations-Oommission'^, 
(leren  Bericht  der  Kaiser  ddo.  Wien,  28.  März  1568  erledigte.*) 
Auf  Grundlage  der  gestellten  Anträge  wurde  genehmigt,  dass  an 
Stelle  des  alten  Thoman  Sperling  der  Münzamtmann  Ludwig  Karl 


1)  Münzwesen  unter  Ferdinand  I.,  Seite  73. 

)  K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  311,  Fol.  205.  Die  Angabe  bei  Miltner  1.  c. 
-'■ire  272,  dass  Mathes  Lidl  im  Jahre  1570  starb,  kommt  soliin  i- ■'■•  =  •'  -v 
Mi^Hen. 

3)  Daselbst  Gdkb.  Nr.  311,  Fol.  211. 

*j  Daselbst  Gdkb.  Nr.  312,  Fol.  189  und  T.Mjv.  rs.  Di,,  kaiserliche  Reso- 
lution umfasst  im  Gedenkbuche  mehr  als  12  enggesehriebeue  Folioseiten.  Siehe 
luch  Gdkb.  Nr.  313,  Fol.  381. 


'^?WJ 


214 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Jlüuzwesen 


1 


Räsne  zum  Berghofmeister  und  an  Stelle  des  letzteren  der  Berg- 
richter Samuel  W  od  olinsky  von  Vodolin  zum  Mlinzamtmann 
befördert  werde.  Dem  Sperling  wurde  eine  wöchentliche  Provision 
von  1  Ya  Gulden  und  dem  neuen  Hofmeister  ein  Besoldung  von  jähr- 
lich 200  Thaler  angewiesen.  Georg  Sutny  rückte  zum  ersten  Mlinz- 
amtmann vor;  über  Antrag  der  böhmischen  Kammer  vom  13.  Fe- 
bruar 1568  resolvirte  Maximilian  IL,  dass  demselben  „in  Ansehung 
seiner  vnns  erzaigten  getreuen  Diennst,  vnd  von  Gnaden  wegen,  als 
Provision  50  Schock  Groschen  behemisch  auf  einmal,  vnd  dann 
200  Seh.  G.  b.  aus  völligkheiten  (d.  h.  aus  Strafgeldern)  zu  reichen 
sein  werden''. «) 

Im  Jahre  1569  wurden  im  Münzhause  zu  Kutteuberg,  der 
„welsche  Hof^  genannt,  umfangreiche  Baulichkeiten  durchgeführt. 
Ueber  Antrag  der  böhmischen  Kammer  vom  20.  September  1560 
genehmigte  Maximilian  II.  ddo.  Pressburg,  25.  Octoberl569  die  aus 
diesem  Anlasse  aufgelaufenen  Auslagen  per  400  Schock  Groschen 
böhmisch.  ^)  Bei  dieser  Baudurchfühning  hatte  der  Münzmeister 
Samuel  Wodolinsky  wesentliche  Dienste  geleistet.  Der  Kaiser 
genehmigte  demselben  ddo.  Wien,  27.  November  1569  200  Schock 
Groschen  böhmisch  als  Gnadengabe  „aus  khünft'tigen  Peenfällen 
vnd  Völligkhaitten,  die  Er  zum  Khiittenperg  oder  sonnst  anzeigen 
wirdet-'.iJ) 

Bald  nach  dem  Regierungsantritte  Maximilians  II.  hatten  die 
Kuttenberger  Münzgesellen  und  Münzknappen  in  altherkömmlicher 
Weise  die  Bitte  um  die  Bestätigung  ihrer  Privilegien  vorgebracht, 
an  welche  sich  bald  darauf  das  Ansuchen  um  eine  Lohnerhöhung 
anschloss.  Die  Lohnfrage  war  schon  zur  Zeit  der  Regierung  Ferdi- 
nands I.  wiederholt  in  den  Vordergrund  getreten  und  hatte  der 
Kaiser  in  der  Münzprobierordnung  ddo.  Augsburg,  20.  August  1559 
darüber  bestimmte  Anordnungen  erlassen.*)  Es  scheint,  dass  in 
Kuttenberg  diese  Angelegenheit  noch  nicht  völlig  durchgeführt 
war,  denn  die  Münzarbeiter  drängten  und  droheten  schliesslich  mit 
dem  gänzlichen  Wegziehen.   Um  für  eine,   sämmtliche  Münzstätten 


1)  und  2)  K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  312,  Fol.  213vers.  „nd  313,  Fol.  71 
und  153. 

3)  K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  313,  Fol.  167vers. 
*)  Münzwesen  unter  Ferdinand  I.,  Seite  ' 


<i  .'.■ 


unter  den  Kaisern  Maximilian  IL,  Rudolph  II.  und  Mathias.  ZlO 

in  Böhmen  umfassende  Klarstellung  der  Frage  Zeit  zai  gewinnen, 
genehmigte  Maximilian  II.  ddo.  Speyer,  25.  Juni  1570  ,,den  Mün- 
zern vnd  Prägern  in  Kuttenperg  eine  Ergetzlichkeit  von  100  Gul- 
den Rh."  mit  der  Weisung,  dass  sie  die  endgiltige  Erledigung  ihrer 
Ansuchen  abzuwarten  haben,  i)  Ein  zweites  Zugeständniss,  welches 
der  Kaiser  ddo.  Speyer,  30.  November  1570  den  deutschen  Berg- 
leuten und  Münzarbeitern  zu  Kuttenberg  gewährte,  war,  dass  er 
denselben  zu  den  15  Schock  Groschen  böhmisch,  welche  sie  jähr- 
lich „zu  erhall tung  ihrer  Kirchen,  Pfarrhoffs  vnd  Predicanten,  vnd 
zu  flirderung  dess  Gottesdienstes"  bezogen,  auf  Widerruf  noch  wei- 
tere 15  Schock  Groschen  böhmisch  jährlich  aus  dem  Münzgefäll 
daselbst  anwies.  2) 

Viele  Schwierigkeiten  und  endlose  Streitigkeiten  mit  den 
betreffenden  Herrschaftsbesitzern  verursachte  die  Deckung  des  flir 
den  Kuttenberger  Bergbau,  den  Hütten-  und  Münzbetrieb  erforder- 
lichen Bau-  und  Brennholzes.  Die  böhmische  Kammer  suchte  auch 
diese  Frage  thunlichst  zu  ordnen.  Maximilian  II.  erledigte  ddo. 
Speyer,  14.  Juni  1570  eine  die  Trauteuauer  Holzflössung  betreffende 
Rehxtion  derselben,  s) 

Im  Jahre  1572  befand  sich  abermals  eine  Untersuchungscom- 
mission in  Kuttenberg,  deren  Relation  der  Kaiser  ddo.  Wien, 
24.  Jänner  1573  erledigte.  Gegen  den  Antrag  der  Commission  ord- 
nete Maximilian  IL  die  Trennung  des  Münzbetriebes  vom  Berg-  und 
Schmelzwesen  an.  Der  Münze  sei  das  Silber  um  den  üblichen  Ver- 
kaufspreis anzurechnen;  auch  habe  sie  die  Besoldungen  und  Löhne, 
sowie  alle  mit  dem  Betriebe  verbundenen  Auslagen  zu  tragen,  auf 
dass  man  erfahre,  wie  hoch  sich  der  ausgebrachte  Münznutzen 
belaufe.  Der  Münzamtmann  Georg  Sutny  hatte  um  die  Dienstent- 
hebung gebeten.  Die  Resolution  weiset  dieses  Ansuchen  zurück, 
gewährt  Sutny  jedoch  eine  Gnadengabe  von  25  Schock  böhmisch. 
Eine  gleiche  Gnadengabe  wurde  auch  dem  zw^t-«.  Mii.r/.nntiii.iim 
Samuel  Wodolinsky  genehmiget.  *) 


>j  K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  313,  Fol.  370. 


-)  und  3;  Daselbst  Gdkb.  Nr.  313,  Fol.  434v«^rs.  und  .360v.r.. 

4,  T>')-<'iUv:f  /:.1H.    Vr.  814.  Fol.  l^O  m.  f. 


216 


Johann  Newald:    Das  österreichische  Münzwesen 


Nach  dem  am  25.  Juli  1564  erfolgten  Ableben  des  Kaisers! 
Ferdinand  I.  verfloss  mehr  als  ein  Jahr,  bis  in  Kuttenberg  zur  Aus- 
münzung mit  dem  Bilde  und  Titel  Maximilians  II.  übergegangen 
wurde.  Als  Stempelschneider  war  dort  Georg  vonRasne,  ein  Bruder 
des  Mtinzamtmannes  Ludwig  Karl  von  Räsn6,  thätig.  lieber  die  you 
ihm  zu  den  Guldenthalern  Maximilians  II.  geschnittenen  Stempel 
bemerken  die  Münzamtleute  unter  gleichzeitiger  Vorlage  von 
10  Probestücken  im  Berichte  vom  15.  August  1565,  dass  sie  diesel- 
ben im  Durchmesser  für  zu  gross  halten,  indem  die  Ziffer  60  aus  dem 
Reichsapfel  leicht  ausgeschabt  und  der  gemeine  Mann  durch  die 
Annahme  als  68  Kreuzer-Tlialer  übervortheilt  werden  kann.  Mit 
Erlass  ddo.  30.  August  1565  verordnete  die  böhmische  Kammer,  es 
seien  die  neuen  Thaler  genau  in  der  Grösse  jener  des  Kaisers  Fer- 
dinand I.  auszuprägen.  Im  Sinne  der  kaiserlichen  Resolution  ddo. 
2.  October  1565  (Seite  204)  verfügte  Erzherzog  Ferdiuand  ddo. 
23.  November  1565,  dass  Räsne  auch  die  iur  Joachimsthal  und 
Prag  erforderlichen  ,,Guldiner-Eisen''  zu  schneiden  habe,  dem  später 
die  Weisung  zur  Anfertigung  der  Stempel  für  1/3  Guldenthaler- 
und  10  Kreuzer  folgte.  1) 

Mit  Bezug  auf  die  einzelnen  Kuttenberger  Münzamtleute  kommt ^ 
zu  bemerken,  dass  Ludwig  Karl  von  Räsne  einen  Adlerkopf  in 
einem  kleinen  Schilde  als  Münzzeichen  führte.  Da  er  schon  im  März 
1568  zum  Berghofmeister  befördert  wurde,  kann  dieses  Zeichen 
nur  auf  Guldenthalern  und  ihren  Untertheilungen  vorkommen,  die 
jedoch  ziemlieh  selten  angetroffen  werden.  Da  der  Adlerkopf  des 
Räsne  dem  Greifenkopf  des  Prager  Münzmeisters  Härder  sehr 
ähnlich  ist,  kann,  im  Falle  das  Zeichen  etwas  verwischt  ist,  die 
Zuweisung  auf  Schwierigkeiten  stossen.  Die  Jahrzahl  wird  dann  die 
Entscheidung  erleichtern.  Bei  gut  erhaltenen  Stücken  lässt  sich  der 
Greifenkopf  durch  die  Ohren  gut  vom  Adler  unterscheiden. 

Mit  der  kaiserlichen  Resolution  ddo.  28.  März  1568  wurde,  an 
Stelle  des  zum  Berghofmeister  ernannten  Ludwig  Karl  Räsne, 
Georg  Sutny  zum  ersten  Münzamtmann  befördert.  Das  Zeichen 
desselben   ist   ein   linker   Adler-   oder   Greifenflügel.    Dieses 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  15612. 


i 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II..  Rudolph  II.  uini  Mathias. 

Zeichen  findet  sich  auf  den  ziemlich  häufig  vorkommenden,  nach 
der  Münzordnung  vom  Jahre  1 524  ausgeprägten  Thalern  und  deren 
T^ntertheilungen.  Obwohl  die  im  Jahre  1574  erflossene  Weisung 
dahin  ging,  dass  das  Müuzzeichen  oben  im  Anfange  des  Titels  in 
einem  Zirkel  anzubringen  ist  (Seite  209),  wurde  von  derselben  den- 
noch mehrfach  abgewichen.  Wir  finden  den  Adlerflügel  in  einem 
Oval,  bald  ober,  bald  unter  dem  Brustbilde  angebracht;  dieses 
letztere  jedoch  jedesmal  auf  dem  durch  den  inneren  Schriftkreis 
abgegrenzten  Mtinzfelde,  während  auf  anderen  böhmischen  Münzen 
Maximilians  IL  die  Umschrift  der  Vorderseite  l)ald  mehr,  bald 
weniger  durch  den  mit  der  Krone  bedeckten  Kopf  unterbr""!«*^" 
wird. 

Neben  diesen  mit  dem  Zeichen  des  Münzmeisters  Sutny  aus- 
gestatteten Münzen  kommen  ebenso  häufig  ganz  ähnliche  Thaler, 
1/2  und  i/\  Thaler  vor,  auf  denen  der  Adlerflügel  fehlt,  dagegen 
unter  dem  Brustbilde  in  einem  Schilde  der  böhmische  Löwe  und 
ober  demselben  eine  fünfblätterige  Rose  ersichtlich  ist.  Diese  kann 
jedoch  nicht  als  ein  Münzmeisterzeichen  aufgefasst  werden,  sie 
müsste  in  diesem  Falle,  vom  Jahre  1574  beginnend,  vorsehrifts- 
gemäss  in  einem  Zirkel  vorkommen.  Da  neben  Sutny  zu  Kuttenberg 
noch  Samuel  Wodolinsky  von  A^odolin  als  zweiter  Münzamtmann 
bestellt  war,  so  kann  geschlossen  werden,  dass  Sutny  die  mit  seinem 
Zeichen  versehenen  Münzen,  alle  übrigen  im  Fm^"  "'""'•  R.  •>nvt;iii- 
dung  jedoch  Wodolinsky  zu  vertreten  hatte. 

Schliesslich  kommt  zu  bemerken,  dass  in  Kuttenberg  noch  im 
Jahre  1577  in  beiden  Formen  mit  dem  Brustbilde  und  Titel  Maximi- 
lians IL  gemünzt  worden  ist. 

Möir/stHtto  /n  .Toacliinisthal. 

Der  seit  dem  Jahre  ir)44  /u  Jouihunstlial  hcstcllti'  .Muii/.iimmsut 
Ruprecht  Puelacher  starb  am  11.  Juni  1563.  Ferdinand  L  ord- 
nete nunmehr  eine  ,.Reformations-Commi8siou"  dahin  ab,  welche 
die  dort  beim  Bergbau  und  Münzwesen  zu  Tage  getretenen  Schwie- 
rigkeiten untersuchen  und  bezüglich  Behebung  derselben  ihre  Vor- 
schläge o;Mln;,.,-.M,  s..llt.'     Der  Zusammentritt   und   die  Krhebnngen 


218 


Johann  Newald :  Das  österreichische  Münz-wesen 


dieser  Commission  verzögerten  sich  durch  den  mittlerweile  einge- 
tretenen Tod  Ferdinands  I.  derart,  dass  der  dortige  Oberverwalter 
Valtin  Eolnigkh  noch  im  Jahre  1564  verschiedene  Aenderungs- 
anträge  vorlegte.  Die  Commission  selbst  brachte  ihre  umfassenden 
Reformvorschläge  erst  am  1.  April  1568  ein,  welche  Maximilian  IL 
mit  der  Resolution  ddo.  1.  August  1569  erledigte,  i) 

Bis  zur  Bestellung  des  bisherigen  Wardeins  deorg  Geitz- 
kofler  als  Mlinzmeister  führte  der  Bruder  des  verstorbenen  Ruprecht 
Puelacher,  Wolfgang  Puelacher,  die  Mtinzamtgeschäfte  fort;  es 
geschah  dieses,  um  die  Abwicklung  einiger  Geldfragen  zwischen 
der  Regierung  und  den  Brüdern  Puelacher  zu  fördern. 

In  Angelegenheit  des  Münzwesens  verordnete  die  Resolution 
vom  1.  August  1569,  wie  folgt:  „Entgegen  mag  das  Verwalterambt 
alda  eingestellt  werden.  Mit  dem  Einnember  vnnd  Münzmeisterambt 
im  Joachimbsthall  mag  vngeacht  voriger  Ringerung  woll  noch  ain 
merere  Ersparung  vnd  auch  ain  solche  Veränderung  darinnen  für- 
genummen  werden.  Nemblich  dass  zu  dem  Einemberambt  das 
Zehendtambt  geschlagen,  die  Einemmber  vnnd  Zehendtsambts-Besol- 
dung  des  Jars  in  allem  auf  600  Taller  geringert,  vnnd  ain  sonderer 
Münzmaister  gestellt,  aber  demselben  ain  Jahr  nicht  mehr  als 
200  Taller  Besoldung  geraicht  werden,  mit  welcher  Er  sich  vnnsers 
Bedennkhens  woll  soll  erhalten  mögen.  Nachdem  aber  bisher  Georg; 
Geitzkhofler  das  Einnember  vnnd  Münzmaisterambt  gehalten,  vnnd 
diser  Ambter,  wie  vnns  fürkhumbt,  nicht  änderst  als  getreu  vnd 
aufrecht  vorgestanden;  so  mtiget  Ir  mit  Ime  handeln  ob  Er  sich 
gegen  obsteender  Besoldung,  vmb  beede,  das  ist  das  Einnember 
vnnd  Zehendtambt  annimb.  Da  Ir  aber  hiewid  Bedenkhen  hattet,  so 
mocht  Ir  vnns  die  zuvor  berichten,  vnnd  vnns,  da  der  Gaizkhofler 
jetzt  bemelte  zway  Ambter  annemb,  mit  Eurm  ratlichen  Guet- 
bedunkhen  ain  andern  tauglichen  Münzmaister,  der  sich  mit 
200  Taller  Besoldung  benügen  lies,  fürderlich  anzaigen-^«) 

Eine  andere  Verfügung  der  kaiserlichen  Resolution  vom 
1.  August  1569  betrifft  den  Münzgegenschreiberdienst.  Im  Jahre 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  313,  Fol.  97. 
3)  Daselbst  Gdkb.  Nr.  312,  Fol.  118. 


unter  den  Kaisern  Maximilian  IL,  Rudolph  II.  und  Matbia«. 

1563  war  der  Gehalt  des  Münzgegenschreibers  Georg  Hoeb- 
reiter  vod  200  auf  100  Thaler  jährlieh  herabgesetzt  worden; 
Hochreiter  hatte  jedoch  den  früheren  Gehalt  fortbezogen.  Seiner 
Armuth  wegen  genehmigte  der  Kaiser  diesen  Bezug  nachträglich, 
hob  jedoch  den  ganzen  Dienstposten  auf  und  verordnete,  dass 
die  Geschäfte  desselben  der  Wardein  zu  besorgen  haben  wird, 
dem  dafür  jährlich  eine  ..Zuepu^is  von  PjO  TuWvy  /u  \  .r.ihr.ilclwn 
ist".il 

Ueber  den  von  der  böhmischen  Kammer  in  Angelegenheit  des 
Münzmeisters  Geizkofler  eingebrachten  Bericht  resolvirte  Maximi- 
lian II.  ddo.  Prag,  14.  Februar  1570  dass  demselben  das  Einnehmer- 
und Münzmeisteramt  in  Joachimsthal  wie  bisher  überlassen  bleiben 
könne,  dass  jedoch  bei  der  nächsten  Veränderung  die  Trennung 
beider  Dienste  durchzuführen  sein  wird. «)  Schon  ddo.  Prag,  9.  Fe- 
bruar 1570  hatte  der  Kaiser  verordnet,  dass  in  Ansehung  der 
,.getreuen,  ehrlichen,  aufrichtigen  vnnd  nuzlichen  Diennst",  welche 
Georg  Geitzkofler,  Einnehmer  und  Münzmeister  in  Joachimsthal 
geleistet,  derselbe  jährlich  50  Thaler  zu  beziehen  hat,  welche  ihm 
imd  seinen  Erben  so  lange  zu  bezahlen  sind,  bis  ihnen  diese  Ver- 
schreibung  mit  1000  Thaler  abgelöst  wird.  3) 

In  Joachimsthal  verzögerte  sich  die  Thalerprägung  mit  dem 
Bilde  und  Titel  Maximilians  IL  bis  in  das  Jahr  1567.  Es  waren  von 
dort  für  die  Ausprägung  der,,Reichsguldener"  von  fünf  verschiedenen 
neuen  „Münz-Eyssen-^  Proben  vorgelegt  worden.  In  der  Resolution 
ddo.  Wien,  8.  October  1567  wird  gesagt:  „Und  wiewoll  derselben 
khainer  sonnders  woll  troffen  worden,  jedoch  so  wollet  nach  dem 
Nr.  3  münzen  lassen".*;  In  einer  Erledigung  vom   7.  März  1573 


tj  K.  k.  H.  K.  A.,   Gtlkb.   Nr.  312,    Fol.    IT'      l'ie    Resolution    ▼om 
1.  August  15G9   umtasst   im   (Tcdeukbuch   48   Foli»)8eiti'u.    I>le   Conmii 
hatte  (Fol.  120)  beantragt,  das8  «lein  MUnzmeister  40  WaUlschragon  wvi 
und  40  Schrägen  hartes  Brennholz  zu  paHSu-en  wären.  Nach  dem  donnaliüreu 
Mass  würde  die  Pussirung  HO  Klafter  weiches  und  8n  Klafter   hartes  Hrf^n^- 
holz  betragen  haben.  Die  Resolution  verlangte  neuerlichou  Horicht.  ob  .1 
Passirung  nicht  ganz  eingestellt  oder  doch  verringert  werden  könnte. 

2)  und  8;  DaselbstGdkb.  Nr.;ii;5,  r  '    "' '   '" 

*)  Daselbst  Fase.  löGUJ. 


220 


Johann  Newald :  Da?  österreichische  Münzweseu 


wird   Niclas    Militz   als    Miiüzeisenschneider   in  Joachimstbal   ge 
iiannt.  ^) 

Die  Mtiuzbeamteu  anbelangend  kommt  noeb  nacbzut ragen,  das> 
über  Vorscblag  der  böbmiscben  Kammer  mit  Erlass  ddo.  Wien, 
4.  December  1572  die  üebertragimg  des  von  Georg  Ho  ob  reite  r 
bisher  versehenen  Einnehmer-  und  Münzgegenschreiberdienstes  zu 
Joachimsthal  an  dessen  Eidam  Balthasar  Dürleber  gegen  dem 
genehmigt  wurde,  dass  Hochreiter  das  von  ihm  früher  versehene 
Berggegenbuch  wieder  übernehme.  2) 

Der  Münzmeister  Georg  Geitzkofler  stammte  aus  Tirol. s) 
Das  Münzzeichen  hatte  er  aus  seinem  Wappen  entnommen;  es  war 
ein  Gemskopf.*)  Die  unter  seiner  Amtsfühnmg  aus  dem 
Joachimsthaler  Münzhause  ausgegangeneu  Münzen  sind  dadurch 
leicht  zu  erkennen. 

Münzstätte  zu  Budweis. 

Obwohl  Kaiser  Maximilian  H.  schon  mit  der  Resolution  vom 
12.  September  1568  zur  Errichtung  einer  Münzstätte  in  Budweis 
seine  Zustimmung  ertheilt  hatte,  dürfte  der  Betrieb  erst  im  Jahre 
1569  eröffnet  worden  sein.  Es  wird  nämlich  erzählt,  dass  nach  einer 
im  Thunnknopfe  zu  Budweis  aufgefundenen  von  dem  Budweiser 
Stadtrathe  im  Jahre  1577  dahin  eingelegten  Denkschrift,  Kaiser 
Maximilian  IL  den  4.  August  1569  eine  neue  königliche  Münzstätte 
zu  Budweis  errichtet,  den  Tobias  Gebhart  zum  ersten  MUnzmeister 
und  den  Johann  Malthus  zum  Wardein  und  Gegenhändler  eingesetzt 
habe.  5)  Die  kaiserliche  Resolution,  mit  welcher  die  Uebertragung 
des  Prager  Münzbetriebes  nach  Budweis  genehmigt  wurde,  ist,  wie 
oben  Seite  34  quellensicher  nachgewiesen  erscheint,  vom  12.  Sep- 
tember 1568;  es  kann  jedoch  sein,  dass  die  Münzprägung  erst  am 
4.  August  1569  eröifnet  wurde.  Tobias  Gebhart  war  hier  während 
der  ganzen  Regierungsdauer  Maximilians  II.  als  Münzmeister  thätig. 
Sein   Zeichen   ist   ein  Löwenkopf  oder  richtiger  ein  Löwen- 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  314,  Fol.  117. 
^)  Daselbst  Gdkb.  Nr.  119,  Fol.  676vers. 

3)  Münzweseu  unter  Ferdinaud  I.,  Seite  72. 

4)  Vergl.  Miltner  1.  c,  Taf.  X  und  XL 

5)  Daselbst  1.  c.  Seite  61. 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathias.  221 

rächen,  wie  er  auch  im  Wappen  desselben  vorkommt.»)  Tobias 
Gebhart  prägte  in  Budweis  Guhleuthaler  und  deren  Untertheilungen, 
und  später,  dem  Beschlüsse  der  böhmischen  Stände,  bestätigt  mit 
der  Resolution  vom  7.  März  1573,  gemäss,  auch  Thaler  nach  der 
Miinzordnung  vom  15.  Februar  1524  und  die  Untertheilungen 
desselben.  Es  kommen  Budweiser  Thaler  mit  dem  Brustbilde  und 
Titel  Maximilians  II.  vom  Jahre  1577  vor.  Die  Sammlung  des 
Herrn  Max  Donebauer  in  Prag  bewahrt  eine  Guldenthaler- 
klippe  vom  Jahre  1572,  unzweifelhaft  eine  Seltenheit  ersten 
Ranges,  s) 

Auf  vielen  böhmischen  ^lünzen  Maximilians  II.  fehlt  ilas 
M  ü  n  z  z  e  i  c  h  e  n  gänzlich.  Es  ist  dieses  um  so  auffälliger,  als  ja  der 
Regierung  selbst  daran  lag,  durch  dieses  Zeichen  den  fllr  das  MUnz- 
stück  verantwortlichen  Münzbeamten  nachweisen  zu  können.  In  den 
Acten  findet  sich  über  diesen  Umstand  keine  Aufklärung.  Die 
grösseren  Münzen  lassen  sich  übrigens  nach  einer  genaueren  Prü- 
fung mit  ziemlicher  Sicherheit  der  betreffenden  Münzstätte  zuweisen. 

Mit  dem  Erlasse  der  böhmischen  Kammer  ddo.  Prag,  6.  Octo- 
ber  1569  wurde  der  Budweiser  Münzamtsverweser  Tobias  Gebhart 
angewiesen,  dieselben  Einlösungspreise  für  Gold  und  Silber  zu 
bezahlen  wie  in  der  Prager  Münze,  und  zwar  die  Mark  fein  Silber 
Prager  Gewicht  mit  9  Schock  und  das  Loth  Gold  mit  6Va  Schock 
Weissgroschen. »)  Ueber  Antrag  der  böhmischen  Kammer  vom 
23.  August  1571  wurde  mit  der  Resolution  ddo.  Wien,  2.  October 
1571  die  Durchführung  einer  auf  60  Schock  Weissgroschen  veran- 
schlagten Reparatur  im  Münzhause  zu  Budweis  genehmigt.  *)  Im 
Znsammenhange  mit  einer  Zahl,  das  Berg-  und  Münzwesen  daselbst 
betreffenden  Anordnungen,  resolvirte  der  Kaiser  ddo.  13.  März  1573, 
dass  dem  Münzmeister  Gebhart  zu  der  bisherigen  Besoldung  von 
200  Thalern  noch  eine  „Neben-Pension  und  auf  Underhaltiing  eines 


1)  Vergl.  Miltner,  Taf.  X,  Fig.  72  und  Tut'.  LXXIX  V\g.  OTä. 

2)  Herr  Donebauer  hatte  die  besondere  Güte,  mir  aus  seinor  Samiuliiii^ 
Ol  grössere  böhmische  Münzen  MaximiHans  II.  zur  Einsichtnahme  zuzusenden, 
Nvodin-eh  mir  meine  Studien  weseutlicli  erleichtert  wurden. 

S)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  1G359. 

♦)  Daselbst  (Mkb.  Xr.  1  l'v  I'-'  -''>"v.,.s 


>12?P^_ 


222 


Johann  Ne'wald  :  Das  österreichische  Münzwesen 


Tiegelwarters  jährlicli  50  Thaler"  auszubezahlen  sind.  Wardein  war 
in  Budweis  Hanns  Mathes,  oder^  wie  er  auch  genannt  wird, 
Hanns  Malthus.  i) 

YIL 

Die  Münzstätte  zu  Breslau. 

Unter  den  in  den  Erbländern  vorgekommenen  landesfUrstlichen 
Münzhäusernj  bestanden  in  Bezug  auf  den  Mlinzbetrieb  für  jenes 
zu  Breslau  die  grössten  Schwierigkeiten.  In  Schlesien  kamen 
keine  Bergwerke  auf  Edelmetalle  vor,  aus  denen  in  den  landes- 
fUrstlichen Münzhäusern  der  Betrieb  genügend  zu  versorgen  war, 
man  war  dort  vorherrschend  auf  die  Einlösung  von  Pagament  ange- 
wiesen, wobei  jedoch  die  Münzhäuser  der  verschiedenen  münz- 
berechtigten schlesischen  Fürsten  eine  empfindliche  Concurrenz 
machten.  Dazu  kam  die  Nachbarschaft  von  Polen,  welches  Land 
seit  den  ältesten  Zeiten  als  die  Geburtsstätte  leichter  Münzen  be- 
kannt war,  zu  deren  Erzeugung  die  Silberausfuhr  aus  Schlesien, 
trotz  aller  Gegenvorkehrungen  schwunghaft  betrieben  wurde. 

Während  der  Regierung  Maximilians  H.  wurde  im  Breslauer 
Münzhause  der  Betrieb  oft  für  längere  Zeit  gänzlich  unterbrochen. 
Mit  der  Resolution  ddo.  Wien,  13.  September  1565  genehmigte 
der  Kaiser  einen  vom  Erzherzog  Ferdinand  gestellten  Antrag,  dass, 
nachdem  das  Münzwesen  in  Breslau  wegen  Silberniangel  feiern 
muss,  dem  Münzmeister  und  Wardein,  jedem  ein  Wartgeld  von  50 
Thaler  jährlich  verabreicht,  dagegen  ihre  Besoldung  eingestellt 
werde. 2)  Es  wurde  wiederholt  hervorgehoben,  welchen  Wider- 
stand die  Münzarbeiter  jeder  Verbesserung  in  der  Münzerzeugung 
entgegensetzten.  Die  Einrichtung  einer  Walzenmaschine  zur  Ge- 
winnung gleichförmig  dicker  Münzplatten  rief  in  Breslau  unter 
den  Münzarbeitern  einen  förmlichen  Aufruhr  hervor.  Der  dortige 
Münzschmiedmeister  Martin  Kempf  hatte  noch  über  Kaiser  Ferdi- 
nands I.  Befehl  eine  „Streck pank"  aufgerichtet,  worüber  er 
„von  den  Münzgesellen,  als  die  dergleichen  Streckpank  nit  leiden 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  314,  Fol.  127. 

2)  Daselbst  Gdkb.  Nr.  311,  Fol.  153. 


unter  den  Kai.^ern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathias. 

wellen,  nit  allein  an  seinen  Ehren  geschmäht,  souderu  sein  auch 
alle  Gesellen  aufgestanden,  also  das  kheiner  mehr  bey  Ime  arbeitten 
wellen."  Er  musste  schliesslich  seines  Dienstes  enthoben  und  pro- 
visionirt  werden.  Eine  Resolution  Maximilians  IL  ddo.  Sneyer, 
15.  November  1570,  bezieht  sich  auf  diese  leidige  Angelegen- 
heit. ^) 

Die  im  Bereiche  des  schlesischen  Kammerweseu.^  ..ova- 
tretenden  mannigfaltigen  Anstände  und  Schwierigkeiten  veranlassten 
Maximilian  IL  zur  Entsendung  einer  Untersuchungscommission  nach 
Breslau.  Mitglieder  derselben  waren  die  Hofkammerräthe  Sey- 
fried  Freiherr  von  Prominz,  Jacob  Gienger  und  Caspar 
Geizkhofler.  Die  Instruction  ddo.  Wien,  30.  October  1571  um- 
fasst  in  eingehender  Weise  alle  Verwaltungs-  und  Geschäftszweige, 
wobei  es  nur  auffällt,  dass  das  Münzwesen  gar  nicht  berührt  wird, 
woraus  geschlossen  werden  kann,  dass  damals  der  Münzbetrieb 
sistirt  war.  a) 

Im  Jahre  1572  gewann  der  Betrieb  im  Breslauer  Münzhause 
wieder  an  Lebhaftigkeit.  Der  Münzmeister  Wolf  Frey  berger 
fand  sich  dadurch  veranlasst,  um  eine  Erhöhung  seines  Soldes  und 
Ueberlassung  einer  Wohnung  in  der  Burg  oder  Gewährung  eines 
Entschädigungsbetrages  von  40  Thaler  einzuschreiten.  Mit  der 
Resolution  ddo.  Wien,  1.  Juli  1573  erhöhte  der  Kaiser  die  Besol- 
dung von  100  auf  150  Gulden  Rh.  mit  der  Vertröstung,  dass,  „wann 
khünfftig  das  Münzwerk  continue  befUrdert  würde"  eine  weitere 
Besserung  folgen  werde. ») 

Dieser  Erledigung  folgte  schon  ddo.  Wien,  20.  September  ... 
ein  neuer  Erlass  an  die  schlesische  Kammer,  in  welchem  der  Kaiser 
sein  Missfallen  über  die  von  dem  Münzmeister  Freyberger  vorge- 
brachten Ausflüchte  bezüglich  seiner  Hechnungsrückstände  aus- 
spricht, und  zugleich  die  Verhaftung  desselben  anordnet,  falls  er 
nicht  in  einem  ihm  zu  stellenden  Termin  die  Rechnungen  ein- 
bringt. *) 


1)  K.  k.  IT.  K.  A.,  (Hlkb.  Nr.  Al.i,  i-m.  i 

2)  Daselbst  Gdkb.  Nr.  313,  Fol.  292ver8. 

3)  Daselbst  Gdbk.  Nr.  314,  Fol.  207. 

*)  Daselbsf  r;.1kl.  Kr  ni  I   Fol   2r,2ver.. 


224 


Johann  N'evrald:   D.ih^  ö.-xtrrticiii.'^che  Miuizwtben 


Im  Jahre  1575  scheint  abermals  eine  Unterbrechung  im  Müi 
betriebe   eingetreten    zu  sein,    denn  unterm  3.  Mai  1575  wird 
schlesische  Kammer  beauftragt,   den  Münzgesellen  in  Breslau, 
lange  die  Münze  feiert,  auch  fernerhin  den  Betrag  von  1  Guide 
monatlich  als  Wartegeld  zu  reichen,  i) 

Es  ist  wohl   selbstverständlich,   dass  unter  den    geschilderten 
Zuständen,   aus  dem  Breslauer  Münzhause  während  der  Regierung 
Maximilians  11.    nur  wenige   Münzsorten   mit   dem  Brustbilde  des 
Kaisers    ausgegangen    sind   und    diese     somit   heute   schon   dei 
Seltenheiten  zugezählt  werden  können.   In  der  sehr  verdienstvollej 
Publication  „Schlesische  Münzen  und  Medaillen",  von  Hugo  Frei 
herrn  von  Saurma-Jeltsch  1883,  werden  die  hieher  gehörige 
Sorten  auf  Seite  24  aufgezählt  und  mehrere  derselben    auf  d( 
Tafel  46  abgebiklet. 

VIII. 
Die  Münzstätte  zu  Kremnitz. 

Das  ungarische  Münzwesen  war  unter  dem  Könige  Ludwig 
in  grosse  Unordnung  gerathen,  so  dass,  als  Ungarn  nach  d 
Schlacht  bei  Mohacz  an  Ferdinand  I.  gekommen  war,  gros 
Schwierigkeiten  zu  überwinden  waren,  um  dasselbe  nur  in  etw; 
zu  consolidiren,  und  mit  jenem  der  österreichischen  Erblände 
wenigstens  der  Hauptsache  nach,  in  Einklang  zu  bringen,  a) 

Durch  den  Umstand,  dass  im  Münzhause  zu  Kremnitz  vorhe 
sehend  Edelmetalle,  welche  Producte  des  ausgedehnten  nordunga 
sehen  Bergbaues    waren,   zur  Verwendung  kamen,   anderseits  abe 
auch  durch  den  Umfang  des  Münzbetriebes,   gebührt  nuter  den  im 


■ 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  315,  Fol.  57>er8.  Mit  der  Resolution  ddo. 
Prag,  26.  Jimi  1575  schenkte  Maxunilian  IL  dem  Friedrich  von  Falkhen- 
han  das  Münzhaus  in  der  Stadt  Gl az,  und  befiehlt  dem  Kanzler  Hermann 
Ygl  daselbe  abzutreten.  Gdkb.  Nr.  315,  Fol.  91  und  107. 

3)    In    meiner   münzgeschichtlichen    Publication:    „Das    österreichisch 
Münzwesen  unter  Ferdinand  I."  wird  das  ungarische  Münzwesen  in  den  Capitelu 
V,  XV  und  bezüglich  der  einzelnen  Münzstätten    auf  Seite  121  u.  f.  eingehend 
besprochen. 


I 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II„  Rudolph  Tl.  und  Mathiw.  225 

Laufe  des  XVI.  Jahrhunderts  den  östereichischen  LandesfUrsteu 
unterstandenen  Münzstätten  jener  zu  Kremnitz  ein  hervorragender 
Platz.  Sie  wurde  nur  durch  das  Mtinzhaus  zu  Hall  im  lunthale 
überragt. 

Schon  Ferdinand  I.  hatte  die  Leitung  des  nordungarischeu 
Bergbaues  sowie  des  dortigen  Mtinzwesens  an  die  niederöster- 
reichische Kammer  zu  Wien  übertragen.  Beim  Regierungs- 
antritt Maximilians  II.  stand  dem  Münzhaiise  zu  Kremnitz  der  Unter- 
kammergraf und  Münzmeister  Wolf  gang  Roll  vor,  er  war  zu- 
gleich niederösterreichischer  Kammerrath.  Wardein  war  Valentin 
Leyner.  ^) 

Aus  den  Erbtheilungsverhandlungen  nach  dem  Tode  des 
Kaisers  Ferdinand  I.  lernen  wir  den  Umfang  des  Kremnitzer  MUnz- 
betriebes  in  den  beiden  Jahren  1564  und  1565  kennen.  Es  wurden 
vermünzt : 

An  Gold,  1564, 1326  Mark  28  Pfennig  und  daraus  ausgebracht 
105.844  Gulden  50  Pfennig, 

an  Gold,  1565,  1296  Mark  25  Pfennig  und  daraus  ausgebracht 
101.497  Gulden  50  Pfennig, 

an  Silber,  1564,  24.838  Mark  15  löthig  und  daraus  ausgebracht 
192.402  Gulden  6  Pfennig, 

an  Silber,  1565,  24.283  Mark  15  löthig  und  daraus  ausgeb'-M-i't 
187.907  Gulden  26  Pfennig, 

der  Gulden  zu  100  ungarische  Pfennige  gerechnet.  2)  Beim  Ke- 
gieningsantritt  Maximilians  II.  waren  im  Mtinzhause  zu  Kremnitz 
bedienstet  und  bezogen  dieselben  als  Jahresbesoldung,  und  zwar 
Unterkammergraf  Roll  für  seine  Person,  seine  Hausfrau  und  Kinder, 
für  einen  Schreiber,  zwei  Reitknechte  endlich  zur  Erhaltung  dreier 


1)  Unterm  16.  Februar  if)»).'»  hatte  tlcr  ijiiHnKaiiuucrjjrai  »Voug^ang^  lit»!! 
die  Anzeige  erstattet  „dass  Valentin  Leyner  in  Kremnitz  zum  St«t!richter  er- 
wählt wurde.  Die  Hofkammer  besorgte  der  Wardeiu  werde  beide  Aemter  nicht 
versehen  können  und  beauftragte  mit  Erlass  ddo.  Wien,  22.  Februar  1500  die 
niederösterreichische  Kammer,  Vorsorge  zu  treffen,  dass  Leyner  des  Stadt- 
richteramtes  bald  enthoben  werde,  auch  mögen  die  königlichen  Diener  in  Krem- 
nitz, Stadtämter  fernerhin  nicht  übernehmen.  K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  :i*Xi 
Fol.  94. 

~j  Daselbst  Fase.  15378. 

15 


226 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Müazweseu 


Pferde,  zusammen  775  Gulden,  der  Gegenschreiber  Adam  Pro- 
schofsky  264  Gulden,  der  Wardein  und  Probirer  Leyner  209  Gulden, 
der  Obereisenscbneider  Lucas  Richter  208  Gulden,  die  beiden 
Eisensenker,  und  zwar  Hanns  Spaltenkhail  156  Gulden  und  Valentin 
Richter  104  Gulden,  endlich  der  Lehrjung  Abraham  Eiskher 
26  Gulden.  i) 

Ueber  ein  von  den  ,,Knappen,  Halblöhner  vnd  Gesellen  der 
Müntz  auff  der  Crembnitz'*  bezüglich  „Confirmirung  ihrer  Frey- 
haiten"  unterm  7.  Juni  1565  eingebrachtes  Ansuchen,  gaben  die 
Münzbeamten  Roll,  Leyner  und  Proschofsky,  ddo.  Kremnitz,  6.  Juli 
1565  ihre  Aeusserung  ab,  aus  welcher  sich  der  zwischen  den  Münz- 
häusern zu  Wien  und  Kremnitz  bestandene  Manipulationsunterschied 
beurtheilen  lässt.  Die  Aeusserung  führt  aus,  dass  in  Wien  der  Münz- 
meister den  Schmieden  die  gegossenen  Zaine  vorwägt,  diese  die 
schwarzen  Platten  vorrichten  und  selbe  dem  Münzmeister  überant 
Worten,  der  durch  eigens  besoldete  Arbeiter  die  schwarzen  Platten 
weiss  sieden  lässt,  zu  welchem  Ende  ihm  von  je  100  Mark  Platten 
7  Loth  als  „Fürgewicht"  passirt  sind.  In  Kremnitz  sei  jedoch  alter 
Brauch,  dass  den  Münzarbeitern  die  gegossenen  Zaine  vorgewogen 
werden  und  dieselben  allen  Abgang,  es  sei  durch  Entfremdung,  beim 
Schmieden,  im  Glühen  und  Weissmachen  ,,ohn  ainigs  Fürgewicht" 
leiden  müssen.  In  den  Jahren  1559,  1560  und  1561  wurden  auf 
Gröscheln  4303  Mark  vermünzt,  wofür  den  Münzarbeitern  als  Be- 
soldung 179  Mark  oder  in  Geld  780  Gulden  gebührt  hätten.  Davon 
müssen  aber  abgezogen  werden  78  Mark  so  denselben  beim  Glühen, 
Weissmachen  und  Schmieden  in  Abgang  kommen,  was  in  Geld 
340  Gulden  ausmacht.  Es  blieben  sohin  440  Gulden,  worauf  den 
Münzarbeitern  jedoch  nur  390  Gulden  ausbezahlt  wurden,  daher  sie 
noch  50  Gulden  anzusprechen  haben.  Der  über  diese  Angelegenheit 
einvernommene  Wiener  Münzmeister  Adam  Hartman  stimmte  in 
seiner  Aeusserung  ddo.  7.  September  1565  den  AustXihrungen  der 
Kremnitzer  Münzbeamten  bei,  in  welchem  Sinne  die  uiederöster- 
r eichische  Kammer  unterm  1.  October  1565  ihren  Antrag  stellte. 
Die  Erledigung  erfolgte  erst  mit  der  Resolution  ddo.  Troppau, 
4.  Februar  1567,  mit  welcher  Maximilian  II.  den  Münzern  zu  Krem- 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  15378. 


I 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathias.  227 

nitz  den  rückständigen  Lohn  von  50  Gulden  zur  Auszablun-  an- 
weist  und  zugleich  genehmigt,  dass  denselben,  jedoch  lediglich 
auf  sein  Wohlgefallen  ihre  alten  Freiheiten  bezüglich  MUnzerlohn 
und  Schlagschatz  zu  bestätigen  sind,  i) 

Mit  Mandat  ddo.  Linz,  7.  December  1568  verordnete  der  Kaiser, 
dass  das  „Granerische  Einkhumben  in  den  Bergkhstetten  so  man 
das  Pis  et  gelt  nennt  vund  vngevärlich  des  Jars  bei  5000  Gulden 
erträgt",  zur  Erhaltung  einer  Besatzung  in  der  Stadt  Bugganz, 
welcher  Ort  am  nähesten  der  Grenze  gelegen  und  daher  am  meisten 
der  Gefahr  eines  feindlichen  Feberfalles  ausgesetzt  ist,  zu  verwen- 
den sei.  2;  In  der  Resolution  ddo.  Wien,  U.Jänner  1569,  womit 
der  Bericht  einer  in  den  ungarischen  Bergstädten  anwesenden 
Untersuchungscommission  erledigt  wird,  wird  dem  Unterkammer- 
grafen Roll  Fahrlässigkeit  vorgeworfen  und  ihm  mit  der  Dienstent- 
setzung gedroht,  auch  wird  betont,  dass  der  Kaiser  beschlossen 
habe  „des  Erzbistumbs  Gran  Pisethgefell ^  für  die  Kammer  einzu- 
ziehen, vorläufig  bleibt  dasselbe  jedoch  zur  Erhaltung  der  Besatzung 
von  Bugganz  bestimmt,  a) 

Mit  dem  Hofkammererlass  ddo.  Wien,  16.  Mai  1569  vorläufig, 
und  definitiv  mit  der  kaiserlichen  Resolution  ddo.  5.  Jänner  157'o 
wurde  den  beiden  Schmiedmeistern  Peter  Frejtag  und  Clement 
Auer,  das  Lichtgeld  oder  Kerzendeputat  von  169  Gulden  auf 
190  Gulden  jährlich  erhöht.*) 

Wenn  auch  das  uiigarisciie  Münzwesen  ausser  dem  Bereiche 
der  Reichsmünzordnung  vom  19.  August  1559  lag,  so  machten  sich 
dennoch  im  Kremnitzer  Münzhause  jene  Schwierigkeiten  geltend, 
welche  sich  aus  dem  Steigen  der  Bergbauauslagen  auch  in  den 
ungarischen  Bergstädten  ergaben.  Die  Gewerke  strebten  eine  Er- 
höhung der  Ablösungsgebuhr  für  die  von  ihnen   an    die    Münze 

*)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  1537s  und  Gdkb.  Nr.  395,  Fo!.  18. 

2)  Da8(?l])8t  Gdkb.  Nr.  395,  Fol.  372.  Ueber  dns  dem  Erzbischof  n  ■-  '-■  -n 
zustehende  „Pisetgeld"  siehe  „Münzwesen  unter  Ferdinand  I.«  Seite  . 

«)  Daselbst  Gdkb.  Nr.  396,  Fol.  3ver.s.  Bu^gauz  hatte  eine  Be8at/.nii-  von 
200  Mann.  Eine  üntersuchungscommission  war  in  die  Ber/?stätte  mit  dm-  Kesolu- 
tiou,  ddo.  Wien,  25.  Februar  15G8  abg:eorduet  worden.  Gdkb.  Nr.  I0(i,  Fol.  G6. 

♦;  Daselbst  Gdkb.  Nr.  107.  Fol.  .351  m.d  \r   It-^   r..l    i.l-> 

15* 


■^^1 


228 


Johann  Kewald:  Dm  oste. 


eingelieferten  Edelmetalle  an;  anderseits  steigerten  sich  auch  die 
mit  dem  MUnzbetrieb  verbundenen  Auslagen  durch  die  Erhöhung 
der  Beamtenbesoldungen,  der  Arbeitslöhne  u.  8.  w.»  wie  im  Vorher- 
gehenden einzelne  Beispiele  erwähnt  worden  sind.  Obwohl  sich  die 
Regiening  gegen  die  Anforderungen  der  Oewerke  im  Anfange  ab- 
lehnend verhielt,  suchte  sie  sich  dennoch  ttber  jene  Mittel  Klarheit 
zu  verschaffen,  welche  geeignet  erschienen,  um  den  drohenden 
üebelständen  mit  Erfolg  begegnen  zu  können 

Zunächst  liess  sie  sich  Auszüge  ttber  den  Umfang  der  in  den 
drei  letzten  Jahren,  das  ist  1570,  1571  und  1572  eingelöseten  Edel- 
metalle vorlegen.    Gold-  und  Silbereinlösungsärater  bestanden  zu 
Kremnitz  und  Schemnitz.    Aus  den  zur  Vorlage  gekommenen  \t 
zeichnissen  ergeben  sich  folgende  Summen.  Es  wurden  eingelöst : 

In  Kremnitz: 


1570,  Gold  um 
Silber  um 

1571,  Gold  um 
Silber  um 

1572,  Gold  um 
Silber  um 


103.794  Guuivii    :-         iiviiiii^ 

152.074  .  ^^  „      ' 

•2.384 

:.r).148  ,,  4:. 

77.869  „  s< 

132.661  .  47 


bemnitz: 


26.646  Gulden  23  Pfennig 


111.377 
21.911 
>^9.431 


ii> 


1570,  Gold  um 
Silber  um 

1571,  Gold  um 
Silber  um 

1572,  Gold  um 
Silber  um 

Die  Regieruii^:.  in.»  >iiii  u-uu- 
von  der  vermünzten  Mark  Silber, 
preisen  verbleibende  MUnzerträgniss.  In  der  von  den  Kremnit/  i 
Münzamtleuten  angefertigten  Cebersicht  wurden  ftir  die  Mark 
Silber  im  Feingehalt  von  15  Loth  als  Einlösungspreise  angenoT^""*"- 
7  Gulden,  dann  6  Gulden  75  Pfennig  und  6  Gulden. 


Nachweise  vorlegen  übci  «i  :- 
bei  verschiedenen  Einlösung- 


1 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II,,  Rudolph  IT.  und  Mathias.  229 

Im  Falle  lauter  kleine  ungarische  Pfennige  im  Feingehalt  von 
8  Loth  ausgemünzt  werden,  verblieben  als  Münzerträgniss  per  Mark 

bei  der  Einlösung  zu  7  Gulden 33  y^  Pfennig 

„     „  ,.,  „6  Gulden  75  Pfennig 58 1/.,       ,, 

„     r  ,,  r  6       „  1  Gulden  33^  ^       ,, 

Bei  der  Ausmünzung  von  Thalern  im  Feingehalt  von  14  Loth 
1  Quintchen,  1  Pfennig  verblieben  per  Mark 

bei  der  Einlösung  zu  7  Gulden 1  Gulden  31 1 2  Pfennig 

,,     „         *",,  „6  Gulden  75  Pfennig    1       „       56  Va       „ 

und  endlich   bei   der  Ausmünzung   von   ungarischen  Pfennigen  im 
Feingehalt  von  7  Loth,  verblieben  per  Mark 

bei  der  Einlösung  zu  7  Gulden 1  Gulden  43  2  s  Pfennig 

,.     „  ,.  ..  6  Gulden  75  Pfennig    1       ,,       682/3 

.  6       «  2       „       432/3       ,     1) 

Aus  den  vorstehenden  Erhebungen  ergab  sich  zunächst,  dass 
die  Eegierung  der  Thalermünzung  eine  grössere  Bedeutung  beizu- 
legen begann,  wobei  der  Umstand  zutage  trat,  dass  im  Kremnitzer 
Münzhause  die  Thalerprägung  noch  immer  mit  dem  Bilde  und  Titel 
des  Kaisers  Ferdinand  I.  stattfand.  Erst  mit  der  Resolution  ddo. 
Wien,  31.  August  1573,  wurde  für  Kremnitz  die  Thalerprägung  mit 
dem  Bilde  und  Titel  Maximilians  IL  angeordnet.  2) 

Um  die  Einlösung  von  Pagament  für  das  Kremnitzer  Münzhaus 
zu  fördern,  wurden  mit  dem  Erlasse  ddo.  Wien,  5  Febrar  1573  dem 
dortigen  Wardein  Leyner  und  dem  Buchhalter  Erhard  Teiniger  6000 
Thaler  und  11.804  Gulden  33  Kreuzer  3  Pfennig  in  Pauliner  zuge- 
mittelt.  Letztere  waren  in  Thaler  umzumünzen  und  der  gange 
Betrag  zum  Pagamentankauf  zu  verwenden,  welches  abermals  in 
Thaler  nach  dem  dem  Kammergrafen  Roll  bekannt  gegebenen 
Schrot  und  Korn  zu  vermünzen  und  der  Betrieb  in  solcher  Weise 
fortzusetzen  war.  s ) 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  15378.  Die  säinintlichen  Angaben   beziehen  sich 
auf  die  Wiener  Mark. 

2)  Ueber  diese  Angelegenheit  habe  ich  eingehend  im  „Oesterreichischen 
Münzwesen  unter  Ferdinand  I."  Seite  124  Mittheilung  gemacht. 

3)  K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  122,  Fol.  29Gv<^r..  Korn  und  SL-hrot  der  Thaler 
entsprach  der  Münzordnung  vom  15.  Februar  1524. 


230 


Johann  Newald  :  Das  österreichische  Münzwesen 


In  Folge  der  im  Jahr  1568  zu  Kreranitz  anwesenden  Reforma- 
tionscommission waren  den  dortigen  Mtinzarbeiteru  mehrere  Be- 
günstigungen eingestellt  worden.  Der  nunmehr  leibhaftere  Betrieb 
gab  denselben  Anlass,  die  Wiederherstellung  verschiedener  alter  Be- 
züge anzustreben.  Mit  der  Resolution  ddo.  Wien,  13.  Februar  1574 
genehmigte  Maximilian  II.  den  Kremnitzer  Münzarbeitern  einige  seit 
dem  Jahr  1568  aufgehobene  Bezüge.  Im  Falle  dieselben  an  den 
drei  hohen  Festtagen:  Weihnachten,  Ostern  und  Pfingsten  nicht 
feiern  sondern  arbeiten,  kam  ihnen  wie  früher  für  jedes  dieser  Feste 
der  Betrag  von  12  Gulden  zu  reichen.  Den  Giessern  war  so  lange 
die  Thalerprägung  dauert,  statt  130  Gulden  der  frühere  Betrag  von 
170  Gulden  jährlich  zu  bezahlen,  auch  kam  „für  die  Speiss,  so  Sy 
vor  Abstellung  der  Wirtschafft  aus;  der  Kuechl  im  Camerhof  gehabt, 
jedem  80  Pfennig  hungarisch,  wöchentlich"  zu  verabfolgen,  endlich 
wurden  „den  Münzern  in  gemein  järlich  für  ein  Lichtganss  10  Gul- 
den hungerisch  als  Erung'^  bewilligt.  ») 

Aus  Anlass  der  im  Jahre  1574  besonders  lebliaft  betriebenen 
Thalerprägung  und  beinahe  gänzlicher  Einstellung  des  Ausbringens 
kleiner  Münzen,  wurde  seitens  der  Stände  die  Beschwerde  erhoben, 
dass  viele  schlechte  polnische  Gelder  in  Ungarn  eindringen.  Es  er- 
floss  sohin  ddo.  Wien,  2.  Februar  1575  nach  Kremnitz  die  Weisung, 
dass  von  nun  an  der  vierte  Theil  des  eingebrachten  Silbers  zu 
Thalern,  drei  Viertel  jedoch  zu  ungarischen  kleinen  Sorten  mit 
7  Loth  Feingehalt  vermünzt  werden  sollen.  3)  Als  neuerliche  Be- 
schwerden erhoben  werden  wollten,  erfloss  ddo.  30.  März  1576  die 
Erledigung:  ,,es  ist  im  Monat  Marzi  1575  von  der  nied.  öster.  Camer 
auf  die  Crembnitz  bevolchen  worden,  von  allen  eingelössten  Silbern 
die  3/4  ^^^  ungarisch  Pfennig  zu  7  Loth  vnd  das  aine  Viertl  auf 
Taller  zu  14  lot  1  quint.  1  Pf.  zu  vermüntzen,  dabei  verbleibt  es.-») 

Es  wurde  oben  mitgetheilt,  dass  Maximilian  II.  schon  im  Jahre 
1568  das  „Pisetgeld''  zur  Erhaltung  einer  Besatzung  zu  Bugganz 
bestimmt  hatte.  Mit  Mandat  ddo.  Wien,  10.  März  1575  wurde  ange- 
ordnet, dass  dem  Predicant,  Schulmeister  und  Cantor  zu  Kremnitz 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  15378,  auch  Gdkb.  Nr.  127,  Fol.  246. 
8)  Daselbst  Gdkb.  Nr.  127,  Fol.  606. 
3)  Daselbst  Fase.  15378. 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathias. 


231 


an  den  hohen  Festen:  Ostern,  Pfingsten  und  Weihnachten,  eine 
Verehrung  von  10  Gulden  aus  dem  Piset,  wie  dieses  „vnter  dem 
Erzbischof  von  Gran  gebräuchig  gewesen''  zu  reichen  sein  wird,  i) 
Unterm  25.  April  1575  wurde  verordnet,  dass  die  Stelle  des  Eisen- 
senkers Hanns  Spaltenkhail,  der  seinem  Bergwerk  zu  Weyza  nach- 
geht, an  den  Abraham  Eiskher  zu  verleihen,  und  der  Dienstplatz 
des  letzteren,  an  Simon  Pachter  zu  tiberlassen  ist.  2)  Mit  Erlass  ddo. 
Wien,  26.  Juli  1575,  wurden  27  Centner  Kupfer  zur  Prägung  von 
Raitpfennigen  für  die  ungarische  Kammer  angewiesen,»)  endlich 
unterm  21.  October  1575  dem  Obereisenscheider  Lucas  Richter  eine 
Gnadengabe  von  50  Gulden  ungar.  genehmigt.  *) 

In  Kremnitz  wurde  die  Thalergrägung  mit  dem  Brustbilde  und 
Titel  Maximilians  II.  erst  im  Jahre  1573  eröffnet;  5)  sie  dauerte  bis 
in  das  Jahr  1578,  indem  Kremnitzer  Thaler  Maximilians  11.  von  den 
Jahren  1577  und  1578  ziemlich  häufig  vorkommen.  Nachdem  wäh- 
rend der  Regierung  dieses  Kaisers,  beziehungsweise  Königs,  in 
Ungarn  vorherrschend  zu  Kremnitz  ein  Münzbetrieb  stattfand,  und 
die  aus  dem  Kremnitzer  Münzhause  ausgegangenen  Münzen,  wie 
dieses  seit  alter  Zeit  üblich  war,  mit  den  Buchstaben  K — B  be- 
zeichnet wurden,  kann  die  Zuweisung  derselben  kaum  auf  eine 
Schwierigkeit  stossen.  Ein  Münzmeisterzeichen  kommt  auf  den- 
selben nicht  vor. 


1)  2)  3)  und  4)  K.  k.  H.  K.  A ,  Gdkb.  Nr,  127,  Fol.  611,  623vers^  633^ers 
und  642. 

5)  Vergl.  Münzwesen  unter  Ferdinand  I.  Seite  124.  Der  Kremnitzer 
Thaler  von  1573  gehört  unter  die  Seltenheiten.  Er  war  weder  Schultess  noch 
Madai  bekannt,  noch  findet  er  sieb  bei  Sz6ch6nyi  oder  Wescerle  abgebildet. 


232 


Johann  N'ewald:  Das  ödterreichische  Münzwesen 


Kaiser  Rudolph  II 

IX. 
Die  Münzstätte  zu  Wien. 


Kaiser  Maximilian  n.  starb  zu  Regensburg,  wohin  des 
Reichsta^^es  wegen  das  Hoflager  verlegt  worden  war,  am  12.  Oc- 
tober  1576.  Es  kann  nicht  meine  Aufgabe  sein,  die  Bedeutung 
seiner,  allerdings  nur  zwölf  Jahre  umfassenden  Regierung  zu  be- 
leuchten. Die  Administration  der  ihm  zugefallenen  Länder,  wozu 
auch  die  Pflege  des  Münzwesens  gehörte,  bewegte  sich  vorherr- 
schend in  jenen  Bahnen,  denen  die  zielbewusste  Politik  Ferdi- 
nands I.  die  Richtung  vorgezeichnet  hatte.  In  seiner  unermüdlichen 
Thätigkeit  das  treue  Ebenbild  seines  erlauchten  Vaters,  überwachte 
Maximilian  IL  mit  grosser  Sorgfalt  alle  Massnahmen  seiner  Ver- 
waltungsbehörden. Stets  bereit,  die  umfassendsten  Berichte  und 
Eingaben  zu  prüfen,  erfolgten  rasch  und  treffend  seine  Resolutionen. 
An  keinem  Hofe  Europas  wurden  damals  die  Geschäfte  so  beschleu- 
nigt erledigt  wie  in  Wien. 

Beim  Autritt  der  Regierung  Maximilians  IL  lastete  auf  dem 
Münzwesen  der  österreichischen  Länder  jener  Druck  welcher  sieh 
für  dasselbe  aus  der  Reichsmünzordnung  vom  19.  August  1559 
ergab.  Es  waren  Erwägungen  von  der  höchsten  politischen  Bedeu- 
tung die  Ferdinand  I.  zur  Uebernahme  jener  grossen  Opfer  bewogen 
hatten,  welche  aus  der  genannten  Münzordnung  für  den  Bergbau 
seiner  Länder,  sowie  überhaupt  für  Handel  und  Verkehr  in  den- 
selben hervorgingen-  Den  vom  Vater  übernommenen  Obliegenheiten 
kam  Maximilian  IL  mit  aller  Sorgfalt  nach,  und  erst  das  wieder- 
holte Drängen  seiner  Brüder,  sowie  die  obenso  dringenden  Vor- 
stellungen der  Stände  seiner  Länder  bestimmten  ihn  im  Jahre 
1573  zum  Zurücktreten  von  der  genannten  Reichsmünzordnung. 


1 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolpli  II.  und  Matiiias.  Zöö 

In  dem  ausserösterreichischen  Antheil  des  römischen  Reiches 
deutscher  Nation  hatten  sich  mittlerweile  auf  dem  Gebiete  des 
Mtinzweseus  Erscheinungen  höchst  bedenklicher  Natur  geltend  ge- 
macht. Das  Reich  war  zersetzt  in  eine  ungezählte  Menge  selbststän- 
diger, souverainer  Staatswesen,  deren  Anzahl  sich  durch  das  Auf- 
lösen vieler  Fürstengeschlechter  in  eine  Folge  von  Seitenlinien  fort 
und  fort  vergrösserte.  Kirchliche  Würdenträger  verschiedenen 
Standes,  geistliche  Körperschaften,  Männer-  und  Frauenklöster, 
reichsfreie  Städte,  welche  sich  allmälig  zu  einer  Bedeutung  erhoben 
hatten,  u.  s.  w.  u.  s.  w.  sie  alle  beanspruchten  selbstständige  Münz- 
befugnisse, so  dass  sich  die  Zahl  der  Münzstätten  in  erstaunlicher 
Weise  vermehrte.  Ueberall  betrachtete  man  die  Münzbefuguisse  als 
die  Quellen  reicher  Einnahmen  und  suchte  dieselben  in  jeder  er- 
denklichen Form  auszubeuten.  Zu  den  vielen  Münzstätten,  unter 
ihnen  nicht  wenige  von  höchst  zweifelhafter  Berechtigung,  gesellte 
sich  eine  Zahl  sogenannter  Heckenmünzen,  in  denen  die  Falsch- 
münzerei im  grossen  Massstabe  betrieben  wurde. 

Zur  Bekämpfung  der  auf  dem  Gebiete  des  Münzwesens  einge- 
rissenen höchst  bedenklichen  Uebelstände  wurden  auf  den  Reichs- 
tagen strenge  Massregeln  beschlossen;  —  Beschlüsse,  welche  ent- 
weder gar  nicht,  oder  nur  in  ganz  ungenügender  Weise  durchge- 
führt wurden.  Gerade  der  Umstand,  dass  Münzmandate  nahezu  von 
jedem  Reichstag  publicirt,  erneuert  oder  verschärft  wurden,  zeigt 
nur  zu  klar,  wie  wenig  man  dieselben  beachtete. 

Die  durch  den  Frankfurter  Deputationstag  vom  Jahre  1571  be- 
schlossene Errichtung  von  Kreismünzhäusern  (Seite  23) 
fasste  unverkennbar  eine  Massregel  in  das  Auge,  welche  für  die 
Wiederherstellung  der  Ordnung  im  Mtinzwesen  eine  grosse  Trag- 
weite hatte.  Es  ist  mir  trotz  der  sorgtaltigsten  Forschungen  nicht 
gelungen,  für  jene  Zeit  die  Errichtung  auch  nur  einer  einzigen 
Kreismünzstätte  mit  Sicherheit  nachzuweisen.  Zu  gross  war  die  An- 
zahl und  der  Einfluss  jener  Münzstände,  welche  an  dem  Fortbe- 
stande der  üblen  Münzverhältnisse  das  höchste  Interesse  hatten,  die 
auch  mächtig  genug  waren,  um  die  Durchführung  von  Beschlüssen, 
es  mochten  dieselben  für  das  Allgemeine  von  noch  so  grosser  Wich- 
tigkeit und  Nutzen  sein,  ven^iteln  /ii  kr»nnen. 


234 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Münzwesen 


Die  auf  eine  schiefe  Bahn  gerathenenMtinzzustände  gestalteten 
sich  schliesslich  zu  einer  allgemeinen  Calamität  und  führten  am  An- 
fange des  dreissigjährigen  Krieges  mit  der  sogenannten  Kipper- 
mtinze  zu  einer  Katastrophe,  wie  sie  auf  dem  Gebiete  des  Münz- 
wesens ebensowenig  früher  einmal,  sowie  nach  dieser  Zeit  in  gleich 
verheerendem  Umfange,  ein  zweites  Mal  eingetreten  ist. 

Die  iVufnahme  der  vorstehenden  Erwägungen  erschien  aus  dem 
Grunde  von  Wichtigkeit,  um  gleichsam  einen  Standpunkt  zu  ge- 
winnen, von  dem  aus  für  die  nun  folgende  Zeitperiode,  die  Gestal- 
tung des  österreichischen  Münzwesens  zu  beurtheilen  sein  wird. 

Der  Rückgang  im  Wohlstand  und  in  der  Bedeutung  der  Stadt 
Wien  als  Handelsplatz,  wecher  zunächst  durch  das  Festsetzen  der 
türkischen  Herrschaft  in  den  Balkanländern  eingeleitet  worden  war, 
trat  in  der  zweiten  Hälfte  des  XVI.  Jahrhunderts  besonders  hervor.  Der 
Handelsverkehr  auf  der  Donau  nach  dem  Orient,  bereits  auf  ein  Mini- 
mum beschränkt,  erlosch  schliesslich  nahezu  gänzlich.  In  Folge  der 
durch  die  Einfälle  der  Türken  gestörten  Sicherheit  des  Verkehres 
auf  der  alten  Handelsstrasse  über  den  Semmering  durch  Steier- 
mark, Kärnten  und  Krain  nach  Triest  und  Venedig  hatte  sich  der 
Transithandel  der  B  renn  erst  ras  se  zugewendet.  Der  Verfall 
unserer  Stadt  in  ihrer  Bedeutung  als  Handelsplatz  musste  noth- 
wendigen  Weise  auch  jenen  des  Wiener  Münzhauses  herbei- 
führen. Ein  geregelter,  continuirlicher  Betrieb  hatte  in  demselben 
längst  aufgehört.  Unterbrechungen  wiederholten  sich  immer  rascher 
und  für  längere  Dauer;  sie  dehnten  sich  schliesslich  auf  mehrere 
Jahre  aus. 

Aus  den  Acten  kann  nunmehr  mit  aller  Sicherheit  entnommen 
werden,  dass  damals  die  landeslürstlichc  Münze  in  einem  an  den 
sogenannten  Zwettlerhof  anstossenden  Hause  untergebracht  war. 
Dasselbe  hatte  Ausgänge  in  die  Wollzeile  und  Schulerstrasse 
und  Fenster  gegen  den  Stefansfreidhof.  Ehe  der  Geschäftsbetrieb 
in  demselben  während  der  Regiernngszeit  Rudolphs  IL  zur  Dar- 
stellung gelangt,  ist  es  nothwendig,  auf  den  Umstand  aufmerksam 
zumachen,  dass  in  dem  bekannten  Münzwerk  „Thalerkabinet 
von  Schu  Itess-Rechberg'',  gar  keine,  jener  Periode  ange- 
hörigen,  aus  dem  Wiener  Münzhause  stammenden  Thaler  oder  Halb- 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathias.  IdoD 

thaler  erwähnt  werden.  Es  findet  sich  dort  unter  Nr.  168  zunächst 
ein  schlesischer  Tlialer  beschrieben,  dem  nunmehr  von  Nr.  169  bis 
incl.  Nr.  205,  somit  37  Nummern,  lediglieh  Tiroler  und  Elsasser 
Thaler  und  Halbthaler  angereiht  werden.  Wollte  man  daraus  den 
Schluss  ziehen,  dass  unter  Kaiser  Rudolph  IL  aus  dem  Wiener 
Miinzhause  gar  keine  groben  Silbermünzsorten,  dass  heisst 
Thaler  und  Halbthaler,  ausgegangen  sind,  so  wtirde  man 
damit  in  einen  grossen  Irrthum  verfallen. 

Zunächst  kommt  hervorzuheben,  dass  der  Entwurf  zu  den  in 
Wien,  in  den  böhmischen  Mttnzhäusern  und  zu  Kremnitz  bis  zum 
Jahre  1603  geprägten  Thalern  und  Halbthalern  Rudolphs  11.  von 
Antonio  Abondio  ausgegangen  ist.  Ein  Gussoriginal  dieses  Ent- 
wurfes aus  Silber  befindet  sieh  im  k.  k.  Münzkabinet  in  Wien,  ein 
zweites  in  der  Sammlung  des  Herrn  Max  Donebauer  in  Prag. 
Dieser  von  Rudolph  H.  genehmigte  Entwurf  zeigt  auf  der  Vor- 
derseite das  ziemlich  jugendliche,  wenig  bebartete  Brustbild  des 
Kaisers  von  der  rechten  Seite,  im  Harnisch  mit  einem  runden 
schmalen  Faltenkragen,  ohne  Lorbeer  u  n  d  o  h  n  e  Y 1  i  e  s  s  k  e  1 1  e, 
den  Mantel  auf  der  Schulter  mit  einem  runden  Kleinod  befestigt. 
Die  im  Rücken  des  Brustbildes  beginnende  Umschrift  lautet: 
„Rvdolphvs  :  II  :  D  :  G  :  Rom  :  Imp  :  S  :  A  :  G  :  H  :  B :  Rex".  Unter 
dem  Brustbilde  An  :  Ab  :  (Antonio  Abondio).  Die  Rückseite  zeigt 
den  frei  schwebenden  zweiköpfigen  Adler  mit  ziemlich  eingezogenen 
Flügeln  und  starken  freien  Fängen.  Ueber  den  Köpfen  schwebt 
eine  Bilgelkrone,  wobei  mit  leichten  Kreislinien  die  Kopfscheine  des 
Adlers  angedeutet  sind.  Auf  der  Brust  des  Adlers  liegt  der  Reichs- 
apfel, neben  demselben  freischwebend  rechts  das  Schwert, 
links  das  Zepter.  Die  Umschrift  beginnt  oben  neben  der  Krone  mit: 
„Archidvx  Avstriae,'^  —  auf  der  zweiten  Seite:  ,,Dvx  :  Bvrg : 
March  :  M:  Der  Zwischenraum  blieb  fiir  di»'  AnlnlnL-inii:  dos  Münz- 
rneisterzeichens  bestimmt «) 


>)  Antonio  Ab  onclio,  einer  der  tüchtigsten  Med;iilleuro  aller  Zeiten, 
befand  sich  schon  unter  Maximilian  IL  in  Wien.  Von  Kaiser  Rudolph  11.  wurde 
er  zum  „Contrafecter  und  wirklichen  in  Unsern  Htjfstaat  publicirten  Diener" 
resolvirt.  Ueber  Antrag  des  Erzherzogs  Ernst  ddo.  Wien,  7  Jänner  1577  wurde 
ihm  mit  der  kaiserlichen  Resolution  ddo.  Prag,  1>.  Februar  1577  „ilas  Heusl  am 
Neuen  Markht  zu  Wienn-'.    w'*i'  »'"<    K->\«'y   MMvin.ili.-n.  TT   rlm.  K.-iinuu'rdieiier 


236 


Johann  Newald  :  Das  österreichische  Münzwesen 


Unter  dem  Münzmeister  Adam  Hartman  wurden  im  Wiener 
Münzhause  die,  aus  Anlass  der  am  22.  März  1577  zu  Prag-  stattge- 
fundenen Beisetzungsfeierlichkeiten  des  Kaisers  Maximilian  IL  aus- 
geworfenen Gedächtnisspfennige  geprägt.  Erzherzog  Ernst  hatte 
Bildniss  und  Revers  derselben  mit  dem  Kammerath  von  Strein  ent- 
worfen. Mit  dem  Erlass  ddo.  Prag,  6.  Februar  1577,  sprach  der 
Kaiser  seine  Zustimmung  mit  dem  ,,abriss"  und  mit  dem  Antrag 
über  die  Sorten  und  Anzahl  der  auszuprägenden  Stücke  aus,  die 
Weisung  anschliessend,  es  möge  mit  Beschleunigung  zur  Anferti- 
gung der  Pfennige  geschritten  werden,  dass  sie  bis  zur  Vornahme 
der  „exequien"  in  Prag  sind.  i) 

Die  Amtsführung  des  Münzmeisters  Adam  Hartman  gab  zu 
verschiedenen  Beschwerden  Anlass,  so  dass  ihm  der  Dienst  bis 
Ende  October  1579  gekündet  wurde.  Eines  dabei  unterlaufenen 
Verstosses  wegen  miisste  ihm  die  Besoldung  bis  Ende  1579  ausbe- 
zahlt werden.  Mit  dem  Erlasse  ddo.  Wien,  5.  März  1580  wurde 
demselben  das  nach  Abschluss  seiner  Rechnungen  für  ihn  verblie- 
bene Guthaben  von  4000  Gulden  auf  das  Ober-Dreissigamt  in  lin- 


der Kaiseriu,  Saudiuausio  auf  dessen  Lebtag  überhissen  liatte  und  nun  frei 
geworden  war,  auf  Wohlgefallen  verschrieben.  Abondio  hatte  „dieses  Heusl 
wesentlich  vnd  baulich  zu  erhalten."  K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  130,  Fol.226^ti-b, 
und  Nr.  132,  Fol.  Sl'^t'^  Die  in  Rede  stehende  Behausung  wurde  später  in  den 
nunmehr  Schwarzenbergischen  Häusercomplex  verbaut.  Vergl.  Ber.  des 
Alterthumsvereines  Bd.  X.  1869,  S.  141.  Abondio  befand  sich  wiederholt  in 
Geldverlegenheiten.  Von  seineu  Gläubigern  gedrängt  wendete  er  sich  um  eine 
Aushilfe  an  den  Kaiser.  Mit  der  Resolution  ddo.  Prag,  16.  Jänner  1580  ge- 
wärte  Rudolph  IL  den  Betrag  von  1000  fl.  ruft  jedoch  Abondio  an  das  Hof- 
lager nach  Prag.  Gdkb.  Nr.  394,  Fol.  7,  auch  Nr.  139,  Fol.  297.  Im  Jahre  1582 
scheint  derselbe  den  Austritt  aus  dem  kaiserlichen  Dienst  beabsichtigt  zu 
haben,  denn  mit  dem  Erlasse  an  die  böhmische  Kammer,  ddo.  3.  Juni  1582 
wird  dieselbe  beauftragt,  sie  habe  dem  „  Anthonio  Abondi  Hof-Contrafeter,  da 
er  bei  solchem  seinen  Dienst  noch  lenger  zubleiben  zugesagt,  300 
Thaler  Gnadengeld,  und  100  Thaler  Hofbesoldung  zu  reichen.  Gdkb.  Nr.  318, 
Fol.  101. 

1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  132,  Fol.  99.  Die  Beschreibung  dieser  Aus- 
wurfmünzen findet  sich  bei  Voigt:  Böhmische  Münzen,  HL  Bd., Seite  210  letzte 
Post.  Das  k.  k.  Münzkabinet  bewahrt  Gold-  und  Silberexemplare  dieses 
Jetons. 


imer  den  Kaisern  Maximilian  IL.  1{ii,l 


237 


garisch-Altenbiirg  verschrieben,  i )  Es  verfloss  eine  lieihe  von  Jahren, 
bis  der  erledigte  Dienstplatz  neuerdings  besetzt  wurde.  Mittlerweile 
war  der  Wiener  Mtinzprägebetrieb,  und  zwar  schon  seit  dem  Jahre 
1578  an  einen  Unternehmer  überlassen.  Es  war  dieses  Bartholo- 
mäus Albrecht  und  „Mitverwandte"  aus  Nürnberg.  Sie  hatten 
sich  schon  unter  Maximilian  IL  bei  Lieferungen  von  Tuch  und 
Rüstungsgegenständen  als  rührige  Geschäftsleute  gezeigt.  Mit  der 
Resolution  ddo.  Prag,  11.  März  1575  hatte  ihnen  Maximilian  U.  den 
Betrag  von  5000  Gulden  auf  das  Dreissigstamt  zu  Tyrnau  ver- 
schrieben. 2)  Vom  Jahre  1578  bis  1580  beschränkte  sich  der 
Geschäftsbetrieb  dieser  Unternehmer  vorherrschend  auf  die  Aus- 
mtinzung  von  Dukaten  und  Thalern  in  Wien.  Schon  im  Jahre  1580 
kam  hiezu  Prag,  später  auch  Kuttenberg.  3)  Noch  in  einem  Erlasse 
ddo.  Prag,  9.  Juni  1588  wurde  darauf  hingewiesen,  dass  die 
von  1578  bis  1580  in  Wien  ausgemünzten  Dukaten  und  Thaler 
geringhaltig  waren,  man  entschuldigte  den  Mangel  jedoch  durch 
den  Umstand,  dass  damals  weder  ein  Münzmeister  noch  ein 
Wardein  bestellt  war.*)  Bartholomäus  Albrecht  hatte  es  über- 
nommen, die  in  grosser  Menge  in  den  Erbländern  verbreiteten 
leichten  Münzen  einzulösen  und  in  gute  Sorten  umzuprägen.  Aus 
den  Acten  lässt  sich  mit  Bestimmtheit  nicht  entnehmen,  ob  er  das 
Geschäft  im  landesfürstlichen  Münzhause,  oder  aber  in  einem  an- 
deren zu  diesem  Zwecke  adaptirten  Locale  durchführte.  In  Wien 
dürfte  das  letztere  der  Fall  gewesen  sein. 

Die  Stempel  zu  den  von  Bartholomäus  Albreeht  ausgegebenen 
Thalern  sind  nach  dem  von  Antonio  Abondio  vorgelegten  Entwürfe, 
jedoch   von    einem    wenig   geübten    Stempelschneider   angefertigt 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.,  Nr.  136,  Fol.  225vers.  und  Fol.  26«iv^r\  Ein  Be- 
richt sagt:  „Unter  Adam  H;irtmann  habe  man  mit  Schaden  gehauset,  diesem 
hat  man  8000  Gulden  Verlaggelder  zu  7%  jährlich  verzinset,  und  man  ist  ihm 
bald  12.245Gulden,  4  Schilling,  7  Denar  schuldig  geworden."  Faso.  IT'UT  auch 
Gdkb.  Nr.  142,  Fol.  502. 

2)  Daselbst  Gdkb.  Nr.  399,  Fol.  25v-r8. 

3)  Daselbst  Fase.  17319.  Verschiedene  Umstände  deuten  daraufhin,  dass 
die  Unternehmer  im  Jahre  1578  gleichzeitig  mit  Wien  auch  zu  Prag,  wenn  aucli 
hier  nur  in  beschränktem  Umfange  eine  Thalerprägung  eröffnet  hatten. 

*)  Daselbst  Gdkb.  Nr.  321,  Fol.  93. 


238 


Johann  Newald:   Das  österreichische  Müu2 


worden.  Sie  lassen  eine  grosse  Eile  bei  ihrer  Herstellung  erkennen. 
Die  Münzen  werden  namentlich  in  den  letzten  Jahren  des  Albreeht- 
schen  Geschäftsbetriebes  in  auffälliger  Weise  unschön,  namentlich 
ist  dieses  von  der  Rückseite  der  Fall,  wo  der  Doppeladler,  welcher 
mit  einer  Zahl  einzelner  Punzen  auf  das  Stempeleisen  geschlagen 
wairde,  eine  höchst  unförmliche  Gestalt  besitzt.  Der  Münzbetrieb 
des  Bartholomäus  Albrecht  wird  uns  später  zu  eingehenden  Erörte- 
rungen Anlass  geben,  bei  welcher  Gelegenheit  auch  die  von  ihm 
ausgegangenen  Münzen,  namentlich  Thaler  besprochen  werden. 

Kaiser  Rudolph  IL  war  im  Herbst  1583  mit  dem  gesammten 
Hofstaat  zum  bleibenden  Aufenthalt  nach  Prag  übersiedelt,  und 
hatte  mit  der  Resolution  ddo.  Prag,  8.  November  1583  die  Leitung 
der  in  Wien  zurückgebliebenen  Regierungsabtheilung  an  seinen 
Bruder  Erzherzog  Er  nst  übertragen.  *) 

Im  Wiener  Münzhause  hatte  nach  dem  Abgange  des  Münz- 
meisters Adam  Hartman  der  Betrieb  in  landesftirstlicher  Regie  ganz 
aufgehört,  wozu  nicht  wenig  die  Geschäfte  des  Bartholomäus  Al- 
brecht beigetragen  hatten.  Hartman  starb  im  Anfange  des  Jahres 
1582.  Seine  Witwe  Anna  Maria,  geborne  Silbersperg,  erklärte  sich 
unterm  13.  Februar  1582,  zur  bestandweisen  Uebernahme  des 
MUnzamtes  bereit.  Eine  gleiche  Erklärung  hatte  auch  Hanns  Hart- 
man, ein  Bruder  des  verstorbenen  Münzmeisters,  vorgelegt.  Mit  Er- 
lass  vom  3.  März  1582  wurde  die  Witwe  Hartman  zur  Einbringung 
ihrer  Anträge  aufgefordert,  worüber  sie  unterm  6.  März  1582  einen 
Termin  vonl4Tagen,  um  denRath  ihrer Aeltern einholen  zu  können, 
verlangte.  Die  Verhandlungen  zerschlugen  sich  resultatlos.  2)  Das 
Trostlose  der  obwaltenden  Zustände  wird  durch  den  Umstand  be- 
sonders dargethan,  dass  man  sogar  mit  einer  Frau  wegen  Ueber- 
nahme des  Münzamtes  in  Verkehr  trat. 

Das  Münzwesen  anbelangend,  richtete  Erzherzog  Ernst  an  den 
Kaiser  ddo.  Wien,  23.  Juni  1584  eine  eingehende  Eingabe.  Der 
Erzherzog  bemerkt  im  Eingange,  dass  das  Wiener  Münzmeisteramt 
schon  seit  Jahren  ,,vaciret,  thut  darwider  vasst  meniglich  schreyen 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  304,  Fol.  519. 

2)  Daselbst  Fase.  17508. 


239 


vnnd  sich  dessen  beclageii.'*  Der  Wardeii]  Thomaii  Händl  habe 
sieh  zur  Uebernahme  desselben  erboten,  er  wolle  alle  Auslagen  aus 
Eigenem  bestreiten  „auch  noch  darüber,  wiewol  es  Ime  schwiirlich 
zuerschwingen  sein  wurde,  järlich  100  Gulden Bestandtgeltrai eben.'' 
Der  Erzherzog  bemerkt  weiter:  Da  die  Pachtgabe  gegen  die  Reichs- 
münzordnung verstösst,  auch  aus  anderen  Ursachen  ,,hab  Ich  meines 
Theils  wieder  solche  Bestandtyerlassung  bisher  Bedennkhen  ge- 
habt.'' Es  bleibe  kein  anderer  Ausweg  als  dass  das  Münzwesen 
„der  Reichsmiinzordnung  nach,  auf  Raittung  gehandelt,  vnnd  mit 
einem  tanglichen  Münzmeister  ersetzt  werde". 

Es  werde  dieses  grosse  Auslagen  verursachen,  „dann  erstlich 
so  werden  auf  den  Münzmaister  järlicher  Besoldung  oder  Vnder- 
haltung  laufFen  400  Gulden  zum  anndern  so  muess  man  zu  dem 
Münzwesen  aufs  wenigste  4000  Gulden  Verlaggelt  haben,  die  khan 
man  vnndter  7  per  Cento  nit  aufbringen,  das  bringt  auch  järlich 
280  Gulden.  So  kann  man  aines  Gwardeins  auch  nit  endtraten, 
der  vnnder  80  Gulden  järlicher  Besoldung  nit  zu  bestellen  wierdet 
sein.  Bringen  also  diese  Posten  zusammen  760  Gulden.  Nun  will 
gleichwoll  bedenkhlich  und  beschwerlich  sein,  dass  Evr  Kays.  Mt. 
bey  denen  one  das  vbrigen  hohen  obliegen,  ain  solchen  grossen  Vn- 
kosten  järlich  tragen  und  anwenden  sollen.  Weill  aber  dafür  ge- 
halten wirdet,  das  neben  den  hieuor  gemelten  Vrsachen,auch  dieses 
zu  bedenkhen,  das  die  Erzherzogen  zu  Österreich  in  diesen  Lannden 
von  alters  hero  mit  ainem  solchen  priuilegio  versehen,  auch  dasselb 
als  ein  sonnder  Zier  billich  in  ybung  vnnd  esse  also  zu  erhallten", 
wird  beantragt,  es  möge  der  Kaiser  die  Verluste  beim  Münzwesen 
übernehmen  und  die  Wiederbesetzung  des  Münzamtes  genehmigen. 
Nachdem  auch  die  anwesende  Hofkammer  diesen  Ausführungen 
beitrat,  genehmigte  der  Kaiser  mit  der  Resolution  ddo.  Prag, 
29.  Juni  1584  diese  Anträge.  0 

Ueber  Vorschlag  der  niederösterreichisclien  Kammer  bestellte 
Erzherzog  Ernst  unterm  2.  November  1584  den  Wiener  Gold- 
schmied Lorenz  Hu ebm er  als  Wardein.  Die  Münzprägung  wurde 
nunmehr  am  1.  Jänner  1585  eröffnet.  Der  neue  Münzmeister 
Thomas  Händl  beantragte  ddo.  Wien,  G.April  1585  die  Bestellung 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Faec.  17508. 


240 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Miinzwesen 


des  Jakob  Scherer  als  Münzeisenschneider  und  bemerkte,  dass 
sich  „Herr  Abundio  erpotten  er  wolle  was  Scherer  nitt  verstett  Ime 
solches  zaigen  vnd  weisen."  i)  Die  Ausmünzung  anbelangend  be- 
merkt Händl,  dass  beim  Ausprägen  von  „Pfundtner- Thaler, 
i/g  Pfundner  und  10  Kreuzer"  nach  der  Reichsmünzordnung 
(Guldenthaler)  die  feine  Mark  Silber  nicht  höher  als  auf  12  Gulden 
15  Kreuzer  ausgebracht  wird,  womit  die  Auslagen  und  Prägekosten 
nicht  bestritten  werden  können,  daher  allerorts  das  Prägen  der 
Guldenthaler  eingestellt  wird.  Er  betont,  dass  in  Wien,  wie  in  den 
Bergstädten  und  zu  Hall  im  Gehalt  vonl4Loth  fein  ausge- 
münzt werden  sollte,  woraus  sich  per  Mark  ein  Nutzen  von 
41  Kreuzer  ergeben  würde,  ,, davon  khundt  Ihr  Mt.  wol  bestehn."  3) 
Der  erst  seit  1.  Jänner  1585  amtirende  Münzmeister  Thomas 
Händl  starb  schon  um  die  Mitte  August  1587.  Mit  der  Eingabe 
vom  29.  August  1587  bittet  der  Ward  ein  Lorenz  Huebmer  um 
den  erledigten  Dienstplatz  mit  der  Erklärung,  er  wolle  1000  Gulden 
Verlagsgelder  und,  falls  später  ein  grösserer  Betrag  nöthig  sein 
sollte,  auch  diesen,  gegen  Verzinsung  zur  Pagamenteinlösung  ver- 
wenden. 3)  Erzherzog  Ernst  richtete  über  diese  Angelegenheit  ddo- 
Wien,  25.  September  1587  eine  Eingabe  an  den  Kaiser,  aus  welcher 
sich  neuerdings  ein  Einblick  in  die,  im  Wiener  Münzhause  obwal- 
tenden Zustände  ergibt.  Der  Erzherzog  betont  zunächst,  dass  dem 
verstorbenen  Thoman  Händl  das  Mtinzmeisteramt  am  1.  Jänner 
1585  gegen  dem  eingegeben  wurde,  dass  er  ein  Verlagsgeld  von 
4000  Gulden  gegen  7  Percent  Verzinsung  leistet  und  400  Gulden 
als  Amtsbesoldung  zu  beziehen  habe.  Die  Rechnung  des  Jahres 
1585  hatte  beim  Wiener  Münzbetrieb  einen  Verlust  von  nahe 
600  Gulden    ausgewiesen.    Es   wurde    nunmehr   der    Verlag    auf 


1)  Scherer  war  schon  vom  Münzmeister  Hartman  als  Eisenschneider  aufge- 
nommen worden,  ohne  hiezu  die  Genehmigung  nachgesucht  zu  haben.  Die 
niederösterreichische  Kammer  meldete  unterm  28.  Juni  1578  an  den  Erzherzog 
Ernst,  bei  dem  Umstände,  dass  dermalen  sehr  wenig  gemünzt  wird  und  man 
einen  Eisenschneider  jederzeit  in  Wien  haben  kann,  lässt  sich  die  Besoldung 
ersparen,  daher  Scherer  seines  Dienstes  zu  entlassen  wäre.  K.  k.  H.  K.  A. 
Fase.  17508. 

2)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  17315.  Auf  die  Thalerprägung  im  Feingehalt  von 
14  Loth  zu  Kremniz  und  Hall  werden  wir  später  zurückkommen. 

3)  Daselbst  Fase.  17508. 


uuter  den  Kaisern  Maximiliav  Ft     T>,,.iA|ph  Tl.  und  Mathias 


241 


2000  Gulden  herabgesetzt,  und  wollte  man  auch  die  Münzmeister- 
besoldun^  auf  200  Gulden  mindern.  Händl  ging  wohl  in  die  7  per- 
centige  Verzinsung  von  nur  2000  Gulden  Verlagsgelder  ein,  einer  Re- 
duction  der  Besoldung  stimmte  er  nicht  bei,  daraufhinweisend,  dass 
er  verschiedene  Diener  bei  der  Münze  erhalten  müsse  und  unter 
400  Gulden  nicht  auslangen  könne.  Die  Eingabe  bemerkt,  dass  der 
bisherige  Wardein  Lorenz  Huebmer  das  Münzmeisteramt  gegen 
Verzinsung  von  1000  Gulden  Verlagsgelder  zu  7  Percent  und  der 
Besoldung  von  300  Gulden  Rhein,  und  dazu  auch  das  Wechselamt 
gegen  Verrechnung  übernehmen  wolle.  An  Stelle  desselben  wird 
der  Sohn  des  verstorbenen  Münzmeisters,  Andräe  Händl  als 
Wardein  in  Vorschlag  gebracht.  Diese  Anträge  wurden  von  Ru- 
dolph IL  ddo.  Prag,  6.  October  1587  genehmigt.  Welche  Unord- 
nungen und  Unzukömmlichkeiten  im  Wiener  Mtinzhause  unter  den 
Münzarbeitern  eingerissen  waren,  lässt  sich  aus  einer  Instruction 
entnehmen,  welche  in  dieser  Angelegenheit  dem  neu  eingetretenen 
Münzmeister  Lorenz  Huebmer  ertheilt  werden  musste.  Dieselbe 
wird  in  der  Beilage  2  mitgetheilt.  *) 

Der,  wie  es  scheint  plötzlich  eingetretene  Tod  des  Münz- 
meisters  Händl  veranlasste  Verhandlungen,  welche  in  mehrfacher 
Beziehung  von  Interesse  sind.  Erzherzog  Maximilian,  Deutsch- 
ordens-Hochmeister  hatte  zum  Zwecke  einer  Thalerprägung  Silber 
in  die  Wiener  Münze  gegeben.  Durch  die  nach  dem  Ableben 
des  Münzmeisters  erfolgte  Amtssperre  wurde  die  Vollendung  der 
Prägung  gehemmt.  Da  der  Erzherzog  die  Ablieferung  seiner  Münzen 
betrieb,  bat  der  Wardein  Lorenz  Huebmer  mit  der  Eingabe  vom 
28.  August  1587  um  die  Ausfolgung  des  erzherzoglichen  Silbers. 
Die  niederösterreichische  Kammer  ertheilte  noch  an  demselben 
Tage  die  erforderlichen  Weisungen.  ■^)  Ausser  jenen  Thalern,  welche 


1)  K.  k.   H.  K.  A.,  Fase.  17508,  auch  Gdkb.  Nr.  150,  Fol,  197'er». 

2)  Daselbst  Fase.  17508.  Ein  Exemplar  des  im  Wiener  Münzhanar  nu 
Jahre  1587  für  den  Deutschordens-Hochmeister  Erzherzog  Maximilian  ge- 
prägten Thalers  befindet  sich  im  k.  k.  Münzkabinet,  Er  ist  im  Thalercabinet 
von  Schultess-Rechberg  unter  Nr.  4963,  auch  bei  Dr.  B.  Dudik  „Deutsch- 
ordens-Münzsammlung"  Seite  178,  Nr.  182  beschrieben.  Der  Stempel  dieses 
Thalers,  namentlich  des  Brustbildes,  ist  eine  schwache  Arbeit.  Er  dürfte  vom 
Eisenschneider  Jakob  Scherer,  dessen  geringe  Kunstfertigkeit    oben   betont 


:m 


242 


Joha 


für  den  Erzherzog-  Maxmilian  geprägt  wurden^  fand  im  Jahre  1587 
im  Wiener  Mtinzhause  auch  noch  die  Ausprägung  von  Thalern 
Kudolphs  IL,  jedoch  nur  im  massigen  Umfange  statt.  Wegen  Mangel 
an  Silber  wurde  der  Betrieb  in  das  Jahr  1588  hinüber  reichend, 
während  23  Wochen  unterbrochen.  Mit  dem  Erlasse  ddo.  Wien, 
7.  Februar  1589  wurde  dem  Münzmeister  Huebmer  ein  Wartgeld  von 
1  Gulden  per  Woche  genehmigt.  <)  Dessen  Geschäftskenntniss  und 
Thätigkeit  führten  jedoch  bald  eine  wesentliche  Steigerung  des 
Münzbetriebes  herbei.  Im  Anfange  des  Jahres  1592  schritt  derselbe 
um  die  Erhöhung  seiner  Besoldung  von  300  auf  400  Gulden  jähr- 
lich und  um  die  7percentige  Verzinsung  von  2000  Gulden  Verlagsgeld 
statt  wie  bisher  1000  Gulden  ein.  Im  Vorlagebericht  ddo.  7.  März 
1592  weiset  die  niederösterreichische  Kammer  auf  die  üblen  Be- 
triebsergebnisse unter  den  zwei  vorhergehenden  Münzmeistern  hin, 
sie  betont,  dass  dem  entgegen,  Huebmer  bis  Ende  1591  Gold  und 
Silber  im  Betrage  von  164.150  Gulden,  1  Schilling,  19  Denar  einge- 
löst und  vermünzt,  daraus  einen  Münzüberschuss  von  1937  Gulden 
4  Schilling,  12  Denar  erzielt,  auch  überdies  zur  Reparatur  des  Münz- 
hauses  bei  700  Gulden  verwendet  habe,  und  beantragt  schliesslich 
die  Gehaltserhöung  von  300  auf  400  Gulden,  bezüglich  des  Verlags- 
geldes werde  sich  Huebmer  noch  zu  gedulden  haben. 

Erzherzog  Mathias  genehmigte  die  Gehaltserhöhung  schon  mit 
dem  Erlass,  ddo.  Wien,  17.  März  1592,  vom  1.  Jänner  1592  be- 
ginnend, weil  Huebmer  seinem  Amt  bisher  „treulich,  vleissig  vnd 
nützlich  vorgestanden".  2) 

T'eber  die  damalige  Geschäftsvertheilung  im  Wiener  Münz- 
hause gibt  ein  zwischen  dem  Mtinzmeister  und  dem  Wardein  ausge- 
brochener Streit  einige  AufTclärung.    Der  Wardein  Andrae  Häudl 


wurde,  hergestellt  worden  sein.  Erzherzog  Maximilian  Hess  im  Wiener  Münz- 
hause, und  zwar  im  Jahre  1581»  auch  Dukaten  prägen,  zu  welchem  Ende  er  10 
Mark  Gold  erkauft  und  dem  Münzmeister  Huebmer  übergeben  hatte.  Die  mit 
27  Gulden  46  Kreuzer  berechneten  Prägekosten  wurden  von  der  Hotliammer 
nachgesehen  und  ergingen  in  dieser  Angelegenheit  ddo.  Wien,  12.  Jänner  1590 
Erlässe  an  den  Münzmeister  Huebmer  und  an  den  Pfennigmeister  des  Erzherzogs 
Herrn  v.  Staging.  K.  k.  H.  K.  A.  Gdkb.  Nr.  152,  Fol.  181.  Durch  das  Vor- 
stehende ergänzen  sich  die  Angaben  bei  Dudik  1.  c.  Seite  177  u.  f. 

1)  K.  k.  H.  K.  A.  Fase.  17317. 

a)  Daselbst  Fase.  17508,  auch  Gdkb.  Nr.  3r)4,  Fol.  339ver3. 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathlas.  ^'±i> 

hatte  sich  beschwert,  dass  der  Mlinzmeister  Huebmer  das  Gold- 
und  Silberscheiden  betreibe  und  ihm  dadurch  seinen  Verdienst 
schmälere ;  er  hob  hervor,  dass  sein  Vater  als  Wardein  durch  viele 
Jahre  die  Scheiderei  betrieben  habe.  Die  in  dieser  Angelegenheit 
vernommene  niederösterreichische  Kammer  sagt  im  Bericht  vom 
10.  October  1592,  dass  die  Bestellung  eines  eigenen  Scheiders  bei 
dem  geringen  Ertrag  der  Münze  nicht  thunlich  sei,  dass  der  frühere 
Wardein  das  Geschäft  aus  dem  Grunde  betrieben,  v^^eil  die  Münz- 
meister hiezu  nicht  befähigt  waren;  dass  es  nicht  gut  angehe,  einer 
und  derselben  Person  das  Scheiden  und  zugleich  auch  das  Probiren 
anzuvertrauen  und  beantragt  schliesslich,  dass  dem  Münzmeister 
das  Scheiden,  dem  Wardein  das  Probiren  zu  übertragen  wäre,  nach 
welchem  Vorschlage  Erzherzog  Ernst  schon  unterm  24.  October 
1592  die  Entscheidung  fällte,  i) 

Es  dürfte  nunmehr  am  Orte  sein,  um,  wenn  auch  nur  in  den 
allgemeinsten  Beziehungen,  auf  jene  Zustände  hinzuweisen,  welche 
sich  aus  dem  Ueberwuchern  von  kleinen  Münzständen  in  den  ausser- 
österreichischen  Ländern  des  deutschen  Reiches  ergaben.  Eine 
genügende  Ueberwachung  oder  Controle  des  Betriebes  in  den  Münz- 
häusern derselben  war  umsoweniger  durchführbar,  da  es  vorherr- 
schend kleine  Geldsorten  waren,  welche  aus  diesen  Münzhäusern 
ausgingen,  bei  denen  eine  leichtere  Ausstücklung,  das  heisst  eine 
Verschlechterung  des  Schrotes  einerseits,  sowie  ein  Rück- 
gang im  Korn,  dass  heisst  eine  Verminderung  des  Feingehal- 
tes anderseits  am  leichtesten  durchführbar  war.  Die  Länder  wurden 
mit  einem  Uebermasse  von  geringhaltigen  Kleinmünzen  über- 
schwemmt, denen  noch  jene  schlechten  Geldsorten  beizuzählen 
waren,  welche  aus  der  Schweiz  und  Norditalien,  namentlich  aber 
aus  Polen  nach  Deutschland  gebracht  wurden  und  in  den  öster- 
reichischen Ländern,  wo  das  Ausprägen  kleiner  Geldsorten  nur  in 
massigem  Umfange  stattfand,  das  beste  Absatzgebiet  fanden. 

Das  richtige,  dem  Bedürfnisse  des  Handels  und  Verkehres 
entsprechende  Verhältniss  zwischen  den  guten  groben  Mliuzen  und 
den   kleinen  Scheidemünzsorten    war   längst   verloren   gegangen, 


1;  K.  k.  H.  K.  A  ,  ra^^c.  17317. 

1«;* 


244 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Münzwesen 


woraus  sich  aus  dem  Uebermasse  der  letzteren  dazu  noch  gering- 
haltigen Geldsorten  eine  Werthsteigerung  der  guten  groben  Münzen 
nur  zu  bald  ergeben  musste,  die  eine  empfindliche  Theuerung  und 
Preiserhöhung  aller  Feilschaften  zur  unvermeidlichen  Folge  hatten. 
Zahllos  waren  die  Beschwerden^  welche  über  diese  mit  einer  allge- 
meinen Calamität  drohenden  Uebelstände  auf  den  Reichs-  und  Kreis- 
tagen erhoben,  auch  von  den  Mtinzprobations-Commissionen,  von 
den  grossen  Handelsstädten  u.  s.  w.  bei  der  Reichsregierung  ein- 
gebracht wurden.  Man  beantragte  die  strengsten  Massregeln.  Die 
grossen  Marktplätze  —  unter  den  österreichischen  Städten  wird 
Linz  genannt  —  sollten  überwacht,  den  Handelsleuten,  welche  die 
guten  Münzen  gegen  leichte  Sorten  einwechseln,  um  erstere  in  die 
kleinen  Münzhäuser  zum  Umprägen  in  leichte  Sorten  zu  liefern  oder 
auch  gänzlich  auszuführen,  wären  im  Betretungsfalle  ihre  gesamm- 
ten  Barschaften  zu  confisciren,  die  strengsten  Verbote  sollten  gegen 
die  Einfuhr  schlechter  Gelder  und  die  Ausfuhr  der  guten  Münzen 
erlassen  werden  u.  s.  w. 

lieber  diese  Anträge  wurden  zahlreiche  Mandate  mit  den 
schärfsten  Strafandrohungen  erlassen  und  häufig  erneuert.  Der 
Erfolg  derselben  war  ganz  untergeordnet.  Trotzdem  wurde  von 
keinem  der  zahlreichen  Beschwerdeführer  die  Einrichtung  der 
Kreismünzstätten  in  Vorschlag  gebracht.  Hätte  man  dieselben 
im  Sinne  der  schon  im  Jahre  1571  gefassten  Beschlüsse  organisirt, 
so  wäre  dadurch,  und  zwar  in  Folge  der  Betriebssperre  in  den 
kleinen  Münzhäusern  die  Ausgabe  kleiner  geringhaltiger  Münzen 
im  Bereiche  der  deutschen  Länder  eingestellt  gewesen,  wodurch  die 
Zurückweisung  der  ausländischen  schlechten  Geldsorten  wesentlich 
erleichtert  worden  wäre.  Den  Beschwerdeführern  handelte  es  sich 
offenbar  gar  nicht  um  die  Behebung  der  von  ihnen  wiederholt 
geschilderten  Uebelstände  —  sie  würden  damit  nur  ihrem  eigenen 
Interesse  geschadet  haben  —  der  Reichsregierung  gebrach  es  hiezu 
längst  an  der  erforderlichen  Macht. 

Für  die  österreichischen  Länder,  auf  deren  Ausbeutung  es 
unverkennbar  ziinächst  abgesehen  war,  ergaben  sich  aus  den 
geschilderten  Münzverhältnissen  grosse  Uebelstände.  Unterm  3L  März 
1584  richteten  die  Reich shofräthe  an  die  Hofkammer  eine  Note,  in 
welcher  auf  das  Umsichgreifen  der  schlechten  Geldsorten  und  auf 


unter  den  Kaisern  Maximilian  IT.,  Kudojpti  II.  uml  .Mathias. 


245 


die  dadurch  herbeigeführte  Werthsteigerung  der  guten  MUuzen, 
endlich  auf  den  Naehtheil  hingewiesen  wurde,  welcher  daraus  dem 
Kaiser  an  den  Reichssteuern  zugeht.  Die  Note  betonte,  dass  nach 
dem  Reichstagsschlusse  die  Kreise  zusammentreten  mögen,  „um 
alle  solche  wider  die  Mlinzordnung  einreissende  mengel  für  Handt 
zu  nemmen,  vnd  von  steiffer  wlirklicher  Handthabung  dess  Mlinz- 
Edicts  rathschlagen  handien  und  schliessen  sollen;"  —  die  Hof- 
kammer möge  zu  diesem  Ende  ihren  Einfluss  geltend  machen.  Aus 
den  Verhandlungen  lässt  sich  entnehmen,  dass  der  Reichshofrath 
und  die  Hofkammer  den  herrschenden  Schwierigkeiten  rathlos 
gegenüberstanden,  i)  In  trostloser  Weise  schleppten  sich  die  leidigen 
Münzzustände  fort.  Aus  Augsburg,  ddo.  13.  Mai  1605  stellten  die 
Räthe  der  im  Münzwesen  vereinigten  drei  Kreise  Franken,  Schwa- 
ben und  Baiern  an  Kaiser  Rudolph  H.  die  Bitte,  er  möge  alsbald 
den  Erzbischof  und  Kurfürst  zu  Mainz  als  Reichserzkanzler  wegen 
Ausschreibung  eines  allgemeinen  Münztages  für  alle  zehn  Kreise 
veranlassen,  a)  Kurfürst  Johann  Seh  weikhard  von  Cronberg 
scheint  dem  Antrage  wenig  geneigt  gewesen  zu  sein.  Dieselben 
Räthe  bringen  ddo.  Nürnberg,  5.  October  1605  an  die  Reichsregie- 
rung eine  neue  Eingabe  ein,  in  welcher  sie  Beschwerde  erheben, 
dass  des  oberrheinischen  Kreises  geistliche  und  weltliche  Stände 
„mit  Verkhaufung  Ihrer  Münzfreiheiten,  Ufrichtung  vnnterschiedt- 
licher  neuer,  verbottener  Hecken-Münzstätt,  mit  vberheuften  Münzen 
der  kleinen  boesen  Sorten  sich  vnterstandan :  Alles  den  Reichs- 
Constitutionibus  vnnd  Münz-Edict  zu  sonnderbarer  Verachtung" 
und  schliesslich  um  Abhilfe  bitten.») 

Die  österreichischen  Erbländer  speciell  betreffend,  schilderte 
der  bereits  erwähnte  Münzunternehmer  Bartholomäus  Albrecht  in 
einer  Eingabe  ddo.  Prag,  1.  December  1606  die  bestandene  grosse 
Münzverwirrung;  er  sagte  unter  anderm:  „das  ein  zimbliche  lange 
Zeit  her  ganze  Härringstonnen  voll  Pfennig"  in  die  kaiserlichen 
Länder  eingebracht  wurden,  welche  ausserordentlich  geringhaltig 
waren.  Er  veranschlagte,  dass  der  undaufenden  Geldsorten  bei 
fünftausend  verschiedene  Gepräge  sind  und  man  gar  nicht  wissen 
kann,  woher  diese  verschiedenen  Münzen  stammen.  Er  tadelte,  dass 

1)  K.  k.  H.  K.  A.,  F.isc.  17508. 
8)  und  »)  Daselbst  17319. 


wv<^ 


246 


Johann  Ncwald:  Das  österreichische  Münzwesen 


diese  schlechten  Sorten  angenommen  werden,  anstatt  sie  zu  ver- 
bieten, es  mache  den  Eindruck,  „das  man  zu  denFrembden  spricht, 
khombt,  nembt  vnnser  guett  Geldt,  macht  geringes  böses  daraus^ 
wir  wollen  es  so  gern  alss  das  guette  nemen.^  Albrecht  hebt  weiter 
den  üblen  Einfluss  hervor,  den  das  schlechte  Geld  auf  das  Kriegs- 
wesen nimmt.  Er  betonte,  dass  ein  Regiment  Fussknechte  von 
3000  Mann  nunmehr  monatlich  40.000  Gulden  kostet,  während 
früher  als  noch  alles  mit  gutem  Geld  bezahlt  wurde,  diese  Auslagen 
nur  23.000  Gulden  betrugen.  Je  mehr  das  schlechte  Geld  überhand 
nimmt,  um  desto  höher  steigen  die  guten  groben  Münzsorten,  auch 
alle  Victualien  und  Lebensmittel. 

Die  Hofkammer  richtete  nunmehr  ddo.  l'iag,  2a  Februar  1607 
an  die  geheimen  Käthe  eine  Note,  in  der  hervorgehoben  wurde, 
dass  die  im  Mtinzwesen  eingerissenen  Unordnungen  eine  „General- 
Reformation  so  fürderlich  allss  müglich  hoch  von  nöthen"  erscheinen 
lassen,  daran  eine  Vorarbeit  zur  Berathung  anschliessend,  welche 
auch  dem  Erzherzog  Mathias,  sowie  den  Kammern  in  Böhmen, 
Schlesien  und  Tirol  und  mehreren  Beamten  zugemittelt  wurde.  Ein 
ddo.  Prag,  2.  März  1607  an  die  kreisausschreibenden  Fürsten  im 
Reiche  gerichteter  kaiserlicher  Erlass  meldete  denselben  die  Ein- 
bringung einer  „General-Münz-Reformation"  und  ersuchte,  die 
Reichsstände  mögen  das  Erforderliche  vorbereiten.  Unterm  25.  Juli 
1607  wurde  eine  Zahl  von  Ständen,  darunter  auch  der  Erzherzog 
Mathias  zur  Einbringung  ihrer  Gutachten  neuerdings  aufgefordert.  *) 
Zu  der  geplanten  „General-Münz-Reformation"  kam  es  damals,  der 
namentlich  am  Kaiserhofe  eingetretenen  politischen  Schwierigkeiten 
wegen,  nicht.  Dafür  erschien  eine  Zahl  von  Münzmandaten,  welche 
von  Kreistagen,  Valvationscommissionen,  verschiedenen  Münzstän- 
den u.  s.  w.  ausgingen,  die  aber  schliesslich  den  weiteren  Verfall 
im  Münzwesen  nicht  mehr  aufzuhalten  vermochten.  2) 

Nachdem  im  Vorhergehenden  die  trostlosen  Uebelstände, 
unter  denen  das  Münzwesen  der  österreichischen  Länder  zu  leiden 


1)  Sämmtliche  Acten  im  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  17319. 

2)  Hirsch  1.  c.  III.  Bd.  bringt  zahlreiche  in  diese  Periode  gehörige  Münz- 
edicte.  Die  auf  die  österreichischen  Länder  bezüglichen  Mandate  befinden 
sich  in  Originalien  in  der  Patentensammlung  des  k.  k.  Hof  kammer- Archives. 


unter  den  K;ii>ern  .Maximilian  ]l.,  Kudolph  II.  und  Mathias.  -~r  * 

hatte,  wenn  auch  mir  in  den  Hauptzügen  geschildert  wurden,  kehren 
wir  in  das  Wiener  Münzhaus  zurück.  Seit  den  ältesten  Zeiten  gehör- 
ten in  Wien  die  Gold-  und  Silberarbeiter  unter  die  Jurisdiction 
des  Münzmeisters.  Nachdem  das  Münzmeisteramt  oft  durch  Jahre 
unbesetzt  war,  suchten  sich  dieselben  von  dem  ihnen  lästigen 
Gerichtsstande  frei  zu  machen.  Im  Jahre  1589  wurden  in  dieser 
Richtung  Beschwerden,  namentlich  aber  gegen  den  Wiener  Gold- 
arbeiter Christoph  Hedeneck  erhoben,  über  den  angezeigt  wurde, 
dass  er  einen  Handel  mit  Silber  und  Gold  treibe,  auch  auf  der 
Schottenbastei  eine  Silberschmelz-  und  Scheideanstalt  im  Betriebe 
habe,  wodurch  dem  Münzanite  bei  jeder  Mark  ein  Entgang  von 
zwei  Schilling  Denar  erwachse.  Der  zur  Verantwortung  gezogene 
Hedeneck  wollte  geltend  machen,  dass  die  Goldschmiede  als  Haus- 
genossen der  Münze  seit  König  Rudolph  I.  privilegirt  sind  und  das 
Recht  zum  Silber-  und  Goldhandel  besitzen,  was  ihnen  übrigens, 
ihres  Geschäftsbetriebes  wegen,  gar  nicht  verwehrt  werden  könne. 
In  ähnlicher  Weise  äusserte  sich  der  Münzmeister  Lorenz  Huebmer. 
In  einer  eingehenden  von  grosser  Sachkenntniss  zeugenden  Rela- 
tion widerlegt  der  Wardein  Andrae  Händl  die  Ausfuhrungen  des 
Hedeneck,  hebt  hervor,  dass  unter  die  Hausgenossen  einst  nur  die 
Münzer  und  Wechsler  gezählt  wurden,  weiset  unter  Vorlage  von 
Urkundenabschriften  nach,  dass  die  Münzhausgenossen  schon  Erz- 
herzog Ferdinand  I.  im  Jahre  1522  ganz  aufgehoben  habe  und 
beantragte,  dass  dem  Hedeneck  im  Interesse  der  landesflirstlichen 
Münze  der  Gold-  und  Silberhandel  eingestellt,  auch  das  Scheiden 
und  Schmelzen  verboten  werde.  Der  über  den  Fragegegenstand  ein- 
vernommene Vicedom  Wolf  Fürth  äusserte  sich  in  seinen»  Berichte 
vom  30.  März  1589  im  Sinne  des  Wardeins  und  seiner  Anträge.  Im 
weiteren  Verlaufe  der  Verhandlungen  wurde  erhoben,  dass  nicht 
bloss  durch  Hedeneck,  sondern  in  vielen  Häusern  Gold  und  Silber 
geschmolzen  und  dadurch  das  Münzamt  geschädigt  werde.  Mit 
dem  Erlasse  des  Erzherzogs  Ernst  ddo.  Wien,  18.  Jänner  1595 
an  die  niederösterreichische  Kammer  wurden  die  einschlägigen 
Generalien  erneuert  und  die  strengste  Handhabung  derselben  ange- 
ordnet, i) 


K.  k.  H.  K.  A.,  Fas.  17508. 


'-r^i>^?! 


248 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Münzwesen 


Eine  Eingabe  des  mehrgenannten  Nürnberger  Handelsmannes 
Bartholomäus  Albrecht  führt  nunmehr  zur  Besprechung  seiner 
Münzunternehmungen.  Er  war  unter  Hinweis  auf  die  vielen  Anfein- 
dungen, denen  er  sich  bei  seinem  Münzbetriebe  ausgesetzt  sah,  für 
Prag  um  die  Verleihung  eines  Münzprivilegiums  eingeschritten.  Mit 
dem  Erlasse  ddo.  Prag,  26.  März  1588  wurde  ihm  bekannt  gegeben, 
dass  in  Bezug  auf  die  Thalerprägung  in  Prag,  ein  auf  seine  Erben 
übergehendes  Privilegium  nicht  verliehen  werden  könne,  gegen 
Anfeindungen  wurde  ihm  ein  besonderer  kaiserlicher  Schutz  zuge- 
sagt. Die  Einlösung  der  geringen  Münzen  anbelangend,  wurde  auf 
die  bestehenden  Generalien,  denen  zufolge  diese  Sorten  in  die 
kaiserlichen  Münzhäuser  einzuliefern  sind,  hingewiesen.  Falls  er 
solche  Münzen  im  heiligen  römischen  Reiche  einlöset  und  dabei 
nicht  gegen  die  Reichsmünzordnung  verstösst,  soll  ihm  kein  Hinder- 
niss  gelegt  werden.  In  Bezug  auf  die  Verschmelzung,  Seigerung  und 
Körnung  geringer  Münzen  und  dass  dabei  keine  Verschwärzung 
unterlaufe,  habe  er  sich  an  die  bestehenden  Generalien  zu  halten. 
Die  in  seiner  Schmelz  und  Seigerhütte  zu  Nürnberg  gewonnenen 
Pagamente  anbelangend,  müsse  er  sich  ebenfalls  der  Reichsmtinz- 
ordnung  unterwerfen.  Das  von  ihm  gelieferte  Pagament  soll  in  Prag 
auf  Thaler  vermünzt  werden. ») 

Albrecht  war  mit  Paul  Diether  von  Nürnberg,  welcher  dort 
von  1587 — 1599 Münzmeister  des  Erzherzogs  Maximilian  war,  in 
Geschäftsverbindung  getreten  und  hatten  dieselben  bis  zum  Jahre 
1595  aus  3363  Mark  Gold  228.648  Ducaten  mit  Wappen  und  Titel 
des  Erzherzogs  ausgemünzt,  lieber  Antrag  der  im  April  1595  zu 
Nüraberg  tagönden  Probationscommission  der  drei  correspondiren- 
den  Kreise  Franken,  Bayern  und  Schwaben  wurde  Albrecht  vor  den 
Rath  der  Stadt  Nürnberg  gerufen.  Bei  der  Verantwortung  scheint  er 
insonders  auf  sein  mit  der  kaiserlichen  Hofkamnier  bestehendes 
Geschäftsverhältniss  gepocht  und  sich  anmassend  und  trotzig  benom- 
men zu  haben.  Nachdem  er  nicht  nachzuweisen  vermochte,  dass  er 
sich  lediglich  auf  die  Ummünzung  leichter  Sorten,  worauf  auch 
nur  seine  Vereinbarung  mit  der  Hofkammer   lautete,  beschränkt 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  321,  Fol.  54^ers, 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathias.  -   ' 

habe,  wurde  über  ihn  vom  Rathe  der  Stadt  Nürnberg  eine  grosse 
Geldstrafe  verhängt.  <) 

Bartholomäus  Albrecht  war  unverkennbar  ein  eben  so  ge- 
wandter, wie  thätiger  Geschäftsmann.  Er  unterhielt  Factorien  zu 
Wien,  Prag,  Breslau  und  an  anderen  Orten.  Durch  die  ganze  Dauer 
des  TUrkenkrieges  1593  bis  1606  leistete  er  der  kaiserlichen  Regie- 
rung durch  Geldvermittlungen  grosse  Dienste;  er  fand  somit  Wege, 
um  sich  der  Durchfuhrung  dieses  Straferkenntnisses  fort  und  fort  zu 
entziehen.  Als  ihm  auch  von  Seite  der  Hof  kammer  der  Mtinzbetrieb 
eingestellt  wurde,  2)  brachte  Albrecht  ddo.  Prag,  9.  December  1606 


1)  Vergl.  Hirsch  1.  e.  III.  Bd.,  Seite  45. 

3)  Aus  Prag,  ddo.  7.  Jänner  1604  erging  ein  kaiserlicher  Erlass  an  den 
Erzherzog  Mathias,  worin  gesagt  wird,  dass  Barth.  Albrecht  in  den  Jahren 
1602  und  1603,  853  Mark,  13  Loth,  I1/2  Dn.  aus  ungarischen  Pfennigen  abge- 
triebenes Silber  zu  Kuttenberg  in  kaiserliche  Thaler  ummünzen  Hess,  —  es  sei 
nachzuforschen,  ob  nicht  bei  der  Einlösung  der  geringen  Geldsorten  Unzu- 
kömmlichkeiten vorkamen.  K.  k.  H.  K.  A.  Fas.  16360.  Diese  Angelegenheit 
behandelt  auch  eine  Stelle  aus  der  Chronik  des  Dacicky,  II.  Bd..  Seite  87, 
welche  hier  mitgetheilt  wird: 

„Mit  kaiserlicher  Bewilligung  hat  ein  reicher  Ausländer  Namens  Albrecht 
Bartt  im  Jahre  1602  centnerweise  ungarisches  Kleingeld  aufgekauft,  nach 
Kuttenberg  verführt  und  von  diesem  Silber  kaiserliche  Thaler  nach  Schrot 
und  Korn  den  hiesigen  Thalern  gleich  hier  geprägt  und  ins  Ausland  verführt. 
Das  hieraus  gewonnene  Kupfer  verblieb  dem  Kaiser  und  die  hiesigen  Münzer 
wurden  vom  Bartt  selbst  gezahlt.  Dies  geschah  aus  der  Ursache,  weil  im  Aus- 
lande diese  Thaler  sehr  gesucht  waren  und  daselbst  wieder  zu  Kleingeld, 
jedoch  schon  vom  schlechteren  Schrot  und  Korn  umgemünzt  wurden. 

„Im  alten  Kuttenberger  Bergarchiv  sub  Nr,  6396/11  befindet  sich  ein 
Schreiben  des  Albrecht  Bartt  an  die  Hofkammer  in  Wien,  in  welchem  er 
Beschwerde  führt,  dass  man  seinen  Sohn  im  Jahre  1603,  wo  er  den  Rest  der 
Silber  aus  der  Kuttenberger  Münze  abholen  wollte,  festhält  und  sogar  inhaf- 
tirt  hat.  In  dieser  Eingabe  erwähnt  er,  dass  er  von  15i>2  bis  1595  etliche  Hun- 
derttausend Gulden  an  neuen  Ducaten  per  112  Kreuzer  und  an  neuen  Thalern 
per  70  Kreuzer  dem  Kaiser  zum  Kriegswesen  hergeliehen  und  verspricht, 
dieses  auch  künftighin  zu  thun,  falls  sein  Sohn  freigelassen  würde. 

„Dieses  Schreiben  wurde  von  der  Hof  kammer  der  böhmischen  Kammer 
mit  dem  Bedeuten  zugemittelt,  dass  zugleich  auch  die  niederöstorreichische 
Kammer  sich  darüber  beschwert,  dass  der  Supplicant  bis  jetzt  die  besten  unga- 
rischen Münzen  Gold  und  Silber  in  Ocsterreich  aufkaufe  und  selbe  wieder  in 
Kuttenberg  vermünze,  hitMlurch  ein  grosser  Mangel  an  Münzen  in  Ocsterreich 
♦M.r^n.l.t      .  n}>w..lil  «l.T  >;iiimli<-:iiit  vorL'-ilit,  (1;i.s.m  (m-  die  schlechteste.  üTeringste 


250 


Johann  Newald:  Das  österreichische  M' 


an  den  Hofkammer-Präsidenten  Helm  hart  Jörg  er  eine  Eingabe 
ein,  in  welcher  er  seine,  gegenüber  dem  Käthe  der  Stadt  Nürnberg 
noch  immer  nicht  ausgetragene  Angelegenheit  erörtert  und  hervor- 
hebt, dass  so  wie  früher,  ihm  auch  jetzt  noch  grosse  Gold-  und 
Silberniengen  zukommen.  Er  bezeiclinete  seine  Ducaten  und  Reichs- 
thaler an  Korn  und  Schrot  als  gerecht  und  bat  schliesslich  um 
neuerliche  Verleihung  des  Miinzbefugnisses. «)  Auf  Grundlage  ein- 
gehender Erhebungen  erstattete  der  Hof  kammer-Präsident  einen  Vor- 
trag an  den  Kaiser,  in  welchem  zunächst  betont  wird,  dass  die 
Beschwerde  des  Albrecht  gegen  den  Rath  von  Nürnberg  keine 
Kammer-,  sondern  eine  Justizsache  sei,  auch  nach  Nürnberg  bereits 
ein  Erlass  abgegangen  ist.  In  Bezug  auf  die  Ausmünzung  seines 
Goldes  und  Silbers  zu  Ducaten  und  Thalern  in  den  Münzhäusern  zu 
Prag  und  Kuttenberg  bestehe  keine  Schwierigkeit.  Albrecht  habe 
bis  zu  seinem  Anstände  mit  dem  Rathe  von  Nürnberg  1595  zu  Prag 
und  Wien  unter  kaiserlichem  Gepräge  münzen  lassen,  was  einige 
100  Centner  an  Gewicht  ausgetragen  und  er  davon  40.000  Thaler 
Schlagschatz  bezahlte.  Die  Ducaten  anbelangend,  wird  vorgeschla- 
gen, dass  man  dieselben  nur  in  der  Grösse  wie  „des  Königs  in 
Ungarn  Mathias  alte  Räblerducaten  gewesen",  ausmünzen  sollte, 
indem  kleine  Ducaten    nicht   so   leicht  beschnitten  werden  können. 


Münze  aufkauft,  so  ist  doch  unglaubwürdig,  dass  er  aus  der  schlechten  Münze 
gute  gerechte  Münze  ohne  Schaden  vermünzen  kann."  Es  müsse  etwas  dahinter 
stecken  und  es  wäre  gut,  durch  die  böhmische  Kammer  beim  Obristmünz- 
meister  und  bei  den  Kuttenberger  Münzamtleuten  eine  gründliche  Erkundigung 
zu  holen,  was  für  eine  Münze  und  Silber  Albrecht  Bartt  in  die  Kuttenberger 
Münze  eingebracht,  wo  selbes  probirt,  wie  viel  Thaler  und  Ducaten  er  ver- 
münzt, wohin  er  dieselben  verführt,  was  hiebei  dem  Kaiser  tüi-  ein  Gewinn 
zugefallen,  und  ob  er  nicht  vielleicht  ungarische  Münzen  und  zusammen- 
geschmolzenes Silber  in  die  Münze  bringt.  Da  man  nicht  weiss,  wo  er  die 
Silber  und  das  Gold  hernimmt,  entgegen  in  allen  Ländern  die  Klage  ist,  dass 
die  gute  alte  Münze  und  das  Silber  abnimmt  und  aus  den  eigenen  Ländern 
verführt  wird,  wolle  die  böhmische  Kammer  diese  Sachen  zu  ergründen  trach- 
ten und  an  die  Hof  kammer  berichten. "^ 

1)  Aus  Colin  an  der  Spree,  ddo.  13.  Mai  1606  verwendete  sich  auch  der 
Kurfürst  Joachim  Friedrich  von  Brandenburg  für  Albrecht,  damit  seine  nun 
schon  11  Jahre  währende  Angelegenheit  mit  dem  Rathe  von  Nürnberg  aus- 
getragen werde. 


unter  den  Kaijorn  Maximilian  11.,  Kmloipii  U. 


251 


In  der  Audienz  vom  2.  Oetober  1607  genehmigte  Kaiser  Rudolph  II. 
diese  Anträge. ») 

Nachdem  Bartholomäus  Albrecht  die  Aussicht  auf  die  Fort- 
setzung seines  MUnzbetriebes  wieder  eröffnet  sah,  legte  er  mit  der 
Eingabe  ddo.  22.  November  1607  Entwürfe  für  die  neu  auszuprä- 
genden kaiserlichen  Münzen,  und  zwar  flir  Thaler,  zehnfache  und 
einfache  Ducaten  vor.  Er  reducirte  wesentlich  den  Durchmesser  der 
Münzen,  darauf  hinweisend,  dass  das  Beschneiden  um  so  leichter 
durchführbar  sei,  je  breiter  die  Münzen  ausgeprägt  werden.  Nach 
den  seinem  Antrage  beigefügten  höchst  zierlich  ausgefertigten 
Zeichnungen  würden  die  Thaler  einen  Durchmesser  von  35,  die 
zehnfachen  Ducaten  von  32  und  die  einfachen  Ducaten  von  20  Milli- 
meter erhalten  haben.  Die  Vorderseite  zeigt  den  stehenden  Kaiser 
in  voller  Rüstung  mit  der  Krone,  Zepter  und  Reichsapfel,  zu  beiden 
Seiten  mit  d^m  Herzogshute  bedeckte  Wappenschilde,  und  zwar 
rechts  den  Bindenschild,  links  Burg  und.  Die  Umschrift  ist  die 
übliche.  Die  Rückseite  der  Entwürfe  zeigt  drei  mit  einem  Bande 
verbundene  Wappenschilde,  und  zwar  oben  unter  einer  grossen 
Krone  den  Doppeladler,  darunter  rechts  Ungarn,  links  Böh- 
men. Für  das  Zehnducatenstück  war  als  Umschrift  beantragt: 
Mone -no- caesarea -aureor-ducat-decem. 3) Nachdem,  wie  oben  ein- 
gehend dargethan  wurde,  die  das  ganze  deutsche  Münzwesen  in 
das  Auge  fassenden  Reformbestrebungen  abgebrochen  wurden, 
blieben  auch  die  Anträge  des  Bartholomäus  Albrecht,  aus  denen 
Münzen  hervorgegangen  wären,  welche  unzweifelhaft  unter  die 
schönsten  ihrer  Zeit  gehört  hätten,  ohne  Erfolg. 

Was  nunmehr  die  Münzen,  besonders  die  Thaler  anbelangt, 
welche  unser  Münzunternehmer  seit  dem  Jahre  1578  zu  Wien,  Prag 
und  Kuttenberg,  auch  höchst  wahrscheinlich  aus  den  übrigen  böh- 
mischen Münzhäusern  ausgehen  liess,  entsprechen  sie  im  Allge- 
meinen allerdings  dem  von  Antonio  Abondio  für  die  Thaler  Kaiser 
Rudolph  II.  angefertigten  Entwürfe,  allein  das  Gepräge  ist  ein  höchst 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  17319.  Auf  dem  Vortrage  findet  sich  für  die  beau- 
tragte  Grösse  der  einfachen  Ducaten  ein  Kreis  gezeichnet,  dessen  Durchmesser 
20  Millimeter  beträgt. 

'}  Daselbst  Fase.  17508. 


252 


Johann  Xewald:  Das  österreichische  Münzwesen 


mangelhaftes.  Die  Stempel  für  die  Thaler  wurden  von  einem  wenig 
geübten  Eisenschneider  angefertigt,  sie  werden  um  so  unschöner, 
eine  je  höhere  Jahrzahl  sie  tragen.  Als  gänzlich  misslungen  muss 
auf  vielen  Stücken  der  Adler  bezeichnet  werden.  Bei  einigen  dieser 
Thaler  zeigt  das  Brustbild  bezüglich  Styl  und  Charakter  der  Aus- 
führung viele  Aehnlichkeit  mit  dem  im  Wiener  Münzhause  gepräg- 
ten Thaler  des  Erzherzogs  Maximilian  vom  Jahre  1587,  so  dass  die 
Annahme,  es  sei  bei  der  Anfertigung  der  Stempel  der  oben  genannte 
Wiener  Eisenschneider  Jacob  Soherer  betheiligt  gewesen,  viele 
Berechtigung  hat. 

Der  Umstand,  dass  während  der  Zeitperiode,  in  welche  die 
Münzprägungen  des  Bartholomäus  Albrecht  fallen,  ziemlich  häufig 
Thaler  vorkommen,  welche  unter  die  böhmischen  Münzen  eingereiht 
werden,  auf  denen  jedoch  der  böhmische  Löwe  fehlt,  verlangt  alle 
Beachtung.  Wie  wir  wissen,  hatte  über  Antrag  der  böhmischen 
Stände  Ferdinand  I.  im  Jahre  1543  verordnet,  dass  auf  den  aus  den 
böhmischen  MUnzhäusern  ausgehenden  Thaleru  das  Landeswappen, 
nämlich  der  Löwe  in  einem  Schildchen,  anzubringen  ist. «)  Während 
auf  den  kleinen  Münzen  diese  Anordnung  strenge  eingehalten  wurde, 
kommen  durch  eine  ziemlich  lange  Zeitperiode  Thaler  vor,  auf 
denen  unverkennbar  absichtlich  der  sonst  unter  dem  Brustbilde 
ersichtliche  Löwe  weggelassen  und  dafür  irgend  ein  Zierath,  eine 
Rosette  etc.  angebracht,  oder  auch  der  betreffende  Raum  ganz  leer 
gelassen  wurde.  Wenn  auch  in  den  Acten  unter  den  böhmischen 
Mün/häusern  lediglich  jene  zu  Prag  und  Kuttenberg  erwähnt  wer- 
den, wo  Albrecht  sein  Prägegeschäft  betrieb,  wozu  er  das  erforder- 
liche Pnganient  durch  Einschmelzen  gerin^rhaltiger  kleiner  Münzen 
beistellen  sollte,  so  lässt  sich  daraus  durchaus  nicht  der  Schluss 
ziehen,  dass  ihm  die  Münzhäuser  zu  Joachimsthal  und  Budweis 
gesperrt  waren.  Die  Vortheile,  welche  der  Hofkammer  aus  dem 
Schlagschatz,  welchen  Albrecht  abstattete,  zuflössen,  waren  derart, 
dass  wohl  ein  Fördern  seiner  Thätigkeit,  nicht  aber  eine  Einschrän- 
kung angenommen  werden  darf.  Durch  das  Ausscheiden  des  Landes- 
wappens von  den  Thalern  wollte  man  offenbar,  im  Falle  Beschwer- 
den über  Korn    und  Schrot   derselben  vorkamen,   die  Vertretung 


1)  MünzNveseu  unter  Ferdinand  I.,  Seite  113. 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathias. 


255 


ablehnen   und    selbe   auf  den   Unternehmer   Albrecht   übertragen 
wissen. 

Die  in  Rede  stehenden  Thaler  sind  in  verschiedener  Weise 
bezeichnet.  Wir  finden  einen  sechsstrahligen  Stern,  einen  Löwen- 
kopf, einen  Delphin,  einen  Hundskopf.  Mehrere  dieser  Zeichen 
werden  uns  später  noch  beschäftigen.  Für  die  Beurtheilung,  welche 
dieser  Thaler  in  Wien  und  welche  in  einem  der  böhmischen  Münz- 
häuser geprägt  wurden,  liegen  nur  wenige  Anhaltspunkte  vor.  Die- 
selben Stempeleisen  dürften  bald  an  dem  einen,  bald  an  einem 
anderen  Orte,  je  nachdem  dort  Silbervorräthe  angesammelt  waren^ 
verwendet  worden  sein.  Ja  es  ist  sehr  wahrscheinlich,  dass  viele 
dieser  Thaler  zu  Nürnberg,  wo  Albrecht,  wie  wir  wissen,  ebenfalls 
eine  Scheid erei  im  Betriebe  hatte,  geprägt  worden  sind.  Man  ersparte 
dadurch  die  Ueberführung  der  Pagamente  nach  Wien  oder  in  eines 
der  böhmischen  Münzhäuser.  Da  Albrecht  im  Namen  und  Auftrage 
der  Hofkamraer  nach  allen  Richtungen  Geldzahlungen  vermittelte, 
musste  ihm  daran  liegen,  an  mehreren  Orten  Baarvorräthe  zu  be- 
sitzen. 

In  der  Geschichte  des  österreichischen  Münzwesens  ist  der 
Mtinzprägebetrieb  des  Unternehmers  Bartholomäus  Albrecht  aus 
Nürnberg,  so  viel  mir  bekannt,  noch  nicht  besprochen  worden. 
Durch  die  vorstehenden  Erörterungen  sollen  Numismaten  und  Ge- 
schichtsforscher zunächst  auf  diesen  Gegenstand  aufmerksam  ge- 
macht und  zu  weiteren  archivalischen  Studien  angeregt  werden, 
wodurch  die  interessante,  hier  nur  in  den  Hauptzügen  angedeutete 
Angelegenheit  vollends  klnr  gestellt  werden  könnte,  i) 

Wie  oben  Seite  241  mitgetheilt  wurde,  fand  im  Jahre  1587  im 
Wiener  Münzhause  eine  Thalerprägung  für  den  Erzherzog  Maximi- 
lian statt,  an  welche  sich  noch  eine  zweite  Thalerausmünzung 
anschloss.  Zwei  in  die  oben  genannte  Sammlung  Donebauer  gehö- 
rige Thaler  Rudolphs  II.  vom  Jahre  1587  geben  Anlass,  um  MUnz- 


1  Eine  abfällige  Aeusserimg  über  Bartholomäus  Albrecht  uml  seinen 
( Jeschäftsbetrieb  gab  der  Reichspfennigmeister  und  kaiserliclie  Hofkammer- 
rath  Zacharias  Geitzkhofler,  ein  Bruder  des  Joacliimsthalor  MUnzmeisters 
Geitzkhofler,  in  seinem  „Müntz-Bedenken"  ddo.  lU.  März  1607  ab.  Vergi. 
Hirsch  1.  c.  III.  Bd.,  Seite  288  und  2tȟ. 


254 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Münzwesen 


forscher  auf  den  wabrscheinlicben  Zusammenhang  derselben  mit 
der  erwähnten  zweiten  Thalerausmünzung  aufmerksam  zu  machen. 
Eine  Vergleichung  dieser  beiden  Stücke  mit  den  gleichzeitigen 
Thalern  Rudolphs  II.  lässt  alsbald  erkennen,  dass  sie  einem  beson- 
deren Anlasse  ihre  Entstehung  verdanken.  Dieselben  weichen  höchst 
wesentlich  von  dem  mehrerwähnten  Modell  des  Antonio  Abondio, 
nach  welchem  die  Ausprägung  der  grossen  Münzsorten  in  den  kaiser- 
lichen Münzhäusern  stattzufinden  hatte,  ab.  Während  auf  den 
Thalern  dieser  letzterwähnten  Form  das  geharnischte  Brustbild  des 
Kaisers  ohne  Krone  oder  Lorbeerkranz,  ohne  Vliesskette  und  ohne 
Beigabe  eines  Zepters  oder  des  Reichsapfels  dargestellt  ist,  trägt 
auf  den  in  Rede  stehenden  zwei  Thalern  das  geharnischte  Brustbild 
eine  ziemlich  hohe  Infelkrone,  die  rechte  Hand  hält  den  Zepter,  die 
linke  den  Reichsapfel,  über  den  Brustharnisch  liängt  die  Vliesskette 
herab.  Die  Rückseite  zeigt  nicht  den  sehwebenden  Adler  des  Abon- 
dio,  sondern  der  Adler  hat  hier  die  gewöhnliche  heraldische  Form, 
auf  der  Brust  ein  mit  einer  offenen  Krone  bedecktes,  mit  der  Vliess- 
kette unigel)enes  ziemlich  grosses  viergctlieiltes  Wappenschild  mit 
dem  böhmischen  Löwen  und  den  ungarischen  Binden,  im  Herz- 
schilde das  österreichisch-burgundische  Wappen.  Auf  beiden  Seiten 
entspricht  die  Umschrift  dem  Modell  des  Abondio.  In  jener  der 
Rückseite  kommt  unter  dem  Adler  eine  ziemlich  grosse  Lilie  ohne 
Einfassung  vor,  welche  jene  Form  hat,  wie  wir  sie  auf  französischen 
Münzen  jener  Zeit  antreffen,  i)  Diese  Lilie  ist  wesentlich  verschie 
den  von  dem  MUnzzeichen  des  Prager  Münzmeisters  Lazar  Erker, 
welches  als  ,,Doppellilie"  auf  den  Thalern  etc.  desselben  anzu- 
treffen ist,  von  dem  allein  hier  die  Rede  sein  könnte;  da  im  Jahre 
1587  kein  anderer  kaiserlicher  Münzmeister  die  Doppellilie  als  sein 
Zeichen  führte.«)  Zu  bemerken  kommt  schliesslich,  dass  auf  den 
beiden  Thalern,  unter  dem  Brustbilde,  der  sonst  auf  den  böhmischen 
Thalern  Rudolphs  IL  an  dieser  Stelle  vorkommende  böhmische 
Löwe  fehlt. 

Es  möge  nunmehr  gestattet  sein,  dem  Vorstehenden  einige  Er- 
wägungen anzureihen.  Die  Erzherzogin  Elisabeth,  eine  Schwester 


1)  Der  eine  dieser  Thaler  ist  bei  Schultess-Rechberg   unter  Nr.  793 
beschrieben. 

2)  Von  diesem  Münzzeichen  wh'd  später  noch  die  Rede  sein. 


uuter  deu  Kaisern  Maiimilian  11.,  Rudolph  II.  und  Mathias. 


2öb 


Rudolphs  IL,  am  22.  October  loTO  mit  dem  König  Karl  IX. 
von  Frankreich  vermalt,  wurde  schon  am  30.  Mai  1574  Witwe  und 
übersiedelte  nach  Wien.  Es  kann  uns  nicht  Überraschen,  dass  sowohl 
ihre  Witwendotation  aus  Frankreich,  sowie  das  „Deputat",  welches 
ihr  Rudolph  11.  auszubezahlen  hatte,  ziemlich  unregelmässig  ein- 
gingen. Einen  grossen  Theil  ihres  Einkommens  widmete  sie  für  das 
von  ihr  gestiftete  Königinkloster  in  der  Dorotheergasse  zu  Wien. 
Mit  der  Resolution  ddo.  Prag,  24.  August  1587  wurde  der  Erzherzog 
Ernst  angewiesen,  einen  der  „Königin  von  Frankreich  gebührenden 
Ausstand"  von  35.403  Gulden  auszubezahlen,  i)  Ein  Theil  der  ihr 
zukommenden  Gelder  machte  die  Ummünzung  in  gute  gangbare 
Sorten  nothwendig,  was  noch  im  Jahre  1587  im  Wiener  Münzhause 
stattfand.  Die  Königin  starb  schon  zu  Wien  am  22.  Jänner  1592. 
Während  dem  Verlaufe  der  Nachlassverhandlungen  ordnete  der 
Kaiser  „die  vermünzung  aus  weiland  der  Khunigin  aus  Frankreich 
hochseligisten  gedechtnuss  Silber  in  Taller"  an.  Diese  Vermünzung 
fand  im  Jahre  1594  statt.  Ein  zwischen  dem  Münzmeister  Huebmer 
und  dem  Wardein  Händl  ausgebrochener  Streit  gab  Anlass  zur 
nachträglichen  Untersuchung  der  diese  Thalermünzungen  betreffen- 
den Rechnungen,  wobei  „alles  vleiss  nachgeforscht  vnd  wie  der 
Wardein  fürgeben,  befunden,  das  diese  Taller  ja  am  Schrot  zu 
gering,  aber  der  Vberschuss  Ihrer  Kh.  Mt.  durch  den  Münzmeister 
zu  gewinn  khumen  vnd  verrait  worden."  Die  ganze  Angelegenheit, 
wobei  es  sich  auch  um  die  Austragung  verschiedener  zwischen  dem 
Wardein  und  dem  Münzmeister  obschwebenden  Streitfragen  han- 
delte, wurde  endgiltig  erst  durch  den  Erlass  des  Statthalters  in 
Wien,  Erzherzog  Maximilian,  ddo.  Wien,  20.  Juni  1597  erledigt,  a) 

Aus  dem  Dargestellten  geht  hervor,  dass  sowohl  im  Jahre 
1587,  so  auch  1594,  Silber  der  Königin  von  Frankreich  ganz  selbst- 
ständig in  Thaler  vermünzt  worden  ist.  Nachdem  im  Jahre  1587  die 
Thaler  des  Deutschordens-Hochmeisters  Erzherzog  Maximilian  mit 
dem  Brustbilde  und  Wappen  desselben  ausgemünt  wurden,  erscheint 
die  Annahme  kaum  als  zu  gewagt,  dass  man  der  Königin  das  Zuge- 
ständniss  machte,  ihr  Silber  unter  einer  besonderen  Darstellung  des 
Kaisers  und  mit  ihrem  Wappen,  der  Lilie,  markirt  auszuprägen.  Für 

1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  150,  Fol.  168vor.s. 

2)  Daselbst  Fase.  17508. 


256 


Johann  ^^ewald  :   Das  österreichische  Münzwesen 


die  Eiureihung  der  mehrerwähnten  beiden  Thaler  unter  die  böhmi- 
schen Münzen  Rudolphs  IL  ergibt  sich  kein  auch  nur  in  etwas 
genügender  Anhaltspunkt. 

üeber  die  Ausstattung  der  im  Jahre  1594  aus  dem  von  der 
Königin  Elisabeth  hinterlassenen  Silber  geprägten  Thaler  vermag  ich 
dermalen  verlässliche  Daten  nicht  anzugeben.  Gross  kann  die  Zahl 
derselben  nicht  gewesen  sein,  daher  ich  mich  jetzt  darauf  beschrän- 
ken muss,  Numismaten  auf  etwa  vorkommende  besonders  ausge- 
stattete Thaler  Rudolphs  IL  aus  jener  Zeit  aufmerksam  zu  machen. 

Bei  dem  dermaligen  Stande  der  numismatischen  Wissenschaft 
erscheint  es  als  unabwcislich,  jedesmal,  wenn  Münzen  vorkommen, 
welche  von  dem  für  die  Ausprägung  allgemein  bestandenen  Nor- 
male abweichen,  den  Ursachen  dieser  Abweichung  nachzuforschen. 

Im  Wiener  Mtinzhause  erhielt  sich  während  der  Dauer  des 
Türkenkrieges  ein  ziemlich  lebhafter  Betrieb  aufrecht,  und  zwar 
durch  die  Umprägung  der  dem  Kaiser  aus  dem  Reiche  zugekom- 
menen Hilfsgelder,  welche  nur  zu  häufig  in  geringhaltigen  Sorten 
geleistet  wurden.  Dass  dabei  auch  eine  erhebliche Thalerausmünzung 
stattfand,  ergibt  sich  aus  dem  Erlasse  ddo.  Wien,  4.  April  1603,  mit 
welchem  der  Münzmeister  Lorenz  Huebmer  und  der  Wardein  Andrae 
Händl  zur  sorgfiiltigen  Ueberwachung  der  „Thaler-Ausschrotung^' 
angewiesen  wurden,  i) 

Der  Münzmeister  Lorenz  Huebmer  starb  Ende  Juni  1604. 
Indem  die  Witwe  das  Ansuchen  stellte,  mit  Jahresschluss  vom 
Münzamte  enthoben  zu  werden,  auch  der  Wardein  Andrae  Händl 
sich  zur  Abstattung  des  Verlages  von  1000  fl.  bereit  erklärte, 
erfolgte  über  Erlass  der  anwesenden  Hofkammer  vom  24.  Jänner 
1605  durch  die  niederösterreichische  Kammer  unterm  8.  Februar 
1605  die  Bestellung  des  Andrae  Händl  als  Münzmeister  und  des 
Mathias  Huebmer,  Sohn  des  verstorbenen  Mltnzmeisters,  als 
Wardein,  beide  provisorisch  bis   zur    kaiserlichen  Entscheidung.  2) 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  17315). 

8)  Daselbst  Fase.  17505.  Münzschmiedmeister  Georg  Koller  hatte  für  die 
nied.  österr.  Kammerbuchhalterei  1530  Stücke  kupferne  Raitpfennige  geprägt. 
Es  wurden  ihm  ddo.  Wien,  22.  April  1604,  per  Hundert  8  kr.,  somit  zusammen 
2  Gulden  ausbezahlt.  Fase.  17319. 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathias.  -■  '  ' 

Der  Bestellung  dieser  beiden  Münzbeamten  war,  nachdem  sich  um 
den  erledigten  Münzmeisterdienst  auch  der  Siegelschneider  Hanns 
Schöller,  der  Grazer  Münzmeister  Simon  Balthasar  und  der 
Prager  Münzmeister  Hans  Lasanz  beworben  hatten,  eine  ein- 
gehende Concursprüfung  vorausgegangen.  Die  Eingaben  der  beiden 
letzteren  Bewerber  werfen  ein  eigenthümliches  Licht  auf  die  damals 
obwaltenden  Zustände.  Simon  Balthasar  brachte  vor,  dass  er  seit 
sechs  Jahren  in  Graz  im  Dienste  stehe,  von  der  Landschaft  jedoch 
trotz  wiederholtem  Anlangen  noch  immer  keine  Instructionen  erhalten 
habe,  auch  keine  Amtsbesoldung  empfange,  „darbey  ich  dann 
anderss  nichts  als  grosse  sorg  vnd  meines  armen  Weibs  vndKhinder 
höchstes  Verderben  zu  gewartten  habe.''  Die  Beschwerden  des 
Prager  Münzmeisters  Lasanz  werden  bei  der  Besprechung  des 
Prager  Münzhauses  beleuchtet  werden.  Ein  kaiserlicher  Erlass  ddo. 
Prag,  7.  Juni  1605  forderte  den  Erzherzog  Mathias  zur  Bericht- 
erstattung über  das  Ansuchen  des  Lasanz  auf.  Die  Differenz 
zwischen  den  beiden  Regierungen  zu  Prag  und  Wien  war  jedoch 
schon  so  hervortretend,  dass  der  verlangte  Bericht  gar  nicht  erstattet 
wurde  und  der  Erzherzog,  ohne  eine  Entscheidung  des  Kaisers  ab- 
zuwarten, den  Andrae  Händl  unterm  T.Jänner  1606  in  seiner  provi- 
sorischen Bestellung  als  Münzamtsverwalter  bestätigte.  Die  definitive 
Ernennung  erfolgte  erst,  nachdem  Erzherzog  Mathias  die  Regierung 
von  Ungarn  und  Oesterreich  übernommen  hatte,  mit  der  Resolution 
ddo.  Wien,  16.  September  1609.  i) 

Es  wurde  bereits  hervorgehoben,  dass  in  dem  bekannten 
„Thaler-Kabinef'  von  Schultess-Rechberg  keine  aus  dem  Wiener 
Münzhause  ausgegangenen  Thaler  Rudolphs  IL  aufgezählt  werden. 
An  sich  schon  musste  die  Annahme  als  bedenklich  erscheinen,  dass 
während  der  ganzen  Regierungsdauer  dieses  KAisers,  das  ist  von 
1576  bis  zur  Abtretung  von  Ungarn  und  Oesterreich  an  den  Erz- 
herzog Mathias  im  Jahre  1608  in  Wien  gar  keine  Thalcrpräguug 
stattgefunden  haben  sollte.  Durch  die  vorhergclHMulcn  actciiiiiilssinen 


1)  K.  k.  H.  K.  A.  Fase.  17508  und  17317.  Die  eingehenden  Coujmissiouö- 
Protokolle  über   die  durchgeführten  Concurs-PrUfungen  liegen  noch  in  den 

Acten. 


258 


Johann  Newald :  Das  österreichische  Münzwesen 


Nachweise  dürfte  diese  Frage  als  gelöset  erscheinen.  Wir  haben 
zunächst  die  umfangreichen  Thalerprägungen  des  Münzunternehmers 
Bartholomäus  Albrecht  zu  erwägen,  dessen  Geschäftsbetrieb 
unzweifelhaft  auf  die  Ergebnisse  des  eigentlichen  landesfürstlichen 
Münzgeschäftes  lähmend  eingewirkt  hat.  Ein  Betriebsaufschwung 
macht  sich  bei  diesem  letzteren  erst  seit  der  Uebernahme  des  Münz- 
amtes durch  den  Münzmeister  Lorenz  Huebmer  Ende  1587  bemerk- 
bar. Das  Gepräge  der  unter  demselben  ausgegangenen  Thaler  und 
Halbthaler  schliesst  sich,  das  Brustbild  und  den  Adler  anbelangend, 
dem  Entwürfe  des  Antonio  Abondio  an,  nur  wurden  die  Stempel 
von  einem  sehr  mittelmässigen  Eisenschneider  angefertigt.  Eine 
Abweichung  zeigt  sich  nur  durch  die  Yliesskette,  welche  über  dem 
Harnisch  des  Kaisers  liegt.  Die  Umschrift  stimmt  auf  beiden  Seiten 
mit  dem  Modell  des  Abondio.  Es  liegen  mir  aus  den  Sammlungen 
der  Herren  Donebauer  und  Spöttl  4  Thaler  und  2  Halbthaler  vor, 
wovon  der  älteste  vom  Jahre  1592,  der  letzte  von  1602  ist.  Als 
Münzmeisterzeichen  findet  sich  unter  dem  Brustbilde  ein  Ring  mit 
einem  kurzen  Dorn,  wie  wir  denselben  auf  von  Raufbolden  ge- 
tragenen sogenannten  Schlagringen  antreffen. 

Dem  Lorenz  Huebmer  folgte  als  Münzmeister  im  Anfange  des 
Jahres  1605  Andrae  Händl.  Die  unter  dessen  Amtsführung 
während  der  Regierung  Rudolphs  H.  im  Wiener  Münzhause  gepräg- 
ten Thaler  und  Halbthaler  stimmen  mit  jenen  seines  Vorgängers 
ganz  überein,  nur  steht  unter  dem  Brustbilde  an  Stelle  des  Ringes 
ein  Hahn.  Es  liegen  mir  aus  den  Sammlungen  der  genannten 
Herren  5  Thaler,  1  Halbthaler  und  1  Halbthalerklippe  vor.  Die 
Jahrzahlen  sind  1605,  1608  und  1609.  0  Die  unter  dem  Münzmeister 
Huebmer  geprägten  Thaler  und  Halbthaler  sind  derart  unregel- 
mässig ausgeformt,  dass  die  Seite  88  ertheilte  Weisung  zur  sorg- 
fältigen Ueberwachung  der  „Thaler-Ausschrotung"  nur  allzu  be- 
gründet war. 

In  der  Sammlung  des  Herrn  Stefan  Delhaes  in  Wien  be- 
findet sich  ein  Thaler  Rudolphs  IL  ohne  Jahrzahl  und  ohne  Münz- 
meisterzeichen. In  der  Umschrift  der  Vorderseite  kommt  rechts  das 


1)  Schultess  beschreibt  unter  Nr.  827  einen  solchen  Thaler  von  1607,  weiset 
denselben  jedoch  nach  Böhmen. 


Wappen  von  Ungarn,  links  die  Madonna  mit  dem  Kinde  vor.  Der 
Thaler  würde  somit  als  nach  Ungarn  gehörig  anzusprechen  sein, 
allein  an  der  Rückseite  fehlt  die  Angabe  der  Münzstätte,  wie  sie 
auf  ungarischen  Münzen  stets  angetroffen  wird.  Brustbild  und  Adler 
stimmen  mit  einem  Wiener  Thaler  vom  Jahre  1601  mit  dem  Zeichen 
des  Münzmeisters  Lorenz  Huebmer,  und  überhaupt  der  ganze  Cha- 
rakter des  sehr  unschönen  Münzstückes  mit  den  in  Wien  geprä^en 
Thalern  jener  Zeit  derart  überein,  dass  die  Annahme,  das  fremd- 
artige Münzstück  sei  aus  dem  Wiener  Münzhause  ausgegangen,  volle 
Berechtigung  besitzt.  Eine  Erklärung  dürfte  sich  aus  der  nachfol- 
genden Erwägung  ergeben.  Des  Krieges  wegen  kamen  viele  in  Wien 
geprägte  Münzen  in  Ungarn  zur  Verwendung.  Während  im  Wiener 
Münzhause  die  Thaler  zu  14  Loth  1  Q.  1  Pf.  Feingehalt  ausgebracht 
wurden,  fand  zu  Kremnitz  die  Beschickung  zu  14  Loth  statt,  auch 
das  Schrot  war  dort  etwas  leichter  als  in  Wien.  Es  lag  somit  der 
Anlass  nahe,  die  in  Ungarn  zur  Verwendung  kommenden  Thaler 
auch  im  Wiener  Münzhause  nach  dem  in  Kremnitz  üblichen  Korn 
und  Schrot  auszuprägen. 


Die  Münzstätte  zu  Prag. 

Nachdem  jener  Einfluss,  welcher  sich  aus  dem  allmäligen  \  cr- 
falle  des  Münzwesens  im  deutschen  Reiche  auf  den  österreichischen 
Münzbetrieb  unter  Kaiser  Rudolph  IL  ergeben  hatte,  mit  der  Dar- 
stellung der  im  Wiener  Münzhause  eingetretenen  Schwierigkeiten 
im  Zusammenhange  geschildert  worden  ist,  erscheint  die  Bespre- 
chung der  übrigen  kaiserlichen  Münzhäuser  wesentlich  verein- 
facht. 

Die  Einführung  der  vom  böhmischen  Landtag  am  18.  Mai  1576 
beschlossenen  Münzordnung  (Seite  42)  war  einer  der  letzten,  das 
böhmische  Münzwesen  betreffenden  Regierungsacte  des  Kaisers 
Maximilian  IL  Ueber  Landtagsbeschluss  vom  4.  Februar  1577  tUgte 
Kaiser  Rudolph  II.  in  dieselbe  eine  neue  Münzsorte,  und  zwar  die 
sogenannten  Mal^  Grosse,  kleine  Groschen,  ein.  Aus  der  Prager 
Mark  im  Feingehalt  von  6  Loth  1  Quintchen   sollten  240  StUcke 

17* 


260 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Münzwesen 


ausgebracht  werden.  60  Ma];y^  Grosse  gaben  ein  Schock  meissnisch 
oder  30  Weissgroschen,  oder  1  Thaler  zu  70  Kreuzer.  Auch  die 
Stellung  und  der  Wirkungskreis  des  erst  vor  Kurzem  neu  creirten 
Landes-Münzprobirers  wurde  geordnet.  Da  demselben  die  Ueber- 
wachung  des  Münzbetriebes  in  den  landesfürstlichen  Münzhäusern 
übertragen  war,  scheint  man  ihm  dort  Schwierigkeiten  bereitet  zu 
haben.  <) 

Beim  Regierungsantritte  Rudolphs  IL  war  zu  Prag  Münz- 
meister Hanns  Härder  (Seite  35).  Mit  der  Resolution  ddo.  Wien^ 
13.  September  1577  wurde  an  Stelle  des  als  Münzmeister  und 
Zehenteinnehmer  nach  Joachimsthal  beförderten  G e o r g  K a dn e r 
von  Greiffeneck  der  bisherige  Raitrath  Paul  Sturm  als 
Kammerbuchhalter  bestellt.  Die  freigewordene  Raitrathstelle  wurde 
nunmehr  dem  Münzmeister  Hanns  Härder  verliehen  mit  dem  Bei- 
fügen jedoch,  „dass  baide  Münzen  die  zu  Praag  vnnd  Budweiss 
durch  den  jetztigen  Budweisischen  Münzmeister  Tobias  Gebharten 
vnnder  einer  Besoldung  versehen  vnd  bestellt  werden  sollen^^-) 
Durch  die  Uebertragung  der  Prager  Münzamtsleitung  an  Tobias 
Gebhart  kam  somit  die  Stelle  des  Münzmeisters  zu  Budweis  nicht 
in  Erledigung.  Seinen  Vorgänger  Hanns  Härder  anbelangend,  resol- 
virte  der  Kaiser  ddo.  Wien,  8.  Mai  1582  über  Antrag  der  böhmischen 
Kammer  vom  7.  März  1582,  dass  demselben  ein  Gehaltszuschuss 
von  jährlich  100  Thaler  vom  Antritt  seines  Raitrathdienstes,  das  ist 
vom  1.  October  1578  zu  berechnen  und  zu  bezahlen  ist.»)  Es  ver- 
floss  somit  seit  der  Resolution  vom  13.  September  1577  ein  volles 
Jahr,  bis  die  Leitung  des  Prager  Münzhauses  an  Tobias  Gebhart 
überging.  Mit  dem  Erlasse  ddo.  Prag,  11.  Juli  1579  wurde  Simon 
Härder,  der  Sohn  des  Münzmeisters,  als  Wardein  und  Münzgegen- 
schreiber in  Prag  bestellt.*)  Endlich  wurde  auch  über  Antrag  der 
böhmischen  Kammer  vom  21.  November  1578  mit  Erlass  ddo.  Prag, 
27.  März  1579,  dem  Schmiedmeister,  Münzgesellen  und  Münzdiener 
zu  Prag,  zusammen  sechs  Personen,  wie  dieses   auch  zu  Kaiser 


1)  Voigt,  1.  c.  in.  Bd.  Seite  235  u.  f. 

2)  K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  315,  Fol.  575. 
3,i  Daselbst  Gdkb.  Nr.  318,  Eol.  2  und  67. 
4)  Daselbst  Gdkb.  Nr.  316,  Fol.  381. 


unter  den  Kaisern  Maximilian  11.,  Rudolph  II.  und  Mathias. 


261 


Ferdinands  und  Maximilians  Zeiten  geschehen,  jedem  „einEhrkhlaid 
oder  16  Gulden  rhein.  im  Werth^^  bewilliget,  i) 

Nach  der  Uebernahme  des  Prager  MUnzamtsdienstes  nahm 
Tobias  Gebhart  seinen  Aufenthalt  in  Prag.  Das  in  Budweis  ge- 
führte Münzmeisterzeichen,  den  seinem  Wappen  entnommeneu 
Löwenkopf,  richtiger  Löwenrachen,  vertauschte  er  nunmehr 
mit  einem  sechsstrahligen  Stern.  Ein  dem  ersten  Jahre  seiner 
Prager  Amtsführung,  1578,  angehöriger  Thaler  zeigt  unter  dem 
Brustbilde  den  böhmischen  Löwen,  der  jedoch  schon  auf  dem  Thaler 
von  1579  fehlt,  spätere  Thaler  haben  an  dieser  Stelle  eine  ver- 
schlungene Arabeske  oder  eine  Rosette.  Wird  erwogen,  dass  der 
Beginn  der  Münzprägethätigkeit  des  Unternehmers  Bartholomäus 
Albrecht  gerade  in  jene  Zeitperiode  fällt,  so  dürfte  auch  das  plötz- 
liche Verschwinden  des  Landeswappens  von  den  aus  dem  Prager 
Münzhause  ausgegangenen  Thalern  seine  Erklärung  finden.  Die 
Sammlung  des  Herrn  Donebauer  in  Prag  bewahrt  eine  mit  dem 
Sterne  bezeichnete  Thalerklippe  vom  Jahre  1583,  die  Sammlung 
•des  Herrn  Spöttl  von  demselben  Jahre  einen  Halbthaler,  das 
einzige  mir  bekannte  Halbthalerexemplar  der  Albrecbt'schen 
Prägung. 

lieber  Vorschlag  der  böhmischen  Kammer  vom  19.  März  1582 
wurde  Tobias  Gebhart  mit  der  Resolution  ddo.  Wien,  3.  April  1582 
zum  Rentmeister  in  Böhmen  ernannt.  2)  Nachdem  sich  die  Bestelhmg 
seines  Nachfolgers  um  mehr  als  ein  Jahr  verzögerte,  blieb  demselben 
die  Verwaltung  des  Prager  Münzamtes  bis  weit  in  das  Jahr  1583 
reichend,  übertragen,  aus  welchem  Grunde  auch  Münzen  mit  dem 
sechsstrahligen  Stern  bezeichnet,  auch  noch  von  (Hesem  Jahre  vor- 
kommen. 

Mit  der  Resolution  ddo.  Breslau,  31.  Mai  i»L?.j  wurde   der  \na- 
herige  Oberbergmeister  Lazarus  Erker  zum  Münzmeister  in  Prag 
mit  einem  Jahresgehalt  von   260  Thaler  ernannt. «)  Erker  stammte 
aus  Annaberg,  er  war  „Buchhalterei-Rait-Officier^*   und  wurde  ihm, 
seiner  besonderen  Verwendbarkeit   wegen,    auch   das   Amt  (miu^s 


ij  K.  k.  H.  K.  A.,  (Jdkb.  Nr.  316,  Fol.  284. 
2)  Daselbst  Gdkb.  Nr.  31b,  Fol.  47. 
3;  K.  k.  Hjiuptinünzaiiits-Archiv. 


262 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Münzwesen 


Oberbergmeisters  übertragen.  In  Anerkennung  der  grossen  Ver- 
dienste um  die  Förderung  des  böhmischen  Bergbaues  wurde  er  im 
Jahre  1586  mit  dem  Prädicate  j,von  Schreekenfels^*  in  den  Adel- 
stand erhoben,  auch  seine  Münzmeisterbesoklung  um  jährlich  140 
Thaler  erhöht,  i)  Während  der  Amtsverwaltung  des  Lazar  Erker 
trat  im  Prager  Münzhause  in  der  Person  des  Wardeins  und  Gegen- 
schreibers ein  ziemlich  häufiger  Wechselein.  An  die  Stelle  des  Simon 
Härder  trat  schon  1583  Hanns  Röder,  diesem  folgte  1586  Peter 
Keckh  von  Schwarzpach,  der  im  Jahre  1591  von  David  En- 
derle abgelöst  wurde. 

Miinzmeister  Erker  starb  im  Anfange  des  Jahres  1594.  Die 
Hofkammer  übertrug  unter  Aufrechthaltung  der  für  den  Münzamts- 
dienst  bemessenen  Jahresbesoldung  und  Aufbesserung  des  Gehaltes 
für  den  Wardein  und  Gegenschreiber  um  jährlich  100  Thaler,  die 
Fortführung  des  Münzbetriebes  an  die  Witwe  Susanna  Erker, 
wahrscheinlich  aus  dem  Grunde,  weil  man  nicht  in  der  Lage  war, 
der  Witwe  die  Verlagsgelder  rückerstatten  zu  können.  Im  Jahre 
1599  wurde  die  Jahresbesoldung  für  den  Müuzmeisterdienst  auf  260 
und  für  den  Wardein  auf  100  Thaler  herabgesetzt.  Die  Jahresrech- 
nungen sind  von  der  Susanna  Erkerin  als  „Münzmeisteramts-Ver- 
walterin^^  und  dem  Wardein  David  Enderle  unterschrieben.  Während 
der  Amtsverwaltuug  der  Eheleute  Erker  fanden  im  Prager  Münz- 
hause erhebliche  Gold-  und  Silbermünz-Prägungen  für  fremde  Par- 


1)  K.  k.  Hauptmünzamts-Archiv,  auch  Miltner  1.  c.  Seite  48,  Mit  der 
Resolution  ddo.  Wieu,  27.  Juli  1574  ertheilte  Kaiser  Maximilian  IL  dem  dama- 
ligen Officier  bei  der  böhmischen  Kammer-Buchhalterei  Lazarus  Erker  für  die 
Dauer  von  10  Jahren  ein  Privilegium  auf  den  Druck  des  von  ihm  zusammen- 
gestellten Probir-  und  Schmelzbuches.  K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  314 
Fol.  476.  Erker  widmete  s^in  Buch,  welches  im  Jahre  1574  bei  Georg 
Nigrin  in  Prag  mit  vielen  Holzschnitten  gedruckt  wurde  und  den  Titel  führte: 
„Beschreibung  Aller  fürnemisten  Mineralischen  Ertzt  vnnd  Bergwerksarten, 
wie  dieselbigen,  vnd  eine  jede  in  Sonderheit,  jrer  Natur  vnd  eygenschaflft 
nach,  auffalle  Metalla  probirt  etc."  dem  Kaiser  Maximilian  II.  Eine  zweite  Auf- 
lage des  Buches  erschien  im  Jahre  151>8  bei  Johann  Feyerabendt  zu  Frankfurt 
am  Main.  Es  wurde  noch  später  einigemal  herausgegeben.  Oberbergmeister  in 
Böhmen  wurde  Lazar  Erker  im  Jahre  1578,  da  er  in  dieser  Stellung  viele  Be- 
reisungen vorzunehmen  hatte,  wurden  ihm  mit  Erlass  ddo.  Prag,  27.  October 
1578  als  Reisevergütung  100  Thaler  jährlich  angewiesen.  K.  k.  H.  K.  A. 
Gdkb.  Nr.  316,  Fol.  176vers. 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  Tl.  und  Mathias. 


263 


teien  statt,  so  namentlich  im  Jahre  1586  eine  Ducateupräguug  für 
Wilhelm  Herrn  von  Rosenberg.  Der  Schlagschatz  betrug  für 
Ducaten  per  Stück  1  bis  1  i/o  Kreuzer,  für  Thaler  von  je  100  Stück 
30  Kreuzer. 

Susanna  Erker  trat  das  Prager  Münzmeisteramt  am  20.  Sep- 
tember 1600  an  Hanns  Lasanz  ab.  i) 

Die  im  Prager  Münzhause  unter  der  Amtsführung  des  Lazar  Er- 
ker und  daran  schliessend  seiner  Witwe  Susanna  bis  einschliessig 
1600  geprägten  Münzen  sind  mit  der  aus  dem  Wappen  desselben  ent- 
nommenen Doppellilie  bezeichnet.  Die  Thaler  und  Halbthaler  an- 
belangend, kommt  zunächst  hervorzuheben,  dass  sich  dieselben  von 
dem  Entwürfe  des  Antonio  Abondio,  der  in  den  drei  anderen  böh- 
mischen Münzhäusern  massgebend  blieb,  dadurch  wesentlich  unter- 
scheiden, dass  die  Vorderseite  nicht  das  Brustbild  des  Kaisers, 
sondern  das  ganze  geharnischte  Bild  desselben  zeigt,  lieber 
Antrag  der  böhmischen  Stände  hatte  schon  Ferdinand  I.  im  Jahre 
1543  die  Anordnung  erlassen,  dass  auf  den  aus  den  böhmischen 
Münzhäusern  ausgehenden  grossen  Münzen  in  der  Umschrift  der- 
selben der  böhmische  Löwe  anzubringen  ist. «)  Unter  Rudolph  H. 
sehen  wir  dieser  Verordnung  dadurch  entsprochen,  dass  auf  den 
böhmischen  grossen  Münzen  unter  dem  Brustbilde,  bald  mehr  bald 
weniger  gut  heraldisch  dargestellt,  der  Löwe  ersichtlich  ist.  Auch 
in  diesem  Punkt  machen  die  unter  Lazar  Erker  und  seiner  Witwe 
ausgegangenen  Münzen  eine  Ausnahme,  indem  auf  denselben  neben 
dem  stehenden  Kaiser  im  Münzfelde  zwei  gekrönte  Wappenschilde 
vorkommen,  und  zwar  rechts  mit  dem  böhmischen  Löwen,  links 
das  Wappen  von  Ungarn.  Die  Doppellilie  ist  als  MUnzzeichen  in  der 
Regel  zwischen  den  Füssen  des  Kaisern  angebracht.  In  der  Um- 
schrift fehlt  der  Löwe.  Auch  an  der  Rückseite  weichen  die  in  Rede 
stehenden  Münzen  von  dem  Modell  des  Abondio  dadurch  ab,  dass 
auf  ihnen  nicht  der  schwebende  Adler,  sondern  ein  heraldischer 
Doppeladler  mit  dem  österreichisch-burgundischen  Schild  auf  der 
Brust  vorkommt. 


1)  K.  k.  Hauptmünzamts-Archiv. 

~)  Münzwesen  unter  Ferdinand  1.,  .^.  i  i 


■"KT- 


264 


Johann  N'ewald:  Das  österreichische  Miinzwesen 


lieber  den  Anlass  zu  diesen  wesentlichen  Abweichungen  konnte 
in  den  Acten  bisher  eine  Aufklärung  nicht  aufgefunden  werden; 
dieselbe  scheint  jedoch  ziemlich  nahe  zu  liegen.  Münzmeister  Erker 
fand  bei  seinem  Amtsantritt  im  Jahre  1583  die  Thalerprägung  des 
mehrgenannten  Bartholomäus  Albrecht  zu  Prag  im  vollen  Zuge.  Sein 
Streben  dürfte  dahin  gegangen  sein,  die  unter  seiner  Amtsführung 
ausgehenden  Münzen  derart  auszustatten,  das  eine  Verwechslung 
mit  den  Thalern  des  Albrecht  nicht  platzgreifen  konnte.  Mit  der 
Doppellilie  bezeichnet,  kommen  auch  Goldmünzen  vor.  Von  beson- 
derem Interesse  ist  ein  höchst  seltener,  in  der  Sammlung  des  Herrn 
Donebauer  in  Prag  befindlicher  Doppelthaler  vom  Jahre  1594.  Die 
Vorderseite  zeigt  das  Brustbild  des  Kaisers  in  der  Darstellung  des 
Abondio,  unter  demselben  [zwischen  zwei  blattartigen  Zierathen 
die  Doppellilie.  Die  Rückseite  stimmt  mit  den  anderen  Thalern  des 
Erker  Uberein.  Auffallend  ist,  dass  auch  diesem  Thaler  der  böh- 
mische Löwe  gänzlich  fehlt. 

Der  am  20.  September  1600  im  Prager  Münzhause  als  Müuz- 
meister  eingetretene  Hanns  Lasanz  zu  Friedenegg  kam  aus 
Graz.  Wir  wissen,  dass  er  sich  im  Jahre  1605  um  das  erledigte 
Wiener  Münzmeisteramt  beworben  hatte  (Seite  88),  und  ergeben 
sich  aus  den  Verhandlungsacten  interessante  Streiflichter  auf  die 
damals  im  Prager  Münzhause  obwaltenden  Zustände.  In  einer  seiner 
Eingaben  hebt  Lasanz  hervor,  dass  er  aus  seiner  „gehabten  Steu- 
ri  sehen  guetten  conditionen,  indem  er  das  Münzmais terambt,  sambt 
der  Goldschaiderei  vnd  Silberbrennerei  durch  24  Jahre  besorgt^, 
nach  Prag  berufen  wurde.  Es  bestand  dort  die  Absicht,  „die  vier 
Münzwerch  in  Behaimb  abzulegen,  vnd  in  ain  Corpus 
a u  f  d a s  S  c  h  1  o  s  R ä t s c  h  i  n  a  n  z  u  o  r  d n  e  n.'^  Des  Krieges  wegen 
sei  das  Münzgebäude  im  Schloss  ins  Stocken  gerathen.  Lasanz 
spricht  von  einer  „Invention^^,  mit  welcher  er  .,mit  zwei  guetten 
abgerichten  Münzern  und  4  oder  5  Taglöhnern,  so  Rathziehen  vnnd 
andere  grobe  Handarbeit  thuen,  in  einem  Monat  mehr  alls  10  oder 
11  Hammer-Münzer  in  einem  Quattember,  in  massens  dan  in 
denen  10  Jahren  hero  seit  Erfindung  meines  Werkhs  zum  öfftern 
beschehen  und  durch  mich  zu  genügen  probirt  worden,^'  mün- 
zen   könne,    „wie    solches    in   Tirol   mit   dem   Wnsserdruckwerk 


unter  den  Kaisern  Maximilian  IL,  Rudolph  IL  und  Mathias.  2l>D 

geschehe.'^  i)  Die  „Invention"  des  Lasanz  bestand  darin,  dass  er 
überall,  wo  es  an  einer  ausreichenden  Wasserkraft  gebrach,  die 
Walzenmaschine  durch  ein  Göpel  werk  in  Betrieb  setzte,  und  es 
ist  richtig,  dass  diese  Einrichtung  in  vielen  Münzhäusern  zur  An- 
wendung kam.  Kaiser  Rudolph  IL  war  Verbesserungen  auf  allen 
Gebieten  der  Technik  sehr  zugethan.  In  Kremnitz  suchte  en.  eben- 
falls, wie  ich  dieses  später  nachweisen  werde,  die  Walzenprägung 
einzuführen. 

In  Prag  wurde  diese  Reform  im  Münzbetriebe  schon  im  Jahre 

1593  in  Angriff  genommen.  Das  „Münzdruckwerk"  hatte  der 
Kölner  Münzmeister  Johann  Vogt  beigeschafft.  Da  sich  die  Auf- 
stellung verzögerte  und  Vogt  in  Geldverlegenheit  kam,  musste  er 
seine  Maschinen  versetzten.  Mit  dem  Erlasse  ddo.  Prag,  4.  Jänner 

1594  wurde  der  Hofzahlmeister  Hanns  Riethmann  aiigewieseu,  dem 
Vogt  zur  Auslösung  seines  versetzten  Münzdruckwerks  50  Thaler 
„vorzuleihen",  dafür  aber  „das  Münzdruckwerk  in  deposito  zu 
behalten'^.  Unterm  4.  März  1594  wurde  ein  weiterer  Vorschuss  von 
30  Thaler  genehmigt. 2)  Im  Jahre  1604  fand  mit  der,  „vom  Münz- 
meister Lasantzen  angegebenen  neuen  Ausmünzungsinvention  mit 
dem  Ziehwerk"  eine  Probeprägung  statt.  Es  wurden  100  Mark 
Silber  „auf  dem  Ziehwerk  und  ander  100  Mark  durch  den  Hammer 
mit  sonderbarer  Bemerkung  der  Unkosten  in  weiss  und  Kl  ein- 
Groschen ausgemünzet".  Die  Commission  gestand  den  Walzen- 
mUnzen  „die  Geschmeidig  und  Sauberkeit",  jenen  von  der  Hammer- 
prägung aber  „einen  mehreren  Vortheil  zu,  und  will  lieber  beim 
Hammermünzen  verbleiben.^ »)  In  einer  Eingabe  an  den  Erzherzog 
Ferdinand  von  Steiermark  beschwerte  sich  Lasanz  lebhaft 
über  diese  Vorgänge,  er  sagte,  dass  er  in  Prag  derart  angefeindet 
werde,  dass  er  seit  drei  oder  vier  Jahren  keine  Besoldung  erlangen 
könne  und  bei  3000  Gulden  vorgeschossen  habe.  Von  Juhann  Vogt 
hatte  das  in  das  Prager  Schloss  gelieferte  „Truekwerkh  oder  Press- 
mühle zur  Thaler-Münzung"   Johann  Hofrichter  um  4000  Thaler 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  17508. 

2)  Daselbst  Gdkb.  Nr.  156,  Fol.  428veia  nud  507. 

»>  K.  k.  Hauptmünzamts-Archiv.  Sammler  werden  auf  die  im  Jahre  1«J01 
mit  der  Walzeneinriehtuug  geprägten  Weiss-  uud  Kleiu-Groscheu  aiit- 
merksam  gemacht. 


266 


Johann  Newald:  Das  österreicliische  Miinzwesen 


ilbernommen.  Als  Hofrichter  staib,  hatte  dessen  Witwe  Magdalena 
grosse  Schwierigkeiten;  um  ihr  Geld  zu  erhalten.  25.  Februar  1606.  i) 

Wie  sich  aus  dem  Vorhergehenden  entnehmen  lässt,  hatte 
Mtinzmeister  Hanns  Lasanz  mit  grossen  Schwierigkeiten  zu  kämpfen. 
Sein  Austritt  aus  dem  Amte  hat  sich  aus  den  Acten  mit  Sicherheit 
nicht  feststellen  lassen.  Es  dürfte  dieses,  ob  durch  seinen  Tod  oder 
aus  anderem  Anlasse  lässt  sich  nicht  angeben,  im  Anfange  des 
Jahres  1609  stattgefunden  haben. 

Das  Zeichen  des  Münzmeisters  Hanns  Lasanz  zu  Frie- 
denegg sind  drei  ins  Dreieck  gestellte  Sterne,  zwei  oben 
der  dritte  unten,  in  einem  Schildchen.  Die  auf  diese  Weise  bezeich- 
neten grossen  und  kleinen  Münzen  kommen  ziemlich  häufig  vor.  In 
den  ersten  Jahren  seiner  Amtsführung  schloss  sich  Lasanz  bei  der 
Darstellung  seiner  Münzen,  der  unter  seinem  Vorgänger  eingeführ- 
ten Form  an.  Wir  finden  bis  zum  Jahre  1604  auf  der  Vorderseite 
den  stehenden  Kaiser  zwischen  den  beiden  gekrönten  Wappen- 
schilden von  Böhmen  und  Ungarn.-)  lieber  das  Jahr  1604  hinaus 
ist  mir  keine  grössere  das  Zeichen  des  Lasanz  tragende  ^finr/f^  mit 
dem  stehenden  Kaiser  bekannt.  3) 

Die  Darstellung  des  Brustbildes  auf  den  grösseren  böhmischen 
Münzen  Rudolphs  H.  anbelangend,  kommt  nunmehr  jene  Aenderung 
hervorzuheben,  welche  mit  der  kaiserlichen  Resolution  ddo.  Prag, 
2.  November  1602  angeordnet  worden  ist.  Bisher  wurden  die  Thaler, 
Halbthaler  etc.  nach  dem  von  Antonio  Abondio  beantragten  Modell 
geprägt  (Seite  67).  Der  genannten  Resolution  gemäss  war  fernerhin 
das  Brustbild  des  Kaisers  älter,  mit  einem  Vollbart  und  starkem 
Schnurrbart;  die  Halskrause  nicht  mehr  stehend,  sondern  liegend 
darzustellen.  Die  bisher  neben  dem  Adler  angebrachten  Schwert 
und  Zepter  hatten  zu  entfallen,  auch  war  auf  der  Rnist  desselben  nn 


K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  17319  uud  1750<S.  Lasanz  besass  in  Steiermark 
nes  Landgut. 

3)  Eine  Halbthalerklippe  vom  Jahre  1604  mit  dem  stehenden  Kaiser  be- 
findet sich  in  der  Sammlung  des  Herrn  Donebauer,  dessgleichen  eine  y4-Thaler- 
klippe  von  1602. 

s)  Nachdem  um  jene  Zelt  die  Albrecht'schen  Prägungen  eingestellt 
wurden,  fiel  auch  der  Anlass  für  eine  besondere  Ausstattung  der  aus  dem 
Prager  Münzhause  ausgegangeneu  grösseren  Münzen  weg. 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathias.  ^t)  • 

Stelle  des  Keichsapfels  ein  Schild  mit  der  Binde  und  den  burgundi- 
schen  Balken  anzubringen.  In  der  Umschrift  fand  keine  Aenderung 
statt,  sie  schloss  auf  der  Rückseite  der  Thaler,  Halbthaler  etc.,  diese 
mochten  aus  einem  der  vier  böhmischen  Münzhäuser  oder  aus  jenen 
zu  Wien,  Kremnitz  und  Nagy-Bänia  ausgegangen  sein,  stets 
mit  einer  Abkürzung  von  Marchio  Moraviae.  i) 

Der  letzte  mir  bekannte  Thaler  Rudolphs  II.  mit  dem  Münz- 
zeichen des  Lasanz  und  dem  eben  erw^ähnten  Normale  von  1602 
gemäss  geprägt,  ist  vom  Jahre  1609  (Schultess  Nr.  834).  Der  Kaiser 
ist,  wie  auf  dem  ursprünglichen  Modell  des  Abondio,  ohne  Vliess- 
kette. Unter  dem  Brustbilde  kommt  der  böhmische  Löwe  vor. 

Dem  Hanns  Lasanz  folgte  im  Prager  Münzhause,  und  zwar  in 
den  ersten  Monaten  1609  als  Münzmeister  Samuel  Salvart  von 
Falkenberg.  Er  war  im  Jahre  1596  als  Zehentner  und  1604  als 
Einnehmer  in  Joachimsthal  bedienstet.  Er  wurde  Bergrath  und  im 
Jahre  1607  mit  dem  Prädicat  „von  Falkenberg'^  geadelt,  a)  Seine 
Thätigkeit  als  Münzmeister  in  Prag  beschränkte  sich  jedoch  auf 
einen  Zeitraum  von  wenig  über  ein  Jahr,  denn  am  10.  Mai  1610 
wird  schon  Benedikt  Huebmer  von  Sonnleithen  als  sein 
Nachfolger  im  Münzmeisteramte  genannt 

Das  Münzzeichen  des  Samuel  Salvart  entspricht  seinem  Adels- 
prädicate  „Falkenberg";  es  ist  ein  ausgebreiteter  rechter  Falken- 
oder Adlerflügel,  w^elcher  an  der  Rückseite  der  Münzen  in  der 
Umschrift  unter  dem  Adler  vorkommt.  Das  Brustbild  ist  wie  auf  den 
unter  seinem  Amtsvorgänger  ausgegangenen  Münzen  ohne  Vliess- 
kette. Das  Münzzeichen  hat  keine  Einfassung.  Bei  der  kurzen  Dienst- 
zeit des  Salvart  als  Münzmeister  gehören  die  unter  ihm  ausgepräg- 
ten Münzen  zu  den  grossen  Seltenheiten,  namentlich  ist  dieses  von 
den  Thalern  und  Halbthalern  der  Fall.  Dieselben  werden  weder  vou 
Scliultess-Rechberg,   noch  im  Kataloge  Killian  erwähnt.  Tluiler  und 


1)  Ich  erachte  diesen  UinstaiKi  hcsondcrs  hervorhelicu  zu  soUcu,  iudem 
vielfach  die  AnBicht  besteht,  das«  alle  Thaler  u.  s.  w.  Kiid()lph8  II.,  dereu  Um- 
schrift auf  der  Rückseite  in  dieser  Form  schliesst,  den  höhmischen  Münzen 
zuzuzählen  sind. 

2;  Diese  Daten  verdanke  ich  dem  k.  k.Hauptmaune  Herrn  Heinrich  Rappe 
in  Kuttenberg. 


268 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Miinzwesen 


Halbthaler  von  1610  befinden  sich  in  meiner,  Thaler  und  7^  Thaler, 
ebenfalls  von  1610,  in  der  Sammlung  des  Herrn  Donebauer. 

Wie  bereits  angegeben  wurde,  war  der  Nachfolger  des  Samuel 
Salvart  als  Münzmeister  in  Prag  Benedikt  Huebmer  von  Sonn- 
leithen.  Nachdem  dessen  Thätigkeit  in  die  Zeit  der  nachfolgenden 
Regenten  fällt,  schliessen  wir  hier  die  das  Prager  MUnzhaus  unter 
Rudolph  IL  betreffenden  Darstellungen  ab. 


XL 

Die  Münzstätte  zu  Kuttenberg*. 

Beim  Regierungsantritt  des  Kaisers  Rudolph  IL  stand  dem 
Münzhause  zu  Kuttenberg  als  erster  Münzamtmann  Georg  Sutny 
von  Ol  ivet  vor.  Der  zweite  Münzamtmann  dem  vorherrschend  die 
Controlgeschäfte  übertragen  waren,  war  Samuel  Wodolinsk^ 
von  Vodolin,  der  jedoch  noch  im  Jahre  1576  mit  Tod  abging. 
Sein  Nachfolger  Tobias  Schaffer  von  Schaffendorf  wurde 
nicht  mehr  als  zweiter  Münzamtmann,  sondern  als  Bergbuchhalter 
und  Münzgegenhändler  bestellt.  0  Der  Wardein  Daniel  Lehner 
wurde  über  sein  Ansuchen  mit  dem  Erlasse  ddo.  Prag,  17.  October 
1579  seines  Dienstes  enthoben.  Unter  demselben  Datum  wurde, 
nachdem  die  Proben  zu  Kuttenberg  „ungleich  vnd  vnzuverlässig^ 
ausfielen,  die  Errichtung  neuer  Probieröfen  im  Münzhause  ange- 
ordnet und  hiezu  der  Betrag  von  300  Thaler  an.icewiesen. «)  Als 
besonders  tüchtig  bewährte  sich  der  Münzeisenschneider  Georg 
vonRäsne.  Ueber  Antrag  der  böhmischen  Kammer  vom  11.  Juli 
1579  wurde  demselben  mit  der  Resolution  dd.  Prag,  24.  Juli  1579, 
für  die  Anfertigung  der  Kuttenberger  und  ungarischen  Münzeiseu, 
sowohl  der  Stöcke  mit  dem  Bildniss  als  auch  der  Eisen  mit  dem 
Wappen,  zu  „Kaiser  Maximilians  güldenen  Gnadenpfennigen '^  der 
Betrag  von  100  Thalern  angewiesen,  a) 


t)  Miltner  1.  c.  Seite  490. 

2)   und  3^  K.  k.  H.  K.  A.,   Gdkb.  Nr.  316,  Fol.  451   und  453,  ferner 

Fol.  385ver.. 


unter  den  Kaisern  Maximilian  IT.,  Rudolph  17.  und  Mathias. 


269 


Im  Jahre  1587  trat  an  die  Stelle  des  Tobias  Schaffer  als  Berg- 
buchhalter und  ^lünzgegenhändler  der  bisherige  Kiittenberger 
Milnzschreiber  WolfHeroltvon  Aupa.  i)  Dieser  folgte  im  Jahre 
1592  als  Mlinzamtmann  dem  Georg  Sutny,  welcher  seit  28.  März 
1568,  somit  durch  24  Jahre  das  Kuttenberger  Münzwesen  verwaltet 
hatte.  Die  lange  Dauer  der  Amtsthätigkeit  des  Letzteren,  sowie  der 
damals  lebhafte  Betrieb  im  welschen  Hofe  zu  Kuttenberg  sind  Ur- 
sache, dass  unter  den  böhmischen  Münzen  Rudolphs  IL  jene  des 
Georg  Sutny  am  häufigsten  angetroffen  werden.  Das  Zeichen  des- 
selben haben  wir  bereits  kennen  gelernt.  (Seite  48).  Es  ist  ein 
ausgebreiteter  Adlerflügel  und  befindet  sich,  wenn  auch  dem  betref- 
fenden Normale  nicht  ganz  gemäss,  auf  den  grösseren  Münzen,  das 
heisst  ganze,  Va  und  1/4  Thaler,  jedesmal  in  der  Umschrift  der 
Rückseite  unter  dem  Adler  in  einem  kleinen  Kreise  oder  Oval  ange- 
bracht. So  oft  mir  dasselbe  vorgekommen,  war  es  stets  ein  linker 
Flügel,  während  das  Zeichen  des  Prager  Münzmeisters  Sa mu  el 
Salvart  ein  rechter  Flügel  ist.  Hervorzuheben  wäre  noch,  dass  die 
Stempel  zu  den  unter  Georg  Sutny  ausgegangenen  grösseren 
Münzen  Rudolphs  II.  dem  Entwürfe  des  Antonio  Abondio 
entsprechen. 

Der  Münzamtmann  WolfHerolt  vonAupa  erhielt  seine  In- 
struction ddo.  Prag,  14.  Mai  1593.  Dieselbe  betrifft  nicht  bloss  den 
Münzbetrieb,  sie  umfasst  die  ganzen  dem  Münzamtmann  übertra- 
genen Geschäftsagenden  und  bezieht  sich  auch  auf  die  beiden  Münz- 
schreiber, den  Wardein  und  den  Münzschaffer;  sie  enthält  19  eng- 
geschriebene Bogen.  Es  ergibt  sich  aus  ihr  ein  klares  Bild  über  das 
damalige  Kuttenberger  Münzprägewesen  und  seine  Details.  Es 
sollen  hier  nur  jene  Bestimmungen  auszugsweise  berührt  werden, 
welche  auf  die  Münzerzeugungs-Manipulation  Bezug  haben.  Das 
sogenannte  „FUrgewicht'^  oder  der  Abgang  beim  Giessen  und 
auf  der  Schmiede,  war  nach  den  Beschlüssen  der  am  15.  Februar 
1574  im  Prager  Münzhaiise  amtirenden  Erhebungscommission  zu 
bemessen  und  quartalweise  in  Ausgabe  zu  stellen.  (Seite  39).  Zum 
Zwecke  der  wöchentlichen  Ablehnung  der  Arbeiter  sollen  alle 
Wochen  60  Mark    Silber  auf  weisse    und   kleine  Groschen,  femer 


»)  Miltner  I.  c.  Seit«'  171' 


270 


Johann  Newald:   Das  österreichische  Muozwesen 


40  Mark  auf  Weisspfennige,  der  Rest  auf  Thaler  vermüuzt  werden, 
und  war  derart  zu  wechseln,  dass  eine  Woche  Weissgroschen,  die 
zweite  Woche  kleine  Groschen,  die  dritte  Weisspfennige,  und  zu 
Weihnachten  auch  kleine  Pfennige  geschlagen  werden. 

Die  Thaler,  —  i/o  und  \^  Thaler  im  Verhältniss  —  sollen 
8  Stücke  eine  beschickte  Kölner  Mark  ausmachen,  das  bringt  auf 
die  Prager  Mark  Sss/,^,  Stücke,  daher  aus  100  Prager  Mark  8661,4 
Stücke  Thaler  zu  14  Loth  4  Grän  Feingehalt  entfallen.  Das  Aus- 
bringen der  kleinen  Münzen  setzt  die  Instruction  wie  folgt  fest: 

Weissgroschen  zu  7  Weisspfennigen  auf  die  Prager  Mark  126^  - 
vStücke  zu  6  Loth  3  Quintchen  fein. 

Kleingroschen  zu  7  Kleinpfennigen  240  Stttcke  6  Loth  1  Quiut- 
chen  fein. 

Weisspfennige  659  Stück  zu  5  Loth  —  Quintchen  fein, 

Kleinpfennige  733  Stück  zu  2  Loth  3  Quintchen  fein. 

Es  folgen  nunmehr  Bestimmungen  über  das  Remedium  mit  dem 
Beisatze,  dass  im  Ueberschreitungsfalle  alles  wieder  in  den  Tiegel 
zu  kommen  hat  und  aii^  ..<]»'^  T'r^achers  Kosten  und  Schad'^n  nmb- 
gemünzt  werden  soll. 

Als  ,,Tiegel prob"  war  dem  Wardein  von  Jedem  Werk  ein 
Loth  Münzmetall  auszufolgen,  welcher  dasselbe  sofort  zu  probiren 
hatte.  Erst  dann,  wenn  der  ,,Halt"  richtig  befunden  wurde,  konnte 
das  Giessen  in  Zaine  vorgenommen  werden.  Zur  Probe  nach  der 
stattgefundenen  Ausprägung,  war  von  jedem  Thalerwerk  ein  Thaler 
zu  zerschneiden.  Es  erhielt  1/4  der  Landprobierer,  y%  der  Probations- 
meister und  1/4  der  Wardein.  Diese  Proben  waren  zu  nummeriren 
und  aufzubewahren.  Von  Weiss-  und  Kleingroschen,  Weiss-  und 
Kleinpfennigen  erhielten  die  drei  genannten  Beamten  von  jedem 
Werk  einen  Betrag  im  Werthe  von  zwei  Weissgroschen.  Kein  Geld 
sollte  vor  der  Probe  ausgegeben  werden,  die  Probezettel  waren  den 
Jahresrechnungen  beizuschliessen. 

Als  „Münzerlohn"  bestimmte  die  Instruction,  und  zwar: 

für  Thaler  per  Mark 12  Weisspfennige 

„    Weissgroschen  per  Mark 16  „ 

„    Kleingroschen  per  Mark 18  „ 

„    Kleinpfennige  per  Mark 21  ,, 


w^- 


unter  deu  Kai-ern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathias.  -  '   ' 

In  Bezug  auf  das  ,, Beizeichen",  welches  der  Münzamtmanu 
Wolf  Herolt  auf  die  unter  seiner  Amtsführung  ausgehenden 
Münzen  zu  setzen  hatte,  sagt  die  Instruction,  dass  „ein  hiuderer 
Greifenfuss  in  einem  runden  Zirklein"  unter  dem  Adler  anzu- 
bringen ist.  Auch  wird  bemerkt,  dass  früher  in  Kuttenberg  zwei 
Münzamtleute  bestellt  waren,  der  jetzige  Münzamtmann  jedoch 
allein  die  Geschäfte  zu  führen  hat,  daher  der  Bergbuchhalter  als 
Münzgegenhändler  verordnet  wurde.  Endlich  wird  noch  verfügt, 
dass  die  wöchentlichen  Auszahlungen  an  die  Werkleute  und  Arbeiter 
immer  mit  neuen  Münzen  zu  erfolgen  haben  und  das  Umwechseln 
in  „alte  vngangbare  Münze ',  weil  der  Arbeiter  dadurch  in  Schaden 
käme,  strenge  verboten  bleibt. 

Den  Münzbeamten  war  es  bei  ernstlicher  Strafe  untersagt, 
Gewerke  und  sonstige  Geschäftsleute  mit  anderen  als  mit  neuen 
Münzen  zu  bezahlen.^) 

Nach  der  vorstehenden  Instruction  waren  die  Thaler  im  Fein- 
gehalt von  14  Loth  4  Grän,  mit  S^s/so  Stücken  aus  der  Prager  Mark 
auszubringen,  woraus  sich  eine  Abänderung  des  unter  dem  18.  Mai 
1576  erlassenen  Normales  ergab,  demgemäss  die  Thaler  im  Fein- 
gehalt von  14  Loth,  1  Quintchen,  1  Pfennig  mit  8^/4  Stücken  aus 
der  Prager  Mark  auszumünzen  waren.  Für  die  kleinen  Münzsorten 
blieben  Korn  und  Schrot  ungeändert.  2)  Ihrem  Werthe  nach  stimmen 
die  nach  den  beiden  Instructionen  ausgeprägten  Thaler  nahe  über- 
ein. Der  nach  den  Normale  vom  18.  Mai  1576  ausgemünzte  Thaler 
hatte  einen  Werth  von  2  Gulden  32-465  Kreuzer  österreieliischen 
Währung  jener  nach  der  Instruction  für  Wolf  Herolt  2  Gulden 
33.34  Kreuzer.  3) 


ij  K.  k.  H.  H.  und  8t.  A.  Böhmische  Acten.  Auch  diese  Instruction  kam 
aus  Berlin  an  das  Wiener  Staatsarchiv.  Vergl.  Seite  36  Note  2. 

3)  Voigt  1.  c.  III.  Bd.  Seite  241  sagt,  dass  er  die  Verordnung  vom 
18.  Mai  1576  in  der  Prager  Münzamtsrechnung  von  1577,  die  zweite  Verord- 
nung jedoch  ohne  Jahrzalil,  aufgefunden  habe,  Korn  und  Schrot  wie  sie  Voigt 
angibt,  stimmen  mit  der  Instruction  für  Wolf  Herolt  vollständig  übercin. 

'^)  Wolf  Herolt  hatte  aus  der  rohen  Prager  Mark  8*«/8o  =  8-6625  Thaler 
auszuschroten.  Nachdem  die  Prager  Mark  231  Pfennige  Wiener  Gewicht  hält, 
so  entfallen  auf  die  Wiener  Mark  231:2r)6  =  8-6625  :  x,  woraus  x  =  9-6 
Stücke.  Nachcb'in  das  Grüngewicht  angesetzt  ist,  so  sind  U  Loth  4  Grau  = 


272 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Mün2 


MUnzamtmann  Herolt  starb  schon  am  Donnerstag  nach  Drei- 
könig (8.  Jänner)  1598.  ^)  Nachdem  von  ihm  Münzen  mit  der  Jahr- 
zahl 1599  vorkommen,  so  kann  geschlossen  werden,  dass  seine 
Witwe  den  Mtinzbetribe  noch  durch  einige  Zeit  fortsetzte,  wie  wir 
ähnliche  Fälle  bereits  mehrere  kennen  gelernt  haben. 

Die  mit  dem  Zeichen  des  Kuttenberger  Münzamtmannes  Wolf 
Herolt  von  Aupa  ,,einem  hinteren  Greifenfuss"  versehenen 
Geld  Sorten  kommen  sehr  häufig  vor.  Auf  den  grösseren  Münzen 
findet  sich  dasselbe  instructionsgemäss  in  der  Umschrift  der  Rück- 
seite unter  dem  Adler  in  einem  kleinen  Kreise  oder  Oval  ange- 
bracht. Auf  Thalern  von  1593  erscheint  dasselbe  verkehrt,  das 
heisst  nach  oben  gerichtet.  Auch  die  unter  Wolf  Herolt  ausgegan- 
genen ganzen,  y,  wnd  1/4  Thaler  entsprechen  dem  Entwürfe 
des  Antonio  Ab  ondio. 

Der  Nachfolger  des  Wolf  Herolt  im  Münzamte  zu  Kuttenberg 
war  Georg  Dominik.  Die  Bestellung  desselben  soll  noch  im  Jahre 
1598  erfolgt  sein,  er  starb  jedoch  schon  im  Jahre  1599  an  der  Pest. 
Nachdem  noch  vom  Jahre  1599  Münzen  mit  dem  Zeichen  des  Woll" 
Herolt  vorkommen,  auch  die  Pest  grosse  Störungen  verursachte, 
darf  geschlossen  werden,  dass  Dominik  den  Münzbetrieb  unter 
seinem  Namen  gar  nicht  eröffnet  hat,  daher  auch  Münzen,  welche 
unter  seiner  Amtsführung  ausgegangen  sind,  bisher  mit  genügender 
Sicherheit  nicht  nachgewiesen  werden  konnten. 

Die  sich  stets  steigernden  Schwierigkeiten  beim  Kuttenberger 
Berg-  und  Münzamtsbetrieb  hatten  nunmehr  einen  ziemlich  raschen 
Wechsel  in  den  leitenden  Beamten  zur  Folge.    An  Stelle  des  durch 


256  Grän.    Diese  nach  dem  Verhältniss  wie  9:8  in  das  Pfenniggewicht  umge 
rechnet  geben  227-5555  Pfennige.  Jeder  Thaler  enthielt  somit  227-5555: 9*6  = 
23-704  Pfennige  Wiener  Gewicht.    Da  5  Wiener  ^  6  Kölner  Mark,  so  geben 
diese  23-704  Wiener  Pfennige,  28-4448  Kölner  Pfennige. 

Die  dermalige  österreichische  Währung  gibt  per  Mark  =  256  Pfennige 
Kölner  Gewicht  21  Gulden.  Wir  haben  somit  256:21  =  28-4448  :  x,  woraus 
X  =  2  Gulden  33-34  '  Kreuzer  als  der  innere  Werth  eines  nach  der  dem 
Wolf  Herolt  ertheilten  Instruction  geprägten  Thalers  entfallt.  Die  Wiener 
Mark  nach  dem  Gesetz  vom  23.  Juli  1871  zu  280.668  Gramm  gerechnet,  hatte 
dieser  Thaler  ein  Gewicht  29-236  Gramm. 

1)  3Iiltner  1.  c,  Seite  180. 


unter  den  Kaisem  Maximilian  II.,  Rudolpli  TL  und  Mathias.  > 

die  Pest  hinweggerafften  Georg  Dominik,  wurde  noch  im  Jahre 
1599  Johann  Spiess  als  Münzamtmann  in  Kuttenberg  bestellt. 
Er  wurde  im  Jahr  1601  mit  dem  Prädieat  „von  Hartenfels"  in 
den  Adelstand  erhoben.  Es  lassen  sich  die  Gründe  nicht  angeben, 
welche  schon  im  Jahre  1603  zu  seiner  Enthebung  vom  Mlinzamte 
führten.  Er  seheint  sieh  damals  gerechtfertigt  zu  haben,  denn  wir 
treffen  ihn  vom  Jahre  1608  an  als  Bergbuchhalter  in  Kuttenberg, 
wo  er  jedoch  im  Jahre  1612  neuerdings  abgesetzt  und  mit  anderen 
Beamten  in  Untersuchung  gezogen  wurde.  Unordnungen  beim 
Silberschmelzen  sollen  hiezu  Anlass  gegeben  haben.  ^) 

Das  Münzmeisterzeiehen  des  Johann  Spiess  vonHarten- 
fels  ist  ein,  seinem  Wappen  entnommener  Gemskopf. «)  Obwohl 
die  Amtsführung  desselben  kaum  vier  Jahre  umfasste,  kommen  die 
unter  ihm  aus  dem  welschen  Hofe  zu  Kuttenberg  ausgegangenen 
grösseren  Münzen  dennoch  ziemlich  häufig  vor.  In  seine  Zeit  fällt 
auch  für  das  Kuttenberger  Münzhaus  die  mit  der  Kesolution  vom 
2.  November  1602  angeordnete  Aenderung  in  der  Ausstattung  der 
ganzen,  Y2  und  ^/\  Thaler  (Seite  98).  Es  liegen  mir  diese  drei 
Sorten  vom  Jahre  1602  vor,  welche  noch  ganz  dem  Entwürfe  des 
Antonio  Abondio  entsprechen.  Ein  Thaler  von  1602  zeigt  jedoch 
bereits  die  dem  oben  erwähnten  Normale  entsprechende  Abänderung 
des  Brustbildes,  auch  liegt  über  dem  Harnisch  die  Vliesskette,  die 
Rückseite  hat  noch  den  schwebenden  Adler  des  Abondio  nur  mit 
der  Abweichung,  dass  der  Adler  mit  dem  rechten  Fang  das 
Schwert  und  links  den  Zepter  hält.  Das  Münzmeisterzeiehen 
ist  in  der  gewöhnlichen  Weise  unter  dem  Adler  in  einem  kleinen 
Kreise  angebracht. 

Nach  der  Entlassung  des  Johann  Spiess,  wurde  das  Kutten- 
berger Münzamt  im  Jahre  1603  an  David  Enderle  von  Burgk- 
- 1 ad t  übertragen.  Wir  haben  denselben  bereits  als  Wardein  zu 
Prag  kennen  gelernt,  wo  er  vom  Jahr  1594  bis  1600,  als  das  Prager 
Münzamt  an  die  Witwe  des  Lazar  Erker  überlassen  war,  als  der 
technische  Leiter  des  dortigen  Münzbetriebes  zu  betrachten  kommt 
(Seite    94).     In    Kuttenberg   traf    er    den    Peter    Keckh    von 


«)  und  2)  MilfiuM-  1    V.  Seite  r.do  mid  Tiif,  I.XV    \i 


274 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Münzwesen 


Schwarzpach  als  Bergbuchli alter  und  Mtinzgegenhändler,  der 
jedoch  schon  im  Jahre  1604^  und  zwar  ein  zweites  Mal  als  Wardein 
nach  Prag  übersetzt  wurde,  i)  Der  Nachfolger  als  Bergbuchhalter 
war  nunmehr  Radslav  Hlavsa  von  Liboslav^  welcher  diese 
Stelle  im  Jahr  1608  an  Johann  Spiess  abtrat.  2)  David  Enderle 
stand  dem  Kuttenberger  Miinzamte  bis  December  1608  vor.  Er 
wurde  Landprobierer  und  Probationsmeister  in  Böhmen. 

Münzensammlern  ist  bekannt,  wie  selten  im  Verhältniss  zu  den 
Thalern,  Halb-  und  Viertelthaler  Rudolphs  IL  vorkommen.  In  dieser 
Beziehung  ist  der  nachfolgende  Nachweis  nicht  ohne  Interesse.  Im 
Jahre  1608  wurden  im  Kuttenberger  Münzhause  51  Prägungen  vor- 
genommen, wobei  9676  Mark,  15  Loth,  2  Quintchen  Silber  ver- 
münzt und  62.9601/2  Thaler  gewonnen  wurden.  Auffallend  gering 
ist  die  Halb-  und  Viertelthalerausprägung.  Unter  1506  ganze  Thaler 
fielen  in  einer  Woche  nur  3  halbe  und  3  Viertelthaler,  in  einer 
anderen  Woche  1290  ganze  und  abermals  nur  6  halbe  und  Viertel- 
t  haier.  3) 

Die  unter  David  Enderle  von  Burgkstadt  zu  Kuttenberg 
geprägten  Münzen  kommen  nicht  so  häufig  vor,  wie  jene  seiner 
Vorgänger.  Sie  sind  bereits  nach  dem  Normale  vom  Jahre  1602 
ausgestattet.  Auf  den  mir  bekannten  Ganzen-,  halben-  und  Viertel- 
thalern  ist  das  Brustbild  des  Kaisers  ohne  Vliesskette.  Das  dem 
Wappen  des  David  Enderle  entnommene  Münzzeichen  ist  der  nach 
rechts  gewendete  Adlerkopf.  Es  befindet  sich  in  der  Umschrift 
der  Rückseite  der  Münzen  unter  dem  Adler,  in  einem  Ovale  oder 
einem  Schildchen  angebracht. 

Der  Nachfolger  des  David  Enderle  als  Mtinzamtmann  in 
Kuttenberg  war  Paul  SkretaSotnovsk^  von  Zavoiric.  Derselbe 
war  im  Jahr  1604  an  Stelle  des  zum  Bergbuchhalter  ernannten 
Radslav  Hlavsa  zum  Münzamtsschreiber  in  Kuttenberg  bestellt  wor- 
den und  wurde  am  13.  December  1608  zum  Münzamtsverweser 
und  schliesslich  1610  zum  Münzamtmann  daselbst  befördert. 


1)  Mütner  1.  c.  Seite  222. 
a)  Daselbst  Seite  185. 

3)  Nach  gütigen  Mittheilungen  des   mehrerwähnten  k.  k.  Hauptm.i 
Herrn  Heinrich  Rappe  in  Kuttenberg. 


unter  deu  Kaisem  Maximilian  IL,  Rudolph  11.  und  Mathias. 


275 


Es  wurde  ihm  der  im  Jahre  1603  vom  Münzamte  euthobeue 
Johann  Spiess  vo  n  Harte  nf eis  als  Bergbuchhalter  ,und  MUnz- 
gegenhändler  an  die  Seite  gegeben,  i)  Die  Instruction  welche  ddo. 
Prager  Schloss,  1.  April  1610  dem  „Paul  Screta  von  Zaworzig" 
auch  für  die  ihm  beigeordneten  zwei  Münzschreiber,  für  den  War- 
dein und  den  Münzschaffer  ertheilt  wurde,  stimmt  in  den  einzelnen 
Verfügungen  mit  der  oben  nacli  ihren  Hauptzügen  dargestellten 
Instruction  für  den  Kuttenberger  Münzamtmann  Wolf  Herolt  über- 
ein. 2)  lieber  den  Umfang  des  Prägebetriebes  im  welschen  Hofe  zu 
Kuttenberg  während  der  Amtsverwaltung  des  Paul  Skreta  werden, 
jedoch  nur  die  Thalerausgabe  betreffend,  die  nachfolgenden  Daten 
-einige  Aufschlüsse  geben.  Es  wurden  geprägt  im  Jahre  1609, 
75.984  Stücke,  1610,  67.550  und  1611,  100.124,  zusammen  in 
diesen  drei  Jahren  243.658  Thaler.  In  Folge  des  in  Umlauf  befind- 
lichen Uebermasses  an  geringhaltigen  kleinen  Geldsorten,  wurde 
der  Thaler  bereits  mit  einem  Aufgeld  von  10  Kreuzer,  dass  heisst 
mit  80  Kreuzer  bewerthet.s) 

Im  Jahre  1612  wurden  sämmtliche  Berg-  und  Münzbeamte  in 
Kuttenberg,  namentlich  der  Berghofmeister  Sebastian  Hölzl,  der 
Urbarschreiber  Nicolaus  vonRdsne,  der  Bergbuchhalter  Hanns 
Spiess  und  der  Münzamtmann  Paul  Skreta  über  die  Anklage,  dass 
sie  beim  Silberschmelzen  unrichtig  verfahren,  durch  eine  Conimission, 
welcher  der  Kammerprocurator  Prokop  Dvof  eckt  von  Olbra- 
movic  vorstand,   abgesetzt  und  an  §kretas  Stelle  Johann  Sultys 


1)  Miltner  1.  c.  Seite  .);m,. 

2)  K.  k.  H.  H.  und  St.  A.  Böhmische  Acten. 

8)  Die  Zuschläge  eines  Aufgeldes  bei  der  Annahme  von  Thalera  und 
Ducaten  rausste  schliesslich  auch  die  kaiserliche  Regierung  zugestehen.  Mit 
dem  Erlasse  der  Hofkammer  an  die  schlesische  Kammer,  ddo.  Prag,  24.  Novem- 
ber lf)l>5  wurde  verordnet,  dass  bei  der  Uebernahme  eines  Kautschillings  von 
30.(X)0  Thaier,  5  Dukaten  für  8  Thaler,  und  der  Thaler  zu  70  Kreuzer  zu 
nehmen  sein  wird.  Der  Dukaten  wurde  sohin  mit  112  Kreuzer  bowerthet. 
K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  324,  Fol.  625.  Mit  dem  ebenfalls  an  die  sohle- 
sische  Kammer  gerichteten  Erlasse,  ddo.  Prag,  14.  Juni  1601  wurde  bewilligt, 
dass  der  gute  Thaler  zu  73  Kreuzer  und  der  Dukaten  zu  120  Kreuzer  ange- 
nommen werden  kann.  Gedenkbuch  Nr.  327,  Fol.  454.  Solche  Aufgelder  bei 
der  Uebernahme  von  Geldbeträgen  mussten  in  immer  steigender  Ziffer  zuge- 
standen werden. 

18* 


276 


Johann  Xewald:  Das  österreichische  Münzwesen 


von   Felsdorf  zum   Münzamtmann    ernannt,    dessen   Thätigkeit 
jedoch  der  Zeit  der  nachfolgenden  Regenten  angehört,  i) 

Das  Münzzeichen  des  Kuttenherger  Miinzamtmannes  Paul 
Skreta  8otnovky  von  Zavof  ic,  welches  instructionsgemäss  an 
der  Rückseite  der  Münzen  unter  dem  Adler  in  einem  Kreise  oder 
Oval  angebracht  ist,  war  die  seinem  Wappen  entnommene  „Doppel- 
lilie". 2)  Die  Sammlung  des  Herrn  Donebauer  in  Prag  bewahrt 
einen  derart  bezeichneten  Thaler  Rudolphs  IL  vom  Jahre  1612, 
eine  in  doppelter  Hinsicht  merkwürdige  Münze,  da  Mathias  schon 
am  23.  Mai  1211  als  König  von  Böhmen  gekrönt  wurde  und 
Rudolph  IL  schon  am  20.  Jänner  1612  starb. 

Ueber  den  Umfang  des  Kuttenherger  Münzprägebetriebes  in 
verschiedenen  Zeitperioden  finden  sich  in  der  Geschichte  der  böhmi- 
schen Bergwerke  vom  Grafen  Sternberg  eingehende  Nachweise  vor. 
Ein  Kuttenherger  Inventarium  vom  29.  December  1590  zählt  als 
„Irer  Kais.  Mt.  aigne  Perchthail,  so  Irer  Mt.  neben  andern  Gewer- 
khen  pauen  lassen"  zusammen  2717  Kuxe  auf.  Nicht  ohne  Interesse 
sind  die  Kirchenparamente,  welche  in  diesem  Inventar  als  in  der 
im  welschen  Hofe  befindlichen  Kapelle  vorhanden,  angegeben  wer- 
den, und  zwar: 

„Eine  Silberne  Monnstranz  wiegt 
sambt  dem  Glass 21  Mark    3  Loth  —  Quint. 

Zween  Silberne  verguldte  Kelch, 
vnnd  zwo  Paten  wegen         5      „     10     .,       1       ,, 

Ein    drifachs    silbernes    Crysam- 
Püchsel  wigt —      „     11     „       3      „ 

Ein  Silbern  Ostien-Puchsel  wigt  .  —       „     13     .,     — 

Ein   klein*'«    >^i1l»pnif^^   >^chissele 

wigt —      „       3     ,,       3      „ 

Silber  .    .  28  Mark    9  Loth    3  Quint." 

Es  ist  wohl  die  Frage  gestattet,  wohin  diese  Gegenstände,  die 
sicher  einen  hohen  Kunstwerth  hatten,  gekommen  sind? 


1)  Miltner  1.  c.  Seite  596  und  634. 

2)  Daselbst  Taf.  LXV,  Nr.  548  bis  552. 


unter  den  Kaisern  Maximilian  Tl.,  Rudolpli  IL  und  Mathias.  "^  i  i 

XU, 
Die  Münzstätte  zu  JoacMmstlial. 

Der  einer  Tiroler  Adelsfamilie  entstammende  Münzmeister 
Oeorg  Geitzkofler  von  Gailenbach  in  Hausheim  und 
Most  starb  bald  nach  dem  Regierungsantritte  Rudolphs  II.  am 
14.  Juli  1577.  Sein  Amtsnachfolger  war  Georg  Kadner  von 
Greifeneck;  königlicher  Rathi)  und  Kammerbuchhalter  in  Böh- 
men, bereits  mehrfach  bei  commissionellen  Erhebungen  zu  Kutten- 
berg und  Budweis  betheiligt.  Er  übernahm  das  Münzmeister-  und 
Zehenteinnehmeramt  zu  Joachimsthal  am  11.  November  1577.2) 

Die  beim  Dienstantritte  des  Georg  Geitzkofler  bei  der  ge- 
sammten  Joachimsthaler  Amtsverwaltung  angestrebten  Ersparungen 
(Seite  50)  wurden  nunmehr  wieder  aufgenommen.  Mit  der  Reso- 
lution ddo.  Pressburg,  7.  April  1578  wurde  die  böhmische  Kammer 
angewiesen,  aus  Ersparungsrücksichten  den  Hauptmann  zu  Joachims- 
thal Alb  recht  von  Globen  zu  entlassen  und  das  Amt  dem  Münz- 
meister Georg  Kadner  zu  übertragen,  welcher  dasselbe  „weil  bey 
gegenwärtigen  Standt  wenig  zu  thun  ist"  und  er  ohnehin  700  Thaler 
jährlich  bezieht,  ohne  weitere  Besoldung  zu  übernehmen  hat.  s)  Die 
böhmische  Kammer  hatte  aus  diesem  Anlasse  für  Kadner  ein 
Gnadengeld  von  500  Thaler  beantragt.  Mit  der  Resolution  ddo. 
Prag,  15.  October  1578  werden  nur  200  Thaler  genehmigt,  ,,dieweil 
er  allein  aus  einem  Dienst  in  den  andern  gestanden."  Nachträglich 
wurden  jedoch  unterm  1.  Juni  1579  die  abgelehnten  300  Thaler  in 
zwei  Jahresraten  auf  Kuttenberg  angewiesen.  *)  Albrecht  von 
Globen  zu  Pachlovic,  der  erst  unterm  18.  April  1571  zum  Ober- 
hauptmann in  Joachimsthal  resolvirt  worden  war,  wurde  ddo.  Prag, 
27.  März  1579  als  Hauptmann  zu  Elbogen  bestellt.  ^^) 


«j  Seit  10.  September  1577.  Gdkb.  Nr.  315,  Fol.  56J>vcre. 

2)  Miltner  1.  c,  Seite  211. 

»)  K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  310,  Fol.  70. 

*)  Daselbst  (Jdkb.  Nr.  316,  Fol.  172  und  341. 

*i  Fol.  2H"Jv.r8. 


278 


JiMiituu  Ncwalii:  Dm  östi_rrfi(;ni.-ciie  .">iiinz-«-.gen 


Wie  solches  unter  Ferdinand  I.  und  Maximilian  IL  stattgefun- 
den hatte,  beantragte  die  böbmisehe  Kammer  mit  Rücksicht  auf 
den  Regierungsantritt  Rudolphs  IL  unterm  3.  Juli  1579  für  den 
Schniiedmeister,  die  Münzgesellen,  den  Münzdiener  und  den  Tiegel- 
warter  zu  Joachimsthal,  zusammen  9  Personen,  die  Genehmigung 
des  sogenannten  „Ehrklaidt",  Mit  dem  Erlasse  ddo.  Prag,  19.  März 
1580  wurde  für  jeden  der  Genannten  das  „Ehrklaidt  von  16  Gulden 
rhein.  Werth  oder  soviel  Baargeldt"  angewiesen. i)  Mit  der  Reso- 
lution ddo.  Prag,  7.  Jänner  1581  wurde  dem  Münzmeister  Kadner 
„dafür,  dass  er  die  Haubtmanschaft  durch  eine  Zeit  verwaltet,  als 
Ergötzlichkeit"  die  Summe  von  400  Thaler  jedoch  auf  vier  Jahre 
vertheilt,  bewilligt,  a) 

Münzmeister  Kadner  starb  sclion  am  2i^>.  Juli  1582.  Da  die 
Neubesetzung  des  Amtes  erst  im  Jalire  1584  erfolgte,  verwaltete 
dessen  Witwe  Lucia,  wie  solches  an  verschiedenen  Orten  und 
wiederholt  stattfand,  das  Münzamt.  Es  geht  dieses  aus  dem  Ver- 
handlungsacte  vom  14.  August  1583  hervor,  s)  Die  aus  dem  Joachims- 
thaler  Münzhause  unter  der  Verwaltung  des  Georg  Kadner  und 
seiner  Witwe  Lucia,  das  ist  von  1577  bis  1584  ausgegangenen 
Münzen  haben  ein  Münzzoichen,  welches  bald  als  Delphin,  bald 
als  Greif s rächen  angesprochen  wird.  Leider  hat  sich  bis  nun 
weder  die  Amtsinstruction  des  Kadner,  noch  sonst  ein  Actenstück, 
in  welchem  das  fragliche  Münzzeichen  beschrieben  wird,  vorgefun- 
den. Kadner  führte  in  seinem  Wappen,  und  zwar  im  Schild  und  als 
Helmzier  einen  Greif,  wie  solches  aus  seinem  in  den  Acten 
wiederholt  vorkommenden  Siegel  und  aus  verschiedenen  Jetons  zu 
entnehmen  ist,  *)  dem  das  in  Rede  stehende  Mttnzzeichen  jedoch 
nicht  entspricht.  Man  mag  nun  schon  Jenen,  welche  dieses  Zeichen 
als  „Greifsrachen"  oder  den  Andern,  die,  wie  es  scheint,  mit 
mehr  Recht,  dasselbe  als  „Delphin"  ansprechen,  zustimmen:  ausser 
Zweifel  dürfte  stehen,  dass  wir  es  mit  dem  Mttnzzeichen  des  Kadner 
zu  thun  haben.  Die  mit  demselben  versehenen  Thaler  entsprechen 
dem  Entwürfe  des  Antonio  Abondio,  es  fehlt  auf  ihnen  jedoch  unter 


i)  und  2)  K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  317,  Fol.  68^ers.  und  352vers. 

3)  Daselbst  Gdkb.  Nr.  318,  Fol.  365. 

4)  Miltner  1.  c,  Taf.  XXII,  Nr.  174-177. 


unter  den  Kaisern  Maximilian  TT.,  Rudolph  TT.  und  Mathias.  Z  4  " 

dem  ßrustbilde  der  böhmische  Löwe,  daher  auch  hier  auf  den  Ein- 
fluss  des  Albrecht'schen  Müuzprägeunternehmens  um  so  berecli- 
tigter  geschlossen  werden  darf,  da  sich  Thaler  dieser  Bezeichnung 
alsbald  als  mit  minderem  Korn  ausgebracht  erkennen  lassen. 

Der  Nachfolger  des  Georg  Kadner  war  Paul  Hofmann.  Die 
„Instruction  und  Ordnung''  ddo.  Prag,  4.  Juni  1584  lautet  flir  „Paul 
Hofmann,  Einnember  vnd  Münzmeister  in  Joachimsthal  vnd  den 
Gegenhandler  Balthasar  Dürleber".  Dieselbe  macht  uns  mit  den 
Eigenthümlichkeiten  des  dortigen  MUnzbetriebes  bekannt.  Es  waren 
zu  prägen  ganze  Thaler  zu  30  Weissgroschen,  auch  i/g  und  1/4  Thaler. 
Die  Instruction  verordnet,  dass  „ganze  Thaler  auf  die  Erfurder 
Markh,  deren  wir  uns  (dieweil  alle  vnd  jede  einkhombendc  Silber, 
von  den  Gewerkhen  von  Alters  vnd  noch  in  Zehendten  daselbst 
nach  Erfurdischen  Gewicht  angenomben  vnd  bezallt  werden)  bei 
vnnserer  Müntz  alda  nachmals  gebrauchen,  8^,0  Stuckh,  der  halben 
aber  16  V5  stuckh,  vnd  der  Ortgroschen  32%  stuckh  aufgehen  vnd 
die  Markh  zugleich  fein  halten  14  Loth  1  Quint.  1  Pfennig  also  das 
sich  von  100  Markh  gerad  810  Stuckh  im  Auszelen  befinden. '^  Fer- 
ner waren  auszumünzen: 

Weissgroschen  30  einen  Thaler  von  dei*  Erfurter  Mark 
117  Stücke  zu  6  Loth  3  Quint.  fein. 

Kleingroschen  60  einen  Thaler  auf  die  Prager  Mark  240  Stück, 
„das  weren  auf  die  Erfurder  Markh  22273  Stück  zu  6  Loth 
1  Quint.  fein. 

Weisspfennige  7  einen  Weissgroschen  611  Stück  zu  5  Loth  fein 

Die  Bestimmungen  über  das  Remedium,  über  die  Tiegelprobe 
des  Wardeins,  über  den  Abgang  beim  Giessen,  über  das  „Für- 
gewicht", über  die  Abgabe  von  Probeniünzen  u.  s.  w.  kommen  mit 
jenen  Anordnungen,  wie  sich  dieselben  in  den  bereits  erwähnten 
Instructionen  vorfinden,  überein.   Als  MUnzerlohn  war  bestimmt: 

Für  14  Mark  Thaler  Erfurter  Gewicht,  für  8  •/«  Mark  Weiss- 
groschen, für  ö'/a  Mark  Kleingroschen  und  Weisspfennigen,  je 
1  Thaler  zu  30  Weissgroschen,  „doch  das  die  Münzer  dieselben 
nach  dem  Weissmachen  auch  vollendt  abpregen.'^  DerGiesser 
erhielt  jährlich  ein  „Giesskleid"  zu  8  Thaler  und  2^/^  Thaler  auf 
„Giesskittel*.  Die  beim  Giessen  beschäftigten  Arbeiter  bezogen  A\r 


^TT?F§' 


280 


Johann  Newald  :  Das  österreichische  Münzwesen 


„GiessbrateD  und  Giessbier"  jedes  Quartal  6  Guldeu  rhein.  Als 
,. Lichtgans"  erhielt  jeder  ,,Münzer"  jährlieh  1  Thaler,  jeder ,, Junge" 
Va  Thaler. 

Die  Bezüge  des  Münzeisenschneiders  waren: 
Für  ganze,  i/a  und  y^  Thaler-Stöcke  oder  Obereisen  15  Weiss- 
groschen, für  Weissgroschen  und  Kleingroschen  für  Stöcke  oder 
Obereisen  15  Kleingroschen  und  endlich  für  Weisspfennigeisen 
5  Kleingroschen.  Zum  Schlüsse  wurde  der  Münzmeister  Paul  Hof- 
mann angewiesen  ,,zu  Ausgang  des  Texs  sein  Beizeichen  als 
nemblichen  ainen  halben  Monden  vnd  darüber  ein  Roslein, 
baide  in  ainem  runden  Zirkel"  auf  die  Münzen  zu  prägen,  i)  Die 
nach  dem  vorstehenden  Normale  ausgeprägten  Thaler  hatten  nach 
der  dermaligen  österreichischen  Währung  einen  Werth  von  2  Gul- 
den 31-915  Kreuzer.  Da  der  nach  der  Miinzordnuni:-  vom  15.  Februar 
1524  ausgebrachte  Thaler  einen  Werth  von  2  Gulden  81-197  Kreu- 
zer besass,  so  waren  beide  Münzen  sehr  nahe  gleich,  -j 

Der  Münzmeister  Paul  Hofmann  starb  den  17.  Februar  1599 
und  wurde  in  der  Spitalskirche  zu  Joachimsthal  beigesetzt.  Ueber 
die  grossen  Schwierigkeiten,  mit  denen  der  Joachimsthaler  Bergbau 
zu  kämpfen  hatte,  finden  sich  bei  Sternberg  1.  c,  I.  Bd.,  Seite  312  u.  f. 
eingehende  Nachrichten  und  wird  die  Verschuldung  desselben  zur 
Zeit  des  Münzmeisters  Paul  Hofmann  auf  Seite  409  besonders 
erwähnt.  Den  Rückgang  im  Münzbetriebe  beklagte  schon  mit  der 
Eingabe  vom  10.  September  1578  der  MUnzmeister  Kadner,  indem 
er  meldete,  dass  in  Joachimsthal  sammt  dem  Schmiedmeister  nur 
sechs  Müuzer  beschäftigt  sind,  s)  Sternberg  I.  c,  Seite  423  setzt  für 
die  17  Jahre  von  1577  bis  1594  die  gesammte  Thalerausprägung 


i)  Diese  Insti-uction  ist  dem  vollen  Wortlaute  nach  abgedruckt  in  F.  A. 
Schmidt,  Berggesetze  tur  Böhmen  etc.,  III.  Bd.,  Seite  397  u.  f. 

2)  Die  Erfurter  Mark  ist  der  Kölner  Mark  gleich.  Da  der  Feingehalt  von 
14  Loth  1  Quint.  1  Pfennig  =  229  Pfennig,  so  entfallen  auf  das  Einzelstück 
229  :  8-1  =  28*2716  Pfennig.  Die  dermalige  österreichische  Währung  gibt  per 
Mark  =  256  Pfennige  Kölner  Gewicht  21  Guldeu.  Wir  haben  somit  256  :  21  = 
28-2716  :  X-,  woraus  x  oder  der  Werth  eines  Thalers  mit  2  Gulden  31-915  Kreuzer 
entfallt. 

1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  15378. 


unter  den  Kaiseru  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathias. 


281 


mit  169-329  Stück  an,  woraus  für  das  Einzelnjahr  die  allerdings  sehr 
massige  Zahl  von  9960  Thaler  entfallen  würde. 

Die  unter  dem  Münzmeister  Paul  Hofmauu  geprägten  gan- 
zen, 1  a  und  v*  Thaler  unterscheiden  sich  von  jenen  des  Vorgängers 
zunächst  dadurch,  dass  auf  denselben  unter  dem  Brustbilde  des 
Kaisers  der  böhmische  Löwe,  allerdings  in  einer  ganz  unheraldi- 
schen Form,  auch  mit  einem  ungewöhnlich  langen  Doppelschweif 
ausgestattet,  dargestellt  ist.  An  der  Rückseite  ist  das  Kreuz  des  auf 
der  Brust  des  schwebenden  Adlers  befindlichen  Reichsapfels  derart 
verlängert,  dass  es  unter  der  Krone  zwischen  den  Adlerköpfen  zu 
stehen  kommt.  ImUebrigen  entsprechen  diese  Münzen  dem  Entwürfe 
des  Abondio.  Paul  Hofmann  scheint  die  Betheiligung  an  dem  Präge- 
geschäft des  Bartholomäus  Albrecht  abgelehnt  zu  haben. 

Nach  Paul  Hofmann  kam  der  Joachimsthaler  Einnehmer-  und 
Münzmeisterdienst  in  ziemlich  rascher  Folge  zweimal  in  Erledigung. 
Unterm  15.  Jänner  1600  wurde  der  kaiserliche  Rath  Christoph 
Taubenreutter  von  Taubenreut,  der  seit  October  1591  deut- 
scher Buchhalter  in  Prag  war,  zum  Einnehmer  und  Münzmeister  in 
Joachimsthal  ernannt.  Im  Jahre  1599  fand  im  versammelten  Landtag 
die  Bestätigung  seines  Adels  und  die  Aufnahme  in  den  Ritterstand 
statt.  Als  Münzmeister  blieb  er  nur  bis  gegen  die  Mitte  1604  thätig. 
Er  erwarb  im  Jahre  1602  die  Veste  und  das  Gut  St.  Maria  Kupfer- 
berg, wohin  er  sich  zurückgezogen  hatte  und  im  Jahre  1607  starb.  *) 
Unter  Taubenreutter  machte  der  Rückgang  im  Ertrage  des  Joachims- 
thaler Münzwesens  weitere  Fortschritte,  so  dass  die  Uebertragung 
der  Mttnzwerke  nach  Prag,  wo  man  die  Errichtung  einer  Hauptmünz- 
stätte am  Hradschin  beabsichtigte,  in  Erwägung  kam  (Seite  96 «). 

Das  Zeiclien  des  Münzmeisters  Christoph  Taubenreutter  ist  die 
seinem  Wappen  entnommene  Doppellilie. «)  Die  grösseren  Silber- 
münzen desselben  gehören  sämmtlich  unter  die  Seltenheiten.  Bei 


1;  Miltner  1.  c,  Seite  646. 

2)  Auf  dieBO  Verhandlunf^rn  .-.in  i.ü  ,-...  li  dir  Anhalte  Ik*!  m.  i.....ift  I.  c, 
Seite  407  bezü^Hich  Verlobung  der  Münze  vim  Joachim.sthal  muh  Prag  zu 
beziehen. 

»)  Miltner  1.  c.,  I  nf.  LXVII,  Nr.  672—574. 


282 


Jonann  Newald:   Das  österreichisch«*  Miinzwesen 


Schultess-Recliberg  findet  sich  weder  der  Thaler,  noch  der  Halb 
thaler  erwähnt,  ebensowenig  findet  sich  bei  Killian  weder  der  ganze, 
noch  ein  Ya  oder  1/4  Thaler  aufgezählt.  Die  Sammlung  Done- 
bauer  bewahrt  einen  vortrefflich  erhaltenen  Doppelthaler,  die 
Sammlung  Spöttl  von  den  Jahren  1602  und  1603  einfache  Thaler. 
Mit  Ausnahme  des  MUnzzeichens  stimmen  die  Stempel  mit  jenen 
des  Paul  Hofmann  überein.  Unter  dem  ßrustbilde  befindet  sich  der 
bereits  erwähnte  langgestrekte  unheraldische  Löwe. 

Auf  Christoph  Taubenreutter  folgte  in  Joachimsthal  als  Ein- 
nehmer und  Münzmeister  Hanns  G-ipfel,  dessen  Amtsthätigkeit 
in  die  Zeit  vom  13.  August  1604  bis  11.  August  1606  fällt.  Sein 
Münzzeichen  ist  eine  aufrechte  linkshin  gewendete  Mond- 
sichel, vor  derselben  ein  fünfstrahliger  Stern.  Die  Thaler 
dieser  Prägung  gehören  unter  die  grossen  Seltenheiten;  sie  fehlen 
bei  Schultess  und  Killian.  Hieher  gehörige  Halb-  und  Viertelthaler 
sind  mir  nicht  bekannt.  Vom  Jahre  1605  befindet  sich  ein  Thaler 
in  meiner  Sammlung.  Der  Stempel  ist  nach  der  Vorschrift  vom 
2.  November  1602  (Seite  98)  angefertigt,  nur  ist  der  Kopf  des 
Kaisers  höchst  mangelhaft  dargestellt. 

Mit  dem  Erlasse  ddo.  Prag,  11.  August  1606  wurde  Centurio 
Lenge f eider  zum  Münzmeister  in  Joachimsthal  befördert  und 
wurde  ihm  ddo.  Brandeis,  12.  December  1606  seine  Amtsinstruction 
ertheilt.  Sein  Wardein  und  Münzgegenhiindler  war  Benedikt 
Huebmer.  Eine  Vergleichung  dieser  neuen  Instruction  mit  jener, 
welche  ddo.  4.  Juni  1584  für  Paul  Hofmann  ertheilt  wurde 
(Seite  111),  lässt  eine  Aenderung  im  Schrot  und  Korn  bei  den  gan- 
zen, Ya  und  Y*  Thalern  erkennen.  Es  waren  nach  dem  neuen  Nor- 
male auszubringen,  und  zwar  aus  der  Erfurter  Mark  81/40  ganze, 
I6V20  halbe  und  32 1/10  Stücke  Viertelthaler,  somit  hatten  auf 
40  Mark  Erfurter  Gewicht  genau  321  ganze  Thaler  zu  entfallen.  Der 
Feingehalt  war  mit  14Loth4  Grän  bestimmt.  Bezüglich  der  kleinen 
Münzen  stimmen  beide  Instructionen  im  Schrot  und  Korn  überein, 
sowie  auch  alle  Manipulations-Details,  Lohnbestimmungen  u.  s.  w. 
gleichlautend  sind.  Das  Münzzeichen  anbelangend,  wird  verordnet, 
dass  Centurio  Lengefelder  auf  allen  Sorten  der  grossen  und  kleinen 
Münzen  zu  Ausgang  des  Textes   „ein   Löwenkopf  mit  ausge- 


1 


unter  den  Kaisem  Maximilian  II.,  Rudolpii  II.  und  Mathias. 


283 


schlagener  Zungen  in  einem  runden  Zirkel'^  anzubringen  habe. 
Im  Vergleiche  mit  dem  nach  der  Instruction  für  Paul  Hofmann  zu 
Joachimsthal  geprägten  Thaler,  welcher  einen  Werth  von  2  Gulden 
31-915  Kreuzer  österreichischer  Währung  hatte,  besass  der  neue 
Thaler  einen  Werth  von  2  Gulden  32*585  Kreuzer  österreichischer 
Währung.  Der  Unterschied  im  Werthe  der  beiden  Thaler  war  somit 
ganz  unerheblich.  <) 

Ihrer  Ausstattung  nach  unterscheiden  sich  die  zu  Joachimsthal 
während  der  Amtirung  des  Centurio  Leugefelder  geprägten  Thaler, 
1/2  und  1/4  Thaler  wesentlich  von  dem  Entwürfe  des  Abondio,  sie 
sind  sämmtlich  nach  dem  Normale  vom  2.  November  1602  her- 
gestellt. Unter  dem  ßrustbilde  ist  der  bölimische  Löwe  angebracht, 
denn  beim  Amtsantritte  des  Lengeielder  war  das  Münzpräge- 
geschäft des  Unternehmers  Albrecht  schon  seit  einigen  Jahren  ein- 
gestellt. Die  mit  dem  Zeichen  des  LengefeUler  versehenen  MUnzen 
kommen,  da  derselbe  bis  zum  Jahre  1620  MUnzmeister  in  Joachims- 
thal war,  ziemlieh  häufig  vor.  In  einem  Berichte,  welchen  der  Berg- 
hauptmann Sebastian  Hölzl  ddo.  Joachimsthal,  28.  März  1607  ein- 
brachte, beklagte  derselbe  den  Verfall  des  Münzwesens  im  Reiche 
und  die  Nachtheile,  welche  daraus  für  die  kaiserliehen  Länder 
erwachsen,  er  bedauert  auch  das  Ausgeben  von  „viereketen 
Münzen". 2) 

XIII. 
Die  Münzstätte  zu  Budweis. 

Wie  solches  aus  der  Resolution  ddo.  Wien,  13.  September 
1577  hervorgeht,  blieb  dem  als  Münzmeister  nach  Prag  übersetzten 

I  Centurio  Lengefelder  hatte  aus  der  rohen  Erfurter  oder  Kölner  Mark 
.^iy^y  z^  8*025  Thaler  auszuschroten.  Nachdem  das  Grängowicht  in  Anwendung 
war,  so  sind  14  Loth  4  (irän  =  256  Grä«.  Diese  nach  tlein  Verhältnisse  wie 
!»  :  8  in  das  Pfenniggewicht  umgerechnet  geben  227-5555  Pfennige.  Jeder 
Thaler  enthielt  somit  227-5555  :  8*025  =  28-;J558  Pfennige  Kölner  Gewicht. 
Nachdem  aus  der  Mark  =  256  Pfennige  Kölner  Gewicht  21  Gulden  öster- 
reicliischer  Währung  entfaUen,  so  haben  wir  250  :  21  =  28*3558  :  x,  woraus  x 
oder  der  Werth  ciucs  nach  der  für  Lengefehler  erlasseneu  Instructi(m  geprägten 
Thalers  mit  2  (jlukleu  :J2-585  Kreuzer  österreichischer  Währung  eutfUllt. 

^1  K.  k.  H.  K    A     F.is.v  it;n»;2. 


284 


Johann  Newald  :   Das  österreichische  Miinzwesen 


Tobias  Gebhart  auch  das  Biidweiser  Miinzamt  übertragen 
(Seite  92).  Die  Verfügung,  „dass  baide  Münzen  die  zu  Praag  vnnd 
Budweiss  durch  den  jetzigen  Budweisischen  Münzmeister  Tobias 
Gebharten  vnnder  ainer  Besoldung  versehen  vnd  bestellt 
werden  sollen'-',  lässt  ziemlich  klar  entnehmen,  dass  es  der  Hof- 
kammer zunächst  um  die  Ersparung  der  dem  Budweiser  Münz- 
meister zustehenden  Bezüge  zu  thun  war.  Sie  überliess  es  dem 
Gebhart,  sich  mit  seinem  Vertreter  zu  Budweis,  Christoph 
Mattig hof er  von  Stern f eis  in  geeigneter  Weise  abzufinden,  der 
zunächst  auch  nur  Namens  des  Gebhart  als  Münzamtsverwalter  oder 
Münzamtmann  in  Budweis  thätig  war,  daher  als  landesfUrstlicher 
Münzmeister  erst  nach  Her  im  Jalire  1582  erfolgten  Beförderung  des 
Gebhart  zum  Rentmeister  in  Böhmen,  wodurch  der  Budweiser 
Dienstplatz  definitiv  in  Erledigung  kam,  eintrat,  lieber  das  Vorleben 
des  Mattighofer  haben  sich  verlässliche  Daten  bis  nun  nicht  vor- 
gefunden. 

Erst  ddo.  Prag,  1.  December  1591  erhielten  der  „Budweiser 
Münzmeister  Christoph  Mattighofer  von  Sternfels  und  der 
zugeordnete  Wardein,  zugleich  Gegenhandler  Hanns  Röder"  ihre 
Amtsinstrnction.  Gleich  im  Eingange  wird  bestimmt,  dass  zur 
Bestreitung  der  Amtsauslagen  dem  Münzmeister  ein  Pauschale  von 
jährlich  24  Gulden,  dem  Wardein  von  12  Gulden  genehmigt  wird. 
Die  auszuprägenden  Münzen  waren: 

Ganze  Thalergroschen  zu  70  Kreuzer  odor  :'"  Wpissgroscheu, 
8»/*  Stücke  aus  der  Prager  Mark. 

Halbe  Thalergroschen  zu  35  Kreuzer  oder  15  Weissgroschen, 
171/2  Stücke  aus  der  Prager  Mark. 

»^  Thaler  oder  Ortgroschen  zu  17\/2  Kv'ir/cr  ndor  71  Woiss. 
groschen,  35  Stücke  aus  der  Prager  Mark. 

Diese  drei  Sorten  waren  im  Feingehalt  von  14  Loth  1  Quint. 
1  Pfennig  auszubringen.  Ferner  waren  auszugeben: 

Weissgroschen  30  Stücke  einen  Thaler,  1 262/7  Stücke  von  der 
Prager  Mark,  6  Loth,  3  Quint.  fein. 

Kleingrosehen  60  Stücke  einen  Thaler,  240  Stücke  von  der 
Prager  Mark,  6  Loth  1  Quint.  fein. 

Weissdenar  7  einen  Weissgroschen,  659  Stücke  von  der  Prager 
Mark,  5  Loth  fein. 


unter  den  KiiistTii  Maximilian  IL,  iiudnjph  ii,  mid  Muthia.s 


285 


Aus  den  vorstehenden  Normen  ergibt  sich,  dass  im  MUnzhause 
zu  Budweis  die  Ausprägung  nach  dem  vom  böhmischen  Landtage 
am  18.  Mai  1576  gefassten  Beschlüsse  stattfand  (Seite  42).  Alle 
übrigen  Anordnungen  und  Details  stimmen  mit  jenen  Uberein,  wie 
sie  in  den  bereits  mitgetheilten  Instructionen  vorkommen.  Auffällig 
ist  nur  eine  früher  nicht  anzutreifende  Verordnung,  durch  welche 
das  Ausleihen  von  Geld  aus  der  Münzamtscassa  strenge  verboten 
wird.  Endlich  wurde  verftigt,  dass  die  beim  Zehentner  und  in  der 
Münze  befindlichen  Gewichte,  alle  Quartale  unter  einander  und  mit 
der  cimentirten  Prager  Mark  zu  vergleichen  sind.  Die  Rechnungen 
waren  quartalweise  vom  Mtinzmeister  und  Gegenhandler  gefertigt 
und  gesiegelt  vorzulegen.  Schliesslich  verordnet  die  Instruction,  dass 
der  Münzmeister  Mattighofer  „das  üblich  Zeichen  auf  alle  unter 
ihm  ausgehende  Münzen-  zu  setzen  habe,  ij  Es  dürfte  die  Annahme 
als  berechtigt  erscheinen,  dass  unter  dem  „üblichen  Zeichen'^  das 
vom  Vorgänger  Tobias  Gebhart  in  Budweis  geführte  Zeichen,  näm- 
lich der  Löwenkopf,  zu  verstehen  war.  Bei  der  Uebernahme  des 
Prager  Münzamtes  Hess  Gebhart,  da  Mattighofer  zunächst  nur  sein 
Vertreter  im  Budweiser  Münzhause  war,  sein  Münzzeichen  dort 
zurück  und  wählte  l"ür  Prag,  wie  wir  wissen,  den  sechsstrahligen 
Stern.  Mattighofer  hielt  auch  später,  als  ihm  definitiv  das  Budweiser 
Münzamt  übertragen  worden  war,  den  Löwen  köpf  als  sein  Münz- 
zeichen bei. 

Bis  zum  Schlüsse  des  XVI.  Jahrhunderts  zeigt  sich  auf  den  unter 
Mattighofer  ausgegangenen  Thalern  der  Einfluss  des  Albrecht- 
schen  Prägebetriebes.  Es  fehlt  auf  denselben  der  böhmische 
Löwe.  Erst  ein  in  die  Sammlung  Donebauer  gehöriger,  mit  dem 
Löwenkopf  bezeichneter  schöner  Thaler  von  1604,  der  unzweifelhaft 
aus  der  Budweiser  Münze  stammt,  triiiit  unter  dem  Brustbilds  den 
böhmischen  Löwen. 

Wann  der  Münzbetrieb  zu  Budweis  seinen  Abschluss  fand, 
hat  sich  aus  den  Acten  bisher  nicht  entnehmen  lassen.  Es  kommt 
zu  erwägen,  dass  die  Stadt  Budweis  in  den  ersten  Jahren  des 
XVII.  Jahrhunderts  wiederholt  von  kriegerischen  Drangsalen  heim- 
gesucht worden  ist  und  als  sich  schliesslich  am  31.  Jänner  1011  das 


i)  K.  k.  H.  H.  und  St.  A.  böhmische  Acten. 


286 


Johann  Newald  :  Das  österreichische  Münzwesen 


sogenannte  Passaiier  Kriegsvolk  der  Stadt  bemächtigte,  konnte  von 
einem  Münzbetriebe  keine  Rede  mehr  sein.  Die  zeitweiligen  Unter- 
brechungen gingen  endlich  in  das  gänzliche  Aufhören  der  Münz- 
prägung über,  ohne  dass  die  Sperrung  des  Münzhauses  durch  einen 
Erlass  angeordnet  wurde.  Nach  Budweiser  Acten  war  der  Münz- 
meister Christoph  Mattighofer  von  Sternfels,  der  als  Eigen- 
thümer  des  in  der  Nähe  von  Budweis  gelegeneu  Gutes  Daubra- 
witz  genannt  wird,  am  19.  Juli  1613  schon  gestorben. 

Die  Münze  war  in  dem  von  König  Pfemysl  Otakarll.  im  Jahre 
1265  gegründeten  Dominikanerkloster,  welches  vom  Jahre  1549  an 
wegen  Priestermangel  durch  39  Jahre  der  eigentlichen  Bestinnnung 
entzogen  war,  untergebracht. 

Herr  Max  Don  e  bau  er  in  Prag  hatte  die  Güte,  mir  104  grös- 
sere Silbermünzen  Rudolphs  IL  grösstentheils  aus  böhmischen 
Münzhäusern  stammend,  zuzusenden,  wodurch,  sowie  durch  die 
Sammlung  des  Herrn  Ignaz  Spöttl  meine  Studien  wesentlich 
gefördert  wurden. 

XIV. 
Die  Münzstätte  zu  Breslau. 

Die  Schwierigkeiten,  welche  sich  einem  geregelten,  ununter- 
brochenen Betriebe  im  landesfürstlichen  Münzhause  zu  Breslau 
entgegenstellten,  wurden  Seite  54  angedeutet.  Diese  Störungen 
hielten  auch  während  der  vieljährigen  Regierung  Rudolphs  IL  an, 
ja  sie  steigerten  sich  in  einer  das  Interesse  des  Landes  tief  berüh- 
renden Weise.  Zunächst  war  das  Bestreben  der  Regierung  auf  die 
Hebung  des  schlesischen  Bergbaues  gerichtet,  weil  sich  daraus  auch 
eine  Förderung  des  Münzwesens  erwarten  Hess.  Schon  ddo.  Prag, 
7.  Februar  1577  resolvirte  Rudolph  IL  an  die  schlesische  Kammer 
„was  dann  beschliesslich  der  Schweidnizischen  Gewerkhen  Begem, 
vnnd  Ewer  angehengtes  Guetachten,  die  VermUnzung  der  allberait 
vorhandenen  Silber,  vnd  das  dieselb  vnnder  vnnserm  Namen  und 
Gepräg  beschehen  möcht,  betreffen  thuet,  weil  wir  verstehen,  dass 
ganze,  halbe  und  Viertelstaller,  dem  Khuttenbergischen  Schrot  vnnd 
Khorn  gemess,   mit  bestem  Nutz  vnnd  Vberschuss  gemünzt,  vnnd 


dcu  Kaisern  Maximilian  11.,  KiMoliil:  II.  und  Mathias. 


287 


dasselb  Gelt  zu  Bezallung  der  khonfftigen  Silber  gebraucht  werden 
kann.  So  haben  wir  mit  Gnaden  bewilligt,  das  dieselben  Silber,  biss 
auf  weitern  unsern  gnädigisten  Beschaidt,  mittlerweil  mit  dem  alten 
Gepräg,  inmassen  die  negst  zu  Presslaw  geschlagenen  Taller  ver- 
mtinzt  werden  mögen".  *) 

Aus  der  vorstehenden  Resolution  ergibt  sich,  darN.s  zu  Breslau 
zunächst  „mit  dem  alten  Geprägt,  das  ist  mit  den  Stempeln  Maxi- 
milians IL  ganze,  halbe  und  Viertelthaler  auszumünzen  waren. 
Grössere  schlesische  Münzen  Maximilians  II.  kommen  höchst  selten 
vor.  Sie  wurden  an  sich  schon  in  geringer  Zahl  ausgebracht,  wozu 
noch  kommt,  dass  sie  in  den  verschiedenen  schlesischen  MUnz- 
häusern  bald  wieder  dem  Schmelztiegel  verfielen.  Schlesische  Thaler 
Maximilians  II,  darunter  auch  solche,  welche  erst  im  Jahre  1577 
geprägt  wurden,  dürften  nur  wenige  auf  unsere  Zeit  gekommen 
sein,  Dass  der  Münzbetrieb  zu  Breslau  bald  wieder  unterbrochen 
wurde,  lässt  sich  aus  dem  Umstände  entnehmen,  dass  in  der  höchst 
eingehenden,  40  Seiten  umfassenden  Instruction,  welche  Rudolph  11. 
ddo.  Prag,  19.  Jänner  1580  einer  zur  Untersuchung  des  schlesischen 
Kammerwesens  nach  Breslau  abgeordneten  Commission  ertheilte, 
das  Münzamt  gar  nicht  erwähnt  wird,  daher  geschlossen  werden 
muss,  dass  damals  der  Prägebetrieb  ganz  eingestellt  war.  a) 

Die  Anträge  dieser  Commission  umfassten  auch  die  Wieder- 
aufnahme des  MUnzbetriebes,  worüber  die  schlesische  Kammer 
unterm  4.  Juli  1582  und  18.  Juni  1583  Relationen  erstattete.  Mit 
der  Resolution  ddo.  Wien,  26.  Juli  1583  bestätigte  Rudolph  II.  den 
Empfang  der  mit  dem  letzten  Berichte  vorgelegten  zwei  Thaler. 
So  viel  das  „Müuzwerk  zu  Presslau"  anbelangt,  stimmte  der  Kaiser 
bei,  dass  es  nach  dem  Antrage  vom  4.  Juli  1582  „auf  ain  Versuchen 
angestellt",  nacii  dem  Vermünzen  des  vorhandenen  Silbers  soll 
jedoch  ein  weiteres  Gutachten  darüber  eingebracht  werden,  ob  das 
Münzwerk  auch  ferner  zu  erhalten  sein  wird.  „So  haben  wir  auch 
des  vberschikten  Geprägs  halben,  souil  das  Piltnuss  anreicht, 
gnedigist,  kein  Bedenken.  Zum  neuen  aber  wird  ein  Abriss  über- 
sendet, wie  die  Gepräg  mit  den  gewöhnlichen  Umschriften  anzufer- 


«)  K.  k.  II,  »\    A.,  r.(ikl).  .Nr.  -il;),  loi.  Il':)^ 
a)  Da.Helb8t  Gdkb.  Nr.  31Ö,  Fol.  545. 


288 


Johann  Newald  :  Das  österreichische  Münz-wesen 


tigen  sind."  Die  geprägten  Tbaler  sind  an  den  Hof  zu  senden, 
damit  nicht  erst  ein  Wechselgeld  gegeben  oder  Reichsgiildiener 
herausgeschickt  werden,  i) 

Im  Breslauer  Münzhause  wurden  damals  auch  Goldmünzen 
geprägt  und  wurde  gegen  den  „Raitdiener  bei  der  Kammer  in 
Schlesien  Salomon  Lewen"  die  Beschwerde  erhoben,  dass  ihm 
die  etwas  zu  leichte  Ausbringung  derselben  zur  Last  falle.  Die  Hof- 
kammer verfügte  ddo.  Prag,  15.  November  1583  die  Verhaftung 
desselben  und  sei  „fürsehung  zu  thun,  damit  sich  seines  Wegknm- 
bens  nicht  zu  befaren  sei".  2)  Der  ziemlich  lebhafte  Betrieb  dauerte 
im  Münzhause  zu  Breslau  durch  mehrere  Jahre  an.  Es  geht  dieses 
aus  dem  Erlasse  ddo.  Prag,  29.  Februar  1586  hervor.  Dass  in 
Schlesien  ein  Uebermass  von  geringhaltigen  Geldsorten  im  Umlaufe 
war,  ergibt  sich  aus  dem  Umstand,  dass  dort  im  Anfange  des 
Jahres  1586  der  kaiserliche  Thaler  mit  einem  Aufgeld  von 
20  Kreuzer,  das  heisst  mit  1  Gulden  30  Kreuzer  berechnet  wurde.  3) 

Nach  dem  Tode  des  Königs  von  Polen  Stephan  Bathory 
(starb  13.  December  1586)  gerieth  das  Münzwesen  dieses  Landes 
in  eine  länger  anhaltende  Stockung.  Der  Münzmeister  zu  Posen 
Dietrich  Bussa  aus  Braunschweig  schritt  um  die  Genehmigung 
zur  Vermünzuiig  seiner  Gold-  und  Silbervorräthe  zu  Breslau  „in 
guette  Reichs  münz''  ein;  er  würde  sich  zu  diesem  Ende  in 
Breslau  niederlassen.  Die  Hofkammer  Hess  sich  über  dieses  An- 
suchen von  dem  Kammerrath  Hanns  vonProchlitz  und  dem 
Prager  Münzmeister  Lazar  Erker  ein  Gutachten  vorlegen.  Diese 
beantragten,  man  möge  dem  Bussa  für  die  Zeit  von  sechs  Monaten 
den  Münzbetrieb  gestatten,  womit  er  genügend  Zeit  habe,  sich 
darüber  klar  zu  werden,  „wie  es  ihme  mit  der  Münz ung  nach 
dem  Reichsfuss  ergehen  werde".  Mit  dem  Erlasse  ddo.  Prag, 
14.  April  1587  wurde  die  schlesische  Kammer  angewiesen,  „zunächst 
des  Münzwesens  kundige  Personen  in  Breslau  einzu vernehmen" 
und  sohin  ihre  Anträge  zu  stellen,  wie  in  Angelegenheit  der  Ueber- 
lassung  des  dortigen  Münzwesens  an  Bussa,  jedoch  nicht  bloss  auf 


1 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  318,  Fol.  347vers. 

2)  Daselbst  Gdkb.  Nr.  318,  Fol.  416. 

3)  Daselbst  Gdkb.  Nr.  320,  Fol.  2  und  ITvers. 


Kairoern  Maximilian  II..  I:ud"l!.h  II.  und  ^lathia^. 


289 


Va  Jahr,  wozu  die  Dcwilligung*  nicht  ertheilt  werden  könnte,  „son- 
dern auf  ein  beständigs,  weil  Er,  wie  er  fürgiebt,  den  znegang  mit 
Golt  vnnd  Silber  zum  verralintzen  haben  golle^,  abzuschliessen 
wäre.  Nachdem  sich  Bussa  an  das  in  den  böhmischen  Mtinz- 
häusern  übliche  Korn  und  Schrot  zu  halten  hätte,  wurde  eine 
Abschrift  der  Präger  MUnzmeister-Instruction  dem  Erlasse  bei- 
gelegt. ' , 

I  in  thunlichst  bald  den  Betrieb  eröffnen  zu  können,  rief  Bussa 
den  Prager  Münzeisenschneider  Hanns  Schneider  nach  Breslau. 
Die  anwesende  Hofkammer  fand  sich  dadurch  veranlasst,  mit  der 
kaiserlichen  Resolution  ddo.  Prag,  1.  Juli  1587  unter  Hinweis,  dass 
sich  Schneider  ohne  Vorwissen  der  Hofkammer  nach  Breslau  ver- 
fügt habe,  um  für  den  dortigen  Münzmeister  Thaler-  und  Ducaten- 
Stempel  zu  schneiden,  die  schlesische  Kammer  zu  beauftragen,  dass 
sie  den  Schneider  sofort  zurückschicken,  auch  im  Falle  er  einige 
Stöcke  auf  Thaler  und  Ducaten  geschnitten  hätte,  ihm  diesell)en 
abzunehmen  und  einzusenden,  „weil  Wir  vnns  des  Geprägs  halber, 
alss  darinnen  Wir  zwischen  dem  hiesigen  vnd  dortigen  ein  Vnter- 
schidt  gehalten  haben  wollen,  zuvor  Jederzeit  in  Gnaden  ent- 
schliessen  mügen".^) 

Der  Betrieb  des  Dietrich  Bussa  im  Münzhause  zu  Breslau 
scheint  nur  von  kurzer  Dauer  gewesen  zu  sein.  Mit  dem  Erlasse  der 
Hofkammer  ddo.  5.  Jänner  1594  wurde  über  Antrag  des  Münz- 
meisters  zu  Teschen  Caspar  Rietkher  „wegen  fortstell  und 
Anrichtung  ermelts  Schlesischen  Münzwesens"  verordnet,  dass  das 
MUnzmeisteramt  zu  Breslau,  dem  jetzigen  MUnzmeister  zu  Köln 
Johann  Vogt  zu  übertragen  ist.  Was  die  grösseren  Silber-  und  die 
Goldmünzen  anbelangt,  sind  dieselben  nach  dem  Schrot  und  Korn 
wie  in  Böhmen  Üblich  auszubringen.  Die  kleineren  Münzen,  von 
denen  Weissgroschen  in  Schlesien  nicht  gebräuchig  sind,  können, 
wie  sie  bisher  dort  üblich  waren,  beibehalten  werden.  Mit  dem 
Münzmeister  Vogt  wird  über  alles  dieses,  jedoch  die  Uatilication 
vorbehaltlich,  zu  verhandeln  sein. »)  Ob  dem  entsprechend  mit  Vogt 


«)  K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  320,  Fol.  2(;o. 
•i)  Daaelhst  Gdkb.  Nr.  320,  Fol.  30!). 
»)  Daselbst  Gdkb.  Nr.  324,  Fol 

19 


290 


Johann  Nowald  :  Das  österreichisclie  Münzwesen 


ein  Abscliliiss  erfolgte,  hat  sich  aus  den  Acten  nicht  entnehmen 
lassen.  Für  keinen  Fall  hatte  der  Münzbetrieb  durch  denselben,  im 
Falle  er  überhaupt  eröffnet  wurde,  eine  lange  Dauer. 

Die  Schwierigkeiten,  welche  sich  aus  dem  durch  Jahre  hin- 
ziehenden Türkenkriege,  aus  den  Unruhen  in  Ungarn,  endlich  aus 
den  Differenzen,  welche  zwischen  den  beiden  Regierungen  zu  Prag 
und  in  Wien  mehr  und  mehr  hervortraten,  ergaben,  brachten  den 
mit  Hindernissen  aller  Art  bedrängten  landesftirstlichen  Münzbetrieb 
zu  Breslau  endlich  zum  völligen  Stillstand.  Vom  Anfange  des 
XVII.  Jahrhunderts  an  schweigen  die  Acten  von  demselben 
gänzlich. 

Die  wenigen  bisher  bekannt  gewordenen  schlesischen  Münzen 
Rudolphs  II.  finden  sich  in  der  bereits  erwähnten  werthvollen  Publi- 
cation  des  Frei  he  rrn  von  Saurma-Jeltsch  auf  Seite  24  auf- 
gezählt und  ein  Theil  davon  auf  den  Tafeln  46  und  47  abgebildet. 
Die  beiden  Thaler  bewahrt  in  gut  erhaltenen  Exemplaren  das  k.  k. 
Münzcabinet  in  Wien.  Das  auf  dem  Ducaten  und  dem  Thaler  vom 
Jahre  1587  ersichtliche  Münzzeichen:  Zwei  gekreuzte  Zainhaken, 
darunter  ein  schief  gestelltes  Kreuzchen,  dürfte  dem  Unternehmer 
Dietrich  Bussa  angehören.  Das  k.  k.  Münzcabinet  bewahrt  einen 
schlesischen  Ducaten  Rudolphs  IL  vom  Jahre  1584. 


XV. 


Die  Münzstätte  zu  Kremnitz. 


In  Kremnitz  finden  wir  beim  Regierungsantritte  des  Kaisers 
Rudolph  II.  noch  immer  den  schon  im  Jahre  1544  von  Joachimsthal 
dahin  übersetzten  Wolf  gang  Roll  als  Unterkammergraf  und 
Münzmeister  thätig.  Bei  dem  grossen  Umfange  der  dortigen  Münz- 
prägung war  jede  Verbesserung  im  Betriebe  derselben  von  offen- 
barer Wichtigkeit.  Schon  Maximilian  IL  hatte  im  Jahre  1575  „über 
Hanns  Voglers  Müntzdruckhmaisters  angeben"  die  Einrichtung 
der  Walzenprägung  zu  Kremnitz  angeordnet.  Nach  dem  Vor- 
anschlage des  niederösterreichischen  Kammerrathes  David  Hag 
würde  diese  Melioration   eine  Auslage  von  2500  bis  3000  Gulden 


unter  den  Kaisein  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Matbiaä. 


291 


Terursacht  haben,  wodurch  jedoch  beim  MUnzbetriebe  eine  jährliche 
Ersparung  von  6000  Guhlen  zu  gewärtigen  war.  Der  über  die  Hall  er 
Walzeneinrichtung  befragte  Erzherzog  Ferdinand  theilte  mit, 
^das  Mtinzdruckhwerk  were  nit  allein  guet  und  bestendig,  sondern 
gäbe  auch  im  Mlinzerlohn  eine  grosse  Ersparung,  femer  in  Machung 
des  grossen  und  kleinen  Gelts  aine  guete  Befurderung".  Er  betonte 
weiter,  in  Hall  habe  man  mit  dem  Werke  nicht  weniger  als 
10.000  Gulden  verktinstelt,  man  könnte  es,  wenn  nur  ein  hinrei- 
chendes Wasser  zur  Verfügung  steht,  mit  5000  Gulden  einrichten. 
Der  Kui-fürst  August  von  Sachsen,  an  den  man  sich  ebenfalls 
gewendet  hatte,  meldete,  dass  weil  die  Münzer  die  kleine  Münze 
nicht  gerne  geschlagen  haben,  indem  sie  sich  dabei  weniger  ver- 
dienen, habe  er  das  Mttnzdruckwerk  in  Dresden  einrichten  lassen. 
Er  glaube,  dass,  wenn  nur  genügend  Wasser  vorhanden,  die  Maschine 
auch  zur  Goldmünzung  verwendet  werden  kann  und  sich  eine  feine, 
reine  und  scharfe  Münze  ergeben  wird.  Kaiser  Rudolph  IL  nahm 
diese  Angelegenheit  bald  nach  seinem  Kegierungsantritte  auf  und 
ertheilte  ddo.  Prag,  G.  April  1577  an  den  Erzherzog  Ernst  die  Wei- 
sung: es  sei  dem  Hanns  Vogler  „zu  völliger  Zuerichtung  des  Mtinz- 
Truckhwerchs  in  vnnsern  Hungarischen  Pergkstetten  vber  die  Ime 
hie  vor  alberait  erlejjten  1000  Gulden  noch  1000  Gulden,  weil  der 
ganze  Vncosten  hievor  auf  aine  solche  Summe  angeschlagen  wor- 
den", auszufolgen. ») 

Die  Massnahmen  zur  Realisirung  dieser  Melioration  im  Münz- 
betriebe ziehen  sich  wie  ein  rother  Faden  durch  die  ganze  Kegie- 
rungszeit  Rudolphs  IL,  um  schliesslich  resultatlos  zu  blei- 
ben. Als  im  Jahre  1579  die  neue  Einrichtung  durchgeführt  werden 
sollte,  erhob  die  Stadt  Kremnitz  Einwendungen,  welche  von  den 
dortigen  Münzamtlt'uten  und  dem  niederösterreichischen  Kammerrathe 
Christoph  von  Kappach  bevorwortet  wurden.  Sie  betonten,  «la^s 
dadurch  das  Privilegium  der  MUnzer  und  der  Stadt  Kremni 
letzt  würde,  dass  viele  Münzer  um  ihr  Brod  kämen  und  wegziehen 
müssten,  wodurch  die  Stadt  grosse  Kinbusscn  erleiden,  und  im 
Falle   eines  feindlichen  Anfalles   nicht  vertheidiirt   werden   könnte 


»)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  15378,  ferner  (idkh.  Nr.  391»,  F«)l.  274,  auch 
i'-v><:.>   iu.\\.,.r,.  }  ],rUfrt  »l,Mt  \'ornu8chla^  do»  Jolt   \' '"■'.«••  tllr  Kremnitz. 


292 


Johann  Newald:  Das  östeireicliische  Münzwe^en 


oder  Kriegsvolk  dahin  gelegt  werden  müsste.  Weiter  wird  gesagt^ 
dass  in  Kremnitz  das  zum  Betriebe  der  Münzmascliinen  erforder- 
liche Wasser  fehlt  und  dasselbe  mit  grossen  Kosten  zuzuleiten  oder 
das  Mtinzwerk  ausser  der  Stadt,  der  Gefahr  eines  üeberfalles  aus- 
gesetzt, herzustellen  wäre.  Dem  entgegen  äusserte  sich  der  nieder- 
österreichische Kammerrath  Hag:  „Da  befunde  sich,  dass  an  dem 
gelegenen  Orts,  Wassers  und  Kholl  khain  Mangel  erscheine,  Er 
Herr  von  Rappach  were  dissorts  vnperkhmanisch  bericht."  Die  bei 
der  Münze  entbehrlichen  Arbeiter  können  beim  Berg-  und  Pochwerk 
genug  Arbeit  finden.  Die  Privilegien  seien  dem  Münzdruckwerk 
nicht  entgegen.  Im  Falle  in  Kremnitz  grosse  Schwierigkeiten  erho- 
ben werden,  wäre  das  Werk  zu  K aschau  zu  errichten,  indem 
darauf  bereits  eine  Summe  Geldes  ausgelei;t  wurde. 

Erzherzog  Ernst  legte  mit  der  Eingabe  ddo.  Wien,  3.  Februar 
1580  die  Acten  dem  Kaiser  vor,  er  schloss  daran  unterm  24.  April 
1580  einen  zweiten  Bericht,  in  welchem  betont  wurde,  er  habe  die 
ungarischen  Räthe  vernommen,  welche  sagen,  dass  weder  das  Pri- 
vilegium des  Ki>nigs  Ladislaus,  noch  jenes  des  Königs  Ferdinand 
gegen  die  Einführung  des  Münzdnickwerkes  geltend  gemacht  wer- 
den könne;  trotzdem  wird,  der  bestehenden  grossen  Schwierigkeiten 
wegen,  mit  Vorsicht  vorzugehen  sein.  Ueber  die  vorgebrachten  Be- 
denken wurden  auch  die  Appell ationsräthe  und  der  kaiserliche  Hof- 
rath  vernommen  und  schliesslich  im  Jahre  1583  verfügt,  dass  die 
ganze  Fra^e  vorläufig  auf  sich  zu  beruhen  habe.  Das  war  die  erste 
Unterbrechung  in  der  Einführung  der  Walzenpi  ägung  im  Mün/hause 
zu  Kremnitz. «)  Ehe  wir  diese  Angelegenheit  wieder  aufnehmen, 
kommen  einige  den  Münzbetrieb  anbelangende  Details  nachzu- 
tragen. 

Nachdem  in  Kremnitz  die  Thaler  noch  immer  mit  dem  Brust- 
bilde Maximilians  II.  geprägt  wurden,  resolvirte  Rudolph  IL  ddo. 
Prag,  28.  September  1578,  ,,weil  die  Thaler  mit  Kaiser  Maximilians 
Namen  vnd  Bildtnuss,  aber  doch  nichts  destoweniger  die  Jarzall  auf 
dits  gegenwärtige  78ste  Jar  geschlagen  werden",  so  sind  die  neuen 
Prägeeisen  alsbald  „auf  vnnsern  Namen  vnd  Pildnuss"  zu  richten.  2) 
Mit  dem  Erlasse  ddo.  Wien,  3.  Juii  1579  wurde  der  Eisenschneider 


1)  und  2)  K.  k.  H.  K.  A.  sämmtliche  Acten,  Fase.  15378. 


■n  Kaisern  31aximilian  11.,  Riidr.lpli  n.  und  Mathias. 


293 


in  Kremnitz  Lucas  Richter  seines  Alters  wegen  mit  wöchentlich 
J  Gnlden  pro>isiouirt,  welcher  Bezug-  unterm  17.  Mai  1580  auf 
1^2  Gulden  gebessert  wurde,  i)  Mit  dem  Erlasse  vom  I.Februar 
1580  wurden  nunmehr  bestellt:  Abraham  Eyskher  als  Ober- 
eisenschneider mit  4  Gulden  wöchentlich^  Georg  Tober  als 
Schneider  und  Senker  mit  2  Gulden,  Andreas  Rah  mit  1  Gulden 
nnd  der  als  Aushilte  aufgenommene  Joachim  Elschalt  el>""^'i'< 
mit  1  Gulden.  2) 

Die  Störungen  im  Verkehre  und  Handel,  welche  sich  aus  dem 
Vordringen  der  Türken  und  aus  den  wiederholten  aufständischen 
Bewegungen  ergaben,  hatten  die  ungarischen  Bergstädte  —  es 
waren  dieses  die  sieben  Orte:  Schemnitz,  Kremnitz,  Neusohl, 
Bugganz,  Königsberg,  Libeten  und  Dilln  —  in  ihrem  Wohl- 
stande sehr  zurückgebracht.  Die  Berg-  und  Münzbeamten  Wolfgang 
Roll,  Wilhelm  Scheuchenstuel,  Georg  Egger,  Hanns  Riedmüller  und 
Thaddäus  Meyly  brachten  ddo.  Schemnitz,  30.  Juni  1581  eine  Ein- 
gabe an  die  niederösterreioliische  Kammer  ein,  in  welcher  sie  über 
die  grosse  Verschuldung  der  Waldbürger  und  die  unerschwingliche 
Interessenzahluug  derselben  berichten.  Sie  heben  hervor,  dass  eine 
Steigerung  der  Silbereinlösungspreise  um  50  Denar  per  Mark  eine 
Hilfe  bringen  würde,  welche  jedoch  nur  den  wohlhabenden  Wald- 
bürgern zugute  käme.  Wollte  der  Kaiser  einen  Vorschuss  von  jähr- 
lich 5000  bis  6000  Gulden  als  Unterstützung  gewähren,  so  würden 
sie  darauf  sehen,  dass  diese  Vorschüsse  nur  wirklich  Hilfsbedürf- 
tigen gewährt  wUrden.  Allein  bei  den  grossen  Auslagen,  welche  auf 
der  Kammer  lasten,  können  sie  die  Genehmigung  eines  dieser  bei- 
den Mittel  nicht  gewärtigen.  Sie  schlagen  demnach  vor,  dass  wie 
vor  sechs  Jahren  unter  Kaiser  Maximilian  um  1  T.oth  per  Mark  die 


«)  K.  k.  11.  K.  A..  (Hlkb.  >r.  1Ü7,  Fol.  Ü81  »uul  Nr.  1 10.  l-oi.  io.s. 

«)  Daselbst  G«ikb.  Nr.  140,  Fol.  3*»0v^r^.  im  „Münzwesen  unter  Ferdi- 
nand L«,  Seite  158  findet  sieb  die  Instruction  fUr  den  Eisensehneider  und  die 
Eisensenker  in    r  Der  Obereisenschneider    hatte   die    Punzen    fllr 

Brustbild,  Wapi.  ;    u.  s.  w.  auzutertif^en,  mit   deren  Hilfe  die  Senker 

und  S(hnei«ler  die  tM|a:rntliclien  MUnz«tenipel  berstelltt'U.  Die  jjfrosse  Steinpel- 
HinmiiliniL'-  im  k    k    TT  iminuiiir/.-nnfi'    lti>\\ -iliif    i'iiir    .'TOS»;!'  Zj«IiI  sulrbiT  I'lin/.rii. 


294 


Das  österreichisch"^'  "^'i 


Ausmtinzung  zu  verriugein  wäre  und  der  dadurch  erzielte  Mllnz- 
tiberschuss  den  Bergstädten  belassen  werden  möge  t^Seite  227  i). 

Diese  Eingabe  gleichsam  ergänzend,  traten  „Richter  und 
Rath"  der  sieben  ungarischen  Bergstädte  nun  selbständig  mit 
ihrem  Antrage  hervor.  Sie  baten  um  die  Einstellung  der  Thaler- 
prägung  und  Wiederaufnahme  der  Ausmünzung  von  Kleingeld, 
,, wobei  am  Korn  umb  ain  Lot  an  der  fein  ze  fallen  wäre."  Dieses 
mit  Bezug  auf  die  völlige  Sistirung  der  Thalerausgabe  sehr  weit- 
gehende Ansuchen  legte  die  niederösterreichisclie  Kammer  mit 
Bericht  ddo.  Wien,  3.  März  1582  der  Hofkammer  vor.  Sie  stellte  den 
Antrag,  dass  die  Thalermüiizung  auf  ^/\  des  Silbers  zu  beschränken, 
das  übrige  in  kleiner  Münze  im  Korn  zu  6  Loth  und  wie  bisher, 
436  Stücke  aus  der  Mark  auszubringen  wäre.  Diese  Münzen  würden 
die  Bergstädte  bei  Bezahlung  des  von  ihnen  gelieferten  Goldes  und 
Silbers  annehmen.  Der  erzielte  Uebersciiuss,  welcher  mit  30.000  Gul- 
den veranschlagt  wurde,  wäre  den  sieben  Ber^städten  als  Vorschuss 
zu  belassen.  Sobald  sich  dieselben  nach  Verlauf  einiger  Jahre 
wieder  erholt  und  der  Bergbau  gekräftigt  hätte,  wäre  die  alte  Prä- 
gung wieder  aufzunehmen. 

Mit  dem  Erlasse  vom  9.  Mai  \b^2  wurde  der  niederösterreichi- 
schen Kammer  die  kaiserliche  Resolution  über  diese  Anträge 
bekannt  gegeben.  Der  Kaiser  hielt  die  Thalerprägung  im  Münzhause 
zu  Kremnitz  aufrecht,  verfügte  jedoch,  dass  „denen  Tyrolli sehen 
Tallern  gleich  gemünzt  und  bei  denselben  am  Schrott  und 
Korn  zuegleich  gefallen  werden  solle",  woraus  sich  ein  Nutzen  von 
jährlich  etwa  6000  Thalern  ergeben  werde.  Bei  den  kleinen  Münzen 
soll  die  Beschickung  mit  7  Loth  verbleiben,  jedoch  um  10  Pfennig 
per  Mark  mehr  ausgeschrotten  werden,  was  einen'  Ueberschuss  von 
etwa  2000  Thaler  geben  wird.  Diese  beiden  Beträge  sind  den  Berg- 
städten als  Vorschuss  zu  überlassen.  Von  dem  zur  Ausmünzung 
kommenden  Silber  sind  s/^  auf  Thaler  und  nur  7*  auf  kleine  Münzen 
zu  verwenden.  Das  Vermünzen  von  3/4  des  Silbers  auf  kleines  Geld 
kann  aus  dem  Grunde  nicht  zugegeben  werden,  weil  sonst  auch  die  Erb- 
länder mit  den  geringen  ungarischen  Sorten  überschwemmt  würden.  2) 


1}  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  15378. 

2)  Daselbst  Fase.  15378,  auch  Gdkb.  Nr.  397,  Fol.  -ISOvers. 


unter  den  Kaisem  Maximilian  IT.,  Rudolph  TT.  iMid  Mathias. 


295 


Wie  wir  sehen,  flihrten  die  Beschwerden  der  sieben  ungari- 
schen Bergstädte  zu  einer  Aenderung  im  Korn  und  Schrot  der 
Kremnitzer  Thal  er  und  im  Schrot  der  kleinen  Münzen.  Um  die 
Bedeutung  dieser  Aenderung  beurtheilen  zu  können,  haben  wir 
zunächst  das  bisherige  Ausbringen  klar  zu  stellen.  Der  Unter- 
kammergraf Wolfgang  Roll  hatte  ddo.  Krcmnitz,  25.  April  1581 
angezeigt,  dass  die  ungarischen  Dreier  auf  7  Loth  fein,  aus  der 
Mark  436  Pfennige  mit  3  oder  4  Stücken  als  Remedium  geschroteu 
werden.  Die  Thaler  anbelangend,  werden  im  Feingehalte  von 
14  Loth  1  Quint.  1  Pfennig  aus  der  ungarischen  Mark  8*^  ,7  Stücke 
ausgebracht.  Ein  solcher  Thaler  hatte  in  der  dermaligen  österreichi- 
schen Währung  einen  Werth  von  2  Gulden  32-857  Kreuzer.  ^) 

In  Hall  hatte  Erzherzog  Ferdinand  vom  16.  März  1577  begin- 
nend die  Ausprägung  der  Thaler  zu  14  Loth  fein  und  9»  ^  Stücke 
aus  der  rohen  Wiener  Mark  angeordnet.  Der  nach  dieser  Instruction 
ausgebrachte  Thaler  hatte  einen  Werth  von  2  Gulden  26-152  Kreu- 
zer der  dermaligen  österreichischen  Währung,  er  stand  somit  gegen 
den  bisher  in  Kremnitz  geprägten  Thaler  um  6*705  Kreuzer  zurück.  -) 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  15378.  Aus  den  Acten  hat  sich  das  Verhältniss 
der  ungarischen  Mark  zur  Wiener  und  Kölner  Mark  nicht  entnehmen 
lassen,  dasselbe  muss  demnach  zunächst  festgestellt  werden.  Herr  Dr.  Arnold 
Luschin-Ebengreuth,  Archiv  für  österreichische  Geschichte,  47.  Band, 
Seite  2.53,  Note  1,  in  der  Abhandlung:  „lieber  die  alten  Münzgewichte  in 
Oesterreich"  setzt  (bis  „ungarische  oder  Pergstätten-Ge wicht"  die  Mark  mit 
224  Pfennige  Wiener  (Tcwicht  an.  Wir  haben  somit  Wiener  Mark  =  2r)G,  unga- 
rische Mark  =  224  und  Kölner  Mark  =  213-3333  Wiener  Pfennige,  oder  das 
Verhältniss  wie  6  :  ir'2i) :  5.  Zur  Ermittlung  des  Werthes  eines  bisherigen  unga- 
rischen Thalers  übergehend,  ist  8%  7  =  8-470G  StUcke.  Da  14  Loth  1  Quint. 
1  Pfennig  =  229  Pfennig,  so  enthält  ein  solcher  Thaler  221»  :  8-470G  = 
27-0347  Pfennige  ungarisches  Gewicht,  welche,  nach  dem  oben  gegebenen  Ver- 
hältnisse umgerechnet,  28-3864  Pfennige  Kölner  (iewicht  ergeben.  Da  aus  der 
feinen  Kölner  Mark  =  256  Pfennige,  21  Gulden  österreichischer  Währung  aus- 
gebracht werden,  so  haben  wir  256  :  21  =  28-3864  :  x,  woraus  x  oder  <ler  Werth 
des  in  Kede  steh«?n<len  ungarischen  'I'iialers  mit  2  Gulden  32857  Kreuzer  öster- 
reichischer Währung  entfällt.  Nachdem  der  nach  der  Instruction  vom  15.  Fe- 
bruar 1524  geprägte  Thaler  einen  Worth  von  2  (Julden  3M97  Kreuzer  besass, 
8()  war  der  ungariMche  Thaler  besser  um  l-66()  Kreuzer  österreichischer 
Währung. 

2;  Die  Haller  Miiuzinstruction  wird  beim  Ilaller  .MUuzhause  besprochen 
werden. 


296 


Johann  Newald  :  Das  oaterreichisclie  Munzwcsen 


Aus  dieser  Werthsdifferenz  erklärt  es  sieb,  dass  man  ans  dem 
Uebergange  zum  Tiroler  Schrot  und  Korn  bei  der  Tbalerprägung 
im  Kremnitzer  Münzhause  einen  Nutzen  von  jäbrlicb  6000  Tbaler 
erwartete. 

Im  Anschlüsse  an  die  vorstehend  geschilderten  Verhandlungen, 
Anträge  und  Erlässe  ist  es  von  Interesse,  den  Umfang  des  Präge- 
betriebes im  ]\Iünzhause  zu  Kiemnitz  in  jener  Epoche  kennen  zu 
lernen.  Ein  von  dem  bergstädtischen  Kammerbuchhalter  Hanns 
Riedmtiller  eingebrachter  Bericht  gestattet  über  diese  Frage  eine 
Einsicht. 

Vermünzt  wurde  in  den  Jaliren 

1580  1581  1582 

an  Gold  132-477  fl.  —  Pf.  130-264  fl.  50  Pf.  146.260  fl.  50  Pf. 
an  Silber  277.614  „  40   „       164.079  „  44    ,,       225.374  „  50    . 

In  allen  drei  Jahren  wurden  Thaler  geprägt,  allein  das  Aus- 
bringen kleiner  Münzen  überschritt  erheblich  jene  Grenzen,  welche 
die  Hofkammer  wiederholt  vorgezeichnet  hatte.  Im  Jahre  1581 
wurden  nur  45.440  Thaler  ausgebracht.  Die  im  Uebermasse  aus- 
geprägten ungarischen  Pfennige  fanden  im  Lande  selbst  keine  Ver- 
wendung, sie  flössen  in  die  angrenzenden  Erbländer  ab,  wo  darüber 
lebhafte  Klagen  erhoben  wurden.  Ein  Erlass  an  den  Erzherzog 
Ernst  ddo.  Prag,  2.  Juli  1584  ordnet  das  Verrufen  dieser  Münzen 
an,  welche  nach  Ablauf  von  drei  Monaten  im  herabgesetzten  Werthe, 
und  zwar  12  ungarische  Pfennige  um  einen  österreichischen 
Schilling  einzulösen  sind,  i)  Unterm  28.  November  1586  erging  eine 
strenge  Weisung  an  den  Kremnitzer  Unterkanimergrafen  Wolfgang 


Roll,  dass   3/4  der  Silbergefalle  in  Tlialer  und  nur 
ungarisches  Geld  zu  vermünzen  ist.  2) 


1/4  in  kleines 


Im  Jahre  1586  kam  die  in  Kremnitz  einzurichtende  Walzen- 
prägung neuerdings  zur  Verhandlung.  Wie  aus  den  Acten  zu  ent- 
nehmen ist,  gab  der  Kaiser  selbst  hiezu  die  Anregung.  Im  Vortrage 
ddo.  Prag,  30.  September  1586  sagte  die  Hofkammer,  sie  sei  zu 
wenig  unterrichtet,  um  einen  verlässlichen  Rath  ertheilenzu  können, 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  144,  Fol.  43lver.. 
3)  Daselbst  Fase.  17317. 


Kaisern  Ifaxitnilian  II.,  Kudolph  II.  und  Mathias. 

es  möge  der  niederösterreichische  Knmmerrath  David  Hag  noch- 
mals vernommen  werden.  Der  Kaiser  nahm  den  Antrag  wohl  an, 
allein  er  befahl,  dass  dem  Erzherzog  Ernst  das  Münzdriickwerk 
besonders  zn  empfehlen  sein  wird.  Der  Erzherzog,  dem  die  kaiser- 
liche Resolution  unterm  16.  October  1586  bekannt  gegeben  wurde, 
war  der  ganzen  Angelegenheit  abgeneigt,  sie  blieb  abermals  ohne 
Erledigung.  <)  Auch  von  dem  alten  Unterkammergrafen  Wolfgang 
Roll  war  keine  Förderung  zu  erwarten.  Als  dieser  Anfang  März 
1589  starb,  wurde  bezüglich  der  Miinzamtsverwaltung  ein  Provi- 
sorium verordnet.  -) 

Erst  nach  dem  Tode  des  Erzherzogs  Ernst  und  unverkennbar 
abermals  über  Anregung  des  Kaisers  wurde  die  nun  schon  seit 
zwanzig  Jahren  sich  hinziehende  Angelegenheit  neuerdings  vor- 
genommen. Gegen  Ende  des  Jahres  151>5  trat  zu  Kremnitz  eine 
Commission,  bestehend  aus  dem  uiederösterreiehischen  Kammer- 
rath  Christoph  von  Rappach  und  aus  den  Räthen  der  Zipser 
Kammer  Julius  Freiherrn  von  Herberstein  und  Georg  Hoff- 
nian,  zusammen,  um  mit  der  Stadtvertretung  zu  verhandeln.  Diese 
lehnte  beharrlicli  die  Einrichtung  des  Münzdruckwerkes  ab.  Die 
niederösterreichische  Kammer  richtete  nunmehr  ddo.  Wien,  1.  Fe- 
bruar 1596  einen  Erlass  an  die  Stadt  Krennütz,  in  welchem  die- 
selbe auf  iliren  grossen  Sehuldenstand  aufmerksam  gemacht  wird ; 
die  Ersparung  an  den  MUnzkosten  würde  zur  Tilgung  ihrer  Schul- 
den verwendet  werden,  schliesslich  wurde  ihr  bedeutet,  dass  bei 
fortgesetztem  Sträuben  gegen  das  Münzdruckwerk  der  Kaiser  die 
Münzung  nach  Schemnitz  verlegen  wi*rde.  Die  Stadtvertretung 
brachte  nunmehr  für  sich  und  im  Namen  der  Münzer  eine  Eingabe 
ein,  in  welcher  sie  der  Eini-ichtung  des  Münzdruckwerkes  wohl 
zustimmen,  dagegen  aber  um  einen  Naclilass  an  ihrem  Schulden- 
stande bitten.  Mit  der  Resolution  ddo.  Prag,  7.  Juli  1596  lehnte 
Rudolph  II.  dieses  Ansuchen  al)  und  trug  die  Einbnngung  oder 
Sicherstellung  des  Kammerguthabens  auf.  Rezüglieh  der  Walzen- 
maschinc  wurde  angeordnet,  dass  dieselbe  thunlichst  bald  ins  Werk 
zu  richten  ist  Am  12.  Juli  1596  erfloss  eine  Weisung  an  die  luns- 


Fasc.  15378  und  üdkb.  Nr.  44)3  Fol.  21!'. 
Nr.  ln3.  Fol.  tTOvor«. 


298 


!d:  T).i-  österreichische  Münzwesen 


brucker  Kammer,  sie  habe  drei  taugliche  Miinzarbeiter  znr  Einritt 
tung  des  Münzdruckwerkes  Kremnitz  abzuordnen,  i)  Da  der  Kaiser 
mit  der  Resolution  ddo.  Prag,  5.  September  1596  den  energischen 
Vertreter  der  Münzverbesserung  in  Kremnitz  David  Hag  seine 
grossen  Erfahrung  im  Berg-,  Schmelz-  und  Münzwesen  wegen  zum 
Oberstkammergrafen  in  den  ungarischen  Bergstädten  bestellte, 
schien  es,  als  sollte  für  das  lange  bestrittene  Münzwalzwerk  end- 
lich ein  guter  Abschluss  eintreten.  2)  Dazu  kam,  dass  der  Erzherzog 
Maximilian,  welcher  nach  dem  Abgange  des  Erzherzogs  Ernst  der 
Wiener  Regierung  vorstand,  der  Kremnitzer  ^lünzverbesserung  ein 
besonderes  Interesse  entgegen  brachte. 

Unterm  31.  März  1597  berichtete  die  nioderöstcrreichische 
Kammer  dem  Erzherzog,  dass  die  drei  von  Hall  nach  Kremnitz  ab- 
geordneten werksverständigen  Arbeiter  ihre  Aeusserung  dahin  ab- 
gegeben haben,  dass  die  Oertlichkeit  für  die  Errichtung  eines 
Münzdruckwerkes  ganz  zusagend  sei,  und,  wenn  man  ihnen  die  er- 
forderlichen Materialien  beistellt,  sie  bis  Ostern  das  Werk  im  Gang 
hätten.  Nun  erhebe  die  Stadt  Kremnitz,  sowie  die  Knappen  und 
Münzer  neue  Anstände,  indem  sie  angeben,  dass  bei  400  Personen 
brodlos  würden.  Der  Oberstkammergraf  Hag  widerlege  alle  diese 
Einwendungen,  und  hebe  hervor,  dass  der  Münznutzen  um  jährlich 
6787  Gulden  gesteigert  würde,  woraus  die  alten  Münzer,  welche  in 
den  Bergwerken  nicht  verwendet  werden  könnten,  provisionirt,  und 
der  Ueberschuss  zur  Hebung  des  Bergwesens  in  den  Bergstädten 
zu  verwenden  wäre.  Die  Kammer  beantragte  schliesslich  die  Durch- 
führung der  kaiserlichen  Resolution  vom  7.  Juli  1596.  Erzherzog 
Maximilian  legte  ddo.  Wien,  7.  Juli  1597,  die  ganzen  Anträge  be- 
vorwortet  dem  Kaiser  vor.  Dieser  ertheilte  ddo.  Prag.  28.  Jänner 
159S  die  Erledigung.  Da  die  Münzer  nur  die  alten  Beschwerden, 
welche  bereits  zurückgewiesen  wurden,  vorbringen,  habe  es  bei  der 
früheren  Resolution  zu  verbleiben.  3) 

Erzherzog  Maximilian  hatte  mittlerweile  ddo.  Wien,  30.  Jänner 
1598    den   Ankauf    einer    neben    dem    Kanmierhof  zu   Kremnitz 


I 


i)  K.  k.  H.  K,  A.,  Fase.  15378  und  Gdkb.  Nr.  407,  Fol.  413  und  422,  auch 
Gdkb.  Nr.  157,  Fol.  553vers.  und  G43. 

2)  Daselbst  Gdkb.  Nr.  407,  Fol.  455. 

3  Daselbst  Fase.  15378  und  Gdkb.  Nr.  408,  Fol.  185. 


«atir  dfii  Kai^^•rn  .Maximilian  II.,  liii(l..lj)h  II.  uiut  Mathias.  -•    •' 

gelegenen  kleinen,  aufl35  Gulden  bewertheten  Behausung,  welche  zur 
Einrichtung  der  neuen  Mlinzmaschlne  sehr  gelegen  war  genehmiget,  i) 
Leider  ging  die  Leitung  der  Wiener  Regierung  wieder  an  den  Erz- 
herzog Mathias  Über,  der  so  gerne  bereit  war  den  aus  Prag  kom- 
menden Anregungen  Opposition  zu  machen.  Die  Frage  der  Walzen- 
prägung drängte  zu  einer  Entscheidung.  Der  ewigen  Einstreuungen 
müde,  Hess  der  Oberstkammergraf  David  Hag  das  Münzdruckwerk 
in  Schemnitz  einrichten  und  in  Betrieb  setzen,  wogegen  die 
Stadt  Kreinnitz  ddo.  Kremnitz,  5.  Mai  1598  unter  Berufung  auf 
ihre  Privilegien  protestirte.  Nachdem  Hag  diesen  Protest  unbeachtet 
Hess,  brachte  die  Stadt  ddo,  10.  Juni  1598  eine  neue  Beschwerde 
ein.  Ueber  jene  Mtinzer,  welche  von  Kremnitz  nach  Schemnitz  zogen, 
um  dort  das  Druckwerk  zu  betreiben,  sagt  die  Eingabe,  dass  sie 
„durch  Anlaittung  vud  zur  milde  Berichtung,  eines  losen  Bubens, 
der  am  Kremnitzer  Münzwesen  ist  meineidig,  ja  reverendo  zu  mel- 
den gar  zu  einem  Schelm  worden,"  zur  Uebersiedlung  veranlasst 
wurden. 

Als  auch  diese  Beschwerde  erfolglos  blieb,  ordnete  mau  eine 
Deputation  an  den  Erzherzog  Mathias  ab,  welche  den  Protest  vom 
5.  Mai,  und  die  Einsprachen  vom  10.  Juni  1598  zu  wiederholen,  und 
mehrfache  Beschwerden  gegen  den  Oberstkammergrafen  vorzu- 
bringen hätte.  Unter  Anderem  wurde  gesagt,  dass  das  ganze  Silber 
in  Schemnitz  zu  Thalern  vermünzt  werde,  daher  kleine  Geldsorten 
fehlen.  Eine  Bitte  um  Schutz  ihrer  Privilegien  brachte  die  Stadt 
Kremnitz  auch  an  (He  ungarischen  Stände  ein.  An  den  Erzherzog 
wurde  die  Bitte  gestellt,  er  möge  sieh  dahin  verwenden,  dass  der 
Kaiser  ihren  Abgeordneten  eine  Audienz  gewähre,  a) 

Erzherzog  Mathias,  der  offenbar  gegen  den  Obersikammer- 
grafen  Partei  genommen  hatte,  legte  mit  dem  Berieht,  ddo.  Wien, 
22.  August  1598,  die  Acten  mit  einer  gegen  Hag  gericliteten  Be- 
schwerde dem  Kaiser  vor,  worin  erwähnt  wird,  dass  derselbe  in 
Schemnitz  Thaler  prägen  lässt,  welche  jedoch  das  Zeichen 
der  Stadt  Kremnitz  haben.  Letzterer  suchte  sich  rechtzeitig  zu 
rechtfertigen.  In  seiner  Eingabe  an  den  Kaiser,  ddo.  Schemnitz, 
21.  September  1598,  betonte  er,  dass,  wftiirend  früher  zu  Kremnitz 


•;  und  .•   K.  k.  II.  K.  A.,  Fii«c.  15378. 


300 


Johann  Newald  :  Das  österreichische  3Iünzwesen 


60  Miinzer  in  Arbeit  wareii^  beim  Mtinzdruckwerk  mir  8  Personen 
nothwenclig  sind.  Ueber  die  Beschwerde,  dass  er  den  Waldbürgern 
den  verlangten  Verlag  verweigere,  bemerkte  er,  dass  er  denen  die 
guten  Bau  führen,  solche  Vorschüsse  verabreiche,  nachlässige 
Waldbürger  müsse  er  zurückweisen,  denn  die  sieben  Bergstädte 
seien  der  Kammer  bereits  152  Tausend  Gulden  schuldig. 

In  dem  Vortrag,  ddo.  Podiebrad,  31.  Octobcr  1598,  stellte  dir 
anwesende  Hofkammer  den  Antrag,  dass  der  Betrieb  des  Münz- 
druckwerkes eingestellt,  und  dadurch  die  Beschwerdeführer,  wie 
auch  die  ungarischen  Stände  zu  beruhigen  wären.  Rudolph  II.  resol- 
virte  jedoch,  dass  die  geheimen  Käthe  zu  vernehmen  sind.  Der 
geheime  Rath  erstattete  seinen  Vortrag  bereits,  Podiebrad,  ddo. 
2.  November  lo!)8.  Rudolph  IL  resolvirte:  „Das  Druckwerk  sollt 
angerichtet  werden,  aber  das  Münzwesen  am  vorigen  Ort  ver- 
bleiben. Im  übrigen  sei  billich,  das  man  den  Hagen  auch  vernembe." 
In  diesem  Sinne  ergingen,  ddo.  Prag,  14.  November  1598,  Erlässe 
an  den  Erzherzog,  an  die  Bergstädte  und  an  den  Oi)erstknmmer- 
grafen  i)  Dom  Letzteren  wurde  die  Verlegung  der  Münzprägung  von 
Kremnitz  nach  Schemnitz  strenge  gerügt,  jedoch  bleibe  die  Verord- 
nung, dass  „anstatt  des  Mtinzschlags,  0^1  er  gegen  desselben  Ab- 
thuung  das  Truckwerkh  angerichtet,  vnd  für  khünftig  gebraucht 
werden  solle,"  aufrecht,  s) 

Nachdem  trotz  des  kaiserlichen  Erlasses  der  Oberstkammer- 
graf David  Hag  den  Münzbetrieb  in  Schemnitz  fortbestehen  liess 
ertheilte  Erzherzog  Mathias  ddo.  Wien,  3.  Februar  1599  die  strengt 
Weisung  zur  Uebersetzung  des  Münzwesens  nach  Kremnitz  und  er- 
kannte zugleich,  dass  Hag  der  Stadt  Kremnitz  einen  Schadenersatz 
von  1500  Gulden  zu  leisten  habe.  Da  derselbe  schwer  krank  dar- 
nieder lag,  erging  ddo.  Wien^  22.  Mai  1599  an  den  Hofkammerrath 
Christoph  von  Rappach  der  Auftrag  zur  Durchfllhrung  dieser 
Massregel,  und  habe  er  ein  Drittel  der  ►^ilbergefälle  in  kleine  Münze, 
zwei  Drittel  jedoch  in  Thaler  ausprägen  zu  lassen.  Mit  der  kaiser- 
lichen Resolution  ddo.  Prag,  4.  August  1600  wurde  derselbe  an 
Stelle  des  am  11.  April  1599  verstorbenen  David  Hag  zum  Oberst- 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  15378. 

2)  Daselbst  Gdkb.  Nr.  408,  Fol.  357. 


Kiiiäeru  MaximiUau  II.,  Uodolph  II.  uud  Mathias.  '     ^ 

kam nierg raten  eriianut,  »)  er  resignirte  jedoch  schon  im  Jahre  1603 
iiiid  wurde  mit  der  Resolution  ddo.  Prag,  26.  September  1G03  vor- 
läufig Hanns  Steinperger  als  Berg-  und  MUnzwesens-Inspcc- 
tor  in  den  Bergstädten  bestellt.  -) 

Üeber  das  Schicksal  des  vieljährigen  Zankapfels  bleibt  nur 
noch  zu  melden,  dass  Steinperger  den  Antrag  gestellt  hatte,  es  sei 
die  Hälfte  des  Silbers  auf  dem  Druckwerk  zu  vermUnzen.  Ein 
Erfolg  dieses  Vorschlages  lässt  sich  nicht  nachweisen.  Ein  Hof- 
kammererlass  ddo.  Prag,  6.  Juni  1601  verlangt  darüber  Gutachten, 
was  vorzukehren  sein  wird,  auf  dass  das  zu  S  Chemnitz  eingerich- 
tete Druckwerk  nicht  verderbe.  Unterm  15.  Jänner  1602  schlagt 
die  hinterlassene  Hofkammer  vor,  es  möge,  bis  sich  die  Verhältnisse 
(Sterblichkeit  und  Kriegsnoth)  gebessert  haben,  das  alte  Präge- 
verfahren beibehalten  werden.  ^)  Sie  fügte  die  Bemerkung  bei,  dass 
das  Münzdruckwerk  bereits  bei  60U0  fl.  Unkosten  verursacht  habe, 
eine  Uebertragung  nach  Kremnitz  werde,  wenn  nicht  taugliche 
Arbeitsleute,  etwa  aus  Tirol  beigestellt  werden,  keinen  Erfolg  haben. 
Als  ein  Nachspiel  der  leidigen  Angelegenheit  ergab  sich  die  Be- 
schwerde des  Eisenschneiders  Joachim  Eisholz,  welcher  im  Jahre 
1598  mit  nach  Schemnitz  gezogen  war.  Als  die  Münze  nach  Krem- 
nitz  zurückkam,  wollten  ihn  die  Münzer  nicht  mehr  zur  Arbeit  zu- 
lassen, daher  er  durch  acht  Monate  feiern  musste.  Unterui  22.  Juni 
1601  schritt  er  um  die  Auszahlung  seines  Lohnrückstandes  von 
68  Gulden  ein.  Erzherzog  Mathias  genehmigte  dieses  Ansuchen, 
unter  Voibehalt  der  Schadloshaltung  an  die  Erben  des  Oberst- 
kammergrafen Hag,  erst  ddo.  Wien,  llMail6u4.  *)  Audi  an  die 
Kremnitzer  Müuzbeamten,  welche  sich  ablehnend  gegen  die  Ver- 
besserung im  T'  -n  frezeigt  hatten,    erfloss   eine  Rüge.    Mit 

Rücksicht  auf  (li : and,  dass  bei   der  Vermünzung  des  Silbers 

auf  Thaler  und  ungarische  Pfennige  von  Jahr  zu  Jahr  ein  grösserer 
Abgang  vorkömmt,  „welches  ohne  Zweifel  fürnemblich  ans  Euerem 
Unfleiss,  Nachlässigkeit  und  Verwarlosung  herrüre,  vnd  wohl  verhütt 


•)  K.  k.  n.  K 

'k  Nr.  401),  Fol.  2Ü4 

«j  Daselb-'  < 

..  ,ilMiiMl  Oakb.  Nr.  411.    . .. 

i*.  November  i 

da»  ObiTstkaiiiiucrgrufenaiiit  inibcsctzt  bleiben 

•)I». 

♦)I». 

302 


Johann  Newald :   Das  österreichische  Münzwesen 


werden  kann,"  werden  die  Miinzbeamten  zur  genaueren  Hand- 
habung ihrer  Instruction  angewiesen.  M 

Eine  Einrichtung,  aus  welcher  sich  hochbedeutsaun  \vi- 
besserungen  im  Münzprägewesen  ergaben ;  die  sich  bereits  in  einem 
österreichischen  Münzhause,  und  zwar  zu  Hall  im  Innthale,  in  aus- 
gedehnter Verwendung  vollständig  bewährt  hatte;  welche  erfolg- 
reich seit  Jahren  an  verschiedenen  Orten  in  Anwendung  stand; 
welche  im  fernen  Spanien  alle  nationalen  Widerstrebungen  sieg- 
reich überwunden  hatte,  konnte  in  Kremnitz,  trotzdem  sich  Kaiser 
Kudolph  H.,  der,  getragen  von  der  hohen. Kunstliebe  und  Kunst- 
freundlichkeit, auch  die  Verschönerung  der  Münzen  anstrebte,  nicht 
zur  Durchführung  gelangen.  Die  bald  darauf  eintretenden  aufstän- 
dischen Bewegungen  unter  Stephan  Bocskai,  machte  alle  Be- 
mühungen und  Versuche,  die  auf  die  Einführung  der  Walzen- 
prägung im  Kremnitzer  Münzhause  hinzielten,  ein  Ende.  2) 

Nachdem  die  aus  dem  Kremnitzer  Münzhause  ausgegan- 
genen Münzen,  darunter  namentlich  die  i^nisseren  Silber-  auch  die 
Goldmünzen  seit  alter  Zeit  mit  den  Buchstaben  K — B  bezeichnet 
sind,  besteht  bezüglich  Zuweisung  derselben  an  die  richtige  Münz- 
stätte keine  Schwierigkeit.  Das  Anbringen  eines  MUnzmeister- 
zeichens  unterblieb,  weil  im  Falle  eines  Auslandes,  aus  der  Jahrzahl 
der  verantwortliche  Beamte   ausser  Zweifel  gestellt  werden  konnte. 

Von  hervorragendem  Interesse  ist  ein  Walzenthaler  Rudolphs  II. 
vom  Jahr  1579.  Er  ist  von  ganz  besonderer  Schönheit  und  dürfte 
sich  der  Annahme,  es  sei  der  Stempel  von  Antonio  Abondio  ge- 
schnitten wortlen,  kaum  ein  Bedenken  entgegenstellen  lassen.  »)  Im 
Jahre  1579  war  die  ganze  Maschinenconstruction  fertig,  es  handelte 
sich  nur  noch  um  die  Einrichtung  des  Betriebes   im  Münzhause  zu 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  15262. 

2)  Bocskai  hatte  auch  die  Bergstädte  besetzt.  Der  Erzherzog  Mathias 
wurde  seitens  der  hinterhissenenHofkammer  ddo.  Wien,  7.  Juni  KiOG  gebeten, 
durch  den  Grafen  Stephan  Illeshäzy  dahin  zu  wirken,  dass  die  von  Bocskai 
den  beiden StädtenKremnitz  und  Schemnitz  zuerst  mit  4000  Thaler  bemessene, 
sodann  auf  8000  Thaler  gesteigerte  „Taxe"  nachgelassen  werde.  K.  k.  H.  K.  A. 
Gdkb.  Nr.  412,  Fol.  254. 

3)  Ein  vortrefflich  erhaltenes  Exemplar  dieses  Thalers  befindet  sich  in  der 
Sammlung  des  Herrn  Spöttl,  einen  Kupferabstoss  besitzt  Herr  Stephan  Delhaes 
in  Wien. 


unter  den  Kaisern  Maximilian  IL,  Rudolph  II.  und  Matliias. 


303 


Kremuitz  (Seite  291).  Der  in  Rede  stehende  Tlialer  lässt  sich  als 
eineProbeprägun^  auffassen,  um  sowohl  an  den  Kaiser  als  an  andere 
massgebende  Personen  Vorlagen  zu  dem  Ende  machen  zu  können, 
um  die  Schönheit  des  neuen  Gepräges  zu  constatiren.  Es  wurde 
bei  dieser  Münze  das  mehr  erwähnte  Modell  des  Antonio  Abondio 
eingehalten,  nur  kömmt  auf  der  Vorderseite  in  der  Umschrift,  rechts 
das  Wappen  von  Ungarn,  links  die  Patrona  Ungarise  vor.  An  der 
Rückseite  fehlen  die  Buchstaben  K — B,  wohl  aus  dem  Grunde,  weil 
es  sich  nur  um  eine  Probeprägung  handelte,  überdies  die  Stadt 
Kremnitz  gegen  die  ganze  Einrichtung  in  die  lebhafteste  Opposition 
getreten  wai*.  Mtinzensamnder  sind  auch  auf  die  in  den  Jahren 
1598  und  1599  zu  S Chemnitz  geprägt  en  jedoch  mit  den  Buch- 
staben K — B  bezeichneten  W  al  z  e n  t h  al e  r  aufmerksam  zu  machen. 

Der  lange  anhaltende  Türkenkrieg  und  die  aufständischen  Be- 
w^egungen,  deren  Schauplatz  Ungarn  war,  förderten  wesentlich  die 
Verbreitung  falscher  Münzen  im  Lande.  Mit  dem  Erlasse  ddo.  Prag, 
15.  October  1592,  wurden  dem  Erzherzog  Mathias  falsche  ungarische 
Thaler,  mit  dem  Bildniss  und  Umschrift  des  Kaisers,  welche  jedoch 
kaum  7  Kreuzer  werth  waren,  zugesendet;  es  sei  nachzuforschen, 
wo  dieselben  geprägt  wurden,  i)  Solche  Anzeigen  wiederholten  sich 
nochmals.  Unterm  21.  Februar  1604  wurde  dem  Erzherzog  bekannt 
gegeben,  dass  in  Polen  etliche  Kaufleute  jährlich  mehrere  hundert- 
tausend Gulden  leichte  polnische  Kleinmünzen  schlagen  lassen, 
welche  sie  in  die  Erbländer,  namentlich  aber  nach  Ungarn  ein- 
schwärzen. Der  Erzherzog  möge  darüber  Anträge  stellen  wie  diese 
Münzen  einzusammeln  und  in  kleine  ungarische  Geldsorten  umzu- 
prägen wären.  2) 

Die  in  der  Münze  zum  Kremnitz  beschäftigten  Stempelsclineider 
anbelangend,  kömmt  zu  erwähnen,  dass  Erzherzog  Matliias  mit  Er- 
lass  ddo.  Wien,  3.  Juni  1001,  den  bisherigen  Eisensenker  Michael 
Sackh,  „seiner  berlimbten  Tauglichkeit  willen"  zum  Obereisen- 
schneider ernannt  halte.  Ueber  eine  vom  Eisensehneider  Joachim 
Eisholz  wegen  Zurücksetzung  eingebrachte  Beschwerde,  Hess  man 
in  Kremnitz  von  beiden  Concurrenten  Thalerstempel  anfertigen  und 


1)  K.  k.  H.  K.,  Gdkb.  Nr.  155,  Fol.  408vir. 
-)  Dasei l>Ht  Fmhc.  17r)()S. 


304 


Joliann  Newald:  Das  österreichische  Münzwes 


damit  eine  Probeprägung-  vornelimen,  woraus  sich  ergab,  „dass  der 
Sackh  den  Elsholz  weit  tibertreffe."  Der  Erzherzog  verfügte  ddo. 
9.  Juli  1602,  dass  die  frühere  Bestellung  des  Sackh  aufrecht  zu 
bleiben  habe,  dem  Elsholz  jedoch  eine  „Zubuss  von  20  Gulden 
ungarisch  jährlich  zu  verabreichen  ist.**  i) 

Während  des  Verlaufes  der  eben  geschilderten  Verhandlungen 
leitete  den  Kremnitzer  Münzbetrieb  als  Verwalter  des  Münz- 
meisteramtes Georg  Fleisch  von  Lerchenberg;  als  Wardein 
war  schon  seit  dem  Jahre  1598  Philipp  Neutaler  mit  dem  Jahres- 
sold von  209  Gulden  ungar.  bestellt.  Ersterer  wurde  im  Jahre  1605 
Einnehmer  und  Oberamtmann  in  Scliemuitz,  jedoch  schon  unterm 
9.  November  1606  definitiv  zum  Unterkammergrafen  und  Müuz- 
meister  in  Kremnitz  ernannt.  Er  erhielt  ddo.  Wien,  1.  Mai  1607 
eine  34  Seiten  einnehmende,  das  Ganze  seines  Amtes  umfassend» 
Instruction.  2)  Der  Eingang  derselben  bezieht  sich  auf  das  MUnz- 
wesen.  „Nachdem  erstlichen  der  höchst  Artikel  vnnd  Vuss  am 
maisten  daselbst  angelegen  ist,  damit  die  Münz  in  rechtem  Gehalt 
Grad,  Khorn  vnd  Aufzall,  auch  rain,  sauber  vnnd  nit  schiefen,^ 
gemacht  vnd  geschlagen  werde,  auch  in  derMünzarbeit  kain  Betrug, 
Fäl  nochVnordnung  gelitten,  demnach  soll  gedachter  Georg  Fleisch 
mit  allen  Ernst,  Vleiss  und  ganzen  Threuen  darob  sein.  • 

Die  erste  Anordnung  bezieht  sich  auf  das  Ausbringen  der 
Goldmünzen:  „Nemblich  sollen  auf  die  hungarisch  mnrkh  derselben 
hungarischen  Goldgnldenoder  Ducaten  geschrotten  werden  69  Stückh, 
vnd  dieselb  Markh  sol  halten  gannz  fein  23  kliarat  vnnd  9  Grän." 
Als  Remedium  war  ein  Grän  zugestanden.  Ferner  waren  zu 
münzen  „hungarische  weisse  Pfennig,  auf  ein  hungarisch  gemischte 
Markh  446  Stuckh  vnd  soll  dieselb  gemischte  Markh  halten 
ganz  fein  6  loth  Silber.^  Das  Remedium  war  ein  Pfennig. 
Endlich  waren  zu  prägen  Thaler  zu  14  Loth  fein  und  8  Thaler 
öO  Pfeninge  (8-6  Stücke)  aus  der  beschickten  „hungarischen Mark." 
Von  dem  gesammten  feinen  Silber  sollte  ein  Drittel  auf  Thal  er  und 
zwei  Drittel  auf  die  kleine  Münze  verwendet  werden.  Eingehende 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  152G3 


3)  Daselbst  Fase.  1526!;,  Monat  Februar  1619. 


4 


:ai»eni  Maximilian  IT.,  Rudolph  IT.  und  Mathias 


305 


Bestimmungen  beziehen  sich  auf  die  Abgabe  von  Proben  von 
Jedem  einzelnen  Guss  an  die  Stadt  Kremnitz  0  Über  die  Silberein- 
lösungspreise, welclie  au  die  WaldbUrger  zu  zahlen  sind  u.  s.  w. 
AlsBiiehhalter  wurde  dem  ('nterkammergrafeu  H  a n n  s  L i  v  n  p u c  li  e  r 
an  die  Seite  gegeben. 

XVI. 

Die  Münzstätten  zu.  Kaschau  und  Nagy-Bänia. 

Die  i^uiiii  iium-,  CHILI  Münzstätte  zu  KaiscLjiu  laim  mur 
Anordnung  des  Kaisers  Maximilian  IL  im  Anfange  des  Jahres 
1574  statt,  und  zwar  wurde  ein  Eisenschneider  und  mehrere  Mltnz- 
arbeiter  von  Kremnitz  dahin  abgeordnet.  Mit  dem  Berichte  ddo. 
Kaschau,  17.  Mai  1574  richtete  dieZipser  Kammer  an  den  Erzherzog 
Ernst  die  Anfrage,  ob  auf  die  in  der  neuerrichteten  Kaschauer 
MUnze  geschlagenen  Münzen  die  Buchstaben  K  —  B  wie  in  Krem- 
nitz oder  ein  anderes  Zeichen  gesetzt  werden  soll.  Sie  deutet  auf 
..C  et  S  qui  Cameram  Scepusiensem  denotarent,  vel  autem  C  et  C 
qui  Civitatem  Cassoviensem  referrent".  Die  Kammer  schloss  eine 
vom  Kremnitzer  Münzmeister  Wolfgang  Roll,  ddo.  7.  Mai  1574  ein- 
L-ebrachte  Aeusserung  bei,  in  welcher  derselbe  bezüglich  „der 
l'uechstaben,  welche  auf  die  Münz  so  in  Zips  gemacht,  geschlagen 
werden  sollen*,  beantragt,  dass,  „weil  das  gelt  in  der  Stat  Caschau 


<)  Vergl.  Münzwe»**  ..    .....  I  erdinand  1.  Seite  i^..   .;...  v.iuu.i...;;»    ..n- 

>oite  127  luitgetheilteii  V  erhiiltniHSzahlen,  ergibt  sich  der  Werth  des  uach  «ler 
liistniotioü  vom  1.  '  t<Mi  Thalers,  wie  folgt:  14  L«  ' 

-fL'l  Pfennige.  Der  1  ■  iiu'ii  Feingehalt  von  224:S-(; 

Pfennige  ungar.  Gewicht.  Diese  nach  dem  Verhältniss  dass  5  ungar.  .Mark  = 
:t'2f)  Kölner  Mark,  in  KOlner  Gewicht  umgewandelt,  ;;ibt  27-HI88  Pfennige 
Kölner  Gewicht.  Da  aus  der  feinen  Kölner  Mark  =  SfKJ  Pfennigt»,  21  Guhlen 
österr.   Währ.   ;  )ial>en  wir  25«:21  =  27-34H8:x,  w- 

X  oder  der  Wen  len  Ihalers  mit  2  fl.  24-;iH>  kr.  »> 

Währ,  folgt.  Die  WiiM»<r  Mark  nach  dem  Gesetz  vom  23.  Juli  1871,  «u  28»' 
^Jramme  gci:  rh*  •  '  ■  die.Her'I'haler  ein  Gewicht  von  28r)r)(53  Gramme.  ^^ 
II  meiner  >  lliehe  nach  der  Instruction  vom  1.. Juni  W)7  gepi 

<  n«    Kit;;uuiuer     Ihaler,   haben  im    Durchschnitt  ein  Gewicht   von 
mm. 

20 


306 


Johann  Newald  :  Das  österreichische  Münzwesen 


gemünzt  wirdet,  das  auch  dise  zween  Puechstaben  C  et  C,  die  mau 
für  die  Camer  Caschau  oder  Stadt  Caschau  lesen  mechte"^  zu  setzen 
wären.  Die  Erledigung  erfolgte  mit  der  Resolution  ddo.  Wien. 
15.  Juni  1574.  Es  werden  die  Buchstaben  C  —  8,  so  auch  C  —  ( 
abgelehnt  und  wird  angeordnet,  dass  die  Kaschauer  Münzen  mit 
H  —  S,  welche  Buchstaben  Hungaria  Superior  bedeuten,  zu  bezeich- 
nen sind,  und  zwar  aus  dem  Grunde,  weil  das  fernere  Verbleiben 
der  Münzstätte  in  Kaschau  noch  nicht  ausser  Zweifel  steht.  ^) 

Mit  Bericht  ddo.  Kaschau,  24.  August  1574  legte  die  Zipser 
Kammer  dem  Kaiser  aus  dem  dortigen  Münzhause  stammende  Gobi 
und  Silbermünzen  vor.  Mit  der  Resolution  ddo.  Wien,  8.  September 
1574  lobte  Maximilian  IL  die  baldige  Betriebsetzung  der  Münze, 
ordnete  jedoch  verschiedene  Aenderungen  an  den  daselbst  gepräg- 
ten Geldsorten  an.  2) 

Nachdem  man  in  Kremnitz  mit  grossem  Misstrauen  alle 
Massnahmen  der  Regierung,  aus  denen  eine  Schmälerung  in  der 
Bedeutung  und  im  Wohlstande  der  Stadt  zu  besorgen  war,  beobach- 
tete, hatten  sich  auch  nur  mit  Widerstreben  Kremnitzer  Münzarbeiter 
nach  Kaschau  übersetzen  lassen.  Um  stets  drohenden  Anständen 
und  Schwierigkeiten  zu  begegnen,  suclite  die  niederösterreichische 
Kammer  aus  dem  Reiche  Müuzer  nach  Kaschau  zu  übersiedeln.  Der 
Wiener  Münzmeister  Adam  Hartman  machte  auf  den  zu  Nördlingen 
ansässigen  Stollbergischen  Münzmeister  Jacob  Penndter  auf- 
merksam, der  auch  von  Maximilian  IL,  welcher  sich  des  Reichs- 
tages wegen  zu  Regensburg  befand,  für  Kaschau  als  Münzmeister 
aufgenommen  wurde.  Nach  dem  Tode  Maximilians  IL,  welcher  am 
12.  October  1576  zu  Regensburg  starb,  resolvirte  Rudolph  11.  ddo. 
Linz,  13.  December  1576  an  den  Erzherzog  Ernst,  dass  der  ange- 
kommene Stollbergische  Münzmeister  Jacob  Penndter  als  Münz- 
meister für  Kaschau  aufzunehmen  und  alsbald  dahin  abzuordnen 
sei,  3)  worüber  ddo.  Wien,  22.  December  1576  an  die  Zipser  Kammer 
die  erforderliche  Weisung  erfolgte.  Penndter  erhielt  300  Gulden 
Ungar,  als  Jahressold  und  freier  Wohnung  zugetheilt.  *)  Er  kam  mit 


1)  und  2)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  15261. 
3)  Daselbst  Gdkb.  Nr.  399,  Fol.  231ver 
*)  Daselbst  Nr.  400,  Fol.  97. 


4 


;iier  deu  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  11.  und  Mathias. 


307 


drei  Mlinzgesellen  und  einem  Jungen  nach  Kaschau.  Der  Kremnitzer 
Unterkammergraf  Wolfgang  Roll  erhielt  den  strengen  Auftrag,  unge- 
säumt etliche  Münzer  von  Kremnitz  nach  Kaschau  abzuordnen,  auf 
dass  „das  Münzen  daselbst  auch  die  Verlag  aufs  Perklnvcrkl!,  '--♦  ■ 
mehr  beflirdert  werden^.') 

Penndter  hatte  in  Kaschau  mit  verschiedenen  Schwierigkeiten 
zu  kämpfen.  Als  er  um  die  Vermehrung  seines  Arheitspersonales 
ansuchte,  meldete  Wolfgang  Roll  ddo.  Kremnitz,  18.  Juli  157.^,  dass 
sich  die  Kremnitzer  Mttnzknappen  entschieden  weigern,  nach 
Kaschau  zu  übersiedeln.*)  Erzherzog  Ernst  wollte  drei  Wiener 
Münzgesellen  und  einen  Jungen  dahin  abordnen.  MUnzmeister 
Hartman  zeigte  jedoch  ddo.  AVien,  6.  August  1578  an,  dass  die 
Wiener  MUnzer  hier  ansässig  sind  und  Weingärten  besitzen,  daher 
nicht  übersiedeln  wollen.  Er  wies  auf  Budweis,  Prag,  Joachimsthal, 
endlich  auch  auf  Salzburg  hin,  von  wo  Münzer  zu  berufen  wären. 
Von  allen  Seiten  erfolgten  jedoch  ablehnende  Antworten.  Penndter 
beantragte  nunmehr  die  Verlegung  der  Münze  von  Kaschau  nach 
l'ngarisch-Neustadt  (Nagy-Bdnia)  und  die  Berufung  von  sechs 
Mtinzern  und  zwei  Jungen  aus  dem  Reich.  Die  mit  dem  Erlasse  des 
Erzherzogs  Ernst  ddo.  W^ien,  llr  November  1578  zur  Aeusserung 
aufgeforderte  Zipser  Kammer  hob  in  ihrem  Berichte  ddo.  Kaschau, 
6.  December  1578  über  den  Antrag,  welchen  Penndter  in  Gemein- 
schaft mit  dem  Kommandanten  Christoph  von  Teuffenbach, 
die  Uebertragung  der  Münze  von  Kaschau  nach  Rivalus  Domi- 
norum (Nagy-B4niai  anbelangend  eingeblacht  hatte,  hervor,  dass 
sie  es  für  >iel  wichtiger  erachte,  Gold  und  Silber  herbeizuschaflfen, 
um  die  Münze  zu  bcHchäftigen  und  den  königlichen  Bergbau  zu 
heben.  Rivalus  Dominorum  liege  Siebenbürgen  näher,  der  Ort  sei 
unsicher,  das  Klima  iiiigesuiid  und  rauh,  so  dass  der  dortige  Vor- 
stand stets  krank  daruiedu:  liege.  Die  Uebertragung  des  MUnzwerkes 
wUrde  mindesten«  2000  Gulden  und  nicht  wie  der  MUnzmeister 
angibt,  bloss  500  Gulden  kosten;  die  Kammer  bezweifelt,  dass  zu 
Rivalus  Dominorum  genügend  Gold  und  Silber  zur  Verfügung  stehen 
werde,  um  dir  MUnze  unuuterhrochen  zu  beschäftigen  und  beantragt 


«)  K.  k.  H.  K.  A.,  Gdkb.  Nr.  400,  Fol.  64»«" 


20* 


308 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Münzwesen 


schliesslich  die  Belassimg  des  MüDzbetriebes  in  Kaschau.  i)  Die 
Zipser  Kammer  sah  diese  ihre  ablehnende  Aeusserung  durch  die 
Resolution  Rudolphs  IL  ddo.  Prag,  28.  September  1578,  mit  welcher 
die  Ausstattung  der  Münze  zu  Kaschau  mit  einem  „Mliiiz-Druckh- 
werkh"  angeordnet  wurde,  unterstützt.  2)  Penndter  bat  nunmehr  um 
seine  Dienstesentlassung,  worüber  er  jedoch  angewiesen  wurde, 
sich  selbst  in  das  Reich  zu  verfügen,  um  dort  Münzarbeiter  anzu- 
werben. Er  starb  auf  der  Rückreise  nach  Kaschau  zu  Pressburg  im 
Monat  Juni  1579.  Seinen  Geschäftsbetrieb  hatte  er  im  Kaschauer 
Münzhause  am  22.  December  1576  eröffnet,  derselbe  scheint  jedoch 
wenig  lebhaft  gewesen  zu  sein,  denn  Penndter  veiTcchnete  pro  1577 
„auf  allerlay  gemaine  Notdurfften  des  Pren,  Schniidtgaden  und 
Münzwesens''  zusammen  46  Gulden  84  Denar,  pro  1578  49  Gulden 
12  Denar.  Er  hatte  den  Münzbetrieb  auf  „ehrbare  Raittung''  über- 
nommen. 3)  Die  Witwe  Anna  Penndter  bat  mit  der  Eingabe  ddo. 
Wien,  1.  Augnst  1579  den  Erzherzog  Ernst  um  Abrechnung, 
worüber  mit  dem  Hofkammererlasse  ddo.  Wien,  7.  October  1579  die 
Weisung  zur  Auszahlung  des  Guthabens  von  25  Gulden  an  die 
Witwe  erfolgte.*) 

Ob  Penndter  zu  Kaschau  im  Münzamte  einen  Nachfolger 
erhielt,  hat  sich  aus  den  Acten  nicht  feststellen  lassen.  Nachdem 
dort  der  ^lünzbetrieb  nur  sehr  unbedeutend  war,  derselbe  auch  nach 
Verlauf  weniger  Jahre  gänzlich  einging,  lässt  sich  die  fernere 
Leitung  desselben  nur  als  ein  Provisorium  auffassen. 

Die  aus  dem  Kaschauer  Münzhause  ausgegangenen  Münzen 
sind,  wie  wir  wissen,  mit  den  Buchstaben  H  —  S,  HungariaSuperior, 
bezeichnet.  Sie  zählen  sämmtlich  zu  den  Seltenheiten,  namentlich 
ist  dieses  mit  den  im  ersten  Betriebsjahr  1574  geprägten  Gold-  und 
Silbermünzen  der  Fall.  Der  Ducaten  von  diesem  Jahre  ist  bei 
Weszerle,  IL  Abth.,  Taf.  3,  Nr.  13  abgebildet;  jener  von  1575  findet 
sich  bei  Sz^chönyi,  Taf.  22,  Nr.  10,  der  Thaler  Maximilians  11.  von 
1575  (Schultess  Nr.  2394)  ebendaselbst  Nr.  4,  und  bei  Weszerle, 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  15261. 
2j  Daselbst  Fase.  15378. 

3)  Daselbst  Fase.  15262. 

4)  Daselbst   Fase.  15262,   auch   Gdkb.  Nr.   136,   Fol.  186vers.  und  137, 
Fol.  72. 


otiter  deu  Kai-trii  Muxiiiuüan  II.,  Kiulolpti  II.  an'l  .^l;lthia■.. 

Taf.  3,  Nr.  6.  Die  hieher  grehörigen  Thaler  Rudolphs  IL,  und  zwar 
von  den  Jahren  lo8U,  1581  und  1583  sind  bei  Schultess  in  den 
Nummern  2397,  23*J9  und  2401  beschrieben,  jener  von  1583  bei 
Sp6chenyi,  Taf.  25,  Nr.  16  abgebildet.  Bei  Weszerle  fehlt  diese 
Prägung  gänzlich.  Mit  einer  über  1583  hinausgehenden  Jahrzahl  ist 
mir  eine  Kaschauer  Münze  Rndolplis  II.  nicht  bekannt. «) 

Mfmzstätte  zu  Nagy-Bania. 

Der  Nagy-Bänia'er  Mlinzprägebetrieb  erscheint  als  eine  höchst 
eigenthüniliche  Episode  im  Mlhizwesen  während  der  Regierung 
Rndolplis  IL  Wir  wissen,  dnss  der  Kaschauer  Mlinzmeister  Penndter 
im  Jahre  1578  den  Antrag  zur  üebertragung  der  Kaschauer  Münze 
nach  Nagy-Bänia  gestellt  hatte,  welcher  Antrag  jedoch  abgelehnt 
wurde.  Die  wenig  unterbrochenen  kriegerischen  Bewegungen  in 
Ober- Ungarn  hatten  den  dortigen  Bergbau,  damit  auch  jenen  von 
Nagy-Bania,  oder  wie  der  Ort  damals  genannt  wurde,  Ungarisch- 
Neustadt,  sehr  zurückgebracht. 

Im  Jahre  1578  meldete  sich  Felician  Freiherr  von  Her- 
berstein, der  damals  zum  kaiserlichen  Hofkriegsrath  ernannt 
worden  war,  auch  in  Steiermark  und  Niederösterreich  sich  bei  den 
Bestrebungen  zur  Hebung  des  Bergbaues  bemerkbar  gemacht  hatte, 
zur  bestand-  oder  arrendaweisen  Uebernahme  des  Nagy-Baniaer 
Bergbaues.  Er  war  hiezu  wahrscheinlich  von  seinem  Bruder  Julius 
von  Herberstein,  welcher  Rath  bei  der  Zipser  Kammer  war, 
angeregt  worden.  Obwohl  sich  in  den  Acten  ein  Vertrag  nicht  vor- 
findet, so  unterliegt  es  keinem  Zweifel,  dass  im  Jahre  1579  eine 
dahin  zielende  Vereinbarung  stattfand.  Bei  der  grossen  Entfernung 
von  Nagy-Bänia  zur  nächsten  Münzstätte  in  Ka schau  und  noch 
mehr  zu  Krcmnitz  und  bei  der  Gefiihr,  welche  für  den  Transport 
der  Edcbnetalle  damals  bestand,  richtete  Herberstein  zu  Nagy- 
BAnia  eine  Münzstätte,  und  zwar  im  Hinblicke  auf  die  Förderung 
der  Arbeit  und  grosse  Kostenersparung  unter  Anwendung  der 
Walzenmaschine  ein.  Wir  wissen,  dass  sich  der  oftgenannte  «MUnz- 
künstler"  Hann«»  Vogler  damals  zu  Wien  und  in  Krcmnitz  befand, 


«)  Der  i ....  .^ .    .....  ....    ..,■..,.,,.  .^. .■■...,,,.  Sammlung' 

den  Jahren  1580.  15M1  nnd  1583  in  der  .Sauimhiug  Delliao». 


310 


Johann  Ne^Tald:  Das  österreichische  Münzwesen 


WO  man  die  Einrichtung  von  Walzenmaschinen  plante.  Dass  Herber- 
stein das  „Mttnzdruckwerk"  zu  Xagy-Bania  auf  seine  eigenen 
Kosten  herstellen  liess,  ergibt  sieh  aus  dem  Umstände,  dass  in  den 
Acten  der  Hofkammer  keine  Vereinbarung  oder  Verrechnung 
u.  s.  w.  über  dasselbe  vorhanden  ist. 

Der  erste  mir  bekannte  Nagy-Baniaer  Tlialer  Rudolphs  H.  ist 
vom  Jahre  lbS'2.  Ein  Exemplar  bewahrt  das  k.  k.  Münzeabinet.  Er 
ist  wie  alle  Nagy-Bäniaer  Thaler  jener  Zeit  ein  Walzen- 
thal er.  Das  gekrönte  Brustbild  des  Kaisers  hat  eine  glatte 
Rüstung,  es  fehlt  wie  auf  der  bei  weitem  grössten  Zahl  der  Thaler 
und  Halbthaler  Rudolphs  II.  die  Vliesskette. 

Mit  der  Eingabe  ddo.  Kaschan,  5.  December  1584  meldete  der 
Zipser  Kammergraf  AI  ex  ins  Thurzo  an  den  Erzherzog  Mathias, 
es  habe  der  Erzherzog  Ernst  die  Frage  gestellt,  ob  der  Freiherr 
Felician  von  Herberstein  das  in  Rivalus  Dominorum  gewonnene 
Gold  und  Silber  in  oder  ausserhalb  des  Königreiches  verkaufe.  Aus 
den  veranlassten  Erhebungen  habe  sich  ergeben,  dass  Herberstein 
weder  Gold  noch  Silber  verkaufe,  sondern  Alles,  was  gewonnen 
wird,  in  Geld  verwandle.  Thurzo  bemerkt  ferner,  dass  seit  dem 
Jahre  1579,  wo  die  neue  Einrichtung  getroffen  wurde,  Herr  von 
Herberstein,  obwohl  er  zur  Abstattung  des  Bestandgeldes  für 
Rivalus  Dominorum  jedesmal  aufgefordert  wurde,  bisnun  keine  Ant- 
wort gegeben  habe. 

Aus  dem  vorstehenden  Berichte  ergibt  sich  zunächst,  dass 
Herberstein  in  Nagy-Bania  ziemlich  unabhängig  schaltete,  und  man 
in  Wien  über  sein  Gebaren  wenig  unterrichtet  war.  Als  über  Auf- 
trag des  Erzherzogs  die  Zipser  Kammer  an  Herberstein  ein  Mahn- 
schreiben richtete,  antwortete  derselbe  ddo.  Nagy-Bänia,  28.  Jänner 
1586,  dass  an  eine  Geldabfuhr  von  seiner  Seite  wenig  Hoffnung 
sei,  indem  des  strengen  Winters  wegen  unter  den  Bergarbeitern 
grosse  Noth  herrsche,  er  daher  bitte,  es  möge  ihn  Seine  Hoheit  ent- 
schuldigen. Die  Zipser  Kammer  legte  dieses  Schreiben  dem  Erz- 
herzog Ernst  ddo.  Kaschau,  4.  Februar  1586  vor  und  meldete 
zugleich,  sie  habe  in  Bezug  des  Geldes,  welches  Herberstein  für 
den  König  von  Polen  sehlagt,  denselben  aufgefordert,  von  jeder 
Sorte  ein  Stück  einzusenden.  Nachdem  Herberstein  angab,   dass  er 


unter  den  Kaisern  Maximilian  Tl.,  Rudolph  n.  und  Ma' blas. 

nicht  in  der  Lage  sei,  dem  zu  entsprechen,  werde  sich  die  Kammer 
bemühen,  diese  Mtinzsorten  beiznschaffen. 

Schon  ddo.  Kaschan,  24.  April  1586  richtete  die  Zipser  Kam- 
mer eine  weitere  Eingabe  an  den  Erzherzog  Ernst,  womit  sie  von  den 
zii  Nagy-Bania  mit  dem  Namen  des  Königs  von  Polen  ge- 
schlagenen Münzen  10  Goldducaten,  2  Thal  er,  ebenso  1  Thal  er 
und  39  Stücke  Denare,  welche  auf  den  Namen  des  Kaisers  geschla- 
gen sind,  mit  dem  Beisatze  vorlegte,  dass  kleineres  Geld  als  dieses 
der  König  von  Polen  nicht  schlägt.  Auf  der  Aussensoite  die- 
ses Berichtes  findet  sich  von  der  Hand  des  Hofkammerrathes  von 
Urschenbeck  ddo.  13.  Mai  1586  die  Weisung:  „Dem  Münzmeister 
und  Wardein  albie  diese  zwo  Münzen  zuzestellen,  die  sollen  diesel- 
ben probiren  vnd  bt^richten,  wie  sie  gegen  Irer  Mt.  Taller  vnd 
Ducaten  so  in  Hungern  gemünzt  werden,  sich  befinden".  >) 

Aus  den  vorstehenden  Acten  ist  zunächst  zu  entnehmen,  dass 
Felician  von  Herberstein  ohne  Vorwissen  der  kaiserlichen 
Regierung,  beziehungsweise  der  Hofkammer,  für  den  KCmig  von 
Polen  Stephan  Bathori  ein  Münzlieferungsgeschäft  übernommen 
hatte  und  zu  Nagy-Bania  für  den  König  Ducaten,  auch  Thaler  mit 
dessen  Brustbild  und  Wappen,  ferner  Thaler  mit  dem  Brustbilde 
Rudolphs  IL,  endlich  ungarische  Denare  ausmünzte.  Da  bis  zu  dem 
am  13.  December  1580  erfolgten  Ableben  Stephan  Bathoris  Nagy- 
Bänia  nicht  einZugehör  zu  Siebenbürgen  war,  sondern  unter 
kaiserlicher  Hoheit,  als  zu  Ungarn  gehörig,  von  der  Zipser 
Kammer  verwaltet  wurde,  lassen  sich  auch  die  mit  N  —  B  bezeich- 
neten Thaler  Stephan  Bathoris  von  den  Jahren  1585  und  1586 
nicht  als  siebenbürgische  Münzen  auffassen.  Sie  wurden  für  den 
König  auf  Grm  "  <  Privatübereinkommens  geprägt,  nicht 

aber,  weil  er  in  i  der  Landeslllrst  war. 

I  )ie  in  Rede  stehenden  schönen  Thaler  sind  Walzenthaler.  Jene 
in  der  venlienstliclien  F^ublication :  „Die  siebenbürgischen  Münzen 
des  fürstlich  Montenovo'schcn  Münzcabinets  von  A.  Hess**  in  den 
Nummern  125  hi^  inclusive  128  beschriebenen  vier  Varianten  vom 
Jahre  1585  die  nächstfolgenden  vier  Varianten  vom  Jahre 

1586  sind  unzwciielhaft,  jedesmal   die   auf  derselben  Wal/' 


Fmc.  15262. 


312 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Münrwesen 


gekommenen   vier  Stempel  mit  ihren  unvermeidlichen  kleinen  Ab- 
weichungen. 


Felician  Freiherr  von  Herberstein  blieb  Bestandinhaber  des 
Kagy-Bäniaer  Bergbaues  bis  zu  seinem  im  Jahre  1599  erfolgten 
Tode.  Die  Administration  des  Arrenda-Objectes  wurde  nunmehr 
seinem  Bruder  Friedrich  von  Herberstein  übertragen,  welche 
demselben  jedoch  mit  der  kaiserlichen  Resolution  ddo.  Prag, 
16.  Februar  1601  wieder  abgenommen  wurde,  i)  Mit  der  Resolution 
ddo.  Prag,  10.  Februar  1601  wurde  die  hinterlassene  Hofkammer 
zur  Absendung  einer  Commission  nach  Nagy-Bania  angewiesen «) 
und  mit  der  Resolution  ddo.  Prag,  24.  Februar  1601  wurden  der 
Stadt  Nagy-Bania  ihre  Privilegien  bestätigt,  s) 

Mittlerweile  hatte  Gerhart  Li essbon,  er  nennt  sich  kaiser- 
licher Kammergraf  und  Nagy-Baniaer  Bergwerks- Arrendalor,  di. 
gesammten  Herberstein'schen  Güter,  Bergwerke  und  Werkseinrich- 
tungen an  sieh  gebracht  und  hatte  sich  demselben  ein  zweiter 
Unternehmer,  Georg  Wagen  von  Wagensperg,  beigesellt, 
denen  bald  als  Dritter  im  Geschäfte  Benedict  Amon  aus  Nürn- 
berg beitrat.  Letzcrer  brachte  in  einer  Eingabe  an  den  Kaiser  die 
Bitte  vor,  es  möge  ihm  gestattet  werden,  mit  dem  Liessbon  den 
Nagy-Baniaer  Bergbau  „auch  Euer  kais.  Mt.  Regalien  in 
Silber  vnd  gülden  Münz'^  mit  zu  betreiben,  es  würde  dadurch 
„Er.  kais.  Mt.  Regalien  merklich  befürdert,  auch  sonsten  ein  ansehn- 
lichs  arrenda  in  dero  Cammer  jährlich  kundte  geraicht  werden. '^*) 

Von  der  Zipser  Kammer  war  die  Anzeige  eingelangt,  dass  zwei 
Ausländer,  Georg  Wagen  von  Wagensperg  und  Gerhart  Liessbon 
die  Nagy-Bäniaer  Bergwerke,  ohne  an  die  Kammer  irgend  eine 
Arrenda  oder  Pension  zu  reichen,  betreiben,  sie  berufen  sich  auf 
Privilegien,  die  ganz  unbekannt  sind,  die  Hofkammer  möge  eine 
Untersuchung  anordnen,  welchem  Antrage  mit  dem  Erlasse  ddo. 
Wien,  6.  Februar  1603  entsprochen  wurde.  Da  damals  eine  kaiser- 
liche Commission,  an  deren  Spitze  der  Kremnitzer  Oberstkammer- 
grafenamts-Verwalter  Hanns  Steinberg  er  stand  und  der  schle- 
sische  Bergmeister  Hanns  Kaufmann  beigeordnet  war,  dieSieben- 

1),  2j  und  Sj  K.  k.  H.  K.  A.,   Gdkb.  Nr.  409,  Fol.  20,  Fol.  19  und  Fol.  34. 
4)  Daselbst  Fase.  15264. 


:i  Kaiseni  Maximilian  II.,  Uudolph  II.  und  3Iathias.  '       ' 

blirger  Bergwerke  bereisete,  wurde  derselben  die  Untersuchung  der 
über  Nagy-Bänia  erhobenen  Besehwerden  aufgetragen.  Aus  Nagy- 
i^änia^  ddo.  27.  Auirust  1G04  meldete  Kaufmann,  die  Commissiou 
habe,  nachdem  Liessbon  die  Arrenda  nicht  gereicht,  denselben  ent- 
hoben und  die  Verwaltung  ihm,  Kaufmann,  übertragen.  > 

Nachdem  durch  die  vorstehenden  Ausfllhrungen  aus.ser  Zweifel 
gestellt  erscheint,  dass  während  der  Regierung  Rudolphs  IL  Nagy- 
Bdnia  als  zu  Ungarn  gehörig  betrachtet  und  behandelt  worden 
ist,  kann  man  sich  nunmehr  mit  aller  Sicherheit  dahin  aussprechen, 
dass  die  in  jener  Zeit  zu  Nagy-Bania  geprägten  Geldsorten  nicht 
nach  Siebenbürgen  gehören,  sondern  ungarische  Münzen 
sind.  Jedem  Nnmismaten  musste  es  längst  auffallen,  dass  zu  Nagy- 
Bania  gleichzeitig,  und  zwar  durch  eine  Reihe  von  Jahren  mit  dem 
Brustbilde  des  Kaisers  Rudolf  IL,  ferner  mit  Brustbild  und 
Wappen  des  Siebenbürger  Fürsten  Sigismund  Bathori  gemünzt 
worden  ist.  So  wie  die  mit  N  —  B  bezeichneten  Münzen  des  Königs 
Stephan  Bathori  aus  einem  Privatnbereinkommen  mit  dem 
Bestandinhaber  von  Nagy-Bania,  Felician  von  Herberstein,  hervor- 
gegangen sind,  so  war  dieses  auch  mit  zahlreichen  Münzen,  nament- 
lich Thalern  des  Sigismund  Bathori  der  Fall.  Dieselben  wurden 
Anfangs  durch  Herberstein  und  später  durch  dessen  Nachfolger  in 
der  Pachtnahme  von  Nagy-Bania  geprägt;  sie  gingen  aus  einem 
Privatübereinkommen,  aus  einer  Art  Liefe rungs vertrag  hervor  und 
berechtigen  keinesfalls  zu  demSchlusse,  dass  Sigismund  Bathori 

in  Nagy  -  R;M»  i»   .1  .  r  T.i  n  .1  «'<<'ii  rs  f   unr. 


«)  K.  k.  II  Fase.  15264.  Wie  sehr  man  damals  geneigt   war, 

die  Münzprägung  r-  i  u.  Art  Zugehör  zum  Bergbaue  zu  betrachten,  ergibt 
sich  aus  FolgeiHba»  Mir  tl«T  Hiugahe  Udo.  Wien,  l.'{.  Februar  1603  war  (Jeorg 
Wagen  von  \v  (Jcuchinigung  zur  Krhebuug  eines  Bergwerkes 

im  „Kfziwani-  i  Spanschatt  Liptau"  und  für  fiinlJahre  um  die 

Gestattung  zur  1  ung  einer  kleinen  MUnzstHttc  eingeschritten, 

um  das  zur  ]-  ;  Auslagen  erforderliche  <»eld  in  <fold-  und  Silber- 

mi'mzen  au.s/!.  l«*ni  dan  Verfrachten  «ler  Metalle  in  die  Münze  zu 

Kremnitz  gefäliiliih  uiul    I  r  sei.   Der  vernommene  Commissar  Hanns 

Hteinberger  trüg»  an,  das»  ^  werk  zu  genehmigen,  tbw  Münz  werk  aber 

abzuschlagen  int.  Es  würe  besser,  eine  kleine  Münze  in  Leutschau  cinziiriohten. 
Das  WagenVhe  Pagament  könne  anch  ;i"  *  '  f  -re  nach  Kremnitz  gebracht 
werden. 


314 


Johaiiü  XHwri|,i  •   Das  österreichische  Miinzwesen 


Mit  N  —  B  bezeichnete  Thaler  Rudolphs  IL "  reichen  bis  zum 
Jahre  1608.  An  die  bereits  beschriebene  Form  reiht  sich  später  ein 
etwas  geändertes  Gepräge  an.  Bei  demselben  erscheinen  Brustbild 
und.  Adler  nach  dem  Entwürfe  des  Antonio  Abondio  dargestellt,  nur 
mit  dem  Unterschiede,  dass  an  der  Vorderseite,  in  der  Umschrift  rechts 
das  Wappen  von  Ungarn,  links  die  Madonna  vorkommt.  Die  bei 
Schultess  Nr.  2431  beschriebene  Doppelthalerklippe  liegt  mir  aus 
der  Sammlung  Delhaes  in  einem  vortrefflich  erhaltenen  Exemplar 
vor.  Die  Nummer  I  ausser  dem  Münzkreise  bezeichnet  den  Stempel 
der  Walze,  die  kleinen  Vierecke  dienten  dazu,  um  das  Verschieben 
des  Münzschrötlings  beim  Durchgehen  durch  die  Walzen  zu  ver- 
hüten. Beide  Momente  stehen  mit  dem  Münzbilde  in  keinem  Zusam- 
menhange, sie  beziehen  sich  lediglich  auf  die  Mechanik  der  Walzen- 
prägung. 

Mehrere  Nagy-Baniaer  Thaler  Rudolphs  II.  lassen  erkennen, 
dass  sie  im  Korn,  das  heisst  im  Feingehalte  mangelhaft  sind.  Wenn 
wir  die  Umstände  erwägen,  unter  denen  ihre  AusmUnzung  stattfand, 
wird  uns  diese  Erscheinung  nicht  befremden.  Der  kaiserlichen 
Regierung  blieben  diese  Gebrechen  nicht  unbekannt,  denn  es  ergin- 
gen wiederholt  Weisungen  an  den  Erzherzog  Mathias  zur  Abstellung 
derselben. 

Sehr  umfangreich  waren  die  Thalerprägungen,  welche  zu 
Nagy-Bania  für  S  i  g  i  s  m  und  B  a t h  o  r  i  stattfanden.  Der  Umstand, 
dass  sie  sänmitlich  WalzenmUnzen  sind,  erklärt  das  Vorkommen  der 
grossen  Zahl  von  Varianten. ') 

Zum  Schlüsse  bleiben  noch  die  in  Siebenbürge  während  der 
Regierung  Rudolphs  II.  unter  dem  Namen  desselben  geprägten 
Münzen  zu  besprechen.  In  Siebenbürgen  bestand  damals  keine 
kaiserliche  Münzstätte.  Die  während  der  nur  wenige  Jahre  um- 
fassenden Herrschaft  Rudolphs  II.  über  Siebenbürgen  zu  Claus  en- 
burg  geprägten  Münzen,  vorherrschend  Ducaten,  sind  Münzen 
dieser  Stadt,  jene  aus  Hermannstadt  haben  lediglich  den 
Charakter  von  Nothmünzen. 


1)  Die  bereits  erwähnte  Publication  von  A.  Hess  beschreibt  90  hieher 
gehörige  Stempelverschiedenheiten. 


i  Kftisern  Mazimiliau  IL,  Rudolph  II.  und  Mathias;. 

In  Siebenbürgen  wurde  die  kaiserliche  Herrschaft  durch  die 
Umtriebe  des  Moyses  Szekely,  eines  vollendeten  Betrügers, 
erschüttert,  den  jedoch  alsbald  sein  wohlverdientes  Los  ereilte. 
Der  kaiserliche  BevoUmächligte  Georg  Basta  und  sein  Adlatus 
Paul  von  Krauseneck  verurtheilten  die  Stadt  Kronstadt  ihres 
Abfalles  wegen  zu  einer  Strafe  von  80  Tausend  Thalern.  Die  von  der 
Stadt  eingebrachte  Besehwerde  wurde  vom  Kaiser  mit  der  Resolu- 
tion ddo.  Prag,  22.  December  1603  zurückgewiesen.  Unter  demsel- 
ben Datum  bestätigte  auch  der  Kaiser  die  der  Stadt  Klausenburg 
„ihres  Uebertrittes  zu  dem  mainaydigen  Zache  1  Moyses  wegen 
andictirte  vnd  von  70,  auf  50  Tausend  Tluiler  gemässigte  Strafe"^. 
Ueber  verschiedene  kleine  Städte  wurde  zusammen  eine  Strafe  von 
15  Tausend  Thaler  verhängt. «) 


XVII. 

Die  Münzstätte  zu  Hall  im  Inntliale. 

a)  Uliler  Erzherzog  Ferdinand  von  Tirol. 

Durch  die  letztwilligen  Verfügungen  des  Kaisers  Ferdiiuiiul  1. 
waren  an  seinen  zweiten  Sohn,  den  im  Jahre  1529  gebornen  Erz- 
herzog Ferdin  and  von  Tirol  die  ober-  und  vorderöster- 
reichischen Lande  und  Herrschaften  gefallen.  Zu  denselben 
gehörten:  Die  '<'  Grafschaft  Tirol   mit  dem  Lande  an   der 

Etscli  und  im  in ^ummt  dem  Pustorthai,  der  Herrschaft  Lienz 

nebst  den  Herrschaften  und  (iUtern  jenseits  des  Arl-  und  Fempasses; 
die  österreichischen  Lande  in  Schwaben,  im  Schwarzwald,  das 
Elsass,  der  Snndgau  und  Breisgau,  die  Markgrafschaft  Burgau,  die 
Landvogtei  Ha^'enau  u.  s.  w.  Von  allen  diesen  vielnamigen  Besitzun- 
gen  lassen    sich    nur     Tirol    mit    Vorarlberg   und    das  Elsass  als 


»)  K.  k.  H.  K.  A  .  (idkl).  Nr.  411,  Fol.  832^^^,  u.  f.  Die  (Jüsehifhto  der 
Verwaltung  von  Shlu'ubUrgen  unter  (Jeorg  Basta  und  der  ihm  beigegebenon 
K&the  ist  in  unparteiischer,  auf  Quellentbrachung  gestützter  Weise  dermalen 

noch   nicht   ^       '      '  •  n.   Das  bisherige   ürtliri'      '        '' i'^-..     .|:,i!tjnh 

wesentlich  ;i  werden. 


316 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Müuzvesen 


grössere,  geschlossene  Landgebiete  bezeichnen,  die  übrigen  „Herr 
Schäften  und  Lande"  waren  ohne  Zusammenhang  über  einen 
grossen  Theil  von  vStidvvest-Deutschland  zerstreut. 

Diese  Zerrissenheit  der  dem  Erzherzog  zugefallenen  Besitzun- 
gen hatte  auf  den  Münzverkehr  in  denselben  einen  höchst  nach- 
theiligen Einfluss.  Es  war  unmöglich,  sie  gegen  das  Eindringen  von 
geringhaltigen  Geldsorten,  mit  denen  damals  die  Länder  aus  den 
zahlreichen  kleinen  deutschen  Münzstätten  überschwemmt  wurden, 
abzuschliessen.  Eine  Hilfe  konnte  sich  nur  ans  einer  durchgreifen- 
den Ordnung  des  Reichsmünzwesens  ergeben.  Bereitwillig  bethei- 
ligte sich  der  Erzherzog  durch  Abgeordnete  zur  Bekämpfung  der 
allgemeinen  Calamität  an  verschiedenen  Kreis-Münztagen;  die 
geringen  Erfolge,  welche  mit  allen  diesen  Verhandlungen,  Be- 
schlüssen und  Anträgen  erzielt  wurden,  scheinen  den  Anlass  zu 
jener  tiefgehenden  Verstimmung  desselben  gegen  die  zahlreichen, 
ihr  Interesse  rücksichtslos  verfolgenden  deutschen  Münzstände 
gegeben  zu  haben,  welche  Verstimmung  sich  in  unverholener  Weise 
bei  den  im  Kapitel  HI  geschilderten,  die  Reichsmünzordnung  vom 
19.  August  1559  betreffenden  Verhandlungen  aussprach. 

Nach  dem  Tode  des  Kaisers  Ferdinand  L  verblieb  Erzherzog 
Ferdinand  noch  bis  zum  Schlüsse  des  Jahres  1560  als  Statthalter 
in  Böhmen.  Er  hielt  am  17.  Jänner  1567  seinen  Einzug  in  Hall  und 
Innsbruck.  Die  Regierung  der  ihm  zugefallenen  Länder  hatte  er, 
unmittelbar  nach  dem  Tode  des  Kaisers  nocii  von  Prag  aus,  in  ganz 
selbständiger  Weise  eingerichtet.  Das  Münzwesen  anbelangend 
ordnete  er  alsbald  die  Prägung  mit  seinem  „Piltnuss,  Titel  vnnd 
Wappen"  an.  Dem  Haller  Münzhause  stand  als  Münzmeister  Tho- 
manKrumpp  vor.  Wardein  und  zugleich  Eisenschneider  war 
Jacob  Bertorf.  Die  ersten  Guldenthaler  des  Erzherzogs  Ferdinand 
sind  vom  Jahre  1565,  sie  lassen  die  Hammerprägung  erkennen, 
d.  h.  sie  wurden  ,.ge schlagen". 

Im  Kapitel  II  wurde  eingehend  nachgewiesen,  mit  welcher 
Sorgfalt  sich  der  Erzherzog  die  Verbesserung  der  Münzfabrikation 
durch  die  Einführung  der  Walzenprägung  angelegen  sein  Hess. 
Es  kommen  Varianten  eines  zierlichen  Guldenthalers  ohne  Jahr- 
zahl  vor,    auf  denen    die    Darstelluni!-    des    Brustbildes    ziemlich 


i 


unter  ileii  Kaisern  Maxlmiliau  II.,  Rudolph  II.  und  Mathia«. 


317 


abweichend  von  den  übrigen  Guldenthalern  des  Erzherzogs  ist, 
auch  der  zwischen  dem  inneren  Schrittkreise  und  dem  Wappen 
befindliche  Raum  mit  netten  Arabesken  ausgefüllt  erscheint.  »)  Es 
ist  der  Schluss  berechtiget,  dass  diese  Thaler  von  der  Probewalze 
stammen,  deren  Stempel  vom  Unternehmer  Hanns  Vogler,  der 
auch  Stempelschneider  war,  angefertigt  worden  sind.  Die  Hainmer- 
prägung  blieb  auch  nach  der  Hetriebsetzung  der  Walzeneinrichtung 
noch  durch  eine  Zeit  iu  rebung,  und  kommt  hier  auf  den  Umstand 
aufmerksam  zu  machen,  dass  letztere  zunächst  nur  ftlr  die  Aus- 
mUnzung  von  Thalern,  Halbthalern  und  Zehnern  angewendet  wurde, 
kleine  Münzen  jedoch  auch  noch  fernerhin  geschlagen  wurden. 

Der  Erklärung,  welche  Erzherzog  Ferdinand  ddo.  Innsbruck, 
23.  November  1571,  über  den  von  ihm  beabsichtigten  ..Fall  der 
Münze  '^  an  Kaiser  Maximilian  II  abgab,  liegen  zwei  Verzeichnisse 
bei,  in  denen  die  nähern  Daten  des  beantragten  Münzfalles  nach- 
gewiesen sind.  Nach  der  Reichsmünzordnung  vom  19.  August  1559 
sollten  die  ganzen  und  halben  Guldenthaler,  sowie  die  Zehner  einen 
Feingehalt  von  14  Uoth  16  Grän  haben.  Der  Erzherzog  beantragte 
einen  Feingehalt  von  14  Loth  4  Grän,  Hess  jedoch  die  pro  Mark 
auszubringende  Stückzahl  ungeändert,  wodurch  bei  den  drei  er 
wähnten  Geldsorten  die  feine  Wiener  Mark  Silber  auf  12  Gulden 
49  kr.  2  Vierer  2  Ferner  gebracht  worden  wäre. 

Für  die  Zweier  oder  Halbpazen  deren  I86V5  auf  die  Wiener 
Mark  gingen,  war  ein  Feingehalt  von  7  Loth  12  Grän  beantrairt  und 
entfielen  sohin  au>  «lii  fc^inen  Wiener  Mark  12  Gulden  58  Kreuzer 
4  Vierer    1  '  ,^    i  Die  Kreuzer  292«/5  Stücke  aus  der  Wiener 

Mark,  zu  G  Loth  fein»  wtlrden  ans  der  feinen  Mark  12  Gulden 
59  Kreuzer  1  Vierer  ergeben ;  endlich  die  Vierer  (300  Stücke  aus  der 
Wiener  Mark,  zu  2  Lntli  5«/ 2  Grän,  ergeben  13  Gulden  52  Kreuzer 
3  Vierer  33»/«»  Ferner 

DiefürEIsass  bestimmten Geldsorten  waren  nach  der  Kölner 
Mark  veranschlagt,  und  zwar  die  drei  groben  Sorten  im  Feingehalt 

zu  14Lotli  <  '■•••'    -"i '■  '1-'  «-MM'  Kr>lii<T  M--1    •'■■♦•  '"  riild<Mi 


tier  Variautf  dieHü«  Sti'UMM'Is  tintlt-t  sirli  di«»  .falii/uhl   l.V»«;. 


318 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Münzwesen 


41  Kreuzer  1  Vierer  1  Ferner  gebracht  würde.  *)  Die  Doppel-Vierer 
zu  8  Tiroler  Vierer  171  Stücke  auf  die  Kölner  Mark,  im  Feingehalt 
von  6  Loth  14  Grän,  würden  aus  der  feinen  Kölner  Mark 
10  Gulden  45  Kreuzer  4  Vierer  l^i/g^  Ferner  entfallen.  Die  ein- 
fachen Vierer  zu  vier  Tiroler  Vierer  294  Stücke  auf  die  Kölner 
Mark,  geben  zu  5  Loth  14  Grän  fein  aus  der  Mark  10  Gulden 
51  Kreuzer  1  Vierer  2«/3i  Ferner;  ferner  Rappen-Ffennige  zu 
2  Tiroler  Vierer  550  Stück  aus  der  Mark,  endlich  die  Haller  oder 
Tirolisch  Vierer,  1100  Stücke  aus  der  Kölner  Mark,  Avodurch  aus 
der  feinen  Mark  11  Gulden  erfolgen  würden. 

Die  Durchfülirung  der  vom  Erzherzog  gestellten  Anträge,  würde 
bei  der  Ausmünzung  der  ganzen  und  lialben  Guldenthaler,  sowie 
der  Zehner,  von  der  feinen  Wiener  Mark  Silber  eine  Steigerung  im 
Münzausbringen  von  sehr  nahe  34  Kreuzer  ergeben  haben.  Es  ver- 
zögerte sich  jedoch  die  Austragung  der  mit  so  vieler  Energie  ver- 
tretenen Müiizfrage,  welche  für  die  Länder  des  Erzherzogs,  nament- 
lich aber  für  den  Tiroler  Bergbau  von  der  höchsten  Bedeutung  war, 
derart,  dass  sie  schliesslich  in  einer  gänzlich  geänderten  Form 
realisirt  wurde.  Bei  den  Käthen  der  Innsbrucker  Regierung  bestand 
über  den  vom  Erzherzog  angeordneten  Münzfall  eine  sehr  getheilte 
Anschauung.  Der  eine  Theil  der  Räthe  hatte  nur  das  Interesse  des 
Landes  im  Auge  und  vertrat  dem  entsprechend  den  Beschluss  des 
Erzherzogs,  der  zweite  Theil  erhob  Bedenken,  zunächst  aus  dem 
Grunde,  weil  durch  einen  ohne  Zustimmung  der  Reichsstände  vor- 
genommenen Münzfall,  die  „Reputation-  des  Erzherzogs,  im  Reiche 
sehr  leiden  würde 


Als  Kaiser  Maximilian  IL  mit  der  Resolution  vom  17.  März 
1573  für  seine  Münzhäuser  die  Ausprägung  der  Guldenthaler  ein- 
gestellt hatte,  war  auch  für  den  Erzherzog  Ferdinand  die  Durch- 
führung der  längst  als  ganz  unvermeidlich  erkannten  Massregel 
wesentlich  erleichtert.  Er  verordnete  zunächst,  dass  im  Haller  Münz- 


i)Wird  dieser  Ansatz  nach  dem  Verhältnisse  Kölner  Mark  =  5  WienerMark 
umgerechnet,  so  ergeben  sich  genau  die  für  die  Tiroler  drei  groben  Geldsorten 
veranschlagten  Ergebnisse.  Bei  den  Tiroler  und  Elsasser  Münzen  bestand  fol- 
gende Untertheihmg :  1  Gulden  =  60  Kj-euzer,  1  Kreuzer  =  5  Vierer,  1  Vierer 
=  4:  Ferner.  1200  Ferner  ergaben  somit  1  Gulden. 


.  KAisera  Maximilian  II.,  Uudolph  II.  und  Mathlas.  ^  ^^^ 

hause  ein  Theil  des  Silbers  in  Thaler  nach  der  MUnzorduung  vom 
15.  Februar  1524  ausgeprägt  werde.  Die  letzten  mir  bekannten 
Guldeiithaler  des  K  '  2s  Ferdinand  sind  vom  Jahre  1574.  Aus 
der  Haller  MUnzami  mg  von  diesem  Jahre  ergiebt  sich,   dass 

im  Laufe  desselben  aus  32632  Mark  4  Loth  Wiener  Gewicht  Silber 
Thaler  zu  14  Loth  1(5  Orän  beschickt  und  ll^/j  StUcke  aus  der 
Wiener  Mark,  somit  die  der  ReichsmUnzordnung  vom  Jahre  1559 
entsprechenden  Guldenthaler  ausgebracht  wurden,  während  aus 
4300  Mark  3  Loth  2  Quint.  Silber  im  Feingehalt  von  14  Loth 
1  Quint.  1  Pfennig  und  1>V*  Stücke  aus  der  Wiener  Mark,  somit  die 
der  MUnzordnunL'"  ^«>^^|  T-'^  FdiniMr  1524  L'em-'isscn  Tlialcr.  L'-tM)rJiL'"t 
worden  sind,  i) 

111  15.  März  1577  wurde  der  Haller  Münzmeister  Thoman 
ivruinpp  seines  Dienstes  enthoben,  und  der  bisherige  Wardein 
Jacob  Bertori  als  Münzverwalter  bestellt.  Die  ddo.  Inns- 
bruck, 6.  März  1577  ausgefertigte  „Instruction  und  Bestallung 
des  Münzmeisteramtes  zu  Hall  im  Innthal,  wie  es  durch  Jacoben 
Perdorff,  Münzvenvalter,  Thomann  Eggenstein,  Probirer, 
Verwalter  des  Wardeinamtes  und  Gegenhändler  etc.  verriebt  vnd 
abgehalten  werden  soll,"  hat  aus  dem  Grunde  ein  besonderes  In- 
teresse, weil  der  Erzherzog  mit  derselben  seine,  den  Münzfall  be- 
treffenden Beschlüsse  dadurch  zur  Durchführung  brachte,  dass  er 
den  Feingehalt  der  Thaler,  von  14  Loth  1  Quint.  1  Pfennig  = 
229  Pfennig  auf  14  Loth,  d.  i.  224  Pfennige  herabsetzte.  Nach  der 
Instruction  vom  6.  März  1577  waren  zu  prägen: 

Ganze  Thaler  zu  68  Kreuzer  oder  17  Pazen,   zu  14  Loth  fein 
9»/*  Stücke  aus  der  rohen  Wiener  Mark. 

halbe  Thaler  zu  34  Kreuzer  oder  8»  ,  Pazen,   zu   14  Loth  lein 
19  Va  Stücke  aus  der  rohen  Wiener  Mark, 

Viertelthaler  zu   17  Kreuzer  zu  14  Loth  fein  39  Stück  aus  der 
rohen  Wiener  Mark. 

wodurch   die   tVMn<'  Wiener  Mark  SiibtM-  am  li'  '»iiuion  ,u  Krt  uzer 
V;  Vic^rer  2"/-:  Pcrncr  gebracht  wurde. 

r>czUglirh  der  Thaler  enthält  die  Instruction  folgende  Anord- 
nung: dieselben  sollen  ,,in  der  Circuraferenz,  Grösse  und  praite  der- 


t  j  Arrlüv  des  k.  k.  IlaiiptiuUnzanites  in  Wien. 


320 


Johann  Newald  :  Das  österreichische  Münzwesen 


massen,wie  bey  weiland Kayser Ferdinanden  hoehlöblicligedäcbtüiss 
Zeiten  gebreiicbig  gewest,  Aber  die  Pildniiss,  Wappen  und  Ueber- 
schrift  wie  auf  den  Silbern  Guldinern  gemacht,  doch  soll  das 
Schi  Itl,  was  die  Thaler  gelten,  also  auch  die  Jahrzahl 
nit  darin  gesetzt  werden."  Ferner  waren  auszumünzen: 

10  Kreuzer  zu   14  Loth   fein  QQ^/^  Stücke   aus   der  Mark  und 

6  Kreuzer  zu  14  Loth  fein  111  Stücke  aus  der  Mark,  wodurch  die 
feine  Wiener  Mark  Silber  bei  den  10  Kreuzern  auf  12  Gulden 
40  Kreuzer  bei  den  Sechsern  auf  12  Gulden  41  Kreuzer  20/7  Ferner 
gebracht  wurde.  Bezüglich  der  Dreier  wird  angeordnet,  dass  sie 
„mit  Titel  und  Ueberschrift  wie  wir  anno  68  machen  lassen"   zu 

7  Loth  5  Grän  fein,  116  Stücke  aus  der  Mark  nuszubringen  sind, 
daher  die  feine  Mark  12  Gulden  45  Kreutzer  I2/4  Ferner  gibt.  End- 
lich Kreuzer  zu  6  Loth  fein,  29275  Stücke  per  Mark  mit  dem  Aus- 
bringen von  12  Gulden  59  Kreuzer  1  Vierer;  und  Vierer  zu  2  Loth 
7  Grän  fein;  621 3/5  Stück  per  Mark,  mit  dem  Ausbringen  von 
13  Gulden  52  Kreuzer  3  Vierer  ly^g  Ferner  aus  der  feinen  Wiener 
Mark  Silber. 

Die  Goldmünzen  anbelangend  sind: 

Ducaten  80  Stücke  auf  die  Wiener  Mark  zu  23  Carat  4 Grän 
fein. 

Rheinisch  Gulden  862/5  auf  die  Wiener  Mark  zn  18  Carat 
4  Grän  fein  auszubringen.  Endlich  wird  verfügt,  dass:  „Gold  und 
Silber  nit  von  verdächtigen  Fersonen,  so  solches  etwa  entfrembd 
haben  möchten,  also  auch  nit  von  Hafenschmelzerii,  Alchimisten  vnd 
dergleichen,  so  nit  angesessen  oder  bekhandt  sein,  in  die  Münz  nach 
der  fein  erkauft  werde."  1) 

Durch  die  Instruction  des  Erzherzogs  Ferdinand  vom  6.  März 
1577  wird  die  in  Bezug  auf  Unterschied  im  Korn  und  Schrot  bereits 
ziemlich  grosse  Zahl  von  Thalern,  welche  aus  österreichischen  Münz- 
häusern ausgegangen  sind,  abermals  um  eine  neue  Prägung  ver- 
mehrt. Dieselbe   schliesst  sich  an  den  nach  der  Münzordnung  vom 


1)  K.  k.  H.  M.  A.  A.  Die  vom  Erzherzog  Ferdinand  gefertigte  Original- 
Instruction,  welche  in  eingehender  Weise  alle  Zweige  des  Münzamtes  behandelt, 
iegt  der  Haller  Münzamtsrechnung  vom  Jahre  1577  bei.  Die  Besoldung  des 
Münzverwalters  Bertorf  war  mit  225  Gulden,  jene  des  Wardeins  Eggenstein  mit 
150  Gulden  jährlich  angesetzt. 


unter  den  Kaisern  Maximilian  IT.,  Rudolph  Tl.  und  Mathias, 


321 


15.  Februar  1524  ausgeprägten  Thaler  au,  welcher  eiuen  inneren 
Werth  von  2  Gulden  31*197  Kreuzer  der  dermaligen  österreichij^chen 
Währung  besass.  Da  dem  neuen  Thaler  ein  Werth  von  2  Gulden 
26-152  Kreuzer  österreichischer  Währung  zukam,  stand  derselbe 
gegen  den  erstem  um  5*045  Kreuzer  österreichischer  Währang 
zurück.  0  Es  kommt  jedoch  der  Umstand  hervorzuheben,  dass  das 
durch  diesen  neuen  Thaler  zum  Ausdrucke  gebrachte  Korn  und 
Schrot  sich  unter  allen  aus  österreichischen  Münzhäusern  ausgegan- 
genen Thalern,  durch  die  längste  Zeitperiode  in  Uebung  erhal- 
ten hat. 

Das  Au>prägcti  uvi  nLuru  Tbaler  begann  im  Haller  ^Iüii/.iiau>t; 
am  16.  März  1577.  Vom  1.  Jänner  bis  13.  März  1577,  an  welchem 
Tage  das  Prägen  der  alten  Thal  er  abgeschlossen  wurde,  hatte 
man    40.740   Stücke    derselben   ausgebracht.  2)    In    der   Zeit   vom 

16.  März  1577  bis  2«.  Fol)niar  1578  wurden  297-321  neue  Thaler 
ausgemünzt. 

Die  Art,  in  welcher  Erzherzog  Ferdinand  den  von  ihm  lange 
geplanten  „Münzfall"  schliesslich  zur  Durchführung  brachte,  gibt 
Zeugniss  von  der  grossen  Klarheit,  mit  welcher  er  die  Münzzustände 
im  Reiche  und  deren  Entwicklung  beurtheilte.  Der  neue  Thaler 
wurde  nach  der  Instruction  vom  6.  März  1577  nur  zu  17  Pazen  oder 
68  Kreuzer  bewerthet,  womit  allfälligen  Beschwerden  über  die  Ver- 
minderung ihres  Kornes  die  Spitze  abgebrochen  wurde.  Da  in  Folge 
des  Uebermasses  an  kleinen  leichten  Geldsorten  die  groben  MUnzen 


1)  Nachdem  aus  der  rohen  Wieuer  Mark  9%  =  9-75  Tlialer  uiisziibringen 
waren,  so  entfallen  nach  dem  Verhältiiiss  0  Kölner  Mark  =  5  Wiener  Mark 
auf  die  rauhe  Kölner  Mark  8125  =  81/3  Stücke.  Da  der  Feingehalt  der  Tlialer 
14  Loth  =  224  Pfennig^e  war,  so  entfallen  auf  den  Thaler  224  :  S125  = 
27-569  Pfennige.  Nachdem  aus  der  feinen  Kölner  Mark  =  256  Pfennige  21  Gul- 
den österreichischer  Währung  ausgebracht  werden,  so  haben  wir  256  :  21  = 
27-569  :  X,  woraus  sich  x  oder  der  Werth  eines  neuen  Thalers  mit  2  Gulden 
26*152  Kreuzer  österreichischer  Währung  ergibt.  Die  Wiener  Mark  nach  dem 
Gesetze  vom  23.  Juli  1871,  zu  280-668  (Iramm  gerechnet,  hat,  sowie 
der  Thaler  nach  der  Instruction  vom  15.  Februar  1524,  ein  (»ewicht  von 
28-786  Gramm 

2)  Die  Angabe  1  „lOrzherzog  Ferdinand  11.  von  'l'irol", 
Seite  583,  dass  mit  der  Münzung  der  Thaler  schon  zu  Neujahi*  1577  begonnen 
wurde,  berichtigt  sich  somit. 


'622 


Johann  Ne\\  ald  :  Das  österreichische  Münzwesen 


bereits  mit  einem  Aufgeld  genommen  und  gegeben  wurden,  ver- 
schwand der  mit  68  Kreuzer  angesetzte  Werth  des  neuen  Haller 
Thalers  im  Verkehre  alsbald.  Dieselben  wurden  schon  von  der 
Haller  Münzcassa  mit  einem  stets  steigenden  Aufgeld,  und  zwar  im 
Werthe  von  70,  76,  80,  84  Kreuzer  und  höher  ausgegeben.  Alle 
Beschwerden,  welche  gegen  die  neuen  Haller  Thaler  erhoben  wur- 
den, liess  der  P^rzherzog  völlig  unberücksichtigt  oder  er  wies  diesel- 
ben zurück. 

Nachdem  durch  die  Einführung  der  neuen  Münzordnung  für 
den  Münzbetrieb  eine  feste  Grundlage  gewonnen  war,  entwickelten 
sich  im  Haller  Münzhause  die  Geschäfte  in  sehr  gedeihlicher  Weise. 
Schon  im  Jahre  1579  übertrug  der  Erzherzog  dem  unverkennbar 
sehr  tüchtigen  Münzverwalter  Jacob  Bertorf  auch  das  Münzcassa- 
wescn.  Derselbe  bezog  nunmehr  als  Münzamtmann,  Cassier  und 
Verwalter  des  Stempelschneideramtes  einen  Jahressold  von  500  Gul- 
den, wozu  der  Erzherzog  mit  dem  Erlasse  vom  28.  Jänner  1580  eine 
„Ergötzlichkeit"  von  200  Gulden  anwies.  Als  Eisenschneidergehilfe 
war  Heinrich  Preinvvald  von  Zürch  bestellt,  derselbe  musste 
jedoch  in  Folge  Erlasses  ddo.  Innsbruck,  4.  December  1584  „der 
Religion  halber  wekh  geschaft  werden";  es  wurde  ihm  ein  Gnaden- 
geld verliehen. «) 

Sehr  geringe  war  die  Vermünzung  von  Gold,  sie  beschränkte 
sich  auf  wenige  Tausend  Gulden  im  Jahre,  hörte  jedoch  später  ganz 
auf.  Mit  Erlass  ddo.  Innsbruck,  16.  Februar  1577  wurde  das  Haller 
Münzamt  angewiesen,  Goldmünzen  zum  Umprägen  nach  dem  Ge- 
wichte zu  übernehmen  und  für  jeden  Ducaten  einen  Kreuzer  als 
„Mttnz-Costen"  einzuheben. 

Von  Interesse  ist  der  Umstand,  dass  auch  aus  dem  Elsas s 
Silber  nach  Hall  zur  Vermünzung  gebracht  worden  ist,  allerdings 
nur  in  geringer  Menge,  wie  z.  B.  im  Jahre  1581  1110  Mark  13  Loth, 
im  Jahre  1582  1529  Mark  7  Loth  fein  Wiener  Gewicht.  Es  hat 
sich  aus  den  Acten  und  Rechnungen  nicht  klarstellen  lassen,  ob 
auf  den  bezüglichen  Münzen  das  Wappen  von  Elsass,  oder,  wie  auf 
der  gesammten  Tiroler  Ausmünzung,  der  Tiroler  Adler  angebracht 


i)  Archiv  des  k.  k.  Hauptmünzamtes,  Haller  Acten. 


n  Kaisero  Maximilian  IL,  Radolph  11.  und  Mathias. 


323 


wurde.  Guklentbaler  und  deren  Untertlieiluugen  mit  dem  Wappcu 
\  on  Elsa  SS  sind  meines  Wissens  bisher  nicht  bekannt  geworden. 
Das  Haller  Mtinzamt  beschwerte  sich  über  die  Verluste,  welche  sich 
für  dasselbe  aus  dem  VermUnzen  des  Elsasser  Silbers  ergeben;  fltr 
das  Jahr  1582  wurde  eine  Einbusse  von  440  Gulden  3  Kreuzer 
1'  Vierer  nachgewiesen.  Erzherzog  Ferdinand  fand  sich  dadurch  ver- 
anlasst, für  Ensisheim  im  Elsass  die  Errichtung  eines  MUnzhauses 
anzuordnen.  Schon  ddo.  Innsbruck,  8.  Juni  1581  erhielt  der  Münz- 
vcrwaher  Bertorf  die  Weisung,  „die  Visierungen  vnd  annders,  zum 
vorderösterr.  Mltnzwerkh  gehörig,  aufs  ehiste^^  vorzulegen.  Aus 
einem  Erlasse  vom  14.  December  1581  geht  hervor,  dass  damals 
das  Münzprägwerk  nach  Ensisheim  abging.  Im  Jahre  1582  wurde 
für  die  Anfertigung  desselben  der  Betrag  von  1478  Gulden  21  Kreu- 
zer 3  Vierer  verrechnet.  Unterm  25.  März  1584  wurde  dem  MUnz- 
meister  Rertorf  und  dem  Wardein  Eggenstein  mitgetheilt,  dass  der 
Erzherzog  ,,den  Einfarer  zu  Schwaz  Michaeln  Stellwagen  zum 
Mtinzverwalter  der  neuen  Münz  werk  zuEnnsisheim  aufgenom- 
men habe",  dieselben  haben  Stellwagen  in  sein  Geschäft  einzuführen 
und  ihm  von  Allem  Unterricht  zu  geben.  Als  Wardein  wurde  Con- 
rad Vogl  bestellt.  Ersterer  bezog  200  Gulden,  letzterer  125  Gulden 
als  Jahressold.  Die  Prägewalzen  und  Münzstempel  lieferte  MUnzver- 
walter  Bertorf,  er  bezog  dafür  jährlich  100  Gulden.  Die  Ausmün- 
zung fand  zu  Ensisheim  nach  der  Instruction  vom  6.  März  1577 
statt,  nur  waren  alle  Ansätze  auf  Kölner  Gewicht  umgerechnet.  Der 
r>etrieb  gestaltete  sich  bald  sehr  lebhaft.  Aus  der  Ensisheimer  Münz- 
amtsrechnung  vom  Jahre  1580  geht  hervor,  dass  vom  1.  Jänner  bis 
**0.  Novenjber  15-Sr.  <;:cmünzt  wurden: 

Uanze,  halbe  und  Viertel-Thaler  zusammen  .  .  102.117  ti.  1  kr. 
Dreikreuzer  um  .  .     20.154  „   10  „ 

Einfache  Vierer  uu.  2.26G  „  23  ,, 

Kappen-Pfennige  um  355  „  30  ,, 

Kappen-Heller  um  107  „  32  ,, 

ßergwerkssilber   xMirdc    iii   die  .MUnzc  guliclcrt  aus  ili-ni  Herrschaft 

]{;i])ji(»ltKfiMiii'i-  T  (  li.  rtli.'il'x-ln'H   I^i(M-L'-li;ni     iniil    Miis    dein  Kiisciil'i'Isj'r- 


t;   AlTlllN 


2V 


324 


Jobann  Xe-wald:  Das  österreichische  Miinzwesen 


Es  dürfte  iiuDmehr  die  Frage  gestellt  werden,  ob  in  den  Jahren 
1582  und  1583  zu  Ensisheim  eine  ganz  neue  Münzstätte  errichtet 
wurde,  oder  ob  Erzherzog  Ferdinand  den  dortigen,  während  einer 
längeren  Zeit  unterbrochenen  Münzbetrieb  damals  wieder  aufnehmen 
liess.  Da  mir  die  zur  quellensicheren  Beantwortung  dieser  Frage 
erforderlichen  Actenbehelfe  fehlen,  erlaube  ich  mir,  meine  Ansicht 
dahin  auszusprechen,  dass  in  den  Jahren  1582  und  1583  zu  Ensis- 
heim eine  ganz  neue  Münzstätte  begründet  wurde  und  dass  die 
höchst  vereinzelt  vorkommenden,  mit  dem  Brustbilde  Ferdinands  I. 
und  dem  Wappen  von  Elsass  bezeichneten  Münzen  zu  Hall  geprägt 
worden  sind. 

Indem  wir  in  das  Haller  Münzhaus  zurückkehren,  dürfte  es  von 
Interesse  sein,  den  Umfang  des  dortigen  Geschäitsbetriebes  kennen 
zu  lernen.  Es  wurde  oben  betont,  dass  derselbe  seit  der  Einführung 
der  neuen  Thalerprägung  wesentlich  gesteigert  worden  war.  Für  die 
Kegierungszeit  des  Erzherzogs  Ferdinand  dürfte  es  genügen,  die 
Ergebnisse  einzelner  Jahrgänge  mitzutheilen.  Es  wurden  geprägt 

im  Jahre  1579 :i83.266  Thaler  zu  68  Kreuze 

1585 320.101  **^ 


„      „      1587 503.615 

„      „      1589 869.713  ..   '.- 

„      „      loOU 942.5S2       „        „  68        „ 


1 


„  „  1593  fand  ein  wesentlicher  RUckgang  in  der  Thaler- 
prägung statt,  es  wurden  ausgebracht  302.168  Stücke,  dagegen] 
stieg  im  Jahre  1595,  als  dem  Sterbejahre  des  Erzherzogs,  die  Thaler- 
prägung wieder  auf  704.352  Stücke.  Die  Ausbringung  von  Halb- 
thalern  beschränkte  sich  auf  eine  verhäUnissmässig  geringe  Zahl, 
daher  auch  diese  Münzen  ziemlich  selten  anzutreffen  sind. 

Von  den  zwei-  und  mehrfachen  Thalerstücken,  welche  in  ziem- 
lich zahlreichen  Varianten  vorkommen,   scheinen  nur  jene,  welche! 
aus  den  ersten  Eegierungsjahren  des  Erzherzogs  stammen,  als  Geldj 
in  Umlauf  gekommen  zu  sein.   Die  spätem,   welche,   wie  schon  aus 
Ferdinands  Gesichtszügen  zu  entnehmen  ist,   in   den  letzten  Jahren] 
seiner  Regierung  geprägt  wurden,   dürften  lediglich  als  Präsent- 
münzen und  bei  besonderen  Anlässen,  wie  beim  Besuche  fürstlicher^ 
Gäste  im  Münzhause  zu  Hall,  als  „Verehrungen'^  abgegeben  worden 


unt.  r  den  Kalaern  Maximilian  IL,  Rudolph  II.  and  Mathias.  OlO 

sein.  M  Zu  bemerken  kommt,  dass  diese  DickmUnzen,  der  erscliwer- 
teren  Prägung  und  des  Durchschnittes  der  einzelnen  Stücke  wegen, 
aus  „geschmeidig  Silber  zu  15  Loth  2  Quint.  3  Pfennig  beschickt** 
hergestellt  wurden. 

Neben  der  Thalerprägung  fand  selbstverständlich  auch  in 
jedem  Jahre  eine  Ausmllnzung  an  kleinen  Geldsorten:  Dreier, 
Kreuzer  und  Vierer  statt,  welche  jedoch  im  Verhältnisse  zu  den 
groben  Münzen  sehr  zurückstand  und  nur  in  wenigen  Jahren  den 
Betrag  von  Hunderttausend  Gulden  erreichte.  Als  eine  eigenthttm- 
liche  Erscheinung,  für  welche  sich  in  den  Acten  eine  Erklärung 
nicht  vorfand,  kommt  hervorzuheben,  dass  der  Erzherzog  im  Jahre 
1592  aus  225  Mark  4  Loth  Wiener  Gewicht  fein  Silber,  Zehner 
nach  der  G  u  1  d  e  n  t  h  a  1  e  r  MUnzordnung  vom  Jahre  1559  im  Fein- 
gehalte von  14  Loth  IG  Grän  ausmünzen  Hess,  woraus  sich  ein 
Geldbetrag  von  2567  Gulden  51  Kreuzer  ergab.  Im  Jahre  1593 
wiederholte  sich  diese  Erscheinung,  denn  es  wurden  halbe  ,Gulden- 
thaler  und  Zehner  zu  14  Loth  16  Grän  beschickt,   im  Betrage  von 


»j  Die  Ötempelsamiiilung'  des  k.  k.  U.iuptmüuzamtes  iu  Wien  bewahrt  zwei 
hieher  gehörige  Walzenpaare.  Auf  dem  ersten  kommt  der  44  Milhmeter  im 
Durchmesser  haltende  Stempel  viermal  vor.  Der  erste  Stempel  zeigt  den  Kopf 
des  Erzherzogs  mit  der  Reihermütze;  der  zweite  den  gekrönten  Kopf;  der 
dritte  den  belorberten  Kopf  in  ^ ,  Profil  und  der  vierte  den  kahlen  Kopf  Die 
Rückseiten  aller  vier  Stempel  haben  den  gekrönten  Tiroler  Adler  mit  Kränz- 
chen um  den  Kopf  und  den  Doppeladlerschild  auf  der  Brust.  Unterschiede 
zeigen  sich  nur  in  der  Umschrift.  Auf  dem  zweiten  Walzeupaare  kommen  eben- 
falls vier  Stempeln  vor.  deren  Durchmesser  jedoch  47  Millimeter  beträgt.  Der 
erste  Stempel  zeigt  da«  bärtige  Brustbild  mit  kahlem  Haupte;  der  zweite  den 
belorberten  kahlen  Kojjf  nach  link»  gewendet;  der  dritte  (bis  belorbecrte 
Brnstbild,  den  .Mantel  auf  der  Brust  tlurch  eine  Spange  gehalten  mit  Zepter 
und  Schwert;  der  vi«rte  das  gekrönte  Brustbild,  ohne  Mantel,  jedoch  Zepter 
und  Schwert.  Auf  der  i  ..  -on  Walze  zeigt  der  erste  Stempel  den  gekrön- 
ten Tiroler  Adler  mit  i  ohne  BrustÄchild;  der  zweite  den  schreitenden 
Adler,  um  den  H.i  Hon.  in  der  rechten  Klaue  den  Zepter;  der 
dritte  den  Adler  ii:  xhrift;  der  vierte  endlich  den  gekrönten 
Tiroler  Adler  mit  dem  Kränzclien  und  ungewöhnlich  grossen  Fängen.  Nachdem 
jeder  der  vier  Stempeln  von  der  Walze  der  Kopfseite  mit  jedem  der  vier  Stem- 
peln von  der  zweiten  Walze  nbtfeprägt  werden  konnte,  so  ergaben  »ich  von 
j»'<h*ni  St  M  beiden  Paaren  somit  32  Variauteu  der  in 
Rede  8t« 


326 


Johann  Newald:  Das  österreichisch.'  ^Ti 


6563  Gulden  33  Kreuzer  geprägt.   In   den   späteren  Jahren  kommt 
eine  derartige  ausnahmsweise  Ausmünzung  nicht  mehr  vor. 

Nachdem  durch  die  neue  Thalerprägung  die  feine  Wiener  Mark 
Silber  auf  12  Gulden  37  Kreuzer  3  Vierer  2^/7  Ferner  gebracht 
wurde,  daher  sich  im  Vergleiche  zur  Guldenthalermünzung,  bei 
welcher  das  Ausbringen  aus  der  Mark  nur  12  Gulden  lös/g,  Kreuzer 
betrug;  eine  Steigerung  von  nahe  22^/2  Kreuzer  bei  der  Mark  Fein- 
silber ergab,  wurden  die  umlaufenden  Guldenthaler  und  ihre  Unter- 
theilungen  eingewechselt  und  in  neue  Thaler  umgeprägt.  Aus  dem 
erheblichen  Umfang  dieses  Geschäftes  erklärt  sich  der  Umstand, 
dass  Guldenthaler  des  Erzherzogs  Ferdinand  weit  nicht  so 
häufig  vorkommen,  wie  seine  späteren  Thaler.  Dass  die  Gold  mün- 
zung während  der  Regierungszeit  des  Erzherzogs  ganz  belanglos 
war,  wurde  bereits  hervorgehoben. 

Der  Geschäftsbetrieb  im  Münzhause  zu  Hall  lässt  die  grossen 
Vortheile  erkennen,  welche  sich  aus  der  Einrichtung  der  Walzen- 
maschinen ergaben.  Die  Zahl  der  bei  der  eigentlichen  Münzherstel- 
lung in  Verwendung  gestandenen  Arbeiter,  welche  in  den  Acten  und 
Rechnungen  als  die  „Münz verwandten^'  bezeichnet  werden,  war 
sehr  gering.  Durch  viele  Jahre  war  Hanns  Kögler  Werkmeister  der 
kleinen  Münz  und  Martin  Vaigl  Werkmeister  der  grossen  Münz^ 
jeder  bezog  einen  Jahressold  von  111  Gulden  18  Kreuzer;  als 
Tiegelwarter,  zugleich  Münzgesell  mit  jährlich  106  Gulden,  w\ar 
Mang  Staiger  bestellt,  denen  noch  vier  Münzer  beigegeben  waren. 
Ausser  diesen  stand  noch  eine  massige  Zahl  von  Aushilfsarbeitern 
in  Verwendung.  Die  tägliche  Arbeitszeit  war  von  5  Uhr  Morgens 
bis  5  Uhr  Abends  festgestellt.  Bei  besonderer  Geschäftssteigerung 
wurde  die  Nacht  zu  Hilfe  genommen,  wofür  die  Arbeiter  speciell 
bezahlt  wurden.  In  den  Jahren  1589  und  1590,  in  welchen  der 
Münzbetrieb  besonders  lebhaft  war,  erhöhte  sich  der  Stand  der 
,,Münzverwandten"  auf  eilf  Mann. 

Als  Stempelschneider  oder,  wie  er  in  den  Acten  genannt  wird^ 
„Eisenschneideramts- Verwalter"  war  bis  Ende  1590  der  Münzmeister 
Jacob  Bertorf  bestellt.  Er  lieferte  die  zur  Prägung  der  grossen  Geld- 
sorten erforderlichen  Walzen  (Präge wellen"),  sowie  Stöcke  und 
Obereisen  für  die  kleinen  Münzen.  Bertorf  hatte  auch  für  Ensisheim 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  Tl.  und  Mathias.  •»_  < 

die   erforderlichen  Walzen    beizustellen,   woraus   sich   die   grosse 
Uebereinstimmung  der  Tiroler  mit  den  Elsasser  Thalern  erklärt. 

Mit  dem  Jahre  1591  beg:innend,  steht  V altin  Costka  als 
Eiseuschneider  in  Verwendung;  er  bekam  ddo.  Innsbiniek,  8.  April 
1593  eine  Instruction.  Costka  dürfte  die  Walzenstempel  zu  den  oben 
bescliriebenen  Dickmllnzen  des  Erzherzogs  geschnitten  haben, 
welche  Annahme  dadurch  bekräftigt  wird,  dass  demselben  für  „An- 
fertigung der  Prägwellen  für  grosses  Geld"  63  Gulden  ausbezahlt 
wurden.  Costka  starb  schon  im  Anfange  des  Jahres  1594.  Es  wurde 
zunächst  der  Eisenschneider  Peter  Wegerich  aus  Chur  nach 
Hall  verschrieben.  Derselbe  verfertigte  sieben  Prägewellen  a  10  Gul- 
den, auch  Stöcke  und  Obereisen  für  kleine  Geldsorteu.  Mit  Einrech - 
nung  der  Vergütung  für  die  Zu-  und  Kückreise  erhielt  er  94  Gulden. 
Der  Erzherzog  bestellte  nunmehr  den  Wappen-,  Stein-  und  Siegel- 
schneider Wolfgang  Eggl  als  Stempelschneider.  Nachdem  dieser 
schon  nach  Ablauf  von  drei  Monaten  resignirte,  wurde  alsbald,  und 
zwar  am  1.  April  1595  Peter  Hartenpeck  mit  dem  Jahi-essokl 
von  150  Gulden  als  Stempclschncider  aufgenommen.  Mit  diesem 
hatte  die  Haller  Mün/c  fiir  eine  "Rcilic  \  nn  J;iliren  eine  s^clir  fiicliti'j-o 
Kraft  gewonnen. 

Der  Erfinder  und  Erbauer  der  Haller  Walzenmaschinen,  Hanns 
Vogler  aus  Zürch  starb  in  sehr  dürftigen  Verhältnissen  im  Jahre 
1591.  Sein  Sohn,  wie  der  Vater  Namens  Hanns  Vogler,  war  Maler 
zu  Brixen.  Unter  Berufung  auf  die  Verdienste  des  Vaters  um  das 
Münzwerk  zu  Hall,  bat  er  den  Erzherzog  um  eine  Unterstützung  für 
seine  Mutter.  Im  Berichte  ddo.  Hall,  28.  November  1591  sagt  der 
darüber  einvemoinmene  Münzmeister  Bertorf:  Vogler  habe  als  Ent- 
lohnung für  seine  ^^esammten  Arbeiten  und  Dienste  nur  2700  Gulden 
erhalten,  er  habe  nicht  nur  seinen  eigenen  Besitz,  sondern  auch  das 
Heii-atsgut  seiner  Frau  „vei'khünstlet,  eingebist  und  zugesetzt",  übei*- 
diess  noch  14.(XK)  Gulden  Schulden  hinterlassen,  die  eingebrachte 
Bitte  wäre  zu  berücksichtigen.  Der  Witwe  Vogler  wurde  eine 
Gnadengabe  zugewiesen,  welche  noch  im  Jahie  1597  ausbezahlt 
wurde. ») 


t)  SämmtHche  Acten  und  Daton  Archiv  des  k.  k.  liauptniUnznuitCH. 


^J^^  Jdiiauu  :\L-waid:    Das  österreicni>cRe  Münzwesen 


Wir  wenden  uns  nochmals  der  vom  Erzherzog  Ferdinand  ein- 
gerichteten, auch  von  ihm  stets  mit  Interesse  tiberwachten  Münze  zu 
Ensisheim  zu  und  wählen  zur  Beurtheilung  ihres  Betriebes  das  Jahr 
1594,  als  das  letzte,  von  dessen  Erfolgen  der  Erzherzog  wenigstens 
zum  Theile  noch  Kenntniss  nehmen  konnte.  Der  Münzverwalter 
Michael  Stellwagen  wurde  mit  Schluss  des  Jahres  1591  seines  Dien- 
stes enthoben,  an  seine  Stelle  trat  Christoph  He id  von  Heide n- 
purg.  Wardein  war  Conrad  Vogl,  Werksregierer  Martin  Dräxel- 
mair.  Die  Prägewellen  und  Münzstempel  lieferte  noch  immer  der 
Mtinzmeister  Bertorf  in  Hall,  wofür  er  ein  Pauschale  von  jährlich 
100  Gulden  bezog.  Im  Anfange  des  Jalires  1594  hatte  man  durch 
den  Eisenschneider  zu  Freyberg,  Hanns  Malveter,  Prägewellen, 
auch  Stöcke  und  Obereiseu  für  kleine  Münzen  anfertigen  lassen  und 
beantragte  die  Bestellung  eines  eigenen  Stempelschneiders  für 
Ensisheim.  i) 

Die  Ausmünzung  fand  nach  <ler  Instriictioii  wmu  »i.  März  1577 
statt  und  wurden  im  Laufe  des  Jahres  1 594  ausgebracht : 

Thaler,  i/o  Thaler  und  Pfundner  um  154.048  Gulden  37  Kreuzer, 

Dreier  zu  7  Loth  5  Grän  fein,  962/3 
aus  der  feinen  Kölner  Mark  um      .    .    .    42.767       ,,       51 

andere  kleine  Münzen 5.583      „        4 


zusammen  um  .  202.399  Gulden  32  Kreuzer. 
Im  Jahre  1594  standen  im  Münzhause  zu  Ensisheim  10  „Münz- 
verwandte" im  Dienste,  für  Nachtarbeit  wurde  eine  Vergütung  von 
49  Gulden  3  Kreuzer  geleistet.  Als  erzherzogliclier  Silberl)ergbau 
werden  genannt  „im  Leberthal  deutsch  und  welscher  Seite",  ferner 
dem  Cardinal  von  Oe st  erreich  zugehörig,  der  Silberbau  zu 
„Planntschier".2) 

Wollte  man  aus  dem  umfangreichen  Geschäftsbetriebe  in  den 
beiden  Münzhäusern  zu  Hall  und  Ensisheim  den  Schluss  ziehen,  dass 
dem   Erzherzog   Ferdinand    daraus    ein    bedeutendes   Einkommen 


1)  Von  Malveter  dürfte  der  Stempel  zu  dem  wenig  gelungenen  Elsasser 
Doppelthaler  des  Erzherzogs  angefertigt  worden  sein. 

2)  Archiv  des  k.  k.  Hauptmünzamtes. 


m.  ■^'^ 


unter  d>  it  Kaisern  Maximilian  Tl.,  Rudolph  IL  oad  ^lathias. 


329 


zufloss,  so  wUrde  mau  mit  einer  solchen  Annahme  in  einen  wesent- 
lichen Irrthum  verfallen.  Aus  den  dem  Erzherzog  eigenthUmlichen 
Brixle^ger  Silberg:rubeu  gelangten  im  Durchschnitte  jährlich  bei 
4000  bis  4500  Mark  Silber  zur  Vermttnzung.  Nachdem  die  Bergbau- 
kosten bereits  einen  überaus  hohen  Stand  hatten,  dürfte  sich  daraus 
für  die  Kammer  nur  ein  sehr  massiger  Ertrag  ergeben,  in  einzelnen 
Jahren  sogar  einen  Verlust  resultirt  haben. 

Während  der  Regierung  des  Erzherzogs  Ferdinand  nahm  der 
Rückgang  des  Nordtiroler  Bergbaues  an  Umfang  wesentlich  zu. 
Einzelne  Gewerke  zogen  sich  vom  Bau  zurück,  die  Wohlhabenden 
harrten  nur  aus  dem  Grunde  aus,  weil  sie  die  im  Bergbau  investirten 
Capitalien  nicht  opfern  wollten  und  das  Eintreten  günstigerer  Ver- 
hältnisse erwarteten.  Der  Erzherzog  war  genöthigt,  an  Frohn  und 
Zehenten  sehr  erhebliehe  Nachlässe  zu  bewilligen,  ja  er  musste,  wie 
dieses  übrigens  auch  schon  unter  seinem  Vater,  Ferdinand  L,  der 
Fall  war,  Hilfsgelder  gewähren.  Der  Ertrag  des  Haller  Münzamtes 
beschränkte  sich  der  Hauptsache  nach  auf  den  aus  der  Vermünzung 
des  eingelösten  Silbers  verbleibenden  Uebersehuss,  den  „Schlag- 
schatz"; später  wurde  dieses  Einkommen  durch  das  Aufgeld,  mit 
welchem  die  Thaler  aus  der  Münzcassa  ausgegeben  wurden,  ver- 
mehrt. Dieses  Aufgeld  oder  Agio  stieg  schon  zu  Lebzeiten  des  Erz- 
herzogs auf  16  Kreuzer  vom  Thaler,  das  heisst  der  nach  der 
Instruction  zu  (38  Kreuzer  ausgebrachte  Tlmlcr  wurde  im  Verkehre 
mit  84  Kreuzer  gegeben  und  genommen. 

Die  Münzämter  zu  Hall  und  Ensisheim  hatten  die  Verzinsung 
verschiedener  auf  sie  angewiesener  Kammerschulden  zu  bestreiten. 
Für  Hall  betrug  diese  Verzinsung  in  runder  Ziffer  4000  Gulden 
jährlich,  für  Ensisheim  im  Jahre  1594  1150  Gulden.  Einen  ausnahms- 
weisen  hohen  Stand  erreichte  für  das  Haller  Münzhaus  dies  ', 
zinsung  im  Jahre  ir>87  mit  7455  Gulden  56  Kieuzer. 

Die  österreichischen  Länder  waren  schon  unter  Ferdinand  l. 
mit  einem  grossen  Schuldenstand  belastet  worden.  Er/herzog  Ferdi- 
nand übernahm  somit  st  in  Erbe  unter  finanziell  sehr  ungllnstigen  Ver- 
hältnissen. Es  ist  ferner  von  ihm  bekannt,  dass  er  durchaus  nicht 
das  war,  was  man  unter  einem  haushälterischen  Wirth  versteht.  Sein 
Hofstaat,  seine  Vorliebe  für  die  Kunst-   und  Wunderkammer,  für 

FestlieJlkcifrl        iWr    ^]\^■  .f.iL-tl     U     S     \V.     nnlnncli     "inssc   M.'ldsiiimnu'n 


330 


Johann  Ne-wald  :  Das  östeiTeichische  Münzwesen 


in  Anspruch.  Sparen  und  sich  einschränken  vermochte  Erzherzog  Fer- 
dinand nicht;  es  fehlte  ihm  jene  den  factischen  Verhältnissen  Rech- 
nung tragende  umsichtige  Selbstbeherrschung  und  kluge  Mässigung, 
welche  dem  entsagt,  was  sich  mit  einer  guten  Wirthschaft  nicht  ver- 
einen lässt.  0 

Erzherzog  Ferdinand  IL  von  Tirol  starb  zu  Innsbruck  am 
24.  Jänner  1595. 

h)  Unter  Kaiser  Rudolph  II. 

Nach  dem  Tode  des  Erzherzogs  Ferdinand  drohten  Tirol  und 
die  vorderösterreichischen  Lande  unter  den  Mitgliedern  des  Habs- 
burger Kegentenhauses  zu  einem  Zankapfel  zu  werden.  Die  beiden 
Söhne  Ferdinands  aus  erster  Ehe  mit  Philipp  ine  Welser  — 
Cardinal  Andreas  von  Oester  reich  und  Markgraf  Karl  v  o  u 
Burg  au  —  waren  nicht  successionsfähig,  von  seiner  zweiten  Ge- 
mahn, der  mantuanischen  Prinzessin  Anna  Katharina,  hatte  er 
nur  zwei  Töchter.  Nach  dem  Aleben  des  Erzherzogs  ordnete 
Kaiser  Rudolph  IL  alsbald  den  Erzherzog  Mathias  nach  Inns- 
bruck zur  Uebernahme  der  Regierung  im  Namen  des  Kaisers  ab 
und  hatte  derselbe  die  Beamten  für  den  Kaiser  in  Eid  und  Pflicht 
zu  nehmen.  Rudolphs  IL  Absicht  war  unverkennbar  auf  die  Wieder- 
einverleibung der  erledigten  Länder  in  den  österreichischen 
Gesammtstaat  gerichtet.  Diesen  Bestrebungen  trat  die  steiermär- 
kische  Linie  des  Regentenhauses,  welche  auf  das  Tiroler  Erbe 
Ansprüche  erhob,  entgegen.  Sie  war  vertreten  durch  den  allerdings 
noch  nicht  volljährigen  Erzherzog  Ferdinand,  den  spätem  Kaiser 
Ferdinand  IL,  durch  dessen  Mutter,  die  thatkräftige  Erzherzogin 
Marie,  Witwe  nach  dem  am  10.  Juli  1590  gestorbenen  Erzherzog 
Karl  von  Steiermark,  Namens  ihrer  drei  minderjährigen  Söhne 
Maximilian  Ernst,  Leopold  V.  und  Karl  Posthumus,  und 
den  Mitvormund,  Herzog  Wilhelm  von  Bayern.  Diese  Anwärter 
verlaugten  eineTheilung  der  erledigten  Länder  und  stützten 
ihre  Ansprüche  auf  das  Testament  Kaisers  Ferdinand  L,  welcher 


1)  Ueber  das  Tiroler  Bergwesen  und  die  Ergebnisse  der  Finanzwirthschaft 
finden  sich  eingehende  Darstelhmgen  bei  Dr.  Hirn  „Erzherzog  Ferdinand  II. 
von  Tirol",  Seite  539  und  621  u.  f. 


den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  IL  und  Mathlas 


331 


bestimmte,  dass,  wenn  eine  Linie  im  Mannesstamme  aussterben 
sollte,  deren  Theil  den  andern  zuzufallen  hat. 

Die  Bruder  des  Kaisers,  die  Erzherzoge  Ernst,  Mathias, 
M a X i  111  i li a n  und  A 1  b r e c h t  hatten  ihren  Anträgen  und  Ansprüchen 
ein  anderes  Ziel  gesetzt.  Sie  verlangten  mit  Ausschluss  jeder 
Theilung,  dass  einer  der  Erzherzoge  Tirol  und  die  Vorlande, 
jedoch  nur  als  Statthalter  im  Namen  aller  Mitglieder  des 
Regentenhauses  verwalten  soll.  Da  Erzherzog  Albrecht  nach 
dem  schon  im  Jahre  1595  erfolgten  Ableben  des  Erzherzogs  Ernst, 
Regent  der  spanischen  Niederlande  wurde,  so  vertraten  diese  An- 
sprüche vornehmlich   die  P>zherzoge  Mathias  und  Maximilian. 

Gegen  alle  diese  Projecte  und  Anträge  erhoben  jedoch  die 
Stände  Tirols  und  der  A  odande  lebhafte  Einsprache.  Sie  wollten 
weder  von  einer  Theilung  und  ebensowenig  von  einem  unselbst- 
ständigen  Statthalter,  und  sollte  dieses  selbst  ein  Erzherzog  sein, 
etwas  wissen.  Sie  verlangten  die  Einsetzung  eines  Erzherzogs  als 
selbstständigen  Landesflirsten  und  war  ihr  Augenmerk  namentlich 
auf  den  Deutschmeister  Erzherzog  Maximilian  gerichtet. 

Bei  derart  widerstreitenden  Ansichten  und  Bestrebungen  war 
eine  Verständigung  nur  schwer  zu  erzielen.  Um  Tirol  und  die  Vor- 
lande während  der  Dauer  der  Verhandlungen  nicht  gänzlich  ohne 
Verwaltung  zu  lassen,  einigte  man  sich  zu  Prag  am  10.  April  1590 
dahin,  dass  dem  Kaiser  von  den  übrigen  erbberechtigten  Mitgliedern 
des  Regentenhausos  die  Verwaltung  Tirols  und  der  Vorlande  Über- 
tragen, das  heisst  die  vom  Kaiser  schon  seit  dem  Tode  des  Erzher- 
zogs Ferdinand   geführte  Administration   anerkannt   und   derselbe 

ermächtijrt  "  ■"•'1"     '"    i-- Ländern  die  Erbhuldigung  vornehnioii 

zu  lassen. 

Ueber  die  Art,  in  welcher  mittlerweile  das  MUnzrecht  auszu- 
üben, beziehungsweise  die  Münzprägung  vorzunehmen  sein  wird, 
erscheint  in  der  Urkunde  nichts  verfügt,  wohl  aber  zieht  sich  durch 
dieselbe  in  ziemlich  hervortretender  Weise  ein  Ton  tles  Misstranens 
gegen  den  Kaiser  und  seine  Absichten   bezüglich  Tirols  und   <l  r 


>j  Hef^ljiul.i^'tt-  AlKSfhrit't  des  Vergleiches  ddo.  Trag,    lU.  April  1590   im 


.  ?>i»^f  ■•>'t-^_-iv^''  V^*^*," 


332 


Johann  Nevrald  :  Das  c^sterreichioche  Münzwesen 


Vorlande.  Namentlich  wird  von  Seite  der  Mandatgeber  hervorgeho- 
ben, dass  sie  erwarten,  es  werde  sieh  der  Kaiser  jeder  Handlung 
enthalten,  durch  welche  ihren  Rechten  in  irgend  einer  Weise  präju- 
dicirt  werden  könnte,  auch  sprechen  sie  den  bestimmten  Wunsch 
aus,  der  Kaiser  möge  die  Erbschaftsverhandlungen  noch  im  Laufe 
des  96er  Jahres  zum  Abschlüsse  bringen. 

Dieser  letztere  Wunsch  ging  allerdings  nicht  in  Erfüllung,  die 
Zielpunkte  der  einzelnen  Erbberechtigten  lagen  viel  zu  weit  ausein- 
ander, um  eine  baldige  Verständigung  erwarten  zu  lassen.  Die  Ver- 
handlungen führten  zu  derart  lebhaften  Einsprachen  und  Beschwer- 
den, dass  Markgraf  Karl  von  Bargau,  der  die  obschwebenden  Ver- 
hältnisse besonders  bitter  beurtheilte,  einstmals  in  die  Aeusserung 
a,usbrach:  „Tirol  werde  noch  unter  den  Herren  von  Oesterreich 
Ursache  zum  Kriege  werden".  Die  mehrmalen  ganz  unterbrochenen 
Verhandlungen  kamen  erst  durch  den  sogenannten  Prager  Vergleich 
vom  5.  Februar  1602  zum  Abschlüsse.  ^)  Durch  diesen  wird  die 
Untheilbarkeit  der  Tiroler  und  vorderösterreichischen  Landschaften 
ausgesprochen  und  der  Erzherzog  Maximilian  als  „Guber- 
nator"  derselben  eingesetzt.  In  dem  Vergleiche  wird  ferner  eine 
Verth eilung  der  Einkünfte  dieser  Länder  nach  Köpfen 
bestimmt  derart,  dass  fünf  Theile  auf  die  österreichisch-böh- 
mische Linie  (mit  Rücksicht  darauf,  dass  am  24.  Jänner  1595,  als 
dem  Todestage  Ferdinands  von  Tirol,  ausser  Kaiser  Rudolph  H., 
noch  seine  vier  Brüder  Ernst,  Mathias,  Maximilian  und 
Alb  recht  VIL  am  Leben  waren)  und  vier  Theile  auf  die  steier- 
märkische  Linie  des  Regentenhauses  (mit  Rücksicht  auf  die  vier 
Brüder  Ferdinand  H.,  Maximilian  Ernst,  Leopold  V.  und 
Karl  Posthumus)  zu  fallen  hatten.  Die  Ernennung  des  Erzherzogs 
Maximilian  zum  „Gubernator"  wurde  der  Tiroler  Regierung  unterm 
3.  Juli  1602  kundgegeben,  am  8.  Juli  trat  derselbe  die  Regie- 
rung an. 

Indem  wir  in  das  Münzbaus  zu  Hall  zurückkehren,  kommt 
zunächst  zu  bemerken,  dass  beim  Uebergang  der  Regierung  an 
Kaiser  Rudolph  IL   sowohl  im  Betriebe,  als   auch  im  Stande  der 


i)  Original  im  k.  k.  H.  H.  u.  St.  A. 


if^l 


unter  dtn  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathlas.  66i> 

dortigen  Beamten  und  Bediensteten  keine  Aenderung  eintrat.  iJ. 
erste  Bestellung,  welche  im  Namen  des  Kaisers  erfolgte,  war  die  de!< 
Stempelsebneiders  Peter  Hartenpeck  am  1.  April  1595.  Der  Präge- 
betrieb wurde  durch  den  Umstand  wesentlich  gesteigert,  dass  nun- 
mehr die,  dem  Kaiser  aus  Spanien  und  Italien  zugekommenen 
,,Türkenhilfen"  zu  Hall  umgemünzt  wurden.  Am  13.  Mai  1596 
gelangten  in  das  MUnzhaus  3G0.143  Stücke  spanische  Realen, 
welche  an  feinem  Silber  32.351  Mark  8  Loth  Wiener  Gewicht  ent- 
hielten. Schon  imterm  27.  Mai  1596  erfolgte  aus  Prag  die  Weisung, 
dass    V(M  umgemünzten    spanischen    „ Türke nhilfe''    alsbald 

20.000  (jüiüLn  in  Thalera  an  den  Kriegszahlmeister  in  Wien  abzu- 
senden sind.  1)  Im  Jahre  1596  erreichte  zu  Hall  der  Prägebetrieb 
eine  geradezu  kolossale  Höhe,  er  betrug  1,153.594  Thaler.  Die 
ganze  Jahresausmünzung,  die  kleinen  Münzen  eingerechnet,  bestand 
in  1,313.901  Gulden  30  Kreuzer.  ^)  Aus  Anlass  eines  Besuches  der 
Münze  zu  Hall  wurden  dem  Erzherzog  Mathias  übergeben 
,,3  doppelte  und  1  einfache  Gr anner i sehe  Khlippen  von  Gold", 
dann  seinem  Kammerdiener  Paradiser  2  doppelte  Klippen,  zusammen 
11  Ducaten  schwer. 

Für  das  Jahr  1597  wurde  mit  dem  Erlasse  ddo.  Prag,  7.  März 
1597  angeordnet,  dass  die  Hunderttausend  Ducatons,  welche  über 
Genua  und  Mailand  als  Türenhilfe  des  Königs  von  Spanien  ein- 
langen werden,  alsbald  in  Tlialer  umzuprägen  sind. »)  Die  Fugger 
brachten  am  II.  M.-n  1597,  18.060  Mark  5  Loth  „Indianisch  Silber'' 
in    die   Münz(  urden  in   diesem  Jahre  nahe  700.000  Thaler 

ausgebracht. 

Von  dem  yw  i  iiilaii^e  ncr  neitieii  .Ijiiiic   i.);M)  uiki   i.);*7 

sank  der  Prii,  l»   in   den   nächstfolgenden  Jahren  wesentlich 

herab,  er  betrag 

im  Jahre  1598  438.677  Thaler,  im  Ganzen  501.874  Gulden 
53  Kreuzov  ■'■  v;,....., 


157,  Fol.  491.  Dio  Weisung  ging  dahin,  Tagr 

und  Nacht 

*)Ai'  !      l>fiiiilriz:mitcs.   VWv  dit' Uiimithizun^  wurde  fllr  jo 

150  Realen  l  Thaler  bercchu«  t 

s    Y-,    ''    "    •*"     ^     1  ■  .11. » 


334 


Johann  Newald  :   Das  österreichische  Münzweeen 


im  Jahre  1599  241.445  Tbaler,  im  Ganzen  284.017  Gulden 
18  Kreuzer  4  Vierer, 

im  Jahre  1600  359.441  Thaler,  im  Ganzen  414.828  Gulden 
26  Kreuzer. 

Am  20.  vSeptember  1599  fand  im  Haller  Münzhause  eine  Probe- 
prägung statt.  Es  wurden  je  aus  einer  Mark  Silber  österreichische, 
steierische,  Kärntner  und  zwei  Sorten  Tiroler  Dreier  geschlagen  und 
dabei  559  Stiicke,  ausgebracht,  wovon  20  Stücke  einen  niildpn 
galten. 

Im  Jahre  1599  wurde  Ferdinand  Leffler  als  Miinzschreiber 
mit  dem  Jahressold  von  200  Gulden  bestellt,  er  übernahm  jedoch 
schon  am  1.  Mai  1601  das  Münzmeisteramt,  wie  sein  Vorgänger 
Bertorf  als  Münzmeister  und  Cassier  und  bezog  nunmehr  als  Gehalt 
400  Gulden  und  52  Gulden  auf  einen  Schreiber.  Im  Jahre  1601  starb 
der  Wardein  Thoman  Eggenstein  und  trat  an  seine  Stelle  am  7.  Mai 
1601  dessen  Sohn,  Georg  Eggen  stein.  Die  Frage  anbelangend, 
in  wessen  Namen  oder  in  welcher  Weise  die  Münzprägung  seit  dem 
Tode  des  Erzherzogs  Ferdinand  im  Haller  Münzhause  stattfand,  gibt 
die  Münzamtsrechnung  vom  Jahre  1602  eine  vollständige  Aufklä- 
rung. Der  Münzmeister  Leffler  sagt  in  derselben,  dass  er  „auf 
weilendt  Irer  fürstl.  Durchl.  Erzherzog  Ferdinanden  zu  Oesterreich 
hochloblichsten  Gedechtnus  Piltnus,  Titl  vnd  Wapi)en"  gemünzt 
und  gedruckt  habe  324.810  Thaler,  im  Ganzen,  das  heisst  die  klei- 
nen Münzen  eingerechnet,  373.250  Gulden.  Es  wurden  somit  bis 
zum  Schlüsse  des  Jahres  1602  Thaler  und  kleine  Münzen  mit  Stem- 
peln des  Erzherzogs  Ferdinand  geprägt.  Den  8.  December  1602  hat 
man  für  den  Erzherzog  Maximilian  „von  allerlei  Goltprägen  souil 
deren  bei  der  Münz  noch  vorhanden  gewest,  abdruck  machen  lassen ^^, 
welche  zusammen  an  feinem  Silber  gewogen  3  Loth.  Auch  verdient 
noch  einer  Erwähnung,  dass  mit  Erlass  ddo.  Innsbruck,  25.  Mai 
1600  der  Münzmeister  Bertorf  angewiesen  wurde,  dem  Erzherzog 
Ferdinand  in  Graz,  welcher  dort  ein  Münzdruckwerk  eingerichtet 
hatte  und  die  Probe  machen  möchte,  ein  Paar  Thalerwellen,  welche 
nicht  mehr  gebraucht  werden,  der  Druck  jedoch  noch  ersichtlich 
ist,  zuzusenden,  i) 


')  Archiv  des  k.  k.  Hauptmünzamtes,  Haller  Acten  imd  Reclmimg-eu. 


den  lUIcern  Maxirailiau  II.,  Rudolpli  II.  und 


335 


In  der  Mlinzamtsreehniing  vom  Jahre  1602  macht  sich  bereits 
der  Einfluss  des  Praj^^er  Vergleiches  vom  5.  Februar  1602  geltend. 
Während  es  über  das  Brandsilber  vom  Hüttenwerk  „Brixl egg  am 
Falkenstein  und  Ringenwexl'^  in  der  Rechnung  pro  1601  noch 
lautet:  „in  der  Kais.  Mt.  Schmelz -Hütwerch  Brichslegg", 
womit  Kaiser  Rudolph  TL  unverkennbar  als  Allein-Eigenthümer 
bezeichnet  wurde,  heisst  es  in  der  Rechnung  vom  Jahre  1602  ,,in 
der  Rom.  Kais.  Mt.  vnnd  fUrstl.  Durchlauchten  Erzherzogen  zu 
Oesterreich,  vnnsers  AUergnedigisten  vnnd  gnedigisten  Herren 
SchmelzhUttwerk  zu  Prüxlegg". 

Nachdem  durch  den  mehrerwähnten  Prager  Vergleich  über  die 
Verwaltung  von  Tirol  und  den  Vorlanden  eine  Vereinbarung  getroffen 
worden  war,  sollte  nunmehr  auch  die  Münzprägung  entsprechend 
eingerichtet  werden,  da  seit  dem  Tode  des  Erzherzogs  Ferdinand, 
somit  durch  acht  Jahre,  noch  immer  unter  dessen  Brustbild  und 
Titel  gemünzt  wurde.  Mit  dem  Erlasse  ddo.  Innsbruck,  2.  August 
1602  wurde  der  Stempelschneider  Peter  Harten peck  zur  Regierung 
gerufen,  wo  er  die  Anordnungen  des  Erzherzogs  Maximilian  bezüg- 
lich Abkürzung  der  Umschrift  auf  den  neuen  Thalern  entgegen- 
zunehmen hatte.  Die  Umschriften  der  kleinen  Münzen  wurden  mit 
Erlass  ddo.  29.  August  16u2  festgestellt.  Dem  Stempelschneider 
Hartenpeck  wurde  der  Bürger  und  Goldschmied  zu  Hall  David 
Zügl  „wegen  Schneidung  der  neuen  Münzpräg"  durch  sieben 
Wochen  als  Gehilfe  beigegeben,  wofür  derselbe  11  Gulden  12  Kreu- 
zer als  Entlohnung  bezog.  Schon  am  10.  November  1602  wurden 
dem  Erzherzog  Maximilian  „zu  ain  Muster  vberschickht  5  neue 
Thaler  vnnd  12  Dreyer,  so  auf  Ir  Kais.  Mt.  Piltnuss  geprägt 
werde n'^;  —  und  am  8.  December  folgten  „Sechser,  Kreuzer  und 
Fierer  von  der  neuen  Prägen".  Am  23.  Mai  1603  wurden  dem  Peter 
Hartenpeck  „wegen  Veränderung  der  Münz-Prftg-Eisen"  eine  beson- 
dere Entlohnung  von  30  Gulden  ausbezahlt 

Durch  das  \  '  liende  erscheint  ausser  ZwcikI  -csielli, 
dass  im  Haller  Mn  die  Münzprägungen   mit  dem  Brustbilde 

Rudolphs  II.  erst   im   Spätjahre   1602  eröffnet   worden   mu.I.    Wir 


336 


Johann  Newald  :  Das  österreichische  Münzwesen 


kennen  zugleich  auch  die  Stempelschueider,  welche  die  neuen  Präge- 
walzen und  Stempel  angefertigt  hatten.  Im  Jahre  1602  beschränkte 
sich  die  Thalerprägung  offenbar  auf  eine  sehr  massige  Zahl,  daher 
die  Tiroler  Tlialer  von  1602  sehr  selten  vorkommen.  Schnltess 
kannte  denselben  nicht,  i) 

Vom  Jahre  1603  beginnen  sowohl  zu  Hall,  wie  in  Ensisheim 
die  Münzprägungen  mit  dem  Brustbilde  des  Kaisers  Rudolph  IL  In 
diesem  Jahre  wurden  zu  Hall  „auf  allerh.  Kais.  Mt.  Piltnuss  auch 
der  Fürstl.  Durchlauchten  Erzherzogen  zu  Oesterreich,  vnnser  aller- 
gnäd.  vnd  gnädigistcn  Herren  Titl  und  Wappen,  vnd  der  fürstl. 
Durchl.  Erzherzogen  Ferdinanden  zu  Oesterr.  hochlöbl.  Gedechtnus 
im  1577  Jahr  in  TyroU  aufgerichten  Münzordnung  nach  gemünzt 
und  gedruckt"  378.790  Thaler  und  mit  Einrechnung  der  kleinen 
Münzen  451.410  Gulden  23  Kreuzer.  Vom  Jahre  1603  kominon  ancli 
Tiroler  Halbthaler  mit  dem  Brustbilde  Rudolphs  IL  vor. 

Im  Jahre  1604  wurde  für  das  Haller  MUnzhaus  eine  ganz  neue 
Verordnung  erlassen.  Es  waren  von  je  100  Mark  „Thalergeld" 
3  bis  4  Stücke  „für  den  Scharen-Zuestandt"  auszubringen,  das 
heisst  es  waren  die  Thaler  im  Schrot  derart  zu  vermindern,  dass 
von  je  100  Mark  die  instructionsgemässe  Zahl  um  3  bis  4  Stücke 
überschritten  wird,  der  Schaar  3  bis  4  Stücke  zustehen  oder 
zuwachsen. 

Mit  dem  Erlasse  ddo.  Innsbruck,  28.  August  1603  wurde  der 
Münzverwalter  zu  Ensisheim  Christoph  Haid  von  Haidenburg  ange- 
wiesen, von  allen  Münzgüssen,  namentlich  von  Thalern,  welche  nun- 
mehr mit  des  Kaisers  Bild  dort  ausgemünzt  werden,  monatlich 
Proben  nach  Hall  zu  senden,  wo  zu  untersuchen  war,  „ob  den 
österr.  Münzordnungen  zu  Ensisheim  ain  benügen  geschech".  Dieser 


1)  In  meiner  Sammlung  befinden  sich  drei  Varianten  vom  Tiroler  Thaler 
1602.  Zwei  derselben  lassen  die  gewandte  Arbeit  des  Peter  Hartenpeck  erken- 
nen, sie  dürften  von  derselben  Walze  stammen.  Das  Brustbüd  des  dritten 
Thalers  ist  weniger  schön.  Obwohl  es  offenbar  mit  ganz  guten  Punzen  geschla- 
gen worden  ist,  zeigt  die  Ausfertigung  eine  weniger  geübte  Hand.  Sie  fand 
wahrscheinlich  durch  den  Gehilfen  David  Zügl  statt.  In  Ensisheim  scheint 
man  den  für  das  Jahr  1602  vorbereiteten  neuen  Thaler,  wie  dieses  mit  den  bis- 
her ausgegebenen  Thalern  des  Erzherzogs  Ferdinand  der  Fall  war,  ohne  Jahr- 
zahl gelassen  zu  haben.  Auch  dieser  Thaler  gehört  unter  die  Seltenheiten.  Er 
findet  sich  bei  Schultess  unter  Nr.  169  beschrieben. 


^■.—^.■Ty,  ?5-'-i'«-tais^ 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rndolph  II.  and  Mathias.  OOt 

Vorgang  bleibt  anch  während  der  Regierung  des  Erzherzogs  Maxi- 
milian aufrecht. 

Im  Jahre  IGOo  fertigte  Peter  Hartenpeck  mit  Eizherzog  Maxi- 
milians ^Piltnus  Till  und  Wappen''  ein  Paar  Thalerwalzen  an  und 
wurde  dafür  mit  14  Gulden  entlohnt,  i)  Am  25.  August  1604  erhielt 
Hartenpeck  12  Gulden  ausbezahlt  „vmb  wegen  das  Er  ain  doppelt 
Paar  Talerwellen  auf  Ir.  Kais.  Mt.  Piltnus  geschnitten ''.  2) 

Im  Jahre  1605  nahm  der  Geschäftsbetrieb  im  Haller  Mtinzhause 
einen  erhebliehen  Aufschwung,  es  wurden  656.836  Thaler  und  im 
Ganzen,  das  heisst  mitEinrechnung  der  kleinen  Münzen  710.579  Gul- 
den 57  Kreuzer  ausgebracht.  Ueber  die  im  Jahre  1605  aus  dem 
Haller  Münzhause  ausgegangenen  Thaler  gab  der  Wardein  des 
fränkischen  Kreises,  Hanns  Hufnagel,  eine  Aeusserung  ab.  Er  sagt, 
„diese  Sortten,  ob  sie  wol  die  Jarzahl  1604  hat,  so  ist  sie  doch 
Anno  1605  gemünzt  worden".  Er  habe  sie  aufgezogen  und  probirt, 
es  haben  8  Stücke  ein  Gewicht  von  15  Loth  2  Quint.  3  Pfennig  Köl- 
nisch und  hallt  die  Mark  14  Loth  0  Grän  fein.  Sie  sind  am  Schrot 
somit  um  1  Onint    1   IMVunii'-  /u  IcM'cbt  und  nm  Korn    inn    4  Or.'in    /n 


I  Den  Thaler  von  1603,  welcher  bei  «chultess  Nr.  49G7  und  bei  H.  Dutiik 
1.  f..  St'ite  180  beschrieben  ist,  konnte  der  Erzherzog  nur  als  Deutschordeus- 
Hochmeister  gepräg't  haben.  Die  Steinpelsanjniliui^  des  k.  k.  HauptniünzHUites 
bewahrt  mehrere  ;t  NValzenpaare  ohne  Jahrzahl.  Die  Walzen  haben  einen 

Umfang  von  20-4  (  r   und  kommen  auf  denselben  stets  fünf  Stempeln 

neben  einander  vor.  Ein  Stempel  (Nr.  41  der  Sammlung;  zeichnet  sich  dadurch 

aus,  dass  auf  dvv   *' '  des  Ritters  zwei  Ordenskreuze   vork(mnnen.  Unter 

allen  Thalem,  w-  hrrzo}^  .Maximilian  als   Deutschordens-IIochmeister 

prägen  Hess,  find'  »t  vom  Jahre  IGO.'i  am  häufifi^sten  vor. 

«j  Archiv  d<  mptmünzamtes,  Malier  Itechuungen  und  AoteD.  Das 

Walzenpaar  Itlr  die  Tiroler  Doppelthaler  vom  Jalire  1G04  bewahrt  in  Nr.  15  die 
Stempelsammluu^  de«  k.  k.  IlauptmUnzamtes.  Die  Walzen  haben  einen  Umfang 
von  20  CentimettT  u?id  kminnt  auf  'denselben  der  Stempel  viermal  nebenein- 
ander vor.  Der  dr  t  X'urderseite  hat  im  Namen  des  Kaisers  einen 
Fehler,  indem  da  .  _,  ••n  ist  und  daher  Kudolpu»  11.  steht.  Im  Jahre 
1604  fertig^te  Hartenpeck  den  Stempel  zu  einer  sehr  schönen  Medaille  des  Erz- 
herzogs Maxiii  '  unter  dem  Brustbilde  kommt  der  Name  „I*eter  Harten- 
peck" vor.  I  le  ist  vorfn  ffürh  abgebildet  bei  H.  Dmlik  I.  c.,  Taf.  V, 
Nr.  75  und   I                 a  Beite  1'  miubs  dort  statt  „llarterpeck*'  richtig 

TI:.rf..,.l.rrk 


338 


Johann  Xewald:  Das  österreichische  Münzwesen 


gering,  daher  das  Stück  der  ReichsmUnzordnung  nach  nur  65 *  2  Kreu- 
zer werth  sei.  1)  Hufnagel  hatte  diese  Thaler,  wie  er  selbst  sagt,  auf 
Grundlage  der  Reichsmünzordnung  probirt  und  berechnete  demzu- 
folge auch  den  geringen  Werth.  Nach  der  Tiroler  Münzinstruction 
vom  Jahre  1577  war  der  mit  14  Loth  ermittelte  Feingehalt  vollkom- 
men gerecht,  nur  im  Schrot  bestand  ein,  unverkennbar  durch  den 
angeordneten  „Schaar-Zutrag*',  veranlasster  Abgang.  Die  Tiroler 
Regierung  legte  der  Valvation  des  Wardeins  Hufnagel  keine  Be- 
deutung bei.  vSie  konnte  darüber  um  so  ruhiger  bleiben,  als  im 
Jahre  1605  die  Haller  Thaler  bereits  mit  einem  Aufgeld  oder  Agio 
von  12  bis  16  Kreuzer,  das  heisst  um  80  bis  84  Kreuzer  gegeben 
und  genommen  wurden.  Peter  Hartenpeck  erhielt  für  seine,  das  Jahr 
1605  betreffende,  besonders  belobte  Leistung  eine  Guadengabe  von 
50  Gulden. 

Im  Vergleiche  mit  dem  Geschättsbetricbe  des  Jahres  ibw 
zeigt  jener  von  1606  einen  erheblichen  Rückgang.  Die  Thalerprä- 
gung  sank  in  diesem  Jahre  auf  195.912  Stücke  herab,  die  ganze 
Ausmünzung  beschränkte  sich  auf  228.860  Gulden  42  Kreuzer.  Bei 
den  Thalern  blieb  der  angeordnete  ,.Schaar-Zutrag"  aufrecht. 

Im  Jahre  1607  war  die  „Fürstliche  Gräzische  Herrschaft"  in 
Hall;  es  musste  in  der  Burg  Hasegg  mehreres  vorgerichtet  werden, 
wodurch  sich  eine  Auslage  von  83  Gulden  57  Kreuzer  ergab.  Wahr- 
scheinlich war  dieser  Besuch  auch  der  Anlass,  dass  in  demselben 
Jahre  die  St.  Georgs-Capelle  in  Hasegg  mit  neuen  Paramenten  im 
Werthe  von  274  Gulden  ausgestattet  wurde.  Im  Jahre  1608  musste 
zum  Betriebe  der  Walzenmaschinen  ein  ganz  neues  Rinnwerk 
sammt  Wasserrad  hergestellt  werden,  woraus  eine  Auslage  von 
892  Gulden  46  Kreuzer  und  eine  nicht  unwesentliche  Betriebs- 
störung erfolgte.  Mit  Genehmigung  der  Innsbrucker  Kammer  hatte 
Hartenpeck  den  Karl  Vogler  ak  Eisenschneider-Lehrjung  auf- 
genommen ;  er  erhielt  nunmehr  für  zwei  Jahre  „auf  ünderhaltung, 
Bekleidung  und   Lehrung"    des  Vogler   eine  Entschädigung   von 


i)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  17319.  Nach  der  Reichsmünzordnung  sollten 
8  Thaler  eine  Kölner  Mark  schwer  sein  und  einen  Feingehalt  von  14  Loth 
4  Grän  l>esitzen. 


w^M^jy'^fm-^^Sli^. 


:aiflcrn  Maximilian  II.,  Rudolph  IL  and  Mathias. 


339 


116  Gulden  34  Kreuzer. «)  Von  nun  an  bezog  er  für  den  ,,Lelirjung'*, 
der  übrigens  im  Alter  bereits  vorgerückt  war,  jährlich  50  Gulden. 
Im  Jahre  1609  beschränkte  sich  die  Thalerprägung  auf  nahe 
250  Tausend  Stücke. 

unterm  3.  Mai  1609  erfolgte  au.s  Innsbruck  der  Auftrag,  es  sei 
für  den  Erzherzog  Maximilian  ein  ,,Münzdrnckwerk"  einzurichten. 
Die  Arbeit  wurde  dem  Münzschmied  Jacob  Hernpacher  übertragen. 
Es  erfolgte  jedoch  schon  ddo.  Innsbruck,  19.  August  1609  ein 
Kammerbefehl,  dass  .dem  Wolfgang  Taler,  Münzer  und  Schlosser 
für  das  H and t münzt ruckhwerkh,  so  er  Ir.  Fürstl.  Durchlaucht 
Erzherzog  Maximilian  gehorsamist  presendirt-  100  Gulden  aus- 
zubezahlen sind.  Es  hat  sich  nicht  feststellen  lassen,  ob  es  sich  um 
eine  und  dieselbe,  oder  um  zwei  verschiedene  Walzenmaschinen 
handelte,  welche  der  Erzherzog  unzweifelhaft  für  seine  Münzprägung 
als  Deutsehordens-Hochmeister  verwendete.  vSchon  unterm  23.  April 
1610  wurden  dem  Peter  Hartenpeck  „für  ein  neues  Paar  S chil ti- 
taler-Prägwellen  auf  diss  1610er  Jahr  geschnitten"  15  Gulden 
ausbezahlt.  Nachdem  Hartenpeck  eine  fixe  Jahresbesoldung  bezog, 
so  war  die  Anfertigung  der  „Schilt  Italer -Präg  wellen",  für 
welche  ihm  der  Erzherzog  eine  besondere  Entlohnung  anwies,  eine 
ausserdienstliche  Arbeit.  Wir  haben  hier  ein  neues  Belege,  dass  die 
vom  Erzherzog  Maximilian  ausgegebenen  Thaler  mit  dem  Turnier- 
ritter in  einem  Kreise  kleiner  Wappenschikle,  als  Deutschorden- 
MUnzen  aufzufassen  sind.  Es  kommen  ähnliche  Thaler  von  den 
Jahren  1611  und  1612  vor.  Da  die  Haller  Münzamtsrechnungen 
dieser  beiden  Jahre  von  ihrer  Ausprägung  nichts  erwähnen,  so  darf 
geschlossen  werden,  dass  ihre  Herstellung  ganz  getrennt  von  dem 
Hauptmünzbetriebe  in  einer  tllr  den  Erzherzog  besonders  eingerich- 
teten Werkstätte  stattfand.  Es  kann  auch  nur  eine  sehr  beschränkte 
Zahl  dieser  Tliah'r  an^LTmlln/t  wor<l<Mi  sein,  da  sir  nur  selten  anzu- 
treffen sind. 

Im  Jahre  1 6(  >9  wurde  tllr  das  1  lallor  M  Unzhaus  H  a  n  n  s  C  h  r  i  s  t  o  p  h 
Messerschmidt  als  <iogenhändler  mit  der  Besoldung  von  2()0  Gul- 
den bestellt.  Nach  dem  Abgange  des  Münzmeisters  Ferdinand  LeflTler 
leiteten  in  den  beiden  Jahren  1610  und  1611  die  Geschätt 

\  t  ,i»fiiiiil|/:iinfi'S     U:ill. 


•r  ,<r-v^  ,-  -  4 1  ^- . ,-_  -^!^- >:?«»-^»y*  nM^f^-T^^Wf 


340 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Münzwesen 


Mtinzmeisterames  der  Wardein  Georg  Eggenstein  als  Cassier  und 
der  vor  Kurzem  eingetretene  Gegeubändler  Messerschmidt.  Beide 
bezogen  zusammen  neben  ihrer  Amtsbesoldung  auch  noch  den  Münz- 
meistergehalt von  450  Gulden.  Im  Jahre  1611  brach  in  Hall  die  Pest 
aus,  der  Erzherzog  genehmigte  der  Gemeinde  einen  Unterstützungs- 
beitrag von  40  Gulden.  Am  20.  October  1611  wurde  der  Eisen- 
schneider-Lehrjung Karl  Vogler,  ,,dem  Hanndtwerchsgebrauch  nach 
bei  Hannsen  Maisfelder  Bürger  und  Maller  in  Hall  angedingt'^  und 
wurden  ihm  80  Gulden  angewiesen.  Schon  mit  dem  Erlass  ddo.  Inns- 
bruck, 29.  October  1611  bestellte  der  Erzherzog  den  Maximilian 
Gross  als  Eisenschneider-Lehrjung  und  wies  dem  Peter  Hartenpeck 
für  „Lernung^^  desselben  12  Gulden  40  Kreuzer  an.  i) 

Im  Jahre  1611  sank  der  Ertrag  der  landesfürstlichen  Schmelz- 
hütten zu  Brixlegg  auf  3717  Mark  9  Loth  Silber  herab.  Die  Thaler- 
ausbringung  betrug  im  Jahre  1611  231.863  Stücke  und  die  Gesammt- 
ausprägung  mit  Einrechnung  der  kleinen  Münzen  265.357  Gulden 
59  Kreuzer.  Am  1.  Jänner  1612  übernahm  im  Münzhause  zu  Hall 
die  Geschäftsleitung  der  neue  Münzmeister  Abraham  Lindner, 
er  bezog,  wie  seine  Vorgänger,  eine  Jahresbesoldung  von  450  Gul- 
den. Im  Jahre  1612  wurden  232.665  Thaler  ausgebracht.  2) 

Die  Thaler,  welche  unter  Kaiser  Rudolph  II.  vom  Jalire  1602 
bis  inclusive  1612  gemeinschaftlich  mit  den  Conpaciscenten  des 
Prager  Vergleiches  vom  5.  Februar  1602  geprägt  wurden  und  aus 
den  beiden  Münzhäusern  zu  Hall  und  Ensisheim  ausgegangen  sind, 
wurden  ohne  Ausnahme  mittels  der  Walzenmaschine  hergestellt. 
Von  den  Thalern,  welche  unter  Rudolph  II.  im  Wiener,  sowie  in  den 
ungarischen  und  böhmischen  Münzhäusern  geprägt  worden  sind, 
weichen  die  Tiroler  und  Elsasser  Thaler  dadurch  ab,  dass  die  Rück- 
seite derselben  nicht  den  Adler,  sondern  das  gekrönte,  mit  der 
Vliessordenskette  umgebene  vielgetheilte  Wappen  zeigen.  Das 
bezüglich  der  Ausmünzung  unter  den   Mitgliedern  des  Regenten- 


i)  Archv  des  k.  k.  Haupruüinzaiiites,  Haller  Reclmim^-eii  und  Acteü. 

2)  K.  k.  H.  M.  A.  A.  Im  Monat  September  1612  besuchte  der  Herzog  von 
Mantua  die  Haller  Münze  und  wechselte  sich  verschiedene  neue  Geldsorten  ein 
Da  er  geringhaltige  Münzen  dafür  erlegte,   entstand  ein  Abgang  von  5  Guldei 


mf-^f^--'^'^^*Tr' 


uuter  d«a  Kalsero  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathias.  ' '  ^  ^ 

haiises  bestehende  Verhältniss,  wird  auf  denselben  durch  die  Um- 
schrift der  Ruckseite  klar  gestellt.  Die  Legende  der  Vorderseite 
lautet  allgemein:  .Rudolpluis  IL  D.O.  u.  s.  w.  Bohaemie  Rex-; 
jene  der  Rückseite  auf  den  Tiroler  Thalem:  ^Nec  non  Archiduces 
Austriae  Duces  Burgundiae  Comites  Tirolis";  auf  den  Elsasser 
Thalern :  ^Nec  non  Archiduces  Austriae  Duces  Burgundiae  Land- 
gravi  Alsatiae  Comites  Ferretae".  Bei  dem  grossen  Umfange  der 
Thalerprägung  in  Hall  einerseits  und  der  Anwendung  der  Walzen- 
maschine anderseits  ist  die  Zahl  der  Varianten  dieser  Thaler  eine 
ausserordentlich  grosse,  wobei  es  allerdings  nicht  ausgeschlossen 
ist,  dass  einzelne  Stempel,  namentlich  solche,  auf  denen  F '^'' '••  in 
den  Umschriften  vorkommen,  seltener  sind. 

Die  aus  den  ersten  Jahren  dieser  Prägeperiode  stammenden 
Thaler,  für  welche  Peter  Hartenpeck  die  Walzenstempel  geschnitten 
hatte,  sind  von  besonderer  Schönheit,  später  macht  sich  der  Eintluss 
des  Karl  Vogler,  vielleicht  auch  noch  eines  zweiten  Gehilfen  bemerk- 
bar. Weniger  schön,  ja  manchmal  geradezu  unschön  sind  die 
Elsasser  Thaler.  Die  mehrerwähnte  Stempelsammlung  des  k.  k. 
Hauptmünzamtes  bewahrt  unter  Nr.  24  eine  Walze  für  Tiroler  Halb- 
thaler  mit  der  Jahrzahl  1612.  Dieselbe  hat  einen  Umfang  von 
20  Centimeter  und  es  kommt  auf  ihr  der  Stempel  nebeneinander 
sechsmal  vor.  Abweichend  von  allen  mir  bekannton  Tiroler  und 
Elsasser  Tlialern  Rudolphs  IL  hat  auf  diesem  Halbthaler  der  Kopf 
des  Kaisers  keinen  Lorbeerkranz.  Ein  Exemplar  dieses  sehr  seltenen 
Halbtlialers  befindet  sich  im  k.  k.  MUnzcabinet  in  Wien,  es  ist  bei 
Schultess  in  Nr.  2o4  beschrieben.  Bisher  sind  Tiroler  Halbthaler 
mit  dem  Brustbilde  Rudolphs  IL  nur  von  den  Jahren  1603  und  1612 
bekannt  geworden.  Von  Rudolph  H.  kommt  auch  ein  Elsasser  Thaler 
mit  der  Jahrzahl  MW.)  vor,  welcher  bisher,  so  viel  mir  bekannt,  noch 
nirirends  erwähnt  unpilcn  ist. ') 

ej  Unter  Erzlierzou:   .Haxiiiiilian   III.,   Deiitschordeiis- Hoch- 

iiieiHter. 

i>ic.se  i^riKMU'  des  llaller  und  iMisisii«'ini«'r  .Mini/.Detiu'Ofs 
umfnsst   die   Zeit    \.>in    Anfillo  Tirols   nn<1    der  Vorlande    an    den 


342 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Münz^vesen 


Erzherzog  MaximiliaD,  bis  zum  Todesjahre  desselben  1618.  Sie 
fällt  allerdings  in  die  Regierungszeit  des  Kaisers  Mathias,  allein 
des  Zusammenhanges  und  der  Uebersichtliehkeit  wegen  erscheint 
es  zusagender  ihre  Besprechung  an  diesem  Orte  anzureihen. 

Die  Gefahren,  welche  sich  aus  der  Krankheit  des  Kaisers 
Rudolph  IL  für  den  Fortbestand  der  Herrschaft  des  Habsburger 
Regentenhauses  ergaben,  drängten  unabweisbar  zu  Vorkehrungen. 
Eine  Einigung  unter  den  Angehörigen  desselben  erschien  von  der 
höchsten  Wichtigkeit.  Diese  wurde  durch  den  Vertrag  vom  27.  De- 
cember  1611  angebahnt,  welcher  zum  Schutze  der  einzelnen  Glieder 
des  Hauses  gegenüber  den  zahlreichen  Feinden  Oesterreichs  eine 
Verständigung  Aller,  mit  Einschluss  der  spanischen  Linie,  herbei- 
führte. Wenige  Wochen  später,  am  20.  Jänner  1612,  starb  auf  dem 
Prager  Schlosse  Kaiser  Rudolph  IL 

Tirol  und  die  vorde  rösterreichischen  Lande  anbelan- 
gend, machte  dieser  Todesfall  unter  den  überlebenden  Mitgliedern 
des  Regentenhauses  eine  neue  Vereinbarung  nothwendig.  Dieselbe 
wurde  im  Monat  Juli  1612  zu  Prag  abgeschlossen,  und  erhielt  nun- 
mehr E  r z h  e  r  z o  g  M  ax i  m i  1  i a n  III.  der Deutschordens-Hochmeister 
Tirol  und  die  Vorlande  als  wirklicher  Landes  fürst  mit  allen 
Hoheitsrechten.  >) 

Die  erst  im  Jahre  1602  stattgefundene  Einsetzung  des  Erzher- 
zogs als  „Gubernator"  entsprang  zunächst  dem  Gedanken,  diese 
Länder  ungetheilt  in  der  Hand  des  Chefs  des  Regentenhauses  zu- 
sammen zu  halten.  Die  neue  Vereinbarung  hatte  allerdings  eine 
Län  dertheilung  zur  Folge,  allein  dieselbe  konnte  sich  voraus- 
sichtlich, bei  dem  vorgerückten  Alter  des  Erzherzogs,  und  seiner 
Stellung  als  Deutschordens-Hochmeister,  nur  über  eine  massige 
Reihe  von  Jahren  erstrecken. 

Der  Eintritt  des  Erzherzogs  Maximilian  als  wirklicher 
Landesfürst,  brachte  ftir  die  Verwaltung  der  ihm  zugefallenen 
Länder  im  Allgemeinen,  auch  in  Bezug  auf  die  beiden  Münzhäuser 
zu  Hall  und  Ensisheim  im  besondern,  keine  Aenderung.  Die  leiten- 
den Personen  blieben  sämmtlich  in  ihren  Stellungen,  die  bisherigen 
Verwaltungsgrundsätze    wurden    aufrecht    erhalten.    Dem    Haller 


1}  Vergl.  Egger,  Geschichte  Tirols,  II.  Theil,  S.  298. 


uiiter  d'-n  ivaijern  Maximuian  ii.,  t;uii"i}.n  ji.  un.i  .^latüias. 


343 


Mitnzhause  stand  seit  dem  1.  Jänoer  1612  der  Münzmeister  Abra- 
ham Lindner  vor,  Wardein  war  Hanns  Christoph  Messerschmidt, 
Münzwerksregierer  Jacob  Sauerwein. 

Die  grösste  Geschäftsvermehrung  ergab  sich  zunächst  fllr  den 
Eisenschneider  Peter  Hartenpeck  indem  säinmtliche  Prägew^alzen 
und  Münzstempel  mit  dem  „Piltnuss,  Titl  und  AVappeu"  des  neuen 
Landesherrn  auszustatten  waren.  Im  Jahre  1613  bezog  Hartenpeck 
für  seine  belobte  Leistung  eine  Remuneration  von  70  fl.  und  erhöhte 
der  Erzherzog  die  Jahresbesoldung  desselben  um  30  fl.  Im  Jahre 
1613  wurden  durch  eine  Zeit  noch  Rudolphinische  Walzen  und 
Stempel  benützt,  denn  es  wird  erst  in  der  Haller  Münzamtsrechnung 
vom  Jahre  1614  gesagt,  dass  die  Thaler  „ohne  anders  als  auf  des 
Erzherzogs  Piltnus  Tittl  und  Wappen'^  geprägt  worden  sind. 

Nachdem  der  Münzmeister  Lindner  resignirte,  trat  am  1.  August 

1613  Christoph  Orber  an  seine  Stelle,  mit  dem  das  Haller 
Münzhaus  einen  sehr  tüchtigen  Vorstand  gewonnen  hatte.  Der  Erz- 
herzog genehmigte  demselben  eine  Jahresbesoldung  von  500  fl. 

Im  Jahre  1613,  als  dem  ersten  vollen  Regierungsjahre  des 
Erzherzogs  Maximilian  betrug  die  Thalerprägung  236.626  Stücke. 
Im  Ganzen,  d.  h.  mit  Einrechnung  der  kleinen  Geldsorten,  wur- 
den 271.004  Gulden  9  Kreuzer  ausgemünzt.  Der  Ertrag  aus  den 
landesfürstlichen  Schmelzhütten  zu  Brixlegg  vermochte  sich  nicht 
mehr  zur  einstigen  Höhe  zu  erheben,   er  bezifferte  sich  im  Jahre 

1614  nur  mit  3277  Mark  14  Loth  2  Quint.  Silber  Wiener  Gewicht. 
Dagegen  hatten  sich  auch  die  dem  Münzhause  zu  Hall  aufgelasteten 
Verschreibungen  vermindert,  sie  nahmen  in  dem  genannten  Jahre 
nur  eine  Verzinsung  von  3592  Gulden  11  Kreuzer  in  Anspruch.  Wie 
bereits  erwähnt,  waren  sämuitliche  im  Jahre  1614  ausgeprägten 
Thaler,  ihre  Zald  war  227.535  Stücke,  mit  dem  Brustbild  des  Erz- 
herzogs Maximilian  ausgestattet.  Ein  Kammerbefehl  hatte  angeord- 
net, dass  der  .Schaar Zustand-^  nunmehr  in  3  bis  3«/2  Thaler  von  je 
100  Mark  Silber  zu  bestehen  habe.  Im  Jahr  IT»! 4  ergab  sich  (iMdiirch 
ein  Mehrausbriniren  von  922  Thal  cm.  ') 

Zu  (i<-ii    >iiiiiz|»rai:uii^fii    (irs    Kr/.iin/.n-.s  Maximllaii    lii.  über- 
gehend,   steht    es   ausser  Zweifel,    dass   ein  l'nterschied   gemacht 
»)  Archiv  des  k.  k.  IlHuptiuünzamtes,  HaUer  Rechnungen  und  Acten. 


344 


Johann  Newald;  l^a^  voi^ri 


werden  muss,  zwischen  jenen  Münzen,  welche  er  als  Landesfttrst 
von  Tirol  und  den  Vorlanden  und  jenen,  die  er  als  Deutsch- 
ordens-Hochmeister  ausbringen  liess.  Die  Entscheidung,  welche 
Münzender  einen,  und  welche  der  andern  Reihe  zuzuzählen  sind,  kann 
kaum  auf  Schwierigkeiten  stossen.  Alle  Münzen,  welche  vom  Jahre 
1612  beginnend,  mit  dem  Brustbilde  des  Erzherzogs  aus- 
gestattet sind,  sie  mögen  aus  dem  Münzhause  zu  Hall  oder  zu  Ensis- 
heim  ausgegangen  sein,  müssen  der  ersten  Reihe  zugetheilt  werden. 
Sie  sind  Tiroler  oder  Elsasser,  nicht  aber  Deutschordens- 
Münzen. 

Jene  Münzen,  jedoch,  welche  mit  dem  Turnirritter  in  einem 
Kreise  von  Wappenschilden  ausgestattet  sind,  denen  der  Nam* 
,, R  e  i  t e  r  t h  a  1  e  r"  beigelegt  wurde,  sind  D  e  u  t  s  c  h  o r  d  e  n  s  -  M  ü  n  z  e  n. 
Der  Erzherzog  Hess  dieselben  zu  Hall,  vom  Jahre  1603  beginnend, 
durch  mehrere  Jahre,  mithin  schon  zu  einer  Zeit  wo  er  noch  gar 
nicht  der  Landesfürst  von  Tirol  war,  ausprägen.  Vom  Jahre  161o 
beginnend,  beschränken  sich  diese  Münzen  lediglich  auf  einzelne 
Jahrgänge,  das  seltene  Vorkommen  derselben  stellt  ausser  Zweifel, 
dass  sie  nur  in  massiger  Zahl  ausgebracht  worden  sind.  Dem  ent- 
gegen kommen  die  Brustbildmünzen,  namentlich  die  Thaler  ans  der 
ganzen  Regierungszeit  des  Erzherzogs  von  allen  Jahrgängen  in 
grosser  Zahl  vor,  wie  solches  den,  durch  die  Haller  Münzamts- 
rechnungen  constatirten  umfangreichen  Prägungen  entspricht.  Als 
entscheidend  dürfte  jedoch  der  Umstand  aufzufassen  sein,  dass  in 
den  eben  erwähnten  Rechnungen,  welche  aus  dem  landesfürst- 
lichen Münzamte  zu  Hall,  der  Tiroler  Regierung  vorgelegt 
worden  sind,  nur  die  Brust])ildthaler,  die  Reiterthal  er  jedoch  gar 
nicht  erwähnt  werden.  Wir  wissen  ferner,  dass  sich  Erzherzog  Maxi- 
milian im  Jahre  1609,  als  er  nur  noch  „Gubernator"  war,  eine 
eigene  AYalzenmaschine  einrichten  liess,  unverkennbar  in  der 
Absicht,  um  jede  Vermengung  der  beiden  Prägungen,  der  eigent- 
lich landesfürstlichen,  und  der  Deutschordens-Münzcn  liintnnzu- 
halten,  i) 


1 


1)  Zu  bemerken  kommt,  dass  auch  im  k.  k.  Münzkabinet  die  vom  Jahre 
1G13  beginnenden  Brustbildthaler  des  Erzherzogs  Maximilian,  unter  die  Tiroler, 
beziehungsweise  Elsasser  Münzen  eingetheilt  sind. 


^^;,-'^-^.^^T 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathias. 


345 


Auf  den  ersten  mit  dem  Brustbild  des  Erzherzogs  ausgestatte- 
ten Tiroler  Thalern  fehlt  die  Jahrzahl.  Sie  kommen  in  verschiedenen 
Varianten  vor  und  kann  aus  denselben  mit  grosser  Bestimmtheit 
geschlossen  werden,  dass  für  ihre  Ausprägung  nur  zwei  Walzen- 
paare in  Verwendung  waren,  deren  Stempel  unverkennbar  Harten- 
peck  geschnitten  hatte.  Diese  Thaler  dürften  schon  im  Jahre  1612 
geprägt  worden  sein  und  lässt  das  ziemlieh  seltene  Vorkommen 
derselben  auf  ein  beschränktes  Ausbringen  sehliessen.  Der  Abgang 
der  Jahrzahl  findet  dadurch  eine  Erklärung,  dass,  als  an  das  Mlinz- 
amt  zu  Hall  die  Weisung  erging,  die  Münzprägung  nach  der  In- 
struction vom  6. März  1577  (Seite  319)  mit  Brustbild  und  Namen  des 
neuen  Landesherrn  zu  eröffnen,  übersehen  wurde,  dass  durch  diese 
Instruction  das  Anbringen  der  Jahrzahl  auf  den  Thalern  untersagt 
wurde.  Der  Auftrag  zum  Ansetzen  der  Jahrzahl  erfolgte  erst,  als  eine 
Zahl  von  Thalern  bereits  ausgebracht  war.  i) 

Im  Jahre  1615  nahm  der  Gescliäftsbetrieb  im  Haller  Münz- 
hause einen  erheblichen  Aufschwung.  Es  wurden  470.005  Thaler 
ausgebracht,  von  denen  sich  ein  „Schaar  Zugang"  von  1801  Thaler 
ergab.  Die  Gesammtausmünzung  betrug  532,672  Gulden  50  Kreu- 
zer 4  Vierer.  Müuzmeister  Orber  erhielt  den  Titel  eines  erzherzog- 
lichen Rathes  und  einen  Gehaltzuschuss  von  jährlich  100  Gulden. 
Im  Jahre  1616  traf  die  Haller  Münze  ein  emptindlicher  Verlust,  es 
starb  am  16.  April  1616  der  Münzeisenschneider  Peter  Harten- 
peck,  der  in  seinem  Fache  sehr  tüchtiges  geleistet  hatte.  Es   war 


1)  Di«»  mehr  erwähnte  Stempelsammluug  des  k.  k.  Hauptiuünzaintes  be- 
wahrt unter  Nr.  44  eine  Halbthalerwalze  von  dem  Umfang-e  von  '2&i  CM. 
auf  welcher  der  Stempel  nur  einmal  vorkommt,  der  übrig-e  Theil  der  Walze 
jedoch  glatt  ist.  Dieser  Stempel  zeigt  mit  der  gewöhnlichen  Umschriit  <ia8 
Bru8tV)ild  des  Erzherzogs,  neben  demselben  16 — 13  und  unter  dem  Arme  die 
Buchstaben  C  Ö,  d.  i.  Christoph  Örber.  Vom  Erzherzog  Maximilian  sind  Halb- 
thaler  mit  dem  Brustbild  und  Wappen  bisher  weder  für  Tirol  noch  l'iir  Elsass 
bekannt  geworden.  Unter  Nr.  45  bewahrt  die  Sammlung  auch  das  Walzenpaar 
zu  dem  bekannten  Reiter:  Doppelthalrr  vom  .lahre  1014.  Auch  diese  Wal- 
zen haben  einen  Umfang  von  'i(>4  CM.,  jedoch  kommt  auf  beiden  der  Stempel 
nur  einmal  vor.  Varianten  dieses  Dopp«ltlialer8  können  somit  nicht  vorkommen. 
Ziemlich  häufig  sind  <Ue  Heiter-llalbthaler  von  1014.  Nachdem  die  MUuz- 
amtsrechnung  von  ihnen  keine  Erwähnung  macht,  scheinen  sie  auf  der  Separat- 
Walzenmaschine  «les  Erzherzogs  geprägt  worden  sein. 


■7>^^::^*m 


346 


Johann  Xewald:  Das  österreichische  Münzwesen 


nicht  leicht,  für  ihn  einen  entsprechenden  Ersatz  zu  finden.  Mit  Er- 
lass  vom  2.  Juli  1616  wurde  der  Goldschmied  David  Zu  gl  probe- 
weise aufgenommen^  um  mit  dem  Eisenschneider-Jungen  Maximi- 
lian Gross  Thalerwalzen  zu  schneiden.  Diese  gemeinschaftliche 
Arbeitsleistung  dauerte  durch  das  Jahr  1617  an,  erst  vom  Jahre 
1618  beginnend  wurde  Gross  mit  der  Jahresbesoldung  von  156  Gul- 
den zum  Stempelschneider  bestellt.  Er  erhielt  laut  Erlass  ddo. 
10.  Februar  1618  als  Heirathsgeschenk  den  Betrag  von  20  Gulden. 
Dem  David  Zügl  wurde  ddo.  20.  Juli  1618  eine  Abfertigung  von 
25  Gulden  angewiesen.  Mit  dem  Erlasse  ddo.  Innsbruck,  21.  Novem- 
ber 1617  wurde  dem  Münzmeister  Christoph  Örber  als  Anerken- 
nung seiner  besondern  Dienstleistung,  eine  Gnadengabe  von 
1000  Thalern  angewiesen  und,  nachdem  der  Thaler  bereits  ein  Auf- 
geld von  22  kr.  hatte,  mit  dem  Betrage  von  1500  Gulden  aus- 
bezahlt. 

Der  Münzbetrieb  war  in  den  beiden  Jahren  1617  und  1618 
zurückgegangen.  Es  wurden  1617  387.251  Thaler  mit  einem  Schaar- 
Zugang"  von  1613  Stücken,  im  Jahre  1618  als  dem  Todesjahre  des 
Erzherzogs  Maximilian  nur  228.411  Thaler  mit  einem  Zugang  von 
889  Stücken  geprägt.  Mit  Einrechnung  der  kleinen  Geldsorten 
betrug  die  Ausmünzung  im  Jahre  1617  441.290  Gulden  49 Kreuzer, 
im  Jahre  1618  261.750  Gulden  54  Kreuzer,  i) 

Erzherzog  Maximilian  III.  Deutschordens  Hochmeister,  starb  am 
2.  November  1618.  Mit  ihm  verlor  Tirol  einen  seiner  tüchtigsten 
Landesfürsten.  Seine  Friedensliebe,  seine  Weisheit  und  Mässigung, 
seine  rastlose  Thätigkeit  haben  dem  Lande  Tirol,  wie  dem  Hause 
Habsburg  überhaupt,  grosse  Vortheile  gebracht.  Wäre  seine  Wir] 
samkeit  nicht  vorausgegangen,  so  würde  Tirol  vom  dreissigjährig( 
Kriege  sicherlich  vielmehr  ins  Mitleid  gezogen  worden  sein. 

Im  Einverständniss  mit  den  übrigen  Mitgliedern  des  Regentei 
hauses  übertrug  Kaiser  Mathias   das  „Gubernement  der  ober- 
vorderösterreichischenLänder" dem  Erzherzog  Leopold  V.  einei 
entschlossenen,  thatkräftigen  und  unternehmenden  Fürsten,  welcher 


I)  Archiv  des  k.  k.  H.  M.  A.  Haller  Eechnungeii  und  Acten. 


!n»^ 


anter  den  Kaisern  Maziznillaa  II.,  Rudolph  II.  und  Mathias. 


347 


die  Verwaltung  Tirols  und  der  Vorlande  imMär/  i»iiQ  «um't  w.MiJL'-e 
Tage  vor  dem  Tode  des  Kaisers  ttbernahm. 

Im  Haller  MUnzhause  wurde  die  Mttnzpriigung  durch  das  ganze 
Jahr  161 H  mit  y,Piltnus,  Tittl  und  Wappen"  des  Erzherzogs  Maxi- 
milian fortgesetzt.  Es  wurdem  in  diesem  Jahre  461.851  Thaler  mit 
1876  Thaler  als  Schaar-Zuschuss  ausgebracht,  die  Gesammtaus- 
mtlnznng  betrug  527.189  Gulden  19  Kreuzer.  Nachdem  Tiroler 
Thaler  mit  der  Jahrzahl  1619  nicht  vorkommen^  so  blieb  man,  im 
Falle  für  den  Betrieb  des  Jahres  1619  neue  Walzen  und  Stempel 
angefertigt  werden  mussten,  bei  der  Jahrzahl  1618,  woraus  sich 
das  überaus  häufige  Vorkonmien  dieser  Thaler  erklären  dürfte. 
Allein  man  scheint  im  Jahre  1619  überhaupt  alle  vorhandenen  noch 
brauchbaren  Thalerwalzen  des  Erzherzogs  Maximilan  ausgenützt 
zu  haben.  Bei  älteren  Walzen  hat  man  einfach  die  Jahrzahl  abge- 
ändert, wie  dieses  an  vielen  Thalern  bemerkbar  ist.  Thaler  mit  den 
Jahrzahlen  1617  auch  1618  lassen  den  StempeUchnitt  des  Peter 
Hartenpeck  erkennen.  Die  zugehörigen  Walzen  kamen  mit  geän- 
derter Jahrzahl  ein  zweitesmal  zur  Verwendung. 

Aus  der  Regierungszeit  des  Erzherzogs  Maximilian  III.  liegen, 
auf  das  Münzhaus  zu  Ensisheim  bezugnehmende  Rechnungen  oder 
Acten  nicht  vor.  Der  Münzbetrieb  stand  dort  im  Vergleiche  mit 
jenem  im  Münzhause  zu  Hall  sehr  erheblich  zurück,  so,  dass  Elsasser 
Thaler  des  Erzherzogs  Maximilian  weniger  häufig  vorkommt^"  •''"- 
zelner  Varianten  sogar  nur  selten  angetroffen  werden.  < ) 


i)  Aus  dem  Enßi8l)«iMt..i  •^^ii^/ll•nlsi'   kcnnmf   ..ii.   'DimI.^i- Maximilians  III. 
mit  der  Jahrzahl  1619  voi 


-■■^i^:  -^■^T'A^'^T?^ 


348 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Miinzwesen 


Kaiser  Mathias. 

XVIll. 
Die  Münzstätte  zu  Wien. 

Es  kanD  nicht  meine  Aufgabe  sein,  jene  Schwierigkeiten,  Unter- 
nehmungen und  Verhandlungen  zu  schildern,  welche  schliesslich 
Kaiser  Rudolph  IL  zwangen,  mit  dem  sogenannten  Czäslauer  Ver- 
trage vom  25.  Juni  1608  zunächst  die  beiden  Erzherzogthltmer 
Oesterreich  unter  und  ob  der  Enns,  auch  Ungarn  und 
Mähren  an  seinen  Bruder  Erzherzog  Mathias  abzutreten.  Neue 
Verwicklungen  und  steigende  Gefahren  für  das  Habsburger  Re- 
gentenhaus, daraus  hervorgehend  eine  Summe  von  Unterhandlungen 
und  Vermittlungen,  welche  von  allen  Seiten  auf  den  hilflosen  Kaiser 
einstürmen,  zwingen  denselben  als  Ergebniss  von  Abmachungen, 
welche  die  Zeit  vom  11.  April  bis  15.  Juni  1611  in  Anspruch  neh- 
men, auch  der  böhmischen  Krone  zu  Gunsten  des  Erzherzogs 
Mathias,  bereits  König  von  Ungarn,  zu  entsagen.  Als  König  von 
Ungarn  wurde  Letzterer  zu  Pressburg  schon  am  19.  November 
1608  gekrönt,  die  Krönung  zum  König  von  Böhmen  fand  am  23.  Mai 
1611  statt. 

Mit  dem  Uebergang  der  beiden  Erzherzogthümer  Oesterreich 
unter  und  ob  der  Enns  schloss  auch  die  Münzprägung  mit  dem 
Brustbilde  und  Titel  des  Kaisers  Rudolph  IL  im  Wiener  Münzhause 
ab.  Die  erforderlichen  Weisungen  ergingen  an  die  Wiener  Münz- 
beamten alsbald  nach  der  Krönung  des  Erzherzogs  Mathias  zum 
König  von  Ungar n,  offenbar  in  der  Absicht,  die  Münzen  des 
neuen  Landesherrn  sofort   mit  dem  Titel  eines  Königs   von  Ungarn 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  IT.  und  Mathias. 


349 


ausgehen  zu  lassen.  Dem  Wiener  Münzhau.-^  >i<iiiu  /  u  Zcn  üc^ 
Regierungs-Ueberganges  A  n  d  r ä H  ä n  d  1  als  MUnzmeister  vor,  dessen 
Zeichen  während  der  Regierung  Rudolphs  IL  ein  Hahn  unter  dem 
Brustbilde  des  Kaisers  war.  (S.  258.)  Nachdem  derselbe  bisher  nur 
als  M  Unzamts  Verwalter  bedienstet  war,  wurde  er  mit  der  Reso- 
lution des  Königs  Mathias  ddo.  Wien,  16.  September  1609,  definitiv 
als  MUnzmeister  bestellt.  M  Mit  dem  Erlasse  ddo.  Wien,  6.  Fe- 
bruar 1610,  erfolgte  an  das  Mttnzamt  der  Auftrag,  dem  Stein-  und 
Wappenschneider  Caspar  Haidler  zur  Anfertigung  .,ains  gross 
Khünigl.  Sigill,"  4  Mark  Silber  auszufolgen.  ^)  Haidler  wurde  nun- 
mehr zum  Stempelschneider  für  das  Wiener  Mllnzhaus  ernannt. 
Nach  der  Wahl  des  Königs  Mathias  zum  römischen  Kaiser  verfer- 
tigte er  auch  ein  grosses  den  Doppeladler  zeigendes  Siegel,  wofür 
ihm  über  Auftrag  ddo.  Wien,  26.  März  1614  der  Betrag  von 
95  Gulden  ausgezahlt  wurde,  s) 

Im  Anfange  des  Jahres  1610  hatte  der  Kölner  MUnzmeister 
Johann  Vogt  einen  Antrag  zur  „Reformirung"  der  Wiener  Münze 
eingebracht.  Mit  dem  Erlasse  ddo.  Wien,  2.  April  1610,  ordnete  die 
Hofkamnier  für  den  16.  April  eine  commissionelle  Verhandlung  an^ 
welcher  der  niederösterreichische  Kammerrath  Mathias  von 
Blom stein  zugewiesen  wurde.  Die  weitwendigen,  die  Wiener 
Verhältnisse  wenig  richtig  beurtheilenden  Vorschläge  des  Vogt 
können  hier  um  so  leichter  übergangen  werden,  da  dieselben  schon 
mit  dem  Hofkaiiinit'.t'rlass  ddo.  WicMi,  4.  Mai  1610.  iiänzlich  absre- 
lehnt  wurden.  * 

Der  Münzmeister  Audrä  Händl  scheint  eine  wenig  verträgliche 
Persönlichkeit  gewesen  zu  sein.  Ueber  eine  von  ihm  eingebrachte 
Beschwerde  gegen  den  Wardein  Mathias  Huebmer  und  den  Schmied- 
meister, erhielten  dieselben  eine  Rüge  und  wurde  ihnen  das  Ablegen 
„der  seithero  fü  lugen  Veränderung  der  Länder  nothwendigen 

neuen  AydtK|»f'  ,,.<.!,•..,,•..,>   -.^ 


•  i  und  ',  K.  k.  11.  K.  A.  i  ujjc.  ITolU.  I>a8  von  Haidler  anjiretVitij^te  Siegel, 
•  sscn  AlKlriU'k  ^•icli  auf  zahlrrirlini  nrlüssm  dts  K<'.iii:rs  M;it!ii;is  verfiiKiet. 
>f  von  herv<»rragender  Schöuli« 

'     Daselh.st  Faso.  17320.  Aiku  wn-^r^  .^n-^n   i^  mmhhi  .-»riMMiiiru. 

'    Da»elh>t  Fa-^c.  17319. 
ÜÄBülbal  Fa»c.  175uH. 


'tf  .??j5snr.r>*  '^^ps^'^-i 


350 


Johaun  Xewald  :  Das  österreichische  Münzwesen 


Im  Jahre  1611  fand  im  Wiener  Mtinzbause  eine  ziemlich  starke 
Thalerprägung  statte  wobei  der  Verstoss  unterlief,  dass  700  Thaler 
mit  einem  neuen  Prägestock,  auf  dem  sich  ein  unrichtiger  Buchstabe 
befand,  geprägt  wurden.  Mit  Erlass  ddo.  Wien,  3.  Novemlu^r  li^ll. 
wurde  die  Rücklösung  derselben  angeordnet,  i) 

Obwohl  König  Mathias  schon  am  24.  Juni  1612  als  römischer 
Kaiser  gekrönt  wurde,  ordnete  die  Hofkammer  erst  mit  dem  Erlasse 
ddo.  Wien,  26.  October  1612,  an,  dass  der  Kaisertitel  in  die  Münz- 
umschriften  aufzunehmen  ist,  womit  auch  an  der  Rückseite  der  Mün- 
zen das  Anbringen  des  Doppeladlers  an  Stelle  des  grossen,  ge- 
krönten, mit  der  Vliesskette  umgebenen  Wappens  verbunden  war.  a) 

Unterm  5.  October  1611  erfolgte  an  die  hinterlassene  Hof- 
kammer ein  Erlass,  in  welchem  hervorgehoben  wird,  dass  der 
Münzmeister  Andrä  Händl  die  Oold-  und  Silbereinlösung  nachlässig 
betreibe,  die  Parteien  unregelmässig  bezahle,  mit  denselben  barsch 
umgehe,  auch  mit  dem  Wardein  und  Münzschraied  in  stetem  Zank 
liege.  Nachdem  sich  daraus  viele  Nachtheile  und  Uebelstände  er- 
geben, wird  die  Suspendirung  des  Münzmeisters  und  die  Ueber- 
tragung  des  Dienstes  an  Mathias  Fei  hier  in  Erwägung  zu  ziehen 
sein.  Diese  Anregung  führte  mit  dem  Erlasse  ddo.  Wien,  13.  März 
1612,  zur  Bestellung  des  Mathias  Fellner  von  Feldegg  als 
Münzmeister  in  Wien  mit  der  Jahresbesoldung  von  400  Gulden.  Dem 
enthobenen  Münzmeister  Händl  wurde  erst  über  Hofkammervortrag 
vom  12.  December  1617,  nachdem  er  ,,die  25  Jahrlang  würklich 
gedient,"  eine  Provision  von  jährlich  300  Gulden  unter  der  Bedin- 
gung gew^ährt,  dass  er  sich,  „falls  es  von  ihme  verlangt  wurd,  bei 
dem  jetzt  bestellten  Münzwesen  vleissig  gebrauchen  lasse."  s) 

Aus  einem  Bericht  vom  19.  März  1613,  welchen  der  Münz- 
meister Fellner  über  eine  Eingabe  des  Stempelschneiders  Caspar 
Haid  1er  wegen  Lohnerhöhung  einbrachte,  lernen  wir  die  damals 
bezüglich  dieser  Arbeitsleistung  bestandenen  Preise,  zugleich  auch 
jene  Münzen  kennen,  welche  im  Wiener  Münzhause  geprägt  wurden. 


1)  K.  k.  H.  K.  A.  Fase.  17508.  Münzensammler  werden  auf  den  beanstän- 
deten Thaler  aufmerksam  gemacht.  Leider  wird  in  dem  Actenstück  nicht  ge- 
sagt, welcher  Buchstabe  fehlerhaft  war. 

2j  Daselbst  Fase.  17320. 

3)  Daselbst  Fase.  17320.  . 


I^lf^r?::  •^*^«^/' 


unter  d«*n  K*i»ern  Maximill»n  II.,  Rudolph  II,  und  Mathias. 


351 


Mit  dem  Beisatze  ..mm'  >s^iiig«.i  könne  er  »u  ■  iemrn  ZLuvii  we^eu 
nicht  arbeiten"  stellte  Haidler  folgende  Anträge:  FUr  einen  ganzen 
und  halben  Thalerstock,  Ducaten  und  Goldguldenstoek  je  9  Gulden. 
FUr  die  dazu  gehörigen  Obereisen  4  Gulden. 

Für  einen  Ortsthalerstock  6  Gulden,  Obereisen  3  Gulden. 

Für  einen  Groschenstock  25  Kreuzer,  Obereisen  15  Kreuzer. 
Für  einen  Zweierstock  12  Kreuzer  und  l\ir  einen  Pfennigstock 
8  Kreuzer.  *) 

Es  dürfte  nunmehr  am  Orte  sein,  jene  Münzen  einer  Erörterung 
zu  unterziehen,  welche  im  Wiener  Münzhause   seit  der  Uebernahme 
der  Regierung  durch   den  Erzherzog  Mathias  bis  zum  Eintritt  des 
Münzmeisters  Fellner  geprägt  worden  sind.   Wir  wissen,   dass   der 
Mttnzmeister  Andrä  Händl  die  unter  seiner  Amtsverwaltung  aus- 
gegangenen Thaler  etc.  mit  dem  Hahn  unter  dem  Brustbilde  be- 
zeichnete. Sie  kommen  von  den  Jahren  1609  bis  inclusive  1612  vor. 
Der  Umstand,  dass  das  Brustbild   die  ungarische  Krone  trägt,   das 
Wappen  an  der  Rückseite  mit  der  ungarischen  Krone  bedeckt  ist, 
scheint  Anlass  gegeben  zu  haben,   diese  Münzen  als  nach   Ungarn 
gehörig   zu  bezeichnen,    wie    sie   auch  Sehultess-Rechberg  in   den 
Nummern  2435  und  2437   unter  die  ungarischen  Thaler  einreihete. 
Während  der  Regierung  des  Königs  Mathias  II.  standen   in  Ungarn 
keine   andern  königlichen  Münzstätten,    als  jene   zu  Kremnitz  und 
Nagy-Banya  im  Betriebe.    Die  aus  denselben   ausgegangeneu  Mün- 
zen   sind  in  altherkömmlicher   Weise  mit    den  Buchstaben  K — B 
und  N — B  bezeichnet.  Die  während  der  ersten  Jahre  der  Regierung 
des  Kaisers  Mathias  ;:eprägten  K  r e  m  n  i  t  z  e  r  Thaler  (Nagy-Banyaer 
Thal  er  von  Mathias  sind  bisher  nicht  bekannt)   haben  das  zweite 
con staute  Zeichen  der  ungarischen  Münzen,  das  Muttergottes- 
bild,  über  dem  Brustbilde.    Beide  diese  Kriterien  fehlen  auf  den 
mit    dem    Hahn    bezeichneten  Thalern,    auch   lässt  sich  die  von 
Sehultess-Rechberg  in  der  Anmerkung  zu  Nr.  2435  ausgesprochene 
Ansicht,  dasg  der  Hahn  nur  ein  Zeichen  des  Stempelschneiders 
ist,  nicht  als  zutretVend  anerkennen,  da   der  Hahn   das  Zeirlieii  i\o^ 
Wiener  Mün/unisters  Andrä  Händl  war. 


0  K.  k.  IL  K.  A.,  Fjwc.  17508. 


?^*7i>i^.'*^-T'=-i(*w' 


352 


Johann  Newald  :  Das  österreichische  Münzwesen 


Von  besonderem  Interesse  ist  ein  hieher  gehöriger  Thaler  vom 
Jahr  1609,  welcher  unter  dem  Brnstbilde  mit  den  sehr  kleinen  Buch- 
staben C — M  markirt  ist,  woraus  wir  den  Stempelschneider  kennen 
lernen.  Es  war  dies  Christoph  Maler,  der  sich,  wie  weiter  unten 
nachgewiesen  werden  wird,  damals  in  Wien  befand  und  im  Münz- 
hause beschäftigt  war.  Auf  diesem  Thaler  fehlt  allerdings  der  Hahn, 
allein  auf  einem  mit  demselben  vollständig  übereinstimmenden 
Thaler  vom  Jahre  1610,  dessen  Stempel  unverkennbar  von  derselben 
Hand  angefertigt  wurde,  findet  sich  dieses  Zeichen  wieder  vor.  Auf 
einem  hieher  gehörigen  in  der  Sammlung  Spöttl  befindlichen  Thaler 
von  1609  fehlen  sowohl  die  beiden  Buchstaben  C — M  als  auch  der 
Hahn,  allein  man  kann  genau  erkennen,  dass  auf  dem  Stempeleisen 
das  letztere  Zeichen  ursprünglich  vorhanden  war,  und  dasselbe  nur 
durch  das  tiefere  Einschneiden  der  Mantelfalten  entfernt  wurde. 

Ausser  den  bisher  erwähnten  Thalern  haben  wir  ferners  zwei 
andere  Denkmünzen,  welche  Schultess-Rechberg  unter  die  ungari- 
schen Thal  er  eingereihet  hat,  für  die  Wiener  Münzstätte  zu  re- 
clamiren.  Es  sind  dies  die  Nummern  2432  und  2438.  beide  Hessen 
die  18  niederösterreichischen  landesfUrstlichen  Städte  und  Märkte 
prägen,  und  zwar  die  erstere  zur  Krönung  des  Erzherzogs  Mathias 
als  König  von  Ungarn,  beziehungsweise  auf  seinen  Regierungs- 
antritt, die  zweite  auf  seine  Vermählung  mit  der  Erzherzogin 
Anna,  Tochter  Erzherzog  Ferdinands  von  Tirol,  im  Jahre  1611.  ij 
Wie  aus  den  auf  beiden  Denkmünzen  vorkommenden  Buch- 
staben C — H  zu  entnehmen  ist,  wurden  die  Stempel  von  dem  Eisen- 
schneider der  Wiener  Münze  Caspar  Haidler  angefertiget,  die  Prä- 
gung fand  auf  Kosten  der  mehr  genannten  landesfürstlichen  Städte 
und  Märkte  im  Wiener  Münzhause  statt.  Von  der  Vermählungs- 
münze befinden  sich  die  Originalstempel  heute  noch  im  Archive 
der  Stadt  Krems. 


1)  Die  18  niederösterreichischen  Städte  und  Märkte  hielten  während  der 
Bewegungen,  welche  der  Ueberaahme  von  Oesterreich  unter  der  Enns  durch 
den  Erzherzog  Mathias  vorausgingen,  zu  demselben,  der  ihnen  auch  im  Jahre 
1613  die  Hälfte  des  auf  sie  entfallenden  Steuerbeitrages  nachliess;  eine  Be- 
günstigung, welche  periodenweise  erneuert,  erst  im  Jahre  1682  erlosch.  Vergl. 
Newald,  Beiträge  ziu*  Geschichte  der  Belagerung  von  Wien  durch  die  Tür- 
ken im  Jahre  1683,  I.  Abtheilung,  S.  4. 


W^S  Wv  '*^^;»'  ■ 


anter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  IL  und  Mathias. 


353 


Es  kommen  nun  noch  die  Kaiserkrönungs-Denkmllnzen  und 
ihre  Varianten,  welche  SchuUess-Reehberg  in  den  beiden  Nummern 
216  und  217  besehreibt,  zu  erwähnen.  Im  Jahre  1630  kam  in  der 
Wiener  Münze  durch  den  Austritt  des  Andrä  Petter  der  Stempel- 
schneiderdienst  in  Erledigung.  Mit  der  Eingabe  ddo.  Wien,  13.  No- 
vember 1630,  bewarb  sich  der  Eisenschueider  Christian  Maler 
um  diesen  Platz.  Er  sagt,  dass  er  schon  seit  20  Jahren  bei  der  hie- 
sigen Münze  thätig  war.  die  anno  1612  bei  Krönung  des  Kaisers 
Mathias  zu  Frankfurt  verwendeten  Gnaden-,  Schau-  und  Auswurf- 
Pfennige  geschnitten,  wie  auch  bei  der  Reichsvei-sammlung  im  Jahre 
1613,  den  Kaiser,  die  Kaiserin,  auch  vieler  anderer  Fürsten  und 
Herrn  Contrafect  undBiltnuss  in  Stahl  geschnitten,  „undt  von  künst- 
lichen Trnckhwerkh  zugerichtet  vndt  gepregt,  dardurch  ich  dann 
aine  hoche  kays.Freyheit  erhalten  vndt  bekommen."  Es  dürfte  wohl 
kaum  einem  Zweifel  zu  unterziehen  sein,  dass  die  bei  Schultess- 
Rechberg  beschriebenen  Krönungsmünzen  unter  jene  zuzählen  sind, 
welche  Christian  Maler  angefertigt  hatte,  i) 

Im  Verlaufe  meiner  Ausführungen  musste  ich  wiederholt  auf 
die  Nachtheile  aufmerksam  machen,  welche  sich  für  den  Wohlstand, 
ftir  Handel  und  Verkehr  der  österreichischen  Länder  aus  den  ein- 
gedrungenen geringhaltigen  Münzen  ergaben,  und  wurden  jene  An- 
strengungen geschildert,  welche  die  Regierung  machte,  um  die 
Länder  gegen  drohende  Calamitäten  zu  sichern.  Es  muss  daher  um 
somehr  befremden,  von  derRegierung,  ohne  dass  hiezu  im  mindesten 
eine  zwingende  Ursache  vorlag,  Massregeln  durchführen  zu  sehen, 
welche  voraussichtlich  die  bestellenden  Sch^vierigkeiten  in  den 
Münzzuständen  der  Länder  nur  noch  steigern  werden.  Es  war  dies 
die  Verleihung  von  Münzbefugnissen  an  einzelne  durch  Reich- 
thum  und  Stellung  hervorragende  Insassen  der  Erbländer.  Auch  in 
dieser  Beziehung  ging  man  von  den  weisen  Grundsätzen  Ferdinands  I. 
ab,  welcher,  getragen  von  dem  Gedanken,  dass  in  den  Erbländern 
nur  ein  einziges   Münzrecht,    und  zwar  jenes    des   Landesfürsten 


1)  ChristiHO  Malter  war  eiu  8ohu  des  bürUhmten  NUruber^t^r  Modaüleura 
Valentin  Maler,  der  ueuereu  Forschungen  nach  ans  IgUm  iu  Mähren  stammte. 


354 


Johann  Newald  :  Das  österreichische  Münzw  esen 


bestehen  könne,  jeder  Zersplitterung  des  Münzwesens  durch  den 
Bestand  von  Münzbefugnissen  einzelner  Landesangehörigen,  beharr- 
lich entgegentrat.  Wir  wissen,  in  welch  energischer  Weise  er  das^ 
von  den  Grafen  Schlick  zu  Joachimsthal  ausgeübte  Münzrecht  ab- 
stellte i)  und  gegen  die  Uebergriife  des  Johann  von  Pemstein  in  der 
Münze  zu  Glatz,  einschritt.  2) 

Es  konnte  der  Regierung  nicht  entgehen,  dass  alle  jene  Besitzer 
von  Privat-Mtinzbefugnissen,  welche  nicht  selbst  Bergbau  auf  Edel- 
metalle betrieben,  für  die  landesfürstlichen  Münzhäuser  in  höchst 
nachtheiliger  Weise  als  Concurrenten  bei  der  Beschaffung  des  Münz- 
metalles  eintreten  werden.  Da  von  den  Privatmünzherren  das  Münz- 
befugniss  voraussichtlich  nur  als  eine  Einnahmsquelle  benutzt  und 
demgemäss  eingerichtet  werden  wird,  war  auch  vorauszusehen, 
dass  das  Einschmelzen  der  guten  groben  Müuzsorten,  woraus  sich 
tiefgreifende  Ursachen  für  die  beim  Münz  wesen  obwaltenden  Schwie- 
rigkeiten ergaben,  wesentlich  gesteigert  werden  wird;  auch  war  es 
beim  Eintreten  von  Unzukömmlichkeiten  in  den  Privat-Münzhäusern 
für  die  das  Münzwesen  überwachenden  landesfürstlichen  Beamten 
überaus  schwer,  mit  ihren  Beschwerden  und  Abstellungsanträgen 
gegenüber  den  mächtigen  und  einflussreichen  Münzherren  durch- 
zudringen. 

Die  Reihe  der  bedauerlichen  Verleihungen  von  Privat-Münz- 
befugnissen  wurde  eröffnet  durch  das  an  Karl  Herrn  und  Regierer 
des  Hauses  Liechtenstein  mit  deniRudolphinischenPfalzgrafcn- 
diplom  ddo.  Prag,  7.  Juli  1607  zugestandene  Recht:  ,,allerley  Gul- 
den vnd  Silberne  Münzsortten,  klain  vnnd  gross,  in  allermassen 
solches  vnnser  vnnd  des  Heyligen  Reichs MünzEdict  vnnd  Ordnung 
zuelasset,  mit  Umbschrifften,  Bildnussen,  Wappen  vnnd  Gepreg  auf 
bayden  seitten,  Münzen  vnnd  schlagen  lassen."  3) 

Durch  die  ganze  Dauer  des  Türkenkrieges  stand  Karl  Herr  zu 
Liechtenstein  mit  der  Regierung  bezüglich  Beischaffung  von  Geld- 
mitteln in  einem  sehr  lebhaften  Verkehr,  er  verstand  es,  die  bestan- 
denen Finanzcalamitäten  durch,  zuerst  pfandweise,  später  käufliche 


<)  Münzwesen  unter  Ferdinand  I.  Ö.  24  u.  f. 

2)  Daselbst  S.  43.  Die  Pernstein'sche  Münzstätte  zu  Glatz  wurde  schon 
nach  wenigen  Jahren  aufgehoben, 

3)  Numismatische  Zeitschrift  14.  Bd.  1882.  S.  113. 


unter  den  Kaisern  Maximilian  Tl.,  Rudolph  II.  und  Mathias. 


355 


Uebernahme  landesfürstlicher  Herrschaften  u.s.w.  für  sein  Interesse 
nutzbringend  zu  machen.  Der  Verleihung  des  Pfalzgrafendiplomes 
schloss  sich  schon  durch  König  Mathias  ddo.  20.  September  1608 
der  Fürstenbrief  an. 

Nach  der  Erwerbung  des  Fürstenthumes  Troppau  als  ein 
landesfürstliches  Lehen,  im  Anfange  des  Jahres  1614,  richtete  Fürst 
Karl  zu  Liechtenstein  noch  in  demselben  Jahre  zu  Troppau  eine  Münz- 
stätte ein,  deren  Betrieb  er  bestandweise  an  dieUnternehmerlsaias 
Jessensky  und  Stenzel  Aichhäuser  überliess,  und  denselben 
als  Münzmeister  den  BurkhartHase  beiordnete,  i)  Das  Consor- 
tium  eröffnete  den  Mttnzbetrieb  noch  im  Jahre  1614  und  kamen 
namentlich  zahlreiche  Groschen  in  Umlauf,  welche  alsbald  als  gering- 
hältig  beurtheilt  wurden. 

In  einer  undatirten  an  den  Fürsten  Karl  zu  Liechtenstein  ge- 
richteten Eingabe  zeigen  Isaias  Jessensky  und  Consorten,  denen 
der  Fürst  sein  „habendes  Regal  des  Münzschiagens  für  ein  Jahr 
gnädig  anvertraut,''  an,  dass  ihre  „Münz  hin  vndt  wieder  diser  Ortten 
verworffen  undt  getadelt  werden,"  sie  jedoch  beweisen  wollen,  dass 
diese  Mtinzen  „nit  denen  geringem,  sondern  denen  bessern  Münzen, 
so  dieser  Zeitt  im  heiligen  Römischen  Reich  geschlagen  werden,  an 
Schrott  undt  Korn  gleich,  ia  etliche  nicht  wenige  übertreffen,"  und 
bitten  den  Fürsten,  er  möge  durch  Sachverständige  diese  Münzen 
probiren  lassen.  Eine  auf  dieselbe  Angelegenheit  bezügliche,  eben- 
falls undatirte  Eingabe  legte  auch  der  Münzmeister  Hase  vor. 

Unter  Anschluss  dieser  beiden  Berichte  brachte  Fürst  Liechten- 
stein an  die  Hofkammer  ddo.  6.  Februar  1615  eine  Eingabe  ein,  in 
welcher  er  betont,  dass  er  schon  von  Kaiser  Rudolph  mit  dem 
„Münz-Regal  privilegirt",  er  dasselbe  nunmehr  insWerk  gesetzt  und 
sein  Mtinzwerk  solchen  Leuten  anvertraut,  „welche  ansehentlich 
gesessen  und  beguettet,  auch  anderwerts  in  Er.  Mt.  Königreich  und 
Landen,  dergleichen  Münzwesen  mit  Ruhm  und  ohne  Tadel  geführt 
und  noch  ftihren".  Da  aber  seiner  Münzen  wegen   „allerlei  Reden 


1)  Isaias  Jessensky  von  Jessen,  zu  Breslau  geboren,  war  ein  Bruder  des 
Johann  Jessensky,  Leibarztes  desKaisers  Rudolph  II.  und  Professors  an  der  Pra- 
ger Universität,  welcher  sich  in  hervorragender  Weise  an  dem  böhmischen 
Aulstande  betheiligte  und  als  Hochverräther  am  21.  Juni  1621  hingerichtet 
wurde. 

23* 


''i'S^ 


354 


Jobann  Newald  :  Das  österreichische  Münzwesen 


bestehen  könne,  jeder  Zersplitterung  des  Münzwesens  durch  den 
Bestand  von  Münzbefugnissen  einzelner  Laudesangehörigen,  beharr- 
lich entgegentrat.  Wir  wissen,  in  welch  energischer  Weise  er  das^ 
von  den  Grafen  Schlick  zu  Joachimsthal  ausgeübte  Münzrecht  ab- 
stellte i)  und  gegen  die  Uebergriffe  des  Johann  von  Pemstein  in  der 
Münze  zu  Glatz,  einschritt.  2) 

Es  konnte  derRegierung  nicht  entgehen,  dass  alle  jene  Besitzer 
von  Privat-Mtinzbefugnissen,  welche  nicht  selbst  Bergbau  auf  Edel- 
metalle betrieben,  für  die  landesfürstlichen  Münzhäuser  in  höchst 
nachtheiliger  Weise  als  Concurrenten  bei  der  Beschaffung  des  Münz- 
metalles  eintreten  werden.  Da  von  den  Privatmünzherren  das  Münz- 
befugniss  voraussichtlich  nur  als  eine  Einnahmsquelle  benützt  und 
demgemäss  eingerichtet  werden  wird,  war  auch  vorauszusehen, 
dass  das  Einschmelzen  der  guten  groben  Münzsorten,  woraus  sich 
tiefgreifende  Ursachen  für  die  beim  Münzwesen  obwaltenden  Schwie- 
rigkeiten ergaben,  wesentlich  gesteigert  werden  wird;  auch  war  es 
beim  Eintreten  von  Unzukömmlichkeiten  in  den  Priv«nt-Münzhäusern 
für  die  das  Münzwesen  überwachenden  landesfürstlichen  Beamten 
überaus  schwer,  mit  ihren  Beschwerden  und  Abstellungsanträgen 
gegenüber  den  mächtigen  und  einflussreichen  Münzherren  durch- 
zudringen. 

Die  Reihe  der  bedauerlichen  Verleihungen  von  Privat-Münz- 
befugnissen  wurde  eröffnet  durch  das  an  Karl  Herrn  und  Regierer 
des  Hauses  Liechtenstein  mit  dem Rudolphinisohen Pfalzgrafen- 
diplom ddo.  Prag,  7.  Juli  1607  zugestandene  Recht:  ,,allerley  Gul- 
den vnd  Silberne  Münzsortten,  klain  vnnd  gross,  in  allermassen 
solches  vnnser  vnnd  des  Heyligen  Reichs MünzEdict  vnnd  Ordnung 
zuelasset,  mit  Umbschrifften,  Bildnussen,  Wappen  vnnd  Gepreg  auf 
bayden  seitten,  Münzen  vnnd  schlagen  lassen."  3) 

Durch  die  ganze  Dauer  des  Türkenkrieges  stand  Karl  Herr  zu 
Liechtenstein  mit  der  Regierung  bezüglich  Beischaffung  von  Geld- 
mitteln in  einem  sehr  lebhaften  Verkehr,  er  verstand  es,  die  bestan- 
denen Finanzcalamitäten  durch,  zuerst  pfandweise,  später  käufliche 


^)  Münzwesen  unter  Ferdinand  I.  S.  24  u,  f. 

2)  Daselbst  S.  43.  Die  Pernstein'sche  Münzstätte  zu  Glatz   wurde  schon 
nach  wenigen  Jahren  aufgehoben, 

3)  Numismatische  Zeitschrift  14.  Bd.  1882.  S.  113. 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  umi  Mathias.  öOO 

Uebernahme  landesfürstlicher  Herrschaften  u.s.w.  für  sein  Interesse 
nutzbringend  zu  machen.  Der  Verleihung  des  Pfalzgrafendiplomes 
schloss  sich  schon  durch  König  Mathias  ddo.  20.  September  1608 
der  Fürstenbrief  an. 

Nach  der  Erwerbung  des  Fürstenthumes  Troppau  als  ein 
landesfürstliches  Lehen,  im  Anfange  des  Jahres  1614,  richtete  Fürst 
Karl  zu  Liechtenstein  noch  in  demselben  Jahre  zu  Troppau  eine  Münz- 
stätte ein,  deren  Betrieb  er  bestandweise  an  dieUnternehmerlsaias 
Jessensky  und  Stenzel  Aichhäuser  überliess,  und  denselben 
als  Münzmeister  den  BurkhartHase  beiordnete.  ^)  Das  Consor- 
tium  eröffnete  den  Münzbetrieb  noch  im  Jahre  1614  und  kamen 
namentlich  zahlreiche  Groschen  in  Umlauf,  welche  alsbald  als  gering- 
hältig  beurtheilt  wurden. 

In  einer  undatirten  an  den  Fürsten  Karl  zu  Liechtenstein  ge- 
richteten Eingabe  zeigen  Isaias  Jessensky  und  Consorten,  denen 
der  Fürst  sein  „habendes  Regal  des  Münzschiagens  für  ein  Jahr 
gnädig  anvertraut,^  an,  dass  ihre^Münz  hin  vndt  wieder  diser  Ortten 
verworffen  undt  getadelt  werden,"  sie  jedoch  beweisen  wollen,  dass 
diese  Münzen  „nit  denen  geringern,  sondern  denen  bessern  Münzen, 
so  dieser  Zeitt  im  heiligen  Römischen  Reich  geschlagen  werden,  an 
Schrott  undt  Korn  gleich,  ia  etliche  nicht  wenige  übertreffen,"  und 
bitten  den  Fürsten,  er  möge  durch  Sachverständige  diese  Münzen 
probiren  lassen.  Eine  auf  dieselbe  Angelegenheit  bezügliche,  eben- 
falls undatirte  Eingabe  legte  auch  der  Münzmeister  Hase  vor. 

Unter  Anschluss  dieser  beiden  Berichte  brachte  Fürst  Liechten- 
stein an  die  Hofkammer  ddo.  6.  Februar  1615  eine  Eingabe  ein,  in 
welcher  er  betont,  dass  er  schon  von  Kaiser  Rudolph  mit  dem 
„Mttnz-Regal  privilegirt",  er  dasselbe  nunmehr  insWerk  gesetzt  und 
sein  MUnzwerk  solchen  Leuten  anvertraut,  „welche  ansehentlich 
gesessen  und  beguettet,  auch  anderwerts  in  Er.  Mt.  Königreich  und 
Landen,  dergleichen  Münzwesen  mit  Ruhm  und  ohne  Tadel  geführt 
und  noch  führen".  Da  aber  seiner  Münzen  wegen   „allerlei  Reden 


1)  Isaias  Jessensky  von  Jessen,  zu  Breslau  geboren,  war  ein  Bruder  des 
Johann  Jessensky,  Leibarztes  des  Kaisers  Rudolph  II,  und  Professors  an  der  Pra- 
ger Universität,  welcher  sich  in  hervorragender  Weise  an  dem  böhmischen 
Aufstande  betheiligte  und  als  Hochverräther  am  21.  Juni  1621  hingerichtet 
wurde. 

23* 


358 


Johann  Xewald:  Das  österreichische  Münzwesen 


—  ein  wahrer  Grandsenieur  —  einer  der  mächtigsten  Günstlinge 
Rudolphs  IL,  bis  er  im  Jahre  1600  in  Ungnade  fiel.  Schon  am 
1.  Februar  1598  wurde  Trautson  in  den  Grafenstand  erhoben;  Kaiser 
Mathias  verlieh  ihm  im  Jahre  1615  ein  Münzbefugniss.  Ueber  das 
Ansuchen,  es  möge  gestattet  werden,  im  Wiener  MUnzhause  ganze, 
halbe  und  y^  Thaler,  auch  Groschen  und  Halbbatzen  mit  des  Grafen 
„Prägeisen"  zu  schlagen,  sprach  sich  die  Hofkammer  in  ihrer  Ein- 
gabe an  den  Kaiser  ddo.  Wien,  14.  März  1615  auf  das  eindring- 
lichste gegen  diese  Neuerung  aus.  *)  Trautson  richtete  nunmehr  auf 
seinem  südlich  von  Nikolsburg  gelegenen  Schlosse  Falkenstein 
eine  neue  Münzstätte  ein,  welche  er  gegen  ein  Bestandgeld  von 
jährlich  300  Gulden  an  die  beiden  befreiten  Hoijuden  Veit  Prod  und 
Abraham  Riss  verpachtete  und  schliesslich  keinen  Austand  nahm, 
die  für  die  Zulieferung  von  Pagament  erforderlichen  Passbriefe 
selbst  auszustellen. 

Mit  der  Weisung  vom  23.  November  1618  beauftragte  die  Hof- 
kammer das  Wiener  Münzamt  zur  Berichterstattung  über  die  aus 
dem  Falkensteiner  Münzbetrieb  hervoriichenden  Nachtheile.  Der 
Bericht  der  Münzbeamten  ddo.  Wien,  1.  December  1618  schilderte 
in  eingehender  Weise  die  eingerissenen  Uebelstände.  Als  im  Jahre 
1619  die  über  das  Viertel  ünternianhartsberg  verbreiteten  aufstän- 
dischen Bewegungen  für  die  Falkensteiner  Münze  Gefahren  ])rach- 
ten,  wendete  sich  Trautson  um  die  Genehmigung  zur  Ausmünzung 
einer  Parthie  Pagament  in  Wien  an  den  Kaiser.  Offenbar,  ohne  die 
Hofkammer  einvernommen  zu  haben,  ertheilte  Ferdinand  IL  die 
Zustimmung.  In  einem  undatirten  Schreiben  des  Hofkammer-Rathes 
Muschinger  an  den  Hofk.Jmmer-Präsidenten,  aus  dem  hervor- 
geht, dass  mit  Trautson  wegen  gänzlicher  Einstellung  seiner  Münze 
verhandelt  wurde,  findet  sich  ein  Zettel  eingeheftet  mit  der  Bemer- 
kung: „Die  Rom.  Kais.  Mt.  Vnser  allergnäd.  Herr  bewilligen  dem 
Herrn  Graff  Trautsohn  allergnäd.  dass  Er  Herr  Graff  diesmal  inver- 
melt  Goltt  vnd  Silber  zu  Ducatten  vnd  Thalern  seinem  gehört  aner- 
piten  nach  alhie  vcrmünzen  lassen  mege.  24.  October  1619.  12  oder 
1400  Ducaten  vnd  bey  6000  Thaler  in  gantzer  Münz  zu  vermünzen." 
Unterm  7.  Jänner  1620   wurde  dem  Münzamt  bekannt  gegeben,   es 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  17320. 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  and  Mathias. 


359 


sei  dem  Grafen  Trauison  gestattet,  das  von  Falkenstein  nach  Wien 
gefluchtete  Pagament  hier  zu  vermünzen  mit  der  Weisung,  es  sei 
auf  die  Juden,  welche  die  Trautson'sche  MUnzfreiheit  gepachtet 
haben  und  im  Wirthshaus  zum  „Rotheu  Rosen-Cranz"  betreiben, 
,,guete  Obacht  zu  haben".  ^)  Diese  Weisung  wurde  unterm  15.  Fe- 
bruar 1620  wiederholt  mit  dem  Beisatze,  es  sei  nothwendig  zu 
erforschen,  ob  die  nach  Wien  geflüchteten  Platten  und  Zaine  schon 
vermünzt  sind,  auch  sei  auf  das  Treiben  der  Juden  die  grösste 
Obsorge  zu  halten. 

In  dem  Berichte  des  Münzmeisters  Fellner  wird  hervorgehoben, 
dass  die  Juden  nicht  nur  den  ersten  Termin  vollendet,  auch  noch 
einen  weiteren  erhalten  und  dass  sie  um  viele  Tausend  Gulden,  zum 
grossen  Naehtheile  des  kaiserlichen  Münzamtes,  Silber  und  Paga- 
ment  angekauft  haben,  ,,dass  die  ganze  Jüdische  Gemain  auf  ihrer 
seitten  stehe,  vvelche  ihnen  alle  Silber  vnd  Goldkhauff",  Wexel  vnndt 
Handel  zu  ihrem  überauss  grossen  Nuzen  zuetragen  vnd  zu  wege 
bringen  vnd  vberall  ausforschen".  Fellner  betont  ferner,  dass  der- 
malen gar  kein  Silber  mehr  in  das  kaiserliche  Münzhaus  gebracht 
wird,  da  die  Juden,  welche  für  die  Münze  an  den  Grafen  Trautson 
,.ain  khlaines  Bestandt-Geldt  geben",  viel  höhere  Preise  zahlen 
können.  Der  Schade  werde  von  Tag  zu  Tag  grösser.  Die  nieder- 
österreichische Kammer  leitete  diese  Eingabe  an  die  Hofkammer 
mit  der  eindringlichsten  Mahnung  um  Abhilfe. 

Die  Beschwerden,  welche  gegen  den  Münzbetrieb  seiner 
Pächter  erhoben  wurden,  konnten  dem  Grafen  Trautson  nicht  unbe- 
kannt geblieben  sein.  Er  legte  dem  Kaiser  Ferdinand  IL  ddo. 
2.  Mai  1620  eine  Eingabe  vor,  in  welcher  er  zunächst  bemerkte, 
dass  er  der  Landesunruhen  wegen  sein  Münzweseu,  mit  welchem 
Privilegium  ihn  der  jüngst  verstorbene  Kaiser  begnadet,  zu  Falken- 
stein nicht  mehr  ausüben  konnte,  daher  dasselbe  nach  Wien  über- 
tragen habe,  dasselbe  „aber  Euer  Kais.  Mt.  Münzambt  etwa  ent- 
gegen vnnd  ainen  Eintrag  causirn  möchte".  Er  war  nunmehr  Willens, 
das  Münzwerk  auf  seine  Herrschaft  St.  Polten  zu  übersetzen,  was 


1)  Das  Haus  zuiu  „rothen  Rosenkranz"  gehörte  zu  jener  Häusergriippe, 
au  deren  Stelle  Prinz  Eugen  von  Savoyen  später  seinen  Palast  in  der 
„Trabantenstrasse",  nunmehr  Hinnnelpfortgasse  erl)aute. 


'>v 


360 


Johann  Xewald :  Das  österreichische  Münz  wesen 


aber  der  grossen  Unsicherheit  wegen  nicht  thunlich  sei.  „Hab  Ich 
zur  Closterneuburg  mich  umb  ain  Freyhaiiss  beworben,  akla  Ich 
ohne  meniglichs  Schaden,  Eintrag  und  praeiudicio  mein  von 
Falckhenstain  geflüchtetes  Mtinzwesen  aufrichten  und  privilegirter 
Massen  gebrauchen  khönte".  Der  Kaiser  möge  genehmigen,  dass  er, 
Trautson,  in  seinem  „aigenthumblichen  Edimansitz  daselbst  in 
Closterneuburg-^  sein  Mttnzhaus  einrichten  und  münzen  lassen 
könne. 

Auf  einen  Bericht  der  Kammer-Buchhalterei  ddo.  18.  Mai 
1620  und  auf  das  Gutachten  des  Reichs-Hoffiscals  Bartholomäus 
Immendorfer  gestützt,  sprach  sich  die  Hofkammer  in  ihrem  Vor- 
trage an  den  Kaiser  vom  9.  Juni  1620  in  eindringlicher  Weise  gegen 
die  Gewährung  des  vom  Grafen  Trautson  gestellten  Ansuchens  aus. 
Ferdinand  IL  ordnete  neue  Verhandlungen  an.  Der  zweite  Vortrag 
fand  am  6.  August  1620  statt;  der  Kaiser  ertheilte  die  Weisung, 
dass  der  Reichs-Hoffiscal  nochmals  mündlich  zu  vernehmen  sei.  Erst 
auf  den  dritten  Vortrag  in  der  Audienz  am  17.  August  1620  erfolgte 
von  Seite  Ferdinands  IL  das  „Placet  wie  gerathen".  Dieser  Reso- 
lution ist  die  Bemerkung  beigefügt :  „Herr  Muschinger  wirdt  mitt 
Herrn  Graflfen  Trautson  dessentwegen  reden  und  die  resolution 
demselben  bekanntgeben."  Den  Schluss  machen  die  Worte:  ,,ist 
beschehen".  i) 

Die  leidige  Trautson'sche  MUnzangelegenheit  fand  erst  mit  dem 
am  30.  Juli  1621  erfolgten  Ableben  des  Grafen  ihren  Abschluss. 

Noch  ein  drittes  Privat-Münzbefugniss,  welches  übrigens 
rascher  erledigt  wurde,  kommt  zu  erwähnen.  Graf  Georg  Fried- 
rich Hardegg  war  um  die  Genehmigung  eingeschritten,  im  Wiener 
Münzhause  „auf  den  alten  vnd  jezigen  Hardeggischen  Münz-Präckh, 
100  Gulden  Silbern  und  güldene  Münz  schlagen  zu  lassen".  Mit  dem 
Vortrage  ddo.  Wien,  5.  November  1618,  in  welchem  die  Hofkam- 
mern,  der  zu  besorgenden  Consequenzen  wegen,  auf  die  Abweisung 
dieses  Anliegens  anträgt,  wird  diese  Eingabe  dem  Kaiser  Mathias 


1)  Sämmtliche  Acten  k.  k.  IL  K.  A.,  Fase.  17508.  Auch  Bergmann, 
Medaillen,  IL  Band,  Seite  227  u.  f.  äussert  sich  sehr  abfällig  über  das  Gebahren 
des  Grafen  Paul  Sixt  Trautson  mit  seinem  Münzbefugniss,  er  irrt  jedoch 
wenn  er  annimmt,  dass  der  Graf  sein  Münzrecht  lediglich  auf  ein  mündliches. 
Zugeständniss  des  Kaisers  Mathias  stützen  konnte. 


y?-'r' 


unter  den  Kaitern  Maximilian  li.,  Kudolpn  11.  und  Mathias 


361 


vorgelegt,  dessen  Kesolution   im  Sinne   dieses  Antrages  am  22.  No- 
vember 1618  erfolgte.  1) 

Aus  dem  Dargestellten  ist  zn  entnehmen,  wie  sehr  die  beiden 
Kaiser  Mathias  und  Ferdinand  IL  geneigt  waren,  die  von  ein- 
zelnen einflussreichen  Herren,  zum  Theile  aus  Eigennutz,  zum 
Theile  aus  Eitelkeit  angestrebten  Privat-Münzbefugnisse  zuzugeste- 
hen, obwohl  sieh  daraus  alsbald  Einbussen  für  die  ohnehin  hart 
bedrängten  finanziellen  Verhältnisse  der  Erbländer  und  empfind- 
liche Nachtheile  für  die  landesfürstliche  Kammer  ergaben.  Als  sich 
die  Regierungs-Behörden,  förmlich  aufgeschreckt  durch  die  aus  dem 
Bestände  der  Privat-Münzstätten  hervorgegangenen  Uebelstände,  zu 
Gegenmassregeln  gedrängt  sahen,  machte  es  grosse  Schwierigkeiten, 
wie  wir  dieses  in  Bezug  auf  den  Grafen  Trautson  gesehen  haben, 
mit  ihren  Bedenken  und  Vorstellungen  durchzudringen.  Welche  An- 
sichten über  die  Privat-Münzrechte  bei  den  landesfürstlichen  Aemtern 
herrschten,  tritt  namentlich  aus  einer  Aeusserung  des  Wiener  Hand- 
grafen Sigmund  Ottensheimer  ddo.  28.  März  1615  hervor.  Er 
beantragte,  dass  „denen  Haubtern  in  diesen  Erbländern,  so  nicht 
Perkhwerk  haben,  das  Münzen  eingestellt  und  inhibirt  werde-% 
weil  sie  viele  gute  kaiserliche  Münzen  brechen  und  einschmelzen. 

Das  Ablösen  des  MUnzwesens  der  österreichischen  Länder  von 
jenem  der  ausserösterreichischen  Reichslande  führte  im  Laufe  der 
Jahre  zu  einer  bedenklichen  Verwirrung  aller,  mit  den  Münz  Ver- 
hältnissen in  Verbindung  stehenden,  oder  auf  dieselben  gestützten 
Momente  des  wirthschaftlichen  und  Verkehrslebens.  So  lange  sich 
noch  im  Münzwesen  der  beiden  grossen  Ländergebiete  eine  Art 
Zusammenhang  erhalten  liatte,  war  der  Druck,   welcher  seitens  der 


>j  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  17508.  Trotz  dieser  abweisenden  Erledigung, 
vielleicht  schon  vor  derselben,  hatte  Graf  Hardegg  Ducaten  und  Thaler,  auch 
kleine  Münzen,  allerdings  nur  in  sehr  beschränkter  Anzahl  prägen  lassen.  Ein 
Thaler  befindet  sich  in  der  Sainnilung-  Seiner  kaiserlichen  Hoheit  des  Herrn 
Erzherzogs  Sigismunrl,  einen  lileiabstoss  besitzt  der  k.  k.  Hofwai)j)emnaler 
Herr  Karl  Kräh  1.  Die  Vorderseite  zeigt  das  dreifach  behelmte  Wappen  der 
(irafen  von  Hardegg,  Georg  Frider.  Com  iu-Hardegg  •  Glotz  •  et  •  in  •  Machland. 
Die  Rückseite  hat  den  nach  links  sprengenden  Ritter  8t.  Georg,  mit  der  Lanze 
den  Drachen  durchstossend,  daneben  IG  —  13.  Das  k.  k.  Münzcabinet  in  Wien 
bewahrt  vom  (traten  Ge()rg  Friedrich  Hardegg  mehrere  kleine  Münzen. 


362 


Johann  Newald  :  Das  österreichische  Münzwesen 


Österreichischen  Regierung*  auf  die  Müiizständc  des  Reiches  aus- 
geübt wurde,  doch  insoweit  von  einer  günstigen  Wirkung,  dass  eine 
gänzliche  Verwilderung  der  Münzzustände  hintangehalten  wurde. 
Wir  konnten  wahrnehmen,  wie  seit  dem  Jahre  1573  sowohl  in  den 
Münzhäusern  des  Kaisers,  als  auch  in  jenen  des  Erzherzogs  Fer- 
dinand von  Tirol  ganz  selbständige,  von  dem  Reichsmünzwesen 
abgelöste  Systeme  bezüglich  Korn  und  Schrot  der  auszugebenden 
grossen  und  kleinen  Geldsorten  zur  Durchführung  gelangten;  die 
ausserösterreichischen  Münzstände  des  Reiches  Hess  man  seitdem 
ihre  eigenen  Bahnen  verfolgen. 

Auf  den  Verfall  des  Reichsmünzwesens  musste  auch  der  Um- 
stand Einfluss  nehmen,  dass  während  der  letzten  zehn  Lebensjahre 
des  Kaisers  Rudolph  IL  ein  Reichsoberhaupt  nahezu  gänzlich  fehlte. 

Der  Kern  des  T'ebels  lag  offenbar  in  dem  Uebermasse  der 
geringhaltigen  kleinen  Münzsorten,  mit  denen  die  Länder  über- 
schwemmt wurden.  Wer  nur  irgend  einen  Einfluss  besass  oder  sich 
mächtig  genug  fühlte,  errichtete  eine  Münzstätte,  daneben  entstan- 
den zahlreiche  geheime,  sogenannte  H  e  c  k  e  n  m  ü  n  z  e  n.  Der  ganze 
Münzbetrieb  bestand  in  dem  Einschmelzen  der  guten  alten,  nament- 
lich der  groben  Münzen  und  der  Ausgabe  kleiner  geringhaltiger 
Geldsorten,  auf  denen  das  eigene  Wappen  oder  ganz  beliebige 
Zeichen  angebracht  wurden,  häutig  auch  das  Gepräge  der  gutreno- 
mirten  Münzstätten  nachgemacht  erschien.  Im  Jahre  1613  Hess  der 
Kurfürst  vonBrandenburg,  Johann  Siegmuud,  zuDriessen 
an  der  polnischen  Grenze  eine  Münzstätte  einrichten,  in  welcher 
durch  Münzmeister  Heinrich  Laffort,  welcher  dieselbe  pacht- 
weise übernommen  hätte,  ungarische  Ducaten,  Thaler  und 
Groschen  nachgemacht  wurden,  i)  Um  das  Münzgeschäft  recht  ein- 
träglich zu  macheu,  suchte  man  sich  schliesslich  in  der  Verschlech- 
terung der  Münzen,  namentlich  des  Kornes  derselben  zu  überbieten 
und  langte  auf  der  einmal  betretenen  schiefen  Bahn  alsbald  bei 
jener  Katastrophe  an,  welche  in  der  Münzgeschichte  Deutschlands 
und  Oesterreichs  unter  der  Bezeichnung  der  „Kipperzeit"  eine 
höchst  traurige  Erinnerung  zurückgelassen  hat. 


i 


ij  Hirsch  1.  c.  IV.  Bd.,  Seite  25.  Driesseu,   8tadt  au  dei  Netze,  zunäclist 
der  von  Posen  nach  Stettin  führenden  Eisenbahn  gelegen. 


unter  den  Kaisern  .Maximilian  II.,  Kudolpii  II.  und  Marliiaa. 


363 


Schon  auf  dem  Reichstage  zu  Reg-ensburg  1603  hatten  alle  zehn 
Reichskreise  beschlossen^  jene  Massregeln  zur  Durchführung  zu 
bringen,  welche  die  im  Münzwesen  verloren  gegangene  Ordnung 
wieder  anbahnen  sollten.  Man  betonte  damals  schon,  dass  nicht 
wenige  Münzstände  Anlass  zur  Entziehung  ihrer  Münzfreiheit  gege- 
ben hatten  und  nicht  wenige  Münzmeister,  Münzverleger  und  Münz- 
gesellen als  Verächter  oder  Verbrecher  der  Reichsgesetze  den 
Feuertod  verdient  hätten.  Es  wird  uns  nicht  überraschen,  dass,  wie 
zahlreiche  frühere  auf  die  Verbesserung  des  Müuzwesens  hinzielende 
Beschlüsse,  auch  dieser  neue  Beschluss  unausgeführt  blieb.  In  dem 
Münzprobations- Abschied  ddo.  Regensburg,  14.  Mai  1611  sprechen 
es  die  Abgeordneten  der  drei  correspondirenden  Kreise  Franken, 
Schwaben  und  Bayern  unumwunden  aus,  dass  ,,über  die  20  Jahr 
die  Reichswährung  allerdings  vergessen,  vnd  ein  Jeder  seines 
Willens  und  Gefallens  gemünzt",  woran  sie  die  Bitte  anschliessen, 
es  wolle  der  Kaiser  dem  Reichskanzler  Johann  Schweikhard, 
Kurfürst  von  Mainz  anbefehlen,  er  möge,  nachdem  von  allen  zehn 
Reichskreisen  ihre  dahinzielenden  Anträge  eingelangt  sind,  „erfah- 
rene Münzverständige '*^,  auf  dass  sich  diese  „zur  Verhütung  eines 
grossem  und  ärgern  Uebels,  einer  gewissen  richtigen  Münzordnung 
vergleichen",  einberufen. 

Auf  dem  Reichstage  zu  Regensburg  1613,  welchem  Kaiser 
Mathias  persönlich  anwohnte,  brachten  die  Münzverordneten  folgende 
Hauptfragen  zur  Erwägung: 

1.  Ob  es  durchführbar,  „alles  widerumb  vfF  die  alte  Münz- 
Ordnung  von  anno  1559  zurückzubringen"? 

2.  Im  Falle  dieses  nicht  mehr  möglich,  wie  hoch  die  Mark  Gold 
und  Silber  bei  allen  im  Reiche  gangbaren  groben  und  klcMiicn  Miiii/- 
sorten  zu  bringen  wäre? 

3.  Ob  es  thunlich  vom  vorigen  Korn  und  Schrot  zu  fallen  V  und 

4.  ,,Was  für  schleunige  media  Executionis  fürzunehmen,  damit 
die  küntftige  Ordnung  bey  Crefften  vnd  Würden,  besser  als  die  alte 
erhalten  werde?-  >)  Wie  so  viele  frühere,  blieb  auch  diese  Anregung 
erfolglos. 


«)  Hirsch  1.  c.  IV.  IJd.,  Seite  17. 


■^^T^L^ 


364 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Münzwesen 


Da  man  das  Uebermass  der  umlaufenden  schlechten  Geldsorten 
als  den  „Brunnquell"  aller  Münzübel  erkannte,  lagen  zwei  Wege 
vor,  auf  denen  man  diese  Calamität  bekämpfen  konnte.  Der  eine 
dieser  Wege  bestand  darin,  dass  man  die  Ausprägung  dieser  Sorten 
zu  verhindern  strebe,  der  zweite  lag  in  der  Valvation  und  dem  Ver- 
rüfe der  schlechten  Münzen.  Die  consequente  Durchführung  dieser 
Mittel  hätte  die  drohende  Gefahr  zu  bewältigen  vermocht.  Die  schon 
im  Jahre  1571  beschlossene  Einrichtung  von  Kreismünzhäusern 
(Seite  23)  mit  der  Verpflichtung,  dass  alle  jene  Münzstände,  welche 
nicht  selbst  Bergwerke  besassen,  in  denselben  ihre  Münzprägungen 
vorzunehmen  hatten,  daher  nur  den  bergwerkbesitzenden  Münz- 
ständen das  Recht  einer  eigenen  Münzstätte  zukam,  um  in  derselben 
die  aus  dem  eigenen  Bergbau  gewonnenen  Edelmetalle  vermünzen 
zu  lassen,  wurde  bisher  nicht  realisirt;  wohl  ein  Zeichen,  dass  es 
den  ungezählten  Münzständen  im  römischen  Reiche  weniger  um  die 
Herstellung  der  Ordnung,  als  vielmehr  um  die  Erhaltung  der  ihrem 
Interesse  so  zusagenden  Münzverwirrung  zu  thun  war.  Das  zweite 
Mittel,  die  Valvation  oder  der  Verruf  der  schlechten  Goldsorten  blieb 
für  sich  allein  ohne  Wirkung.  Wie  konnte  damals  der  Landbevöl- 
kerung Kenntniss  von  den  valvirten  oder  verrufenen  Münzen  gege- 
ben werden?  Abgesehen  davon,  dass  es  für  dieselbe  ganz  unmög- 
lich war,  bei  den  in  ausserordentlicher  Zahl  verschiedenen  Gepräges 
umlaufenden  kleinen  Münzsorten  ihren  herabgesetzten  Werth  oder 
ihren  gänzlichen  Verruf  zu  merken.  Die  Landbevölkerung  blieb 
schütz-  und  rettungslos  der  Ausbeutung  durch  Betrüger  über- 
lassen. 

Noch  im  Jahre  1617  urgirte  der  zu  Frankfurt  an  der  Oder  ver- 
sammelte obersächsische  Münz-Probations-Convent  die  Errichtung 
der  Kreismünzstätten  und  fügte  den  Antrag  bei,  .,dass  das  Münzen 
der  kleinen  Sorten  auf  eine  gewisse  Zeit  gänzlich  eingestellet  und 
verbotten,  oder  nur  in  einem  jeden  Craiss  auf  eine  gewisse  Summe, 
nach  Gelegenheit  der  Umstände,  zu  münzen  verstattet  werden 
möge".  Schon  im  Jahre  1615  ddo.  Nürnberg,  25.  Februar  stellte  der 
fränkische  Kreis  den  Antrag,  es  möge  der  Kaiser  gebeten  werden, 
dass,  nachdem  im  oberrheinischen  Kreise  das  grösste  Münzunwesen 
besteht,  den  dortigen  kreisausschreibenden  Fürsten  aufgetragen 
werden,   „die  inn  Ihrem  Craiss  bishero  missbrauchte  Münzstätt  zu 


W^f-- 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II..  Rudolph  II.  und  Mathias. 


365 


vberfallen,  deren  Müuzmeister  vnnd  Gewerken  sambt  aller  befun- 
dener Massa  aiiffzuheben  und  zur  gebührlicher  Straff  zu  ziehen". 

Bei  dem  Umstände,  dass  durch  das  Uebermass  an  kleinen 
geringhaltigen  Geldsorten  die  guten  alten  Münzen  im  Werthe 
gesteigert  wurden  und  dadurch  eine  empfindliche  Theuerimg  aller 
Feilschaften  Platz  griff,  suchte  man  das  nahezu  wirkungs-  und 
erfolglose  Mittel  der  Valvation  und  des  Verrufes  der  schlechten 
Gelder  durch  eine  Einschränkung  der  Werthsteigerung  der  guten 
groben  Münzsorten  zu  vervollständigen. 

Am  Schlüsse  des  Jahres  1614  wurde  constatirt,  dass 

der  Ducaten  auf 2  Gulden  24  Kreuzer 

^    Goldgulden  auf 1       ,,        47        „ 

,,    Keichsthaler  auf 1       „        30        „       und 

„    Guldenthaler  auf 1        „        18        „ 

gestiegen  war.  Ueber  Antrag  der  drei  correspondirenden  Kreise 
Franken,  Bayern  und  Schwaben  ddo.  Nürnberg,  21.  März  1615, 
sollte  der  Werth 

des  Ducaten  mit 2  Gulden  20  Kreuzer 

,,    Goldgulden  mit 1       ,,        45        „ 

„    Heichsthalers  mit 1       „        28        „       und 


„    Guldenthalers  mit 1       „        16        „ 

festgestellt  werden.  Die  genannten  drei  Kreise  mussten  jedoch 
schon  im  Münz-Probations-Abschiede  vom  13.  October  1615  an- 
zeigen, dass 

die  Ducaten  auf 2  Gulden  30  Kreuzer 

„  Goldgulden  auf 1        ,,        52        „ 

,,  Reichsthaler  auf 1        „        30        „       und 

„  Guldenthaler  auf 1       „        20        ,, 

gestiegen  sind.  <) 

Auch  in  Wien  wurde  mit  Patent  ddo.  8.  April  1617  verlautbart, 
dass  im  Sinne  eines  im  September  1616  durch  das  Reich  publicirten 
Generals,  der  Ducaten  zu  2  Gulden  30  Kreuzer  und  der  Reichs- 
thaler zu   1    Guldon   'M)  Kreuzer  im  Werthe  festgestellt  werde.«) 


«)  Hirsch  1.  c.  IV.  Bd.,  Seite  35,  46  und  61. 
3)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  17508. 


WM 


366 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Münzwesen 


Trotz   allen    diesen    strengen    Verfügungen    stand   im   März   1620 

der  Ducaten  auf 3  Gulden  12  Kreuzer 

„    Goldgulden  auf 2       ..        20 

„    Reiclisthaler  auf 2       .,  4        ..       und 

„    Guldenthaler  auf 1       „        50        „ 

Die  alten  guten  Silbermünzen  hatten  somit  bereits  ein  Agio  von  rund 
80  o/o  erreicht  und  doch  war  man  erst  am  Eingange  der  unheilvollen 
Kippergeld-Katastrophe  angelangt. 

Für  die  österreichischen  Länder  fällt  dieselbe  in  die  Regierungs- 
zeit des  Kaisers  Ferdinand  IL,  welche  ausser  dem  Rahmen  der  vor- 
liegenden Darstellungen  liegt.  ^) 

In  das  Wiener  Münzhaus  zurückkehrend,  haben  wir  zunächst 
von  einem  Berichte  Act  zu  nehmen,  welchen  die  niederösterreichische 
Kammer  ddo.  Wien,  25.  November  1615  an  die  Hofkammer  ein- 
brachte. Es  hatte  sich  eine  nicht  genannte  Person  um  die  pacht- 
weise Ueberlassung  des  Münzhauses,  beziehungsweise  MUnz- 
betriebes  gemeldet.  Der  Bericht  gibt  zu,  dass  die  Wiener  Münze 
bisher  allerdings  nur  massige  Erträge  gab,  sie  jedoch  immer  „zur 
Erhalltung  der  Kais.  Mt.  Regalien  vnnd  Reputation  gehandelt  vnd 
versehen  worden "^  Nachdem  die  im  Jahre  1550  ausgegangene 
Reichsmünzordnung  seither  nicht  geändert  wurde  und  dieselbe  aus- 
drücklich die  Bestandgabe  von  Münzhäusern  bei  Verlust  des  Münz- 
rechtes untersagt,  so  ist  es  für  die  kaiserliche  Münze  unmöglich, 
mit  einem  derart  üblen  Beispiel  vorzugehen.  Es  habe  sich  Ihrer  Mt. 
Rath,  Herr  Seyfried  Christoph  Br ein n er,  Freiherr,  und  etliche 
aus  des  Fürsten  von  Liechtenstein  Münzunternehmern  angemeldet 
und  sich  nicht  allein  um  das  Wiener  Münzwesen,  sondern  auch  an 
anderen  Orten  mit  gewissen  Conditionen  anzunehmen  sich  ange- 
tragen, allein  die  Kammer  müsse  alle  diese  Anträge  ablehnen. 

In  der  Eingabe  ddo.  4.  April  1616  sagen  „Isaias  Jessenssky 
vnndt  Stenzell  Aichhauser,  Fürstl.  Liechtensteinsche  Diener'^, 
sie  seien  „von  dem  durchlauchtigen  Fürsten  vnndt  Herrn  Carln  Her- 
zogen zur  Troppau  in  Schlesien,  Fürsten  und  regirunden  Herr  des 


1)  Vergl.  vorläufig  „Numismatische  Zeitschrift",  13.  Bd.:  Die  lange  Münze 
in  Oesterreich  von  Joh.  Newald,  Seite  88. 


unter  den  Kaisern  Maiimilian  Tl.,  Rudolph  II.  und  Mathias. 


367 


Hauses  Liechtenstein  etc.  vntersehiedlichen  malen  gnedig  ermahnt 
worden,  um  Ihr  Mt.  bestes  zu  befördern  vndt  sich  bey  Ir  Mt.  wohl- 
verdient zu  machen,  sich  vmb  das  Wienerisch  Müntzwesen  anzunem- 
ben-*.  Indem  sie  nun  auf  den  grossen  Nutzen  hinweisen,  welchen  sie 
zu  verschaffen  hoifen,  erklären  sie  sich  geneigt,  das  Wiener  Münz- 
haus für  eine  Reihe  von  Jahren  zu  übernehmen,  falls  man  ihnen  die 
Verlagsgelder  entsprechend  verzinset  und  von  dem  Nutzen  einen 
gleichmässigen  Antheil  bewilligt,  „es  wäre  dann  dass  Ihr  kais.  Mt. 
allergnedigster  Wille  sein  möchte,  dass  wir  zu  Enthebung  vieler 
Beschwerlichkeiten  mit  den  Eaittungen  vnndt  dergleichen  mehr, 
anstatt  des  ungewissen  Nutzens,  jährlichen  ein  gewisses  benanntes 
Geldt  als  ein  Schlagschaz  oder  Münzüberschuss  in  dero  Cammer 
erlegen  sollten".  Sie  berufen  sich  schliesslich  darauf,  dass  man 
ihnen  beim  fürstlich  Liechtenstein'schen  Münzwesen  keinen  Tadel 
oder  Mangel  nachweisen  könne. 

Nach  mehrmonatlichen  Verhandlungen  stellte  endlich  die 
niederösteiTeichische  Kammer  ddo.  Wien,  17.  August  1616  den 
Antrag  auf  die  Ueberlassung  des  Wiener  Münzhauses  an  Jessensky 
mit  dem  Beisatze,  „dass  auch  der  jetzige  Münzmeister  Fellner,  zu- 
malen  er  ein  ehrbarer  aufrichtiger  Mann,  auch  Irer  Kays.  Mt.  son- 
sten  in  anderweg  nützliche  gehorsamiste  Dienst  erzaigt",  mit  einer 
Gnadengabe  zu  bedenken  wäre  und  bringt  den  Betrag  von  500  Gul- 
den in  Vorschlag.  In  dem  Vortrage  an  den  Kaiser  ddo.  Prag,  20.  De- 
cember  1616  äussert  sich  die  Hofkammer  über  Fellner  abfällig, 
lehnt  die  500  Gulden  Gnadengeld,  sowie  die  Abstattung  des  Ver- 
lages von  1000  Gulden  ab.  Mathias  resolvirte  ddo.  Prag,  13.  Jänner 
1617  nach  diesem  Antrage.  ^)  Die  kaiserliche  Resolution  wurde  der 
in  Wien  zurückgebliebenen  Abtheilung  der  Hofkammer  —  der  soge- 
nannten hinterlassenen  Hofkammer  —  mit  dem  Erlasse  ddo.  Prag, 
4.  Februar  1617  bekannt  gegeben.  Da  derselbe  über  die  im  Wiener 
Münzhause  damals  bestandenen  Verhältnisse  und  überhaupt  über 
die  das  Münzwesen  betreffenden  Zustände  eine  volle  Einsicht 
gestattet,  möge  der  volle  Wortlaut  hier  Platz  finden: 


»j  K.  k.  H.  K.  A.  tsäimiitlichc  Aercu,   Fase.  ITöc.s.    inc   ixclation  der  liot- 
kaiuniei-  ddo.  20.  December  1(^10,  auch  Gdkb.  Nr.  167,  Fol.  391J^^". 


368 


Johann  Kewalrl  :  Da$  österreichische  Münzwesen 


Matthias  etc. 


„Edle  liebe  getreue^  Vnss  ist  in  vnterthenigkheit  referirt  vimdt 
fUrgeb rächt  worden  wass  vnser  anwesende  Hof  Camer  Ir,  nach  ver- 
nembung  der  N.  0.  Camer  sambt  dero  vntergebenen  Biichhalterey 
über  der  Jüngst  deputiert  gewesen  Commissarien  wegen  verbesser 
vnd  wider  erhebung  des  Wiennerischen  Münzwessens  gethane  Rela- 
tion vom  2.  November  des  jüngst  verwiechen  1616  Jars  mit  guet- 
achten  herein  berichtet,  sonderlich  aber  weillen  jeziger  Münzmaister 
alda  zu  Wienn  der  Sachen  nicht  genuegsanib  erfahren,  auch  kheinen 
sondern  credit  habe  vnd  wegen  seiner  leibes  Indisposition  in  seiner 
Verrichtung  etwas  zu  schwach  sei,  zu  dem  gedachtes  Wiennerisches 
Münzwesen  ein  geraumbe  Zeit  hero  gar  schlechtlich  bestelt  vnd 
versehen  worden,  auch  also  ersizen  blieben  dass  man  auss  Noth 
den  beschwerlichen  contract  eingehen,  vnd  ainem  Juden  die  auf- 
khaufF  vnd  Einlösung  dess  Silbers  vnd  alten  gelts,  solches  in  die 
Münz  zueliffern,  zuelassen,  vnd  dabei  allerlei  Vngelegenheiten,  nit 
ohne  Verschimpflfung  Vnsers  MUnzwesens  leiden  müessen,  das  dero- 
wegen  vor  allen  Dingen  solches  Münzwesen,  alss  welches  ein  landts- 
fürstliches  Clainoth  vnd  flirnembes  Regal  ist,  et  fundamento 
wider  zuerheben,  auch  mit  aiuer  andren  qualiticierten  Person  wider 
zuversehen  gehors.  gerathen  habt. 

„Vnd  demnach  zu  solchen  intent  sich  des  Carl  Füersten  von 
Liechtenstain  diener  Isaias  Jessensky  alss  welcher  zu  solchem 
wesen  für  genuegsamb  vnd  tauglich  gehalten  wirdt  angemeldt 
vnd  mit  ihme  durch  die  Commissarien  tractirt  worden,  wie  Er  die 
Münz  an  Khorn  vnnd  Schrot  aussgehen  zulassen,  schuldig  vnnd  ver- 
bunden sein  soll,  Nemblich  die  Ducaten  zu23Karat8gran,  vnd  solle 
die  Wiener  Mark  inmassen  von  Alters  hero  breuchig  gew^est,  auf 
80  Stuekh  Ducaten  aufgezogen,  vnd  auf  ein  Markh  3  quintl  Ducaten 
schar  zuetrag  passirt,  vnd  gleichsamb  fUr  das  remedium  im  Schrott 
gehalten  werden.  Dann  die  Mark  Taller  an  der  fein  14  loth  1  quintl 
1  dar.  halten  und  auf  ein  Wienermark  Q»/*  Stuekh  geschrotten ; 
dann  die  Groschen  sollen  7  Loth  3  quintl  2  dar.  die  Markh  fein 
halten,  vnd  auss  aiuer  160  Stuekh  gestickhelt  oder  gemünzt  vnd 
mehrers  nit  dann  ain  Stuekh  Vberschrott  zuegelassen  werden  vnd 
solle   das  gepräg  in  vorigem  esto  auf  vnser  Bildnus   vnnd  Adler 


I 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  3Iathias. 


369 


verbleiben,  Er  Jesseosky  auch  ainen  körperlichen  Aydt  darauf  zu- 
schweren schuldig  sein,  auch  der  geschworne  Wardein  solches 
alles  gegenprobieren  vnnd  beschreiben.  Alss  lassen  Wier  es  auch 
gerathener  massen  also  gnädigst  dabey  verbleiben. 

^Wass  aber  dabei  sein,  des  Jessensky  flirschlag  vnnd  den 
ersten  Punkten,  alss  den  freyen  Silberkhauf  anlanget  demnach  sich 
befindt,  das  die  16  löthige  fein  Markh  bishero  in  das  Wienerische 
Münzambt  allein  per  12  Gulden  eingelöst,  hergegen  aber  bei  andern 
vnd  denen  benacbbarten  MUnzheüssern  der  fein  und  dem 
gewicht  nach  gar  viel  höher  vnd  teurer  bezahlt  worden,  dahero  die 
Partheyen  Ir  Pruchsilber  anderwerts  zuverführen  vnd  zu  ver- 
sehwerzen  Ihnen  Vrsach  genomben,  welches  dan  nit  wenig  solches 
Mttnzwesens  Abfall  causiren  helffen,  vnnd  derowegen,  da  man  beim 
alten  Silberkauff  verbleiben,  die  Verschwerzung  nit  zuverhieten  sein 
wurde.  Alss  wollen  wir  gnädigst  dass  mit  ihme  dem  Jessensky, 
sintemal  da  Er  die  Silber  denen  Partheyen  höher  bezallen  solte, 
solches  nur  sein  Seckhel  leiden  muess,  doch  allein  auf  Wolgefallen 
dieser  Condition  die  Freylassnng  des  Silberkhauffes  versuecht 
werde,  dass  Er  bei  vnserer  Straff  vnd  Vngnadt  die  einlösenden  Gold 
vnnd  Silber  nirgents  änderst  wohin  verwenden,  sondern  einzig  vnd 
allein  vnser  Wiennerische  Münz  damit  befürdern,  wie  Er  auch,  da 
ins  künfftig  im  Heil.  Rom.  Reich  wegen  iezigen  hohen  werth  der 
groben  Münz  die  Silberkhauff  aintweder  gestaigert  oder  geringert, 
vnd  ain  ordinari  Preiss  gemacht  wurde,  sich  darnach  zu  accomo- 
diren  schuldig  vnd  verbunden  sein  soll.  Vnd  zu  mehreren  Befür- 
derung  solches  Münzwesens  wollen  Wier  auch  gnädst.  dass  die 
Münzgeneralia  also  darauf  von  vnserer  N.  0.  Regierung  vnd  Camer 
zugleich  aussgefertiget  vnd  publicirt,  auch  vnder  andern  dies  hinein 
gesetzt  werde,  dass  meniglichen  iezigen  Zeiten  vnd  Leuffen  nach 
IrPruch  vnd  andere  Silber  alss  baldt  vnd  in  angesicht  nach  billichen 
Dingen  pahr  bezalt  werden  sollen,  auf  solchen  weeg  dann  die  Par- 
theyen zu  Einraichung  der  Silber  lustig  gemacht  vndt  das  Münz- 
wesen stärkher  fortgehen  wirdet. 

„Betreffendt  den  änderten  vnd  dritten  Articl  vnd  also  den 
Münznuzen,  alss  von  Jeder  Mark  fein  Silber  vnd  gegen  Erstattung 
des  Vnkostens  die  anerbotenen  48  krzr.  vnd  von  golt  2  fl.  demnach 
befniiden  \vi»rlt    A.,«    v/.n   \ni>'>  4'^  ^''«  ultimo  Marti  45  das  Wiene- 

24 


370 


Johann  Xewald:  Das  österreichische  Münzwesen 


I 


rische  Münzwesen  die  Mark  fein  Silber  nur  vmb  6  krzr.  und  das 
Gold  per  1  fi.  dem  Thoman  Behaimb  vmb  ain  ordinari  hing-elassen 
vnd  ein  Schlagschatz  tituliert  worden,  so  nun  die  Reichs-Münz- 
ordnung  damallen  noch  jung  gewest,  alle  Münzen  in  ihrem  alten 
valor  gangen,  aniezo  aber  davon  khomben  vnd  die  Chur-  vnd 
Reichsfürsten,  sonderlich  in  denen  kleinen  Münzsorten  sich  solcher 
Ordnung  nit  mehr  unterworfen,  Wier  aber  solches  aniezo  sowol  alss 
im  43  Jar,  wegen  des  dabei  versierenden  gueten  Nuzen  an  die 
Handt  zu  nemben  befuegt,  vnd  dass  diser  ordinari  Nuzen,  zu  mallen 
esainen  alss  den  andern  Weeg  auf  Raittung  gehandelt  worden, 
vnd  die  Münz  in  rechten  Khorn  vnd  Schrott  aussgehen  muss,  im 
geringsten  nit  wider  die  Reichsordnung  laufft,  darzue  Er  die  Verlag 
continuo  in  die  8000  fl.  ohne  Interesse  dargeben  muess,  welches 
mit  7  Percent  das  Jar  in  die  500  fl.  ausstraget,  die  jährliche  Münz- 
maister  Besoldung  der  400  fl.  Rhein,  schwinden  lassen,  vnd  vmb 
den  dabei  habenden  nuzen  dienen.  Item  die  Eisenschneider  vnd 
Münzer  selbst  vndcrhalten  will,  welches  zusammen  in  allem  sich 
auf  1200  fl.  Rhein,  des  Jars  erstrekhen  wurde,  Alss  wollen  Wier 
gnädst.,  weillen  Er  Jessenky,  inmassen  mit  Ihnie  durch  Sie  die 
Commissarien,  doch  auf  vnser  gnädigste  ratification  geschlossen, 
Ynnss  von  Jeder  Mark  fein  Silber  1  Gulden,  vnd  vomGolt  2  Gulden 
freien  Vberschuss  raichen  vnd  verraiten,  auch  wo  möglich  vnd  nur 
Silber  zu  bekhomben,  wöchentlich  nit  allein  100  Mark  sondern  noch 
mehrers,  welches  an  dem  Verlag  nit  manglen  soll,  einlösen  ver- 
pagamentieren  vnd  vermünzen  will,  dass  es  in  Ansehung  der  darauf- 
lauffenden  starkhen  Verlag  vnd  grossen  ünkostens,  welcher  Ihme 
Jessenky  in  allem  ausser  Wardeins  Unterhaltung,  wie  obverstanden, 
obliegen  wurde,  allerdings  also  dabei  verbleibe. 

„Wass  im  Vierten  und  fünfften  Punkt  seine  Jessensky  begerte 
recompens  betrifft,  weilln  Er  wie  obverstanden  ausser  des  Wardeins 
Unterhaltung,  so  järlich  bei  der  freyen  Wohnung  vnd  Probier  gelt 
allein  80  Gulden  bringt,  in  vbrigen  allen  Vncosten  herzuegeben 
schuldig  ist,  da  wollen  Wier  Vnss,  wan  künfftig  sein  Vleiss  vnd 
guetes  fürgeben  nun  verspürt  wirdt,  vnd  nach  gestalt  seines  dabei 
habenden  Interesse  vnd  Gewinst,  alss  dan  auch  gnädigst  resolvirn. 

„Fürs  sechste,  belangendt  der  Goldschmidt  Jurisdiction,  da 
wollen  Wir  gnädst.  weilln  solche  zur   Verhttettung  allerlei  Con- 


^W--'-L 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Matliias.  Dil. 

fusion  auch  des  besorgenden  Silber  vnd  Gold-Yerschwerzens  wie 
auch  des  Winkhelschmelzens  vnd  Schaidens  halber,  beim  Mttnzwesen 
verbleiben  muess,  dass  solche  Jurisdiction  sonderlich  weillen  ver- 
niüg  der  Instruction  in  Abhandlung*  aller  Sachen  es  aines  Münz- 
niaister  auf  der  Goldtschmidt  habende  privilegia  weisst,  Ihme 
Jessensky  alss  künfftigen  geschwornen  Münzmaister  aufgetragen, 
vnd  er  in  Vnser  GlUb  genomben  ein  Instruktion  auf  ihme  und  den 
Wardein  von  Vnserer  N.  0.  Camer  auss  corrigiert  vnd  gefertigt, 
auch  das  Schaiderlohn  von  45  biss  auf  30  Kreuzer  limitirt,  dass 
doch  dabei  auch  diss  in  Sonderheit  observirt  und  reservirt  werde, 
dass  Er  Jessinsky  sich  des  Fürsten  von  Liechtenstein  diensts  genz- 
lich  begebe,  auch  vmb  alles  künfftige  der  würkhlichen  Volziehung 
halber  genugsamb  reversiere  vnd  verbürge.  Schliesslich  was  des 
iezigen  Münzmeisters  zu  Wienn  des  Fellners  auf  den  Fall  der  muta- 
tion  gerathene  Abfertigung,  vnd  dan  Bezahlung  seines  auf  dem 
Ambt  habenden  Darlehens  anraichen  thuet,  da  wirdet  von  Euch 
zwar  auf  500  Gulden  gehorsamst  gerathen.  Dieweillen  aber  Er 
Fellner  wenig  Jahr  gedient,  dem  Münzwesen  nit  zum  besten  vor- 
gestanden, die  freie  Wohnung  gehabt,  die  Besoldung  vnd  sonsten 
des  Dienstes  Vortl  auch  wol  genossen,  Alss  wollen  wir  gnädigst 
das  Er  von  solcher  begerten  Abfertigung  allerdings  abgewiesen 
doch  benebens  vertröstet  werde,  wan  etwa  Gelegenheit,  darzue  Er 
tauglich,  fürfallen,  er  alss  dan  auch  bedacht  werden  soll. 

„Was  aber  die  Bezal  und  Abledigung.der  1000  Gulden  Rhein. 
.so  Er  Feiner  auf  dem  Ambt  hat,  darzue  nit  allein  dieCommissarien, 
sondern  auch  neben  Euch  die  N.  0.  Camer  rathen  thuet  anlangt, 
da  halten  wir  gnädst.  dafür,  dieweilen  solche  1000  Gulden  so  mit 
7  Percent  verzinset  worden,  ein  gewisses  Verlaggeld  zu  Einlösung 
des  Silbers  sein  solten,  dass  es  der  Ablösung  gar  nit  bedürflFen 
werde,  da  solche  alss  ein  Verlaggelt,  aintweder  in  baareu  Gelt 
oder  eingelösten  Silber  vorhanden  sein  mUesste,  sonsten  solches 
Geld  vergebens  verzinst  vnd  benebens  wider  die  Verlagsordnung 
gehandelt  worden,  also  das  es  verstandener  massen  der  Ablöss  oder 
Abstattung  durch  den  Jessensky  nit  bedarf,  sondern  Er  Fellner  sich 
solcher  Dargab  oder  Verlag  selbst  wider  bezalt  machen  kann. 

„Euch  solchem  nach  darauf  hiemit  gnädst.  benelchendt  dass 
li    Ihm    vnserer   N.  0.    Camer   in  ainem   vnd  andern  die  weitere 

24* 


372 


JohaED  Ne^vald:  Das  üsterreichisthe -Münzwesen 


Notturfft  verordnet,  damit  nit  allein  Er  Jessenky  fUrderlich  in  Vnser 
Glüb  genomben  vnd  installirt,  mit  der  Instruction  versehen,  die  Ge- 
neralia  verfasst  vnd  publicirt,  sondern  auch  der  Fellner  diser  vnserer 
gndsten  resolution  nach,  beschieden  werde,  innmassenir  der  Sachen 
rechts  zu  thun  wissen  werdet,  daran  volbringt  Ir  vnsem  gnädsten 
Willen  vnd  Meinung,  habt  auch  die  herein  geschickhte  Einschluss 
hiebei  wider  zu  empfahen.  Geben  auf  vnserm  Khön.  Schloss  zu 
Praag  den  4.  Febr.  Anno  1617  vnserer  Reiche  des  Römischen  im 
fünften  des  hungarischen  im  neimten  vnd  des  Beheimbischen  im 
sechsten."  ^) 

Die  Uebergabe  des  Münzhauses  an  den  neuen  Unternehmer 
fand  am  3.  Mai  1617  statt.  Jessensky  zahlte  an  den  abtretenden 
Mtinzmeister  Fellner  die  Verlagsgelder  und  daran  ausständigen  In- 
teressen, zusammen  den  Betrag  von  1643  Gulden  aus  und  eröfifnete 
am  22.  Mai  1617  das  Prägegeschäft.  Unterm  11.  Mai  hatte  er  die 
Anzeige  erstattet,  dass  er  seinen  Schwager  Stänzl  Aichhauser  „als 
ain  Mitgehilf  oder  Verwalter  des  Münzmeisteramtes  zu  sich  ziehen 
wolle,"  im  Münzhause  sei  genügend  Raum,  um  für  denselben  eine 
Wohnung  einrichten  zu  können  und  bittet  um  die  Zustimmung.  Bei 
der  Uebergabe  wurde  ganz  besonders  betont,  „dass  Er  Jessensky 
sich  des  Fürsten  von  Liechtenstain  Dienst  genzlich  begebe." 

Der  neue  Münzuntemehmer  brachte  alsbald  das  Ansuchen  ein, 
die  Groschen  statt  wie  bisher  mit  einem,  mit  drei  Stücken  als 
Ueberschuss,  somit  aus  der  Wiener  Mark  statt  160,  —  163  Stück  aus- 
schroten zu  dürfen.  Die  niederösterreichische  Kammer  bevorwortete 
ddo.  Wien,  7.  Juni  1617  diesen  Antrag  mit  dem  Beisatze,  dass  ein 
Stück  der  Kammer  zu  verrechnen  ist,  und  zwei  Stücke  für  Jessensky 
als  Ersatz  für  die  mit  der  Ausmünzung  der  kleinen  Sorten  verbun- 
denen grösseren  Kosten  zu  verbleiben  habe.  Die  Genehmigung  er- 
folgte erst  mit  dem  Hofkammererlass  ddo.  Wien,  7.  Juni  1618, 
nachdem  zuvor  über  Anordnung  vom  10.  Mai  1618  eine  unter  dem 
Vorsitz  des  Kammergrafen  Mathias  von  Blomstein  zusammen- 
getretene Commission  diese  Angelegenheit  geprüft  hatte.  ») 


1)  K.  k.  H.  K.  A.  Fase.  17508. 

2)  Daselbst  Fase.  17320. 


y^^> 


unter  den  Kaisern  .Maximilian  IL,  Rudolph  11.  und  Mathias. 


373 


Mit  der  Eingabe  vom  9.  Februar  1616  meldete  sich  der  befreite 
Hofjude  Veit  Brodt  als  Silberlieferant.  Er  verpflichtete  sich  schon 
im  Jahre  1616  und  so  lange  es  der  Hofkammer  eonvenirt,  jährlich 
1000  Mark  fein  Silber  in  die  Wiener  Münze  zu  liefern.  Es  ist  dieses 
jenes  Geschäft,  welches  im  Eingang  der  kaiserlichen  Resolution 
vom  4.  Februar  1617  (Seite  368)  sehr  abfällig  erwähnt  wird.  Unterm 
22.  April  161 6  erging  an  den  Hofgoldschmied  Hanns  GeorgRitter 
die  Weisung,  das»  er  sich,  nachdem  er  schon  früher  als  Stempel- 
schneider in  Verwendung  war  und  der  Münzeisenschneider  Caspar 
Hai  dl  er  mit  der  Stempellieferung  nicht  folgen  kann,  bei  dieser 
Arbeit  zu  betheiligen  habe,  i) 

In  der  Zeit  von  1616  bis  1622  wickelten  sich  heftige  Streitig- 
keiten zwischen  dem  Münzamte,  beziehungsweise  der  niederöster- 
reichischen Kammern  und  „denen  von  Wien"  in  Angelegenheit  der 
Wiener  Goldschmiede  ab.  Diese  standen  seit  den  ältesten  Zeiten 
in  Real-  und  Personalangelegenheiten  (nur  Malefizsachen  machten 
eine  Ausnahme)  unter  dem  Münzamtsgericht.  Die  damals  tief  ge- 
sunkene Autorität  der  kaiserlichen  Behörden  scheinen  die  Gemeinde 
veranlasst  zu  haben,  dieses  Privilegium  des  Münzmeisters  trotz 
kaiserlicher  Resolutionen  zu  entfernen.  Der  Unternehmer  Isaias 
Jessensky  war  ein  eifriger  Protestant.  Die  niederösterreichische 
Kammer  hatte  ihn  wiederholt  aufgefordert,  für  die  Goldschmiede 
zwei  Zech-  und  zwei  Beschaumeister  in  Vorschlag  zu  bringen,  von 
denen  je  einer  katholisch,  der  andere  ,,unkatholisch"  zu  sein  habe. 
Jessensky  brachte  das  erste  Mal  lauter  Nichtkatholikeu  in  Vorschlag, 
was  ihm  verwiesen  und  neuerdings  der  erste  Auftrag  zur  Einbrin- 
gung eines  Antrages  wiederholt  wurde.  Da  dieses  unterblieb,  wurde 
ihm  ein  strenger  Verweis  ertheilt,  und  wurden  nunmehr  von  der 
Kammer  selbst  mit  dem  Erlasse  ddo.  4.  April  1618  im  Sinne  der 
ertheilten  Weisung,  zwei  Zech-  und  zwei  Beschaumeister  für  die 
Goldschmiede  ernannt,  -i) 

Das  Münzunteruehmen  des  Jessensky  nahm  ein  schnelles  Ende. 
Der   Ratli    und    Knn/1<^>-    <b'<    Erzherzogs   Leof>ol(l.    Dr.   Hrnins 


)  K.  k.  H.  K.  A.  Fusc.  17320. 
'■)  Daselbst  Fase.  173"2(). 


■.V  t 


374 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Münzwesen 


Ulrich  Hämmerl,  beschuldigte  ihn  verschiedener  Malversationen,, 
worüber  am  19.  November  1619  dessen  Verhaftung  erfolgte.  Jes- 
sensky  wurde  in  das  kaiserliche  Hofspital  abgeführt  wo  er  durch 
31  Wochen  in  Arrest  gehalten  wurde.  Da  die  beiden  Wiener  Bürger 
Erhardt  Hilm  und  Andrae  Gallmaier  mit  ihrem  ganzen  Ver- 
mögen die  Bürgschaft  übernahmen,  dass  er  sich  jederzeit  stellen 
werde,  wurde  Jessensky  am  22.  Mai  1620  enthaftet,  i) 

Es  wurde  gegen  ihn  ein  fiscalischer  Process  eingeleitet,  der 
sich  über  eine  lange  Reihe  von  Jahren  hinzog,  denn  erst  ddo.  Wien, 
25.  August  1637,  bestätigte  der  niederösterreichische  Hofkammer- 
Procurator  Georg  Weinzirl,  dass  Jessensky  durch  die  Denuncia- 
tion  des  Dr.Hämmerl  unschuldig  um  sein  Vermögen  gekommen  und 
beantragte  zugleich  die  Ersatzleistung  von  12.000  Gulden  an  den- 
selben und  Regressnahme  an  dem  Nachlass  des  mittlerweile  ver- 
storbenen Dr.  Hämmerl.  2)  Wir  werden  Jessensky  später  noch  einmal 
im  Wiener  Münzhause  thätig  finden. 

Nach  der  Haftnahme  des  Isaias  Jessensky  wurde  dit-  Leitung 
des  Wiener  Münzhauses,  unter  dem  Titel  eines  Münzamts- Verwalters, 
dem  Mathias  Fellner  von  Feldegg  wieder  übertragen.  Kaiser 
Mathias  war  am  20.  März  1619  gestorben.  Mit  dem  Erlasse  ddo. 
Wien,  30.  September  1619,  ertheilte  Erzherzog  Leopold  an  die 
niederösten'eichische  Kammer  die  Weisung,  dass  nunmehr  nach  er- 
folgter Kaiserkrönung  Ferdinand  H.  sowohl  in  Wien,  wie  in  den 
ungarischen  Bergstädten  die  Münzen  mit  dem  Bilde  und  Namen  des 
neuen  Kaisers  zu  prägen  sind.  Unterm  16.  December  1619  erfolgte 
an  das  Münzamt  der  Auftrag,  dass  5000  Gulden,  welche  in  Gold  in 
die  Münze  geliefert  wurden,  mit  den  Thaler-  und  Halbthaler-Stempeln 
zu  10  und  5  Ducaten-Stücken  auszuprägen  sind.  Schon  unterm 
31.  December  1619  erging  eine  weitere  Weisung  an  den  Münzver- 
walter Fellner,  er  habe  über  kaiserliche  Resolution  vom  30.  Decem- 
ber, das  aus  Augsburg  und  Nürnberg  einlangende  Silber,  „in  müg- 
lichster  Eil"  in  Thaler  auszumünzen,  welche  13  Loth  fein  zu  halten, 
jedoch  93/4  Stücke  ein  Gewicht  von  1  Mark  1  Loth  2  Quint.  l^/ia 
Pfennige  besitzen  sollen,   „doch  auf  Weillandt  der  Rom.  Kays.  Mt. 


1)  Daselbst  Fase.  17508. 

2)  Daselbst  Fase.  17324. 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II,,  Rudolph  IT.  und  Mathias. 


375 


Mathiasen  Prägung;  zu  münzen  sind."  Das,  was  bei  diesen  Thalern 
am  Korn  abging,  sollte  durch  das  bessere  Schrot  ausgeglichen 
werden.  ^) 

Im  Anschlüsse  an  die  Seite  90  vorkommende  Besprechung  der, 
während  der  Amtirung  des  Münzmeisters  Andrae  Händl  aus  dem 
Wiener  Münzhause  ausgegangenen  Thaler,  haben  wir  nunmehr  den 
Münzen  seines  Nachfolgers  Mathias  Fellner  vonFeld  egg  unsere 
Aufmerksamkeit  zuzuwenden.  Das  Zeichen  desselben  sind  zwei 
schiefaufsteigende,  in  einem  spitzen  Winkel  sich  ver- 
einigende Sparren;  es  ist  dies  die  in  seinem  Wappen, 
und  zwar  im  ersten  und  vierten  Felde  vorkommende 
Wappeniigur.  Der  erste  hieher  gehörige  Thaler,  zu  dem  der 
Wiener  Eisenschneider  Caspar  Haidler  den  Stempel  angefertigt 
hatte,  ist  vom  Jahre  1612.  Das  Brustbild  trägt  die  ungarische  Krone, 
unter  demselben  ist  in  der  Umschrift,  in  einem  kleinen  Oval  das 
eben  erwähnte  Zeichen  des  Fellner  angebracht.  Die  Rückseite  zeigt 
das  mit  der  Vliesskette  umgebene,  mit  einer  Bügelkrone  bedeckte 
vielgetheilte  Wappenschild.  Der  Stempel  zu  diesem  Thaler  ist  offen- 
bar vor  der  am  24.  Juni  1612  vollzogenen  Kaiserkrönung  angefer- 
tigt worden,  denn  nach  dieser  Krönung  kommt  auf  der  Rückseite 
der  Münzen  der  Doppeladler  vor.  2)  Die  unter  dem  Münzmeister 
Fellner  nach  der  Krönung  des  Kaisers  Mathias  im  Wiener 
Münzhause  geprägten  Thaler  (siehe  Schultess-Rechberg  die  Nummern 
218  bis  inclusive  222)  zeigen  das  belorberte  Brustbild,  und  an  der 
Rückseite,  unter  dem  Adler,  das  mit  dem  Herzogshut  bedeckte  öster- 
reichisch-burgundische  Wappenschild. 

Mathias  Fellner  musste  das  Wiener  MUnzamt  im  Anfange  des 
Jahres  1617  an  den  Unternehmer  Isaias  Jessensky  abtreten. 
(Seite  372.)  Das  Münzzeichen  desselben  ist  ebenfalls  seinem  Wappen 
entnommen;   es   ist   ein   Baum.  ^)    Scliultess-RcchlttTii-   hcscliriiiht 


I)  K.  k.  H.  K.  A.  Fa8c.  17330. 

^)  Schultesö-Kechber^  beHchrcibt  in  den  Xunnnern  842  und  H43  zwei 
Varianten  diese» 'IMialers,  hat  dicsflbni  irMlodi  ii-au/.  infliiniilifli  den  lW)liini.>iehen 
ThaleiTi  zugewiesen. 


'^'-^W'ß^ 


376 


Johann  NeMald:  Das  österreichische  Münzwesen 


einen  hieher  gehörigen  Doppelthaler  in  Nr.  223.  Einfache  Thaler 
dieser  Prägung  kommen  ziemlich  häufig  vor. 

Der  mittlerweile  wieder  in  das  Amt  eingetretene  Münzmeister 
Fellner  erhielt  ddo.  31.  December  1619  den  Auftrag  zur  Ausprägung 
von  Thalern  mit  dem  Brustbilde  Kaiser  Mathias,  jedoch  im  Korn 
und  Schrot  von  der  bisher  vorgeschriebenen  Instruction  abweichend 
(Seite  374).  Das  k.  k.  Münzcabinet,  so  auch  die  Sammlung  Spöttl 
bewahren  solche  Thaler.  Er  ist  beiSchultess-Rechberg  unter  Nr.  224 
beschrieben.  Gegen  die  nach  der  Instruction  vom  15.  Februar  1524 
ausgeprägten  Thaler  steht  derselbe  um  sehr  naho  i  Kreuzer 
im  Werthe  zurück,  i) 

Schliesslich  kommt  noch  zu  bemerken,  dass  aus  dem  Wiener 
Münzhause  während  Mathias  Regierung  ausgegangene  H  a  1  b  t h a  1  e  r 
nur  selten  angetroffen  werden. 

XIX. 
Die  Münzstätten  in  Böhmen. 

Die  ganze  Regierung  des  Kaisers  Matliias  lässt  sich  in  ßezug 
auf  die  seinem  Zepter  unterworfenen  Königreiche  und  Lande,  als 
das  Vorspiel  jenes  länderverwüstenden  Dramas,  des  dreissigjährigen 


1)  Aus  1  Mark  1  Loth  2  Quint.  13/, 3  Pfennige  =  1-0986  Mark,  waren  zu 
13  Loth  fein  auszubringen  93/^  Thaler.  13  Loth  sind  =  208  Pfennige,  daher 
1-0986  X  208  =  228-5088  Pfennige.  Der  Thaler  enthielt  somit  228-o088:9-75  = 
23-437  Wienei  Pfennige  fein  Silber.  Da  5  Wienei  =  6  Kölner  Mark,  so  sind 
23-437  Wiener  Pfennige  =  28-124  Pfennige  Kölner  Gewicht.  Die  dermalige 
österreichische  Währung  ^ibt  per  Mark  =  256  Pfennige  Kölner  Gewicht, 
21  Gulden.  Aus  der  Proportion  256:21  =  28-124:  x  ergibt  sich  der  Werth 
des  neuen  Thalers  mit  2  Gulden  30-712  Kreuzer  während  der  Werth  eines  nach 
der  Instruction  vom  15.  Februar  1524  ausgemünzten  Thalers  in  der  dermaligen 
österreichischen  Währung  2  Gulden  31-197  Kreuzer  betrug. 

Da  ferner  nach  dem  Gesetze  vom  23.  Juli  1871  die  Wiener  Mark  zu 
280-668  Gramm  gerechnet  wird,  so  enthalten  1-0986  Mark  308*3425  Gramm. 
308-3425:9.75  gibt  das  Gewicht  des  in  Rede  stehenden  Thalers  mit  31-6247 
Gramm,  er  war  somit  der  schwerste  aller  aus  den  österreichischen  Münzstätten 
bisher  ausgegangenen  ganzen  Thaler.  Das  in  der  Sammlung  Spöttl  befindliche 
Exemplar  hat  ein  Gewicht  von  3085  Gramm.  Vergl.  Münzweseu  unter  Fer- 
dinand I.  Seite  100. 


unter  den  Kaisern  Maximilian  IT.,  Rudolph  11.  und  Matlüas». 


377 


Krieges  bezeichnen.  Namentlich  war  es  Böhmen  mit  seinen  Neben- 
ländern, wo  der  Gegensatz  zwischen  der  königlichen  Regierung  und 
ihren  Parteigenossen  einerseits  und  den  herrschsüchtigen  Bestre- 
bungen einer  factiösen  Aristokratenpartei  anderseits,  bald  am  schärf- 
sten hervortrat.  In  Böhmen  war  es,  wo  die  Gegner  der  Regierung, 
oder  um  es  in  bestimmterer  Form  auszusprechen,  des  Habsburger 
Regentenhauses,  geführt  von  verwegenen  und  rücksichtslosen 
Parteihäuptern,  schliesslich  das,  was  nicht  mehr  nach  ihrem  Sinne 
zu  biegen  war,  zu  brechen  sich  anschickten  und  noch  zu  Lebzeiten 
des  Kaisers  Mathias  die  lange  vorbereitete  Empörung  zum  Durch- 
bruche brachten. 

Die  viele  Jahre  andauernden  Partei-Umtriebe  schlugen  dem 
Wohlstande  des  Landes  tiefe  Wunden.  Dem  Bergbau,  seit  Jahren 
im  Rückgange,  drohte  ein  gänzlicher  Verfall.  Selbst  bei  den  Mass- 
regeln, welche  man  für  die  Hebung  desselben,  sowie  für  die  Förde- 
rung der  gesammten  Landescultur  vorkehrte,  machte  sich  der  Ein- 
fluss  der  Parteiumtriebe  und  des  Parteihasses  geltend.  Es  lässt  sich 
dies  namentlich  aus  den  geringen  Erfolgen  der  ziemlich  häufig  in 
die  Bergorte  abgeordneten  Untersuchungs-  und  Reformationscom- 
missionen wahrnehmen.  Die  mit  der  Durchführung  der  als  noth- 
wendig  erkannten  Reformen  betrauten  Beamten  wurden  nach  wenigen 
Jahren  von  ihren  Gegnern  verdrängt. 

Welche  wirthschaftliche  Calamitäten  sich  aus  dem  Verfalle  des 
Münzwesens  ergaben,  wurde  wiederholt  beleuchtet  und  doch  stand 
man  erst  am  Eingangspunkte  der  Katastrophe.  Wir  haben  die  ersten 
Anzeichen  wahrnehmen  können,  dass  einflussreiche  Persönlichkeiten 
sich  hervordrängten,  um  die  Verwirrung  im  Münzwesen  des  Landes 
für  ihre  habsüchtigen  Zwecke  auszubeuten. 

König  Mathias,  dem  Kaiser  Rudolph  H.  auch  das  König- 
reich Böhmen  abtreten  musste,  fand  in  demselben  bei  seinem  Regie- 
rungsantritte vier  landesfürstliche  Münzstätten,  und  zwar  zu  Prag, 
Kuttenberg,  Joaehimsthal  und  Budweis  im  Betriebe.  Aus  den  ver- 
schiedenen Münzinstructionen,  welche  wir  bisher  kennen  gelernt 
haben,  war  zu  entnehmen,  dass,  um  die  Münzen  im  vorschrifts- 
gemässen  Korn  auszubringen,  der  Wardein  verpflichtet  war,  von 
jedem  Gusse  eine  Probe  zu  machen  und  durfte  erst  dann,  wenn  die 


378 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Miiuzwesen 


volle  Eichtigkeit  des  ^^Haltes'^  erprobt  war,  der  Guss  in  Zaine  vor- 
genommen werden.  Die  ausgebrachten  Münzen  wurden  einer  wieder- 
holten Probe  unterzogen  und  war  die  Ausgabe  derselben  erst  dann 
gestattet,  wenn  durch  diese  zweite  Probe  die  Richtigkeit  im  Korn 
und  Schrot  constatirt  war.  Ausser  dem  bei  jedem  Münzhause 
bestellten  Wardein  überwachte  der  Landprobierer  das  instructions- 
gemässe  Ausbringen  der  Münzen. 

Um  die  Ueberwachung  des  ganzen  Münzbetriebes  zu  vervoll- 
ständigen, bestellte  König  Mathias  bald  nach  seinem  Regierungs- 
antritte den  Augustin  Schmilauer  von  Schmilau  als  Ober- 
Probierer  und  ertheilte  demselben  ddo.  Prag,  3.  August  1611  eine 
eingehende  Instruction.  Die  Obliegenheit  des  Ober-Probierers  war, 
die  von  den  Münzämtern  „als  zu  Prag,  Kuttenberg,  Joachimsthal 
vnd  Budweis"  gleichzeitig  mit  den  halbjährigen  Rechnungsaus- 
zügen eingeschickten  Münzproben  nachzuprobieren.  Ergab  sich  ein 
Anstand,  so  hatte  er  davon  alsbald  dem  Obermünzmeister  oder  in 
dessen  Abwesenheit  der  böhmischen  Kammer  Anzeige  zu  erstatten. 
Um  diese  Nachprobe  vornehmen  zu  können,  waren  an  den  „Ober- 
Probierer^*  in  gleicher  Weise  wie  dem  Landprobierer  und  dem 
Probationsmeister  die  vorgeschiiebenen  „Probgroschen"  einzu- 
senden. 

Ausser  den  aus  den  königlichen  Münzhäusern  ausgegangenen 
Münzen  hatte  Schmilauer  auch  noch  dfe  im  Undaufe  befindlichen 
fremden  Gold-  und  Silbermünzen  zu  überwachen  und  alle  Quartal 
oder  nach  Bedarf  davon  Probestücke  aufzuziehen  und  zu  unter- 
suchen. Ueber  die  durchgeführten  Proben  der  ersteren  waren 
genaue  Verzeichnisse  zu  führen  und  diese  letzteren  mit  Jahres- 
schluss  an  die  böhmische  Kammer  einzusenden,  welche  durch  die 
Buchhalterei  die  Angaben  derselben  mit  den  Probezetteln  der  ein- 
zelnen Münzwardeine  zu  vergleichen  hatte.  Ueber  die  probirten  und 
zu  gering  befundenen  fremden  Münzen  hatte  der  Ober-Probierer 
alle  Quartale  Verzeichnisse  an  die  böhmische  Kammer  vorzulegen, 
auf  dass  rechtzeitig  die  erforderlichen  Anordnungen  erlassen  werden 
können. 

Da  Schmilauer  in  Kuttenberg  ansässig  war,  war  ihm  die 
Ueberwachung  des  dortigen  Münzbetriebes  ganz  besonders  auf- 
getragen;  auch  hatte   er  bei   den  Erzübernahmen   zu  interveniren 


unter  den  Kaisern  Maximilian  IL,  Rudolph  II.  und  Mathias. 


379 


und  die  Schmelzhütten  zu  controliren.  Der  für  seine  Mttnzproben 
erforderliche  Bedarf  an  Kohlen  war  ihm  gegen  Empfangsbestäti- 
gung aus  den  Vorräthen  des  Münzhauses  zu  verabfolgen. «) 

Während  der  letzten  Regierungsperiode  Rudolph  II.  hatten 
sieh  im  Bereiche  des  böhmischen  Kammerwesens  verschiedene 
Unzukömmlichkeiten  eingeschlichen.  Mit  der  Resolution  ddo.  Wien, 
21.  April  1612  werden  die  wahrgenommenen  Mängel  abgestellt  und 
verschiedene  Reformen  angeordnet.  Im  Punkte  2  dieser  Resolution 
lehnte  König  Mathias  die  Wiederbesetzung  des  Obermünzmeister- 
amtes ab  „weils  so  hoch  nit  vonnöthen  vnd  die  grosse  fast  vnnöthige 
Vnkosten,  vnns  zum  besten  erspart  werden  können '^  2)  Von  dieser 
letzteren  Beschlussfassung  ging  man  jedoch  bald  wieder  ab  und 
erfolgte  die  Ernennung  des  Wilhelm  von  Wrzcsowicz  zum 
Obermünzmeister  in  Böhmen.  Dieser  hatte  den  Antrag  gestellt,  dass 
die  Silbererze  aus  den  C4ruben  zu  Radiworicz  nicht  mehr  in  den 
Schmelzhütten  zu  Krumau,  sondern  in  Kuttenberg,  und  zwar  mit 
einem  jährlichen  Nutzen  von  3000  bis  4000  Thaler  verschmolzen 
werden  sollen.  Mit  der  Resolution  ddo.  Regensburg,  17.  August 
1613  wurde  der  böhmischen  Kammer  bekannt  gegeben,  dass  vor- 
läufig in  diesen  Antrag  nicht  eingegangen  wird,  s) 

Im  Jahre  1614  hatte  im  nordöstlichen  Mähren  eine  Falsch- 
münzerbande, als  deren  ,,Capo'^  ein  Ausländer,  Kaspar  Roth,  genannt 
wird,  ihr  Unwesen  getrieben.  Sie  war  so  vorsichtig,  ihre  Müuzvor- 
räthe  an  verschiedenen  Orten  zu  deponiren.  Bei  der  Entdeckung  der 
Falschmünzerei  gelang  es  dem  Roth,  unter  Zurücklassung  erheb- 
licher Mengen  der  von  ihm  erzeugten  falschen  Münzen  zu  entwei- 
chen. Mit  dem  kaiserlichen  Erlasse  ddo.  Linz,  6.  August  1614  wurde 
der  mährische  Unterkämmerer  von  Haugwitz  beauftragt,  die  von 
dem  Falschmünzer  Kaspar  Roth  „in  den  Ortschaften  Tit schein, 
Meseritsch  und  anderwärts  zurückgelassenen  Gelder,  so  einige 
tausend  Thaler  betragen  sollen  und  dem  Kaiser  verfallen  sind*',  mit 
Beschlag  zu  belegen.  Unterm  6.  Februar  161.5   erfolgte  ein  Erlass 


>)  F.  A.  Schmidt,  J^er^ji^esetze  von  Höhnieu,  IV.  Bd.,  Seite  2i»G. 
■^)  K.  k.  H.  K.  A.,  (;dkb.  Nr.  331,  Fol.  34G. 

3;  Daselbst  Fase.  16360.  Kniinau  war  mit  der  kaiserlichen  Resolution 
il<l<>.  Pra«;,  29.  August  1G03  zu  einer  Hergstadt  erhoben  worden. 


380 


Johann  Newald  :  Das  österreichische  Münzwesen 


an  den  Cardinal  Franz  von  Dietrichstein,  er  habe  das  im 
Rathhause  ,,des  dem  Cardinal  gehörigen  Städtls  Treib erg  oder 
Przybor  erliegende,  dem  entwichenen  Falschmünzer  Roth  gehö- 
rige, dem  Kaiser  verfallene  Geld  auszufolgen '^  An  demselben  Tage 
erging  ein  gleicher  Erlass  an  Johann  von  Zie rotin  wegen  Aus- 
folgung von  zu  Meseritsch  erliegenden  238  Thalern.  i) 

Nach  der  vorausgegangenen  Beleuchtung  jener  grossen  Schwie- 
rigkeiten und  Uebelstände,  unter  deren  Druck  das  österreichische 
Münzwesen  während  der  Regierung  der  beiden  Kaiser  Rudolph  IL 
und  Mathias  zu  leiden  hatte,  lässt  sich  nunmehr  das  die  einzelnen 
böhmischen  Münzhäuser  betreffende  Detail  in  Kürze  zusammen- 
fassen. 

Münzstätte  zu  Prag. 

Bei  der  Regierungsübernahme  durch  König  Mathias  stand  das 
Prager  Münzhaus  unter  dem  Münzmeister  Benedikt  Huebmer 
von  8onnleiten.  Er  kam  aus  Joachimsthal,  wo  er  neben  dem 
dortigen  Münzmeister  Centurio  Lengefelder  als  Wardein  und  Münz- 
gegenhändler bestellt  war.  Die  Ernennung  desselben  zum  Münz- 
meister in  Prag  erfolgte  am  10.  Mai  1610, 2)  somit  noch  unter  der 
Regierung  Rudolphs  IL,  er  verwaltete  dieses  Amt  durch  die  ganze 
Regierungsdauer  des  Kaisers  Mathias.  Sein  Wardein  war  Hanns 
Erker,  ein  Sohn  des  ehemaligen  Prager  Münzmeisters  Lazar  Erker 
von  Schreckenfels.  Als  derselbe  mit  Erlass  ddo.  18.  December  1614 
zum  Oberbergmeister  befördert  wurde,  erfolgte  mit  Erlass  ddo.  Wien, 
18.  Februar  1615  die  Ernennung  des  Joachimsthaler  Hüttenamts- 
schreibers Gregor  Steinmüller  zum  Wardein  in  Prag. 3) 

Mit  der  Weisung  ddo.  Prag,  26.  Juni  1617  erhielt  Münzmeister 
Huebmer  den  Auftrag  zur  Anfertigung  von  silbernen  und  goldenen 
Auswurfpfennigen  für  die  bevorstehende  Krönung  des  Erzherzogs 
Ferdinand  zum  König  von  Böhmen.  In  einer  Eingabe  ohne  Datum, 
welche  jedoch  unzweifelhaft  in  das  Jahr  1617  zu  setzen  ist,  heben 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  16360. 

2)  J.  Neumanü,  Yerzeichniss  einer  Sammlung  böhmischer  Münzen  etc., 
Seite  30. 

3)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  16360. 


m^'- 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathias. 


381 


Münzmeister  Huebmer  und  Wardein  Steinmüller  zunächst  hervor, 
dass  der  ganze  Thaler  nunmehr  mit  90  Kreuzer  berechnet  wird. 
Nachdem  aus  der  mit  14  Loth  1  Quint.  beschickten  Wiener  Mark 
93/4  ganze  Thaler  ausgebracht  werden,  so  wird  die  feine  Wiener 
Mark  Silber  auf  16  Gulden  25  Kreuzer  1  Pfennig  gebracht.  Bei  der 
stattgefundenen  Steigerung  des  Thalerwerthes  sei  es  dringend  noth- 
wendig,  auch  bezüglich  der  Groschen  eine  Vorkehrung  zu  treffen, 
sie  stellen  somit  den  Antrag,  dass  durch  die  Groschenmünzung  die 
feine  Wiener  Mark  Silber  auf  16  Gulden  49  Kreuzer  zu  bringen 
wäre,  demnach  die  Groschen  im  Feingehalte  von  7  Loth  3  Quint. 
2  Pfennige,  aus  der  beschickten  Wiener  Mark  165  V2  Stücke  auszu- 
prägen kämen.  1)  Unter  Münzmeister  Huebmer  stand  der  Prager  Gold- 
schmied Hanns  Conrad  Greutter  als  Stempelschneider  in  Ver- 
wendung. 

Das  Münz  zeichen  des  Münzmeisters  Benedikt  Huebmer  von 
Sonnleiten  ist  eine  liegende  Mondsichel  mit  einem  sechsstrahligen 
Stern  zwischen  den  nach  aufwärts  gekehrten  Spitzen.  Nachdem 
durch  das  Auflassen  der  Budweiser  Münzstätte  die  Beischaifung  von 
Pagament  für  den  Prager  Münzbetrieb  wesentlich  gefördert  wurde, 
kommen  auch  die  mit  dem  Zeichen  des  Huebmer  versehenen  böhmi- 
schen Münzen  aller  Sorten  ziemlich  häufig  vor.  Die  ersten  mit  dem 
Brustbilde  und  Titel  des  Königs  Mathias  ausgestatteten  Prager 
Münzen  sind  vom  Jahre  1611.  Die  grossen  Sorten  haben  das  Münz- 
meisterzeichen am  Schlüsse  der  Rückseiten- Umschrift.  Nachdem 
Mathias  im  Jahre  1611  noch  nicht  römischer  Kaiser  war,  zeigt  die 
Rückseite  der  Münzen  lediglich  das  grosse  mit  der  Krone  bedeckte 
und  mit  der  Vliesskette  umgebene  Wappen.  In  ganz  ähnlicher  Weise 
sind  auch  die  Thaler,  Halbthaler  u.  s.  w.  vom  Jahre  1612  aus- 
gestattet. 

Vom  Jahre  1613  kommen  Prager  Thaler  von  zwei  wesentlich 
verschiedenen  Formen  vor.  Nachdem  König  ^lathias  am  24.  Juni 
1612  als  römischer  Kaiser  gekrönt  wurde,  zeigt  die  Rückseite  nun- 
inelir  den  Doppeladler  mit  dem  österreichisch-burgundischenWappen- 
Hchilde  auf  der  Brust.  Auf  der  Vorderseite  der  einen  Form  befindet 


»    K.  k.  11.  K.  A.,  Fase.  lf>36a 


-.=-^^-^^1 


382 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Münzwesen 


sich  das  Brustbild  des  Kaisers  von  der  rechten  Seite,  auf  jenem  der 
zweiten  Form  sehen  wir  den  stehenden  gekrönten  Kaiser  mit  Zepter 
und  Reichsapfel,  im  MUnzfelde  rechts  das  Wappen  von  Böhmen, 
links  jenes  von  Ungarn,  beide  mit  der  Krone  bedeckt.  Diese  Variante 
stimmt  mit  jenen  Thalern  überein,  welche  im  Prager  Münzhause 
schon  unter  dem  Münzmeister  Lazar  Erker  geprägt  worden  sind 
(Seite  263  i).  Die  Prager  Thaler  mit  dem  Brustbilde  des  Kaisers 
Mathias  schliessen  mit  dem  Jahre  1619  ab.  Von  Interesse  ist  ein  in 
die  Sammlung  Donebauer  gehöriger  Dickthaler  vom  Jahre  1615, 
welcher  mit  dem  Viertelthaler-Stempel  geprägt  worden  ist. 

Zu  erwähnen  sind  noch  jene  Thaler,  welche  auf  der  einen  ^eite 
die  gekrönten  Brustbilder  der  drei  Kaiser  Maximilian  I.,  Karl  V. 
und  Ferdinand  I.;  an  der  zweiten  Seite  das  Brustbild  des  Kaisers 
Mathias,  auf  einer  Variante  den  Doppeladler  besitzen.  Das  unter 
dem  letzteren  Brustbilde  vorkommende  Münzzeichen  stellt  ausser 
Zweifel,  dass  diese  Thaler  im  Prager  Münzhause  unter  dem  Münz- 
meister Benedikt  Huebmer  geprägt  worden  sind.  2)  Vom  Jahre  1613 
])eginnend,  jedoch  mit  Ausnahme  der  eben  besprochenen  Drcikaiser- 
thaler,  kommt  das  Münzzeichen  des  Huebmer,  ohne  Einfassung, 
unter  dem  Doppeladler  in  der  Umschrift  der  Rückseite  der  gi-össeren 
Münzen  vor.  Die  Stempel  zu  den  aus  dem  Prager  Münzhause  aus- 
gegangenen ganzen,  halben  und  Viertel-Thalern  des  Kaisers  Mathias 
sind  durchgehends  von  tüchtigen,  mindestens  jedoch  von  vier  Eisen- 
schneidem  angefertigt  worden. 


1)  Bei  Schultess-Rechberg  findet  sich  diese  Fonii  nur  in  Nr.  8G2  vom 
Jjihre  1619  als  dicker  Doppelthaler  beschrieben.  Mir  liegen  aus  der  Samm- 
lung Donebauer  in  Prag  vor:  ein  Doppelthaler  von  1613,  ein  Doppelthaler 
und  ein  dreifacher  Thaler  von  1616,  ein  einfacher  und  ein  fünffacher  Thaler 
von  1G19. 

-)  Es  dürfte  hier  gestattet  sein,  auf  einen  anderen,  sogenannten  Drei- 
kaiserthaler  zurückzukommen.  Auf  demselben  sehen  wir  die  gekrönten  Brust- 
bilder der  drei  Kaiser  Maximilian  L,  Karl  V.  und  Ferdinand  I.  von  der  linken 
Seite,  am  Schlüsse  der  Umschrift  findet  sich  die  Jahrzahl  (15)90.  Die  Rückseite 
zeigt  den  Doppeladler,  den  Schild  mit  dem  castilischen  Thurni  und  der  öster- 
reichischen Binde  auf  der  Brust.  Gründe,  deren  Aufzählung  zu  weit  fuhren 
würde,  berechtigen  zu  dem  Schlüsse,  dass  dieser  Thaler  unter  dem  Münzmeister 
Lazar  Erker  im  Prager  Münzhause  geprägt  worden  ist. 


I 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathias. 


383 


Münzstätte  zu  Kuttenberg. 

Während  dem  Prager  Mtiuzhause  durch  die  ganze  Regierungs- 
zeit des  Kaisers  Mathias  der  Münzmeister  Benedikt  Huebmer  vor- 
stand, trat  in  Kuttenberg  ein  ziemlich  häufiger  Wechsel  in  der 
Leitung  des  Münzbetriebes  ein.  Die  mehrfach  erwähnten  überaus 
schwierigen  Bergbauzustände  zogen  unvermeidlich  auch  das  Münz- 
wesen in  den  Kreis  des  Wirrsals  und  der  persönlichen  Zerwürfnisse. 

Im  Zusammenhange  mit  den  Reformen,  welche  König  Mathias 
bald  nach  seinem  Regierungsantritte  im  Bereiche  des  böhmischen 
Kamraerwesens  durchführen  liess,  namentlich  aber  durch  die  beim 
Kuttenberger  Bergbau-  und  Mttnzbetrieb  constatirten  Uebelstände 
angeregt,  wurde  im  Anschlüsse  an  die  Resolution  ddo.  Wien,  21.  April 
1612  alsbald,  und  zwar  unter  der  Leitung  des  böhmischen  Kammer- 
ProcuratorsProkopDvorecky  vonOlbramowic  eineCommission 
nach  Kuttenberg  abgeordnet.  Eine  der  ersten  Verfügungen,  und  zwar 
schon  unterm  1.  Mai  1612  war  die  Enthebung  des  Münzamtmannes 
Paul  Skreta  und  die  Uebertragung  des  Münzamtes  an  J o h a n n 
Sultys  von  Felsdorf.  Die  Thätigkeit  dieses  Letzteren  als  Leiter 
des  Kuttenberger  Münzbetriebes  ersteckte  sich  nur  wenig  über  die 
Zeit  von  l^g  Jahren,  denn  er  wurde  schon  am  2.  December  1613 
,, wegen  Alters,  Leibes-Unvermögenheit  und  Mangels  der  dentsclien 
Sprache"  seines  Amtes  wieder  entsetzt. 

Das  tragische  Los,  welches  später  den  Johann  Sultys  ereilte, 
dürfte  es  rechtfertigen,  hier  einen  Ueberblick  über  seinen  Lebenslauf 
einzuschalten.  Er  wurde  in  Schlan  geboren.  Nach  Beendigung  der 
akademischen  Studien  an  der  Prager  Universität  kam  er  als  Lehrer 
an  die  Stadtschule  in  Kuttenberg  und  erlangte  dort  das  Bürgerrecht. 
In  Berücksichtigung  seiner  wissenschaftlichen  Bildung  wurde  er 
zum  Stadtrath  gewählt  und  nachdem  er  vom  Lelirfache  zurück- 
getreten, bei  der  im  Jahre  1604  vorgenommenen  Rathserneuerung 
als  Rathshcrr  eingesetzt.  Seiner  Verdienste  wegen  wurde  Sultys  im 
Jahre  1605  von  Kaiser  Rudolph  IL  mit  dem  Prädicate  „von  Fels- 
dorf" in  den  Adelstand  erhoben.  In  den  Jahren  1609  bis  1612 
soll  er  auch  bei  der  Kuttenberger  Münze  in  Verwendung  gestan- 
den sein. 


384 


Johann  Newald  :  Das  österreichische  Münzwesen 


Nach  der  Entfernung  vom  Mttnzamte  wurde  Johann  Sultys  bei 
der  am  23.  Juli  1614  vorgenommenen  Rathsemeuerung  in  den  Stadt- 
rath  wiedergewählt  und  überdies  zum  Primator  ernannt,  im  Jahre 
1615  betheiligte  er  sich  an  einer  ständischen  Commission  zur  Refor- 
mirung  des  Kuttenberger  Silberbergbaues.  Als  Primator  der  könig- 
lichen Stadt  Kuttenberg  wurde  Johann  Sultys  von  Felsdorf  nach 
dem  Ausbruche  des  böhmischen  Aufstandes  einer  der  dreissig 
Directoren,  welche  die  Regierung  des  Landes  übernahmen.  Noch 
am  21.  September  1620  wurde  er  als  Primator  bestätigt  und  zum 
Stadtrichter  ernannt.  Wenige  Tage  nach  der  Schlacht  am  weissen 
Berge,  am  25.  November  1620  wurde  Sultys  verhaftet  und  nach  Prag 
abgeführt.  Er  befand  sich  unter  der  Zahl  Derjenigen,  denen  der 
Hochverrathsprocess  gemacht  und  am  21.  Juni  1621  am  Altstädter 
Ringplatz  enthauptet  wurden.  Sein  Kopf  wurde  nach  Kuttenberg 
gebracht  und  am  Koliner  Thore  aufgesteckt.  Er  soll  erst  unter  Kaiser 
Karl  VI.  herabgenommen  worden  sein.  *) 

Das  Münzzeichen  des  Münzamtmannes  Johann  Sultys  von 
Felsdorf  sind  in  einem  Oral  drei  ins  Dreieck  gestellte  (zwei  unten, 
eine  oben)  Blüthenknospen.  -)  Die  Sammlung  Douebauer  in  Prag 
bewahrt  einen  mit  dem  Müuzzeichen  des  Sultys  markirten  Thaler 
vom  Jahre  1614,  der  sich  mit  grossem  Rechte  als  eine  Seltenheit 
bezeichnen  lässt.  Nachdem  die  Tebergabe  des  Münzmeisteramtes  an 
den  Nachfolger  erst  mit  Ende  Jänner  1614  stattfand,  kann  es  sein, 
dass  Sultys  noch  während  der  bis  zu  seinem  völligen  Austritte  ver- 
flossenen Zeit  Thaler  mit  seinem  Münzzeichen  ausprägen  liess.  s) 

«)  Miltner  1.  c,  Seite  634. 

^)  Die  drei  kleinen  Figuren  werden  verschieden  benannt.  Aus  der  Ver- 
gleichung  einer  grösseren  Zahl  von  Münzen  glaube  ich  die  Bezeichnung 
„Blüthenknospen"  in  Vorschlag  bringen  zu  sollen.  Im  Wappen  des  Sultys  sind  die- 
selben übereinander  gestellt.  Vergl. Miltner  I.e.,  Tafel LXVI, Nr. 567,  568  und  569. 

3)  Es  dürfte  hier  die  nachfolgende  Bemerkung  am  Platze  sein.  In  einer 
grossen  Zahl  von  Münzhäusern,  auch  in  den  österreichischen  Ländern  war  es 
üebung,  dass  Münzen  mit  der  Jahrzahl  des  nächstfolgenden  Jahres  schon  am 
Allerheiligentage  des  Vorjahres  an  hervorragende  Beamte  und  sonst  ein- 
flussreiche Personen  abgegeben  wurden.  Fand  das  Ableben  des  Münzherrn 
oder  aber  die  Aenderung  in  der  Person  des  Münzmeisters,  sei  es  durch  Todes- 
fall oder  Dienstenthebung,  in  den  letzten  Wochen  des  Jahres  statt,  so  blieb  eine 
geringe  Zahl  von  Münzen  im  Umlauf,  deren  Jahrzahl  das  Sterbejahr  des  Münz- 
herrn oder  das  Functionsjahr  des  Münzmeisters  überschritt. 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathias. 


385 


Kaiser  Mathias  bestätigte  die  Enthebung  des  Münzamtmannes 
Joliann  Sultys  mit  der  Resolution  ddo.  Linz,  13.  December  1613. 
Die  Leitung  des  Kuttenberger  Münzbetriebes  wurde  nunmehr  an  den 
bisherigen  Ober-Probierer  Au gu  stin  Schmilau  er  vonSchmilau 
Übertragen,  welcher,  obschon  am  14.  Jänner  1614  bereits  beeidet, 
erst  am  8.  Mai  1614  in  sein  neues  Amt  eintrat. ') 

Nachdem  die  böhmischen  Stände  zur  Ueberwachung  des  Münz- 
betriebes einen  von  ihnen  besoldeten  und  ihnen  verpflichteten  Land- 
probierer  bestellt  hatten,  wurden  nach  der  im  Jahre  1611  erfolgten 
Einsetzung  des  Augustin  Schmilauer  als  königlicher  Ober-Probierer, 
dem  Landprobierer  bei  der  Handhabung  seiner  Obliegenheiten  in 
den  Münzhäusern  Hindernisse  bereitet.  Die  Stände  erhüben  aus 
diesem  Anlasse  im  Landtage  des  Jahres  1614  lebhafte  Beschwerden 
und  wurde  Kaiser  Mathias  um  Abhilfe  gebeten.  3)  Es  scheint  dies 
der  Anlass  gewesen  zu  sein,  dass  sich  die  Wiederbesetzung  der 
durch  die  Beförderung  des  Schmilauer  zum  Münzamtmann  in  Kutten- 
berg erledigten  Stelle  des  Ober-Probierers  durch  längere  Zeit  ver- 
zögerte. 

Die  leidigen  Kuttenberger  Bergbauzustände  veranlassten  den 
Kaiser  im  Jahre  1615  abermals  eine  Untersuchungs-Commission 
unter  der  Leitung  des  Adalbert  Popel  von  Lobkowitz  auf 
Chlumec  nach  Kuttenberg  abzuordnen.  Der  Commission  war  auch 
der  Hofkammen-ath  Vincenz  Muschinger  von  Gumpendorf 
beigegeben.  Mit  dem  Erlasse  ddo.  27.  Juni  1615  ertheilte  Mathias 
die  Weisung,  es  möge  unter  Zuziehung  des  Münzmeisters  die  Frage 
untersucht  werden,  ob  es  nicht  zuträglicher  wäre,  die  Bergwerke 
auf  mehrere  Jahre  und  unter  welchen  Bedingnissen  zu  verpachten. 
Der  Bericht  der  Commission  wurde  den  böhmischen  Ständen  niit- 
getheilt,  welche  in  der  Landtagssitzung  am  31.  Mai  1616  (Montag 
nach  Trinitatis^  diese  Angelegenheit  zur  Verhandlung  brachten. 
Nachdem  sowohl  der  Obermünzmeister  Wilhelm  von  Wrzcsowicz, 
als  auch  andere  glaubwürdige  Zeugen  dargethan  hatten,  dass  sich 
beim    Kuttenberger   Bergwerksbetrieb  im  Laufe    der  letzten  zehn 


1)  Vergl.  Miltner  1.  c,  Seite  G35. 


25 


386 


Johann  Xewald  :  Das  österreichische  Münzwesen 


Jahre  ein  Verlust  von  805.368  Schock  meissn.  ergeben  habe, 
stimmte  der  Landtag*  der  beantragten  Verpachtung  der  Bergwerke 
bei.  Zur  Durchführung  dieser  Massregel  kam  es  jedoch  nicht,  ij 

Die  Thätigkeit  des  Augustin  Schmilauer  als  Münzamtmann  in 
Kuttenberg  umfasste  nur  1  ^o  Jahre,  er  starb,  erst  42  Jahre  alt,  den 
17.  November  1615.  Sein  Münzzeichen  war  ein  Hahn  mit  einem 
Stock.  Dasselbe  erscheint  in  der  Rückseiten-Umschrift  der  Münzen 
unter  dem  Adler,  bald  in  einer  ovalen  Einfassung,  bald  ohne  eine 
solche  angebracht.  Trotz  der  kurzen'  Amtirung  des  Schmilauer 
kommen  die  unter  ihm  ausgegangenen  Münzen  ziemlich  häufig  vor. 
Aus  der  Sammlung  des  Herrn  Donebauer  in  Prag  liegen  mir 
1  Doppelthaler,  3  einfache  Thaler,  1  Halbthaler  und  2  Viertelthaler, 
sämmtlich  von  den  Jahren  1614  und  1615  vor.  In  meiner  Sammlung 
befindet  sich  ein  Thaler  von  1616.  Bezüglich  der  Jahrzahl  erachte 
ich  auf  das  in  der  Note  3  Seite  384  Dargestellte  hinweisen  zu 
sollen. 

Die  Wiederbesetzung  des  durch  das  plötzliche  Ableben  des 
Augustin  Schmilauer  erledigten  Münzamtes  in  Kuttenberg  verzögerte 
sich  bis  zu  der  am  17. März  1617  erfolgten  Bestellung  des  Sebastian 
Hölzl  von  Sternstein  als  Münzamtmann  daselbst.  Derselbe  war 
schon  im  Jahre  1603  Verweser  des  Berghofmeisteramtes  und  wurde 
1605  wirklicher  Berghofmeister  in  Kuttenberg.  Im  Jahre  1612  vom 
Amte  enthoben,  scheint  er  sich  in  der  von  ihm  erbetenen  Unter- 
suchung vollständig  gerechtfertigt  zu  haben.  2) 

Indem  durch  die  Zeit  vom  17.  November  1615  bis  17.  März 
1617  in  Kultenberg  kein  Münzamtmann  bestellt  war,  somit  bezüg- 
lich Leitung  des  Münzbetriebes  ein  Provisorium  bestand,  fehlt 
auch  auf  den  während  dieser  Zeit  dort  geprägten  Münzen  das 
Münzmeisterzeichen.  Die  grösseren  Geldsorten  vom  Jahre  inin 
haben  an  Stelle  dieses  Zeichens  lediglich  einen  leeren  Kreis. 

Auch  der  Münzmeister  Sebastian  Hölzl  blieb  in  Kuttenberg 
nur  durch  eine   kurze  Zeit  in  Thätigkeit.   Aus  Iglau  ddo.  27.  Juni 


1)  Sternberg  1.  c.,  I.  Bd.,  Seite  167. 

2)  Miltner  1.  c,  Seite  191. 


unter  den  Kaisern  Maximilian  IL,  Rudolph  Tl.  und  Mathias. 


387 


1618  meldete  der  Obernitinzmeister  Wilhelm  von  Wrzcsowicz  an  die 
Hof  kammer,  dass  am  25.  Juni  11  Uhr  Vormittags  der  Kuttenberger 
Buchhalter  auf  Befehl  der  „subutraque  Stendt"  überfallen,  seine 
Kanzlei  geöffnet  und  sämnitliche  Bücher  mit  Beschlag  belegt  wur- 
den. Dann  haben  sich  Paul  Skreta  und  Raslav  Hlavsa  in  das 
kaiserliche  Münzhaus  begeben,  dort  mit  Macht  die  Schlüssel 
begert,  auch  Vieles  mit  Beschlag  belegt  und  hat  sich  schliesslich 
„einer  von  Adel  so  von  Geschlecht  Chotochowsky"  im  Münzhause 
installirt.  ^ ) 

Das  Münzzeichen  des  Sebastian  Hölzl  von  Sternsteiu  ist  ein 
grosser  sechsstr ahliger  Stern,  welcher  au  der  gewöhnlichen 
Stelle,  das  heisst  an  der  Rückseite  der  Münzen  unter  dem  Adler 
angebracht  ist.  Auf  Thalern,  Halb-  und  Viertelthalern  von  den  Jahren 
1617  und  1618  fehlt  jede  Einfassung  dieses  Zeichens.  Aus  der 
Sammlung  Donebauer  in  Prag  liegt  mir  ein  Halbthaler  von  1618 
mit  einem  ganz  kleinen  Stern  in  der  Form  einer  Rosette,  ferner  ein 
Halbthaler  von  1618  und  ein  Thaler  von  1619  mit  diesem  kleinen 
rosettenartigen  Stern  in  einer  ovalen  Einfassung  vor.  Es  ist  der 
Schliiss  berechtigt,  dass  dies  Münzen  sind,  w^elche  nach  der 
Besitzergreifung  des  Kuttenberger  Münzhauses  durch  die 
,,subutraque  Stendt"  geprägt  wurden.  Ob  dieser  kleine  Stern  das 
Münzzeichen  des  Sebastian  Hölzl  ist  oder  nicht,  und  im  Falle  es 
ihm  zugehört,  ob  dasselbe  mit  oder  ohne  seine  Zustimmung  auf  den 
Münzen  angebracht  wurde,  hat  sich  bis  nun  aus  den  Acten  uicht 
klarstellen  lassen. 

•  Münzstätte  zu  Joachimstlial. 

Noch  viel  mehr  als  in  Kuttenberg  war  zu  Joachimsthal  der 
Münzbetrieb  von  dem  Zustande  des  Bergbaues  abhängig.  Hier 
jedoch  nahm  der  Verfall  desselben  einen  viel  rascheren  Verlauf  als 
dort.  Wie  oben  erwähnt,  war  zu  Joachimsthal  schon  im  Laufe  der 


1;  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  10300.  Radslav  Hlavsa  von  Liboslau  war  im 
Anfange  des  Jahrliunderts  Müuzamtschreiber  in  Kuttenberg,  vom  Jahre  1G04 
bis  1608  Ikrgbuchhalter,  bei  der  Rathsenieuerung  im  Jahre  IG  IG  wurde  er  iu 
den  Kuttenberger  Stadtrath  gewählt.  Miltner  1.  c,  Seite  1^."« 


388 


Johann  Newald  :  Das  österreicliische  Münzwesen 


letzten  Jahrzehnte  des  XVL  Jahrhunderts  die  durchschnittliche 
jährliche  Thalerausprägung  auf  kaum  10.000  Stück  zurückgegangen, 
eine  höchst  bescheidene  Ausbeute,  wenn  wir  damit  den  Umfang  des 
Haller  Prägebetriebes  in  derselben  Zeit  vergleichen.  Während  der 
Kegierung  des  Kaisers  Mathias  trugen  das  politische  Wirrsal  und 
die  Parteigehässigkeit  zur  wesentlichen  Verschlimmerung  der  dor- 
tigen Bergwerks-  und  Münzamtszustäncle  bei.  Ermüdend  wirkt  die 
Einsichtnahme  in  die  Berichte,  Vorschläge  und  Anträge  der  jedes 
zweite  oder  dritte  Jahr  nach  Joachimsthal  abgeordneten  Unter- 
suchungs-Commissionen,  die  nur  zu  häufig  Streitsachen  zwischen 
den  königlichen  Beamten  unter  sich  oder  mit  anderen  Parteien  aus- 
zutragen hatten.  In  einem  der  Commissionsberichte  wird  in  bezeich- 
nender Weise  hervorgehoben:  ,.dass  bisher  die  muthwillig  vnd 
vnnütze  Gezänk,  Hass  vnd  Neid,  so  unter  ihnen  den  Amhtleuten  aus 
lauter  Verbitterung  vnd  giftiger  Verhetzung  sehr  eingerissen,  die 
Ursache  sein,  wodurch  Einheimische  vnd  Fremdte  bau  unlustig 
gemacht  vnd  die  Bergwerkh  vollends  gänzlich  zum  Abfal  gebracht 
werden  müssen". 

Zur  Zeit  des  Ueberganges  der  Regierung  von  Böhmen  an 
König  Mathias,  und  zwar  schon  seit  dem  11.  August  1606,  leitete 
den  JoachimsthalerMünzbetrieb  der  Münzmeister  Centurio  Lenge- 
felder. Aus  der  Instruction,  welche  demselben  unterm  12.  Decem- 
ber  1606  ertheilt  worden  war,  ergab  sich  für  die  Joachimsthaler 
groben  Silbermünzen,  das  ist  Thaler,  Halb-  und  Viertelthaler,  eine, 
wenn  auch  nicht  wesentliche  Aenderung  im  Ausbringen  dieser 
Münzsorten  (Seite  288).  Das  demselben  instractionsgemäss  vor- 
geschriebene Münzzeichen  war  „ein  Löwenkopf  mit  aus- 
geschlagener Zungen".  Die  Anordnung  „mit  ausgeschlagener 
Zungen"  dürfte  mit  Rücksicht  auf  den  damals  bei  der  Budweiser 
Münze  als  Münzzeichen  in  Verwendung  gestandenen  ,,Löven- 
kopf"  erlassen  worden  sein,  in  der  Absicht,  die  beiden  sonst 
ähnlichen  Zeichen  durch  die  „ausgeschlagene  Zunge"  von  ein- 
ander zu  unterscheiden.  Münzmeister  Lengefelder  blieb  durch 
die  ganze  Regierungszeit  des  Kaisers  Mathias  auf  seinem  Dienst- 
platz. Die  unter  ihm  ausgegangenen,  mit  dem  Brustbilde  des 
Kaisers  ausgestatteten  Münzen  reichen  bis  zum  Jahre  1619.  In 
Folge    der    nahe    13   Jahre    umfassenden    Dienstzeit    desselben 


r 


unter  den  Kaisern  Maximilian  IL,  Rudolph  II.  und  Matliias. 


389 


kommen    die    mit    seinem   Zeichen    versehenen   Münzen   ziemlich 
häiifiir  vor. 


"ö 


Ans  der  Sammlung  Donebauer  in  Prag  liegen  mir  vom  Jahre 
1612  ein  Halbthaler  und  ein  Viertelthaler  von  besonders  zierlichem 
Stempelschnitt  vor.  Sie  zeigen  an  der  Rückseite  das  gekrönte  mit 
der  Vliesskette  umgebene  Wappen  von  Ungarn  und  Böhmen,  im 
Herzschilde  Oesterreich-Burgund.  Beide  Münzen  sind  offenbar  vor 
der  am  24.  Juni  1612  vollzogenen  Krönung  des  Königs  Mathias 
zum  römischen  Kaiser  geprägt  worden. 

Das  Mttnzhaus  zu  Budweis  anbelangend,  wurde  Seite  291 
hervorgehoben,  dass  bisher  aus  den  Acten  nicht  constatirt  werden 
konnte,  wann  der  Prägebetrieb  in  demselben  aufhörte.  In  der 
Instruction,  welche  König  Mathias  ddo.  3.  August  1611  für  den 
Ober-Probierer  Augustin  Schmilauer  erlassen  hatte,  wird  unter  den 
böhmischen  Münzämtern  auch  noch  Budweis  aufgezählt  (Seite  378). 
Die  militärischen  Durchzüge,  von  denen  im  Jahre  1611  das  süd- 
liche Böhmen,  namentlich  aber  Budweis  bedrängt  war,  haben 
unzweifelhaft  den  dortigen  Münzbetrieb  für  längere  Zeit  unter- 
brochen. Es  geht  dies  aus  dem  Umstände  hervor,  dass  Rosen- 
berger  aus  den  „Radiworicz'schen  Gruben"  stammendes  Silber  im 
Jahre  1611  in  das  Prager  Münzhaus  gebracht  wurde  und  für  das- 
selbe der  Einlösungspreis  bestimmt  werden  musste.  i)  Dass  im 
Jahre  1616  das  Budweiser  Münzhaus  bereits  ganz  gesperrt  war, 
dürfte  sich  daraus  ergeben,  dass  ddo.  Wien,  24.  November  1616  dem 
Unternehmer  Johann  Joachim  Edlin g  ein  Passbrief  oder  Geleit- 
schein zur  Ueberführung  von  70  Centner  „Test"  nach  Budweis  und 
zur  Ueberführung  des  durch  die  Separirung  gewonnenen  Goldes, 
Silbers  und  Blei  in  das  kaiserliche  Münzhans  zu  Prag  ausgestellt 


ij  K.  k.  Hauptmünzamts- Archiv.  Laut  der  dem  Prager  Miinzamte  ertheiltcn 
Weisung  war  für  das  Rosenberg'sche  Silber  „wegen  habenden  privilegii"  zu 
bezahlen,  und  zwar  für  die  Mark  Feinsilber  9  ganze  Thaler  15  Groschen 
3  Pfennig  un<l  für  das  übrige  Brand-  und  Pagament-Silber  die  Mark  mit 
9  Thaler,  jeder  mit  14  Kreuzer  Aufgeld,  mithin  1  Tlialer  für  84  Kreuzer 
gerechnet. 


390 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Münzwesen 


wurde.  Der  Transport  nach  Prag-  würde  wohl  kaum  stattgefunden 
haben^  wenn  die  Budweiser  Münze  noch  in  Thätigkeit  gewesen 
wäre.  ^) 


XX. 

Die  Münzstätten  zu  Kremnitz  und  Nagy-Bänia. 

Die  aufständischen  Bewegungen  in  Ungarn  unter  Stephan 
Bocskay,  welche  schliesslich  Kaiser  Rudolph  IL  zwangen,  das 
Königreich  seinem  Bruder  dem  Erzherzog  Mathias  abzutreten,  brachten 
auch  für  die  ungarischen  Bergstädte  schwere  Drangsale;  sie  fielen 
durch  einige  Zeit  den  Malcontenten  in  die  Hände.  Es  waren  überaus 
bedenkliche  Verhältnisse,  welche  der  erst  am  9.  November  1606 
ernannte  Unterkam m er graf  und  Münzmeister  Georg  Fleisch  von 
Lerchenberg  vorfand;  die  Schwierigkeiten  waren  um  so  grösser^ 
als  die  Stelle  des  Oberstkammergrafen  gemäss  einer  zweiten  Reso- 
lution Rudolphs  IL  ddo.  Prag,  9.  November  1606  nicht  besetzt  war. 
Durch  Malcontenten  aufgehetzt,  brach  unter  den  bergstädtischen 
Häuern  und  Knappen  ein  Aufruhr  aus,  der  namentlich  in  Schemnitz, 
wo  der  Tumult  vom  31.  August  bis  7.  September  1609  andauerte 
und  sich  die  Revoltanten  mit  Gewalt  der  Bruderlade  bemächtigten, 
einen  höchst  bedenklichen  Charakter  angenommen  hatte.  Mit  der 
Eingabe  ddo.  Kremnitz,  9.  December  1609  schilderte  der  Unter- 
kammergraf Fleisch  den  überaus  gefahrvollen  Zustand  in  den  Berg- 
städten und  bat  um  die  beschleunigte  Absendung  einer  Commission 
mit  einem  entsprechenden  Geldverlag,  um  die  Bergwerke  zu 
retten.  2) 

Mit  dem  Hofkammereria ss  ddo.  Wien,  23.  Jänner  16 lU  wurde 
die  alsbaldige  Abordnung  dieser  Commission  verfügt,  allein  die 
Verhältnisse  drängten  zugleich  zur  Wiederbesetznng  des  Oberst- 


i)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  17320.  Wir  begegnen  hier  das  erste  Mal  dem 
Unternehmer  Johann  Joachim  Edhng,  von  dem  später  die  Münzstätte  zu 
St.  Polten  eingerichtet  wurde.  Vergl.  Newald,  „Beiträge  zm-  Geschichte  des 
österreichischen  Münzwesens  während  der  Zeit  von  1622—1650",  Seite  7. 
„Test"  sind  die  untergeordneten  Abfälle,  welche  sich  beim  Münzbetriebe 
ergeben. 

2)  K.  k.  H.  K.  A.  Fase.  15265. 


unter  den  Kaisern  Maximilian  IT.,  lludolph  II.  und  Matlüas 


391 


kammergrafenamtes,  welche  mit  der  Resolution  des  Königs  Mathias 
ddo.  Wien,  19.  März  1610  erfolgte.  Der  neue  Oberstkammergraf 
Mathias  vonBlomstein,  zugleich  niederösterreichischer  Kamnier- 
rath,  war  der  Vorstand  der  in  die  Bergstädte  abgeordneten  Com- 
mission,  es  waren  ihm  beigegeben  Andrea  s  Doczy,  Freiherr, 
Kreisobrister  in  Nordungarn;  Stephan  Palffy,  Freiherr  und 
Philipp  Jacob  Grünthaler  von  Grttnthal.  DiederComiiiission 
ddo.  Wien,  8.  Juni  1610  ertheilte  Instruction  umfasst  42  Blätter.  In 
Bezug  auf  das  Münzwesen  wird  gesagt,  dass  nach  dem  Bericht  der 
Kremnitzer  Amtsleute  nichts  zu  verändern  wäre;  auch  die  Bnch- 
halterei  bestätige,  dass  die  Rechnungen  ordnungsgemäss  einlangen, 
und  im  Falle  sich  Anstände  vorfinden,  alsbald  „zur  Remedirung 
dasjenige  so  von  Nöten  verordnet  werde".  Dessenungeachtet  habe 
die  Commission  auch  das  Münzwesen  zu  untersuchen,  i) 

Die  Arbeiten  derselben  stiessen  namentlich  gegenüber  den 
aufgehetzten  Berg-  und  Münzarbeiten  auf  grosse  Schwierigkeiten, 
hatte  ja  doch  die  niederösterreichische  Kammer  ddo.  Wien,  7.  Mai 
1610  an  König  Mathias  die  Anzeige  erstattet,  dass  der  Palatin 
Georg  Turso  die  Revoltanten  in  ihren  Forderungen  unterstütze 
und  ihnen  zugesagt  habe,  dass  er  bald  in  die  Bergstädte  kommen 
werde,  um  an  Stelle  der  Wiener  Kammer  ein  neues  Regiment  ein- 
zurichten. Nachdem  sich  mittlerweile  die  aufständischen  Bewe- 
gungen beruhiget  hatten,  gelang  es  der  Commission,  den  Berg- 
und  Münzbetrieb  wieder  zu  ordnen.  Unter  Hinweis  auf  die  grossen 
Zerstörungen  an  flen  Bergwerken,  welche  durch  die  Rebellion  ver- 
ursacht worden,  waren  die  sieben  Bergstädte  um  einen  Nachlass  an 
der  Landesumlage  eingeschritten.  Ueber  Antrag  der  Commission 
wurde  mit  Erlass  ddo.  Wien,  3.  Jänner  1612  von  den  mit  4000  Gul- 
den ausgeschriebenen  Umlagen  für  drei  Jahre  die  Hälfte  nach- 
gelassen. Dem  entgegen  erfloss  ddo.  Wien,  31.  August  1611,  eine 
kaiserliche  Resolution,  welche  den  Waldbürgern  im  Grunde  des 
Artikels  22  der  neuen  Bergwerksordnung,  den  Erz-  und  Schlich- 
verkauf an  Fremde  strenge  untersagte,  und  die  Einlieferung  von 
Gold  und  Silber  an  die  Einlösungsämter  zu  Kremnitz  und  Schemnitz 
anordnete.    Ks   wiinb'    jcdiMh    die   alte  T'ebung,    dass  den  sieben 


»)  Sämmtliche  Acten  k.  k.  II.  K.  A.  Fiisc.  152«!.'). 


392 


Johann  Xewald:  Das  österreichische  Münzwesen 


ungarischen  Bergstädten  jährlich   175  Mark  Silber  für  die  dortigei 
Goldschmiede  tiberlassen  wurden,  aufrecht  erhalten.  ^) 

Ueber  Antrag  der  Commission  wurde  für  die  Kammern  Kremnitz 
und  Schemnitz  ddo.  Wien,  30.  Mai  1613  eine  neue  Instruction  er- 
lassen. Bisher  war  für  beide  Kammern  nur  ein  einziger  Buchhalter 
mit  dem  Amtssitz  in  Schemnitz  bestellt.  Nachdem  dieser  nicht  mehr 
im  Stande  war,  seinen  Obliegenheiten  nachzukommen,  beförderte 
König  Mathias  den  Michael  Wennger  zum  Buchhalter  für  Krem- 
nitz. Auf  das  Einbringen  derWochenlohnverzeichnisse  sei  mit  grosser 
Strenge  zu  dringen.  Dem  säumigen  Rechnungsleger  „solle  der 
Wochenlohn  ohne  alle  Gnad,  zur  Straff  durch  den  Kammergrafen 
aufgebebt  vnd  nimmer  passirt  werden".  Nachdem  die  Ducaten  und 
Thaler  bereits  hoch  gestiegen  waren,  d.  h.  ein  hohes  Agio  hatten 
und  damit  zum  Nachtheil  der  Kammer  von  Beamten  Handel  getrie- 
ben wurde,  wurde  es  dem  Buchhalter  zur  strengen  Pflicht  gemacht 
jedesmal  genau  anzuführen,  zu  welchem  Werth  Ducaten  und  Thaler 
bei  Zahlungen  berechnet  wurdeu.  Im  Einvernehmen  mit  dem  Kam- 
mergrafen sei  darauf  zu  sehen,  dass  der  Vortheil  der  Kammer  ge- 
wissenhaft gefördert  werde.  Die  Einlösung  der  Silber  anbelangend, 
welche  im  Feingehalt  von  15  Loth  zu  übernehmen  sind,  wurde  ver- 
ordnet, dass  Neu  sohl  er  Silber  die  Mark  zu  7  Gulden  ungarisch 
das  Schemnitz  er  Silber  die  Mark  zu  6  Gulden  75  Pfennige,  end- 
lich der  „Waldburger  auf  der  Kremnitz  und  auf  der  Woiza,  auch 
anderer  so  zur  Ablieferung  des  Silbers  an  die  Kammer  verpflichtet 
sind",  die  Mark  um  (j  Gulden  50  Pfennige  ungarisch  abzulösen  ist. 
Der  Buchhalter  war  verpflichtet,  im  Einvernehmen  mit  dem  Kammer- 
grafen bei  dem  ganzen  Kammerwesen,  namentlich  aber  in  dcrMünze 
nachzusehen  und  soll  „sonderlich  dahin  bedacht  sein,  damit  die 
Münz  in  rechtem  Schrott,  Khorn  vnd  Halt  aussgefertiget  gemünzt, 
vnd  die  grossen  Abgeng  in  der  Ciment  vnd  Güessgaden,  so  sich  bis- 
her befunden,  verhuet  werde". 

Es  kann  uns  nicht  befremden,  dass  während  der  Zeit  der  auf- 
ständischen Bewegung  der  Prägebetrieb  im  Kremnitzer  Münzhause 
sehr  zurückgegangen  war.  Ueber  den  Umfang  der  Silberausmünzung 
in  den  Jahren  1607   bis  inclusive   1613  liegt  ein  vom  Münznieister 


1)  Sämmthche  Acten  k.  k.  H.  K.  A.  Fase.  15265. 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolpli  II.  und  Mathias  öoö 

Georg  Fleisch    eingebrachtes  Verzeichniss    vor.   Es  wurde   an 


Silber  zu  15  Loth  fein  vermünzt: 

auf  Thaler 
1607          1769  Mark   15.213  Stücke, 

auf  Pfennige 
8.757  Mark 

1608 

2927 

« 

25.172 

r 

4.389     „ 

1609 

2525 

r 

21.715 

n 

3.541     „ 

1610 

4074 

)7 

35.036 

n 

5.308     „ 

1611 

8347 

r 

71.784 

n 

13.818     „ 

1612 

5004 

« 

43.034 

n 

13.872     „ 

1613 

5612 

r 

48.263 

77 

10.873     „ 

Zusammen  30.258  Mark  260.21 7  Thaler     60.558  Mark 
auf  ung-arisclie  Pfennige. 

Werden  die  vorstehenden  Daten,  die  Thalerprägung  anbelan- 
gend, mit  den  Betriebsergebnissen  des  Haller  Münzhauses  verglichen 
(Seite  337),  so  ergibt  sich  ein  höchst  wesentlicher  Unterschied;  allein 
wir  lernen  auch  die  Ursache  kennen,  warum  Kremnitzer  Thaler  aus 
der  letzten  Regierungszeit  Kaisers  Rudolph  IL  und  aus  den  ersten 
Jahren  des  Königs  Mathias  so  selten  angetroffen  werden.  In  einem 
oder  dem  andern  Jahre  dürfte  auch,  jedenfalls  jedoch  nur  in  be- 
schränkter Anzahl,  eine  Ausmtinzung  von  Halbthalern  stattgefunden 
haben. 

Die  dem  Unterkammergrafen  und  Münzmeister  Georg  Fleisch 
crtheilte  Instruction  enthielt  die  Verordnung,  dass  ein  Drittel  des 
feinen  Silbers  auf  Thaler  und  zwei  Drittel  auf  ungarische  Pfennige 
zu  vermünzen  sei.  (Seite  304.)  Nachdem  gegen  die  Münzbeamten  die 
Beschuldigung  erhoben  wurde,  dass  sie  mehr  als  ein  Drittel  des 
Silbers  zu  Thalern  verpräi^t,  während  das  Ausbringen  der  kleineren 
Münzen  im  Interesse  der  Kammer  gelegen  wäre,  wiesen  die  Beam- 
ten zunächst  nach,  dass  bei  der  Silberausmünzung  der  Instruction 
gemäss  vorgegangen  wurde,  und  legten  vom  Jahre  1607,  als  dem 
ersten  Jahre  der  Anitirung  des  Münzmeisters  Fleisch,  bis  inclusive 
1613,  den  oben  auszugsweise  mitgetheilten  Gebarungsausweis  vor. 
In  ihrem  Rechtfertignngsbericht  machten  die  Münzbeamten  auf  den 
Umstand  aufmerksam,  dass  dieGewerke  bei  denSilbereinlicferungen 
die  Einlösungsbeträge  in  vollwichtigen  Münzen,  d.  h.  in  Thalern 
ansprechen,  daher  eine  Reduction  der  Thalerprägung  nicht  zulässig 


394 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Münzwesen 


war,  wozu  Doch  zu  erwägen  kömmt,  class  die  Kammern  Kremnitz 
Schemnitz  mit,  auf  Ducaten  und  Thal  er  lautenden  Schulden  belastet 
sind,  deren  Verzinsung*  die  Gläubiger  mit  Ducaten  und  Thalern  ohne 
einen  Agiozuschlag  ansprechen.  Ein  baldiges  Abzahlen  dieser  Schul- 
den liege  im  höchsten  Interesse  der  Kammern,  indem  bei  dem 
hohen  Stande  der  Thaler,  welche  bereits  mit  125  bis  126  Pfennige 
berechnet  werden,  grosse  Nachtheile  erwachsen.  Die  Beamten 
sprechen  die  Hoffnung  aus,  dass,  wenn  die  Münzgefälle  in  dem  der- 
maligen guten  Stande  verbleiben,  sie  im  Jahre  1614,  20  bis  30 
Tausend  Thaler  zur  Abstattung  solcher  Schulden  werden  verwenden 
können. 

Der  Oberstkammergraf  vonBlonistein  legte  diese  Rechtfertigung  j 
mit  der  Eingabe  ddo.  Neusohl,  22.  Jänner  1614  der  Holliammer 
vor,  worüber  ddo.  Linz,  3.  April  1614  die  kaiserliche  Kesolution 
erfloss,  in  welcher  die  Erläuterungen  der  Beamten  als  befriedigend 
anerkannt  werden,  und  der  Oberstkammergraf  ermächtiget  wird, 
Thalerprägungen  je  nach  Bedarf  vornehmen  zu  lassen,  i) 

Bei  der  Ausstattung  der  in  Kremnitz  geprägten  Thaler  wurde 
im  Jahre  1614  eine  nicht  unwesentliche  Aenderung  durchgeführt. 
Auf  der  Brust  des  Doppeladlers  befindet  sich  das  viergetheilte 
Schild  mit  den  Wappen  von  Böhmen,  Dalniatien,  Kroatien  und 
Slavonien,  mit  dem  österreichisch-burgundischen  Wappen  als  Herz- 
schild. Das  Wappen  von  Ungarn  ist  unter  dem  Adler  in  der  Um- 
schrift in  einem  kleinen  mit  einer  offenen  Krone  bedeckten  Schild- 
chen angebracht. 

Ueber  die  Anzeige  des  Unterkammergrafen  Fleisch,  dass  die 
Kremnitzer  Beamten,  die  auf  den  neuen  Thalern  vorkommende  An- 
bringung des  ungarischen  Wappens  unter  dem  Adler  dahin  aus- 
legen :  „dass  Iro  Kays.  Mt.  dasselbe  den  Ungarn  zu  Schimpff  also 
setzen  lassen,  Iro  nichts  mehr  achteten,  sondern  dieselben  in  Kurzem 
mit  Füssen  tretten  vnnd  gar  austilgen  wollten",  erhielt  der  Oberst- 
kammergraf von  Blomstein,  ddo.  Wien,  18.  März  1614  die  Weisung, 
weil  durch  solche  Aussagen  die  Ungarn  aufgeregt  werden,  sei  gegen 
solches  Gerede   und  Auslegungen  mit  der  grössten  Strenge  einzu- 


1)  K.  k.  H.  K,  A.  Fase.  15265. 


mter  den  Kaisern  Maximilian  IT.,  Riidoli)h  II.  und  Mathias. 


395 


schreiten.  Auch  der  Feklobriyt  Doczy  brachte  in  dieser  Angelegen- 
heit cldo.  Szathmar,  11.  Juli  1614  eine  Eingabe  ein,  in  welcher  er 
seine  Verwunderung  aussprach,  dass  die  Ungarn  „des  Schilteis 
wegen  Bedenken  tragen."  Seiner  Meinung  nach  solle  man  sich 
daran  gar  nicht  stossen ;  denn  die  Ungarn  sind  schliesslich  recht 
froh,  wenn  nur  recht  viele  Thaler  und  Ducaten  im  Lande  um- 
laufen. 

Die  Aufregung  über  den  beanständeten  Thaler,  eigentlich  über 
die  Anbringung  des  ungarischen  Wappens  unter  dem  Schweife  des 
Doppeladlers  verbreitete  sich  über  immer  grössere  Kreise.  Die  Hof- 
kammer erstattete  darüber  ddo.  Wien,  17.  Jänner  1615  Vortrag  an 
den  Kaiser,  in  welchem  sie  hervorhebt,  dass  die  ungarischen  Stände 
sich  wiederholt  darüber  beschwert  haben,  dass  das  ungarische 
Wappen  auf  den  Thalern  „zu  Füssen  des  Adlers  angebracht  ist,  was 
dieselben  für  ein  despect  aufgenommen".  Die  Hof  kämm  er  bean- 
tragte schliesslich,  der  Kaiser  möge  eine  entsprechende  Abän- 
derung anbefehlen,  welchem  Antrage  Mathias  sein  „Placet"  bei- 
setzte, t) 

Die  beanständeten  Thaler,  welche  übrigens  nicht  häufig  anzu- 
treffen sind,  kommen  von  den  Jahren  1614  und  1615  vor.  Letzteren 
kannte  Schultess-Rechberg  nicht.  Halbthaler  dieses  Gepräges, 
welche  jedoch  zu  den  grossen  Seltenheiten  gehören,  gibt  es  vom 
Jahre  1616.  Ein  Exemplar  befindet  sich  in  meiner  Sammlung.  Von 
einigen  Nnmismaten  werden  die  in  Rede  stehenden  Thaler  als 
„Slavonische  Thaler"  bezeichnet.  Dass  dieselben  in  Kremnitz 
geprägt  wurden,  wird  durch  die  mitgetheilten  Acten  und  durch  die 
auf  den  Thalern  und  Halbthalern  vorkommenden  Ruchstaben  K  — B 
ausser  allen  Zweifel  gestellt.  Ich  glaube  noch  die  Bemerkung  bei- 
fügen zu  sollen,  dass  mir  in  den  das  ungarische  Münzweseu  betref- 
fenden umfangreichen  Acten,  weder  unter  Mathias  noch  aber  unter 
seinen  Vorgängern  in  der  Regierung,  nicht  ein  einziges  Schriftstück 
vorgekommen  ist,  welches  zu  dem  Schlüsse  berechtigen  könnte,  dass 
die  Absicht  bestand,  für  Slavohi  en  besonders  bestimmte  Münzen 
ausgehen  zu  lassen.  Bei  dem  an  sich  schon  lockern  Verbände,  wel- 
cher zwischen  Ungarn  und  seinen  Nebenländern  bestand,  würde  ein 


K.  k.  IL  K.  A.,  Fase.  1526r>. 


396 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Müuzwesen 


solches  Zugeständniss  ZU   sehr  bedenklichen  Cousequenzen 
geführt  haben. 

Im  Anfange  des  Jahres  1613  gab  es  einen  kleinen  Anstand  mit 
dem  Herzog  Wenzel  zu  Te sehen.  Der  Verwalter  der  herzoglichen 
Münze,  welche  sich  zu  „Khat scho ff"  (Skotschau)  befand,  Mel- 
chior Wink  1er,  hatte  durch  eigenen  Boten,  der  ein  Schreiben  voll 
weitgehender  Versprechungen  mitbrachte,  die  Kremnitzer  Münzer 
Hanns  Krauss,  Josef  Trautmann  und  Georg  Rietschensky  dahin  ver- 
mocht, dass  sie  heimlicher  Weise  Kremnitz  verliessen  und  zu  Skot- 
schau  in  Dienste  traten.  Der  Fall  wurde  dem  Kaiser  zur  Kenntniss 
gebracht,  welcher  ddo.  4.  März  1613  ein  in  ziemlich  ernstem  Tone 
gehaltenes  Handschreiben  an  den  Herzog  richtete,  in  welchem  die^H 
Bestrafung  des  Münzverwalters  und  die  allsogleiche  Zurücksendung^^ 
der  drei  Münzer  verlaugt  wird.  < ) 

Der  Palatin  Georg  Turso  hatte  das  Ansuchen  gestellt,  1000 
bis  1200  Mark  Silbergeschirr  und  Geschmeide,  gegen  Ersatz  der 
Prägekosten,  im  Kremnitzer  Münzhause  in  Thaler  und  Kleingeld 
vermünzen  zu  lassen.  Mit  Bericht  ddo.  Wien,  24.  September  1614 
äusserte  sich  die  hinterlassene  Hofkammer  über  das  Begehren  des 
Palatins  in  abfälliger  Weise.  Sie  besorgte  ein  nachtheiliges  Präjudiz, 
möchte  aber  auch  den  Palatin,  der  so  leicht  geneigt  ist,  dem  kaiser- 
lichen Interesse  zu  schaden,  nicht  ganz  abweisen,  und  beantragte 
schliesslich  nur  die  Genehmigung  einer  Thalerprägung,  darauf  hin- 
weisend, dass,  falls  auch  eine  Kleingeldmünzung  gestattet  würde, 
der  Palatin  ein  dem  kaiserlichen  Interesse  nicht  zusagender  Einblick 
in  das  Ganze  des  Münzbetriebes  gewährt  würde.  Der  in  dieser  An- 
gelegenheit einvernommene  Münzmeister  Fleisch  will  ebenfalls  nur 
die  Thalerprägung  genehmiget  wissen,  und  hätte  der  Palatin  für 
jede  vermünzte  151öthige  Mark  Silber  25  ungarische  Denare  als 
Münzungskosten  zu  bestreiten,  s) 

Beim  Gold-  und  Silbertransport  hatten  bishin  Bergkna])})en  als 
Escorte  gedient.  Im  Frühjahre  1615  wurde  eine  solche  Sendung  von 
Räubern  angefallen.  Mit  der  Resolution  ddo.  Prag,  4.  Juli  1516  ge- 
nehmigte Mathias  die  Bestellung  von  12  Trabanten  für  die  Zeit,  als 


1)  und  2)  K.  k.  H.  K.  A.  Fase.  15265. 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathia?.  "«^  • 

die  grosse  Unsicherheit  andauert,  welche  anstelle  der  Bergknappen 
die  Gold-  und  Sillici'sendungen  zu  escortiren  hatten. 

Die  Bergwerke  und  der  Münzbetrieb  zu  Nagy-Bänia  oder 
-Hnngatisch-Neustädtl"  waren  noch  immer  verpachtet.  Mit  dem  Er- 
lass  ddo.  Wien,  27.  Februar  1614,  wurde  der  Oberstkammergraf 
von  Blomstein  angewiesen,  zur  Untersuchung  der  Bergwerke  und 
nachdem  dort  >aut  des  Bathori  Gabors  Schlag  gemünzt  werde", 
Bergverständige  dahin  abzuordnen.  Die  Münzung  des  Bathori  ist 
gänzlich  aufzuheben,  auch  sind,  „auf  dass  auf  Iro  Kays.  Mt.  Namen 
vnd  Piltnuss  geprägt  werden  könne"  den  Abgeordneten  alsbald  die 
erforderlichen  Prägestempel  mitzugeben.  Mit  der  Eingabe  vom 
5.  März  1614  hatte  der  Oberstkammergraf  gegen  die  Durchführung 
dieses  Auftrages  verschiedene  Bedenken  erhoben,  worüber  ihm 
jedoch  mit  einem  zweiten  Erlass  ddo.  Wien,  12.  März  1614,  bekannt 
gegeben  wurde,  dass  der  Feldobrist  und  Commandant  von  Szathmar 
Andreas  Doczy  angewiesen  wurde,  bei  der  Durchführimg  der, 
der  abzuordnenden  Commission  zugewiesenen  Aufgaben  Assistenz 
zu  leisten,  auch  sei  zur  Intervention  bezüglich  der  Münzabstel- 
lung des  Bathori  und  Einrichtung  des  neuen  Betriebes,  Sigis- 
mund  Forgatsch,  einer  der  Käthe  der  Zipser  Kammer,  abge- 
ordnet. 

In  Nagy-Bänia  entsprach  die  Commission  der  ihr  zugewiesenen 
Aufgabe,  so  weit  dieses  bei  den  obwaltenden  Schwierigkeiten  und 
der  grossen  Unsicherheit  der  politischen  Zustände  des  Landes  aus- 
führbar war.  Die  Münzprägungen  im  Namen  des  Kaisers  Mathias 
wurden  dort  noch  im  Laufe  des  Jahres  1614  eröffnet,  jedoch  nur 
auf  Ducaten  und  kleine  Silbermünzen  beschränkt.  ^^ 


1)  Das  k.  k.  Münzcabinet  bewahrt  Nagy  -  Bäniacr  Münzen  des  Kaisers 
Mathias,  und  zwar  Ducaten  und Halliducaten,  Doppelgroschen  undKleinpfeiinige 
von  den  Jahren  1614  bis  incUisive  161J».  Vergl.  auch  Wescerle,  II.  Abtlieihmg, 
Tafel  VIT,  Nr.  4,  5,  6,  7,  12  und  15.  Schwer  erklärhch  ist  der  Umstand,  dass  in 
der  mehrerwähnten  Publication  „die  Siebenbürgisclien  Münzen  der  fürstl.  Monte- 
nuovos'schen  Münzcab."  von  A.  Hess,  die  mit  d(nn  Brustbilde  o(U^r  Namen  der 
beiden  Kaiser  Rudolph  II.  und  Mathias  zu  Nagy-Bania  geprägten  Münzen 
fehlen,  wälnciid  von  Miidcn  n  Finst.nXagy-Bäniaer  Münzen  zahlreich  beschrieben 
werden. 


398 


Johann  Kewald:  Das  österreichische  Münzwesen 


Jene  Schwierigkeiten,  welche  sich  in  den  deutschen  Erbländern 
und  in  Böhmeri  aus  dem  Missverhältniss  zwischen  den  umlaufenden 
Scheidemünzsorten  und  den  groben  Münzen  ergaben,  machten  sich 
auch  in  Ungarn  geltend.  Mit  dem  Erlasse  der  niederösterrei(?hi sehen 
Kammer  ddo.  Wien,  11.  December  1615,  wurde  der  Oberstkammer- 
graf  von  Blomstein  angewiesen,  die  ihm  unterstehenden  Gassen  da- 
hin zu  beauftragen,  dass  der  Ducaten  zu  210,  der  ungarische  Thaler 
zu  126  ungarische  Pfennige  zu  verrechnen  ist.  Aus  Anlass  dieser 
Verordnung  brachten  die  Münzbeamten  eine  Eingabe  ein,  in  welcher 
sie  hervorheben,  dass  die  Neusohlerischen  Kupferverleger  seit  eini- 
gen Jahren  dringend  ungarische  Pfennige  verlangt  haben.  Um  de 
Anforderungen  nachkommen  zu  können,  wurden  ungarische  Thaler 
in  Pfennige  umgemünzt  und  hat  sich  ergeben: 

im  Jahr  1613  aus  20.000  Thalern     28.108  fl.  79  Pfennige 

„      „     1614     „     10.000         .,         14.595  „    73 

„  „  1615  „  17.000  „  23.30S  ,.  76  „ 
somit  zusammen  aus  47.000  Thalern  66.013  fl.  28  Pfennige, 
woraus  auf  den  Thaler  1401/2  ungarische  Pfennige  entfallen  sind. 
Würde  man  den  Thaler  mit  126  Pfennigen  berechnet  haben,  so 
hätten  die  umgemünzten  47.000  Thaler  59.220  fl.  ergeben,  daher 
sich  aus  der  Uniprägung  ein  Ueberschuss  von  6793  fl.  28  l'fennige 
ungarisch  ergab.  ^ ) 

Im  Jahre  1615  handelte  es  sich  um  die  Bestellung  eines  neuen 
Münzeisenschneiders  in  Kremnitz.  Mit  Schreiben  ddo.  Wien,  13.  Mai 
1615  wendete  sich  die  niederösterreichische  Kammer  an  den  Kupfer- 
verleger Wolf  Paller  in  Augsburg  und  an  die  Liechtenstein'schen 
Münzpächter  in  Troppau.  Mit  dem  Erlasse  ddo.  Wien,  6.  Juni  1615 
wurde  dem  Oberstkammergrafen  von  Blomstein  bekannt  gegeben, 
dass  Paller  in  Augsburg  den  Daniel  Haider,  die  Liechtenstein' - 
sehen  Münzverleger  jedoch  den  Ananias  Büttner  empfohlen 
haben.  Es  sind  beide  aufzunehmen,  dieselben  haben  Probestempel 
zu  schneiden,  und  ist  der  Vorzüglichere  als  Ober-Münzeisenschneider 
zu  bestellen.  2) 


1)  K.  k.  H.  K.  A.  Fase.  15266. 
a)  Daselbst  Fase.  17320. 


unter  den  Kaisern  Maximilian  IL,  Rudolph  II.  und  Mathias. 


399 


Mit  der  Resolution  ddo.  Wien,  16.  Februar  1615  wurde  dem 
Ward  ein  zu  Kremnitz,  Philipp  Neutaler,  der  am  12.  Jänner 
1589  zum  Cimenter,  den  31.  Mai  1596  zum  Obereimenter,  endlich 
im  Jahre  1598  zum  Ward  ein  mit  jährlich  209  fl.  ungar.  Besoldung 
ernannt  worden  war,  seiner  treuen  Dienste  wegen  eine  Provision 
von  wöchentlich  3  fl.  genehmiget.  Neutaler  starb  schon  Anfang  Mai 
1616.  1) 

Noch  aus  der  Zeit  des  Bocskai'schen  Aufstandes  waren  die 
Kremnitzer  Mttnzgesellen  und  Knappen  mit  dem  Betrage  von 
1494  fl.  98  Pfennige  im  Rückstande.  Im  Bericht  ddo.Wien,  14.  Jänner 
1617  bemerkt  die  niederösterreichische  Kammer,  dass  die  Mtinz- 
knappen  damals  Soldatendienste  geleistet  haben,  ohne  einen  Sold 
zu  beziehen,  und  dass  später  da  wenig  Arbeit  war,  denselben  ein 
Wartegeld  von  320  fl.  43  Pfennige  gewährt  werden  musste.  Nach- 
dem mittlerweile  eine  Zahl  der  betheiligten  Gesellen  und  Knappen 
gestorben  ist,  und  es  wohl  nicht  angehe,  den  ganzen  Rückstand  auf 
die  noch  lebenden  zu  vertheilen,  beantragte  die  Kammer  den  Nach- 
lass  des  ganzen  Betrages.  Kaiser  Mathias  genehmigte  mit  der  Reso- 
lution ddo.  Wien,  17.  October  1618  diesen  Antrag.  2) 

Im  Monat  August  1618  starb  der  Kremnitzer  Unterkammergraf 
und  Mttnzmeister  Georg  Fleisch  von  Lerchenberg.  Ueber  An- 
trag der  Hofkammer  vom  12.  September  1618  ernannte  Kaiser 
Mathias  mit  der  Resolution  ddo.  12.  December  1618  den  bisherigen 
Einnehmer  zu  Schemnitz,  Hanns  Lienpacher  von  Lienpach 
zum  Unterkammergrafen,  Einnehmer  und  Münzmeister  bei  der  Kam- 
mer Kremnitz  „mit  gleicher  Unterhalltung  vnnd  Instruction  wie  dem 
Fleischen  zum  Antritt  beschehen".  Lienpacher  erhielt  ddo.  Wien, 
22.  Februar  1619  eine,  36  Seiten  umfassende  eingehende  Amts- 
instruction.  In  Bezug  auf  die  Münzprägung  blieben,  Ducateu  und 
Thal  er  anbelangend,  die  fttr  Georg  Fleisch  mit  der  Instruction  vom 
1.  Mai  1607  (Seite  304)  vorgeschriebenen  Normen  aufrecht.  Es  waren 
auszubringen:  Ducaten  auf  die  ungarische  Mark  69  Stücke  im 
Feingehalt  von  23  Karat  und  9  Grän,  ferner  Thal  er  aus  der  mit 
14  Loth  beschickten  ungarischen  Mark  8-6  Stücke  (8  Thaler  60 
Pfennige).  Von  dem  zur  Verniilnzung  kommenden  feinen  SillxM-  w.ir 


1)  und  a)  K.  k.  H.  K.  A.  Fase.  152G(J. 


400 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Münzwesen 


Ya  auf  Thaler,  2/3  ^"^  kleine  Mttnzen  zu  verwenden.  Ein  Unterschied 
ergab  sich  bei  den  ungarischen  weissen  Pfennigen.  Während  die 
Instruction  vom  Jahre  1607  den  Feingehalt  mit  6  Loth  anordnet, 
bestimmt  die  neue  Instruction  denselben  mit  5  Loth,  es  waren  jedoch 
wie  früher  446  Stücke  aus  der  ungarischen  gemischten  Mark  aus- 
zubringen. 1) 

Gegen  das  Ende  der  Regierung  des  Kaisers  Mathias  gaben  die 
der  grossen  Entfernung  wegen  nur  schwer  zu  überwachenden  und  zu 
controllirenden  Zustände  zu  Nagy-Bänia,  neuerdings  zu  Verhandlungen 
Anlass.  Das  dortige  Münzhaus  war  anFelician  Freiherrn  von  Her. 
berste  in,  ein  Sohn  des  im  Jahre  1599  zuNagy-Bania  verstorbenen 
kaiserlichen  Hofkriegsrathes  Felician  von  Herberstein  (Seite  309) 
verpachtet.  Mit  dem  Hofkammererlass  ddo.  Wien,  20.  September 
1618  wurde  derselbe  aufgefordert,  die  für  das  Münzhaus  zu  Nagj- 
Bänia  rückständige  Arrenda  von  5000  fl.  alsbald  an  die  Zipser 
Kammer  einzuzahlen,  widrigens  das  Münzhaus  einem  andern  Pächter 
überlassen  werden  wird. 

Mit  der  Eingabe  ddo.  Szathmar,  11.  Jänner  1619  hatte  der 
Kreisobrist  in  Oberungarn  und  Commandant  von  Szathmar  Andreas 
Doczy  dringend  darauf  angetragen,  dass  in  Bezug  auf  das  Berg- 
und  Münzwesen  zu  Nagy-Bania  besser  als  bisher  Vorsorge  zu  treffen 
wäre.  ^Man  füret  auch  auss  Sibenbürgen  Silber  vndt  Gold  zu  undt 
lass  es  aldort  münzen,  dennoch  ist  nie  khein  Geld  vorhanden.''  Feli- 
cian von  Herberstein  bezahle  die  jäbrlich  zu  entrichtende  Arrenda 
gar  schlecht,  auch  geben  seine  Münzen  zu  Klagen  und  Beschwerden 
Anlass,  man  möge  daher  einen  neuen  Pächter  aufnehmen.  Am  ent- 
sprechendsten wäre  die  Stadt  Nagy-Bänia  selbst,  welche  auch  geneigt 
wäre,  eine  um  mehrere  Hundert  Gulden  erhöhte  Arrenda  zu  zahlen. 
Herberstein  liege  mit  der  Stadt  in  stetem  Streit.  In  einem  undatirten 
Schreiben  gab  Letzterer  über  diese  Anschuldigungen  seine  Aeusserung 
ab.  Er  beschwerte  sich  über  die  Feindseligkeiten  des  Feldobristen 
Doczy,  namentlich  aber  über  die  von  demselben  erhobene  Beschul- 
digung, dass  er,  Herberstein,  inNagy-Bänia  falsche  Münzen  schlagen 
lasse.  Er  beruft  sich  darauf,  dass  er  von  seinen  Münzen,  über  Auftrag 


1)  K.  k.  H.  K.  A.,  Fase.  15266. 


unter  den  Kaisern  Maximilian  IT.,  Tiu(loli)h  II.  und  Mathias. 


401 


des  Oberstkauiiiitr^ raten,  Proben  an  die  Wardeine  zu  Kremnitz  und 
Neusolil  einsende,  welche  diese  Proben  mit  ihren  Münzen  „aines 
Halts,  feine  und  denselben  allerdings  gleich  erfunden  haben". 

Der  Oberstkammergraf  von  Blomstein,  dem  die  Acten  zur 
Aeusserung  zugewiesen  wurden,  sagte  in  seinem  Bericht  ddo.  Wien, 
20.  Februar  1619  über  den  Antrag,  das  dortige  Berg-  und  Münz- 
wesen der  Stadt  Nagy-Bänia  bestandweise  zu  überlassen,  „dass  wie 
die  Ungarischen  Herren,  also  auch  die  Stadt  denen  Pergbaulustigen 
Teutschen  Feind,  selbst  aber  Pergwerg  zu  bauen  gar  zu  aigennüczig 
vnd  trag,  vnd  dahero  wie  sy  Ihme  Herrn  von  Herberstein  weckh 
bringen  möchten,  bedacht  seien".  *) 

Ueber  den  Abschluss  dieser  Verhandlungen  finden  sich  in  den 
Acten  keine  Nachrichten,  wohl  ans  dem  Grunde,  weil  sie  gar  nicht 
zu  Ende  geführt  werden  konnten.  Kaiser  Mathias  war  am 
20.  März  1619  gestorben.  Durch  den  SiebenbUrger Fürsten  Bethlen 
Gabor  aufgehetzt,  brach  in  Ungarn  neuerdings  eine  aufständische 
Bewegung  aus.  Bethlen  hatte  mit  seinen  Anhängern  schon  am 
6.  September  1619  Kaschau,  den  Amtssitz  der  Zipser  Kammer, 
besetzt;  womit,  sowie  durch  die  nun  folgenden  politischen  Ereig- 
nisse, jeder  Verkehr  der  Wiener  Regierung  mit  Nagy-Bania  für  eine 
längere  Reihe  von  Jahren  aufgehoben  wurde.  Die  Bergstädte  fielen 
erst  um  mehrere  Monate  später  Bethlen  Gabor  in  die  Hände,  denn 
noch  ddo.  Wien,  7.  October  1619  erfolgte  an  den  Oberstkammer- 
grafen von  Blomstein  die  Weisung,  dass  über  Mandat  des  Erzher- 
zogs Leopold  vom  30.  September  1619,  im  Münzhause  zu  Kremnitz 
„alle  Münzsorten  auf  Ihrer  Kays.  Mt.  Bildnuss  undt  Namen  als  bald 
zu  verändern  sind'^  2) 

Die  in  den  Jahren  1614  und  1615  zuKremnitz  geprägten  Thal  er 
wurden  im  Lande,  ja  selbst  von  den  ungarischen  Ständen,  aus  dem 
Grunde  beanständet,  weil  das  Landeswappen  auf  der  Rückseite 
derselben  unter  dem  Schweife  des  Doppeladlers  angebracht  war 
(Seite  394).  NachdemKaiser  Mathias  eine  entsprechende  Abänderung 
angeordnet  hatte,  wurden  schon  im  Jahre  1616  Thaler  geprägt,  auf 


1)  K.  k.  K.  n.  A.  Fase.  152GG. 

2)  Daselbst  Fase.  152(10. 

26 


402 


Johann  Xewald:   Das  österreichisch»-  Münzwesen 


I 


denen,  wie  solches  schon  auf  altern  ungarischen  Thalern  der  Fall 
war,  das  Landeswappen  auf  der  Vorderseite  neben  dem  Brustbild 
des  Kaisers,  in  der  Umschrift  rechts  und  links  die  „Patrona  Hun- 
garia"  dargestellt  erschien.  Das  Schild  auf  der  Brust  des  Doppel- 
adler blieb  jedoch  ungeändert,  es  zeigte  die  Wappen  von  Böhmen, 
Dalmatien,  Kroatien  und  Slavonien,  im  Mittelschilde,  das  öster- 
reichisch-burgundische  Wappen.  Der  derart  ausgestattete  Krem- 
nitzer  Thaler  vom  Jahre  1616  kommt  übrigens  nur  selten  vor.  Das 
Wappen  auf  der  Brust  des  Doppeladlers  wurde  jedoch  schon  im 
Jahre  1617  dahin  abgeändert,  dass  nunmehr  im  ersten  und  vierten 
Felde  die  ungarischen  Binden,  im  zweiten  und  dritten  Felde  der 
böhmische  Löwe  und  im  Herzschilde  das  österreichisch-burgun- 
dische  Wappen  angebracht  ist. 

Obwohl  Kaiser  Mathias  schon  am  20.  März  1619  starb,  kumiiicu 
noch  Kremnitzer  Thaler  und  Halbthaler  vom  Jahre  1620  vor.  (Schul- 
tess-RechbergNr.  2447  und  2448.)  Die  Erklärung  dieser  Eigenthüm- 
Hchkeit  dürfte  in  dem  Umstände  liegen,  dass  die  Weisung,  die  Mün- 
zen nunmehr  mit  dem  Brustbilde  und  Titel  Ferdinands  IL  ausgehen 
zu  lassen,  den  Kremnitzer  Münzbeamten  verspätet  zukam  und  mitt- 
lerweile eine  Anzahl  Thaler  und  Halbthaler  des  Kaisers  Mathias 
mit  der  Jahrzahl  1620  geprägt  wurden,  um  dieselben  in  üblicher 
Weise  schon  an  Allerheiligen  1619  an  Beamte  und  andere  Stan- 
despersonen abgeben  zu  können.  Die  Halbthaler  dieser  Prägung 
gehören  unter  die  Seltenheiten.  i 


unter  den  Kaiseru  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathias. 


403 


Rückblick. 

Die  Kegierimgszeit  der  drei  Kaiser  Maximilian  11., 
Rudolph  II.  imd  Mathias  nimmt  namentlich  dadurch  unsere 
Aufmerksamkeit  in  Anspruch,  dass  sich  im  Laufe  derselben  jene 
Zustände  vorbereiteten,  welche  schliesslich  eine  weitgehende  Auf- 
lösung des  „heiligen  römischen  Reiches  deutscher  Natiop"  und  eine 
Lahmlegung  der  Centralgewalt  herbeiführten.  Noch  viel  tiefgreifen- 
der waren  die  Veränderungen,  welche  sich  während  dieser  Zeit- 
periode im  Münzwesen  des  Reiches  vollzogen  hatten.  Von  irgend 
einer  gemeinsamen  Grundlage  für  das  überaus  wichtige  Münzwesen, 
auf  w^elcher  das  Ganze  des  über  Centraleuropa  ausgebreiteten,  zum 
römischen  Reiche  gehörigen  Landgebietes  zu  umfassen  gewesen 
wäre,  konnte  längst  keine  Rede  mehr  sein. 

Obwohl  auf  den  Reichstagen  der  Bestand  der  zahlreichen 
Münzstätten,  darunter  sehr  viele  von  höchst  zweifelhafter  Berechti- 
gung, als  die  Grundursache  der  trostlosen  Münzverhältnisse  er- 
kannt; auch  wiederholt  Anträge  gestellt  und  Beschlüsse  gefasst 
wurden,  deren  consequente  Durchführung  eine  Bekämpfung  wenig- 
stens der  schreiendsten  Uebelstände  erwarten  Hess,  war  die  Central- 
gewalt des  Reiches  längst  viel  zu  machtlos,  um  mit  Erfolg  dem  all- 
gemein erkannten  Uebel  entgegentreten  zu  können. 

In  den  kleinen  Münzliäusern,  wo  man  sich  nur  durch  das 
Streben  nach  augenblicklichen  Gewinn  leiten  Hess,  hörte  die  Aus- 
prägung von  reichsgemässen  groben  Münzen  gänzlich  auf 
und  wurden  nur  kleine,  an  Korn  und  Schrot  verminderte 
Scheidemünzsorten  ausgebracht,  deren  Gehalt,  da  sich  die 
kleinen  Münzstände  in  der  Ausbeutung  der  Münzbefugnisse  wechsel- 
seitig zu  überbieten  suchten,  fort  und  fort  verschlechtert  wurde. 
Um  der  aus  einem  solchen  Gebaren  drohenden  Calamität  zu  begeg- 
nen, wurde  schon  im  Jahre  1571  auf  dem  Reichstage  zu  Frankfurt 

26* 


404 


Johann  Newald:  Das  österreichische  Münzwesen 


beschlossen,  dass  nur  jenen  Reichsständen,  welche  eigene  Berg- 
werke auf  Edelmetalle  besassen,  der  Betrieb  eigener  Münz- 
stätten gestattet  bleiben  soll,  während  alle  übrigen  Münzstände  mit 
ihren  Münzprägungen  in  die  Kreismünzhäuser,  welche  unter 
geschwornen  Mtinzmeistern  und  Wardeinen  stehen  sollten,  zu  weisen 
wären. 

Als  jede  Hoffnung  auf  eine  durchgreifende  Handhabung  der 
Reichsmttnzordnung  aufgegeben  werden  musste,  sah  sich 
Kaiser  Maximilian  IL  über  Drängen  seiner  Brüder,  der  Erzherzoge 
Ferdinand  von  Tirol  und  Karl  von  Steiermark,  auch  die  Vorstellun- 
gen der  Stände  seiner  Länder  würdigend,  genöthiget,  im  Jahre 
1573  von  derselben  zurückzutreten.  Von  der  drückenden  Fessel 
befreit,  entwickelte  sich  nunmehr  das  österreichische  Münzwesen 
unter  den  Kaisern  Maximilian  IL,  Rudolph  H.  und  Mathias,  in  einer 
das  wirthschaftliche  Interesse  dieser  Länder  thunlichst  wahrenden 
Weise.  Korn  und  Schrot  der  aus  den  österreichischen  Münz- 
häusera  ausgegangenen  groben  und  kleinen  Geldsorten  wurden 
lediglich  nach  den  Anforderungen,  welche  sich  aus  dem  wirthschaft- 
lichen  Zustande  der  österreichischen  Lande,  auch  nach  anderen 
massgebenden  Factoren,  ergaben,  festgestellt;  —  auf  die  in  den 
ausserösterreichischen  deutschen  Ländern,  auf  dem  Gebiete  des 
Münzwesens  herrschenden  Verhältnisse  konnte  dabei  keine  Rück- 
sicht mehr  genommen  werden. 

Man  hat  einen  Theil  der  mit  Brustbild  und  Titel  österreichi- 
scher Regenten,  welche  römische  Kaiser  waren,  ausgeprägten 
Thaler  als  „Kaiserthaler'^  bezeichnet,  womit  wohl  gesagt  wer- 
den wollte,  dass  dieselben  speciell  für  das  Reich  und  für  den  Ver- 
kehr im  Reiche  bestimmt  waren.  Durch  diese  Zutheilung,  bei 
welcher  überdies  ohne  irgend  einen  klaren  Gesichtspunkt  oder  ein 
bestimmtes  Prineip  vorgegangen  wurde,  hat  man  den  Zusammen- 
hang der  aus  österreichischen  IMünzhäusern  ausgegangenen  Thaler 
und  deren  Untertheilungen  in  höchst  bedauerlicher  Weise  aufgelöst. 

Das  Studium  des  österreichischen  Münzwesens  ist 
durch  diesen  Vorgang  nicht  gefördert  worden.  Während  in  Bezug 
auf  Reichhaltigkeit  und  Mannigfaltigkeit  der  aus  öster- 
reichischen Münzhäusern  ausgegangenen  Münzsorten  alle  übrigen 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  IT.  und  Mathias.  ^VD 

Länder  des  einstigen  heiligen  römischen  Reiches  deutscher  Nation 
weit  zurückstehen,  kommt  dennoch  das  österreichische  Miinzwesen 
als  ein  Gesammtbild  an  keinem  Orte  zum  Ausdruck.*) 
Man  schied  ganze  Reihen  österreichischer  Thaler  —  nochmals  wird 
es  wiederholt,  ohne  dabei  von  einem  klaren  Gesichtspunkte  aus- 
zugehen —  als  „Kaiserthaler'^  aus,  man  bildete  andere  von 
einander  getrennte  Gruppen,  die  man  ,,ungarische"  oder  „böh- 
mische" Münzen  nannte,  man  sonderte  die  siebenbürgischen 
Münzen  aus.  Ganz  getrennt  wurden  die  Münzen  der  Nebenlinien 
des  Habsburger  Regentenhauses  behandelt,  endlich  wurden  die 
Münzen,  welche  Erzherzog  Maximilian  III.  als  Landesherr  von 
Tirol  und  Elsass  prägen  Hess,  gar  nicht  als  österreichische 
Münzen  anerkannt,  sondern  einfach  den  Münzen  des  deutschen 
Ordens  zugetheilt.  Wo  wir  hinblicken,  planlose  Zersplitterung.  Ohne 
zu  bedenken,  dass  die  grosse  Mannigfaltigkeit  der  österreichischen 
Münzen  in  innigem  Zusammenhange  steht  mit  dem  Gange  der  Ent- 
wicklung und  der  Ausgestaltung  der  habsburgischen  Monarchie, 
auch  ohne  zu  bedenken,  dass,  nachdem  das  Münzwesen  lediglich 
ein  integrirender  Bestandtheil  des  ganzen  staatlichen  Organismus 
ist,  dasselbe  nothwendiger  Weise  in  vollem  Zusammenhange  mit 
den  allgemeinen  staatlichen  und  wirthschaftlichen  Zuständen  der 
Monarchie  betrachtet,  nicht  aber  von  seiner  eigentlichen  Grundlage 
abgetrennt  und  in  eine  Zahl  von  aus  ihrem  Zusammenhange  gerisse- 
nen Gruppen  aufgelöst,  behandelt  werden  kann,  wurden  Systeme 
aufgestellt,  durch  welche  der  Gesammtblick  auf  die  übergrosse 
Reichhaltigkeit  und  die  Mannigfaltigkeit  der  aus  österreichischen 
Münzhäusern  ausgegangenen  Münzen  gänzlich  verloren  ging. 

In  Bezug  auf  die  unter  Ferdinand  I.  geprägten  Thaler,  denen 
der  Titel  ,,Rö  misch -kaiserliche  Thal  er"  beigelegt  wurde, 
habe  ich  im  „Oe sterreichische  n  Münzwesen  unter  Ferdi- 
nand I."   Seite  98   u.  f.   mehrfache   Bedenken  hervorgehoben.  Es 


1)  Bei  der  MüDzenausstelluug,  welche  die  Wiener  Numismatische  Gesell- 
schaft aus  Anlass  des  (h-itten  deutscheu  Münztbrschertages  im  Jahre  1883 
veranlasste,  wurde  lediglich  ein  Versuch  gemaelit,  die  Entwicklung  des 
österreichischen  Münzwesens  übersichtlich  darzustellen.  Schon  dieser  ganz 
unvollständige  Versuch  bot  ein  überraschendes,  ja  iinponirendes  Bild  dessen, 
was  „österreichisches  Münzwesen"  heisst. 


406 


Johann  Newald  :  Das  österreichische  Münzv  esen 


I 


möge  nnnmehr  gestattet  sein,  an  das  dort  Betonte,  die  drei  Kaiser 
Maximilian  II.,  Rudolph  IL  und  Mathias  anbelangend,  einige  Er- 
wägungen beizufügen. 

Nachdem  Ferdinand  I.  alle  österreichischen  Länder  unter 
seinem  Zepter  vereinigte,  hat  man  einfach  die  aus  den  Münzhäusern 
zu  Wien,  Linz,  Graz,  Klage  nfurt  und  Hall  hervorgegangenen 
Thaler  sämmtlich  als  „Römisch-kaiserliche  Thaler"  bezeich- 
net, und  hat  Schultess-Rechberg  überdies  unter  Nr.  158  einen 
schlesischen  Thaler  unter  die  „Kaiserthaler"  eingereiht.  Es 
genügt  wohl  zu  erwähnen,  dass  Ferdinand  I.  Herzog  von 
Schlesien  nur  als  König  von  Böhmen,  nicht  aber  als  römischer 
Kaiser  oder  König  war.  Er  errichtete  die  Münzstätte  zu  Breslau  als 
König  von  Böhmen,  und  übertrug  die  Leitung  und  Ueberwachung 
derselben  an  die  böhmische  Kammer. 

Durch  die  Ländertheilung  nach  dem  Tode  Ferdinands  I.  fielen 
die  Münzstätten  zu  Hall,  Graz  und  Klagenf^irt  hinweg,  das 
Linz  er  Münzhaus  war  schon  im  Jahre  1562  gesperrt  worden;  es 
verblieb  daher  unter  Kaiser  Maximilian  IL  in  den  alten  österreichi- 
schen Erbländern  lediglich  die  Münzstätte  zu  Wien.  Dort  war  der 
Betrieb  durch  die  ganze  Regierungszeit  Maximilians  IL  sehr  be- 
schränkt, auch  wurden  nur  wenige  Thaler  nach  der  Reichsmünz- 
ordnung vom  Jahre  1559  ausgegeben,  sondern  grösstentheils  nach 
der  alten  Münzordnung  vom  Jahre  1524  geprägt.  Unter  die 
„Römisch-kaiserlichen  Thaler"  Maximilians  IL  vermochte  Schultess- 
Rechberg  nur  drei  Nummern,  165,  166  und  167  aufzunehmen. 

Noch  übler  ist  es  mit  den  „Römisch-kaiserlichen  Tha- 
lern" unter  Kaiser  Rudolph  IL  bestellt.  Schultess-Rechberg  zählt 
zunächst  unter  Nr.  168  einen  schlesischen  Thaler  auf.  Dass 
dieser  gar  nicht  hieher  gehört,  wurde  oben  bereits  dargethan,  er 
ist  nur  unter  den  böhmischen  Münzen  an  seinem  Platze.  Alle  übri- 
gen Thaler  Rudolphs  IL,  welche  Schultess-Rechberg  als  „Kaiser- 
thal er"  aufgenommen  hat,  37  an  der  Zahl,  sind  Tiroler  oder 
Elsasser  Münzen.  Nun  kommt  der  wichtige  Umstand  in  Betracht 
zu  ziehen,  dass  sänimtliche  Münzen,  welche  seit  dem  Jahre  1602 
in  den  Mtlnzhäusern  zu  Hall  und  Ensisheim  mit  dem  Brustbilde 
Rudolphs  IL  geprägt  wurden,  derselbe  nicht  als  römischer  Kaiser, 
sondern  dem  sogenannten  Prager  Vergleich  entsprechend,  lediglich 


unter  den  Kaisern  Maximilian  IT.,  Rudolph  II.  und  Mathias, 


407 


als  Chef  des  Eegentenliauses,  im  Voll maclitn amen  seiner 
Brüder  und  Vettern  von  der  österreichischen  Linie  ausmünzen 
Hess.  Nicht  Rudolph  IL  erscheint  für  all'  diese  Thaler  u.  s.  w.  als 
der  Münzherr j  dieses  ist  nur  die  Gesammtheit  der  Paciscenten 
des  Prager  Vergleiches.  Darum  fehlt  auch  auf  diesen  Thalern  der 
Doppeladler,  an  dessen  Stelle  die  Rückseite  der  Münzen  das 
Habsburg-ische  Gesammtwappen  mit  der  das  Rechtsverhältniss 
ihrer  Ausprägung  charakterisirenden  Umschrift  besitzt. 

Ein  Moment  verdient  noch  in  Erwägung  gezogen  zu  werden. 
Unter  allen  Thalern,  welche  in  österreichischen  Münzhäusern  mit 
dem  Brustbilde  Rudolphs  IL  geprägt  wurden,  stehen  ihrem  inneren 
Werthe  nach  die  Tiroler  und  Elsasser  Thaler  am  meisten  gegen  die 
Reichsmünzordnung  zurück.  Xun  darf  wohl  vorausgesetzt  werden. 
dass^  im  Falle  diese  Thaler  als  „Kaiserthaler"  speciell  für  das 
Reich  oder  für  den  Verkehr  im  Reiche  bestimmt  waren,  man  sie 
auch  in  dem  der  Reichsmünzordnung  entsprechenden  Werthe  aus- 
gebracht hätte ,  wozu  noch  die  Bemerkung  beizufügen  kommt,  dass 
in  den  Acten  auch  nicht  der  geringste  Anhaltspunkt  aufzufinden 
ist,  um  den  Schluss  zu  berechtigen,  dass  man  in  Hall  oder  Ensis- 
heim  die  Absicht  hatte,  für  das  Reich  bestimmte  „Kaiserthaler" 
auszumünzen. 

In  der  Reihe  der  sogenannten  ,, Römisch-kaiserlichen  Thaler", 
welche  dem  Kaiser  Mathias  zugehören,  finden  sich  bei Schultess- 
Rechberg  mehrere  im  Wiener  Münzhause  unter  dem  Münzmeister 
Mathias  Fellner  und  dem  Münzunternehmer  Isaias  Jessensky  ge- 
prägte Thaler  aufgezählt.  Auffälliger  Weise  reihet  Schultess-Rech- 
berg  zwei  mit  dem  Zeichen  des  Münzmeisters  Fellner  versehene, 
somit  unzweifelhaft  im  Wiener  Münzhause  geprägte  Thaler,  und 
zwar  Nr.  842  und  843  unter  die  böhmischen,  und  einen  gleichen 
Thaler,  und  zwar  Nr.  2441  unter  die  ungarischen  Thaler  ein.  Welche 
Gründe  für  diese  Zutheilung  massgebend  waren,  gibt  Schultess- 
Rechberg  nicht  an.  Wollte  damit  angedeutet  werden,  dass  im 
Wiener  Münzhause  Thaler  unter  der  Bezeichnung  „Kaiserthaler" 
speciell  für  das  römische  Reich,  dann  andere  Thaler  speciell 
für  Böhmen,  und  wieder  andere  fllr  Ungarn  bestimmt,  geprägt 
wurden,  so  wären  dieses  Voraussetzungen,  für  welche  sich  in  den 
Acten  auch  nicht  die  geringste  Grundlage  vorfindet. 


408 


.lohaan  Newald:  Das  österreichische  Münz-weseu 


Zum  Schlüsse  bleiben  nun  noch  als  Münzen  österreichisch» 
Kegenten  zu  reclamiren  jene  grosse  Zahl  von  Thalern,  welche 
Erzherzog  Maximilian  III.,  Deutschordens-Hochmeister,  vom  Jahre 
1612  beginnend,  als  Landesfürst  von  Tirol  und  der  vorderöster- 
reichischen Lande  zu  Hall  und  Ensisheim  prägen  Hess.  Die  Zu- 
v^eisung  derselben  unter  die  D  e  u  t s  c  h  o  r  d  e  n  s  -  M  ü  n  z  e  n ,  wie  sie 
bei  Schultess-Rechberg,  IL  Band,  2.  Abth.,  8eite  291,  auch  bei 
Dr.  B.  Dudik  „des  deutschen  Ritterordens  Münz-Sammlung"  ange- 
troffen wird,  beruht  entschieden  auf  einem  Irrthume. 


Jedem  Sammler  österreichischer  Thaler  wird  gewiss  daran 
gelegen  sein,  seine  Sammlung  in  einem  Gesammtbilde  geordnet  zu 
haben,  um  die  Mannigfaltigkeit  und  Reichhaltigkeit  der  hieher 
gehörigen  Gepräge  zum  vollen  Ausdruck  zu  bringen.  Zu  diesem 
Ende  dürfte  es  wohl  am  entsprechendsten  sein,  die  altübliche  Zer- 
splitterung in  „Kaiserthaler'^, böhmische,  ungarische,  siebenbürgische 
Thaler  u.  s.  w.  aufzugeben,  und  ttlr  die  Anordnung  der  Sammlung 
an  Stelle  der  Länder,  die  Münzherren  als  die  Grundlage 
zu  nehmen.  Hat  man  sich  einmal  für  dieses  Princip  entschieden, 
dann  lassen  sich  die  Thaler  der  einzelnen  Münzherren  nach  den 
Ländern,  den  Münzstätten  und  den  Münzmeistern  ordnen.  Die  Thaler, 
welche  aus  den  Münzhäusern  der  münzberechtigten  Seitenlinien  aus- 
gegangen sind,  werden  sich  dem  Hauptstamme  ungefähr  in  der 
Weise  anreihen  lassen,  wie  Seitenlinien  bei  der  Aufstellung  von 
genealogischen  Stammbäumen  behandelt  werden.  Es  bedarf  wohl 
keines  weiteren  Nachweises,  dass  auch  Halb-  und  Viertelthaler,  wie 
auch  kleinere  Münzen,  diesem  Systeme  einverleibt  werden  können. 


unter  deu  Kaisern  Maximiliaa  II.,  Rudolph  II.  und  Mathias. 


409 


Beilagen. 


Beilage  1. 

Summarischer    vnnd  ungeferlicher  Vberschlag  vnnd  Bericht,  der  neuen 
Münzkhunst  halben. 

In  was  Zeit  ein  Werkh  gemacht  werden  mag. 

Mit  Hilf  Gottes  getrau  ich  in  einem  halben  Jahr,  das  neue  Münzkhunst- 
werk  mit  aller  Zuegehörung  vollkummenlich  zu  machen,  ausszufueren  vnd  in 
ain  entlichen  Gang  zu  bringen. 

Stuckh  vnnd  Instrumente  zu  ainem  vollkhummen  Werkh. 

4  Eisen  Pressen  mit  ihren  stahlin  Packen,  Schraufen,  Einlassen  vnd  aller 
andern  Zuegehörung. 

24  Durchdruck  zu  Gold,  Silber,  vnnd  allerlei  Sorten  klaiuen  und 
grossen  gelt. 

50  Wellen  oder  Walzen  zum  Prägen  vnnd  zum  Strecken  der  Zain, 
darunter  6  Paar  geschniten  die  andern  aber  nitgeschniten  sein. 

12  Giessmodel  zum  Zain  giessen  auf  alle  Sorten  Gelts. 

2  eisene  Giessöfen,  ain  klainer  und  ain  grossem. 

4  Prägdruck  zum  Gold  sowol  als  zum  klainen  Silbergeld  zu  drucken. 

Ein  Drehstuel  mit  aller  Beraitschafft  darauf  man  die  Wellen  abdreht. 

Ein  Schlosser  Werkzeug  zu  Machung  der  Instrumenten. 

Drei  Wasser  Reder  sambt  dem  Rinnwerkh. 

Drei  Kolben  sambt  6  Kampreder,  daran  mit  ihren  Wandelbaumen,  Richt- 
scheiben, Zapfen,  Hülsen  und  Beschlächteu. 

Das  Geleger  und  Gestuel  darin  das  Werkh  geht  und  aufgericht  ist. 

Kupferne  Becken  und  Schalen  zum  Weisssieden  vnd  anndern  Geprauch, 
wie  dann  in  allen  Münzwerken  nothwendig  und  gebräuchig. 

Was  ain  sollich  volkhomen  Werk  vngeverlich  gesten  machte. 

Dise  Beraitschaft  alle  sambt  Mitbezalung  der  Arbeiterbelonung  vnnd 
allem  annderen  darüber  gehenden  Vnkosten,  getraute  ich  mit  2000  Gulden  in 
ain  vollkummenes  Werk  zu  priugen. 


410 


Johann  Xewald  :  Das  österreichische  Münzwesen 


Was  für  Personen  bei  einem  solichen  Werk  sein  müssen. 


^ 


Es  müssen  zu  ainem  solichen  Werkh  angeordnet  werden,  erstlich  8  Per- 
sonen, die  das  Gelt  machen  vom  Guss  an  bis  zum  Endt.  In  disen  8  Personen 
ist  ein  Eisenschneider,  item  Schmit-Schlosser-Zimmer-  vnd  dergleichen  Leut, 
dieselbigen  machen  nit  allein  das  Gelt,  sondern  auch  alles  anders  was  zum 
ganzen  Werkh  gehört,  also  das  man  sonnst  ainiger  freiiidor  Worklouten  zu 
dieser  Sachen  gar  nit  braucht. 

Zu  diesen  8  Personen  müssen  2  Tiegelwarter  oder  Giesspersoneu  zum 
Giessen,  Glühen,  Aufkernen  etc.  sein. 

Demnach  ein  Münzverwalter  oder  Münzmaister,  ein  Wardein  vnd  ein 
Münzschreiber.  Diese  drei  letzten  Personen  regierndt  das  ganze  Wesen.  Die 
2  Tiegelwarter  sind  zum  Güessen,  Glühen,  Abgerunden,  Weisssieden  vnnd 
anderer  Postarbeit.  Die  8  Personen  erhalten  das  Werkh  stetigs  in  sein  Wesen 
vnnd  vermünzen  die  Silber  vnd  Gokl  vnd  nämblich  mögen  diese,  jede  Wochen 
1800  bis  in  2000  Markh  Wiennisch  Gewicht  zu  klainen  vnd  grossen  Gelt  auf 
gerecht  Khorn  vnd  Schrot  in  zierlicher  Form  wohl  verarbeiten  vnd  aussmachen. 

Was  vnnd  wieviel  vngeverlich  jährlich  vber  die  gemelten 
Personen  gehn  wurdet. 

Diese  8  Personen  sind  des  Jahrs  für  Alles  und  Alles  zu  erhalten  vnge- 
verlich mit  8  oder  900  Gulden. 

Das  Werkh  zu  Erhalten,  oder  da  etwas  daran  zerbrochen  desgleichen  die 
Präg  zu  schneiden,  diss  alles  gesteet  nichts,  dann  es  ist  alles  in  der  jetzt- 
gemelten  Vnderhaltung  der  8  Münzpersonen  begriffen,  dieselbigen  richten 
solichs  alles  neben  ihrem  Münzen  aus. 

Es  sind  die  2  Tiegelwarter  jährlich  mit  120  Gulden  zu  erhalten.  Die 
übrigen  drei  Personen,  als  Münzverwalter,  Wardein  vnnd  Schreiber,  gehören 
in  diese  Kunst  nicht  zu  raiten,  dann  maus  in  andern  Münzwerk  auch  haben 
muss. 


Nutz  und  Profit  bei  disem  Wcrkii. 

Weil  dann  nun  die  8  Personen  vnd  die  2  Giesser  des  Jahrs  nit  mehr 
als  auf  1000  Gulden  gesteen  vnd  dargegen  alle  Jahr  v/eit  vber  die  40  oder 
50  Tausend  Markh  aus  dem  rohen  Silber,  zu  Gelt  machen  mögen.  So  ist 
hieraus  gut  abzunehmen,  wieviel  und  gross  die  Ersparung  gegen  dem  vorigen 
Münzwerk  seye.  Dann  die  Markh  durchaus,  klain  vnd  gross  Gelt  neher  dann 
pr  3  kzr.  vermünzet  wurdet. 

Zudem  rieht  ich  im  Giessen  ain  sehr  nützliche  Comoditet  an  da  bei 
weitem  im  Tiegel  vnnd  im  Guss  nit  so  vill  verbrennt  vnd  abgeet,  als  auf  dem 
alten  Münz  werk.  Dann  in  ain  er  halben  Stundt  mag  man  jetzund  300  Markh  zu 
Zain  vergiessen,  do  man  sonnst  gar  lang  damit  muss  umbgehen. 


I 


unter  den  Kaisern  Maximilian  Tl.,  Rudolph  II.  and  Mathias.  *iii 

Vnnd  ob  nun  auch  gleichwoll  im  Vermiuizeu  des  grossen  (relts  etwas 
mehr  Schroten,  als  auf  dem  Hammer-Miinzwerk  kommen,  dann  auf  dem  Ham- 
mer vngeuerlich  der  fünfte,  aber  auf  diser  Kunst  der  drite  Theil  Schrotten 
bleiben,  vnnd  also  im  Wiedergiessen  der  Schroten  mehr  Abgangs  als  nemblich 
jederzeit  auf  100  Mark,  3  Lot  geraith  endsteet,  so  driift  doch  solicher  Abgang 
auf  das  Scherflfest  gegen  des  Hammer-Prägens  Abgang  geraidt  in  den 
40.000  Mark  nit  100  Gulden  an.  Vnnd  zu  dem  so  wurt  solicher  Abgang  in  der 
jetzigen  neuen  Giessbehendigkeit  reicldich  vviederumben  ersetzt  und  vberflüssig 
herein  gebracht. 

Letztlich  ist  auch  zu  wissen,  do  man  nit  so  vil  Silber  als  .obsteet,  sonnder 
wenig  zu  vermünzen  hette,  so  bedarfft  mau  als  dan  so  vil  Personen  vnnd  so 
grossen  vnkhosten  auch  nicht. 

Johanns  Vogler  von  Zürich, 
Münzkünstler. 


Beilage  2. 

Instruction  für  den  Münzmeister  Lorenz  Huhmer  in  Wien. 

Erstlich  soll  der  Schmidtmeister,  Tigelwartter,  Eüssenschnaider,  Münz- 
schlosser mit  Aydtspflicht  bey  der  N.  Ö.  Cammer,  an  vnnd  aufgenomben  und 
mit  Instruction  versehen  werden. 

Dann  soll  Schmittmaister,  noch  Andere  Münz-Offiicirer  allss  Eüssen- 
schneider,  Schlosser,  Tiglwartter,  Zichwerckher,  es  sey  auch  wer  da  wolle, 
khein  Sielber  kauffen,  altes  Geldt  ainwexeln,  Sielber  auf  die  fein  abzutreiben, 
zu  schmölzen  noch  andere  Sielberhantiruug  aller  massen  es  dan  biss  anhero  im 
zimblichen  Brauch  gewest,  in  allerwenigisten  nit  gestat  werden.  Nichtweniger 
ob  bemelten  Schmitmaister  vnnd  Offieieren  aiuige  Golt  oder  Silber  Schau- 
pfening  Platten  weder  auff  der  Schmitten,  oder  anderwärts  zu  machen  oder  zu 
Prägen,  oder  anders  verpottenes  Gelt  vmb  zuemünzen,  ausser  Vorwissen  des 
Münzmaister  vnndt  Wardeinss  nit  zuegelassen,  sondern  bey  hocher  straff  ein- 
gestelt  vnndt  verpotten  werden. 

Ebenfahlss  soll  auch  bey  dem  Schmittmaister  vnnd  nlU-n  aul  lU'r  ►SciiuiuuMi 
bestelten  Arbeitern,  das  Tag  vnndt  stündlich  vberflüssig  Essen  vnndt  Trinkhen, 
Singen,  Schreyen,  Grein,  auch  das  auss  unndt  ain  lauflfen,  Irren  Weib  vnndt 
Kinder  vnndt  andern  frembden  Persohnen  auff  der  Münzschmitten  gänzlich  ein- 
gestelt  vnnd  die  Münschmidten  vnder  der  Ruestundt  vnndt  Abendts  wan  ess 
Fc^yrabendt  fleissig  zuesperren  vnndt  ainigen  Arbeittern  vber  die  Zeit  darinnen 
zue  bh'iben  nit  gestatten,  sonder  da  ainer  oder  ander  i^twass  geuöttiges  mit 
sein  Weib  vnnd  Khinder,  oder  Jemanden  Anders  zue  verrichti'u  vnnd  die 
Ruestundt  nit  erwartten,  soll  '^olc])..^  licraussen  in  Hoff  mit  cliist.v  ki'n-/  vnmU 
sitsambkait  verriebt  werden. 


412 


Johann  \ewald:  Das  österreichische  Münzwesen 


Es  solle  auch  Schmittmaister  alle  Abendt  vnnd  sonst  allezeit,  da  sie  von 
der  Arbeith  aufhören,  die  Münz  Prägstöckh  vnnd  Obereissen,  dem  Münzmaister 
vnnd  Wardein  zue  seiner  Verwahrung  lieffern,  welche  Er  Münzmaister  vnnd 
Wardein  hernach  wan  sie  notturfftig  Ime  Schmittmaister  nach  der  Zall  wieder- 
umb  vberlieffern  sollen.  Nicht  weniger  soll  es  auch  mit  den  alten  Stöckh  vnnd 
Obereissen  so  nit  mehr  zue  brauchen  gehalten  werden. 

Der  Silbern  -  Schaupfenning  sollen  vnder  15  Loth  fein  halttent  nicht 
gemacht  werden.  Die  güldene  Schaupfenning  so  auff  die  Taller  vnnd  andere 
Müntz- Eisen,  sollen  vnnder  23  Carat  6  bis  in  die  7  Gren,  die  anderen  aber,  so 
auff  die  Schaupfenning-Eisen  vnnd  Stoekh  gemacht  werden,  vnder  21  Carat 
kheine  verferttigt  werden,  doch  in  alleweeg  aine  oder  die  andere  Sort  gemacht, 
durch  das  Feuer  vnnd  nit  der  Natl  nach  probirt  werden. 

Letzlich  soll  Schmittmaister  die  Stundten  so  Ime  gesetzt  werden,  auff  der 
Schmitten  ordentlich  bedienen,  vnnd  ausser  hochwichtigen  Vhrsachen  kheine 
verabsäumen,  oder  von  der  Schmitten  gehen.  Benebens  auch  sein  fleissiges 
Abacht  haben,  dass  die  Münzsorten,  dem  Ime  gesetzten  Khorn  vnnd  Schrott 
nach,  nicht  zue  gering  oder  zue  schwer  noch  vnsauber  waiss  oder  verprägter 
aussgehen,  die  Stückhelung  der  Münzen  selber  vnndt  nit  durch  ander  Leuth 
verrichten,  vnndt  sich  hierinnen  nit  ainichen  Nachlässigkeit  befunden  lasse. 
Im  fahl  ess  aber  allso  beschehen  würde,  sollte  Er  Schmittmaister  solches  zu 
gering  oder  schwer  verferttigtes  Werkh  auss  aigenen  Säckhl  ohne  Passirung 
^iniches  Abgangs  wiederum!)  vrabzuemiinzen  schuldig  sein.  Es  soll  auch 
Schmitmaister  sambt  allen  Münz  vnder  Officieren,  dem  Münzmaister  vnnd 
Wardein,  allen  gebürlichen  Respeckht  vnnd  Gehorssamb,  mehrer  alss  bisshero 
beschehen  erzaigen,  vnnd  da  sie  Ihm  von  Ambtswegen  etwass  andeiten  wer- 
den, demselben  gebüerlich  vnndt  gehorsamblich  nachkhomben,  auch  ainiche 
Münz- Arbeiter  er  seye  wer  da  wolle,  durch  Ime  Schmittmaister  ausser  Vor- 
wissen des  Münzmaisters  vnnd  Wardeins  nit  auff  vnnd  angenomben  viel  weniger 
iibgedankht  werden. 

Dem  Schlosser  vnnd  Eissenschnaider  belangent  soll  ebenfahlss  ainiches 
frembdes  Stöckh  vnnd  Eissen,  Zieh  vnnd  Druckwerkh,  Es  sey  auff  Schau- 
pfenning oder  ander  Münz  noch  ander  Arbeith,  so  in  die  alhioige  Münz  nit 
gehörig  ausser  Vorwissen  des  Münzmaisters  vnd  Wardeinss  zue  machen  nit 
gestattet  vncj  eingestelt  werden,  sondern  sie  sollen  die  Münz  fleissig  mit  Irer 
Arbeit  beferdern,  die  Eissen  sauber  vnndt  guet  aufs  allermüglichts  machen, 
damit  sie,  die  Präger  vnnd  Schmitmaister,  wenn  das  Gelt  nit  sauber  aussgehet 
sich  nit  zue  beschweren  vnnd  mit  Ihnen,  zu  endtschuldigen  haben.  Wann  solches 
aber  nit  geschehe,  solle  solche  Verhinderungen  an  Irer  Besoldung  abkürzt, 
vnnd  sie  den  Schaden  desswegen  zu  laiden  haben. 

Den  Tiglwartter  belangent,  soll  derselbe  ainichen  Menschen  ainiches  Lot 
Sielber  nit  schmelzen,  abtreiben  oder  zurecht  bringen,  sondern  allezeit  hieuor 
dem  Münzmaister  oder  Wardein  anzaigen.    Es  solle  auch  ainichen  Tigl   zur 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II..  Rudolph  II.  und  Math 


413 


Guessung  das  zuvermünzen  geornette  ^Sielber  oderGoldt  ausser  Vorwissen  dess 
Müiizmaisters  viind  Wardeinsa  nit  füernemben,  dan  ainichen  Menschen  es  sey 
Weibs  oder  Mannspersohn,  dann  allein  die  so  zum  Guessen  gehörig  inn  die 
Guesskhüchen  nit  tuehren  noch  lassen,  sich  auch  des  vberflissigen  Drinkhens 
dai'bey  gennzlich  enthalten,  vnndt  ainichen  Tritt,  wan  das  Silber  im  Tigl,  ausser 
Bewilligung  von  der  Münz  nit  gehen,  alsobaldt  auch  das  Guett  in  Tigl  zur 
Prob  khumbt,  durch  den  Wardein  die  Tiglprob  genomben,  soll  er  Ime  den 
Schlüssel  alsbaldt  zuestellen,  biss  zue  güessen  vonnötten,  auch,  ausser  sein  des 
Wardeinss  beysein  ainichen  Zain  auss  dem  Tigl  nit  heraussgüessen,  sondern 
alles  in  Beysein  seiner  ordentlich  verrichten. 


«Kä^^^JCS^Q^^^H 


414 


Johann  Xewald:  Das  österreichische  Münzwesen 

Tafel  I. 

Erklärung 

der  Münzstätten  und  Mlinzmeister- Zeichen. 

Kaifer  Maximilian  IL 

Münzftätte  Wien. 

Querbinde  im  Herzfchild  des  Wappens  auf  der  Bruft  des 
Doppeladlers.  Ein  Münzmeifler-Zeichen  kommt  nicht  vor. 

Münzftätte  Prag. 

PI)     $    ^  Hanns  Härder Seite  205  u.  210 

Münzftätte  Kuttenberg. 

I^ll     Ludwig  Karl  von  Räsne Seäe  216 

K^     Georg  Sutny  von  Olivet Seüe  210 

Münzftätte  Joachimsthal. 

Georg  Geitzkofler Seite  220 

Münzftätte  Budweis. 

^j     Tobias  Gebhart Seite  220 

Münzftätte  Kremnitz. 
K— ß   Körmöcz-Bänia Seite  231 

Münzftätte  Kafchau. 

H — S   Hungaria  Superior Seite  306 


i 


unter  den  Kaisern  Maximilian  II.,  Rudolph  II.  und  Mathias. 

Tafel  IL 


415 


Kaifer  Rudolf  IL 

Münzftätte  Wien. 

(O)     Lorenz  Huebmer      ...         Seite  258 

Andräe  Händl Seüe  258 


Münzftätte  Prag. 

Tobias  Gebhart Seüe  261 

^     Lazar  Erker  von  Schrekenfels Seite  263 

\^\    Hanns  Lafanz  zu  Friedenegg Seite  266 

Samuel  Salvart  von  Falkenberg      ....  Seite  267 

Münzftätte  Kuttenberg. 

[m     Wolf  Herold  von  Aupa Seite  271 

(g)    Hanns  Spieß  von  Hartenfels Seite  273 

gl)    David  Enderle  von  Burgftatt Seite  274 

(^     Paul  Skreta Seite   276 

Münzftätte  Joachimsthal. 

(m)    Georg  Kadner  von  Greifeneck Seite  278 

(^    Paul  Hofmann Seite  280 

^     Chriftoph  Taubenreutter Seite  28i 

•^})     Hanns  Gipfel Seite  282 

Öl)    Centurio  Lengefelder Seite  282 


'iJ-O  Johann  New ald:  Das  österreichische  Münzwesen  etc. 

Tafel  III. 

Münzftätte  Budweis. 

(^)    Chriftoph  Mattighofer  von  Sternfels  .    .    .  Seite  285 

Münzftätte  Brefslau. 
^     Dietrich  Buffa Seite  290 

N— ß  Münzftätte  Nagy-Bänia     .    .  seite  sog 

Kaifer  Mathias. 

Münzftätte  Wien. 

Mathias  Fellner  von  Feldegg Seite  375 

Ifaias  Jeffensky Seite  375 

Münzftätte  Prag. 

Benedikt  Huebmer  von  Sonnleithen   .    .    .  Seite  381 

Münzftätte  Kuttenberg. 

Johann  Sultys  von  Felsdorf Seite  384 

Auguftin  Schmilauer Seite  386 

Q      Unbefetzt  1616 Seite   386 

%X    Sebaftian  Hölzl  von  Sternftein Seite  387 

Münzftätte  Hall. 
CO     Chriftoph  Oerber Seite  343 


IX. 

Albrecht  von  Wallenstein 

(AYaldstein) 

HL  erzog*    von    FriedLland. 

und  seine  Münzen. 

Von 

Adolph    Meyer. 
(Hiezu  Tafel  I— VI ) 


/U  Nr.  207. 

Einleitend  habe  ich  den  nachfolgenden  Blättern  voraus- 
zuschicken, dass  es  mir  schwer  wurde,  darüber  ins  Klare  zu  kommen, 
wie  ich  den  Namen  desjenigen,  dem  diese  Zeilen  gewidmet,  zu 
schreiben  hätte.  Während  die  böhmischen  Geschichtsforscher 
Palack^,  Dudik  und  Gindely  sich  fUr  Waldstein  entscheiden,  so 
lautet  er  nach  dem  Ausspruch  aller  deutschen  Historiker  —  ich 
nenne  nur  den  seinerzeit  im  Interesse  der  Familie  des  Friedländers 

27 


418 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  AVallenstein  (Waldstein) 


I 


thätigen  Dr.  F.  Förster,  ferner  Dr.  H.  Hall  wich,  Dr.  E.  Schebek 
und  endlich,  last  but  not  least  Leopold  von  Ranke  —  Wallen- 
stein. Auf  Fr.  von  Schiller's  Rechtschreibung  ist  wohl  kein  beson- 
derer Werth  zu  legen,  da  ihm  Archive  verschlossen  und  Doeumente 
unbekannt  geblieben  sind,  die  unseren  Helden  in  anderem  Lichte 
erscheinen  lassen,  als  er  ihn  schildert.  In  einem  Handschreiben 
Kaisers  Rudolph  H  an  den  Erzherzog  Albert  de  dato  6.  Januar 
1607  — siehe  Dr.  8chebek:  „Die  Lösung  der  Wallenstein- 
frage",  Seite  532  —  ist  der  Name  einmal  AYa In  stein,  zwei- 
mal Wallen  st  ein  und  einmal  Wallen  sta  in  geschrieben^  und 
mit  gleicher  Consequenz  ist  der  Name  in  den  Erlassen  der  kaiser- 
lichen Hofkanzlei  zu  Wien  verschieden  geschrieben,  wie  ich  — 
soweit  es  in  den  Rahmen  meiner  Arbeit  gehört  —  in  Folgendem 
erwähnen  werde.  Wallenstein  hat  seinen  Namen,  bei  sehr  undeut- 
licher Handschrift,  wenn  er  ihn  vollständig  zu  Papier  brachte, 
verschieden  geschrieben  i) ;  in  seinen  Verfügungen  spriclit  er  aber 
stets  von  Wallenstein'schen  Regimentern.  Auch  die  Familienange- 
hörigen haben  den  Namen  verschieden  geschrieben,  so  besitzt 
Herr  Dr.  Schebek  zu  Prag  ein  Albumblatt  in  deutscher  Sprache 
aus  dem  Jahre  1613  von  dem  Oberstburggrafen  zu  Prag^  Adam 
von  Wallenstein.  Einzig  die  böhmische  Ilofkanzlei  in  Prag  hat 
in  ihren  Verfügungen  in  czechischer  Sprache  stets  des  Namens 
Waldstein  sich  bedient.  Da  unser  Albrecbt  einem  Zweige  der 
Familie  entstammt,  der  in  den  deutschen  Kreisen  des  Königreichs 
Böhmen  ansässig  war,  so  glaube  ich  mich  berechtigt,  ihm  auch 
den  deutschen  Namen  Wallenstein  beizulegen.  Die  sich  des  Weiteren 
dafür  luteressirenden  verweise  ich  auf  Aufsätze  der  Herren 
Hallwich  und  Gindely  in  der  Neuen  Freien  Presse,  Nr.  7006,  701 3 
und  7015,  Jahrgang  1884.  Nach  den  Beweisführungen  des  Ersteren 
ist  der  Familienname  ursprünglich  Waidenstein  gewesen. 

Ich  knüpfe  hieran  noch  die  Bemerkung,  dass  ich  für  meine 
Arbeit,  neben  der  Unterstützung  der  verschiedenen  Münzkabinets- 
Vorstände,  mich  des  ganz  besonderen  Entgegenkommens  der 
Herren:   Director   Ermer,  Vorsteher  der  Excellenz  Graf  Waldstein- 


1)  Beispielsweise  als  er  sich  im  Mai  1612  zu  Padua  in  die  Matrikel  dei 
deutschen  Studenten  einzeichnete:  Albiecht  Herr  von  Waldsteiu  m.  p. 


Herz'g  V(iii  i-i-uniana  mm  öl-iiu'  Münzen.  4:1«7 

Wartenbergisclien  Centralkaiizlei  zu  Prag,  Reichstagsabgeordneten 
und  kaiserlichen  Ratb  Dr.  H.  Hallwich  zu  Reichenberg  und  kaiser- 
lichen Rath  Dr.  Schebek  zu  Prag  zu  erfreuen  hatte,  und  ist  es  mir 
hiedurch  möglich  geworden,  viele  Daten  zu  berichtigen  und  bisher 
noch  unbekannte  Schriftstlicke  zu  publiciren.  Die  Herren:  Ministe- 
rialdi rector  Burchard  in  Schwerin,  so  auch  Professor  Schirrmacher 
zu  Rostock  haben  in  meinem  Interesse  die  mecklenburgischen 
Archive  durchforscht,  jedoch  nichts  irgend  wie  für  die  Münz  Wissen- 
schaft Interessantes  gefunden ;  hiedurch  wird  die  Annahme,  dass  in 
den  mecklenburgischen  Münzstätten  keine  Ausprägungen  fUr 
Wallensteiu  stattgefunden  haben,  zur  ziemlichen  Gewissheit.  Herr 
Generalintendant  Zimmermann  zu  Sagan  wirkte  bei  Sr.  Durchlaucht 
dem  Herrn  Fürsten  von  Sagan  und  Valencay  aus,  dass  das  im 
Herzoglichen  Archiv  liegende  Fascikel  Acten  bezeichnet:  ,^Äcta, 
betreffend  die  Herzoglich  Friedländische  Wallensteinsche  Münze  zu 
Sagan  d.  a.  1629—1632,  Serie  B,  Uta.  IV,  Nr.  2,  Fach  53"  mir 
zur  Durchsicht  überlassen  und  eingesandt  wurde;  abgesehen 
einiger  unerheblicher  Druckfehler,  die  ich  berichtigt  habe,  fand  ich 
es  durch  F.  W.  Kretschmer  in  Köhne's  Zeitschrift  für  Münz-, 
Siegel-  und  Wappenkunde,  fünfter  Jahrgang,  Berlin  1845, 
S.  201  und  folgende,  bereits  publicirt,  sonst  besitzt  das  Saganer 
Archiv  keine  Münzacten. 

Infolge  eines  noch  unedirten  Briefes,  Besitz  des  Herrn  Dr. 
Schebek  in  Prag,  auf  den  ich  weiter  unten  zurückkomme,  hat  Herr 
Bergrath  Müller  zu  Wien  mir  zu  interessanten  Aufschlüssen  aus  den 
Rechnungsbüchern  der  Münze  zu  Kuttenberg  verhelfen,  auch  ihm 
sei  für  seine  Unterstützung  hier  herzlichst  gedankt. 

Berlin,  April  1885. 


27* 


420 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  "Wallenstein  (Waldstein) 


GeschicMliclies. 


Albrecht  Wenzel  Eusebius  von  Wallenstein  entstammt  einem 
Geschlechte^  welches  nach  einem  im  gräflich  Waldstein'schen 
Palais  zu  Prag  aufbewahrten  —  auf  Veranlassung  des  Bischofs  von 
Leitmeritz,  Emanuel  Franz  Grafen  von  Waldstein,  in  dem  Zeitraum 
von  1780 — 1795  angefertigten  und  bis  auf  1790  heraufreichenden 
—  Stammbaum  mit  Dietrich  oder  Theodorich,  Herrn  von  Wartenberg 
de  äö.  950  beginnt.  Eine  fernere  Stammtafel  befindet  sich  in  der 
Sakristei  der  katholischen  Kirche  zu  Hermannseifen  bei  Arnau  und 
ist  im  Jahre  1595  gefertigt.  2) 

Diese  beginnt  mit:  „Joannes  a  Waldstein,  vixit  circa 
annum  Chri.  1252^  regnäte  Ottocaro  quin,  rege  Bohe- 
morum"  und  ist  bis  zum  Anfang  des  siebenzehnten  Jahrhunderts 
fortgeführt.  Beide  stimmen  in  den  Zahlen  nicht  genau  Uberein. 

Die  Stammburg  Waldstein,  zwischen  Turnau  und  Gross-Skal 
belegen,  wurde  wahrscheinlich  von  Zdenek  von  Waldstein  um  das 
Jahr  1283  erbaut,  ging  aber  schon  gegen  Ende  des  vierzehnten  Jahr- 
hunderts inden  Besitz  der  stammverwandten  Familie  Wartenberg  über. 
So  wurde  unser  Albrecht  —  als  Sohn  von  Wilhelm  von  Wald- 
stein, Herrn  auf  Hermanitz  (f  24.  Februar  1595)  vermählt  mit  Mar- 
garethe  von  Smific  (f  22.  Juli  1593)  am  14./ 24.  September  1583 
geboren  zu  Hermanitz. 


2)  Der  Gefälligkeit  des  Herrn  Pfarrers  P.  Anton  Pohley  zu  Hermannseifen 
verdanke  ich  eine  Abschrift  der  Stammtafel.  Die  Kandschriften  lauten: 

GENEALOGIA  BAKONVM  A  |  WALDSTEIN  AB  ANNO  DOMINI  | 
1252  STIRPE  NONDVM  INVESTl  |  GATA  QVANTA  DILIGETIAEXVETEj 
RIBVS  MONVMENTIS  INQÜIRI ATQVE  ER  VI  POTE  |  RAT  |  DVCIT  AVTEM 
HAEC  FAMILI A  NOMEN  |  ET  ORIGINEM  A  VETVSTA  ARGE  WALSTEIN  | 
C VJVS  RVDERA  ADHVC  HODIE  PROPE  |  TURNOVIA  CONSPICIYNTVR.  \ 
und 

CVJVS  HOC  EXORNÄT  |  GENEROSI  STEMMA  |  LEONE>.  |  RLGALLS 
PINN^  HAC  CVR  I  VOLVCRIS  GALEA.  |  WALDSTEINIOS  ANTIRE  D0-| 
CENT  VIRTVTIBVS  OM-  |  NES  CEV  LEOITANIE  FERAS  |  ET  JOVIS 
ALE  SAVES  ANNO  |  M.  D.  LXXXXV:. 


Herzog  von  Friedland  imd  seine  Münzen. 


421 


Bis  in  die  letzten  Jahre  walteten  Zweifel  über  Geburtsort  und 
Tag.  Prag  und  Nachod  machten  Hermanitz  die  Ehre  streitig. 
Dr.  Hallwich  hat  jedoch  auf  Grund  des  im  gräflich  Waldstein'schen 
Archiv  zu  Prag  liegenden  Manuscripts  des  Gitschiner  Dechants 
Wenzel  AdalbertCzerwenka  vonWieznow  —  gefertigt  in  lateinischer 
Sprache  etwa  zwei  Jahrzehnte  nach  Wallenstein's  Ermordung,  so 
auch  des  Actenstücks:  j^Nativitaet  Ihrer  Fürstlichen  Gnaden  des  Her- 
zogen von  Friedlünd  von  dem  berühmten  kaiserlichen  Mathematico 
Johanne  Kepplero,  so  er  vor  etlichen  Jahren  gemacht", 'jaiwi  das  Be- 
stimmteste dargelegt,  dass  Wallenstein  am  14.  September  1583  zu 
Hermanitz  geboren  sei.  Czerwenka  berichtet  zwar: 

„Am  15.  September  1583  im  siebenten  Monat  der  Schwangerschaft  genas 
Margarethe  Smifitzky  zu  Hermanitz  abermals  eines  Söhnchens  ..." 

Diese  Erhebungen,  unzweifelhaft  bei  Augen-  und  Ohren- 
zeugen geschöpft,  sind  aber  wohl  nur  für  den  Ort,  nicht  aber 
für  das  Datum  richtig  anzunehmen,  denn  das  eben  erwähnte  zweite 
Actenstück  beruht  auf  der  eigenhändigen  Aufzeichnung  des  ,,i'or- 
nehmen  Mannes^j  um  dessen  ^,Nativitaet^''  es  sich  handelte.  Kaiser 
Rudolph  II.  hatte  1582  den  von  Papst  Gregor  XKI.  verbesserten 
sogenannten  Gregorianischen  Kalender  eingeführt  und  kam  solcher 
in  dem  grössten  Theil  der  innerösterreichischen  Länder  zur  Anwen- 
dung. Der  protestanische  Theil  Böhmens  hielt  es  aber  noch  mit  dem 
alten  Julianischen  Kalender,  weshalb  der  Kaiser  am  4.  September 
1583  ein  Edict  erliess,  mit  welchem  der  kaiserliche  Entschluss 
bekannt  gegeben  wurde: 

„solch  neu  Calendarium  sowohl  als  römischer  Kaiser  im  Reich  deutscher 
Nation,  als  in  unsern  Königreichen  und  Landen  zu  gebrauchen  und  dasselb  auf 
den  October  dieses  jetzt  laufenden  Jalires  ins  Werk  zu  richten  .  .  ." 

Die  Familie  Waldstein  bekannte  sich  zur  protestantischen 
Religion  und  so  walteten  Zweifel  ob :  welche  Zeitrechnung  für  jenen 
Tag  die  massgebende  sei.  Der  Director  der  Josefstädter  Sternwarte 
zu  Wien,  k.  k.  Regierungsrath,  Professor  Dr.  Th.  Ritter  von  Oppolzer 
hat  nun  auf  Grund  der  in  der  Keppler'schen  Nativität  angegebenen 
Stellung  der  Gestirne  festgestellt,  dass: 

„das  für  Wallenstein's  Geburtstag  angesetzte  Datum  Julianisch  zu  ver- 
stehen ist  und  jener  14.  September  mit  dem  24.  September  1583  neuen  Styls 
correspcmdire." 


422 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  Wallenstein  (Waldstein) 


Die  für  seinen  Religionswechsel  angeführten  Gründe  sind 
auf  das  Bestimmteste  in  das  Reich  der  Mythe  zu  versetzen.  Unbe- 
zweifelbar  ist  als  richtig'  nachgewiesen^  dass  er  nur  noch  zwei 
Schwestern  hatte,  die  im  jugendlichen  Alter  starben;  er  selbst  wurde 
bei  seinem  Oheim  und  Vormund  Albrecht  Slavata,  Herrn  zu  Chlum 
und  Koschumberg  im  Chrudimer  Kreise  erzogen  und  besuchte  in 
seinem  zwölften  Jahre  die  Schule  der  evangelischeu  Brüdergemeinde 
zu  Koschumberg  —  sein  Oheim  bekannte  sich  ebenfalls  zum  evan- 
gelischen Glauben. 

Wann  er  zur  katholischen  Religion  übergetreten,  lässt  sich 
nicht  nachweisen,  jedoch  finden  wir  ihn  um  1599  im  Jesuiten-Con- 
yicte  zu  Olmtitz. 

In  das  gleiche  Jahr  fällt  auch  Wallensteins  Innnatriculirung^ 
an  der  Nürnbergischen  Universität  Altdorf  (29.  August  1599), 
die  er  jedoch,  infolge  grober  Studentenexcesse,  an  denen  er 
sich  als  Anftihrer  betheiligt  hatte,  bereits  Anfangs  Februar  1600 
(nach  Murr,  Beiträge  zur  Geschichte  des  30jährigen  Krieges  1790) 
im  April  verlassen  musste.  Da  Palacky  diese  Episode  aus  dem 
Jugendleben  Wallensteins  bestreitet,  so  stellt  es  J.  Baader  (Wallen- 
stein als  Student  an  der  Universität  Altdorf,  Nürnberg  1860)  als 
nicht  unmöglich  hin,  dass  der  Jüngling,  dessen  Lust  an  den  Studien 
in  Olmütz,  wie  seine  Biographen  erzählen,  immer  mehr  schwand, 
um  mehr  Gelegenheit  zu  einem  lustigen  Leben  zu  finden,  das  die 
sti'enge  Disciplin  der  Jesuiten  nicht  gestattete,  an  die  Universität 
Altdorf  gezogen  sei.3)  Nachdem  er  sieh  allda  an  muthwilligen  Jugend- 
streichen ersättigt,  mag  den  hochbegabten  Wallenstein  seine  Sehn- 
sucht und  ein  höheres  geistiges  Bedürfniss  wieder  zu  den  Jesuiten 
zurückgeführt  haben. 

Li  einem  Empfehlungsschreiben  seines  Schwagers,  Freiherrn 
Karl  von  Zerotin   an  Gian  de  Molart,  Cavalier  am  Hoflager  des 


3)  Herr  Rechtsamvnlt  Hartinaiiii,  Xürnberg  hat  die  Uüte  gehabt,  mir  Ein- 
sicht in  das  Maniiseript  eines  vor  atwa  Jahresfrist  zu  Nürnberg  gehaltenen  Vor- 
trages zu  gestatten;  darnach  enthält  das  Nürnbergische  Stadt- Archiv  eine 
Anzahl  diese  Angelegenheit  betreuende  Docmnente.  Dem  Anscheine  nach 
hatte  Wallenstein  in  späteren  Jahren  keine  besondere  Vorliebe  für  jene  Univer- 
sität und  hielt  den  im  Juni  1632  von  Croaten  eingefangenen  Rector,  Professor 
Dr.  Georg  Nössler,  für  länger  als  sechs  Monate  als  Gefangenen  zurück. 


423 


Erzherzogs  Matthias,   d.  d.  ßoö.sitz  in  Mähren,   12.  Februar   1607, 
heisst  es: 

„.  .  .  .  und  obschon  ich  weiss,  dass  Se.  Hoheit  wegen  der  Religion 
keine  Schwierigkeiten  zu  machen  pflegen,  so  ivv^e  ich  überflüssiger  Weise 
hinzu,  dass  er  in  die  Messe  geht  ..." 

Er  ehelichte  Lucretia  Nikessin  von  Landeck,  Frau  von  Wise- 
tin,  Luckow,  Rymnitz  und  Milowitz  —  Datum  unbekannt  —  die 
bereits  am  23.  März  1614  starb.  Abermals  vermählte  er  sich  um 
1620  mit  Isabella  Katharina,  Tochter  des  kaiserlichen  geheimen 
Raths  und  Kämmerers,  Grafen  Harrach,  mit  der  er  in  ausserordent- 
lich glücklicher  Ehe  lebte;  ilir  entspross  eine  Tochter  Maria  Elisa- 
beth^ welche  sich  mit  einem  Grafen  Kaunitz  vermählte. 

Früh  zeichnete  er  sich  bereits  als  Soldat  aus,  so  finden  wir  in 
einer  uns  in  Copie  erhaltenen:  ,.Kays.  Vorschnfft  an  Erzherzogen  Äl- 
berfumy  Herrn  Albrecht  We^izl  Eusebio  von  Walnstehi  zu  Kriegsdiensten 
zu  befürdern^^ ,  ausgefertigt:  Schloss  zu  Prandeiss  den  Sechsten  Tag 
Januarii  Anno  1607. 

„  .  .  .  Vns  hatt  der  Wohlgeborne  Unser  lieber  getreuer  Albrecht  Weuzl 
Eusebius  Von  Wallengtein  anff  Herzmaniez  und  Herzmaßeyff  Vnterthenigst 
ersucht  vnd  gebetten,  Nachdem  er  vergangene  Jahr  aneinander  sich  im  Kriegs- 
weßen  gegen  denen  Türeken  sowohl  gegen  denen  auifgestandenen  Hungern-  und 
Sibenbürgern  brauchen  lassen,  Undt  nochmahls  entschlossen,  Das  Glück 
anderstwo  auch  Zuuersuchen,  Insonderheit  aber  ein  anmuttung  trage  sich  in 
E.  L.  Dienst  Zu  begeben,  Wir  geruhten  darinnen  mit  gnaden  zu  bewilligen 
Vndt  Ihme  durch  eine  erspriessliche  Commendation  an  E.  L.  befürderlich  zu 
erscheinen. 

Wann  vns  das  obbenantts  Von  Wallenstein  Dapifers  redlichs  Verhaltt 
uns  genugsam  bekanntt  Indeme  Er  alberaitt  mehr  als  einmahl  Hauptman- 
schafften  bedient,  auch  dehn  Beuelch  eines  Obristen  vber  ein  Regiment  deut- 
scher Knecht  (dazue  Er  von  Stenden  Vnserer  Cron  Behaim  deputirt  gewest) 
Wann  der  Krieg  lenger  wehren  sollen,  aingetretren  hett,  .  .  .  ." 

C.  von  Zerotin,  schreibt  in  Betreff  Wallensteins  unterm  10.  April 
1607  an  Gian  de  Molart  in  französischer  Sprache: 

„Da  der  junge  Herr  von  Waldstein  nicht  zu  denen  gehört,  welche  von 
sich  eingenommen  sind,  sich  überall  vordrängen  und  zuerst  gesehen  sein 
wollen,  so  habe  ich,  um  ihm  den  Weg  zu  bahnen,  diese  Zeilen  mitgeben  wollen. 
.  .  .  Nur  Eines  fürchte  ich,  was  ich  auch  schon  in  meinem  ersten  Briete  er- 
wähnte, dass  er  nämlich  das  Waffenhandwerk  so  leidenschaftlich 
liebt,  dass,  wenn  ihn  Seine  Hoheit  an  den  Hof  nimmt,  er  Ihnen  nicht  eher 
lluhe  lassen  wird,  bis  er  auf  einige  Zeit  Urlaub  nach  Flandern  erhalten  hat,  um 
bei  dem  Erzherzog  Albrecht  Dienste  zu  nehmen." 


424 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  "Wallen&tein  (Waldstein) 


Es  fehlt  uns  jede  Nachrieht,  ob  er  an  diesen  Kämpfen  theil- 
genommen;  bestimmt  wissen  wir,  dass  er  für  den  Kampf  des  Herzogs 
Ferdinand  von  Steiermark  (späteren  Kaisers)  gegen  die  Republik 
Venedig  eine  Sehaar  von  zweihundert  Dragonern  (zwei  Compag- 
nien)  warb  und  sich  unter  dem  Oberbefehl  des  Generals  Dampierre 
bei  der  Entsetzung  der  Festung  Gradiska  auszeichnete. 

Kaiser  Matthias  verlieh  ihm  1617  den  Kämmerer  Schlüssel  und 
ernannte  ihn  zum  Obersten.  Von  den  mährischen  Ständen  mit  dem 
Oberbefehl  über  das  Landaufgebot  betraut,  operirte  er  —  ungeach- 
tet die  Stände  sich  den  böhmischen  Rebellen  anschlössen  —  gegen 
diese  und  brachte  die  Hauptlandescasse  aus  Olmütz  nach  Wien  in 
Sicherheit.  Von  den  Ständen  infolge  dessen  seiner  Stelle  entsetzt, 
warb  er  ein  Regiment  und  führte  solches  dem  General  Bucquoi  in 
das  Lager  bei  Budweis  zu.  Er  trug  damals  zur  Entscheidung 
mehrerer  Treffen  bei,  so  gegen  Mansfcld  (10.  Juni  1619)  und  gegen 
die  Ungarn  unter  Betlen  Gabor  (19.  Oetober  1619),  endlich  auch 
der  Schlacht  am  weissen  Berge  bei  Prag  (8.  November  1620).  Von 
seiner  Kriegsbeute  sandte  er  dem  Kaiser  drei  feindliche  Standarten. 

Inzwischen  hatte  er  aus  der  dem  Kaiser  anheimgefallenen 
Beute  confiscirter  Güter  einige  sechzig  kleinere  und  grössere  Herr- 
schaften für  die  Summe  von  7,290,228 Gulden  erworben.  Die  Zahlung 
leistete  er  theils  baar,  theils  verrechnete  er  sie  geilen  dem  Kaiser 
gestellte  Regimenter  und  Soldaten-Contentirung.  *) 

Am  12.  Juli  1622  kaufte  er  vom  Fiscus  die  Herrschaft  Fried- 
land und  Reichenberg  gemeinsam  für  150,000  Gulden  Rheinisch. 

Durch  Majestätsbrief  de  dato  Wien  15.  September  1622  erhält 
Albrecht  Wenzel  Eusebius  Freiherr  von  Wallstain  als  kaiserlicher 
Kämmerer,  Kriegsrath  und  Oberst  das  Wappen  der  Herrschaft  Fried- 
land und  die  Pfalzgrafenwürde  verliehen. 

De  dato  Regensburg,  14.  Januar  1623  erhielt  „Albrecht  Frei- 
herr von  Waldstein j  Regierer  des  Hauses  Waldstein  und  Friedland" 
die  kaiserliche  Bestätigung  des  ihm  von  reichswegen  bewilligten 


*)  Dr.  Friedrich  Foerster  in  seinem:  Wallenstein's  Process  vor  den 
Schranken  des  Weltgerichts  und  des  k.  k.  Fiscus  zu  Prag-Leipzig  1844.  bringt 
Seiteil  u.  f.  eine  Anzahl  höchst  interessanter  Quittungen  über  Wallenstein's 
Zahlungen  und  Geldgeschäfte  mit  dem  Kaiser:  es  geht  aus  solchen  hervor,  dass 
er  ein  ebenso  tüchtiger  Kaufmann  und  Rechnenmeister  wie  Feldherr  war. 


Herzog  von  Friedland  uud  seiiio  Münzen.  t^i-r 

Majorats-  und  Fideicommisses,  des  Titels  ..Hoch-  und  Wolgeboren" 
für  den  jeweiligen  Regierer  des  Hauses  Waldstein  und  Friedland, 
des  friedländischen  Wappens  und  Palatinats,  aueb  fUr  das  König- 
reich Böhmen  und  dessen  incorporirte  Länder. 

Wien^  7.  September  1623  (als  k.  Kämmerer,  Kriegsratli  und 
Oberster  über  2000  Kürassiere  zu  Pferde  und  ein  Regiment  Knechte 
zu  Fuss)  wird  er  in  den  Reichsfürstenstand  mit  dem  Titel:  „Lieber 
Oheim",  in  der  Primogenitur  erhoben  und  Bestimmung  über  die 
Nachfolge  im  Falle  Erlöschens  des  Mannestammes  getroffen. 

Im  Februar  1624  wurde  ihm  dann  der  Titel:  „Fürst  von  Fried- 
land, Regierer  des  Hauses  Waldstein  und  Friedland,  k.  Kriegrath, 
Kämmerer,  Oberster  zu  Prag  und  Generalfeldwachtmeister"  beige- 
legt, und  de  dato  Wien,  12.  März  1G24  die  Erhebung  der  Herr- 
schaft Friedland  zu  einem  Fürstenthum  als  fürstliches  Lehn,  nach 
dem  Recht  der  Erstgeburt  für  Albrecht  Wenzel  Eusebius  Regierer 
deß  Hauses  Waldstain  vndt  Friedtlandt  Fürst  zue  Friedtlandt  und 
den  jedesmaligen  Regierer  des  Hauses  aus  seinen  directen  Nach- 
kommen bewilligt.  Somit  war  dieser  vom  Freiherrn  —  ohne  den 
Grafenstand  erlangt  zu  haben  —  sofort  zum  Fürsten  des  Heiligen 
Römischen  Reiclis  erhoben  worden. 

Durch  Diplom  de  dato  Wien,  13.  Juni  1625  —  das  Original 
ist  abhanden  gekommen  und  existirt  auch  keine  Copie  desselben, 
jedoch  wird  solches  ausführlich  unter  Erwähnung  des  Inhalts  in 
dem  Patent  de  dato  Wien,  4.  Januar  1627  in  Erinnerung  gebracht 
—  wird  er  in  den  herzoglichen  Stand  für  sich  und  seine  erstgeborenen 
ehelichen  Söhne  erhoben,  während  die  anderen  Söhne  den  Titel : 
Fürsten  zu  Friedland  führen  sollen. 

Unterm  25.  Juli  1625  wird  dem  ^Juirsten^'  (I)  die  Bestallung 
als  General-Oberst-Veldhauptmann  ausgefertigt,  mit  einem  Monats- 
gehalt von  6000  Gulden.  Zu  dieser  Zeit  kämpfte  er  gemeinsam  mit 
Tilly  gegen  König  Christian  IV.  von  Dänemark,  später  zu  Beginn 
des  Jahres  Ü626  gegen  Mausfeld  in  der  Gegend  von  Dessau. 

In  dem  vorerwähnten  kaiserlichenMajestätsbrief  de  dato  Wien, 
4.  Januar  1627  werden,  unter  Bezugnahme  auf  zweiLehnsl)riefe  vom 
9.  September  1623  und  5.  März  1624,  von  Kaiser  Ferdinand  in  seiner 
Eigenschaft  als  König  von  I^öhmen  alle  Rechte  für  den  ,Jlerzo(j 
Albrecht  Wenzel  Etisebius  und  nach  ihme  künftige  reyieremle  Herzogen 


426 


Adolph  3Ieyer:  Albrecht  von  Wo'lenstoin  (^AYaldstein) 


ZU  FriedlcmcV^  bestätigt.  Neun  Städte  und  57  Schlösser  und  Dörfei 
wurden  dem  Fürstenthum  Friedland,  bei  dieser  Verwandlung  zum 
Herzogthum  einverleibt;  die  Gesammtzabl  der  lehnpflichtigen  Grund- 
stücke betrug  3403.  Eine  grosse  Anzahl  Wallensteinischer  Güter  in 
Mähren  war  von  dieser  Einverleibung  ausgenommen. 

Mittelst  kaiserlichen  Diploms,  Wien  d.  d.  11.  Mai  1627  erhielt 
der  Herzog  von  Friedland  die  Exemption  seiner  Nachkommen  im 
Falle  Begehung  des  Verbrechens  der  Majestätsbeleidigung  oder  des 
Hochverraths  von  Einziehung  des  Herzogthums  und  anderer  Güter, 
jedoch  ohne  Nachsicht  der  Leibes-  und  Lebenstrafe. 

Durch  Kaufbrief  vom  1.  September  1627  erwarb  er  vom 
Kaiser  das  Herzofjthum  Sagan  und  wird  der  sehlesiscben  Kammer 
zu  Breslau  in  einem  kaiserlichen  Schreiben  vom  6.  September  1627 
davon  Kenntniss  gegeben,  dass  der  Kaiser  das  Fürstenthum  Sagan 
und  die  Herrschaft  Priebus  dem  Herzoge  von  Friedland  käuflich 
überlassen  habe. 

Der  Herzog  zog  es  vor,  den  Kaufbrief  zurückzugeben,  und  sich 
das  Fürstenthum  durch  einen  Lehnsbrief  vom  2.  Januar  1628  als 
kaiserliches  Lehn  auftragen  zu  lassen,  erinnert  jedoch  in  einem 
Schreiben  vom  6.  September  1628  seinen  Landeshauptmann  daran, 
ihm  die  von  dem  kaiserlichen  Hof  und  von  der  sehlesiscben  Kammer 
ausgestellten  Quittungen:  ^dass  ich  das  Herzocjthum  Sagan  bezahlt 
hab^^ ,  zuzuschicken.  Das  mit  einer  goldenen  Bulle  versehene 
Diplom,  durch  welches  Sagan  zum  Herzogthume  erhoben  wurde,  ist 
vom  16.  Februar  1628,  in  solchem  erhält  er  zugleich  für  sich  und 
seine  Nachkommen  das  Jus  nobilitandi  et  erigendi  pagos  et  civi- 
tates."  Für  das  Herzogthum  zahlte  er  125,708  Thlr.  12  Gr.  1  Heller 
schlesische  Währung. 

Unterm  1.  März  1628  ertheilt  Kaiser  Ferdinand  von  Prag  aus 
seinen  Consens  zu  einem  Fidei-Commiss  flir  die  Succession:  ,^dem 
Hochgebohrn  TJnsern  Oheimb,  des  Reiches  Fürsten,  und  lieben  Getreuen 
Albrechten  zu  Friedland  und  auch  in  Schlesien  zu  Sagan  Herzogen, 
Unserm  Kriegsrath,  Kammerern,  General  Obristen  Feldhauptmann, 
auch  des  Oceanischen  und  Balthisi^hen  Meers  Generalen^ 
etc.  etc.  —  letzterer  Titel  war  ihm  inzwischen  verliehen  worden.  Die 
Disposition  des   letzten  Willens  und  Successions  Ordnung   ist   hier- 


Herzoi?  von  Friedland  und  seine  Münzen. 


427 


auf  hin  vom  Herzog  zu  Gitschin  am  26.  Mai  1028  unterzeichnet 
worden. 

Inzwischen  hatte  Kaiser  Ferdinand  mittelst  Majestätsbrief  de 
dato  Prag  26.  Januar  1628  das  Herzogthnm  Meckelnburg,  Fürsten 
thum  Wenden,  Grafschaft  Schwerin,  Herrschaft  der  Lande  Rostock 
und  Stargardt  —  indem  die  Herzöge  Adolf  Friedrich  und  Johann 
Albrecht  von  Meckelnburg  durch  kaiserliches  Patent,  Prag  1.  Fe- 
bruar 1628,  ihrer  Länder  für  verlustig  erklärt  wurden  —  dem 
Herzog  verkauft,  der  dafür  ,^die  Einkommen  und  Entradm  gegen  vier 
2)er  Cento  abzüglich  einer  Kaiserlichen  Gnadengaab  von  700,000  Gul- 
den rein,  zu  erkaufen  hatte.^^  Das  Bisthum  Schwerin  und  die  geist- 
lichen Stifter  im  Meckelnburgischen  verpfändete  der  Kaiser  ihm  zu- 
gleich wegen  vom  Herzoge  zu  Kriegserfordernissen  vorgeschossenen 
750,000  Gulden.  Der  Lehnsbrief  hierüber  ist  in  Wien  unterm  16.  Juni 

1629  ausgefertigt  und  darin  erklärt,  dass  die  Abgesandten  des 
Herzogs:  Maximilian  von  Waldstein  Graf  zu  Fleinsberg,  Freiherr 
Heinrich  von  St.  Julian  und  der  Licentiat  der  Rechte  Jodocus  Till- 
mann  Gelübd  und  Eid  getlian. 

Sein  Titel  war  jetzt: 

„Albrecht  von  Gottes  Gnaden  Herzog  zu  Mecklenburg, 
Friedland  und  Sagan,  Fürst  zu  Wenden,  Graf  zu  Schwerin, 
der  Lande  Rostock  und  Stargardt,  Herr  von  —  hier  folgen 
118  Herrschaften  und  Güter — Kaiserlicher  Majestät  General 
Obrister  Feldhauptmaun,  wie  auch  des  Oceanisehen  und 
Baltischen  Meers  General." 

Die  Neider  Herzog  Albrechts,  an  ihrer  Spitze  Kurfürst  Maxi- 
milian von  Bayern  beeinflussten  den  Kaiser,  dass  er  ihn  —  nach- 
dem er  unterm  1.  August  1628  sein  Heer  von  Stralsund  zurückge- 
zogen und  zu  Lübeck  am  12.  Mai  1629  Frieden  mit  Dänemark 
geschlossen  —  von  Regensburg  aus,  bei  Gelegefnheit  des  im  Sommer 

1630  daselbst  abgelialtenen  Reichstages  seines  Oberbefehls  über 
die  Truppen  enthob.  Die  kaiserliche  Abl)erufungs-Botschait  wurde 
ihm  durch  die  kaiserlichen  Gesandten  Grafen  Wartenberg  und 
Freiherrn  von  Questenberg  zu  Memmingen  übergeben.  Mit  einer  ihn 
ehrenden  Seelenruhe  empfing  er  die  kaiserlichen  Boten,  beschenkte 
dieselben  mit  mehr  als  fürstlicher  Freigebigkeit,  legte  ohne  Wider- 
spruch den    Oberbefehl    über   das  Heer  nieder  und  zog  sich  nach 


428 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  AVallenstein  ("NValdstein) 


seinem  Schlosse  zu  Gitschin  zurück.  Aus  den  Anordnungen,  die  er 
nunnielir  traf,  geht  deutlich  hervor,  dass  er  seine  Laufbahn  als 
Feldherr  und  kaiserlicher  Heerführer  für  abgeschlossen  hält  und 
sein  Leben  in  seinen  Besitzungen  zu  beschliessen  gedenkt. 

König  Gustav  Adolph  von  Schweden  landete  inzwischen  am 
24.  Juni  1630  an  der  pommerschen  Küste,  besetzte  Stettin,  führte 
die  vertriebenen  Herzöge  von  Mecklenburg  in  ihre  Lande  zurück, 
schlug  das  kaiserliche  Heer  unter  Tilly  am  7.  September  bei  Leipzig 
und  rückte  weiter  nach  Süden  vor.  Der  Kaiser  —  mit  dem  Wallen - 
stein,  wie  aus  dem  noch  in  Original  vorhandenen  Briefwechsel  nach- 
weisbar, in  gutem  Einvernehmen  geblieben  war  —  lud  nun  mittelst 
Schreiben  vom  5.  Mai  1631  den  Herzog  sehr  dringend  ein,  nach 
Wien  oder  einem  ihm  sonst  gelegenen  Orte  zu  kommen:  „um  in 
allerhmid  erheblichen  Vorfallenheiten,  sonderlich  in  materia  des  Kriegs- 
status des  Herzogs  räthliches  Gutachten  ohne  weitläufigen  Briefwechsel 
zu  vernehmen.^^  Eigenhändig  fügt  der  Kaiser  hinzu  als  Nachschrift: 
„/c/i  versehe  mich  zu  Ew.  Liebden  ganz  gnädigst,  Sie  iverden  Mir  auf 
einem  oder  anderem  Wege  nicht  aus  Händen  gehen. '^  Ende  December 
1631  bewog  Fürst  Eggenberg  den  Herzog  zur  Uebernahme  des 
Generalats  über  die  Armee,  jedoch  nur  —  angeblich  wegen  zuneh- 
mender Körperleiden  —  auf  drei  Monate,  und  dehnte  solchen  bis  zur 
Hälfte  Aprils  aus.  Nach  vielen  l'nterhandlungen  gelang  es  dem 
Fürsten  Eggenberg  endlich  den  Herzog  zur  andanernih'nT^obernnlime 
des  Oberbefehls  zu  bestimmen. 

Die  dem  Kaiser  unterm  14.  April  nach  Wien  überbrachten 
Forderungen  enthielten  unter  Anderen,  dass  der  Herzog 

nicht  allein  der  Rom.  K.  Majestät,  sondern  auch  des 
ganzen  Hauses  Oesterreich  und  der  Krone  Spanien  Gene- 
ralissimus sein  soll, 

den  alleinigen  Oberbefehl  über  die  Truppen  haben  solle 
und  dass  König  Ferdinand  sich  nicht  persönlich  bei  der 
Armada  befinden  dürfe,  noch  viel  weniger  darüber  zu  coni- 
mandireu  haben,  sondern  nach  Wiederoberung  des  König- 
reich Böhmens  zu  Prag  persönlich  residiren  soll. 
Mittelst  vom  Kaiser  unterm  16.  April  1632  unterzeichneter 
Urkunde   wurde    ihm   zur   Entschädigung    für    den    Verlust    von 


Herzog  von  Fricdland  und  seine  Münzen. 


429 


Mecklenburg  das  FUrstentlium  Glogaii  pfandweise  übergeben,  so 
lange  ,.his  Se.  Ldn.  und  dero  Erben  und  Nachhonnne)i  entweder  in 
Ihre  vonge  völlige  Possession  des  Herzogthumbs  Mechelburg,  und  deren 
pertinentien  restituiret  oder  in  ander  Weege  von  Uns  durch  ein  aequi- 
pollens  wirklich  eontentiret  und  vergnügt  worden.^ 

Am  5.  Mai  zog  Wallenstein  bereits  in  die  inzwischen  von  den 
Sachsen  geräumte  Hauptstadt  Prag  ein  und  war  binnen  Monatsfrist  das 
Königreich  Böhmen  vom  Feinde  geräumt.  Gustav  Adolph  hatte  in- 
zwischen am  17.  Mai  München  besetzt,  zog  sich  aber  gegen  Nürn- 
berg in  ein  festes  Lager  zurück.  Wallenstein  folgte  ilmi  und  bezog 
gleichfalls  am  16.  Juli  in  der  Nähe  von  Nürnberg  ein  Lager,  in 
dem  er  sich  gut  verschanzte;  indem  er  nun  dem  Schweden- 
könig die  Lebensmittel-Zufuhr  abschnitt,  zwang  er  ihn,  Nürnberg 
zu  verlassen.  Unterm  4.  September  machten  die  Schweden  einen 
Angriff  auf  Wallen stein's  Lager,  der  aber  vollständig  misslang  und 
zogen  sich  hierauf  gegen  Naumburg  zurück;  inzwischen  verlegte 
Wallenstein  seinllauptquartier  am  4.  November  nach  Würzen.  Gustav 
Adolph  marschirte  inzwischen  über  Weissenfeis  nach  Lützen,  in  der 
Hoffnung,  die  kaiserlichen  Truppen  zu  überfallen;  zum  Kampf  bereit 
und  in  Schlachtordnung  fand  er  am  16.  November  Morgens  das 
kaiserliche  Heer  aufgestellt.  In  der  Schlacht  fiel  König  Gustav 
Adolph;  Wallenstein's  Heer  wurde  so  decimirt,  dass  der  Herzog  — 
urasomehr  als  er  durch  Fussgicht  verhindert  war,  persönlich  kräftig 
einzugreifen  —  sich  entschloss  die  Trümmer  seines  Heeres  jenseits 
der  böhmischen  Grenze  in  Sicherheit  zu  bringen.  Während  des 
Winters  ergänzte  Wallenstein  seine  Regimenter  und  so  sehen  wir  ihn 
im  Frühjahr  1633  mit  seinem  Heere  in  Schlesien;  am  7.  Juni  schloss 
er  einen  vierzehntägigen  Waffenstillstand  mit  dem  in  sächsischen 
Diensten  stehenden  Feldmarschall  von  Arnimb,  sowie  unterm 
22.  August  einen  zweiten  mit  Arnimb  und  dem  schwedischen 
General,  Grafen  Thurn. 

Auf  die  zu  dieser  Zeit  verbreiteten  Gerüchte,  dass  Wallenstein 
mit  den  Feinden  wegen  eines  Separat  Friedens  unterhandle,  dass 
er  nach  der  Krone  Böhmen's  für  sich  strebe  u.  s.  w.,  erlaubt  es  mir 
der  Raum  nicht  näher  einzugehen ;  ich  kann  umso  mehr  darüber 
hinweggehen,  als  es  der  Neuzeit  gelungen  ist,  all  jene  Anklagen  als 
unwahr  auf  das  Unzweideutigste  zu  widerlegen. 


430 


Adol^jh  Meyer:  Albrecht  von  "Wallenstein  (Waldsteiu) 


Am  1.  October  kündigte  Wallensteiu  den  abgelaufenen  Waffen- 
stillstand, überfiel  die  Schweden  bei  Steinau  und  zwang  Thnrn  und 
Düval,  sich  mit  5000  Mann  zu  ergeben.  Auf  Wunsch  des  Kurfürsten 
von  Bayern  versuchte  er  nun  Regensburg  vor  Herzog  Bernhard  von 
Weimar  zu  schützen,  dieser  kam  ihm  aber  zuvor  und  eroberte  am 
5.  November  diese  Stadt. 

In  der  Umgebung  des  Kaisers  erregte  es  Unwillen,  dass 
Wallenstein  die  Winterquartiere  nicht  in  Feindesland,  sondern  in 
Böhmen  und  Mähren  bezog.  Dieserhalb  wurde  der  Hofkriegsrat h 
von  Questenberg  an  ihn  abgesandt;  hierauf  berief  der  Herzog  einen 
Kriegsrath  der  vornehmsten  Generale  und  Regiments  Obersten  nach 
Pilsen  und  schickte  deren  schriftlich  abgefasstes  Gutachten  mit 
einem  Schreiben  vom  17.  December  an  den  Kaiser,  der  sich  mit  den 
vom  Herzog  getroffenen  Anordnungen  zufrieden  erklärt. 

Des  Herzogs  Feinde,  an  ihrer  Spitze  der  Kurfürst  Maximilian 
von  Bayern,  intriguirten  aber  unausgesetzt  beim  Kaiser,  so  dass  er 

—  von  jenen  Umtrieben  durch   seine   Freunde  in  Wien  unterrichtet 

—  beschloss  das  Generalat  freiwillig  niederzulegen.  Er  berief  nun 
zum  12.  Januar  1634  die  vornehmsten  Officiere  seines  Heeres  nach 
Pilsen,  um  sie  von  seiner  Absicht  in  Kenntniss  zu  setzen,  jedoch 
vierzig  —  an  ihrer  Spitze  Ilow  und  Piccoloniini  —  unterzeichneten 
selbigen  Tages  ein  „  Verhündniss" ,  in  welchem  sie  erklären:  ,,da6s 
der  Herzog ,  da  durch  seine  Resignation  der  Untergang  der  kaiserlichen 
Armee  unvermeidlich  herbeigeführt  werde,  s^ie  selbst  um  ihr  Vermögen 
kommen  würden,  auf  ihr  unnachlässiges  Flehen  und  Bitten  sich  bereit 
erklärt  habe,  noch  auf  einige  Zeit  bei  der  Armee  zu  verbleihen.  Dagegen 
hätten  sie  sich  eidlich  verpflichtet,  bei  dem  Herzog  ehrbar  tmd  getreu  so 
lange  zu  halten,  so  lange  er  in  Ihro  Kaiserl.  MaJ.  Dienst 
verbleiben^  oder  der  Kaiser  ihn  zu  seiner  Dienste  Be- 
förderung gebrauchen  iverde,'^  ^) 


5)  Für  die  derzeitigeu  Verhältnisse  interessant  und  vielen  Anfschluss 
gebend,  sind  die  über  jene  Tage  handelnden  auf  uns  in  Original  überkommenen 
Aussagen,  des  „Mitversc}iwore)ien^ ,  kaiserl.  Oberst  Herzog  Julius  von  Sachsen  im 
Protokoll  der  Untersuchun^sacten,  ferner  ein  Bericht  an  den  Kurfürsten  Maxi- 
milian von  Bayern  de  dato  Pilsen,  13.  Januar;  endlich  ein  in  den  Acten  des 
geheimen  Haus-,  Hof-  und  Staats- Archivs  zu  Wien  befindlicher  Bericht.  Dr. 
FriedricliFoerstor  in:  „ W.-jllenstein's  Process  etc.",  Seitelll  u.f.,  gibtAuszüge. 


Herzog  von  Friedland  und  seine  Münzen. 


431 


Der  Kaiser,  von  allen  Seiten  bestürmt  und  durch  gefälschte 
Berichte  irre  geführt,  erlässt  unterm  24.  Januar  ein  Patent,  durch 
welches  der  Herzog  von  Friedland  des  Oberbefehls  entsetzt  und  die 
Armee  an  den  General-Feld-Lieutenant  Grafen  Matthias  Gallas 
gewiesen  wurde,  dem  einstweilen  die  Stolle  eines  Ober-Generals 
übertragen  wird. 

In  einem  beigefügten  Specialbefehl  an  den  Grafen  Gallas  wird 
diesem  aufgegeben  :  ^sich  des  FriecUänders  zu  bemächtigen  und  ihn 
mit  seinen  cornehmsten  Anhängern  den  Illo  und  Terzka  in  gefänglicher 
Verhaft  und  an  einen  sichern  Ort  zu  bringen,  allda  er  gehört  werden 
tmd  sich  über  alles  dieses  genugsam  defejidiren  undpurgiren  möge, 
oder  doch  sich  seiner  lebendig  oder  todt  zu  bemächtigen.^^ 

Obwohl  in  dem  Patent  gesagt  wird,  dass  durch  dasselbe  die 
Entlassung  der  gesammten  Armada  öffentlich  bekannt  gemacht 
werde,  so  theilte  Gallas  es  nur  wenigen  Vertrauten  mit  und  Wallen- 
stein selbst  erhielt  keine  Kenntniss  davon,  vielmehr  ist  uns,  bis  zum 
13.  Februar  gefertigt,  eine  Anzahl  kaiserlicher  Handschreiben  über- 
kommen, die  in  unverfänglichster,  freundlichster  Weise  die  Kriegs- 
verhältnisse behandeln.  Unterm  13.  Februar  endlich  erlässt  Gallas 
eine  Ordonanz,  in  welcher  er  ,^Kraft  der  ihm  ertheilten  Kaiserlichen 
Patente  bei  Vermeidung  Ihro  Kaiserlichen  Majestät  Ungnade  und  Ver- 
lust der  Ehre  den  Officieren  befiehlt,  hinfüroJceine  Ordinanzen  von  dem 
Herzoge  zu  Friedland,  noch  dem  Fekhnarschall  Illo,  noch  dein  Grafen 
Terzka  anzunehmen,  sondern  allein  dem  nachzukommen,  was  er  oder 
die  Grafen  Aldriiigen  oder  Piccolomini  befehlen  werden.'^ 

Der  Herzog,  der  noch  am  17.  Februar  ein  Schreiben  des 
Kaisers  vom  13.  Februar  empfangen  hatte,  worin  dieser  ihm  Mel- 
dung über  die  Bewegungen  und  Märsche  der  feindlichen  Truppen 
—  die  ihm  neuerdings  zugegangen  ~  macht,  konnte  sich  die  ihm 
zu  Ohren  kommenden  Gerüchte  nicht  erklären;  er  beschied  sämmt- 
liehe  Generale  und  Obersten,  welche  das  Bündniss  vom  12.  Januar 
unterzeichnet  hatten,  wiederum  zu  sich  nach  Pilsen  und  empfing  sie, 
durch  heftige  Fussgicht  geplagt,  sitzend,  um  ihnen  mitzutheilen, 
welche  böse  Deutung  man  in  Wien  jener  Schrift  gegeben.  Am 
20.  Februar  unterzeichneten  die  Obersten  im  Verein  mit  dem  Herzog 
eine  feierliche  Prostestation,  worin  sie  erklären;  „  .  .  .  wie  denn 
auch  wir  sammetlich  und  ein  jeder  insonderheit  bei  mehr  hochgedachter 


4o!i  Adolph  Meyer:  Albrecht  von  AVallenstein  ("Waldstein) 

Ihro  Fürstl.  Gnaden  treu,  ehrbar  und  redlich  bis  auf  den  letzten  Bluts- 
tropfen  tapfer  zu  halten  und  von  derselben  auf  keinerlei  Weis  un&\ 
separiren  noch  separiren  zu  lassen,  uns  hingegen  verbindlich  gemacht, 
gestalt  solches  obbesagter  Schluss  mit  Mehrerem  ausweiset.  .  .^  Ferner' 
„  .  .  .  Und  thun  zuvörderst  wir  Älbrecht  etc.  versichern,  dass  uns 
niemaleii  in  den  Sinn  gekotninen  das  Gering  sie,  so  Ihrer 
Kaiserl,  Majestät,  Dero  Hoheit  noch  der  Religion  xii- 
tvider,  z-ii  gestatten^  noch  iceniger  selbst  zu  pi^acti- 
siren  .  .  .  .    • 

Dieses     vom  Herzog  iiiul  neuniindzwanzig  Oifieieren    unter-, 
fertigte  Actenstitek  sandte   der  Herzog  am  21.  Februar  durch  dei 
Obersten  Mohr  von  Wald  an  den  Kaiser,  dem  er  ausserdem  schriel 
dass  er  bereit  sei,  das  Comraando  niederzulegen  und  sich  zur  Ved 
antwortung  zu  stellen,  wohin  es  der  Kaiser  befehlen  wUrde.  Folgen-^ 
den  Tages  fertigte  er,  um  sicher  zu  sein,  dass  diese  seine  Erklärung 
auch  an  den  Kaiser  gelange,   einen  zweiten  Eilboten,  den  Obersten 
Brenner,  nach  Wien   ab,  dem   er  von  ihm  in  blanco  unterzeichnete 
Vollmachten  mitgab,  deren  Ausfüllung  er  den  kaiserlichen  Ministern 
überliess,  damit  sie  in  seinem  Namen  nach   ihrem  Belieben  Befehle 
an    die    Generale    der  Armada   ausfertigen    möchten.    Diese  Boten 
gelangten  nicht  nach  Wien,   sondern  wurden  von  Piccolomini    und 
Diodati  aufgefangen  und  festgesetzt. 

Vermöge  geheimer  kaiserlicher  Instruction  vom  20.  Februar 
wird  der  Oberst  Graf  Puchheiml)  beauftragt,  unter  dem  Vorgeben, 
T^dass  ihm  Friedlands  und  Terzka's  Güter,  nach  der  nunmehr  beider 
Genannten  erfolgten  meineidigen  Rebellion  und  Flucht  zum  Feind,  als 
dem  höchsten  Königlichen  OberhaujH  undisponirlich  anheimfallen,"  die 
Güter,  Gelder  und  Fahrnisse  des  Herzogs  von  Friedland  zu  confis- 
ciren.  Diese  Verfügung  stand  im  directen  Widerspruch  zu  den  mit 
dem  Majestätsbrief  von  11.  Mai  1627  ertheilten  Vorrechten:  dass 
eine  Confiscation  der  Güter  unter  keinen  Umständen,  selbst  dann  nicht 
trenn  der  Besitzer  sich  des  Criminis  laesae  Majestatis  schuldig  machen 
und  am  Leben  bestraft  werden  sollte,  stattfinden  könne. 

Heftig  von  der  Gicht  geplagt,  so  dass  er  weder  zu  Pferde 
sitzen  noch  im  Wagen  fahren  konnte  und  vom  kaiserlichen  Hofe 
ohne  Benachrichtigung,  dass  er  seiner  Stelle  entsetzt  und  die  Armee 
angewiesen  sei,  ihm  nicht   ferner  Gehorsam  zu  leisten,  erliess  der 


Herzog  von  Friedland  und  seine  Münzen. 


433 


Herzog  am  21.  Februar  an  verschiedene  Obersten  den  Befehl: 
weder  von  Gallas  noch  von  Piccolomini,  sondern  nur  von  ihm, 
Terzka  und  Ilow  Ordinanzen  anzunehmen.  Da  überbringt  ihm  der 
Feldzeugmeister  Sparr  die  Nachricht,  dass  die  kaiserlichen  Patente 
in  Prag  am  22.  Februar  durch  Oberstlieutenant  Mohra  unter 
Trommelschlag  öffentlich  publicirt  worden  seien.  Terzka  kommt 
mit  der  Nachricht,  dass  sein  eigenes  Regiment  ihm  den  Gehorsam 
versage.  Der  Herzog,  ausser  Stande  selbst  kräftig  einzugreifen, 
überliess  das  Weitere  dem  Grafen  Terzka  und  Feldmarschall  Ilow, 
die  sich  in  Unterhandlungen  mit  Herzog  Bernhard  von  Weimar  ein- 
liessen,  um  sich  mit  diesem  zu  vereinigen,  so  auch  knüpfte  Graf 
Kinsky  Verbindungen  mit  dem  französischen  Gesandten  an.  Wie 
falsch  aber  die  gegen  Wallenstein  beim  Kaiser  gemachten 
Anschuldigungen,  dass  ei*  mit  dem  Feinde  conspirirt,  gewesen, 
zeigte  sich  jetzt  auf  das  deutlichste  und  ist  durch  Briefe  des 
Herzog  Bernhard  von  Weimar  an  den  schwedischen  Kanzler 
Oxenstierna  und  an  seinen  Bruder,  Herzog  Wilhelm,  der  Nachwelt 
auf  das  klarste  bewiesen.  Herzog  Bernhard  spricht  seine  Zweifel 
über  die  Ehrlichkeit  der  ganz  unerwarteten  Anträge  aus  und  hält 
sie  für  ihm  und  seinen  Truppen  gelegte  Fallen. 

Mit  nurfünfCompagnien  Soldaten  brach  Wallenstein  —  in  einer 
Sänfte  getragen  —  am  22.  Februar  von  Pilsen  auf  und  wandte  sich  nach 
Eger,  um  sich  daselbst  zu  rechtfertigen;  am  24.  in  Eger  eintreffend, 
war  seine  Begleitung  durch  Desertion  auf  zwei  Compagnien  Reiter 
zusammengeschmolzen.  Am  Thor  durch  den  Commandanten  Oberst- 
lieutenant Gordon  empfangen,  nahm  er  sein  Quartier  im  Hause  des 
Bürgermeisters  Pachhälbel.  Am  25.  Februar  lud  Gordon  den  Herzog 
und  seine  Officiere  Terzka,  Kinsky,  How  und  Neumann  zu  einem 
Faschingsschmause  auf  das  Schloss  ein ;  der  Herzog  lehnte,  durch 
Krankheit  verhindert,  ab,  die  anderen  fanden  sich  Abends  ein.  Gordon 
empfing  sie  im  Verein  mit  Buttler  und  Leslie,  während  in  den  Neben- 
zimmern 36  Buttler'sche  Dragoner  unterGeraldino  und  Deveroux  heim- 
lich versteckt  waren;  einem  jeden  Gemeinen  waren  von  dem  Obersten 
Buttler  —  wie  Gallas  später  dem  Kaiser  meldet  —  ,^zu  besserer 
Effectuirung  der  vorgehabten  Execution  fünfhundert  Thaler ^  dem  Oberst- 
wachtmeister, der  sie  geführt,  zweitausend  und  einem  jeden  Häuptmann, 
der  dabei  assistirt,  ein  Tausend  Thaler  versprochen'^ . 

28 


434 


Adoli^li  Meyer:  Albrecht  von  Walleusteiii  (Waldstein) 


Nach  zweistündigem  Zechen  wurde  der  Nachtisch  aufgetragei 
die  Dienerschaft  der  Gäste  entfernt,  als  auf  ein  verabredetes  Zeiche 
von   der  einen  Seite  Oberstwacbtmeister  Geraldino   mit  dem  Ruf« 
„Viva  la  casa  d'Austrial-^  von  der  anderen  Hauptmann  Deveroux  mi 
dem  Rufe:   „Wer  ist  hier  gut  kaiserlich?"  in  den  Saal  drangen.  DU 
Dragoner  folgten  mit  gezückten  Säbeln.   Buttler,  Gordon  und  Leslil 
nahmen  jeder  einen  Leuchter  mit  brennender  Kerze  in  die  Han< 
und  riefen:  „Vivat  Ferdinandus!"   Hiedurch  wurden  den  Dragoneri 
die  Schlachtopfer  bezeichnet.    Graf  Kinsky  fiel  zuerst  unter  den 
Streichen-,  Ilow,   der  sich   umwendete,   um   seinen  Degen  von  dei 
Wand    herabzunehmen,     wurde    von    hinten    durchstochen.    Gn 
Terzka,  dem  es  gelang,  seinen  Degen  zu  ziehen,   hieb  einige  Drj 
goner  nieder,  forderte  Gordon  und  Leslie  als  Verräther  heraus,  mi^ 
ihm   zu  fechten,   als  Deveroux  ihn  mit   einem  Dolche  niederstiessJ 
Rittmeister  Neumann  Hüchtete  sich  verwundet  bis   in   den  Vorsaal, 
wurde  aber  draussen  niedergestochen. 

Nach  kurzer  Berathung  beschlossen  Buttler,  Gordon  und  Leslie 
ungesäumt  auch  wider  den  Herzog  die  geschwinde  Execution  vor-^ 
nehmen  zu  lassen.  Gordon  übernahm  die  Bewahrung  der  Burg, 
Leslie  versicherte  sich  der  Mannschaft  der  Hauptwache  in  der  Stadt 
und  Buttler  umstellte  die  Wohnung  des  Herzogs,  während  Deveroux 
mit  zwölf  Buttler'schen  Dragonern  in  die  Wohnung  drang,  um  die 
Tbat  zu  vollführen. 

Der  Herzog  hatte  sich  mit  seinem  Astrologen  Zenno  mit 
Beobachtung  der  Gestirne  beschäftigt  und  hatte  sich  soeben  von 
seinem  Kammerdiener  entkleiden  lassen  —  es  war  bereits  Mitter- 
nacht vorüber  —  als  ihn  klägliches  Wehgeschrei  aufschreckt,  es 
sind  die  im  selbigen  Hause  wohnenden  Gräfinnen  Terzka  undKinsky, 
welche  soeben  die  Nachricht  von  der  Ermordung  ihrer  Gatten  erhal- 
ten haben.  Der  Herzog  reisst  das  Fenster  auf  und  ruft  der  Wache 
zu,  was  es  für  Lärm  gebe?  Da  hat  Deveroux  bereits  die  verschlos- 
sene Thür  des  Schlafgemachs  eingeschlagen  und  dringt  mit  der 
Partisane  eines  gemeinen  Landknechtes  und  dem  Rufe:  „Du  musst 
sterben!"  auf  den  Wehrlosen  ein.  Mit  ausgebreiteten  Armen  empfing 
Wallenstein  den  Todesstoss  in  die  Brust,  lautlos  sank  er  von  gedun- 
gener Mörderhand  durchbohrt  nieder. 


Herzog  von  Friedland  und  seine  Münzen. 


435 


Am  folgenden  Tage  erliessen  Battier  und  Gordon  ein  offenes 
Patent,  in  welcliem  sie  die  That,  als  aus  eigenem  Antrieb  vorgenom- 
men, bekannt  machen.  Dr.  Friedrieb  Förster  in  seinem  bereits  mebr- 
mals  erwähnten  ,, Wallenstein's  Process  etc."  sagt  über  solches: 

,,Da.s  Merkwürdigste  und  zugleich  Entsetzlichste  in  diesem 
Berichte  ist^  dass  Buttler  und  Gordoii  als  Grund  der  Ermordung  die 
Friedensverhandlung  des  Herzogs  mit  Kursachsen  und  Brandenburg 
nennen,  zu  welcher  er  ausdrücklich  vom  Kaiser  ermächtigt  war. 
Hätten  die  Mörder  als  Grund  ihrer  That  die  Verschwörung  zu  Pilsen, 
die  Unterhandlung  mit  Frankreich,  die  Annäherung  Bernhards  von 
Weimar  genannt,  so  wäre  doch  noch  ein  Schein  einer  Täuschung 
vorhanden  gewesen;  so  aber  mordeten  sie  und  wussten  nicht 
warum." 

Die  an  den  Kaiser  und  sonst  noch  abgefertigten  und  uns  in  Ori- 
ginal erhaltenen  Berichte  über  die  ruhmvolle  That  (la  gloriosa 
attione),  wie  z.  B.  Piccolomini  am  27.  Februar  aus  Mies  an  Caretto 
schreibt,  übergehe  ich  mit  Stillschweigen. 

Der  blutige  Leichnam  wurde  auf  Piccolomini's  Veranlassung  in 
schlechte  Tücher  gewickelt  und  in  eine  ausgeleerte  Silbertruhe 
gelegt,  um  nach  Prag  geschafft  zu  werden.  Gallas  Hess  ihn  jedoch 
bei  den  Franciskanern  in  Mies  begraben.  Im  Jahre  1636  übernahm 
die  verwittwete  Herzogin  den  Leichnam  ihres  Gemahls  und  Hess  ihn 
in  der  AValditzer  Karthause  bei  Gitschin  beisetzen.  Hier  blieb  er  bis 
zum  Jahre  1785,  wo,  da  sich  Graf  Vincenz  von  Waldstein  von  Kaiser 
Joseph  n.  die  Erlaubniss  erbat,  die  Gebeine  seines  Vorfahren  aus 
dem  inzwischen  aufgehobenen  Kloster  Walditz  nach  MUnchegraz 
überführen  zu  dürfen,  woselbst  sie  am  3.  März  1785  in  der  St.  Annen- 
Oapelle  beigesetzt  wurden.  Die  Gruft  trägt  die  Inschrift: 

Qiiaeris,  viator,  quis  hicjacet'^ 

Albertus  Eusebius  Waldstein,  Dux  FridJandiae,  qui  1634  die 
25  Fehruarli  aeyre  fatis  cessit  Egrae.  FuJgebat  olim  splendore  MariiSy 
dum  pro  Deo,  pro  Ecclesia,  pro  Caesar e,  pro  Patria 

Fortiter  piignavit  et  triumphaoit  heros  Inclytus. 

Eum  quoniam  legitime  certavit,  Bens  ad  se  vocavit, 
Coelestique  Corona  premiavit, 

Cujus  jam  bello  fessa  hie  in  j^ace  qiüescunt  ossa. 


28* 


436 


Adolph  Meyer :  Albrecht  von  "SVallenstein  (Waldstein) 


Illmtrissimo  ac  Eccelentissimo  D.  D.  Vhicmtio,  S.  R.  L  Comite  de 
Waldstein  et  Wartenberg  et  Conthorali  Sua  Illustrissima  et  Eccden- 
tis'^ima  D.  D.  Sophia  nata  S.  R.  I.  Comite  de  Sternherg  insistentibus 
annuenteJosepho  11^.  Imperatore  et  Rege  Boemiae,  sublata  Gitschinense 
Carthusia,  Lipsana,  haec  Hradistinm  abinde  translata  ad  P.  P.  Capu- 
cinos  in  Capeila  St  ^Annae  soletnniter  resepidta  sunt  dieS  Martii  Ao  1785. 


Die  Güter  und  das  bewegliche  Vermögen  wurde  confiscirt  und 
grossentheils  seinen  Mördern  und  Jenen,  die  ihm  in  der  Gunst  des 
Kaisers  geschadet,  geschenkt.  So  bekam  Gallas  die  Herrschaften 
Friedland  und  Reichenberg,  den  Kinsky'schen  Palast  zu  Prag  und 
mehrere  Bergwerke;  Piccolomini  die  Herrschaft  Nachod,  Aldringen 
Teplitz,  Colloredo  Opotschno,  Teuffenbach  Kuniburg  und  Aulibitz 
sammt  der  Stadt  Gitschin,  Marchese  di  Grana  die  Herrschaften 
Weiss-  und  Hlinerwasser  u.  s.  w.  Die  leidtragende  Wittwe  behielt 
nur  die  kleine  Herrschaft  Neuschloss  mit  der  Stadt  Leipa  als  freies 
Eigenthum  ^an  Zahlung  statt  der  Vorderungen  an  die  Verlassenschafts' 
masse  ihres  verstorbenen  Gatten'^  laut  kaiserlichem  Patent  de  dato 
1.  Juli  1636;  das  einzige  Kind  des  Herzogs,  Prinzessin  Maria 
Elisabeth,«)  ging  ganz  leer  aus,  ebenso  auch  Graf  Max  Waldstein,  der 
in  das  von  dem  Herzoge  errichtete,  von  dem  Kaiser  durch  Majestäts- 
brief bestätigte  Majorat  ohne  allen  Vorenthalt  hätte  eingeführt 
werden  müssen.  Zur  Erlösung  der  Seelen  der  Ermordeten  aus  den 
höllischen  Qualen  des  Fegefeuers  Hess  der  fromme  Kaiser  für  seine 
eigene  Rechnung  dreitausend  Seelenmessen  lesen. 

Graf  Christian  zu  Waldstein-Wartenberg  hat  es  im  Jahre  1841 
versucht,  Allerhöchsten  Orts  seine  Ansprüche  als  legitimer  Rechts- 
nachfolger in  der  Linie  der  Erstgeburt  von  Maximilian  Grafen 
Waldstein  auf  das  Familien-Fidei-Commiss  geltend  zu  machen,  so 
auch  später  eine  Klage  gegen  den  k.  k.  Aerar  beim  k.  k.  Landrecht 
zu  Prag  angestrengt,  ist  aber  abgewiesen  worden. 


fi)  Da  über  dieselbe  wenig  auf  uns  überkommen  ist,  so  erscheint  es  mir 
erwähnenswerth,  dass  sie  längere  Zeit  in  dem  Nonnenkloster  St.  Georgen  am 
Längsee  in  Kärnten  gelebt  hat.  Dieses  Kloster  nnter  Kaiser  Joseph  säcularisirt, 
ist  jetzt  Besitzthum  der  Gräflich  Egger'schen  Familie.  —  S.  Neue  Freie  Presse 
Nr.  7474  vom  20.  Juni  1885,  Morgenblatt,  Feuilleton  von  Heinrich  No6. 


Herzog  von  Friedland  und  seine  Münzen. 


437 


Das  Wappen. 

Das  Wappen  der  Herreu  von  Waldstein  bestand  ursprünglich 
aus  einem  ungekrönten  Löwen  im  Schilde;  gegen  Ende  des  flinf- 
zehnten  Jahrhunderts  nahmen  sie  aber  ein  quadrirtes  Wappenschild 
mit  vier,  sämmtlich  rechts  gewandten  Löwen  an.  Gegen  Ende  des 
sechzehnten  Jahrhunderts  finden  wir  die  Löwen  aber  gegen  ein- 
ander, mit  dem  Rücken  nach  aussen  gekehrt.  Der  Schild  war  von 
Gold  und  Blau  quadrirt,  die  Löwen  hatten  verwechselte  Tincturen. 

Albrecht  von  Wallenstein  erhielt,  wie  gesagt,  nach  Belehnung 
mit  der  Herrschaft  Friedland  vom  Kaiser  unterm  15.  September 

1622  deren  Wappen,  nämlich  einen  gekrönten,  goldbewehrten 
silbernen  Adler  im  rothen  Felde,  welcher  sich  auch  auf  dem  gekrön- 
ten Helme  mit  roth-silberner  Helmdecke  wiederholt.  (Tafel  I,  Nr.  1.) 

In  der  kaiserlichen  Urkunde  de  dato  Regensburg  14.  Januar 

1623  lautet  bezüglicher  Absatz: 

„  .  .  .  daneben  auch  nachfolgendes  Wappen  und  Kleinod,  mit 
Namben  einen  Roth,  oder  Rubinfarben  Schildt,  in  welchem  mit  dem 
Schnabel  fürwerts  ein  weiss-  oder  Silberfarber  gecrönter  Adler,  mit 
offnen  Flügen,  Schwantz  vnnd  aussgeschlagener  Zungen  erscheint; 
Ob  jetzt  gedachtem  Schilt,  ain  freyer  offener  Adelicher  Thurnier- 
Helmb,  beedersoitz,  mit  roth-  vnnd  weissen  Helmdeckchen,  auch 
<larob  einer  Goldtfarben  Khöniglichen  Krön  geziert;  Darauff  erschei- 
net abermahlen  der  hie  unten  im  Schildt  beschriebene  weisse 
gecrönte  Adler  alsdan  solch  Wappen  vnnd  Kleinott,  sambt  seiner 
Zier,  in  mite  diss  ünsers  Khais.  Briefs  gemalt,  Vnd  mit  F.Mrbon 
aigentlicher  anssgestrichen  ist." 


438 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  Wallenstein  ("Waldstein) 


Wallenstein  vereinigte  sein  Stammwappen  mit  dem  Fried- 
ländischen  in  der  Art,  dass  er  Ersteres,  ein  von  Gold  und  Blau 
gevierter  Schild  mit  vier  doppelsehweifigen,  paarweis  gegen 
einander  gekehrten  ungekrönten  Löwen  verwechselter  Tinctur 
—  so  dass  Feld  1  und  4  goldene  Löwen  auf  blauem  Grunde^ 
Feld  2  und  3  blaue  Löwen  auf  goldenem  Grunde  enthielten  — 
dem  Adler  als  Brustbild  auflegte.  (Siehe  Abbildung  Tafel  I, 
Nr.  2.) 

Nach  seiner  Ernennung  zum  Herzog  (Wien,  13.  Juni  1625) 
führte  Wallenstein  genau  denselben  Wappenschild  wie  als  Freiherr 
und  Fürst,  das  heisst  den  friedländischen  Adler  mit  dem  Wald- 
stein'schen  Brustschild ;  den  Hauptschild  bedeckt  der  Fürstenhut, 
der  damals  noch  nicht  die  Form  der  heutigen  Fürstenhttte,  mit 
Kronenreifen,  Pui-pursammet,  Perlen,  Edelsteinen,  Bügeln  u.  s.  w. 
hatte,  sondern  ebenso  wie  der  Herzogshut,  damals  lediglich  aus  einer 
scharlachrothen  Mütze  von  ausgebauchter  Form  mit  einem  Stülp  von 
Hermelin  bestand. 

Diesen  Fttrstenhut  finden  wir  auf  den  Münzen  des  Jahres  1626^ 
und  theilweise  auch  im  Jahre  1627.  Im  Jahre  1627  beginnt  er 
bereits  einen  Bügel  zu  bekommen,  der  mit  wenigen  Ausnahmen  in 
der  Folge  beibehalten  ist. 

Nachdem  der  Herzog  auch  das  Herzogthum  Sagan  erworben 
hatte,  nahm  er  dessen  Wappen,  sowie  das  der  ungefähr  gleichzeitig 
durch  Kauf  erworbenen  Herrschaft  Flinsberg  in  das  bisher  geführte 
auf.  Der  dem  friedländischen  Adler  (welcher  hier  auch  noch  eine 
Halskrone  hat)  aufgelegte  Brustschild  ist  gespalten.  Hinten  der 
quadrirte  Waldstein'sche  Stammschild  —  Feld  1  und  4  der  unge- 
krönte, doppelschwänzige  Löwe  golden  auf  blauem  Grunde,  Feld  2 
und  3  der  blaue  Löwe  auf  Goldgrund  paarweis  gegen  einander 
gekehrt.  —  Die  vordere  Hälfte  des  Schildes  quer  getheilt,  oben 
wegen  des  Herzogthums  Sagan  in  Silber  der  Rumpf  eines  gold- 
haarigen vorwärts  gekehrten  Engels  mit  blauen  erhobenen  Flügeln,, 
blauem  Kleide  und  goldener  Kreuzstola  über  der  Brust  (ohne  Arme), 
unten  das  Wappen  der  Herrschaft  Flinsberg,  in  Blau  ein  gekrönter 
goldener  doppelschw^eifiger  Löwe.  Den  Schild  bedeckt  ein  Helm  mit 
rothsilbern-blaugoldenen  Helmdecken  und  Wulst,   auf  welchem  der 


Herzog  von  Friedland  und  sfine  Münzen. 


439 


Adler  wie  im  Schilde   (aber  ohne  den  Brustschild)  steht.   (Siehe 
Tafel  I,  Nr.  3.) 

Dieses  Wappen  finden  wir  auf  Münzen  des  Jahres  1629. 

Das  jetzige  Wappen  des  Herzogthums  Sagan  ist  ein  wachsen- 
der goldener  Engel  mit  gininen  Flügeln  im  rothen  Felde,  wie  es  auch 
schon  Wallenstein  auf  der  nächstfolgenden  Wappenänderung  führte. 

Die   Belehnung    mit    Mecklenburg    vermehrte    des    Herzogs 
Wappen  um  einige  weitere  Felder.  Es  zeigt  nun  einen  mit  der  Kette 
des  goldenen  Vliesses  umhängten,  von  einem  herzoglichen  Hute  (wie 
der  Fürstenhut,  nur  oben  noch  ein  Reichsapfel  —  bei   den  früheren 
Jahrgängen  haben  nur  einige  wenige  Münzstempel  den  Reichsapfel) 
bedeckten  Wappenschild.  Derselbe  ist  durch  eine  senkrechte  und 
zwei  Querlinien  in  sechs  Felder  getheilt,  ein  zwischen  Feld  HI  und 
IV  eingeschobenes  siebentes  Feld  enthält  das  Waldstein'sche  quadrirte 
Stammwappen  und  ein  gerade  darüber  zwischen  Feld  I  und  H  der 
oberen  Reihe  eingeschobenes  VIII.Feld  den  FriedländerAdler(ohnc 
Brustschild  und  Halskrone).    Feld  I  enthält  in  Gold  einen   im  Visir 
(vorwärts  gekehrt)  gestellten   rothgekrönten  schwarzen  Büffelkopf 
mit   silbernem   Gehörn    und  Nasenring   (wegen  des   Herzogthums 
Mecklenburg).  Feld  II  ist  getheilt,   oben  der  Saganer  Engel   (hier 
bereits  goldgekleidet,   mit  blauer  Stola,  silbernen  Flügeln,  in  die 
Hüfte  gestemmten  Armen),  wachsend  in  Roth,  unten  den  Flinsberger 
Löwen  (hier  schreitend,  einschweifig  und  ungekrönt).  Feld  III  enthält 
einen  Büffelkopf  wie  der  in  Feld  I,  nur  nach  links  gekehrt,  ohne 
Nasenring,  mit  ausgeschlagener  rother  Zunge  (wegen  des  Fürsten- 
thums  der  Wenden).  Feld  IV  ist  von  Roth  und  Gold  quer  getheilt 
(wegen  der  Grafschaft  Schwerin).  Feld  V  enthält  in  Blau  einen  ein- 
wärts gekehrten  goldenen  Greif  (wegen  der  Herrschaft  Rostock) 
und  Feld  VI  einen  aus  Wolken  am  Aussenrande   hervorgehenden 
geharnischten,  vom  Ellbogen  ab  mit  abfliegendem  blauen  Bande  gebun- 
denen Mannsarm,  der  einen  goldenen  Ring  mit  einem  Diamantstein 
hält  (wegen  der  Herrschaft  Stargard).  (Siehe  Tafel  I,  Nr.  4.) 

Dieses  Wappenschild  finden  wir  vom  Jahre  1020  ab  auf  allen 
Münzen  des  Herzogs. 

Nachdem  dem  Herzog  das  Herzogthuin  Grossglogau  noch  vom 
Kaiser   pfandweise    übergeben    worden    war,    vermehrte    er   sein 


440 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  Wallenstein  (Waldstein) 


Wappenschild  noch  durch  ein  in  der  oberen  Reihe  links  eingescb 
benes  Feld  mit  dem  Wappen  von  Grossglogau.  Die  oberste 
des  Wappens  enthielt  demnach  4  ganz  gleich  grosse  Felder, 
lieh:  Mecklenburg,  Friedland,  Sagan-Flinsberg  (alle  wie  bereits  vor- 
stehend beschrieben)  und  Gross-Glogau  (ein  von  Roth  und  Silber 
gespaltenes  Feld,  darin  vorn  ein  nach  rechts  gekehrter  gekrönter 
silberner  [der  böhmische]  Löwe,  hinten,  gelehnt  an  die  Spaltungs- 
linie ein  links  sehender  halber  goldbewehrter  schwarzer  [der 
schlesische]  Adler,  mit  silbernem  Monde  auf  der  Brust);  die  übrigen 
Felder  wie  oben.  (Siehe  Tafel  I,  Nr.  5.) 

Münzen  mit  diesem  Wappenschilde  sind  nicht  geprägt  worde: 


1 


Herzog  von  Friedland  und  seine  Münzen. 


441 


Archivalisches. 

Von  Verfügungen  Herzog  Albrecht's  in  Betreff  der  Münze  oder 
Münzabrechnungen  ist  leider  wenig  bis  jetzt  ermittelt  worden.  Von 
dem  Grundsatze  ausgehend,  dass  ein  Fürst  durch  sein  Bild  auf 
circulirenden  Münzen  dem  gemeinen  Manne  näher  tritt  und  bekann- 
ter wird,  hat  er  —  unter  Darbringung  grosser  Opfer  —  ausser- 
ordentlich viele  Münzen  in  gutem  Gehalt  und  vollwerthig  prägen 
lassen.  Zahlen  für  die  Ausprägung  lassen  sich  vorläufig  nicht  ange- 
ben, da  bis  jetzt  nur  einige  wenige  Blätter  Rechnungen  der  Münze 
zu  Sagan  aufgefunden  sind ;  aus  der  grossen  Menge  von  Münzstem- 
peln, die  ich  aber  ermittelt  —  und  ich  bin  sicher,  noch  lange  nicht 
alle  gefunden  zu  haben  —  und  die  ich  nachstehend  verzeichne, 
lässt  sich  eine  Muthniassung  für  die  Ausprägungen  machen.  Für  die 
Güte  und  VoUwerthigkeit  der  Münzen  spricht  deren  grosse  Selten- 
heit in  der  Gegenwart,  unzweifelhaft  sind  sie  in  den  Sohmelztiegel 
der  Kipper  gewandert. 

Lange  ehe  Herzog  Albreclit  das  Münzreclit  besass,  sorgte  er 
schon  für  gute  vollgiltige  Circulationsmittel;  als  Beweis  hiefür  liegt 
mir  ein  Brief  vor  —  der  bisher  uuedirt,  Eigenthum  des  Herrn  Dr. 
Schebek  zu  Prag  ist.  —  Icli  lasse  denselben  in  ^-etreuer  Abschrift 
nach  dem  in  böhmischer  Sprache  lautenden  Original  folgen: 

„Sluzbu  Nassi  wzkazugem  Wassi  im  Vrozeny  Pane,  Pane  Sswagkrze  Nass 
Zwlasstie  mily.  Zdrawj  a  gineho  wsseho  d()br<iho  na  Pauu  Bohu  Ziadagicze 
rizegeme  Wassi  uTi  wt^ruie  radj. 

Poslali  gsme  przedossle  Vrzeduiküm  Mincze  ua  horach  (iuttnach  Cztyry 
tisycze  gedno  Sto  tizldczetj  Cztyry  Zlaty  Reynsky  na  Tupl-  a  Polaussede- 
satniczycli  k  Zmiuczowanj  a  na  Rzizskö  tolary  rozdielanj,  Nyni  pak  dostawsse 


442 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  Wallenstein  (Waldstein) 


gich  zase  Trzi  Tisycze  a  Piet  Seth  Reynskeych  Zlateych  tolikez  ge  tarn 
posylame,  Wassi  mi  zato  ziadagicz,  Pokiidz  przedessla  Summa  giz  Zminczowana 
(yakz  te  nadege  sme)  gest,  Zie  gi  Vi'zednikum  Mincze  Wyslauemu  Nassemii 
wydatj,  a  naproti  tomu  wyss  Psanau  Summu  Przigiti,  a  aby  tim  drziwegi 
ZMinczowana  byla,  poriiczitj  raczite.  Niczmenie  Ponewadz  Näm  przedessle 
nemalo  za  MM  odwesti  mely,  y  nyni  odwesti  se  dostane  Wtu  nadegi  Przicha- 
zyme,  Zie  Podlö  Przedesslö  Wassi  im  uczinieneho  psanj.  na  Mistie  Nassem  s 
tymiz  Vrzedniky  Mincze  poczet  vczinitj,  aby  se  Näm  od  nich  ziadneho  Skraczeni 
nestalo,  w  to  nahlednautj,  a  bud  to  M6d  a  nebo  Penize  zani  odeslatj  fZwlasst 
Zie  od  Näs  J.  M.  Czs  Sslak  Ssocz  y  giny  wsseliyaky  Minczüwnj  Naklad 
Zaüplna  se  odwozuge,  a  onj  wzcyczkny  wiczegi  nezliby  gim  nalezielo  vtrho- 
wati  chtegj)  dostateczne  narziditj  raczite.  Odslauzime  se  toho  Wassi  mi  Zase 
wolnie.  Stim  milost  Bozi  Snämi  Se  wsserai  bytj  racz.  Datte  w  Menssim  Möstie 
Prazskem  7  Aug.  Letha  Ssestnacztisteho  dwaczateho  cztwrteho. 

Albrecht,  Z  Bozi  milost  Knize,  Wladarz  Domu  Waldtssteinskeho,  z  Fryd- 
landu,  Knize  Frydlanske,  J.  M.  Czs  WjiIcc/ii:)  TJjhLLi  Komamik.  X('y\\-v/^^si 
Prazsky,  a  General  Polnj  Wachmistr. 

Wassi  uTi  woluy  sluha 
Albrecbt  z  Frydlandu  ra.  p. 

Vrozenemu  Pänu  Pänu  Wylymowj  Wrzesowczowj  z  Wrzesowicz  a  z 
Daubrawske  hory,  na  Biely,  Nekmirzj  Podmoklech  Brlozczy,  Peezkach,  Nebo- 
widech  a  Mokropczych  J.  iAI.  Czs  Raddo,  Komorniku  a  Nejwyzssimu  Mincz- 
nieistru  Krälowstwj  Czieskeho,  Panu  Sswagkru  uassemu  Zwlässte  Mil^mu. 


In  Uebersefzuiig  lautet  derselbe: 

„Unsern  Dienst  entbieten  wir  Euer  Gnaden,  Hochgel)orner  Herr,  inson- 
ders  lieber  Herr  Schwager.  Gesundheit  und  alles  ander  Gute  erbitten  von  iU\tt 
dem  HeriTi  und  wünschen  wir  Euer  Gnaden  aufrichtig  gerne. 

Wir  haben  schon  früher  an  die  Münz-Amtsleute  in  Kuttenberg  4134 
Gulden  Rheinisch  in  Doppel-  und  Halbsechzigeni  zur  Ausmünzung  und  Um- 
prägung auf  Reichsthaler  eingesendet. 

Nachdem  Wir  nunmehr  wieder  3500  Rheinische  Gulden  erhalten  haben, 
senden  Wir  selbe  ebenfalls  dahin,  Euer  Gnaden  ersuchend,  insofern  die  vor- 
erwähnte Summe  (wie  Wir  hoffen)  bereits  ausgemünzt  ist,  dass  Ihr  den  Münz- 
Amtsleuten  zu  befehlen  beliebet,  dieselbe  unserm  Abgeordneten  auszufolgen, 
dagegen  die  obbeschriebene  Summe  in  Empfang  zu  nehmen  und  sobald  als 
möglich  ausmünzen  zu  lassen;  ingleichen  weil  sie  Uns  schon  früher  ein  nicht 
Geringes  für  das  Kupfer  abführen  sollten,  dass  Uns  dieses  jetzt  abgeführt 
werde.  Wir  geben  Uns  der  Hoffnung  hin,  dass  Hir  nach  dem  frühern  an  Euer 
Gnaden  gerichteten  Schreiben,  Euch  belieben  lassen  wollet,  an  Unserer  Statt 
mit  denselben  Münz-Amtsleuten  Rechnung  zu  pflegen  und  darauf  zu  sehei 


r 


Herzog  von  I'ricdland  und  seine  Münzen. 


443 


(lainit  uns  von  ilincn  keine  Verkürzung  geschehe,  und  ausgiebige  Anordnung 
zu  treffen,  dass  Uns  entweder  das  Kupfer  oder  das  Geld  hiefür  zugesendet 
werde  (insbesondere,  da  Wir  an  Se.  kais.  May.  den  Schlagschatz  und  alle 
andern  Münzungskosten  zur  Gänze  abführen,  und  sie  Uns  immer  mehr  als 
gebührt  abziehen  wollen).  Wir  werden  es  Euer  Gnaden  durch  Gegendienste 
willig  vergelten. 

Hiemit  wolle  die  Gnade  Gottes  mit  uns  Allen  sein. 

Gegeben  in  der  kleinen  Stadt  Prag  am  7.  August  des  Jahres  1624. 

Albrecht  von  Gottes  Gnaden  Fürst,  Regierer  des  Hauses  Waldtsstein, 
von  P'riedland,  Fürst  von  Friedland,  Sr.  kay.  May.  Kriegsrath,  Kämmerer, 
Oberster  zu  Prag  und  General-Feld- Wachtmeister. 

Deiner  Gnaden  williger  Dien  er 
Albrecht  Waldstein  von  Friedland^)  m.  p. 

Adresse : 

Dem  Hochgebornen  Herrn,  Herrn  Wilhelm  Wrzesowec  von  Wrzesowic 
und  von  Daubrawska  Hora,  auf  Biela,  Nekmifz,  Podmokly,  Brlozecz,  Peczek, 
Nebowid  und  Mokrowecz.  Sr.  kay.  May.  Rath,  Kämmerer  und  Obersten  Münz- 
meister des  Königreichs  Böhmen  —  Unserm  insonders  lieben  Herrn  Schwager. 

Die  Adresse  befindet  sich  aussen  auf  dem  als  Umschlag 
dienenden  Deckblatte.  Das  Siegel  ist  theilweise  erhalten  und  zeigt 
den  einköpfigen  Friedländer  Adler  mit  dem  Brustscliilde  und  in 
dessen  oberem  Theile  zwei  einander  zugekehrte,  aufrecht  stehende 
Löwen.  Von  der  Umschrift  ist  noch  deutlich  zu  lesen :  Albrecht 
Regirer  de  .    .    .    .  land  Fürst  zu  Fridlaiid. 

Das  Bergarchiv  zu  Kuttenberg  enthält  unter  Nr.  6719  vom 
Jahre  1625  ein  Verzeichniss  des  vom  20.  April  1623  bis  26.  April 
1625  vermünzten  Silbers,  und  darunter 

Graf  von  Waldstein  mit  3718  Mark  Doppelguldiner,  welche 
zu  Reichsthaler  von  feinerem  Gehalte  umgemünzt  wurden  (darin 
sind  unzweifelhaft  die  vorerwähnten  4134  und  3500  rhein.  Gulden 
enthalten).  Die  zu  jener  Zeit  zu  Kuttenberg  geprägten  Reichsthaler 
haben  den  Kaiser,  stehend  in  ganzer  Figur  mit  einem  intern  in 
Klammern  —  MUnzzeichen  des  S.  Hölzl  von  Sternstein. 


7)  Die  vorstehend  mit  gesperrten  Lettern  gedruckten  Zeilen  sind  allein 
von  der  Hand  Wallenstein's. 


444 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  Wallenstein  (Waldstein) 


Sub  Nr.  6348  vom  Jahre  1624  erliegt  in  vorgenanntem 
ein  Schreiben  des  böhmischen  Hofkammer  Secretärs  von  Rammia' 
worin  den  Münzamtleuten  aufgegeben  wird,  6000  Thaler  zur 
sition  des  genannten  von  Waldstein  zu  halten,  endlich  sub  Nr.  6353 
ein  gleiches  Schreiben  vom  23.  März  1624,  worin  anbefohlen  wi 
zu   den  Kriegsausgaben  und   zur  Bezahlung   des  Genannten  v 
Waldstein   das  ganze,   hier  vorräthige  Geld  auszufolgen,   und  nach 
Prag  zu  senden. 


ich    I 


Eine  Mtinzverleihungs-Urkunde  ist  bis  jetzt  noch  nicht  wieder 
aufgefunden  worden,  oder  das  Datum  ermittelt  worden.  In  dem 
Diplom  vom  16.  September  1628,  durch  welches  Sagan  als  Herzog- 
thum  ihm  verliehen  wird,  wird  auch  das  ihm  als  Herzog  von  Fried- 
land schon  verliehene  Recht  der  Münzprägung  etc.  in  folgender 
Weise  bestätigt: 

„  .  .  .  .  also  daß  gedachts  Herzog  Albvecht  .  .  und  alle  dero  nach- 
kommende, regierende  Herzogen  zu  Friedland,  und  Sagan,  wann  ihnen  solches 
über  kurtz,  oder  lang  gelegen  oder  gefällig,  in  mehrbesagten  Herzogthumben 
Friedland,  und  Sagan,  und  deßen  incorporirten  Herrschaften,  und  Gebieten, 
oder  so  noch  ins  künftig  darzu  geschlagen  und  einverleibt  werden  möchten, 
ein  Müntz  Statt  bauen,  und  aufrichten  laßen,  und  darinnen  durch 
Ihre  ehrbare  redliche  Münzmeister,  die  Sie  zu  einer  jeden  Zeit  darzu 
verordnen  allerlei  guldine,  und  silberne  Müntzsorten,  klein  und  groß 
in  allermaßen  solches  Unser,  und  des  heiligen  Reichs,  auch  Unsers  Erbkönig- 
reichs Böheimb  Müntz-Edict,  und  Ordnung  zuhißet,  ....  mit  Unterschriften, 
Bildnißen,  Wappen  und  Gepräg,  auf  beeden  Seiten,  müntz en  und  schlagen 
laßen,  .  .  .  .  doch  sollen  alle  solche  gülden-  und  silberne  Müntzen,  die  Sie 
wie  obstehet,  schlagen  und  müntzen  laßen,  von  Strich,  Nadel,  Schrott  Crän, 
Gehalt,  Werth,  und  Gewicht  vorberührter  Unserer,  und  des  heiligen  Reichs, 
auch  Unsers  Erbkönigreichs  Böheimb  Müntz  Ordnung  gemäß  und  nit  geringer 
seyn,  auch  wo  Wir,  oder  unsere  Erben,  und  Nachkommen,  in  mehrberührtem 
Unserm  Erbkönigreich  Böheimb,  künftig  —  über  kurtz  oder  lang,  der  Müntz 
halben  Aenderung  und  andere  Ordnung  füraehmen,  geben,  und  machen 
würden,  derselben  sollen  gemeldte  Herzogen  zu  Friedland  und  Sa^an  sich 
alsdann  auch  gemäß  halten  ..." 

Aus  von  mir  ermittelten  Schriftstücken   des  Herzogs  citire  ich: 

Wallenstein  an  Gerhard  von  Taxis,  seinen  Landeshauptmann 
zu  Gitschin  —  die  Originale  liegen  grösstentheils  im  Gubernial- 
archiv  zu  Prag. 


Herzog  von  Fiiedland  und  seine  Münzen. 


445 


D.  d.  Göttingen,  4.  October  1625.8) 

„  .  .  .  die  Leder  last  auch  arbeiten;  sowohl  auch  seht,  daß  ihr  das 
münzwesen  in  Gitschiu  anrieht;  die  schulen  nembt  auch  in  acht  .    .    .  ^ 

D.  d.  Aschersleben,  13.  Juni  1626. 

„  .  .  .  (las  münzwerk  last  V)aldt  anstellen  vnd  münzen,  sowol 
auch  bergwerck  fleißig  suchen  vnd  arbeyten,  wie  auch  andere  würdt- 
schaften  fleißig  in  acht  nehmen  ..." 

ZerbstSl.  Juli  1626. 

„  .  .  .  Hier  schicke  ich  euch  wieder,  wie  ihr  vor  mich  auf  die  Münz 
machen  laßt;  es  gefällt  mir  alles,  aber  weiß  nicht,  wer  euch  hat  in  den  Sinn 
das:  „Dominus  protector  mens"  gegeben,  da  doch  meine  devisa  ist:  „invita 
invidia"  darum  laßt  das  erste  aus  und  macht  dies." 

Die  in  vorstehendem  Schreiben  getroffene  Bestimmung  wird 
durch  das  nachfolgende  bereits  aufgehoben: 

Wallenstein  an  Taxis. 

D.  d.  Zerbst  2.  August  1626. 

„Im  vorigen  schreiben  hab  ich  euch  geschrieben,  das  ihr  auf  der  ander 
Seiten  meiner  münz  sollet  die  devisa,  so  ich  führen  thue,  machen  laßen,  als 
nemblich  invita  invidia.  Izunder  bedenke  ich  mich  anders  vndt  dieweils  auf 
einer  selten  stehet:  Albertus  D.  G.  Dux  Fridlandiae,  so  laßet  auf  der  ander 
selten  stellen:  Sac.  Rom.  Imperii  princeps  und  last  aus  das  invita  invidia. 

Zerbst  den  2.  August  A»  1826. 

A.  H.  zu  Frd." 

An  denselben  unterm  4.  December  1626. 

„  .  .  .  Laßt  stark  münzen,  indem  ich  Willens  bin  eine  gute 
Anzahl  von  20.000  oder  30.000  Dukaten  prägen  zu  laßen.  Seht  dero- 
wegen,  wie  ihr  solches  ins  Werk  richtet  und  wenn  ich  nicht  allein  keinen 
Nutzen  davon  sollte  haben,  sondern  Schaden  leiden,  so  will  ich  mich  nicht 
irren  laßen,  sondern  dieselbigen  in  einen  Weg  als  den  andern  fortmünzen  laßen. 
Seht  derowegen,  wie  ihr  alle  Praeparatoria  macht,  auf  daß  solche  Dukaten  vor 
Ostern  gewiß  gemünzt  werden  ..." 


8)  Dieses  Schreiben,  sowie  der  grössere  Theil  der  weiter  folgenden  sind 
noch  nicht  publicirt.  Ich  verdanke  deren  Bekanntgabe  der  Gefälligkeit  des 
Herrn  Dr.  H.  Hallwicli-Reichenberg.  Soweit  ich  genaue  Abschrift  der  Originale 
erhalten  konnte,  habe  ich  deren  orthographische  Schreibweise  beibehalten, 
sonst  hochdeutsch  wie  sie  mir  vorliegen. 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  Wallen.^teiu  (Waldsteiii) 

An  denselben  Keuss  d.  d.  6.  Aug:ust  1627. 

„.  .  .  Der  Kriegszahlmeister  zieht  auf  Gitschiu,  soll  um  13.00!)  Rth 
Schuh,  Strumpf  und  Kleider  für  die  Armee  machen  laßen  ;  aßistirt  ihm 
fleißig  in  Allem.  Die  4000  Kleider,  so  ihr  vorm  Jahr  habt  machen  laßen,  daß 
er  euch  bezahlt,  was  sie  mich  kosten,  dieselbige  führt  ihm  auch  ab,  sobald  er's 
bezahlt  hat.  Er  hat  Silber  und  Ketten,  so  er  zu  Gitschin  vermünzen 
soll,  laßt  ihm  solches  vermünzen,  ich  begehre  keinen  Gewinn, 
will  ab  er  auch  nicht  schaden  leiden  und  die  weil  er  so  wohl  Reichs- 
thaler, alsGoldgüldenwirdmünzenlaßen,seht  wenn  er  euch  Geld 
vor  die  Kleider  wird  geben,  daß  es  Reichsthaler  und  Goldgülden 
sein.  Das  Tuch  zu  den  Kleidern,  wie  auch  die  Schuh  sollen  im  Herzogthume 
erkauft  werden,  denn  ich  will  kein  anderes  Intereße  haben,  allein  daß  um  die 
Waaren  das  Geld  unter  die  Leute  kömmt.  Ich  hab'  auch  vorm  Jahr  befohlen, 
ihr  sollt  etliche  Saliterhütten  aufbauen  laßen,  wie  auch  Pulvermühlen,  ihr 
habt's  nicht  gethau.  Jetzt  befehle  ich  euch,  laßt  alle  andere  Sachen  ehe  stehn 
und  liegen  und  richtet  dieselbigen  auf  und  sehet,  daß  man  daselbst  in  einem 
Jahr  zum  allerwenigsten  1500  Ctr.  Pulver  liefert,  von  dem  so  daselbst  gemacht 
wird,  CS  koste  was  es  will,  denn  ich  thu  es  nicht  ohne  Ursach." 

An  denselben.  D.  d.  Scliweidnitii,  9.  August  1627. 

„  .  .  .Last  fleisig  münzen,  auf  das  ich  nicht  vrsach  hab,  solches 
zu  andten,  denn  ich  höre,  das  man  dem  nicht  nachkomet,  wie  ichs  befohlen 
hab,  welches  mir  wohl  in  die  nasen  raucht;  ich  bins  insonsten  nicht  gewohnt, 
ein  sach  oft  zu  befehlen  .  .  .  Insonderheitt  will  ich  die  12  m.  Dukaten 
vor  ausgang  des  Jahrs  gemünzter  sehen  .    .    ." 

D.d.  Sprota,  19.  August  1627  schreibt  er  demselben  wegen 
des  Banquiers  de  Witt  in  Prag,  mit  dem  er  einen  Contract  zur  Liefe- 
rung von  lOOj  Stuck  holländischer  Dukaten  allmonatlich  an  die 
Münze  zu  Gitschin  geschlossen  hatte. 

„  .  .  .  Aus  euerm  Schreiben  vernimb  ich,  daß  der  Hans  de  Wite  nicht 
punctualmente  alle  Monat  die  1000  Dukaten  zum  Vermünzen  erlegt,  sehreibt 
ihm,  daß  ich's  für  ein  falimento  achte.  Wird  er  mir  in  dem  nicht  zuhalten, 
thue  er  sonsten  was  er  will,  er  wird  den  Credit  bei  mir  auf  keine  Weis  mante- 
niren.  Zu  Euch  aber  versehe  ich  mich,  daß  Ihr  nicht  werdet  wie  ein  Stummer 
dazu  schweigen,  sondern  mich  alle  Wochen  berichten,  auf  daß  ich  mir  nicht 
laß  Unrecht  thun  .    .    .  " 

Aus  dieser  Zeit  stammt  eine,  in  einem  Copialbuch  des  gräflich 
Waldstein'schen  Archivs  zu  Prag  enthaltene: 

„Instruction  vnd  Ordnung  auf  das  Fürstliche  Münz  Ambt 
Zue  Gitschin  gestellet,  Dämmen  alle  Münz  Ambts  Handlung 


1 


Herzog  yon  Friedland  und  seine  Münzen. 


447 


aussfü lirlich  begrieffeu,  vnd  derselben  nach,  Zue  Ihrer  FUrstl. 
Durchl.  Reputation  bernrtes  Münz  Ambt  mit  gueter  richtig- 
keit  ohne  Mangel  gehalten  vnd  Verrichtet  Werden  Kann." 

ohne  Datum.  Wene.  Hanka  hat  dieselbe  bereits  in  den  „Verhand- 
lungen der  Gesellschaft  des  Vaterländischen  Museums  in  Böhmen 
zu  Prag",  Jahrgang  1840,  Seite  47  u.  f.  publicirt,  so  dass  ich  mich 
auf  kurze  Auszüge  beschränken  kann.  Die  Abschnitte  behandeln: 

M  ü  n  z  m  e  1  s  t  e  r  V  u  d  G  w  a  r  d  e  i  n  ß  w  o  h  n  u  u  g, 

Baw  vnd  beßerungbeim  Münz  ha uß, 

ProbierZimmer, 

Brenn  Hole z, 

GegenhändlerAmbt, 

Gold  vn  d  Silber  Enpf  ahiing. 

„Ynnßer  Münzmeister  vnd  Gegenhandler  sollen  alle  vnd  Jede  Gölder  vnd 
Silber,  auch  Bruch  vnd  Pagament  so  Endweder  von  den  Bergkwerchen,  oder 
Andern  Partheyen  Einkomben,  in  vnßer  Münz  annemben,undEndpfangen,  Die- 
selben biß  Sie  zur  Beschickung  gebracht,  in  fleißiger  Verwahrung  halten, 
Welche  alle  Zuuor  von  Ynßern  Gwardein  außgeschlagen  Probiert,  vnd  darüber 
ordentliche  Verzeichniß  genomben,  Vnd  dieselben  Hernach  der  Raittung  bey- 
gelegt  Werden  sollen." 

Vermünzung  vnd  Beczahlung  der  Golder  vnd  Silber. 

„Vnd  darmit  Vornemblich  die  Pergk  Werch  desto  mehr  befordert,  die 
Bawenten  Gewergken  bey  Lust  erhalten,  auch  Andere  Partheyen,  Ihre  Golder, 
Silber  vnd  Pagament,  vmb  so  viel  lieber  in  vnßer  Münz  Ambt,  einzugeben 
Vrsach  haben,  So  solle  vnßer  Münzmeister  vnd  Gegenhändler  Sie  mit  der 
gebührlichen,  Gold  vnd  Silberbezahlung,  wie  solche  Hernach  namhafft  gemacht, 
keines  Weges  aufhalten,  sondern  aufs  ehiste  betordern,  Deßwegen  Sie  auch 
die  Einkombenden  Golder  vnd  Silber,  desto  eher  in  die  beschick-  und  Vermün- 
zung, daß  es  am  (ield  desto  Weniger  mangle,  bringen  solle." 


Anordnung  der  Miinczen. 

„Nachdem  die  Köm.  Kayß.  Mait.  Vnßer  Allergnedigister  Herr,  in  dero 
Erb  Königreich  vnd  Landen,  Bey  den  Münz  Ambtern  gewißc  Ordnung  gegeben. 
Daß  forthien  neben  den  Ducaten  vnd  Talern,  Auch  andere  kleine  Schied- 
müuzen,  Alß  Dreykreuzer  groschen,  Item  Kreuzer,  halbe  krenzer,  vnd  Wiener 
Pfenning,  Jedes  vnter  seinen  gewissen  Schrott  vnd  körn  gemacht  werden 
sollen,  Vnd  wir  derselben  anordnung  nach  in  vnßern  Münzambt  Zue  Gitschiu 
allerdings  gemäß  nachgegangen  iiabeii  Wollen." 


448 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  Wallenstein  (Waldstein) 

Taler  Münczen. 


„Also  sollen  förderhin  Vnßer  Münzmeister  vnnd  Gegenhändler,  von  den 
Jenigen  Silbern  so  von  vnßern  Bergkwerchen  einkomben,  so  viel  sonderlich 
Zuuerrichtung  der  Außbeuthen,  Von  nöthen  sein  Wird,  Auf  Ganze,  Halbe  vnd 
Orts  Taler,  gemelder  Münzordnung  gemäß  Vermünzen  laßen.  Also  daß  berurter 
ganzer  Taler  auf  die  Wiener  mr.93/5  stuck  gehen,  vnd  14:lot4gren  fein  halten, •* 

Drey  kreu  czer  Groschen. 

„Vnd  nachdem  daß  beschickte  Gueth,  in  den  kleinen  Geldern;  Wegen 
der  großen  abgäng,  so  bey  dem  gießen,  auf  der  Schmitten,  sonderlich  aber 
beim  Weißmachen,  Vorlauffen,  Inn  der  Arbeit  sich  etwas  Verreichert,  deßwegen 
Höchstgedachtc  Kay.  Mait.  bey  Ihren  Münz-Ambtera  bemelte  kleine  Gelder 
umb.  2^  zurück  beschickhen  laßen,  Diessem  nach  sollen  auch  vnßer  Münz- 
meister vnnd  Gegenhandler  die  Dreykreuzer  groschen,  auf  7  lot.  3  q. 
2  ^  beschicken,  vnd  auf  der  Schmiedten  inn  dem  stuckein  also  halten 
laßen.  Daß  nach  dem  Weißmachen,  der  Weißen  Platten  auf  die  Wiener 
mr.  165  st.  gehen,  Vnd  in  den  autTaereiten  geld,  die  mr.  an  dem  halt  auf  8  lot 
fein  befunden  Werden." 

Einfache  K  r  e  u  c  z  e  r. 

„Die  sollen  beschickt  Werden,  auf  4  lot  3  q.  2^  vnd  auf  die  Wiener  mr. 
Weiße  Platten  gehen,  309*4  st." 

Halbe  Kreuczer. 

„Die  sollen  beschickt  Werden,  auf  3  lot.  3  q.  2^  vnd  auf  die  Wiener  mr 
495  St.  Weiße  Platten  aufgehen." 

Wiener  Pfenning. 

„Die  sollen  beschickt  werden,  auf  2  lot.  3  q.  2^  vnd  auf  die  Wiener  mr.^ 
Weiße  Platten,  7421/2  stuck  aufgehen." 


Ducaten. 

„Die  sollen  der  Unordnung  nach  an  der  Fein  halten  23  Karat.  8gren,  Vnd 
in  dem  benemben  mit  Fleiß  gerichtet  werden,  Daß  auf  die  Wiener  mr.  8OV3  st. 
aufgehen." 

Beschickung  im  Tiegel. 

Der  Mtinzmeister  und  Gegenhandler  sollen  solches  nur  gemeinsam  vor- 
nehmen. 


Herzog  Yon  Fneilland  und  seino  Münzin. 


449 


R  e  m  e  d  i  II  m. 

„Dieweil  aber  die  Erfahrung  bißhero  mitgebracht,  daß  solche  gesezte 
Schrott  vnd  Korn  vnter  der  Arbeit  sonderlich  in  den  kleinen  Geldern  nicht 
gerath  vnd  genaw  Zuerhalten,  So  sollen  demnach  im  Taler  Schrott  auf 
100  mr.  mehr  nicht  alß  Ein  oder  Zwei  Taler,  im  Koni  aber  auf  eine  mr.  nur 
Ein  gren,  In  den  Dreykreuzer  groschen  Schrott  auf  Ein  mr.  ir  2  stuck,  vnd 
im  körn  die  mr.  auf  Ein  Pfenning,  In  den  Einfachen  kreuzern  im  Schrott  auf 
die  mr.  6  in  8  stuck  im  körn  auch  auf  die  mr.  1  ^,  Deßgleichen  in  den  halben 
kreuzern  im  Schrott,  12  st.  vnd  im  Kom  1  ^.  Vnd  Lezlich  in  dem  Schrott  der 
Wiener  Pfenning  an  der  mr.  in  16  st.  vnd  am  kom  1  ^  für  daß  Remedium 
paßirt  Werden,  Da  aber  Berührte  Münzen  im  Schrott,  vnd  koru,  der  anordnnng 
nach  noch  scharffer  erhalten  Werden  können,  So  sollen  Vnßere  Münz  Ambt- 
leuth,  dahien  befließen  sein,  Darmit  die  Münzen  iederzeit  dem  gesezten  Schrott 
vnd  körn  gemäß  außgehen,  vnd  inn  alleweg  abbruch  vnd  Vortl  verhütet 
Werde,  Würde  aber  auß  dieser  vnßerer  Ordnung  geschritten.  Daß  ein  Wergk, 
vber  das  passirte  Remedium,  es  sey  im  schrott  oder  körn,  zue  arg  gerührte, 
So  solle  solch  Geld  nicht  außgehen,  sondern  da  der  Mangel  am  Schrott,  Alß- 
bald  Wiederumben  auf  deß  Schmiedmeisters  vnd  Münzgesellen  kosten,  oder 
da  der  Mangel  an  kom,  auf  des  Gwardeins,  So  aber  der  Mangel  an  der  be- 
schickung  sich  befunde,  auf  deß  Münzraeister-,  vnd  Gegenhandlers  Vncosten, 
oder  Wer  daran  schuldig,  im  Tiegel  gesetzt,  vnd  Wieder  vmbgemunzt  Werden, 
Da  sich  aber  ohngefehr,  Zuetrüge,  daß  ein  Wergk  umb  1  ^  Zureich  oder  arm 
gerieth,  So  sollen  es  vnßer  Münzmeister  vnd  Gegenhandler  in  einem  andern 
Wergk,  vnß  zum  besten,  Wieder  herein  bringen." 

Beschickung  des  Tiegels. 

Na  chbeschic  kling. 

Gwardeins  Tigl  Proben. 

Von  jedem  Guss  in  noch  flüssigem  Zustande  ist  dem  Wardein  1  Loth  zur 
Tiegelprobe  zu  verabfolgen,  der  es  sofort  bei  Tag  oder  Nacht  zu  probiren  hat 
und  muß  so  lange  mit  dem  Giessen  der  Zaine  gewartet  werden. 


Abgangim  Giessen. 

Auf  Grund  der  im  Jahre  1574  stattgehabten  Untersuchungen  wird  solcher 
bei  100  Thalern  bis  3 14  Loth,  bei  den  kleinen  Münzen  bis  8  Loth  nach- 
gesehen. 

Auß  wägung  der  Zain  vnd  des  Gelds. 
Für  Gewicht. 

Dem  Sciimidtmeister  wird  als  Verlust  und  Abgang  ,,aiil der  öchmiedten 
vnd  in  der  Arbeit"  vergütet 

von  100  mr.  Thaler  Zain  5  q., 

von  100  mr.  Dreikreir/er  Groschen  Z.iiü  1  1  Jj)t\\ 

21) 


450 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  Walleiistein  (Waldstein) 


von  100  mr.  Einfache  Kreuzer,  halbe  Kreuzer  und  Wiener  Pfenninge 
Zain  lo  Loth. 

„  .  .  .  .  Inn  vbeniembung  desAufberaiten  Geldts,  soll  vnfcer  Münzmeister, 
vnd  Gegenhandler  fleißiges  aussehen  haben,  daB  vnter  dem  geprägten  Geld 
oder  Schrotten,  ZuerfüUung  deß  gewichts  nichts  Vnreines  von  dem  Schmi( 
meister  Zueseinen  Vortl  eingeuiengt,  sonder  aller  aigen  nuz  durch  auß  V( 
hüttet  werde." 

Schrott  der  Kleinen  M  Unzen. 

Abgang  im  Weißmachen. 

Endpfahung  deß  Geldes  von  der  Schmieden. 

Gwardein  soll  alleß  Geldt  zuuo  r  Probiren  vnd  Aufziehen. 

„Es  solle  auch  vnßer  Münzmeister  kein  Geld  außzählen  oder  außgehen 
laßen,  Es  seye  dann  Zuuor  von  vnßerm  Gwardein  Probirt,  vnd  aufgezogen, 
auch  am  Schrott  vnd  Korn,  gerecht,  vnd  der  Ordnung  gemäß  befunden  Wor- 
den, Damit  aber  vnßer  Gwardein,  alle  vnd  iede  vnßere  Münzen  desto  richtiger 
Probiren  könne,  So  solle  Ihme  von  (Muem  ieden  abge))rägten  Wergk  alßbald 
auf  der  Schmiedten,  ein  Probgr.  Alß  nemblichen  von  iedem  Taler  Wergk,  Ein 
stuck  Taler,  von  den  Dreykreuzer  groschen,  Acht  stuck.  Item  von  den  ganzen 
vud  halben  kreuzern  auch  Wiener  Pfenning  Ider  sortten  16  kr.  erfolgen  \ind 
geraicht  werden.  Welche  Er  ;ilßbald  Probieren,  vnd  darauf  erst  daß  Geld  im 
Außzölen  aufziehen  soll,  Was  Er  nun  inn  Aufziehung  Zueleicht  oder  schwer, 
auch  sonst  vnschicklich  befind«  t,  sollcKrZtM-sclniriden,  oder  sonst  ;iiirNsf'hit'r>eii. 
vnd  nicht  außgehen  laßen." 

Prob  Groschen. 

„Von  den  Vorgemelten  bewilligten  Probgroschen,  soll  der  Vierte  theil, 
dem  Münzmeister,  aufzubehalten,  vnd  der  Andere  vierte  theil,  Ihme  Gwardein 
Zur  Prob  verbleiben,  Die  übrigen  Zwey  Viertel  aber  dem  Kayß.  Probation- 
meister vnd  Land  Probierer  gereicht,  oder  da  solche  stellen  nicht  ersezt,  bei 
dem  Münz  Ambt  Verpetschirter  aufbehalten  Werden." 


I 


Außczohlen. 
Wie  hoch  die  Silber  beczalt  werden  sollen. 

„Wiewohl  wir  berichtet,  daß  ein  Zeithero  die  Bergksilber  in  dem  Erz- 
kauflf  iede  feine  mr.  P.  IOV4  stuck  Taler  bezalet  Worden,  vnd  solcher  hoher 
Kauff,  bey  Andern  Bergkwerchen,  gar  nicht  vblich,  Vnd  bey  Ihrer  Mait.  Münz 
Ambtern  die  Wiener  feine  mr.  aufs  Höhist  P.  10  ganze  Taler  bezalt  wird,  so 
bißeu  wir  es  Zue  mehrer  beforderung,  vnd  Aufnembung  der  Bergkwerch,  biß 
auf  vnßere  Weitere  Anordnung,  dißmal  auch  dabey  verbleiben,  so  viel  aber 
der  Andern  Partheyen   einlicfferung   anlangt,   solle   vnßer   Müuzmeister   vnd 


Herzog  von  Fricdland  und  seine  Münzen. 


451 


Gegenhandler,  Ihnen  ermelten  Partheyen,  es  sein  mm  Christen  oder  Juden,  in 
den  abgetriebenen  oder  Andern  reichen  i^ilbern  so  den  Talerhalt  erreichen, 
für  iede  mr.  fein,  Wienerisch  gewicht  10  ganze  Taler  12  kr.  In  den  8  lotigen 
Pagamenten  so  Zue  der  großen  beschickung  Zuegebrauchen.  10  g.  Tlr.  Vnd 
folgends  inn  den  gering  haltigen  biß  auf  4  lot.  vmb  9  Rtt.  57  K.  bezahlen  . . ." 

Verrichtung  der  Außbeuth, 

Münz  Gesellen. 

Münzer  Lohn. 

„Ferner  bewilligen  Wir  daß  Vnßer  Münzmeister,  vnd  Gegenhandler,  dem 
Schmiedtmeister  vund  Münzergesellen,  Vonden  VnterschiedlichenMünzsortten, 
Zum  gewißeu  Münzerlohn  Endrichten,  , . .  Alß  nemblichen  von  100  mr.  schwar- 
zen Platten  auf  ganze  Taler  7  Rttal.  daß  thuet  10  fl.  30  kr.  Item  vou  6  mr 
Schwarzen  Platten,  auf  dreykr.  groschen  1  fl.  oder  60  kr.  bringt  auf  100  mr. 
16  fl.  40  kr.  Vnd  dann  vom  5  mr.  schwarzen  Platten  auf  Einfache  Kreuzer, 
Item  halbe  kreuzer,  vnd  Wiener  Pfenning,  auch  1  fl.  bringt  auf  100  mr. 
20  fl.  —  kr. 

Vnd  dießes  Münzerlohn  alles  auf  die  Wiener  mr.  vnd  Münzgewicht 
Zuuerstehen,  Vnd  damit  bemelter  Schmiedtmeister  vnd  Münzer  zu  mehrern  Fleiß 
gebracht  vnd  angetrieben  Werden,  Die  Gelder  desto  sauberer  aufzuberaiten ; 
So  soll  Ihnen  von  den  Cysalien,  so  sich  in  Außzählen  befinden,  daß  halbe 
Münzerlohn  abgeraittet  Werden,  Insonderheit  soll  Münzmeister  vnd  Gegen- 
händler die  Richtigkeit  halten,  vnd  den  Münzern  nicht  mehr  hienaiiß  geben, 
Alß  sich  Ihr  Münzerlohn  vnd  Verdienst  erstreckt." 

Gießer  Zehruug. 

„So  viel  die  Jenigen  Münzer,  Welche  daß  gießen  vnd  Pogenhaltens 
iederzeit  bey  tag  vnd  nacht  Warten  müßen,  bewilligen  Wir  daß  denselben  . . . 
Quartalichen  3  fl.  Zur  gießerzehrung  gereicht  Werden  solle  ..." 

M  ü  n  c  z  e  r  L  i  c  h  t  g  a  n  ß. 

„  ...  Zu  Einer  Jährlichen  Lichtganß,  Alß  ieden  Gesellen  1  Taler,  vnd 
Einen  Münzer  Jungen  Ein  halben  Taler,  Zue  70  kr.  ..."  sind  zu  Ausgang 
jeden  Jahres  gegen  Quittung  zu  zahlen. 


Muncz  Eyßen. 
M  ü  u  c  z  m  e  i  8 1  e  r  s  B  e  y  c  z  a  i  c  h  e  n. 

„Damit  auch  die  Münzen  so  inn  Zeit  vnßers  Münzmeisters  Verwaltung 
geschlagen  Werden,  Erkenntlichen,  So  solle  Er  hienfüro  auf  Jede  sortt,  der 
groben  vnd  kleinen  Münzen  Zue  Außgangs  deß  Texts  sein  beyzaichen,  Sonst 
aber  die  Münz-Eyßen  allenthalben  auf  vnßern  Nahmen  und  Titul,  deßeu  Wir 

29* 


452 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  Wallenstein  (Waldstein) 


vnß   iezo    gebrauchen,  Vnd  wie  Er  deßen  ieder  Zeit  von  vnß  beuelch 
neben  dem  Geg-enhandler  schneiden  laßen." 

Müncz  vncosten. 
Müncz  Ambtleuthe  besoldung  vnd  deputat. 

In  diesem  Abschnitt  sind  ohne  Ausfüllung  bestimmter  Beträge 
vorgesehen: 

„Dem  Münzmr.  Zue  Jalirl.  Besold. 

Auf  Canceley  vnd  Lichtvncosten  Zue  Einen  Jahrlichen  deputat 
Dem  Münz  Gegenhändler  Zur  Jahrs  besoldung 
So  wol  Canceley  vnd  Licht  vncosten  Jahrl. 
Dem  G wardein  Zur  Jahrlichen  besoldung 

Deßgleichenihme  neben  andernAmtsgebürnußen,  Zur  Jährlichen  Canceley 
vnd  Lichtgeld." 


Bergk  vnd  Andere  Gölder  belanget, 

„Wofern  nun  nach  Gottes  gnedigen  Seegen  auf  vnßern  Gmnden  sich 
Gold  Bergkwerch  eraignen  vnd  dauon  etwaß  vom  Gold  in  die  Vermünzunc 
Einkomben  solte, . . .  Vnd  Wir  soviel  vernemben,  daß  auß  den  Kayß».  Münz 
Ambtern  für  die  Präger  nir.  70  Ducaten  bezahlt  Worden,  so  auf  die  Wiener 
mr.  70  Ducaten  138  k.  betreffen  thuet,  Vnd  Wollen  daß  vnßer  Münzmeister, 
vnd  Gegenhandler  von  Ihnen  Gewergkeu,  Ihre  erbaweten  Golder,  nach  deß 
Gwardeins  Probenzettel  . . .  Endpfangen,  Vnd  Waß  solche  . . .  außtragen,  den 
Gewergken  Zue  gueter  gnüge,  mit  Newgemünzten  Ducaten  verrichten,  Nach- 
dem aber  auch  vnß  die  Gewergken  von  solchen  Berg  Göldern,  den  gebühr- 
lichen Zehend  Zue  reichen  schuldig  ....  So  Wollen  Wir  daß  für  solchen  vnß 
gebührenden  Zehend  von  ieden  Lot  Rohen  Gold  20  kr,  Innenbelialten,  End- 
gegen  wir  aber  dem  schaid  vnd  Zirametcosteu  auf  vnß  nemben,  vnd  die  Ge^ 
wergken  desselben  verschonen  wollen  .... 

Da  aber  außer  der  Bergkgölder  .  .  .  von  schaid  vnd  Zimentirten  Göldern7 
oder  leichten  Ducaten  etwaß  einkomben  möchte.  So  solle  vnßer  Münzmeister, 
vnd  Gegenhandler,  dieselben  in  die  Vermünzung  annemben,  doch  aber  Ihr 
fleißiges  aufmergken  haben,  daß  Solche  Golder,  in  den  rechten  Ducaten  halt, 
bestehen  ....  Alß  Waß  dem  halt  nach  die  audraittung  geben  Wird,  vnd  solle 
von  einem  ieden  Ducaten,  damit  sich  niemand  Zubeschwere  Vrsach,  für  den 
Münzcosten  mehrers  nicht  alß  II/2  kr.  vnd  für  daß  Zimentirlohn,  wo  es  von 
nöthen  auch  nicht  mehr  als  li/g  kr.  geraittet  vnd  genomben  Werden,  Inson- 
derheit aber  sollen  vnßere  Münz  Ambtleuth,  in  annembung  der  leichten 
Ducaten,  die  Vorsichtigkeit  gebrauchen,  vnd  dieselben  außglüen,  vnd  Waß 
sich  schwarz  vnd  vntauglich  befindet  Zuuerhüttung  mangels  am  halt  aiiß- 
sehießen  vnd  nicht  annemben." 


Herzog  von  Friedland  und  seine  Münzen. 


453 


Ausmüuczung  deß  Goldes. 

„Vnd  damit  auf  vnßerm  Münz  Ambt  dieDucateu  nicht  allein  andern  Kom, 
sondern  auch  am  schrott  der  Reichsordnung  nach,  desto  richtiger  bestehen 
mögen,  So  sollen  vnüere  Münz  Ambtieuth  in  dem  beuemben,  nicht  mehr 
Zuetrag  der  scheer  erfolgen  lassen,  Alß  daß  der  Abgang  im  gießen,  vnd 
WaßZueraiciiungder  Probgroschen,  von  nothen  erhalten  Werde,  DemSchmiedt- 
meister  aber,  für  dem  Abgang  auf  der  Schmiedten,  anstadt  eines  Vorgewichts, 
von  ieder  mr.  Ducaten  Gold.  2  kr.  reichen,  vnd  in  Raittung  P.  Außgab  ein- 
stellen." 

Abführung  der  Raittung. 

Münzmeister  und  Gegenhandler  haben  nach  Quartalsschluß  genaue 
Rechnung  der  fürstlichen  Kammer  zu  legen  und  flie  Münznutzung  an  den 
Rentmeister  gegen  Quittung  abzuführen. 

Das  Münzhaus  zu  Gitschin  befaW  der  Herzog  mittelst  Schreiben 
de  dato  Rackonitz,  20.  Mai  1632  an  die  Kammer  zu  Gitschin  um- 
zubauen. Abschrift  der  Verfügung  folgenden  Inhalts  befindet  sich 
im  Landesarchiv  zu  Prag. 

„Albrecht  etc.  etc. 

Gesti-enger,  auch  veste,  liebe  gethreue.  Waß  vnß  vuser  Cammerath,  der 
Sitt,  wegen  vnsers  Münzhauses  zu  Gütschin,  daß  daßelbe  nebeust  andern 
Häusern  wegen  anrichtuug  vnsers  gartens  daselbst  nidergerißen  werden  müße, 
gehorsamst  berichtet,  solches  gibt  euch  der  Einschlueß  mit  mehrerm  zu  ver- 
nehmen; vnd  befehlen  euch  darauf,  besagtes  Münzhaus  also  baldt  einreißen 
vnd  von  denen  burgerheusern  in  der  Statt,  weiln  sie  von  vnsern  selbst  aigenen 
kosten  gebauet  werden,  ein  anders  bauen  vnd  den  dazu  behüefigen  abriß 
ermelten  vnsern  baumeister  vuuerzüglich  machen  zu  laßen.  Gestalt  ihr  zu  thuen 
wißen  werdet. 

Geben  zu  Rackhonicz,  den  20.  May  Anno  1632. 

A.  H.  z.  M.  ad  mandatum  Serenissimi 

Ducis  proprium. 

Sebastian  Mertenß  m.  p. 
(P.  S.) 

Seht,  das  in  continenti  das  münzhaus  eingerißen  wirdt,  auf  das  man  die 
stell  vor  den  Garten  vorm  ausgang  Augusti  kann  anrichten  vndt  nacher  in 
Sept.  den  garten  pflanzen.  Das  münzhaus  last  in  der  statt  bauen,  darzu  ihr  dan 
eins  von  den  burgerheusern,  so  heuer  gebaut  worden,  köndt  gebrauchen,  die- 
weil  ich  die  meisten  schier  selbst  muß  aufbauen.  Es  darfs  kein  fornehmes 
Haus  nicht  sein;  der  Bawmoister  muß  deßelbigen  Haus  disegnio  enderu  vndt, 
wie  das  münzhaus  wirdt  sein  sollen,  auf  solche  weis  accomodiren. 

(In  marg.)  Ihrer  fürstl.  Gnd.  Schreiben  an  die  Herrn  Cammer  Räthe." 


454 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  Wallenstein  (Waldstein) 


Sofort  nach  Belehining'  mit  dem  Herzogtlium  Sagan  Hess  der 
Herzog  die  Münze  zu  Sagan  zur  Münzprägung  in  Ordnung  bringen. 
Unterm  22.  Juli  1629  sendet  ihm  sein  Landeshauptmann  Gerhard 
von  Taxis  aus  Gitsehin  auf  seinen  Befehl  den  Entwurf  eines  Paten- 
tes  in  welchem  der  Herzog  erklärt,  dass  er, 

„Hansen  Zieslera  vnd  seinen  Vettern  Hans  Heinrich  Jacoben  von  Dres- 
den die  Müntze  in  Sagan  zu  befördern  gnädigst  eingethan"  und  dahero  „ge- 
melten  Müntzmeistern  solche  vnsere  Münzstete  zum  Sagan .  .  ,  hiemit  bewilli- 
get," sodaß  sie  in  genanntem  Herzogthumu.A.  „aller  vndt  jedweder  Golt- 
vnd  Silberkauffe,  es  sey  an  allerhand  silberen  oder  Pagamenten,  wie  die  auch 
mögen  Nahmen  haben,  so  ingleichem  auch  ann  krecz  oder  Testen  einzukauflfen, 
erhandlen  oder  wechßlen  einig  vnd  allein  vndt  sonst  Niemandes  anderen  als 
ihnen  und  den  ihrigen  vergönnet,  zugelassen  vnd  deren  besten  gelegenheit 
nach  obengeregten  Goldt-  vndt  Silberkauff  oder  erhandtlung  allerhandt  Päga- 
ments  zu  treiben  vndt  zu  gebrauchen  befuget  sein  sollen  ..." 


Zu  dieser  Zeit  sind  auch  jene  Schriftstücke  gefertigt,  die  ich 
Eingang  dieses  Aufsatzes  erwähnt  und  die  sich  im  herzoglichen 
Archiv  zu  Sagan  jetzt  noch  befinden.  Ich  gehe  auf  dieselben  nur  in- 
soweit ausführlicher  ein,  als  ich  von  F.  W.  Kretschmer  in  Köhne 
Zeitschrift  für  Münz-,  Siegel-  und  Wappenkunde,  Jahrgang  V,  1845 
Seite  2Ö1  u.  f.  Gcl)rnolitrs  vcrvonstiindige. 

Seite  1. 

„Jurament  des  Müntzmeisters  zu  Gitsehin. 


y 


Ich  Georg  Reick,  schwöre  Gott  dem  Allmächtigen,  der  gebenedeiten 
Mutter  Gottes  undt  allen  Heiligen,  dann  auch  dem  durchlauchtigen  Hoch- 
gebornen  Fürsten  undt  Herrn,  Herni  Albrecht  Herzogen  zu  Fridlandt,  Rom. 
Kay.  Kriegs  Rath,  Cammerern,  ObristenzuPrag  undt  General,  sowohl  derselben 
Erben, 

Nachdem  Ihr. F.  G.  mich  zu  deroselben  Müntzraeister  in  dero  Älüntz  alhier 
zu  Gitsehin  gnädig  an  und  aufgenommen.  Das  Ich  mich  in  solchen  Ambt  treu- 
lich, aufFrecht  und  Erbarlich  verhalten  und  keinem  andern  Menschen,  wer  der 
auch  sein  möchte,  einige  Venniintzung  oder  nuczung,  von  derselben,  außer 
wer  Ihr.  F.  G.,  Selbsten  zu  guten  komt,  nicht  gestatten,  und  also  Ihr  F.  G. 
und  derselben  Erben,  Nucz,  Frommen  und  bestes  Jederzeit  betrachten,  Scha- 
den und  nach  teil  in  alls  weg  fürkommen,  warnen  und  wenden,  oder  aber 
daßelbe  an  die  Fürstliche  Cammer  gelangen  laßen.  Auch  Ihr.  F.  G.  Müntz- 
nuczung  und  gefell  und  alles  andere  so  Ihr.  F.  G.  zugehörig  und  mir  befohlen 
und  vertraut  würdet,  in  guter  Verwarung  und  Verschwiegenheit  halten  und 
sonsten  in  solchen,  meinem  Dienst  alles  das  thuen  und  verrichten  wil,  was  die 


Herzog  von  Fricdland  und  seine  Münzen. 


455 


iDStructioü  so  mir  in  Namen  Ihr  F.  G.  von  dero   Herren  Stadth<altern  zuge- 
stellt, vermögen  wird  und  einem  frommen  getreuen  aufrichtigen  Diener  gegen 
seinem  Herni  zu  thuen  gebüret  auch  schuldig  und  pflichtig  ist. 
Als  was  mir  Gott  helf  und  sein  heiliges  göttliches  Wort." 

Datum  und  Unterschrift  fehlen. 


Das  folgende  Blatt,  gleichfalls  ohne  Datum  und  Unterschrift 
enthält: 

„Jurament  des  Wardeins  Hans  Jacob  Wiebl.«  und  lautet  fast  wörtlich 
wie  das  vorstehende,  nur  im  Titel  des  Herzogs  die  Worte :  „Kriegs- 
Rath,  Cammerer,  Obristen  zu  Prag  und  Generalen,  sowohl  auch  deroselben 
Erben"  durchstrichen  und  dafür  an  den  Rand:  „und  Sagan,  Fürsten  der 
Wenden,  Graffe  zu  Schwerin,  der  Lande  Rostock  und  Stargardt  Herrn" 
gesetzt. 

Auf  Seite  3 — 11  folgt  die  in  oben  angeführter  Zeitschrift  S.  204 
bis  209  incl.  abgedruckte : 

„Instruction  für  den  Wardein  bei  der  Münze  zu  Sagan : 

Actum  Sagan,  den  12.  September  A^  1629." 
ausgefertigt  für  Gottfried  Ehrlich,  ohne  Unterschrift. 

Auszüglich  gebe  ich  aus  solcher  wieder: 

„S<»  wollen  Wir,  daß  er  seinen  respect  einzigk  vnndt  allein  auff  Vnßern 
Landeshauptmann  vnd  Cammer  alhier  zum  Sagan  haben  und  halten  &olle." 

„  .  .  .  soll  der  Gwardein  schuldig  sein,  die  Beschückung  aller  Münz  Sorten 
allein  zu  machen,  .  .  .  Vnd  soll  solche  Beschickung  also  anstellen,  daß  daß 
Reichs  Thaler  gutt,  die  Marck  auff  Vierzehen  Lott  Vier  grän  fein  beschicket 
werde,  vnd  Achtt  Stücke  auff  eine  Kölnische  Marck  gehen,  nach  Breßlawischen 
Gewicht  aber  sollen  Sieben  Stück  eine  Marck,  zwei  Quintel  und  IVo  Pfennig 
wegen.  Belangent  die  güldenen  Sorten  da  Ducaten  sollen  gemünzt  werden, 
welcher  sonst  der  Ordnung  nach  auff  die  Cölnlsche  Margk  Sieben  und  Sechzig 
Stück  gehenn,  sollen  derer  auff'  die  Breßlawische  Marg  gehen  Sechsvudfunffzig 
vnd  ein  halb  Stück,  vnd  an  fein  halten  Drey  vnd  zwanzigk  Karatt  vnnd  Achtt 
grän,  Reinische  gülden  Aber  derer  Auff  die  Cölnische  Marck  Zwei  undSieben- 
zig  gehen.  Kommen  Auff  die  Breßlawische  Marck  Sechzig  vnd  droy  Virtl 
Stücke,  vnd  halten  ann  fein  Achzehen  Karatt  vnd  Sechs  grän." 

„  .  .  .  daß  Silbergroschen  Gutt  soll  die  Margk  nach  dem  Woibmachen 
fein  halten  Achtt  Lott  vnd  Auff  die  Breßl-iwische  Marck  Hundt  vnd  Achzeheu 
Stück  weiß  Abgepregtes  Geltt,  .  .  .  die  Beschickung  in  der  Kellen  oderTiegell 
Anf  SiolMMi  lotf,  Drey  Quintel,  Zwei  /^  .  .  " 


456 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  Wallenstein  (Wald stein) 


,,  .  .  .  halbe  Pazen  oder  Zwey  Kreuzer,  die  Marg  nach  dem  weißmachei 
halte  AchttLott  und  auff  die  Breßlawische  MarckEinhundt  Sechs  vnd  Siebenzij 
Stück  weißg-epreg-tes  geltt,  gestücklet  sey,  muß  gleiclifalß  die  Reschickunj 
Auf  Sieben  Lott,  drei  quintl  zwei  ^  anlauifen." 

„  .  .  .  Kreuzer,  die  Marck  nach  dem  Weißmaehen    lunn    i.ort    lein, 
ZweyhundtZwanzigk  Stücke  weiß  abgepregtes  geldt  die  Breßlawische  Margk 
Beschickung  Vier  Lott,  drei  qu.,  zwei  ^  .  .  ." 

„  .  .  .  halbe  Kreuzer,  die  Marck  nachm  weißmachen  halte  vier  Lott,  vn( 
dreyhundt  Zweyvndfunfifzig  Stücke  weiß  abgepregteß  geltt,  auff  die  Breß- 
lawische Marck  .  .  .  Beschickung  drey  Lott,  drey  qu.,  zwey  ^.^ 

„  .  .  .  Wiener  Pfenninge  drey  Lott  fein,  fünfhundtdreißig  Stücke  auff  di( 
Breßlawische  Marck  .  .  .  Beschickung  Zwey  Lott,  drey  qu.,  zwei  /^." 

Als  Reraedium  dürfen  die  Goldmünzen  um  ein  halbes  Grän, 
die  Silbermünzen  um  einen  Pfennig  am  Feingehalt  zu  reich  oder  zu 
arm  sein.  Bei  grösserem  Unterschied  sind  die  Münzen  sofort  wieder 
einzuschmelzen  oder  an  den  Landeshauptmann  zu  berichten. 


Beim  Gewicht  ist  ein  Remedium 

bei  den  Thalern  von  zwei  Stück  bei  Einhundert  Mark 
Silbergroschen  von  Ein  und  Einhalbes  Stück 
Halbl>atzen  von  Zwei  Stück 

Kreuzern  von  vier  und  den  Wiener  Pfenningen  von 
sechs  Stück  per  Mark  nachzusehen; 
bei  grösserem  Mehr-  oder  Mindergewicht    ist    sofortige  Umprägung 
vorzunehmen. 


a 


Nach  drei  freien  Seiten,  folgt  Seite  15,  Blatt  7 : 

„Patent  di'S  Otto  Heinrich  Stosch,  Freiherrn  von  Khaunitz  auf  Holobaus 
und  Kaditscht,  fürstl.  Mechelburgischem,  Friedländ.,  Sagan.  bevollmächtigtem 
Landeshauptmann  des  Herzogthum  Sagan,  ausgefertigt  im  fürstl.  Amte  zu 
Sagan  unterm  12.  September  1629  für  Hans  Ziessler  und  seinen  Vetter  Hans 
Henrich  Jacob  von  Dresden  zum  Ankauf  von  Gold  und  Silber  im  Herzogthum 
zur  besseren  Förderung  des  Münzwerks." 


Blatt  8    enthält   Abschrift  des   ebenerwähnten 
anderer  Handschrift. 


Patents    von 


Blatt  9.  Zeugniss  des  Wardeins  Gottfried  Ehrlich,  über  einen 
von  der  Fürstlichen  Cammer  zur  Probe  eingereichten  Ducaten  der 
Gitschiner  Münze. 


Herzog  von  Friedland  und  seine  Münzen. 


457 


„Sagan,  24.  November  1629. 


Bemelter  Dueat,  dessen  beyzeichen  vnterm  Fürstlichen  Brustbilde  die 
^onne,  vnd  auf  der  anderen  seitten  die  Jahrzahl  Ao.  1G29  bestehet  am  schrott, 
gehen  aussgehendigten  stücke  nach  auf  die  Cöllnische  Marcke  67  stücke,  heltt 
aber  an  feine  23  Karat  vnd  5  gren  scharf,  Wehre  solcher  Ducat  vermög  der 
Reichsordnung  vmb  3  gren  am  Korn  zu  geringe." 

Blatt  10.  Schreiben  des  Münzmeisters  Hans  Heinrich  Jacob  an 
die  Fürstliche  Cammer,  bei  Uebergabe  seines  Berichts  „wegenn 
ezlicher  beschwerungspunctenn,  so  sich  an  izo  bey  hiesiger  fürstlichen  Münz 
erhalten  etc." 

Datum,  Sagan,  5.  December  1629. 

Blatt  12.  Vermerk  des  Wardeins  Gottfried  Ehrlich  wegen  der 
falschen  Silbergroschen,  welche  am  22.  December  1629  von  der 
Fürstlichen  Cammer  eingesandt  und  von  ihm  probirt  wordcD,  als: 

„Vif^r  stueck  ganz  falsche  Kupfern,  Kaysserl.  bresslische  groschen, 
darauf  die  Jharzahl  Anno  1629  mit  des  Münzmeisters  Beizeichen  vnd  Guara- 
diens  Nahmen  falsch  bezeichnet  etc."  und  „1  Stück  Kayssl.  bress.  falschen 
groschen,  so  ganz  Messing  ist  etc." 

Blatt  13.  Interim- Antwort  des  Hans  Graff  zu  Gitschin  an  die 
Fürstliche  Cammer  zu  Sagan,  auf  das  Schreiben,  wegen  des  Be- 
standes der  Fürstlichen  Münze  zu  Sagan  und  der  zu  Gitschin  geprägten 
Ducaten;  es  wird  verheißen,  nach  der  Ankunft  des  Herzogs  eine 
ausführliche  Beantwortung  auf  die  Anbringen  der  Cammer  folgen 
zu  lassen.  Geben  Gitschin,  24.  Decber.  1629. 

Blatt  15  hat  die  Ueberschrift : 

„Gott  Allein  die  Ehre  1629  |  Monadtlich  Vorzeichnus  |  des  Gwaradiensl 
'elcher  gestaldt  des  Durchlauchtigen  Hochgeborn- j  nen  Fürsten  und  Herrn, 
[errn  Albrechts,  j  Herzogen  zu  Mechlenburgk,  Friodtlant  und  Sagan,  |  Fürsten 
Su  Wenden,  Grafen  zu  Schwerin,  der  |  Lande  Rostock,  und  Stargart  Herron, 
töm:|Kay:  May:  etc.  General  Obrister  Feldhaul)t-|raann,  wie  auch  des  Ocean- 
»chen  und  Baltischenj  Meeres  Generain  etc.  Meines  Gn.  Fürsten,  |  und  Herrn 
^tc.  Grobe  Münzsorten  Als  I  Ducaten,  und  Reichsthaler,  Vermög  |  des  Heiligen 
Jörn:  Reichß  Münz- 1 Ordnung,  Alhier  auf  der  Fürst- 1  liehen  Münzstatt  Sagan, 
je  I  münzt  und  ausgangen,  wie  dieselben  an  Schrott  und  Korn|seint  befunden 
worden.  Den|4.  Septem,  alinfahend.  | 


458 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  Wallenstein  (Waldstein 


Auf  Blatt  16—20  folgen  mm  die   genauen  Speeificationen  der 
bis  Ende  September  1630  in  Sagan  geprägten  Münzen^  so 

am  4.  September  und  19.  October  1629  Stück  128  Dueaten  zu 

23  K.  8  gr.  fein 
am  4.  September  1629  Stück  191  Thaler  zu  14  L.  4  gr.  fein 
endlich  an  Groschen  —  das  Gewicht  ist  die  Breslauer  Mark  — 
Monat   September  1629—204  M.    3^/.  L.  rauh 


October 

., 

227 

w 

15'A 

77 

November 

71 

667 

n 

2 

77 

December 

J1 

321 

V 

6'A 

77 

Jänner 

1630 

744 

V 

llVe 

„ 

Februar 

359 

?7 

7»A 

77 

März 

480 

75 

i'A 

77 

April 

323 

r 

11'. 

77 

Mai 

)? 

549 

77 

13 'A 

'7 

Juni 

„ 

742 

77 

14 

7? 

Juli 

T) 

741 

77 

lO'A 

77 

August 

1) 

265 

T> 

12 

77 

September 

n 

153 

77 

<A 

J1 

zusammen  .  5781Mk.l3«/4  Loth. 


Von  diesen  gehen  116^ 


7v 


1191/2  Stück  auf  die  Mark. 


Blatt  21.  Schreiben  des  ReichsmUnzers  Georg  Reichart,  Ps.  den^ 
27.  Februar  1631  an  den  Landeshauptmann  Otto  Heinrieh  Stosch 
Freiherru  von  Khaunitz,  mit  der  Bitte:  ihn  als  Münzmeister  bei  dei 
Münze  Ihrer  Fürstlichen  Gnaden  anzuempfehlen. 

„Was  massen  der  ietzige  Bestands  Inhabende  Müntzmeister  zum  Sagai 
Hanss  Heinrich  Jacob  wegen  schlechter  Lieferung  vnndt  anderen  Ursachei 
sich  endlich  dahin  Resoluiret  gedachte  Müntze  guttwillig  abzuträtten." 

Das  hierauf  folgende  Blatt  23  enthält: 

„Monatliches  Register  des  Wardeins  über  die  Ausmiinzung  der  Groschei 
auf  der  Fürstlichen  Münze  zu  Sagan,  den  3ten  October  1630  anfandend." 

Bis  Ende  März  1632  sind  zusammen 

1136  Mk.   3^/\  Loth   rauh  vermünzt   worden,   die  gemünzteng 
Groschen  hatten  ein  Feingehalt  von  7  Loth  3  Q  3  J\  und  8  Lot] 
— .—  und  gingen  davon  117  — 119 '/o  Stück  auf  die  Mark  Brutto. 


Herzog  von  Frietlland  und  seine  Münzen. 


459 


Blatt  25  enthält: 


„Project  eines  Pacht  Contracts  über  dass  Friedlaendische  Müntzwerkh  zu 
»Sagan  vom  7.  Februar  1631." 

Es  wird  darin  die  Absicht  ausgesprochen,  die  fürstliche  Münze 
zu  Sagan  an  „Hans  Giesler"  (Ziessler)  von  Molsheim  im  Bisthum 
Strassburg,  und  Hans  Heinrich  Jacob,  als  zu  der  Zeit  Ihrer  Rom. 
Kays,  auch  zu  Ungarn  und  Böhmen  Königl.  Maj.  Münzmeister  und 
Münzverleger  zu  Breslau  in  Ober-  und  Nieder-Schlesien,  auf  zwei 
Jahre  Bestandsweise  abzulassen, 

„das  ietzt  gemelte  beide  Consorten  die  Zwey  Jhar  vber  obberiirtes  Fürst- 
liches Münzwergk  von  haus  aus  durch  Ihre  hierzu  verordnete  vndt  qualificirte 
Diener  vnndt  Persohnen  vorsehen  vndt  bestellen,  frey  vnndt  vngehindert  ge- 
brauchen Ducaten,  goldtgülden,  Keichsthaler,  halbe  vnndt  Viertel,  Silber- 
groschen und  vndt  Kreuzer  Valuta  nach,  in  der  izigen  schrot,  Korn  vndt  den 
Reichsthl.  zue  90  Krz.  münzen,  Vnndt  Ihrer  Fürstl.  gn.  vnsern  gnedigen  Herren 
hiervon  ihärlichen  Sechshundert  Reichsthaler,  ieden  zue  30  Silbergroschen  ge- 
rechnet vnndt  das  solche  bestandtheit  vor  das  Münzhaus,  vnndt  alle  darzu 
gehörige  Münzrüstung  herbeigeschaffet,  vnndt  gemünzet  wirdt  seinen  anfangk 
gewinnen,  die  Bestandtshalten  von  gemelter  Zeit  an  nach  Vorfliessung  eines 
Vierthel-Jhares  als  150  Reichsthaler,  vnndt  dan  allweg  nach  Vorfliessung 
dreyer  Monaten  wieder  150  Reichsthaler,  vndt  also  Consequenter  bis  zue  aus- 
gang  der  angeregten  Zwey  Jharbestandtsgeldt  zu  entrichten,  vorpfliclitet  sein 
sollen  .  .  .^ 


Blatt  27.  „Ohngefährer  Ueberschlag,  wie  Ihre  fürstl.  Gn.  Münzwerk  zu 
Sagan  vermittelst  eines  von  Dero  löbl.  fürstl.  Saganisch.  Caramer  gegen  einen 
gewissen  monatlichen  Sold  bestellten  Münzmeister  und  Wardein  fortzu- 
setzen etc." 

Die  Juden  lieferten  die  Woche  über  200  Mk.  fein  Silber,  würde 
bezahlt,  wie  zu  Breslau  bei  der  Kaiserl.  und  andere  Reichs-Münzen 
die  Mark  fein  Silber  pro  7  Rthlr 1400  Rthlr. 

Hierauf  wird  ungefähr  Unkosten  gerechnet: 

Abgang  vom  Weißnuicheu   und  auf  der  Schmiedt^  etc. 

von  100  Rthlr.  3  Rthlr.  Abgang 12      „ 

Des  Münzmeisters  wöchentliche  Besoldung     ....  7 

Des  Wardeins  wöchentliche 1 

Zweien  Münzbedienten  wöchentlich  2  Rthlr 4      „ 

Dem  Gesinde  und  Münzn-Ioliii    vmi  Inn  Ml-     iV.-i    /n 

verfertigen  macht  15  Rthlr.  30      „ 


460 


Adolph  Meyer:   Albrecht  von  Wallenstein  (Waldsteiu) 


Weinstein,  Salz,  Tiegel 5  Ethlr. 

Holz,  Kohlen,  Lichte  und  gemeine  Ausgaben     .    .  10      „ 

Dem  Eisenschneider  ungefähr 5      „ 


Summa  .  1507  Rthlr. 

Hingegen  wird  die  Mark  fein  an  Silbergr.  wiederum  ausgemünzt, 
nach  Aufsatz  der  Rom.  Kay.  May.  Münzordnung  pr.  7.  Rthlr.  26  Sgr. 
hat  200  Mk.  fein  Rthlr.  1573. 

Kost  und  Vnkost  hiervon  abgezogen  verbleiln  alrso,  wenn 
wöchentlich  200  Mk.  geliefert  würden,  Ueberschuss  ohngefähr  — 
wenn  die  Münz  wiederum  erbauet  —  ßG  Rthlr. 

„Dieser  E.  Gest.  ist  hier  von  ohngefahrlich  mit  gruelieher  Bestandt  der 
Wahrheit  berichten  können.  Mich  hierbey  zu  E.  Gest.  beforderliche,  gehor- 
samlich recommandire,  Verbleib  E.  Gest.  Gehorsam  Diener.  Geben  Sagan  den 

3.  Decemb.  1633. 

Martin  Dietzseh.'- 

Hiemit  schliesst  das  Fascikel. 


Wie  sehr  der  Herzcü'  der  Könio-I.  Landes-Mlinz-Aiistalt    beim 


Metalleinkauf  Concnrrenz  machtC; 
hervor: 


;elit  aus  nachfolgendem  Briefe 


Die  böhmische  Kammer  an  G.  von  Taxis. 

„Vnser  frdl.  willig  Dienst  vud  Gruß  zuvor.  Wolgeboruer  Herr,  besonder 
lieber  Herr  und  Freund. 

Wir  mögen  demselben  frdl.  nicht  verhalten,  daß  vns  glaubwürdig  vor- 
koramen,  wie  bei  dem  fürstlichen  Gitschiner  Münz-Ambt  die  einkommende 
Bruch-  vnd  Pagament-Silber  ohne  vnterschied  gegen  der  Pragcrischeu  Be- 
zahlung vmb  ein  viertl  Reichsthalers  höher  bezahlt  vnd  angenommen  werden 
solle,  dardurch  Ihr  Kay.  Mtt.  vnsers  Allergnedigisten  Herrn,  Silber-Kauflf 
merklich  geschmelert  und  gehindert  wird. 

Dieweil  aber  dem  Rechten  und  Billigkeit  gemeß,  daß,  wie  an  Schrott  vnd 
Korn,  also  auch  an  dem  Silber-Kauff  eine  Gleichheit  gehalten  werden  soll: 
Als  haben  wir  nicht  vmbgehen  können,  dem  Herra.  dafern  er  etwa  deßen  keine 
Wißcnschaft  haben  möchte,  hiemit  frdl.  zu  erinnern  vnd  zu  ersuchen,  er  wolle 
obangeregte  schedtliche  Anordnung  abstellen  oder  vns  die  eigentliche  Be- 
schaffenheit berichten.  Deme  wir  zu  allem  guten  bereit  verbleiben. 

Datum  Prag,  den  23,  Augusti  1630. 

Rom,  Kay.  Mtt.  Präsident  vndt  Verordnerc  (  amuier  Räthe  im  Königreich 


Böheimb.« 


(Orig.  mit  Siegel  und  Adresse  Im  Gubernialarchiv  zu  Prag. 


Herzog  von  Friedland  und  seine  Münzen. 


461 


Ferner  publicire  ich  hier  noch  aus  dem  reichhaltigen  Material: 

Taxis  an  die  Herzogliche  Kammer  zu  Gitschin. 

„Dieweil  IhreFürstl.  Gnaden  alles  Gelt,  das  sie  hir,  zu  8kal  vndFridlandt 
in  Verwanmg  haben  legen  laßen,  in  Dueaten  zu  verwexeln  gnedigist  ahnbe- 
fohlen vnd  solches  mit  ly^  per  cento  Auffgab  zu  thuen  bewilliget,  der  Verte- 
man  dan  jetzt  avisiert,  das  er  4000  Dueaten  bey  Händen,  welche  er  gegen  Auf- 
gab li/o  per  cento  gegen  Reichsdaller  hergeben  will,  als  wolle  die  Fürstl. 
Cammer  dergegen  vnsaumblich  zu  Einwexlung  derselben  sovil  Reichsdaller 
als  darzue  von  noeten  sein  werden  ihm  Verteman  nach  Prag  schicken  vnd  her- 
gegen  die  Dueaten  empfangen  laßen,  auch  folgentz  also  weitter  vorttfahren, 
bis  das  Gelt  alles  in  Goltt  verwexlet  seye. 

Actum  Gitschyn,  den  8.  Aprilis,  Anno  1631. 

Gerard  von  Taxis." 

(Orig.,  Gubernial-Arcliiv  zu  Prag.) 

Dietrich  Malowetz  von  Malowitz  —  seit  Juni  1632  Landes- 
hauptmann im  Fürstenthum  Friedland  an  den  Herzog. 

„Durchleuchtiger,  Hochgeborner  Fürst, 
Gnedigster  Herr,  Herr. 

Ewr  fürstl.  Gnd.  jüngstem  Befelch  gemeß  hatt  Ich  dem  Jacob  Basseui») 
die  abstattung  derer  12.<541  fl.  32  kreuzer  widerfahren  laßen,  weil  aber  im 
Renthaus  so  viel  gemeiner  Münz  nicht  fürhanden  gewest,  hab  Ich  ein  vier- 
tausent  Dueaten  aus  der  Caßa  erheben  vnndt  auf  Ewer  Fürstl.  Gnd.  gepräge 
verraog  dero  genedigsten  befehls  vbermünzeu  laßen.  Vnangesehen  nun  solchem 
werckh  zweene  aus  den  Cammer  Räthen  vndt  noch  andere  zweene  beaidigte 
stetts  beygewohnet,  aufzunierckhen,  daß  in  derae  recht  gehandelt  werde, 
hat  sichs  doch  eraignet,  daß  an  berürter  Post  derer  viertausendt  stückh 
in  dem  Schmelzen  vnndt  Czimentiren  133  stückh  Dueaten  22  kreuzer  ab- 
gangen, allermaße  aus  beygefügter  designation  Ewer  Fürstl.  Gnd,  gnedigst 
zu  ersehen  haben,  vmb  deßwegen  ich  dann  in  erwegung  solchen  abgangs  mit 
denen  noch  in  der  Caßa  habenden  Dueaten  mit  der  vbermünzung  fortzufahren 
ohn  Ewer  Fürstl.  Gnd.  befragung  ein  bedencklien  habe.  Hierbei  aber  Ewer 
Fürstl.  Gnd.  gehorsamst  berichten  thue,  wen  solche  Dueaten  E.  F.  Gnd.  gne- 
digsten  Befelch  gemeß  zu  3  fl.  ausgegeben  werden  solten,  wie  dan  der  Basseui 
dieselben  in  den  Valor  angenohmen,  so  hatten  Ewer  Fürstf.  Gnd.  gleichwoll 
vber  diesen  ganzen  abgang  an   denen  4  m.  stuckhen  noch  (300  fl.  38  kr.  nuzeu 


>)  Leo  und  Jacob  Bassevi  waren  des  Herzogs  „Hofhandelsjudeu. 


462 


Adolph  Meyer :  Albrecht  von  Wallensteiu  ("Waldstcin) 


vnndt  vberschues  darbey.  Dahero  iu  gehorsam  bitte,  mich  in  diesem  Fall  der*> 
gnedigen  willen  zu  uerstendigen  anzubefehlen.  Hiebey  zu  Ewer  Fürstl.  Gud. 
schütz  vnndt  gnaden  mich  empfehlendt. 


Gitschin  den  2.  Augusti  An.  1633. 


Ewer  Fürstl.  Gnd. 

gehorsamster  Diener 

Getfich  von  Malowicz.' 


(Oriy.  m.  Adr.  —  Staatsarchiv,  "SVien.) 

Der  Herzog  an  Malowetz. 

(Bei  Schweidnitz)  10.  August  1633. 

„Albrecht  etc.  etc. 

Wir  haben  evver  Schreiben  vom  2  dieses  zu  reclit  empt.-(ugeu  vud,  was 
vns  Ihr  wegen  des  abgangs  der  vmbgemünzten  4000  Stück  Diicaten  berichten 
thutt,  daraus  mit  mehrem  verstanden. 

Aldieweiln  es  nun  wol  anders  nicht  sein  kan,  denn  das  ettwas  verlust 
darmit  beyfa^le :  Als  befehlen  wir  euch,  deßen  ungeachtet  mit  so  angefangener 
vmbmüntzung  der  Ducateu  auf  vnser  gepräge  fortzufahren. 

(In  marg.:)  An  Landshaupttman  zu  Gitschin  den  10.  Aug.  1633." 

Conc-  Staatsarchiv,  Wien.) 


Der  Herzog  an  Malowetz. 

Bei  Schweidnitz,  18.  September  1633. 

„Albrecbt  etc.  etc. 

Wir  haben  zwar  aus  der  vns  von  euch  dahier  vorgetragenen  Verzaichniis 
ersehen,  was  für  besoldungen  so  wol  zu  Gitschin  als  auf  den  Herrschafften 
vnsers  H  erzog thums  für  die  Hauptleutte,  Burggraven,  Schreiber,  Forstmeistei 
vnd  andere,  so  aufn  Forst  bestellet,  aus  vnsera  rentten  bezahlet  werden. 

Aldieweiln  aber  darbey  nichts  zu  befinden,  was  für  lohn  in  den  Meyer-J 
höfen  vnd  Brewheusern  dem  Gesinde  hin  und  wieder  gereichet  werde.  Alsj 
befehlen  wir  euch,  solches  gleicher  gestaltt  eygentlich  vnd  genaw  zusammen 
zu  bringen  vnd  vns  eine  völlige  specification,  damit  wir,  was  in  allem  vnd  iedem 
vom  höchsten  bis  zum  niedrigsten  in  besagtem  vnserm  gantzem  Herzogthum 
für  besoldungen  aufgehen,  mit  allen  vmbständen  wißen  können,  darüber  ein- 
zuschicken. 

Die  bestellung  der  wirttschaften  belangend,  werdet  Ihr  euch  auf  allej 
weyse  angelegen  seyn  laßen,  das  dieselbe  mit  nottürfftiger  anzahl  viehe,  so- 
wohl Kühen  als  Schaffen,  damit  daran  nichts  ermangle,  völlig  besezt  werden. 


Herzog  viu  Frirdiand  imrl  soino  Miinzoi 


463 


Inmaßeu  Ihr  dann  auch  wogen  der  Kühe  solche  anstaltt  machen  werdet^ 
das  sich  die  nutzuug:  darvon  so  hoch  als  auf  des  Herrn  Haugwitzes  güttern, 
benenttlichen  von  ledern  Stuck  auf  12  fl.  vnd  1  Kalb,  betragen  möge. 

Gleichergestaltt  wegen  der  Schaife  Ihr  es  also  wie  es  auf  des  Fürsten 
von  Lichtenstein's  Liebden  wirthschaften  gehaltten  worden,  das  nemlich  von 
iedem  Stuck  ein  fl.  gereichet  vnd,  da  daßelbe  gleich  verlohren  würde, 
solches  allein  dem  bestandtmann,  welcher  ein  anderes  an  statt  delielben 
zu  ersezen  schuldig,  zu  schaden  komme,  anzustellen  vnd  solches  alles 
aufs  föderlichste  zu  werck  zu  richten  wissen  werdet.  Die  Fortsetzung 
der  bergwerk  betreffend,  ist  ebenmäßig  vnsere  meinung  vnd 
b  ef  eh  lieh,  das  mit  Bawung  derselben  theils  von  dem  vnser  igem, 
theils  durch  andere  particularien  fleißig  fortgefahren  vnd  dar- 
luit  keine  Zeitt  verabsäumet  werde.  Die  müntze  aldortt  aber 
belangendt  woltten  wir  vns  nicht  zuwieder  sein  laßen,  wenn  die- 
selbe, gleich  wie  vor  diesem  in  vnser  Stadt  Saganbeschehen  (sie!), 
vermüttet  würde;  doch  befehlen  wir  euch,  inmittelst  einen  weg 
als  den  andern  die  fleißige  obachtzu  haben,  das  dieselbe  stark 
vnd  vnabläßig  fortgetrieben  werde. 

Sonsten  werdet  Ihr  vnfehlbar  dahin  b  edacht  sein,  das  Ihr 
bis  in  40000  stück  Ducaten  zusammen  bringet,  damit,  wenn  wir  vns 
derselben  zu  vnsern  nottürften  zu  prävaliren  begehr  en,  wir  die- 
selbe würklich  an  der  Handtvnd  vns  eygentlich  da  rauf  zu  ver- 
laß en  hab  en. 

(In  Marg.:)  An  Landshaupttmau  zu  Gitschin. 

Bey  Schweidtniz,  den  18.  Septbr.  1633. 

(Couc. -Staatsarchiv  ,Wieu.) 

In  gleich  fürsorglich,  haushälterischer  Weise  wie  der  letzt  vor- 
stehende Brief  gewähren  noch  eine  große  Menge  Schriftstücke  einen 
tiefen  Einblick  in  die  geistigen  Fähigkeiten  des  Herzogs.  Da  der 
Inhalt  ausserhalb  des  mir  für  meine  Arbeit  gesteckten  Rahmens 
liegt,  so  übergehe  ich  solche  mit  Stillschweigen. 

In  seinen:  „Beiträge  zur  Geschichte  des  Oesterreichischen 
Münzwesens  während  der  Zeit  von  1622—1650,"  Wien  1882  er- 
wähnt Director  Johann  Newald  eines  Briefes  der  Schlesischen 
Kammer  d.  d.  Breslau,  23.  April  1629  mit  der  Meldung  dass  der 
Herzog  von  Friedland  zu  Sagan  eine  Münze  eingerichtet  und  dem 
kaiserlichen  Münzmeister  in  Breslau,  Johann  Ziessler  zum  Be- 
triebe überlassen  habe.  Aus  dem  vorstehend  wiedergegebeuen 
Briefe  des  Herzogs  d.  d.  Bei  Schweidnitz,  18.  September  1633  geht 


] 


464 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  "Wallenstein  (Waldstein) 


hervor^  dass  er  diese  Münze  wirklich  verpachtet  hatte.  Jenes  vor- 
stehend —  ans  dem  Saganer  Acten  Fascikel  Blatt  25  —  erwähnte 
„Project  eines  Pachtcontracts  ist  zwar  vom  7.  Februar  1631  datirt; 
laut  Blatt  23  desselben  Heftes  sind  jedoch  noch  für  Rechnung  des 
Herzogs  während  des  Monats  März  1632 

rauh  22  Mk.  3  Loth  Silber  mit  11  Mk.   —    L.  —  Q  2  J)  Feingehalt 
zu  Groschen  vermünzt  worden. 

Der  ■ —  vielleicht  um  einer  beabsichtigten  Verpachtung  der 
Münze  willen  gemachte  —  Ueberschlag  des  Ertrages  derselben 
datirt  aber  vom  3.  December  1633,  ist  also  wahrscheinlich  in  Foleo 
jenes  Briefes  gefertigt  worden. 

In  Mecklenburg  hat  Herzog  Albrecht  nicht  prägen  lassen ;  auf 
das  Münzwesen  bezügliche  Acten  sind  daselbst  auch  nicht  aufge- 
funden worden.  In  einer  vom  Herzog  bei  seiner  Abreise  aus 
Mecklenburg  am  30.  Juli  1629  an  seinen  Statthalter  Heinrich 
Custosz  ertheilten  Instruction  heisst  es : 

„Weil  auch  J.  F.  G.  nach  nunmehr  erlangter  Investitur  wegen  des  Her- 
zogthum  Mecklenburg  auch  die  Münzstöcke  geendert  und  das  Geprege  nach 
dero  vermehrten  Fürstl.  Wappen  uff  der  Münze  «bissen  wollen,  Als  ist  auch! 
gleichfalls  der  Cammer  anbefohlen,  solches  gehorsamblich  zu  verrichten  etc.  etc. 


Datum  Güstrow  am 


3.  August 


24.  July  ^'^— 


A^'   1629. 


(Mecklenburg  Jahrbücher  Band  36.  S.  53.) 


Herzog  von  Friedland  und  seine  Münzen. 


465 


MünzgeschicMliches. 

Da  des  Herzogs  Münzen,  mit  Ausnahme  weniger  Stempel 
namentlich  in  den  ersten  Jahren,  kein  Zeichen  der  Prägestätte, 
sondern  die  Anfangsbuchstaben  oder  das  Zeichen  des  Münzmeisters 
tragen,  und  diese  auch  nur  mangelhaft  bekannt  sind,  so  lassen  sie 
sich  nach  den  Münzorten  nicht  ordnen;  ich  ziehe  es  deshalb  vor,  sie 
nach  den  Mtinzmeisterzeichen  zu  classiren. 

Die  Münzstätten  waren  in  Gitschin  und  Sagan.  An  ersterem 
Orte  finden  wir  als  ersten  Unternehmer  Tobias  Sonnenschein,  dessen 
Zeichen  eine  Sonne  (Gesicht,  umgeben  von  züngelnden  Strahlen) 
ist;  solche  finden  wir  bis  in  das  Jahr  1630  hinein.  Auf  einzelnen 
Thalerstempeln  der  Jahre  1627  und  1628  steht  am  Schluss  der 
Legende  noch  eine  Doppellilie  (3E)?  Zeichen  des  Johann  Joachim 
Edling  —  bis  1626  in  der  Münze  zu  St.  Polten  — . 

Femer  war: 

1629  Georg  Reick  Münzmeister  und  Hans  Jacob  Wiebl  Wardein, 

1632  Sebastian  Steinmüller  Münzmeister,  sowie  Conrad  Fro- 
böse  aus  Braunschweig  Stempelschneider. 

In  Sagan  waren: 

1628  Münzmeister  Johann  Ziessler  von  Molsheim  —  bisher 
kaiserlicher  Mtinzmeister  zu  Breslau  —  der  seine  Stempel  theil- 
weise  1629  mit  I.  —  ^.  und  H.  —  ^.  gezeichnet  hat. 

1629 — 1631  Münzmeister  Hans  Heinrich  Jacob. 

1629—1630  Wardein  Gottfried  Ehrlich. 

Im  fürstlichen  Archiv  zu  Sagan  werden  noch  verschiedene 
Münzstempel  aufbewahrt,  darunter  die  Rückseite  zu  einem  ganzen 
Thaler  von  1629  mit  der  Legende: 

SArRT-PDMA.nn^- —  PPIXPEPS   anno  1629- X 

ao 


f 


66 


Adolph  Meyer:   Albrecht  von  Wallenstein  (Waldstein) 


Im  Felde  der  gekrönte  friedländisebe  Adler^  unter  dem  Fürsten- 
hut. In  dem  Brustschilde  erscheint  das  gekrönte  Wappen  von  Sagan- 
Wallenstein  mit  dem  Vliessorden ;  unten  zu  den  vSeiten  des  Adlers 
die  Buchstaben  I  —  ^  (Johann  Ziessler),  in  der  Umschrift  unten  der 
Münzbuchstabe  8  (Sagan.) 

Ferner  die  Rückseite  zu  einem  Gulden  von  1629 

SACRI :  ROMA :  IMP  —  PRINCEPS  •  AN  •  1629  • 

Sonst  wie  auf  dem  vorigen  Stempel,  nur  die  Buchstaben  I  —  ^ 
stehen  höher,  über  den  Krallen  des  Adlers. 

Mit  diesen  Stempeln  geprägte  Münzen  sind  weder  F.  W. 
Kretschmer,  noch  mir  in  Originnl  oder  in  Beschreibung  vorge- 
kommen. 

Um  der  Beschreibung  nachfolgender  Stempel  willen  habe  ich 
die  weiter  unten  verzeichneten  Sammlungen  durchgearbeitet,  wobei 
ich  mich  verpflichtet  halte,  dankend  hervorzuheben,  dass  Seine 
Durchlaucht  der  Fürst  von  Fürstenberg  in  Folge  befürwortenden 
Vortrages  des  Vorstehers  seines  Museums,  Herrn  Archivars  Dr.  Bau- 
mann, genehmigte,  dass  sämmtliche  in  Donau-Eschingen  befindliche 
Münzen  dieses  Faches  mir  übersandt  wurden.  Ein  Gleiches  gestattete 
das  Curatorium  der  Universität  zu  Rostock  mit  einzelnen  Stücken 
auf  den  Antrag  der  Herren  Professor  Dr.  Schirrmacher  und  Dr.  L. 
Müffelmann.  Auch  Herr  Major  Graf  von  Schlieffen-Schw^andt  hatte 
die  Liebenswürdigkeit,  seine  bedeutende  Sammlung  von  Wallen- 
stein-Münzen  mir  ins  Haus  zu  bringen,  so  dass  ich  sie  persönlich 
bearbeiten  konnte.  Endlich  hat  Herr  Ministerialdirector  Burchard  zu 
Schwerin  in  Folge  befürwortenden  Antrages  des  Herrn  Geheimen 
Legationsratlies  von  Prollius,  Excellenz,  mir  die  Notizen  über  das 
grossherzogliche  Münzkabinet  zu  Schwerin  geliefert,  die  mir  nach 
dessen  Tode  durch  die  Custodin  der  grossherzoglichen  Alterthümer- 
sammlung  Fräulein  Amal.  Buchheim  vervollständigt  wurden.  Ueber 
die  Universitätssammlung  zu  Rostock  referirten  mir  die  Herren  Pro- 
fessor Dr.  Schirrmacher  und  Dr.  L.  Müffelmann.  Die  Sammlungen 
hier,  in  Dresden,  Prag  und  Wien  habe  ich  persönlich  bearbeitet. 
Nach  den  zu  oft  gemachten  trüben  Erfahrungen  habe  icli  unter- 
lassen, die  in  Katalogen  etc.  aufgeführten  Varianten  einzureihen 
und  erwähne  ich  solcher  nur  in  mir  ganz  besonders  wichtig  erschei- 
nenden Fällen. 


Herzog  vun  Fried land  und  seine  Münzen. 


467 


Die  Sammlimgen,  die  ich  wie  beistehend  bemerkt  bezeichne, 
sind  folgende: 

Berlin:  König!.  Münzkabinet  (K.  Münz.), 

Landesgerichtsrath  H.  Dannenberg  (H.  D.), 

Geheimer  Legationsrath  von  Prollius  (v.  P.), 

Meine  Sammlung  (A.  M.). 
Breslau:    Schlesisches    Münzkabinet   der  Stadtbibliothek   (St. 

BibL). 
Donau-Eschingen:   Fürstlich    Fürstenbergisches   Münzkabinet 

(Fürst.  M.). 
Dresden:  Gebrüder  Erbstein  (Gebr.  E.), 

Königl.  Münzkabinet  (K.  Münz.). 
Frankfurt  am  Main:  Paul  Joseph  (P.  J.), 

Stadtbibliothek  (St.  Bibl.).  lo) 
Linz:  Museum  Fraucisco-Carolinum. 
Lorzendorf:  Hugo  Freiherr  von  Saurma  (v.  S.). 
Mainz:  Stadtbibliothek  (St.  Bibl.). 
München:  Königl.  Münzkabinet  (K.  Münz.). 
Prag :   Max  Donebauer  (M.  D.), 

Emanuel  Miksch  (E.  M.), 

Museum  Kegni  Bohemiae  (Mus.). 
Riga:  Dr.  W.  Petersen  (Dr.  P.). 
Rostock:  üniversitätsmünzkabinet  (Univ.). 
Schw^andt:  Major  Graf  Schlieffen  (Gr.  Seh.). 
Schwerin  i.  M.:  Grossherzogl.  Münzsammlung  (Grossh.  M.), 

Verein    für  Meckl.  Geschichte   und  Alterthumskunde 
(V.  f.  M.  G.). 


10)  Der  Befürwortung  des  Herrn  Paul  Joseph  daselbst  verdanke  ich  die 
Besichtigung  der  mich  speciell  interessirenden  Abtheilungen  der  mediatisirten 
Fürsten  und  Städte  Deutschlands  der  städtischen  Sammlung.  Die  Sammlung 
enthält  so  viele  noch  vollständig  unbekannte  Münzen  resp.  Stempel,  dass  deren 
Bekanntgabe,  so  auch  die  Ausnützung  des  bezüglichen  archivalischen  Materials 
eine  wesentliche  Bereicherung  der  Wissenschaft  wäre.  Man  kann  nur  wünschen, 
dass  die  vorgesetzte  Behörde  recht  bald  die  erforderlichen  geringen  Mittel 
bewilligen  möge,  damit  eine  den  heutigen  Ansprüchen  genügende  Ordnung  der 
Sammlung  hergestellt  und  eine  Geschichte  di'S  Frankfurter  Münzwesens  ver- 
öflfeuthcht  werden  könnte. 

30* 


468 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  Wallenstein  (Waldstein) 


Wallerstein :  Fürstl.  Oettingensche  Münzsammlung. 

Wien:  Münzsammlung   des   Allerhöchsten   Kaiserhauses    (K. 
Münz.), 
Münzsammlung    des    Gymnasiums    zu    den    Schotten 

(Schott.), 
J.  Spöttl  rj.  Sp.). 

Um  nicht  der  Nachlässigkeit  geziehen  zu  werden,  erwähne  ich 
zunächst  eines  Stückes,  welches  W.  Hanka  in  seinen  „Münzen  und 
Medaillen  Albert  Herzogs  von  Friedland"  in  den  „Verhandlungen  der 
Gesellschaft  des  vaterländischen  Museums  in  Böhmen",  Jahrgang 
1841,  Seite  80  unter  Nr.  1  und  nach  solchem  Neumann-Mi Itner  in 
ihrer  „Beschreibung  der  bisher  bekannten  böhmischen  Privatmünzen 
und  Medaillen,  Prag  1852,  Seite  659,  Nr.  5,  Abbildung  586,  wie 
folgt  anführten: 

Vs.  Brustbild,  Umschrift:  :4^ALBERTVS-DEI*GRA*— DVX- 
FRIDLANDIAE  Unter  dem  Brustbild  als  Münzmeister- 
zeichen der  einköpiige  Adler,  den  Kopf  nach  rechts 
gewandt,  in  Klammern. 

Rs.  Vierfeldiges  Wappen  unter  dem  Herzogshut:  Im  ersten 
und  vierten  Felde  der  einköpfige  Friedländer  Adler,  im 
zweiten  und  dritten  statt  des  springenden  Löwen  nur 
Löwenköpfe  mit  offenem  Rachen.  Umschrift:  DEVS  PRO- 
TECTORMEVS  1626. 

Dickmünze  zwei  Thaler  schwer,  halber  Gulden   und 
Halbguldenklippe. 

In   Gulden   Gewicht  Stadtbibl.  —  Frankf.,   Sammlung 
M.  D.  —  Prag. 


Diese  Stempel  sind  plumpe  Falsificate,  Machwerke  des  gegen- 
wärtigen Jahrhunderts;  ich  bringe  sie  desshalb  weder  zur  Abbildung, 
noch  reihe  ich  sie  den  Münzen  ein. 


Herzog  von  Friodlaud  und  seine  Münzen. 


469 


Münzzeichen:  Sonne  mit  Gesicht^  umgeben  von  züngelnden 

Strahlen 

mit  dem  Wahlspruch:  DOMINVS  PROTECTOR  MEVS. 

1626. 

Thaler. 

1.  Ys.  Brustbild   ein   wenig-   nach    links  gewendet,    vollständig 

von  einem  Perlenkreis  umgeben,  ausserhalb  desselben: 
^l4ALBERTVS:D:G*DVX  (siebenstrahlige  Sonne)  FRID- 
LANDIAE^ 

Rs.  Gekrönter  Adler  nach  rechts,  im  ßrustschild  vier  aufrecht 
stehende  Löwen  (siehe  Wappenabbildung  Taf.  I,  Nr.  2) 
in  schlichter,  oben  rechtwinkliger  Einfassung,  welche 
unten  in  einem  das  Ganze  umgebenden  Perlenkreise, 
wogegen  sie  oben  durch  einen  schmalen  hohen  hermelin- 
verbrämten Fürstenhut  ohne  Bügel  und  Perlspange  (wel- 
cher auf  dem  Adlerschild  liegt)  getheilt  wird.  Zu  beiden 
Seiten  des  Hauptwappens  innerhalb  des  Perlenkreises  je 
ein  Kreuz  (^).  Ueber  dem  Hute  frei  schwebend  ein  Punkt. 
DOMINVS  .  PROTECTOR  •  MEVS  •  /ö  -  2ö  •  -  Gew. 
28-8— 29-01  Gr.,  Dm.  40  Mm.  —  K.  Münz.  -  Berl., 
A.  M.  —  Berl.,  zwei  Exemplare  mit  je  sechs,  respective 
sieben  Adlerschwungfedern,  Mus.  —  Prag. 

Abb.  s.  Taf.  H. 

2.  Vs.  Wie  1. 

Rs.  Wie  1,  nur  ohne  Punkt  nach  der  Jahreszahl  /ö  —  2ö 
Gew.  28-5  Gr.,  Dm.  395  Mm.  —  K.  Münz.  -  Berl.,  A.  M. 
—  Berl. 

3.  Wie  1,  nur  \s.:  Die  Kint'assung  des  Adlerschildes  bildet 
für  sich  eine  vollständig  abgeschlossene  Linie,  an  welcher 
in  geringer  Entfernung  der  Perlenkreis  vorübergeht. 

Gew.  28-5  Gr.,  Dm.  40  Mm.  -  A.  M.  —  Berl. 


470 


Adolph  Meyer:  Albrecbt  von  Wallenstein  (Waldstein) 


Gulden. 

4.  Wie  1.  Vs.  ♦f  ALBERT VS-D-G-DVX  (siebenstrahlige 
Sonne)  FRIDLANDIAE 

Rs.  DOMINVS  .  PROTECTOR  •  MEVS  •  16  —  26  •  —  Gew. 
14-4  Gr.,  Dm.  34-4  Mm.  —  A.  M.  -  Berl. 

5.  Wie  4,  nur  \\s.  Legende:  .  .  .D:G»  —  Mus.  —  Prag. 

Ohne  Wahlspruch.  Mit  DVX  FRIDLANDIAE  und  SACRI  ROMANI 
IMPERII  PRINCEPS. 

ZebndukatenstUck. 

1627. 

6.  Vs.  Brustbild  etwas  nach  links  gewendet  wie  1,  die  oberste 
Platte  des  Harnischs  reich  ornamentirt.  ^ALBERTVS» 
DEI.GRA:  (Sonne  achtstrahlig  züngelnd)  DVX  •FRID- 
LANDIAE: 

Rs.  Adlerschild  wie  1,  unten  oval;  au  den  vertikalen  Seiten 
desselben  oben  und  unten,  wo  er  oval  zu  verlaufen  beginnt, 
gerollte  Ansätze.  Der  Ftirstenhut  mit  dreifach  gestr. 
BUgel;  der  obere  Rand  perlenbegrenzt.  Ueber  dem  BUgel 
sehwebend  ein  Punkt  mit  Kreuz.  S ACRI. ROMANI. IM- 
PERII •PRINCEPS. /627  -  Gew.  34-5  Gr.  —  Mus.  - 
Prag. 

7.  Wie  Nr.  6,  nur  Rs IMPE^ PRINCEPS •/627  -  Dm. 

41  Mm.  —  K.  Münz.  —  Dresd.,  im  Gew.  von  16*45  Gr.. 
K.  Münz.  —  Wien. 


Fünfdukatensttick. 
1627. 

8.  Vs.  Wie  1,  ALBERT  VS  •  DEI  •  GR  (achtflammige  Sonne)  DVX  • 
FRIDLANDIAE: 
Rs.  Wie  1,  S ACRI^ ROMANI  •IM  PRINCEPS  •/627^  -  Gew. 
17-13  Gr.,  Dm.  27-50  Mm.  —  K.  Münz.  -  Wien. 


Herzog  von  Friedland  und  seine  Münzen. 


471 


» 


Darstellung  wie  3,  nurRs.:  Der  Raum  zu  den  Seiten  des 
Adlerschildes  leer;  der  obere  Rand  des  FUrstenhutes 
perlenbesetzt,  zweigestr.  Bügel,  über  dem  Hute  ein  freier 
Punkt.  Legende: 

Vs.  *ALBERTVS.DEI.GRA:    (Sonne)    DVX  •  FRIDLAN- 

DIAE: 
Rs.  SACRI  •  ROMANI  •  IMPE  •  PRINCEPS  •  /Ö27  —    Gew. 

17-1  Gr.  —  Mus.  —  Prag,  17-—  Gr.  K.  Münz.  —  München. 


"ö? 


Doppeldiikaten. 

1626. 

H.  Freiherr  von  Saurma-Jeltsch  erwähnt  in  seinen  „Schlesische 
Münzen  und  Medaillen"  zweier  Stempel  von  Doppeldukaten,  die  er 
in  galvanoplastischen  Copieen  besitzt  und  die  im  königl.  Münzkabinet 
zu  Berlin  liegen  sollen.  Das  königl.  Münzkabinet  ist  aber  nicht  im 
Besitze  und  hat  sie  auch  niemals  besessen.  Miltner-Neuraann  erwäh- 
nen derselben  nicht  und  habe  ich  sie  ebensowenig  auffinden  können. 
Vielleicht  sind  die  im  königl.  Münzkabinet  liegenden  Zwei  Gulden- 
exemplare (Nr.  34  und  37  dieser  Arbeit)  in  Folge  Druckfehlers  etc. 
als  Doppel dukaten  eingereiht. 

1627. 

10.  Vs.  Wie  1,  über  dem  Kopfe  eine  Rosette.   Zwischen  dem  Per- 
lenkreis: *ALBERTVS«D-G-  (Sonne)  DVX* FRIDL AN: 

Rs.  Das  Wappen  wie  1  in  selbstständiger  runder,  nach  unten 
oval  zulaufender Linear-Einfassung,  welche  zu  beiden  Seiten 
mit  gestreckten  Handhaben  und  oben  und  unten  mit 
Wülsten  und  dazwischen  mit  vier  rollenfih-niigcn  Ansätzen 
versehen  ist.  Das  Ganze  ist  von  einem  Perlenkreise  ein- 
geschlossen, der  oben  vom  untersten  Rande  des  im  Legen- 
denraume  liegenden  Fürstenhutes  unterbrochen  wird.  Der 
Hut  ohne  Verzierung.  Ausserhalb  der  Legende  ein  zweiter 
Perlenkreis.  SAG -RO» IMPE- PRINCEPS •/Ö27  -  Gew. 
6-9  Gr.,  Dm.  24  Mm.  —  Gebr.  E.  —  Dresd.,  Mus.  —  Prag. 


472 


Adolph  Meyer  :  Albrecht  von  Walleiistein  (Waldstein) 


Dukaten. 

1627. 

11.  Vs.  Wie   1.    Das  Kopfhaar  streift  den  inneren    Perlenkreis. 

°§^oALBERTVS  DEI-GRA  (achtstrahlige  Sonne)   DVX- 
FRIDLANDLE 

Rs.  Aeusserlich  verzierter  Wappenschild  wie  1 ,  8  ACRI  •  ROMA  • 
IMPE«PRINCEPS*/Ö2/  -  Gew.  3-48  Gr.,  Dm.  24  Mm. 

—  K.  Münz.  —  Berl.  Abb.  s.  Taf  IL 

12.  Vs.  Aehnlich  10,  das  Kopfhaar  nur  nahe  dem  inneren  Perlen- 

kreis. °ooALBERTVS*D»G  (achtstrahlige  Sonne)  DVX« 
FRIDLAN- 

Rs.  Wappenschild  anders  verziert  als  11.  SAC»RO*IMPE« 
PRINCEPS*/Ö27  —  Gew.  3-45  Gr.,  Dm.  21  Mm.  — 
K.  Münz.  —  Berl.,  K.  Münz.  —  Dresd. 

Abb.  s.  Taf.  IL 

13.  Vs.  Brustbild  wie   1,   das   Kopfhaar   trennt  den  Perlenkrcis. 

cf. ALBERT VS-D-G-  (Sonne)  DVX •  FRIDLAND : 

Rs.  Adlerschild  mit  Verzierungen,  ähnlich  wie  9.  Der  Fürsten- 
hut mit  zweigestr.  Bügel  ohne  Perlenverzieruug,  darüber 
ein  freier  Punkt.  8AC-R0*IMPE.PRINCEPS-/Ö2/ — 
Gew.  3-44  Gr.,  Dm.  195  Mm.  —  K.  Münz.  —  Wien,  Mus. 

—  Prag. 

14.  Vs.  *ALBERTVS-D:G    (Sonne)    DVX^FRIDLAND:    sonst 

wie  13.  —  Dr.  P.  —  Riga,  Kaffka  —  Wien. 


15.  Vs.  Brustbild  wie  vorher. 
FRIDLANDIAE.     - 


ALBERTVS*D:G*DVX  (Sonne) 


Rs.  Verzierter  Wappenschild,  über  dem  Fürstenhute  ein  Punkt. 
SAG  ROM  IMPERII  PRINCEPS  16  —  27  Die  verschie- 
denen Worte  sind  nicht  durch  Punkte  getrennt.  —  M. 
Doneb.  —  Prag.   . 


Herzog  von  Friedland  und  seine  Münzen.  4  I  O 

16.  Vs.  Brustbild  wie  1,  von  dreifacher  Kreislinie  eingeschlossen, 
deren  mittlere  am  stärl^sten  und  gedreht  ist.  ALBERTVS  • 
DEI-GRA  (Sonne)  DVX^FRIDLANDI^; 

Rs.  Wappenschild  ohne  Verzierungen.  SACRI»ROMANI»IM- 
PERII-PRINCEPS-627  —  Gew.  3-4  Gr.,  Dm.  22-5  Mm. 
—  K.  Münz.  —  Berl.,  Mus.  —  Prag. 

Abb.  der  Rs.  s.  Tai  IL 


1628. 

17,  Vs.  Brustbild  wie  1,  das  Kopfhaar  greift  in  die  einfache  innere 

Legendenkreislinie  ein  und  unterbricht  sie.  Unterhalb  der 
Feldherrnbinde  im  freien  Felde  ein  Grabstichel.  @  AL- 
BERTVS •D:G*DVX  (Sonne  mit  sieben  züngelnden 
Strahlen)  FRIDLANDIAE* 

Rs.  Adlerschild  wie  1^  die  Conturen  des  Adlerkopfes,  nament- 
lich des  Halses  glatt;  das  siebenfach  getheilte  Gefieder 
der  beiden  Fittige  palmenblättrig  gehalten.  Die  schlichte 
Einfassungslinie  des  Wappens  übergeht  unten  ins  Oval 
und  endet  pfeilförmig.  Auf  beiden  Seiten  schliessen  an  den 
senkrechten  Schildesrand  der  Länge  nach  arabeskenartige 
Verzierungen  an,  nebst  je  zwei  freien  Punkten.  Auf  der 
wagrechten  Einfassungslinie  des  Hauptschildes  ruht  der 
unverzierte  Fürstenhut,  über  diesem  ein  freier  quer  getheil- 
ter  Punkt.  Die  Winkelspitzen  der  linearen  Einfassung 
des  Adlerwappens  tangiren  genau  den  inneren  Schriftkreis, 
welcher  beiderseits  abbricht,  ))evor  er  die  Hermelinver- 
brämung des  Fürstenhutes  trifft.  SAC*ROM*IMPERII* 
PRINCEPS  • /ö  —  28  •  —  Gew.  3-1  Gr.  —  Mus.  - 
Prag. 

18.  Genau  wie  17,  nur  bleibt  der  Kopf  des  Brustbildes  auf  der 
Vs.  unterhalb  der  vollständig  geschlossenen  glatten  Kreis- 
linie. —  Gew.  3-2  Gr.,  Dm.  24  Mm.  —  Grossh.  M.  — 
Schwerin. 


474 


Adolph  Meyer:   Albrecht  von  Wallenstein  (Waldstein) 


Dickthaler. 
1627. 

19.  Von  gleichen  Stempeln  wie  das  Zehndukatensttick  Nr.  6. 
—  Mus.  —  Prag. 

20.  Zwei  Exemplare  von  gleichen  Stempeln  wie  Thaler  Nr.  31 
des  K.  Münz.  —  Berl.,  nur  Vs.  DEI  und  DEI-  und  ohne 
Querbügel  am  Fürstenhute  der  Rs.  —  Gew.  57-9  und 
58-2  Gr.,  Dm.  42  Mm.  —  A.  M.  —  Berl. 


22. 


Thal  er. 
1626. 

Vs.  Brustbild  ein  wenig  nach  links  gewendet,  frei  im  Perlen- 
kreis. 4*ALBERTVS*D:G»DVX  (siebenstrahlige  Sonne) 
FRIDLANDIAE  + 

Rs.  Der  Adler  mit  je  sechs  Schwungfedern  in  den  Fittigen 
—  Wappen  wie  1  —  in  schlicht  linearer  Einfassung, 
welche  unten  oval  abgerundet  ist.  Zu  beiden  Seiten, 
ausserhalb  des  Adlerschildes,  je  ein  Kreuzchen  *^.  Ober- 
halb ein  niedriger  FUrstenhut  ohne  Spangen  und  Perlen- 
verzierung, dessen  Hermelinbesatz  zum  grösseren  Theil 
unterhalb  des  inneren  Schriftkreises  liegt.  Ueber  dem 
Hute  ein  Punkt.  Umschrift  zwischen  zwei  Perlenkreisen : 
SAG  •  ROM  •  IMPERH  PRINCEPS  • /6— 2ö»  —  Gew. 
29-1  Gr.,  Dm.  39-5  Mm.  _  A.  M.  —  Berl.,  Mus.  — 
Prag. 

Abb.  Rs.  s.  Taf.  II.  —  Vs.  bis  auf  Punkt  in  der  Legende 
wie  Nr.  1. 

Vs.  Wie  21. 

Rs.  Zeichnung  wie  21,  nur  höherer,  bis  in  den  ausserhalb  der 
Legende  befindlichen  Perlenkreis  hineingehender  Fürsten- 
hut. SAC:ROM:IMPERIIPRINCEPS»/ö  — 26*  —  Gew. 
28-8  Gr.,  Dm.  45  Mm.  —  K.  Münz.  —  Berl.,  A.  M.  - 
Berl.,  Mus.  —  Prag. 


Herzog  von  Friedland  und  seine   Münzen. 


475 


23.  Zeichnung  beiderseitig*  wie  21,  Legende: 

Vs.  4»  •  ALBERTV8  •  D  :  G  •  DVX  (siebenstrahlige  Sonne) 
FRIDLANDIAE  • 

Rs.  Wie  21.  —  Dm.  40  Mm.  —  A.  M.  —  Berl.  zwei  Exem- 
plare von  beiderseitig  verschiedenen  Stempeln  —  Gew. 
28-9  und  28-7  Gr.  —  St.  Bibl.  —  Frankf.  29-10  Gr.,  Mus. 

—  Prag,  K.  Münz.  —  Wien. 

24.  Wie  23,  nur  verläuft  die  lineare  Einfassung  des  Adlers 
auf  der  Rs.  unten  in  die  innere  Perlkreislinie.  —  Gew. 
26-78  Gr.,  Dm.  39  Mm.  —  M.  D.  —  Prag,  Grossh.  M.  — 
Schwerin.  Abb.  der  Rs.  Taf.  II. 

2ö.  Vs.  Wie  23. 

Rs.  Wie  23,  nur  statt  der  Kreuzchen  im  freien  Räume  zwischen 
dem  Adlerschilde  und  der  inneren  Legendenkreislinie 
je  eine  Rosette  *.  SAC*ROM*IMPERII  PRINCEPS: 
/6  — 26*  —  Dm.  39-8  Mm.  —  A.  M.  —  Berl.  29  Gr., 
K.  Münz.  —  München  28-8  Gr. 

1627. 

26.  Vs.  Wie  23. 

Rs.  Wie  25,  nur  PRINCEPS  «/ö— 2/«  und  über  dem  Fürsten- 
hute statt  eines  freien  Punktes  eine  Rosette.  —  Gew. 
28-7  Gr.,  Dm.  40  Mm.  —  A.  M.  —  Berl.,  Mus.  —  Prag. 

Ein    zweites   Exemplar   mit   anderer   Zeichnung    des 
Adlers  und  Fürstenhutes.  —  Gew.  28-6  Gr.,  Dm.  39-5  Mm. 

—  A.  M.  —  Berl.,  K.  Münz.  —  München. 

27.  Vs.  Wie  23. 

Rs.  Wie  25,  nur  Legende :  SAG  •  ROM  •  IM  •  PERU  PRINCEPS • 
16  —  27  —  Gew.  28-8  Gr.,  Dm.  39  Mm.  -  A.  M.  — 
Berl.,  Grossh.  M.  —  Schwerin. 

28.  Von  gleichen  Stempeln  wie  das  ZehndukatenstUck  Nr.  6, 
nur  Vs.  .  .DEI  GRA:  —  Gew.  28-6  Gr.,  Dm.  41-2  Mm.  — 
K.  Münz.  —  Berl.,  A.  M.  —  Berl. 


476 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  Wallensteiii  (Waldstein) 


29.  Wie  28,  nur  Vs FRIDLANDIAE-  —  K.  Münz.  — 

Beil.  Abb.  s.  Taf.  IL 

30.  Wie  29,  nur  Vs DEI-GRA:  und  Rs IMPERY« 

PRINCEPS*  —  K.  Münz.  —  Berl. 

31.  Vs.  Wie  Nr.  6. 

Rs.  Gekrönter  Adler  mit  Brustschild  wie  1,  die  Fittige  mit  je 
sieben  Schwungfedern;  die  Schildform  oben  rechtwinklig, 
unten  oval,  innerhalb  eines  Perlenkreises,  der  durch  den 
aufliegenden  Fürstenhut  mit  Hermelinverbrämung,  zwei- 
streifigen Querbiigel  und  Perlspange  unterbrochen  wird. 
Oberhalb  ein  freier  Punkt.  SACRI  •  ROMAKI  •  IMPE  • 
PHINCEPS  •  /Ö27  —  K.  Münz.  -  Berl.  in  zwei  Exem- 
plaren mit  variirender  Rs.,  Mus.  —  Prag. 

Gulden  als  Klippe. 

32.  Vs.  Brustbild  wie  1,  der  innere  Schriftkreis  endigt  in  den 

Kopfhaaren,  -f  ALBERTVS*D:G»DVX  (siebenstrahlige 
Sonne)  FRIDLANDIAE 
Rs.  Adlerschild  wie  30,  die  Fittige  mit  je  sechs  Schwung- 
federn, zu  beiden  Seiten  je  eine  Rosette.  Auf  der  wag- 
rechten Einfassungslinie  über  dem  Adlerkopfe  genau  auf- 
liegender, hermelinverbrämter  Fürstenhui;  ohne  Verzierung; 
oberhalb  ein  freier  Punkt.  SAC*ROM^IMPERII  PRIN- 
CEPS./ö— 26*  -  Gew.  29-1  Gr.,  Dm.  35—35  Mm.  — 
Mus.  —  Prag. 

Gulden. 
1626. 

33.  Vs.  Brustbild   wie    1  ,    frei    innerhalb    eines    Perlenkreises. 

ALBERTVS-D«G*DVX  (siebenstrahlige  Sonne)  FRID- 
LANDIAE* 
Rs.  Adlerschild  wie  3,  die  Fittige  mit  je  sechs  Schwungfedern; 
ausserhalb  desselben  je  ein  Kreuzchen  >J^.  Ueber  dem 
Fürstenhute  ein  freier  Punkt.  SAC*ROM-IMPERII  PRLN- 
CEPS*/ö— 26-  —  Mus.  —  Prag,  K.  Münz.  —  Wien. 


Herzog  von  Friedland  und  seine  Münzen. 


477 


34.  Wie  33,  nur  Vs.  ALBERTVS -D-G-DVX  etc.  —  Gew. 
14-05  Gr.,  Dm.  34-9  Mm.  -  K.  Münz.  -  Berl.,  A.  M.  — 
Berl.  Abb.  s.  Taf.  IL 

35.  Vs.  Wie  34. 

Rs.  Wie  33,  nur  statt  der  Kreuzchen  zu  den  Seiten  des  Schil- 
des, so  auch  über  dem  Fürstenhute  je  eine  Rosette  ^. 
Legende:  SAG  •ROM»  IMPERII  PRINCEPS'/6  — 2ö«  — 
Gew.  14-3  Gr.,  Dm.  34-5  Mm.  —  A.  M.  -  BerL 

36.  Wie  35,  Rs.  über  dem  Fürstenhute  ein  freier  Punkt. 

Dieses  Exemplar  hat  beiderseits  etwas  Doppelschlag, 
so  dass  die  Legenden  lauten: 

Vs.  ALBERTVNCEPVX  und 

Rs.  ROM  II..  ALRII  PRINCEPS.  _  Gw.  136  Gr., 
Dm.  34-8  Mm.  —  A.  M.  —  Berl. 

37.  Darstellung  wie  33. 

Vs.  ALBERTVS«D»G-DVX   (siebenstrahlige  Sonne)  FRID- 

LANDIEA*  (sie.) 
Rs.  SAG  ROM  •  IMPERII    PRINCEPS  • /ö  -  2ö  •    —    Gew. 

14-3  Gr.,  Dm.  35  Mm.  —  K.  Münz,  —  Berl.,  A.  M.  —  Berl. 

Halbgulden. 
1626. 

38.  Darstellung  wie  33,  das  Kopfhaar  des  Brustbildes  der 
Vs.  durclischneidet  die  Perlenkreislinie;  zu  den  Seiten  des 
Adlerscliildes  der  Rs.  je  eine  Rosette  ©,  über  demFUrsten- 
hute  frei  ein  Punkt. 

Vs.  ^}#  ALBERTVS    D  :  G  •  DVX    (siebenstrahlige     Sonne) 

FRIDLANDIAE 
Rs.  SAG  •  ROM  •  IMPERII  PRINCEPS  •  /ö— 2ö*    —    Gew. 

715  Gr.,  Dm.  31  Mm.  _  A.  M.  —  Berl. 

Abb.  s.  Taf.  II. 

39.  Wie  38,  nur  Vs.  Legende:  44  ALBERTVS -DiG-  u.  s.  w. 
—  K.  Münz.  —  Wien. 


478 


Adoljili  Meyer  :  Albrecht  von  Walleafrteiu  (Waldstein) 


40. 


41. 


42. 


Wie  38,  nur  zu  den  Seiten  des  Adlerscbildes  je  ein  Punkt, 
von  gleicher  Grösse  des  über  dem  Fürstenhute  schweben- 
den. Legende: 

Vs.  *|,ALBERTV8-D:G  DVX  (siebenstrahlige  Sonne)  FRID- 
LANDIAE 

Rs.  Wie  38.  -  Gew.  7-11  Gr.,  Dm.  32  Mm.  —  K.  Münz.  — 
Berl.  in  zwei  Exemplaren  verschiedener  Zeichnung,  H. 
Dannenberg  —  Berl.,   A.  M.  —  Berl.,  Gebr.  E.  —  Dresd., 


K.  Münz. 


Dresd.,  Grossh.  M.  —  Schwerin. 


43. 


Wie  40,  nur  Legende  der  Vs:  ALBERTVS •  D : G •  DVX 
u.  s.  w.  —  Gew.  6*9  Gr.,  Dm  32  Mm.  —  Univ.  —  Rostock. 

1627. 

Darstellung  wie  33,  innerhalb  der  Legende  beiderseitig 
eine  einfache  Kreislinie.  Der  Raum  neben  dem  Adler- 
schilde und  über  dem  Fürstenhute  der  Rs.  leer.  Der  her- 
melinverbrämte Fürstenhut  ohne  Verzierung. 

Vs.  •  ALBERTVS -U-GR-  (elfstrahlige  Sonne)  DVX- FRID- 

LANDIAE 
Rs.  SAC-RO-IMPERII-PRINCEPS-/627  —  Gew.  6-85  Gr., 

Dm.  29  Mm.  —  A.  M.  -  Berl. 

Wie  42,  nur  Rs.  SAC-RO-IMPE-PRINCEPS-/627  - 
Gew.  7-2  Gr.,  Dm.  29  Mm.  -  Grossh.  M.  —  Schwerin, 
K.  Münz.  —  Dresd.,  K.  Münz.  —  Wien. 


Groschen. 

Gewicht  zwischen  1*75  Gr.  und  1-20  Gr.  Dem  Anscheine  nach 
vollständige,  wohlerhaltene  Stücke  wiegen  1-60  Gr.,  Dm.  20  Mm. 

1626. 

Ohne  Münzzeichen :  Sonne. 

Vs.  Brustbild  im  Profil  nach  links. 

Rs.  Adlerwappenschild  mit  geviertem  Brustschild,  darüber  der 
Fürstenhut. 


Herzog  von  Friedlaiui  und  seine  Münzen, 


479 


44.  Vs.  ALBERTV8  D  G  DVX  {£)  FRIDLANDIAE- 

Rs.  SAC-ROM-IMPERIl  PRINCEPS-Zö  — 2ö  —  K.  Münz. 
—  Wien. 

45.  Vs.  ♦ALBERTV8-D-G-DVX(£)  FRIDLANDIAE 

Rs.  SAC-ROM-IMPERI-PRICEPS-/Ö  — 26-    —   v.    S.   — 
Lorz.,  K.  Münz.  —  München,  Mus.  —  Prag*. 

46.  Vs.  Wie  vorher. 

Rs.  SAG  ROM  IMPERI  PRNCS  16—26  —  Mus.  -  Prag. 

47.  Vs.  Wie  vorher. 

Rs.  SAG  «ROM -IMPERI    FRINGS    /ö-2ö-    -   E.  M.  und 
Mus.  —  Prag. 

48.  Vs.  Wie  vorher. 

Rs.  SAG  •  ROMI  •  MPERI  PRINGES .  /6  —  2ö  •  —  Gebr.  E.  — 
Dresd. 

49.  Vs.  Wie  vorher. 

Rs.  SAG*ROM*IMPERII  FRINGS  •/ö—2ö  -  A.  M.  -  Berl. 

Abb.  s.  Taf.  II. 

50.  Vs.  ♦ALBERTVS-D-G  DVX  (£)  FRIDLANDIAE 

Rs.  SAG  ROM-IMPERII  FRINGS -/ö— 26    -    Schott.   — 
Wien. 

51.  Vs.  .:.ALBERTVS-DG  DVX  {£)  FRIDLANDIAE 

Rs.  SAG   ROM  IMPERI  PRNGS  16  —  26  —  K.  Münz,  und 
A.  M.  —  Berl. 

52.  Vs.  Wie  vorher. 

Rs.  SAG-ROxM-IMPERII  FRINGS -/ö  — 26  —  K.  Münz. — 
Dresd. 

53.  Vs.  «ALBERTVS-  D  G  DVX  (2)  FRIDLANDIAE 

Rs.  Zu  jeder  Seite  des  Wappenschildes  ein  Punkt.  SAG  ROM 
IMPERII  PRINGES« /6— 26*  —  Ad.  Jun^cfer  —  Berl. 


4ÖU  Adolpli  Meyer:  Albrecht  von  Wallenstein  (Waldstein) 

Vs.  Brustbild  nach  links  innerhalb  eines  Perlenkreises. 

Rs.  Das  Adlerwappen  mit  gevlertem  Brnstschild.  Der  Adler- 
schild oben  rechtwinklig*,  unten  glatt,  oval,  frei  in  einer 
Kreislinie,  die  oben  in  dem  Ftirstenhute  endet. 

1627. 
Ohne  Münzzeichen:  Sonne. 

Vs.  -ALBERTVS-D-GDVX  (£)  FRIDLANDIAE  auch  ohne 
die  Zwischenpunkte.  Bei  der  grossen  Menge  der  Stempel 
und  zum  Tlieil  schlechten  Erhaltung  der  Stücke  lassen 
sich  die  Punkte  nicht  immer  genau  feststellen. 

Rs.  Die  Adlerfittige  mit  je  sechs  Flugfedern. 

54.  Rs.  SAC-ROM-IMPERI  PRINCEPS-/Ö— 2/    —    Mus.    - 

Prag. 

55.  Rs.  SAG  ROM  IMPERI  PRNCES-/6  — 2/  —  A.  M.  —  Berl. 

Abb.  s.  Taf.  E. 

56.  Rs.  SAG  ROM -IMPERI  PRINGES  i6  —  27-  A.  M.  — Berl. 

57.  Rs.  SAC-ROM-IMPERI  PRINGEs /6  — 2/- —  A.  M.  -  Berl. 

58.  Rs.  SAG -ROM -IMPERI  PRINGES /ö  — 2/-  Zu  den  beiden 

Seiten  des  Adlerschildes   und  über  dem  Fürstenhute  ein 
Punkt.  —  A.  M.  —  Berl.,  K.  Münz.  —  München. 

Mit  Stempelfehler. 
1697. 

59.  Vs.  -  ALBERT  VS- DG  DVX  {£)  FRIDLANDIAE 

Rs.  SAG -ROM -IMPERI  PRTN-?;  16  —  97'  —  M.  D.  —  Prag 


Mit  Münzmeisterzeiehen:  Sonne. 

1627. 

60.  Vs.  ^ALBERTVS  DG    (zehnstrahlige   Sonne)  DVX  FRID- 
LAND 
Rs.  Sieben  Flugfedern  in  jedem  Adlerfittig.  SAG-RO-IM- (£) 
PRIN-/Ö27  —  A.  M.  -  Berl. 


Herzog  von  i  iiem;ui(i  unii  .'■uiiii-  Münzen.  4b  1 

61.  Vs.  *ALBERTVS  D  G:  (Sonne)  DVX  FRIDLAND 
Rs.  SAC-RO-IM  (£)  PRm-/ö27  -  Mns.  —  Prag. 

62.  Vs.  Wie  60,  Rs.  wie  61.  -  K.  Münz.  ^  Berl. 

63.  Vs.  =§=ALBERTVS-D-G- (zehnstrahlige  Sonne)  DVX -FRID- 

LAND: 
Rs.  SAC-RO-IMP-  (£)  PRINCE-/Ö27    -   A.  M.   -   Berl, 
K.  Münz.  —  Wien.  Abb.  s.  Taf.  IL 

64.  Wie  63,  nur  Rs.  PRINCE  1627  —  A.  M.  -  Berl. 

65.  Wie  63,  nur  Rs.  SAC-RO-IMPE  {£)  PRINCE  •  t627   — 
A.  M.  —  Berl. 

66.  Vs.  *  ALBERTVS-D-G- (zehnstraliligeSonne)DVX*FRID- 

LAXD: 
Rs.  SAC-RO*IMPE  {£)  PRINCE  •/627  _  E.  M.  —  Prag. 

67.  Wie  66,  nur  Rs.  SAC-RO«IMP*(£)  PRINCE   /Ö27.   - 
K.  Münz.  —  Berl. 

68.  Vs.  ^  ALBERT VS-D-G- (zehnstrahlige  Sonne)  DVX- FRID- 

LAND 
Rs.  Fünf  Flugfedern  in  jedem  Adlerfittig.  -SAC-RO-IM  (£) 
PRINC:  Ö27  —  A.  M.  -  Berl. 

69.  Vs.  c§bALBERTVS-D-G  (Sonne)  DVX- FRIDL AND 
Rs.  SAC:RO:IM  {£)  PRIN:  Ö27.  —  E.  M.  -  Prag. 

70.  Vs.  ALBERT:D-G-DV(zehnstrahlige  Sonne)  X-FRIDLAN: 
Rs.  Adlerfittige   mit  fünf  Schwungfedern -SAC:RO :  IM   (£) 

PRLNC:ö27  —  A.  M.  —  Berl. 

71.  Wie  70,  nur  Vs.  ALBERT: D:G:DV  u.  s.  w.  und  Rs.  SAC: 
RO:IM  {£)  PRINC:  Ö27*  -  Mus.  —  Prag. 

72.  Wie  7 1  nur  Vs.  ALBERT :  D :  G :  D  (Sonne)  VX  FRIDLAN  - 
—  M.  D.  —  Prag. 

73.  Wie  70,  nur  Vs.  ALBERT:[):G:D  (Sonne)   VX-FRID- 
LAN.  _  E.  M.  —  Prag. 

31 


482 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  Walleiibteiu  i  W  musttia) 


74.  Vs. 
Rs. 


75. 


^  ALBERT •D'G  (zehn strahlige  Sonne)  DVX»FRIDLAN 
SAC»RO*IM»  (£)  PRm*/ö27  —  Gebr.  E.  -  Dresd.,  A. 
M.    —  Berl.,  K.  Münz.  —  Mtincli. 

Wie  74,  nur  Rs.  SAC-RO-IM  (£)  PRrN"-/ö27  —  A.  M. 
und  K.  Münz.  —  Berl. 


77. 

Vs. 

Rs. 

78. 

Vs. 

79. 

Vs. 

76.  Vs.  Wie  74.  Rs.  SAC.RO.IM  (£)  PRmCW627  —  K.  Münz. 
—  Berl. 


^  ALBERT •D'G-  (Sonne)  DVX«FRIDLAN 
SAC-RO-IM  (£)  PRINC-/627*  -  E.  M.  -  Prag. 

Wie  77,  Rs.  wie  76.  —  K.  Münz.  —  Dresden. 

Wie  74.  Rs.  SAC*RO»IM-(£j  PRINC./Ö27  —  A.  M.  — 
Berl.,  Mus.  —  Prag. 


80.  Vs.  Wie  77,  Rs.  wie  74.  —  Grossh.  Münz.  —  Schwerin. 

81.  Vs.  ^  ALBERTVS*  DG  (Sonne)  DVX-FRIDLAN 
Rs.  Wie  74.  -  E.  M.  —  Prag. 

82.  Vs.  Wie  81,  Rs.   SAC«RO-IM-  (£)  PRrN"C»/627*    —  K. 

Münz.  —  München,  E.  M.  —  Prair. 


83.  Vs.  Wie  81,  Rs.  wie  79.  —  K.  Münz. 


Dresd. 


84.  Vs. 
Rs. 

85.  Vs. 
Rs. 

87.  Vs. 
Rs. 

88. 

89. 


*  ABERT-D- G  (Sonne)  DVX  FRIDLAN- 
SAC-RO-BI  (£)  PRIN-/627  -  Mus.  —  Prag. 

*  ALERTVS  •  D  •  G  (zehnstrahlige  Sonne)  DVX-FRIDLAN : 
SAC-RO-IMP.  (£)  PRINC-/Ö27  —  A.  M.  —  Berl. 

Wie  85,  nur  Rs.  SAC-RO-IMP-  (£)  PRINCE-  /Ö27  —  K. 
Münz.  —  Wien. 

c§o  ALBERT  •  D  •  G  •  (zehnstrahlige  Sonne)  DVX  •  FRIDLA : 
SAC-RO-IM  (£)  PRIN*  /627  —  A.  M.  —  Berl. 

Wie  87  nur  Vs.  D-  G  (Sonne)  &c.  —  A.  M.  —  Berl. 

Wie  88  Rs.  RO^IM-  {£)  —  K.  Münz,  und  A.  M.   —  Berl. 


AU'A 
Herzog  von  Friedland  und  seine  Münren.  ^^ 


1628. 


I 


90.  Vs.  ALBER  •  D  •  G  •  (zehnstrahlige  Sonne)  DVX •  FRIDLAN 
Rs.  SAC-RO»IM  (2)  PRINWÖ28  —  A.  M.  -  Berl. 

Abb.  s.  Taf.  IE. 

91.  Wie  90,  nur  Vs. .  .  .  FRIDLAN*  —  A.  M.  —  BerL,  K. 
Münz.  —  Dresd.,  Mus.  —  Prag.,  K.  Münz.  —  Wien. 

92.  Wie  90  nur  Vs.c§?  ALBER*  u.  s.  w.  —  A.  M.  und  K. 
Münz.  -  Berl.,  Gebr.  E.  —  Dresd.,  K.  Münz.  —  Münch., 
K.  Münz.  —  Wien. 

93.  Vs.  Wie  90  nur  .  .  .  D.G  (Sonne). .  .,  Rs.  SAC*RO«IM«  (£) 

u.  s.  w.  St.  Bibl.  —  Frankft. 

94.  Wie  93,  nur  Vs..  .  .FRIDLAN-  —  A.  M.  —  Berl. 

95.  Wie  90,  nur  Vs.  cgo  ALBER*D«G  (Sonne)  u.  s.  w.  —  A. 
M,  —  Berl. 

96.  Vs.  HALBER  D  G  (Sonne)  DVX  FRIDLAN 

Rs.  SAG  RO*IM*(£)  PRIN-/Ö28  —  Mus.  —  Prag. 

97.  Vs.  HALBER  •  D -G  (zehnstrahlige  Sonne)  DVX  FRIDLA: 
Rs.  SAG  RO*IM*(£)  PRIN*^Ö28  -  A.  M.  —  Berl. 

98.  Wie  07,  nur  Vs.  •ALBER*  u.  s.  w.  Rs.  SAC*RO*  u.  s.  w. 
—  Mus.  —  Prag,  Grossh.  M.  —  Schwerin. 

99.  Wie  97,  nur  Vs.  ^  ALBER -D  G  u.  s.  w.  —  E.  M.  —  Prag. 

100.  Wie  97,  nur  Rs.  SAC-RO*  u.  s.  w.  —   K.  Münz.  —  Berl. 

101.  Vs.  *ALBERT*DG- (zehnstrahlige  Sonne)  DVX  »FRIDLA 
Rs.  SAG  RO-IM*  (£)  PRIN-  /Ö28  _  A.  M.  -  Berl. 

102.  Vs.  *ALBERT*DG*  (zehnstrahlige  Sonne)  DVX  FRIDLA: 
Rs.  SAC*RO-IM(£)  PRIN-/Ö28  —    A.  M.  —  Berl.,  Univ. 

Rostock. 


484 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  AVallenstein  (Waldstein) 


Mit  Münzzeichen:  Sonne  und  Doppellilie. 

Thaler. 

1627. 

103.  Vs.  Brustbild  genau  wie  Nr.  6  nur  durcbsehneidet  das  Kopf- 
haar den  Innern  Strichelkreis. 

£  ALBERTVS«DEI-GRA-  (achtstrahlige  Sonne)  DVX» 
FRIDLANDIAE- 

Rs.  Wie  31.  —  Gew.   28.8  Gr.,  Dm.  42  Mm.,  A.  M.  —  Berl., 
Mus.  —  Prag. 

1628. 

r04.  Wie  Nr.  103,  nur  Rs.  1628  —  Gew.  29-—  Gr.,  Dm.  42 

Mm.,  A.  M.  —  Berl.,  Grossh.  M.  —  Schwerin. 

Abb.  s.  Taf.  III. 

105.  Wie  Nr.  104,  nur  Vs. .  .  .  FRIDLANDIAE  —  Gew.  291  Gr. 

Dm.  41  Mm.,  K.  Münz.  —  Berl.,  A.  M.   -  Berl. 


Mit  Titel:  Friedland   und   Sagan^  Münzmeisterzeichen: 

Sonne. 

Zehndukatenstttck. 


1628. 

106.  Vs.  Brustbild  im  Profil  nach  link>s  unter  solchem  innerhalb 
des  inneren  Strichelkreises  klein  1628;  das  Scheitelhaar 
durchbricht  die  Kreislinie.  ^ALBERT9  •D:G:DVX• 
(achtstrahlige  Sonne)  FRIDLAN :  ET  •  S AGAN^ 

Rs.  Adlerschild  (Abbildung,  Tafel  I,  Nr.  2.)  —  SACRI-RO- 
MANMMPERII*PRINCEPS  —  Gew.  346  Gr.,  Dm.  41 
Mm.  —  K.  Münz.  —  Wien. 


I 


Herzog  von  Friedland  und  seine  Münzen.  ttÖO 

Füüfdukateu  stück. 
1628. 

107.  Vs.  Wie  106.  —  *ALBERT9«D»G-DVX  (Sonne)  FRIDLA* 

ET -SAGA 
Rs.  Wie  106.  —  SACRI*RO:IMPERII.PRINCEPS-  —  Gew. 
17-23  Gr.  Dm.  36  Mm.,  K.  Münz.  —  Wien. 

108.  Wie  107,  nur  Vs.  Legende:  *  ALBER*D*G-DVX* 
(aclitstrahlig-e  Sonne)FRIDLA-ET- SAGA:  —  Gew.  17-4 
Gr.,  Dm.  34*5  Mm.,  —  Mus.  —  Prag. 

Dukaten. 

1628. 

109.  Vs.  Brustbild  von  rechts.  Grosser,  breiter  Kopf,  der  den  inneren 

Schriftkreis  durchschneidet  und  bis  zum  Rande  reicht.  — 
ALBER- D-G-  (achtstrahlige  Sonne)  D-FRI-ETvSA- 
Rs.  Adlerschild  wie  Tafel  I  2,  mit  äusseren  Verzierungen,  dar- 
über schmaler,   hoher   Fürstenhut.    —   SAC»RO*IMPE» 
PRINCE-/628  —  Dm.  21-5  Mm.  —  K.  Münz.  Berl. 

Abb.  s.  Taf.  IL 

110.  Vs.  Brustbild  von  vorne   etwas   nach   links,  das  Kopfhaar  be- 

rührt den  inneren  Schriftkreis  —  ALBER •  DG» D»  (acht- 
strahlige Sonne)  FRI.ET.SAGA. 
Rs.  Ovaler  Wappenschild,    von    Verzierungen   umgeben.    — 
SAG  •  RO  •  IMPE  •  PRINCEPS  •  628   —   Gew.   3-4   Gr., 
Dm.  20-5  Mm.  —  K.  Münz.  —  München. 

Thaler. 
1628. 

Vs.  Brustbild  nach  links,  ein  Theil  der  Stirne  und  das  Ober- 
haar im  Schriftraura.  Unter  dem  Brustbild  innerhalb  der 
inneren  Kreislinie  kleinziffrig  1628. 

Rs.  Der  Adlerschild  wie  I  2.  unten  oval  abgeschlossen,  dar- 
über Fürstenhut  mit  Querspangen  und  Perleneinfassung. 


486 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  Wallenstein  (Waldstein) 


111.  Vs.  ALBERTVS*D*G*D    (achtstrahlige   Sonne)    FRIDLAN- 

ET -S AGA- 
RS. Drei  Querspangen  am  FUrstenhut,  über  solchem  ein  freier 
Punkt.     •  8ACRI -ROMANI  •  IMPERII  •  PRINCEPS  •     — 
Gew.  29.1  Gr.,  Dm.  42-5  Mm.,  —  A.  M.  —  Berl.  K.  Münz. 
—  Wien.  Abb.  s.  Taf.  III. 

112.  Vs.  wie  111.  Rs.  Zwei  Querspangen  am  Ftirstenbut,  über  solchem 

frei  eine  Kugel  mit  Kreuz.  Der  Punkt  am  Anfang  der 
Umschrift  fehlt,  sonst  wie  111.  —  Gew.  29' —  Gr., 
Dm.  43-8  Mm.  —  A.  M.  —  Berl. 


13.  Wie    111,    Vs.    ALBERTVS  •  D  •  G  •  D  •    (achtstrahlige 

Sonne)  etc. 
Rs.  S ACRI  •  ROMANI  •  IMPERII  •  PRINCEPS  •  *  •    —    Gew. 
29-—  Gr.,  Dm.  43-5  Mm.  —  A.  M.  —  Berl. 

114.  Wie  113.  Vs.  ALBERTVS -D-G-DVX  (achtstrahlige 
Sonne)  FRIDLAN-ET-SAGA*  —  Gew.  29-—  Gr.,  Dm. 
42-—  Mm.,  A.  M.  —  Berl. 

115.  Wie  114,  nur  Vs.  ALBERTVS -D-G-DVX-  (Sonne)  u.  s. 
w.  —  Mus.  —  Prag. 

Vs.  Brustbild  nach  links,  jedoch  frei  innerhalb  des  inneren 
Strichelkreises,  welchen  es  nicht  berührt.  Sonst  wie  vor- 
her, die  Jahreszahl  1628  unter  dem  Armabschnitt  klein- 
ziffrig. 

Rs.  wie  vorstehend. 

116.  Vs.  ^ALBERTYS-D-G-DVX-  (achtstrahlige  Sonne)  FRID- 

LAN  ET  SAGAN: 

Rs.  Wie  111.  —  SACRI «ROMANI •IMPERII •PRINCEPS«  — 
Gew.  28-65  Gr.,  Dm.  42  Mm.  —  A.  M.  —  Berl. 

117.  Wie  116,  nur  Vs.  D'G:DVX-  u.  s.  w.  —  Mus.  —  Prag. 

118.  Wie  116,  nur  Vs.  FRIDLAN:ET*  u.  s.  w.  Gew.  28-65  Gr. 
—  K.  Münz.  —  Berl.,  Grossh.  M.  —  Schwerin. 

Abb.  s.  Taf.  HL 


Herzog  von  Friodland  und  soine  Münzen. 


487 


i 


I 


119.  Vs.  wie  116,  nur  FRIDLAN-ET-SAGAN: 

Rs.  Der  gekrönte  Adler  mit  geviertem  Brustscliild  in  doppel- 
liniger  Einfassung,  oben  rechtwinkelig,  unten  oval.  Der 
Ftirstenhut  mit  zwei  QuerbUgeln  und  Perlenreihe,  über 
solchem  eine  Kugel  mit  kleinem  Kreuz.  —  •SACRI-RO- 
MANMMPERII-PRINCEPS*  —  Gew.  291  Gr.,  Dm.  43 
Mm.  —  K.  Münz,  und  A.  M.  —  Berl. 

120.  Wie  119,  nur  Vs.  FRIDLAN.-ET.SAGAN: 

Rs.  Ohne  Punkte  zu  Anfang  und  Schluss  der  Legende.  — 
Gew.  28-95  Gr.,  Dm.  42  Mm.  —  K.  Münz,  und  A.  M.  — 
Berl.,  Mus.  —  Prag. 

121.  Vs.  Wie  120,  Rs.  wie  119.  —  K.  Münz.  —  Berl. 

Gulden. 
1628. 

122.  Darstellung  wie  119.  Vs.  ^ALBERT -D-G-DVX-  (acht- 
strahlige  Sonne)  FRIDLA  •  ET  SAGA : 

Rs.  Ueber  dem  Fürstenhut  eine  Kugel.  SACRI'RO  IMPERII« 
PRINCEPS*  —  Gew.  14-35  Gr.,  Dm.  36  Mm.  —  A.  M. 
—  Berl. 

123.  Wie  122,  nur  Rs.  SACRI-RO:IMPERII*PRINCEPS*  — 
Dm.  35  Mm.  K.  Münz.  —  Berl.,  M.  D.  —  Prag,  Univ.  — 
Rost.  Abb.  s.  Taf.  ID. 

124.  Wie  123,  nur  Vs.  ET •  SAGA:  Gew.  14-35  Gr.,  Dm.  34-5 
Mm.  —  Grossherz.  M.  —  Schwerin. 

125.  Wie  123,  jedoch  Vs.  FRID-ET-SAGA*  —  Abguss  in 
Blei,  Dm.  35  Mm.  —  Univ.  —  Rost. 

Halbgulden. 

1628. 

126.  Darstellung  wie  116,  jedoch  fehlt  die  Jahreszahl  im  Arm- 
abschnitt der  Vs.  —  *ALBER«D*G*DVX«  (achtstrah- 
lige  Sonne)  FRID-ET-SAGAN: 


488 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  Wallenstein  (Waldstein) 


Rs.  Sehr  ähnlich  42;  der  Fürsteohut  mit  drei  Querspangen 
und  Perlenreibe,  über  solchem  eine  Kugel.  —  SAC-RO» 
IMPERII.PRmCEPS*/ö28  —  Die  Jahreszahl  aus  1627 
geändert.  —  Gew.  7-2  Gr.,  Dm.  29  Mm.  —  A.  M.  —  Berl. 
Mein  Exemplar  ist  das  seiner  Zeit  von  Neumann-Miltner 
unter  Nr.  691  abgebildete,  deren  Zeichnung  ich  hier  rec- 
tificire.  Abb.  s.  Taf.  III. 

Groschen. 
1628. 

Vs.  Brustbild  nach  links,  das  Scheitelhaar  durchschneidet  den 
inneren  Perlenkreis  und  reicht  in  den  Schriftraum  hinein, 
ohne  die  Legende  zu  trennen.  Sonne  achtstrahlig. 

Rs.  Der  gekrönte  Adler  mit  dem  vierfeldigen  Brustschilde  in 
oben  rechtwickligem,  unten  ovalem,  freischwebendem 
Schilde,  darüber  der  Fürstenhut  mit  Hermelinbesatz  ohne 
jedwede  Verzierung.  —  Gew.  circa  1  -60  Gr.,  Dm.  20 — 
22  Mm. 


127.  Vs.    •  ALBER- D«G-  (Sonne)  D-FRI*ET*SA. 

Rs.  SAC-RO-IM-  (£)  PRIN-  /628  —  K.  Münz,  und  A.  M.  — 
Berl.  Abb.  s.  Taf.  III. 

128.  Vs.  ^-ALBER-D-G  (Sonne)  D-FRI-ET* SA* 
Rs.  Wie  127.  —  A.  M.  —  Berl. 

129.  Vs.  ^ALBER*D*G-D*  (Sonne)  FRID*ET*SA* 
Rs.  Wie  127.  A.  M.  —  Berl. 


130.  Wie  129,  nur  Vs. 

—  Wien. 


SA  ohne  Schlusspunkt.  —  K.  Münz. 


131.  Vs.  *ALBER*DG«  (Sonne)  D-FRI«  ET -SAG- 

Rs.  Wie  127.  A.  M.  —  Berl.  Abb.  s.  Taf.  IH. 


132.  Wie  131,  nur  Vs.  D  -G-  und  Rs.  RO  IM 

Berl. 


K.  Münz. 


133.  Wie  131,  nur  Rs.  IMP-  —  A.  M. 


Berl. 


Herzog  von  Friedland  und  seine  Münzen. 


489 


134.  Wie  131,  nur  V«.  ALBER-D-G^D-   (Soune)  PRID-ET« 
SAG:  —  Gebr.  E.  —  Dresd.,  K.  Münz,  und  A.  M.  —  Berl. 

135.  Vs.  ^ALBER*D-G«D  (Sonne)  FKI  ET-SAGA 
Rs.  Wie  131.  —  A.  M.  —  Berl. 

136.  Vs.  *ALBER-D*G-D-  (Sonne)  FRI-ET-SAGA-  Rs.  wie 

131.  —  A.  M.  —  Berl. 

137.  Vs.  *ALBR*DG»  (Sonne)  (Sonne)  D-FRI»ET-SAG« 

Rs.  SAC-RO-IM  (£)  {£)  PRI  1628  —  Grossh.  M.  —Schwer. 

—  Dieses  Stück   hat  nicht  Doppelschlag,  sondern  ist  so 
geschnitten. 

Das  Brustbild  der  Vs.  kleiner,  frei  im  inneren  Strichel- 
kreis. Sonne  achtstrahlig. 

138.  Vs.  *ALBER*DG  (Sonne)  D«FRI-ET  SAG* 

Rs.  SAG  RO'IM  (£)  PRIX-  1028  —  A.  M.  —  Berl. 

139.  Vs.  ET-SAG-  Rs.  SAC*RO*IM*  {£)  sonst  wie  138.  —  A.  M. 

—  Berl. 

140.  Wie  138,  nur  Vs.    OALBER*D*G*  (Sonne)  D*FRI*ET« 
SAG 

Rs.  SAC»RO*IM  u.  s.  w.  —  A.  M.  —  Berl. 

1629. 

141.  Vs.  Kleines  Brustbild  nach  links,  wie  Nr.  138 — 140  und  zehn- 

strahlige  Sonne.   —    ALBER -DG    (zehnstrahlige   Sonne) 
DVX-FR....- 
Rs.  SAC-RO-IM  (£)  PRIN-  1629  —  A.  M.  —  Berl. 

Die  folgenden  Groschen  mit  grösserem  Brustbild  nach 
links,  dessen  Scheitelhaar  den  inneren  Schriftkreis  durch- 
schneidet, wie  Nr.  128 — 137.  Die  Sonne  stets  achtstrahlig. 

142.  Vs.  ;«cALBER-D*G- (Sonne)  D*FRI-ET»SA* 

Rs.  SAC*RO*IM*  (£)PRIN-  1629   —    K.    Münz.    —   Berl., 
Gebr.  E.  —  Dresd.,  K.  Münz.  —  Wien. 

143.  Wie  142,  nur  Rs.  SAG  RO*  u.  s.  w.  —  A.  M.  —  Berl. 


1 


4:J\)  Adolph  Meyer:  Albrecht  von  W'allenstein  (Waldstein) 

144.  Wie  142,  nur  Vs.  DG-,  Rs.  SAC«RO  IM  (£^  —  A.  M.  — 
Berl. 

145.  Wie  142,  nur  Vs.  ET- SA  (ohne  Punkt)  und  Rs.  SAG  RO- 
u.  s.  w.  —  Mus.  —  Prag. 

146.  Vs.  ^  ALBER-D  •  G  (Sonne)  D-FRI- ET -SA 

Rs.  SAC-RO-IM-  {£)  PRIN-  1629  —  Mus.  —  Prag. 

147.  Wie  146,  nur  Vs..  .  .ET-SA-  —  A.  M.  —  Berl. 

148.  Wie  146,  nur  Vs.  D-G-  und  Rs.  RO-BI  —  A.  M.  —  Berl. 

149.  ^S|ALBER-D-GD  (Sonne)  FRID-ET-SA- 
Rs.  Wie  146.  —  A.  M.  —  Berl. 

150.  Wie  149,  nur  Rs..  .  .RO-IM  (£)  u.  s.  w.  —  A.  M.  —  Berl. 

ALBER- DG -D  (Sonne)  FRID-ET-SA 
Wie  146.  —  A.  M.  —  Berl. 

HALBER -D-G-  (Sonne)  D-FRI-ET-SAG- 
Wie  146.  —  A.  M.  —  Berl. 

Wie  152,  nur  DG  (Sonne). 

SA -RO-IM-  {2^  PRIN  1629  —  Mus.  —  Prag. 

*ALBER-DG  (Sonne)  D-FRI-ET-SAG- 
Wie  146.  —  Gebr.  E.  —  Dresd.,  E.  M.  —  Prag. 

c§3ALBER-D-G-  (Sonne)  D-FRI-ET  SAG- 
Wie  146.  —  Gebr.  E.  —  Dresd. 

HALBER- DG -D  (Sonne)  FRID-ET-SAG- 
Wie  146.  —  A.  M.  —  Berl. 

•  ALBER-DG-D-  (Sonne)  FRI-ET-SAG- 
Wie  146.  —  K.  Münz.  —  Wien. 

;fc  ALBER -DGD  (Sonne)  FRI-ET-SAG- 
Wie  146.  -i  A.  M.  —  Berl. 

;<t ALBER- DG- D-  (Sonne)  FRID-ET-SAG- 

Wie  146.  —  K.  Münz.  —  Berl.,  Dr.  W.  Petersen  —  Riga. 


151. 

Vs. 

Rs. 

152. 

Vs. 

Rs. 

153. 

Vs. 

Rs. 

154. 

Vs. 

Rs. 

155. 

Vs. 

Rs. 

156. 

Vs. 

Rs. 

157. 

Vs. 

Rs: 

158. 

Vs. 

Rs. 

15^. 

Vs. 

Herzog  von  Friedland  und  seine  Münzen. 


491 


100.  Vs.  *  ALBER  •  DG -D  (Sonne)  FRID*  ET- SAG  • 
Rs;.  Wie  148.  —  Mus.  —  Prag. 

161.  Ys.  ;^ALBER-D*G- ^Sonne)  D-FRI-ET-SAG» 

Rs.  SAC-RO-IM-  {£)  PRIN*/ö29 —  A.  M.  —  Berl. 

162.  Vs.  ALBER «D -G -D»  (Sonne)  FRID* ET* SAG: 
Rs.  Wie  146.  —  A.  M.  —  Berl. 

1630. 

Ys.  Grosses,  breites  Brustbild  nach  links,  die  Scheitelhaare 
durchschneiden  die  innere  Kreislinie  und  trennen  die  Le- 
gende. Sonne  achtstrahlig-. 

Rs.  Der  Adlerschild  hat  an  beiden  Seiten  Ringe  als  Ver- 
zierung. 

163.  Vs.  ALBERT  DG*  (Sonne)  D*FRI*ET  SA* 

Rs.  SAC*RO  IM  (£)  PRIN*  630  —  A.  M.  —  Berl. 

164.  Ys.  ALBET*D*G-  (Sonne)  D*FRI*ET*SA* 

Rs.  SAC*RO*IM  {£)  PRIN*  630  —  Mus.  —  Prag.,  K.  Münz. 

—  Wien. 

165.  Wie  164,  nur  Rs.  SAC*RO*IM*  (£)  u.  s.  w.  —  E.  M.  — 
Prag. 

166.  Wie  164  nur  Rs.  an  den  rechtwinkligen  Spitzen  des  Adler- 
schildes gerollte  Ansätze  und  PRIN  1630  —  Mus.  — 
Prag. 

167.  Wie  166,  nur  Rs.  SAC*RO*IM*  (£)  PRIN.  1630  —  A.  M. 

—  Berl. 

168.  Wie  166.  Vs.  ALBERT  DG  (Sonne)  D-FRI-ET  SA 
Rs.  SAC*RO  IM  {£)  PRIN  1630  —  Mus.  —  Prag. 

169.  Wie  166,  nur  Vs.  •  ALBERT*D*G*  (Sonne)  D*FRI*ET 
SA.  —  Grossh.  M.  —  Schwerin. 


492 


Adolph  Meyer:  Alb4-eclit  von  Wallenstein  (Waldstein) 


170.  Vs.  Das  Kopfhaar  durchschneidet  die  innere  Kreislinie,  trennt 
aber   nicht   die   Legende.   —    ;^ ALBER« D*G»    (Sonne) 
D»FRI«ET*SA* 
Rs.  SAC'RO  m  (2)  PRIN  630  —  A.  M.  —  Berl. 

17L  Vs.  #ALBER«DG  (Sonne)  D-FRI-ET-SA 

Rs.  SAC-RO  IM  (£)  PRIN*  630  _  E.  M.  —  Prag. 


172.  Wie  171,  nur  Rs.  SAC-RO-IM(£)PRIN  1630 

—  Berl. 


K.  Mttnz. 


Mus. 


173.  Wie  170,  nur  Rs.  SAC-RO-IM»  (£)  PRIN-/630 
—  Prag. 

174.  Vs.  Das    Scheitelhaar   berührt   nicht   den   inneren  oben  voll- 

ständigen Perlenkreis.  —  •ALBER -DG  (Sonne)  D-FRI« 
ET  SA 
Rs.  SAC-RO  IM  (£)  PRIN»  1630  —  A.  M.  —  Berl. 

175.  Wie  174.  Vs.  •ALBER -D-G  (Sonne)  D-FRI-ET»SA 
Rs.  SAC*RO-IM  (£)  PRIN  630  —  A.  M.  —  Berl.,  Grossh. 

M.  —  Schwerin. 

176.  Wie  174,  Vs.  ;^ALBERT-D*G-  (Sonne)  D*ERI»ET  SA- 
Rs.  SAC-RO -IM*  (£•)  PRIN-  1630  —  E.  M.  —  Prag. 

177.  Vs.  Brustbild  wie  170.  —   •  ALBER-D- G-  (Sonne)  D-FRI« 

ET -SAG 
Rs.  SAC-RO-IM  {£)  PRIN  1630  —  K.  Münz.  —  Wien. 

178.  Vs.  Brustbild  wie  170.  —  •ALBERT  D-G-  (Sonne)  D-FRI- 

ET -SAG 

Rs.  Die  Adlerschildeinfassung  eine  einfache  Linie.  SAC-RO- 
IM-  (2)  PRIN  1630  —  A.  M.  —  Berl. 

Vs.  Schmales,  hohes  Brustbild  nach  links,  welches  den  inneren 
Schriftkreis  durchschneidet  und  die  Legende  trennt;  über 
solchem  ein  kleiner  Stern.  Achtstrahlige  Sonne. 

Rs.  Der  gekrönte  iVdler  nach  rechts,  mit  geviertem  Brustschild, 
die  Einfassung  des  Adlerschildes  glatt  ohne  Verzierung. 


Herzog  von  Friedland  und  seine  Münzen. 


49a 


179.  Vs.  ALBERT  DG  (Sonne)  D  FEI. ET  SA 

Rs.  SAC-RO  IM  (£)  PPIN«  /Ö30  —  A.  M.  Bcrl.,  K.  Münz.  — 
Wien. 

180.  Wie  179,  nur  Vs.  ALBERT»DG  u.  s.  w.  —  A.  M.  —  Berl. 

Abb.  s.  Taf.  IV. 

181.  Wie  179,  nur  Vs.  ALBERT  D-G  (Sonne)  D-FRI-ET  SA 
—  A.  M.  Berl. 

182.  Wie  181,  nur  Vs.  ALBERT*D*G  u.  s.  w.  —  A.  M.  —  Berl. 

183.  Wie  182,  nur  Vs..  .  .ET-SA  —  A.  M.  —  Berl. 

184.  -    Wie  182,  nur  Vs.  ET  SA* 

Rs.  SAC-RO:  IM  (£)  PRIVr -630  —  Univ.  —  Rostock. 

185.  Wie  179,  nur  Vs.  ALBERT  DG  (Sonne)  D*FRI«ET  SA» 
und  Rs.. .  .PRIN  1630  —  Mus.  —  Prag-. 

186.  Wie  185,  nur  Vs.  ALBERT-D-G*  {£)  D*FRI*ET  SA  — 
Grossh.  M.  —  Schwerin. 

187.  Wie  186,  nur  Rs.  .  .  .PRIN*/Ö30  —  K.  Münz.  —  Berl, 
St.  Bibl.  —  Frankf. 

188.  Wie  179.  Vs.  ALBERT-D-G*  (Sonne)  D*FRI*ET*SA 
Rs.  SAC-RO  IM  {£)  PRIN  1030  —  K.  Münz.  —  München. 

Mit  Titel  von  Frietlland  und  Sa§:an^  so  auch  vervollständigtem 
Wappenschild.  Münzineisteraeichen:  Sonne. 

Der  Schild  von  jetzt   ab  mit   sechs  Wappen  wie  Abbildung, 
Tafel  1,  Nr.  3. 

Zehndukaten  stück. 

189.  Vs.  Brustbild  ein  wenig  nach  links.  Das  aufwärts  gestrichene 

Kopfhaar  durchbricht  den  inneren  Strichelkreis.  Sonne 
achtstrahlig.  *ALBERTVS*D«G*DVX.  (Sonne)  FRIN- 
LAN:ET-SAOA: 


494 


Adolph  Meyer;  Albrecht  von  Wallenstein  (Waldstein) 


Rs.  Der  Adler,  Köpf  nach  rechts,  in  doppelliniger,  unten  ovaler 

—  mit  zwei  Absätzen  versehener  —  Einfassung;  an  den 
Seiten  Verzierungen.  Auf  dem  Schilde  glatt  aufliegender 
Fürstenhut  mit  Hermelinverbrämung  ohne  jedwede  Ver- 
zierung; derselbe  trennt  die  Legende  und  reicht  bis  an 
den  Rand.  SACRI«R0MANI;IMPERII*PRINCEPS*/Ö29 

—  Gew.  34-9  Gr.,  Dm.  41  Mm.  Ad.  Hess.  —  Frankft. 

Wie  vorstehend  jedoch  Rs.. .  .ROMANMMPERII«  u.  s. 
w.  —  Ad.  Weyl  —  BerL,  Auctionskatalog  Nr.  55,  Nr.  617. 

Dukaten. 
Darstellung  wie  189. 

190.  Vs.  ALBER'D*G«D«  (Sonne)  FRID*ET»SAGA- 

Rs.  SAC-RO-IMPE-PRINCEPS-/629  —  Gew.  3-44  Gr.  Dm. 
22  Mm.  —  K.  Münz.  —  Berl.,  Ad.  Hess.  —  Frankft.,  K. 
Münz.  —  Wien,  Mus.  —  Prag. 

191.  Wie  190,  nur  Vs.  ALBER»D-G*D»  (Sonne)  FRIDL-ET- 
SAGA,  —  M.  Don.  —  Prag. 


Thaler. 

Darstellung  genau  wie  189. 
192.         Wahrscheinlich  von  den  Stempeln  189. 

Vs.  ^  ALBERTVS  •  D  •  G  •  DVX  •  (Sonne)  FRIDLAN :  ET  • 
SAGA: 

Rs.  SACRI-ROMANMMPERn»PRINCEPS-/ö29.  —  Gew. 
29  Gr.,  Dm.  44-5  Mm.  K.  Münz,  und  A.  M.  —  Berl,  K. 
Münz.  —  Münch.,  Grossh.  Münz.  —  Schwerin. 

Abb.  s.  Taf.  IH. 


193. 


194. 


Wie   192,  nur  Vs FRIDLAN -ET -SAGA: 

29  Gr.,  Kafka  —  Wien. 


Gewi 


Wie  192,  nur  Vs.  ^ALBERTVS «DiG:  DVX-  (Sonn^ 
ERIDLAN:ET*SAGAN:  —  Gew.  29  Gr.,  Dm.  44-5  Mi 
A.  M.  —  Berl. 


Herzog  von  Fiiedlund  und  seine  Münzen.  •»»•'i-' 


Mit  Titel  als  Herzog  von  Friedland^  Sagan  und  Mecklenburg. 
Münzmeisterzeichen :  Sonne. 

Der  Schild  mit  acht  Wappen,  (s.  Abb.,  Taf.  I,  Nr.  4). 

Z  e  h  u  d  n  k  a  t  e  11  s  t  ti  c  k  . 

1G29. 

Evers  in  seiner  Mecklenburgischen  Münzverfassung,  Theil  II, 
Seite  115,  führt  nach  Numoph.  Burchardianum  IE,  Pag.  408, 
1128  ein  Stück  dieses  Jahrganges  in  folgender  Beschreibung  auf: 

,,Vs.  Das  Brustbild  von  vorne  mit  kurzen  Haaren,  Lippen-  und 
Kinnbarte,  breitem,  aufstehenden  Kragen  und  aufgebun- 
denem Gewände  über  dem  Harnisch,  darunter  /Ö29  — 
ALBER  •  D  •  G  •  DVX  •  MEGAP  •  FRI  •  ET  SAG  •  PRIN  • 
VAMDAL»  Eine  Rose  und  unten  die  Sonne  im  Zirkel. 

Rs.  Das  mit  der  Kette  des  goldenen  Vliesses  umgebene  und 
mit  dem  Fürstenhute  bedeckte  Mecklenburg-,  Friedland- 
und  Saganische  Wappen  von  13  Feldern.  COMES  • 
SVERIN •  DOMIN— ROSTOCH* ET  STARGART-  Eine 
Rose." 

Ich  habe  dieses  Stück  nicht  ermitteln  können,  es  scheint  ähn- 
lich dem  Thalerstempel  Nr.  200  zu  sein. 

1630. 

195.  Vs.  Darstellung  wie   189.  S' ALBERT -DrG -DVX «ME  (acht- 
strahlige  Sonne)  GA*FRIDrET«SA*PR-VA- 

Rs.  Verzierter  Wappenschild  mit  eingerollten  Ansätzen  an  den 
Seiten,  und  ovalen  Einbiegungen  unten.  Der  hermelin- 
verbrämte, unverzierte  Fürstenhut  liegt  glatt  auf.  Der 
Vliessorden  trennt  unten  die  Legende.  COM«SVER«DO- 
ROS-— ET« STARGAR-  1030  —■  Gew.  34-58  Gr.,  Dm. 
45  Mm.  —  K.  Münz.  —  Berl,  Graf  Schlieffen  —  Schw., 
—  K.  Münz.  —  Wien.  Abb.,  s.  Taf.  IV. 


4yD  Adolph  Meyer;  Albrecht  von  Wallenstein  (Waldstein) 

FUnfd  ukat  eil  stück. 
1629. 

196.  Darstellung  wie  195,  nur  über  dem  Fürstenhut  der  Rs.  frei 
eine  Kugel  mit  Kreuz. 

Vs.  *  ALBERT  •D:G'DVX-M   (acbtstrahlige   Sonne)     EG- 

FRI.ET-SA-PR-V 
Rs.  COM-SVER*DO«R  —  OST -ET- STAR  •Ö29  —  Gew. 

17-2  Gr.,  Dm.  35*5  Mm.  Fürstl.  M.  —  Donau  Esch. 

Abb.,  s.  Taf.  IV. 

Dukaten. 
1629. 

197.  Darstellung  wie  196,  Vs.  Der  Stern  über  dem  Kopf. 

Vs.  ^ALBER*D:G*D:ME(Sonne)  GA:FRI:ET-SA:P:VA: 
Rs.  COM:SVER:DO:R  —   OS:ET* STAR : Ö29  —  Gew.  3-4 
Gr.,  Dm.  22-5  Mm.  K.  Münz.  —  Berl.,  Gr.  Schi.  —  Seh., 
Grossh.  M.  —  Schwerin.  Abb.  s.  Taf.  IV. 

1630. 

198.  Darstellung  wie  196,  nur  das  Brustbild  schmäler  und  der 
Kopf  bis  zum  äussersten  Rande  reichend.  Rs.  statt  der 
Kugel  ein  sechsstrahliger  Stern  über  dem  Fürstenhut. 

Vs.  ^ALBERTVS-D-G-DVX-  (siebenstrahlige  Sonne)  ME- 

GAPOL-FRIDL:*: 
Rs.  ET-SAG^-PRINC  —  VANDAL- /Ö30  -  Dm.  225  Mm. 

K.  Münz.  -  Berl.,  Gr.  Schi.  -  Seh.    Abbild,  s.  Taf.  IV. 


Thaler. 

1629. 

199.  Vs.  Brustbild  ein  wenig  nach  links,  frei  innerhalb  des  inneren 
Perlenkreises,  welcher  unten  durch  die  Sonne  mit  acht 
flammenden  Strahlen  getrennt  wird.  Unter  dem  Arm  Ab- 
schnitt 1629.  ^  ALBER- D-G-DVX-MEGAP-  (Sonne)^ 
FRI-ET-SAG-PRIN- VANDAL 


Jlerzog  von  FrietUand  und  .st.irn^  Müuzt'ii. 


497 


Rs.  Verzierter  Scbild  mit  eingerollten  Ansätzen  und  8  Wappen- 
feklern  (s.  Taf.  L,  Nr.  4);  der  aufliegende  verbrämte 
Fürstenhut  in  seinem  Obertheil  gegittert,  über  solchem 
eine  Kugel  mit  einem  Kreuz,  welches  sich  im  inneren 
Sehriftkreis  verliert.  Der  Vliessorden  an  der  Toisonkette 
durchschneidet  unten  die  innere  Kreislinie  und  trennt  die 
Legende  *  C0MES-8VERIN- DOMIN-  —  -ROSTOCH- 
ET-STARGAR-  Gew. 289 Gr., Dm. 45  Mm.  —  A.  M.  Berl, 
Grossh.  Münz.  —  Schwerin. 

200.  Wie  199,  nur  Rs.  *COMES  SVERIN-  DOMIN  —  ROS- 
TOCH-ET -ST  ARG  ART-  —  Gw.  28-9  Gr.  Dm.  45  Mm. 
A.  M.  —  Berl. 

201.  Wie  199,  nur  Rs.  *COMES- SVERIN- DOMIN-  -  ROS- 
TOCH-ET -STARGART-  K.  Münz.  —  Berl.,  Fürst.  M.  — 
Donau  E.,  Grossh.  M.  —  Schwer.  Abb.  s.  Taf.  V. 

202.  Vs.  Brustbild,    ein  wenig  nach  links,     verdrängt   oben   den 

inneren  Perlenkreis.  *ALBER:D:G-DVX-ME  (acht- 
strahlige  Sonne)  GA-FRID-ET-SAG-PR-VA- 
Rs.  Wie  199,  nur  der  obere  Theil  des  Fürstenhutes  ohne  Ver- 
zierung, darüber  ein  Punkt.  Der  Hut  wird  durch  zwei 
Stützen  schwebend  erhalten. COM :SVE: DO: KOS:  — ET- 
STARGAR: /Ö29  —  Gew.  28-9  Gr.  Dm.  45  Mm.  A.  M.  — 
Berl.,  Grossh.  M.  —  Schwerin. 

203.  Darstellung  wie  202.  Das  Brustbild  unten  frei  schwebend, 
geht  mit  dem  Scheitelhaar  oben  mehr  in  den  Legenden- 
raum, lieber  dem  Fürstenhut  der  Rs.  Kugel  mit  Kreuz. 

Vs.  ALBERTVS-D:G-DVX-   (Sonne)   MEGA-FRI-ET-SA- 

P-VA- 
Rs.  COM-SVER-DO-ROST---ET-STARGAR-/Ö29  — Gew» 

28-9  Gr.,  Dm.  45  Mm.   K.  Münz,  und  A.  M.  —  Berl. 

1630. 

204.  Wie  202.  Der  Fürstenhut  Rs.   hat  zwei  Querspangen. 

Vs.  *ALBERT-D:G-DVX-ME  (Sonne)  GA-FRID-ET-SA- 

PR-VA- 
Rs.  COM -SVER- DO -ROS-—  ET-STARGAR- 1630 — Gew. 

28*9  Gr.  Dm.  45  Mm.  Grossh.  M.  —  Schwerin. 

32 


498 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  Wallenstein  (Waldstein) 


Müiizmeisterzeichen :  M . 

Thaler. 
1629. 

205.  Vs.  Brustbild,    ein  weni^-  nach  links,   innerhalb   des  inneren 

Perlenkreises.  ^  ALBERTUS-D:Gl:DUX-FRIDLA: 
ET  SAGANAE- 
Rs.  Der  Adler,  mit  vierfeldigem  Brustschild,  auf  dem  Kopf 
eine  Krone,  welche  den  inneren  Strichelkreis  berührt  und 
verdrängt  (Taf.  I,  Nr.  3)  *SACRI:ROMA:IMPE:(k) 
PR1NCEPS-AN:/ÖZ9-  Gew.  28-6  Gr.  Dm.  44-5  Mm. 
A.  M.  —  Berl.,  Grossh.  M.  —  Schwerin. 

206.  Genau  wie  205  nur  reicht  die  Adlerkrone  der  Rs.  bis  zum 
Schriftkreis  und  lässt  solchen  sichtbar.  Vs.  Legende 
.  ..ET -SAGANAE-  K.  Münz.  —  Beri.,  Grossh.  M. — 
Schwerin.  Abb.  s.  Taf.  III. 

Diese  Stempel  von  sehr  rohem  Schnitt,  sind  um  des  M 
Willen  nach  Mecklenburg  verlegt  worden,  ich  habe  aber 
diese  Annahme  in  keiner  Weise  belegt  gefunden  und 
möchte  den  Buchstaben  M  mitHanka  für  ein  Münzmeister- 
zeichen halten,  dessen  Erklärung  noch  aussteht. 


Münzmeisterzeichen:  Zainhaken.  Mit  H.  Z.  und  I.  Z.  (Johann 

Zieszler). 

Thaler. 

1629. 

207.  Vs.  Brustbild,  ein  wenig  nach  links,  frei  innerhalb  des  Schrift- 
kreises ^^  ALBERTVS-D:G-DVX  FRIDLA:  ET -SA- 
GANAE- 
Rs.  Der  gekrönte  Adler  mit  geviertem  Wappenschilde  auf 
der  Brust  (Taf.  I,  Nr.  3)  innerhalb  des  Perlenkreises. 
Unterhalb  der  Fittige  H— Z  (Johann  Zieszler)  @SACRI: 
ROMA:IMPE:i[S)PRINCEPS-AN:/ö29  ♦^  Gew.  28-8 
Gr.  Dm.  46  —  Mm.  A.  M.  —  Berl.  Abb.  s.  Taf.  IV. 


Uerzog  von  Fritdlaud  und  seine  Münzen. 


499 


1 


Dieser  Thaler  —  eine  Erwerbung  aus  der  fürstlich 
Montenuovo'scheu  Sauimlung*  —  ist  dem  Anscheine  nach 
von  reinerem  Metall.  In  gleicher  Weise  wie  der  nächst- 
folgende Gulden  Uuicum,  dürften  diese  beiden  Stücke 
Münzproben  sein,  wofür  auch  der  ungewöhnlich  saubere 
Schnitt  spricht. 

Gnlden. 
1629. 

208.  Darstellung  wie  207  nur  Rs.  Ueber  dem  gekrönten  Adler 
freischwebend  eine  Herzogskrone,  welche  die  innere 
Kreislinie  trennt  und  den  ganzen  Legendenraum  ausfüllt. 
Unterlialb  der  Füsse  I— Z. 

Vs.  ^ALBETVS  D:G-DVX  FRIDLANDIiE  ET  SAGANiE 

Rs.  SACRI:ROMA:IMPER(SJ:PRINCEPS  ANNO  i6Z9X 
Gew.  14-4  Gr.  Dm.  39  Min.  Stempelglanz.  St.  Bibl  — 
Breslau.  Abb.  s.  Taf.  IV. 

Dieses  Stück  ist  mit  der  Sammlung  des  Rectors  Arletius 
im  Jahre  1784  in  den  Besitz  der  Stadt  Breslau  über- 
gegangen. 

mt  den  Buchstaben  O.-E.  (Gottfried  Ehrlieh). 

Zehn  dukatenstück. 
1630. 

209.  Vs.  Brustbild,  ein  wenig  nach  links  gewendet,  unten  auf  dem 

inneren  Schriftkreis  aufruhend,  welcher  oben  in  den 
obersten  Scheitelhaaren  verschwindet.  ^ALBERTVSiD: 
G :  DVX  •  M  EGAP:  FRID :  ET  •  SA  •  PR  •  VA 
Rs.  Wappenschild  (Taf.  I.,  Nr.  4)  mit  Fürsteniiut  ohne  Ver- 
zierung, umhangen  mit  der  Kette  des  Vliessordens,  der 
unten  die  Legende  trennt.  An  den  Seiten  zwischen  Schihl 
und  Kette  G— E. 

XCOM-SVER-Dü   KO  -  ET- STARGAR -/ÖjO  —  Ad. 
Hess  —  Frankfurt. 

32* 


500 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  "VYallenstein  (Waldstein) 


Fünfd  ukatenstück. 

1630. 

210.  Darstellung  wie  209  nur  das  Brustbild   der  Vs.  frei  inner- 
halb der  Kreislinie,  ohne  solche  zu  berühren. 

Vs.  *ALBERTVS:D:G:DVX:MEGAP:FEID:ET:SA:PR- 

VA 
Rs.  X  COM:SVER:DO:RO:  —  ET: STAR: GART-/ 630  - 

Gew.  17-2  Gr.  Dm.  36  Mm.  K.  Münz.  -  Berl. 

Abb.  s.  Taf.  IV. 

211.  Wie    210    nur    Vs.    *ALBERTVS-DG:DVX:MEGAP: 
FRID:ET:SA:PR  VA  Dm.  36  Mm   Hr  .^rOil— S^hwandt. 


Thal  er. 
1629. 

212.  Vs.  Brustbild,  ein  wenig  nach  links,  frei  im  inneni  Schrittkreis, 

den  es  oben,  ohne  ilin  zu  berühren,  trennt.  i§5ALBERTVS 
D:G  DVX  MEGAP:FRID  ET  SA:PR:VAN 
Rs.  Wie    209  XCOM:SVER:DO:RO    —   ET   STARGAR: 
i629  -  Gew.  29  Gr:  Dm.  455  Mm.  A.  M.  —  Berl. 

213.  Wie  212  nur 

Vs.   ...FRID:ET  SA:  u.  s.w. 

Rs.  ■.  .  .ET'StARGAR-/ö29-  Grossb.  M.  —  Schwerin. 

214.  Vs.  wie  213,  Rs.  wie  212.  —  Fürst.  M.  —Donau- 
Eschingen. 

215.  Wie  212  nur  Vs.  ®ALBERTVS  D-G-DVX  MEGAP: 
FRID  •  ET  SA : PRI-  VAN  —  Gr.  Schlieffen   -  Schwandt. 

216.  Darstellung  wie  212  nur  ist  die  innere  Kreislinie  der  Vs. 
oben  vollständig  und  das  Scheitelhaar  innerhalb  derselben. 
®ALBERTVS  D:G:DVX  MEGAP:FRID  ET  SA: PRI: 
VAN  —  Dm.  46  Mm.  K.  Münz.  —  Berl. 

217.  Wie  216  nur  Rs.  XCOM:SVER  DO:RO  —  ET  STAR- 
GAR:/ÖZ9  —  Gew.  28-31  Gr.  Dm.  46  Mm.  Univers.  — 
Rostock. 


Herzog  von  Friedlaiul  und  seine  Münzen. 


501 


Klippe  von  Guldenstempelii. 

218.  Darstellung-  wie  210.  Der  Kopf  reicht   bis  in  die  Legende 
hinein. 

Vs.  :.VALBER-D:G-DVX-MEG-FRI-ET-8A-PR  VA- 
Rs.  XCOM-SVER-DO  —  •R0S-ET-8TA-/630  —  Gew. 
14-50  Gr.  Dm.  35—35  Mm.  K.  Münz,  und  A.  M.  -  Berl, 
Grossh.  Münz.  —  Schwerin.  Abb.  s.  Taf.  V. 

Evers  Seite  122  erwähnt  einer  Halbguldenklippe,  die  im 
Grossherzogl.MlIiizkabinet  zu  Schwerin  liegen  soll ;  daselbst 
erliegt  aber  nur  vorstehende  Guldenstempel-Klippe. 

Münzmeisterzeiclien ;  Doppelzaiiihaken  ohne  Buchstaben. 

Thaler. 
1630. 

219.  Vs.  Brustbild  ein  wenig  nach  links,  schmäler  und  mit  höherem 

Kopf  als  die  bisher  beschriebenen,  Der  Kopf  trennt  die 
Legende  und  über  solchem  eine  arabeskeujirtige  Verzie- 
rung, mit  einerfünf  blättrigen  Rosette  in  der  Mitte.  ALBERT* 
D-G-DVX-MEGA(;i;)FRID-ET  SAG-PR  VAN 
Rs.  Wappenschild  (Taf.  L,  Nr.  4)  unten  oval,  behängt  mit  der 
Kette  des  goldenen  Vliesses,  an  welcher  die  Feuerstrahlen 
besonders  deutlich  sind.  Der  Orden  trennt  unten  die  Le- 
gende. Oben  der  glatt  aufliegende  unverzierte  Ftirstenhut, 
über  diesen  die  Verzierung,  wie  auf  der  Vorderseite. 
C0M2SVE:D0:R0S:  —  ET- STARGAR  :/ö30  —  Gew. 
29  Gr.  Dm.  45  Mm.  K.  Münz,  und  A.  M.  —  Berl,  K.Münz. 
Wien.  Abb.  s.  Taf.  V. 

220.  Vs.  Wie  219  nur  FRID  ET  u.  s.  w. 

Rs.  Der  Schild  unten  oval  mit  zwei  Eiubieguni;eu,  an  den 
Seiten  griffartige  Ansätze.  Die  Ordenskette  ohne  Feuer- 
strahlen. Der  mit  zwei  Querspangen  besetzte  FUrstenhut 
wird  durch  zwei  schräge  Stützen  schwebend  über  dem 
Schilde  erhalten.  COM-SVER-DO-ROS-  —  ET-STAR- 
GAR- /Ö30  —  Gew.  28-1  Gr.  —  Dm.  45-5  Mm.  K.  Münz, 
und  A.  M.  —  Berl. 


502 
221. 


Vs. 
Rs. 


Vs. 


Rs. 


122.  Vs. 
Rs. 


223. 


224. 


225. 


Vs. 
Rs. 


Vs. 
Rs. 


226. 

Vs. 

Rs. 

227. 

Vs 

Rs. 

Adolph  Meyer:  Albrecht  von  Wallenstein  ^Waldstein) 

Wie  220  nur 

ALBERT -D-G-DVX-MEGA    (X^    F.RID-ET    SAG-PR 

VAN 

C0M:8VER-  u.  s.  w.  wie  220.  Gew.  28-9  Gr.  Dm.  44  Mm. 

K.  Münz.  —  Dresden,  Grossh.  M.  —  Schwerin. 

Münzzeichen:  Grabsticliel  und  S. 

Gros  eben. 

1629. 

Breites  Brustbild,  ein  wenig  naeb  links;  der  Kopf  durch- 
sebneidet  die  innere  Kreislinie  und  trennt  die  Legende, 
über  solchem  ein  Grabstichel. 

Der  Adler  mit  Wappen  (Abbild.  L,  Nr.  4)  innerhalb  der 
inneren  Kreislinie.  Der  Fürstenhut  im  Schriftraum  ver- 
drängt die  innere  Kreislinie.  Gew.  1*5 — 1-6  Gr.,  Dm. 
20—21  Mm. 

ALBERTVS  D:G  (£)  DVX  FRI-.ET  SA/* 
SArRJ.RO   IMP   rs,    PlUXrEP    /6Z9   A.   M.  —  BerL 

Abb.  s.  Taf.  IV. 

Wie  222  kleine  Rosette  über  dem  Kopf  und 

ET  SA: 

...RO-IMP    u.  s.  w.   —   A.  M.  —  BerL,  K.  Münz. — 

München. 

Wie  223  nur 

...DVXFRI-ETSA: 

SACRI-RO  TMP-  (S)  PRINCEP- /6Z9  Mus.  —  Prag. 

Wie  223  nur  Rs PRINCEP-  K.  Münz.  —  BerL,  Mus.  — 

Prag. 

Wie  222nur  ...FRI-ET  SA 

Wie  224.  —  St.  Bibl.  —  Frankft. 

üeber  dem  Kopf  ein  Punkt.  ALBERTVS  D:G  (£)  DVX 

FRI:ET  SA 

SACRI-RO: IMP  (S)  PRINCEPS  16Z9  A.  M.  —  BerL 


Herzog  von  Friedland  und  seine  Münzen. 


503 


228.  Wie  227, 
Vs.   ...ET  SA: 

Rs.   .  .  .ROxIMP-  (S)  PRINCEPS-  /ÖZ9  —  A.  M.  —  Berl. 

229.  Vs.  Ueber  dem  Kopf  eine  kleine  Rosette  und 
Rs.   .  .  .IMP  (S)  sonst  wie  228.  A.  M.  —  Berl. 

230.  Wie  229  nur  Rs.  . .  .IMP:  (8)  —  A.  M.  —  Berl. 

231.  Vs.  Grosse  Rosette  über  dem  Kopf.  ALBERTVS  D-G  {£)  DVX 

FRID  ET  SA: 
Rs.  SACRI  RO:IMP  (S)  PRINCEPS -/öZp  A.  M.  —  Berl. 

232.  Wie  231. 

Vs.   .  .  .D:G  {£)  DV-X  FRID:ET  SA- 
Rs.  SACRI:RO:  ii.  s.  w.  A.  M.  —  Berl. 

233.  Wie  227  nur  Rs.  .  .  .RO:IMP:  (S)  u.  s.  w.  Abschlag  in 

Blei.  Univ.  —  Rostock. 

234.  Wie  227  nur  Vs DVX  FRI  ET  SA  undRs.  SACRI:RO: 

u.  s.  w.  K.  Münz.  —  Berl. 


235. 

Wie    223    nur   Rs. 
Schwerin. 

...PRINCEP-/ÖZ9    Grossh.   M.   — 

236. 

Wie  223  nur  Rs.  .  . 

.IMP-E.  Miksch  — Prag. 

237. 

Wie  223. 

Vs.  Ein  kleines  Kreuz  über  dem  Kopfe. 

Rs.  SACRI -RO- IMP  (S)- PRINCEPS- /ÖZ9  E.  Miksch  — Prag. 

1630. 

Vs.  Brustbild  wie  beim  Jahrgang  1629,  über  dem  Kopf  rechts  zu 
Ende  der  Legende  ein  Grabstichel. 

Rs.  Drei  Wappcnschilde  spanischer  Form  im  Kleeblatt  nach  aussen 
gestellt,  in  der  Mitte  ein  Punkt.  Der  Vliessorden  umgiebt  die- 
selben und  trennt  die  Legende,  ebenso  oben  der  Herzogshut. 
Unter  dem  Fürstenhut  das  Mecklenburgische  Wappen,  rechts 
und  links  davon  arabeskenartige  Verzierung,  links  der  fried- 
ländische  Adler,  rechts  das  Wappen  von  Sagan-Flinsberg; 
zwischen  den  beidenletzteren  Wappensehilden  S  im  Halbkreise  S. 


504 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  Wallcnstein  fWaldstein) 


Die  Stempelverschiedenheiten  dieses  Jahrganges  sind  so  viel- 
fach, dass  ich  mich  auf  Wiedergabe  der  folgenden  beschränke, 
deren  Legende  tadellos  lesbar  ist. 


238.  Vs.  ALBER  DG-DVX  {£)  MEG  FR-ET-SA/* 

Rs.  C0M-8VER-D0-  —  R08  ET  ST-/Ö30  A.  M. 


Berl. 


239.  Vs.  Ueber  dem  Kopf  ein  Punkt.  ALBER- DG  DVX  u.  s.  w. 
Rs.  .  .  .R0S-ET-ST-irÖ50  wie  238  —  A.  M.  —  Berl. 

240.  Wie  239. 

Vs.  ALBER-D:G  DVX  {£)  MEG -FR -ET -SA/* 
Rs.  COM-SVER-DO:  —  R0S-ET-ST-/Ö30   A.  M.  —  Berl. 

Abb.  s.  Taf  VL 


241. 
242. 


Wie  239.  Vs.  ALBER-D: G-DVX  u.  s.  w.  A.  M. 


Berl. 


Wie  238. 
Vs.  Ueber  dem  Kopf  eine  vierblättrige  Rosette  ALBER -DG 

DVX  (£)  MEG-FRI-ET.SA 
Rs.  COM  8VER-D0  —  ROS  ET-8T  t650  A.  M.  —  Berl. 


243.  Wie  242. 

Vs.  ALBER- D:G-  u.  s.  w. 
Rs.  COM-SVER  DO:  —  ROS  ET  -  ST  •/Ö30 
Univ.  —  Rostock. 


:\rus. 


Prag. 


244.  Wie  243,  nur  Rs.  COM-SVER-DO:  —  ROS -ET -8^-/630 

K.  Münz.  —  Dresd.,  E.  M.  —  Prag,  Univ.  —  Rostock. 


245.  Wie  243  nur 

Vs.   ...FRI-ET  SA- 
RS. COM-SVER-DO 


ROS -ET- ST  •/Ö30  E.  M.  —  Prag. 


246.  Vs.  ALBER  D-G-DVX  (£)  MEG-FRI-ET-8A 

Rs.  COM-SVER-DO:  —  ROS  ET -ST  1650  Grossh.  M.  — 
Schwerin. 

247.  Wie  244  am  Schluss  der  Legende  der  \  s.  »J*  Gebr.  E.  — 
Dresden. 


Herzog  von  Friedland  und  seine  Münzen. 


505 


248.  Vs.  ALBER  DG  DVX  {£)  MEG  FRI  gs,  SA- 

Rs.  COM-SVER-DO  —  R0S-ET-ST-/Ö30-    K.  Münz.  — 
Berl. 

249.  Vs.  ALBER-DG-DVX  {£)  MEG. FR  ET-SA 

Rs.  COM-SVER-DO-  —  ROS-ET  ST- 1650  Flirstenb.  Münz. 
—  Doiiau-Escbingeu. 

250.  Vs.  ALBE  DG  DVX  (£)  MEG  FR  ET  SA 
Rs.  Wie  246.  A.  M.  —  Berl. 

251.  Vs.  ALBE-D:G-DVX  {£)  MEG-FR  ET  SA- 
Rs.  Wie  244.  E.  M.  —  Prag. 

163L 

Darstellung  genau  wie  238 — 251   von  Jahrgang  1630. 

252.  Vs.  ALBE-D:G-DVX  (£)  MEG-FRI  cJ  SA- 

Rs.  COM-SVER-DO:  — R0S-ET-ST-/Ö3/-  A.  M.  —  Berl. 

253.  Wie  252,  nur  Rs.  . .  .DO-  u.  s.  w.  K.  Münz.  —  Wien. 

254.  Wie  252,  nur  Vs.  . .  .DVX-  (£)  u.  s.  w.  K.  Münz.  —  Wien. 

255.  Wie  254  nur 

Vs.   .  ..FRI  gJ-SA-  und 

Rs.  COM-SVER-DO  —  -ROS  -  ET- ST -/Ö3/ Univ.— Rostock. 

256.  Vs.  ALBER  D  G  DVX  {£)  MEG  FR -ET  SA 

Rs.  COM-SVER-DO:  -  R0S-ET-ST-/Ö3/  -  Gr.  Seh.  - 
Seh  wandt. 

^57.  Vs.  ALBER-D-G-DVX  (2)  MEG-FR-ET-SA- 

Rs.  COM-SVER-DO-  —  ROS-ET -ST- /Ö3/  Univ.  —  Rostok. 

258.  Vs.  ALBER-  D-G-DVX  (£)  MEG-FRI  cj  SA 

Rs.  COM-SVER-DO:  u.  s.  w.  wie  257.  Univ.  —  Rostock. 

259.  Vs.  -ALHER-D  G-DVX  (£)-MEG-FRI-  ^SA- 
RS. Wie  258.  —  K.  Münz.  —  I^erl. 

260.  Wie  259  nur  Rs.  .  .  .DO  —  ROS-  u.  s.  w.  —  K.  Münz.  — 

Wien. 


506 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  Wallenstelu  (Waldstein) 


261.  Vs.  Ueber  dem  Kopf  ein  Punkt.  ALBER- D-CT-DyX(£)MECT 

FRI-ET-SA 

Rs.  COM  •  8VER  •  DO  •    -   ROS  s  ET  ST  töol  —  Univ.  - 
Rostock. 

262.  Wie  261  nur 

Vs.   . .  .D:G-  u.  s.  w.  und 

Rs.   .  .  .DO:  —  Gebr.  E.  —  Dresden. 

Münzzeichen:  Arm  eine  Kugel  emporlialtend. 


Groschen. 

1630. 

Vs.  Brustbild  mit  schmalem  Kopf  nach  links.  Das  Haar  durch- 
schneidet oben  den  inneren  Schriftkrei^.  Unten  wird  die 
Legende  durch  das  einem  Kreise  eingeschriebene  Mtinz- 
meisterzeichen  getrennt,  welches  den  Schriftkreis  durch- 
schneidet. 

Rs.  Der  gekrönte  Adler  nach  rechts,  auf  der  Brust  in  einem 
sogenannten  spanischen  gevierten  Schilde  die  vier  Wald- 
stein'schen  Löwen  —  s.  Taf.  I,  Nr.  1  —  bedeckt  mit  dem 
hermelinverbrämten  unverzierten  FUrstenlmt. 

263.  Vs.  Ueber  dem  Kopf  ein  kleiner  Punkt.  ALBERT-D-G  -  D 

FRI-ET  SA- 
RS. Ueber  demFlirstenhut  sechsblättrige  Rosette  mit  Verzierung 
zu  beiden  Seiten.  SAC.ROIM  [£)  PRIN  1650  _  A.  M.  — 
Berl. 

264.  Vs.  Ueber  dem  Kopf  ein  grosser  Punkt.  Legendenschrift  klein 

und  dünn.  ALBERT-D-G  —  D- FRI-ET -SA 

Rs.  Ueber  dem  Fürstenhut  ein  fiinfstrahliger  Stern  SAC-RO  IM 
(£)  PRIN  1650  —  A.  M.  —  Berl. 

265.  Wie  264  nur  dickere  und  grössere  Sclirift  und  Vs.  ALBERT 
D.G  —  D  FRI.ET  SA  —  A.  M.  —  BerL 


Herzog  von  Friedland  und  seine  Niinzen. 


507 


266.  Vs.  Wie  1^64  nur  fünfblättiige  Eosette  über  dem  Kopf. 

Rs.  Arabeskenartige  Verzierung  über  dem  Fürstenhut.  SAG 
RO  IM  (£)  PEIN- 1650  —  A.  M.  —  Berl. 

267.  Vs.  Fünfblättrige     Rosette    zwischen    arabeskenartiger   Ver- 

zierung. ALBERT-D-a-  —  D-FRI  ET -SA 
Rs.  SAC.RO  IM  (£)  PRIN- /Ö30  —  A.  M.  —  Berl. 

268.  Wie  267  nur  Vs.  ..  .D-FRI -ET -SA  —  K.  Münz.  —  Wien. 

269.  Wie  268  nur  Vs.  .  .  .ET  SA  und  fünf  blättriger  Stern.  — 
E.  M.  —  Prag. 

270.  Wie  268  nur  Vs.  .  .  .ET-SA-  —  E.  M.  —  Prag. 

Münzzeiclien :  Wachsender  Löwe. 

Z  e  h  n  d  uk  a  t  e  n  s  t  ü  c  k. 
1631. 

271.  Vs.  Brustbild    ein   wenig   nach    links    mit    umgeschlagenem 

Spitzenkragen.  Der  Kopf  reicht  in  den  Legendenkreis 
hinein^  darüber  eine  fünfblättrige  Rosette  mit  Verzierungen 
welche  den  Schriftkreis  trennt.  Unten  unterbricht  ein 
wachsender  Löwe  nach  rechts  in  einem  Kreise  die  Le- 
gende. ALBERT- D-G  DVX-MEGA  —  FRID-ET-SAG- 
PR-VAN- 
Rs.  Im  un  verzierten,  unten  halbrunden  Schilde  Wappen,  Taf.  L 
Nr.  4,  darüber  der  unverzierte,  hermelinverbrämte  Fürsten- 
hut, über  solchem  eine  fünfblättrige  Rosette  mit  Verzie- 
rungen. Den  Schild  umgibt  die  Kette  des  goldenen  Vliesses, 
derOrden  trennt  unten  die  Legende.  COM:SVE:DO:ROS: 
—  ET- STARGAR :/ö3/  —  Gew.  34-5  Gr.,  Dm.  45  Mm. 
Grossh.  M.  —  Schwerin. 

272.  Wie  271  nur  Vs.  ALBERT -D-G-DVX-MEGA  —  FRID- 
ET-SAG-PR-VAN  —  Gew.  34-50  Gr.  Dm.  45-5  Mm. 
Gr.  Seh.  —  Schwandt,  K.  Münz.  —  Wien. 

Abb.  s.  Taf.  V. 


508 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  Wallenstein  (Waldstein) 

Füiifd  11  kateu  stück. 
Darstellung  wie  271  mit  heruntergeschlungenem  Spitzenkragen. 


1631. 

273.  Vs.  ALBERT- D-G-DVX-MEG 
VAN- 


A-FRID-ET-SAG-PR- 
Dm. 


Rs.  COM:SVE:DO:ROS:ET  —  STARGAR:/63/ ^ 
35  Mui.  St.  Bibl.  —  Mainz,  v.  S.  —  Lorzendorf. 

1633. 

274.  Vs.  ALHERT-D-G-DVX-MEGA     —    FRID-ET-SAG-PR- 
VAN 
Rs.  COM-SVE-DO:ROS   -   ET- STARGAR -/Ö55  ~  Gew. 
17-35  Gr.  Dm.  35  Mm.  Grossh.  M.  —  Schwerin. 


Zweidukatens  tu  ck. 

1631. 

275.  Vs.  Brustbild,  ein  wenig  nach  links  mit  hoch  abstehendem 
Halskragen.  Das  Scheitelhaar  durchschneidet  den  inneren 
Perlenkreis  und  reicht  ein  wenig  in  den  Legendenkreis; 
über  dem  Kopf  eine  fünfblättrige  Rosette,  welche  die  Le- 
gende trennt.  Unten  der  wachsende  Löwe  im  Zirkel,  wie 
auf  271.  ALBERTVS-D-G  DVX  —  MEGAPOL-FRIDL 
Rs.  Darstellung  genau  wie  271.  ET-SAGJE-PRINC-  —  VAN- 
DAL-/63/-  — Gew.  &S  Gr.  Dm.  25  Mm.  Gr.  Seh. — 
Schwandt,  Grossh.  M.  —  Schwerin.      Abbild,  s.  Taf.  V. 


163 


o. 


276.  Vs.  Brustbild  wie  275  mit  breitem,  heruntergeschlagenem 
Spitzenkragen.  Das  Scheitelhaar  berührt  die  innere  Kreis- 
linie. Die  Legende  wird  oben  durch  eine  fünf  blättrige  Ro- 
sette mit  arabeskenartigen  Verzierungen,  unten  durch  den 
wachsenden  Löwen  im  Zirkel  unterbrochen.  —  ALBER- 
TVS-D-G-DVX  -  MEGAPOL-FRIDL 
Rs.  Wie  271.  ET-SAG^-PRINC  —  VANDAL -/633  -  Gew. 
6-9  und  6  Gr.  Dm.  28  Mm.  K.  Münz.  —  Berl.,  Univ.  Rost. 


f 


Herzog  von  Friedland  und  seine  Münzen. 


50^ 


277.  Wie  276  nur  Vs.  ALBERTVS-D-G-DVX-  -  MEGAPOL- 
FRIDL-  Grossh.  M.  —  Scliwerin. 

1634. 

278.  Darstellung  wie  276- 

Vs.  ALBERTVS-D:G-DVX-  — MEGAPO:FRIDLAN: 
Rs.  ET  •  SAGAE  •  PRINC  :  —  VANDALOR  :  IÖ34  •  —  Gew. 
6-9  Gr.,  Dm.  28  Mm.  -  Grossh.  M.  —  Schwer.,  K.  MUnz. 

—  Wien. 

279.  Wie  278,  nur  Vs.  ALBERTVS-D:G:DVX-  ~  u.  s.  w.  — 
Gew.  6-9  Gr.,  Dm.  28  Mm.  —  Univ.  —  Rostock. 

Evers  in  seiner  mecklenburgischen  Münzverfassung  II,  117 
erwähnt  nach  Aepinus  95,  Seite  59  eines  Dreidukatenstückes  mit 
vorstehender  Legende;  ich  habe  solches  nicht  ermitteln  können. 

Dukaten. 
1631. 

280.  Vs.  Brustbild  ein  wenig  nach  links  mit  heruntergeschlagenem 

Spitzenkragen ;  der  Kopf  reicht  bis  zum  Rand  und  trennt 
die  Legende.  Unten  wachsender  Löwe  im  Zirkel.  ALBER- 
TVS-D-G-DVX—MEGAPOL -FRIDL  ^ 
Rs.  Wie271.  ET-SAG^-PRINC-  — VANDAL-IÖ3I-  — Gew. 
3-49  Gr.,  Dm.  22  Mm.  —  K.  Münz,  und  v.  P.  —  Berl., 
Fürst.  M.  —  Donau-Esch.,  Univ.  —  Rostock,  G.  Seh.  — 
Seh  wandt,  Grossh.  M.  —  Schwerin.        Abb.  s.  Taf.  VI. 

281.  Wie  280,  nur  Vs.  zu  Beginn  und  Schluss  der  Legende 
ein  sechsstrahliger  Stern.  :<c  ALBERTVS-D-G-DVX - 
MEGAPOL- FRIDL •  -  Gew.  3-43  Gr.,  Dm.  22  Mm. — 
K.Münz.-  Berl.,  Univ.  —  Rostock.  Gr.  Soli.  —  Schwandt, 
Grossh.  M.  —  Schwerin. 

282.  Vs.  Kleineres  Brustbild,   ein  wenig  nach  links  mit  hochabste- 

hendem   Halskragen.    Ueher    dem    Kopf    fUnfblättrige 
Rosette.  Unten  wachsender  Löwe  im  Zirkel.  ALBERTVS- 
D-G-DVX  -  MEGAPOL -FRIDL 
Rs.  Wie  280.  -  Dm.  22  Mn^.  —  Gebr.  E.  —  Dresd.,  St.  Bibl. 

—  Frankf.,  G.  Seh.  —  Schwandt.  Abb.  s.  Taf.  VL 


510 


Adolph  Meyar:  Albrecht  von  Wallcnsteiu  (Waldstein) 


283.  Vs.  Brustbild  ähnlich  282,  reicht  nur  bis   zur  inneren  Kreis- 

linie mit  herabgeschlagenem  Halskragen.  Ueber  dem  Kopf 
die  Legenden  trennend^  eine  fünfblättrige  Rosette  am 
Blumenstengel.  Legende  wie  280,  ohne  den  Stern  am 
Schluss  der  Vs.  —  Gr.  Seh.  —  Schwandt. 

Abb.  s.  Taf.  VI. 

284.  Vs.  Wie  282. 

Rs.  ET •  SAGAE •  PRINC •  —  VANDAL •  IÖ3I-  —  Gew. 342 Gr., 
Dm.  22  Mm.  —  K.  Münz.  —  Berl.,  Univ.  —  Rost.,  Grossh. 
M.  —  Schwer. 

1633. 

285.  Vs.  Brustbild  ein  wenig  nach  links  mit  heruntergeschlagenem 
Spitzenkragen.  Das  Scheitelhaar  verdrängt  die  innere 
Kreislinie,  über  solchem  eiue  fünfblättrige  Rosette  mit 
arabeskenartiger  Verzierung.  Unten  wachsender  Löwe  im 
Zirkel.    ALBERTVS-D-G-DVX   -   MEGAPOL-FRIDL 

Rs.  Wie  271,  jedoch  die  fünfblättrige  Rosette  über  dem  Fllr- 
stenhute  ohne  seitliche  Verzierungen.  ET -SAGiE« PRINC 
-  VANDAL  •IÖ33-  —  Gew.  3-40  Gr.,  Dm.  22  Mm.  — 
Gr.  Seh.  —  Schwandt,  Grossh.  M.  —  Schwer. 


I 


286.  Wie  285. 

Vs.  ALBERTVS.D:G-DVX  —  MEGArOiERIDLA- 
Rs.  ET- SAG^- PRINC:    -    VANDALOR  •  l633    —    Gew. 
3-50  Gr.,  Dm.  22  Mm.  —  K.  Münz.  —  Dresd. 

1634. 

287.  Vs.  Brustbild.ALBERTVS-D:G:DVX-MEGAPO:FRIDLA: 
Rs.  Wappen  wie  Taf.  I,  Nr.  4.  ET -SAGAE- PRINC-  -  VAN- 

DAL0R:IÖ34  —  Gew.  3-45  Gr.,  Dm.  22  Mm.  —  Grossh. 
M.  —  Schwerin. 


288. 


Dickthaler. 

1632. 

Von  gleichen  Stempeln  wie  der  Thaler  Nr.  299. 
Lorzendorf. 


-  v.S. 


I 


Herzoir  von  Friedland  und  seine  Münzen. 


511 


Thaler. 


Vs.  Brustbild  ein  wenig  nach  links.  Das  Kopfhaar  durch- 
schneidet den  inneren  Perlenkreis,  lieber  dem  Kopfe 
trennt  eine  fünfblättrige  Rosette  mit  arabeskenartigen 
Verzierungen  die  Legende;  unten  der  wachsende  Löwe 
nach  rechts  im  Zirkel. 

Rs.  Spanischer  Schild  (Taf.  I,  Nr.  4)  behängt  mit  der  Toison- 
kette,  das  Vliess  trennt  unten  die  Legende,  lieber  dem 
Schild  der  hermelinverbrämte  Fürstenhut  ohne  Verzierung 
und  eine  fünfblättrige  Rosette  mit  Arabesken,  ähnlich 
der  Vs. 

1631. 

289.  Vs.  ALBERT-D-G-DVX-MEG    -   A-FRID-ET-SAG-PR- 

VAN\ 
Rs.  COM:SVE:DO:ROS  —  :ET-STARGAR:/Ö3/   —  Gew. 
28-8  Gr.,  Dm.  45  Mm.   —   K.  Münz,  und  A.  M.  ~  Berl., 
Grossh.  M.  —  Schwerin. 

290.  Wie  289,  nur  Rs.  COM:SVE:DO:ROS:  —  ET  •  STAR - 
GAR:/Ö3/  -  Gew.  29  Gr.,  Dm.  45  Mm.  —  K.  Münz,  und 
A.  M.  —  BerL,  Fürst.  M.  —  Donau-Esch.,  Grossh.  M.  - 
Schwerin.  Abb.  s.  Taf.  VI. 

29 1 .  Wie  290,  nur  Vs.  ALBERT  •  D  •  G  •  D VX  •  MEGA  —  FRID  • 
ET-SAG-PR-VAN  -  Gew.  29-1  Gr.,  Dm.  44-5  Mm.  — 
K.  Münz,  und  A.  M.  —  Berl.,  K.  Münz.  —  Wien. 

292.  Wie  291,  nur  Rs.  der  Fürstenhut  liegt  flach  auf  dem 
Schilde  und  zwischen  ROS:  und  dem  Orden  nur  0-5  Mm. 
Zwischenraum,  während  solcher  bei  290  3  Mm.  beträgt. 
—  Gew.  29  Gr.,  Dm.  44-5  Mm.  —  A.  M.  —  Berl. 

1632. 

293.  Vs.  Wie  291. 

Rs.  COM-SVE-DO:ROS  —  ET- STARGAR :/ö3Z  -  Gew. 
29-1  Gr..  Dm.  44  Mm.  -  A.  M.  —  Berl.,  V.  f.  M.  G.  - 
Schwerin. 


I 


512 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  "VV alienstein  ("SYaldstein) 


294.  Vs.  Wie  291. 

Rs.  CO.^:SVE:DO  R08  -  : ET- STARGAR :i63Z  -  Gew. 
28-85  Gr.,  Dm.  45  Mm.  -  A.  M.  —  Berl.,  Grossli.  M.  - 
Schwerin. 

295.  Wie  294,  nur  reicht  auf  der  Vs.  der  Kopf  weiter  in  den 
Legendenkreis  hinein,  so  dass  die  Verzierungen  an  der 
linken  Seite  der  Rosette  schief  stehen.  —  Gew.  29*05  Gr., 
Dm.  47  Mm.  —  Univ.  —  Rostock. 

296..  Wie  294,  nurRs.  COM:SVE:DO  ROS  —  : ET- STARGAR: 
/Ö3^  —  Gew.  28-88  Gr.,  Dm.  44  Mm.  -  Univ.  —  Rostock. 

297.  Wie  291,  nur  berührt  das  Brustbild  der  Vs.  den  inneren 
Schriftkreis,  über  dem  Kopfe  —  die  Legende  trennend  — 
eine  fünf  blättrige  Rosette  an  einer  nach  rechts  gehenden 
zweigartigen  x4rabeske.  Der  wachsende  Löwe  in  einem 
geperlten  Kreise. 

Rs.  COM:SVE:DO:ROS  -  ET- STARGAR :/ö3Z  —  Gew. 
28-95  Gr.,  Dm.  45  Mm.  -  A.  M.  —  Berl,  Grossh.  M.  mid 
V.  f.  V.  G.  —  Sf'li worin. 

298.  Wie  21)1,  nurlis.  CüM:SVi::Dü:KOS  —  ET-S'IAUGAR: 
1165^  —  Gew.  29-30  Gr.,  Dm.  4:'.  Min.  -  A.  M.  -  Berl., 
Grossh.  M.  —  Schwerin. 

299.  Wie291,  nurRs.  COM :  S  VE :  DO :  ROS -:  ET -STARGAR: 
/Ö3^  —  Gew.  28-75  Gr.,  Dm.  445  Mm.  -  A.  M.  -  Berl. 


1633. 

300.  Vs.  Brustbild  wie  297,  die  Legende  trennt  oben  eine  fünf- 
blättrige Rosette  ohne  Verzierung,  unten  der  wachsende 
Löwe  im  einfachenKreise.^ALBERT-D-G-DVX  MEGA 
(wachsender  Löwe)  FRID-ET-SAG-PR-VAN 

Rs.  Mit  der  Toisonkette  behängter  Schild  (Taf.  I,  Nr.  4), 
darüber  der  mit  Hermelin  verbrämte,  in  der  Mitte  lief  ein- 
gebogene  Fürstenhut,    über   solchem    eine   fünfblättrige 


Herzog  von  Fricdland  und  seine  Münzen. 


513 


Rosette  mit  arabeskenartigen  Verzierungen.  COM-SVE* 
D0:R08  -  ET  STAI^GAR:/Ö33  -  Gew.  29-18  Gr., 
Dm.  45  Mm.  —  K.  Münz,  und  A.  M.  —  Berl.,  Univ.  — 
Rostock. 

301.  Wie  300,  nur  Vs.  . .  .ET-SAG-PR-VAN  und  Rs.  . .  .ET- 
STARGAR: /Ö33  —  Gew.  29-1  Gr.  und  29-5  Gr.,  Dm. 
44  Mm.  —  2  Varianten  Grossh.  M.  —  Schwerin. 

Gulden. 
1631. 

302.  Vs.  Brustbild,  Rosette  und  Einfassung  des  Löwen  wie  297. 

ALBERT-D-G-DVX-MEG  —  A-FRID-ET-SAG-PR- 
VAN 
Rs.  Wie  290.  COM :  SVE :  DO  :  ROS  :  ET  -  •  STARGAR: 
i65i^  —  Gew.  14-4  Gr.,  Dm.  35  Mm.  —  K.  Münz.  — 
Berl.,  Univ.  —  Rostock,  Grossh.  M.  —  Schwerin.  —  Als 
Klippe  im  Gew.  von  1  Va  Thalern  in  Berliner  Privatbesitz. 

1632. 

303.  Darstellung  wie  300,  nur  ist  der  Fürstenhut,  Rs.,  weniger 
tief  in  der  Mitte  eingebogen. 

Vs.  ALBERT-D-G-DVX-MEG  —   A-FRID-ET-SAG-PR- 

VAN 

Rs.  COM: SVE: ROS: ET-    —    STARGAR  :  IÖ3Z  -    —    Gew. 
14-6  Gr.,  Dm.  35  Mm.  _  A.  M.  -  Berl. 

304.  Wie  303,  nur  Vs.,  das  Scheitelhaar  durchschneidet  die 
innere  Kreislinie  und  trennt  die  Legende ;  über  dem  Kopfe 
fünfblättrige  Rosette  mit  beiderseitigen  Verzierungen.  — 
K.  Münz.  -  Berl. 

305.  Wie  303.  Das  Scheitelhaar  reicht  nicht  soweit  in  den 
Legendenkreis.  Ueber  dem  Kopfe  arabeskenartige  Ver- 
zierung. 


öl4  Adolph  Meyer:  Albrecht  von  "Wallensteiu  (Waldstein) 

Vs.  ALBERT -D-G-DVX    MEGA    -    FRID-ET-SAG-PR- 

VAN 
Rs.  COM:S\E:DO:ROS:  — ET-STARGAR:/Ö3Z  -  Gew. 

14-3  Gr.,  Dm.  34-8  Mm.  —  K.  Münz.  —  Wien. 

1633. 

306.  Vs.  Brustbild  innerhalb    der   Kreislinie   mit  hohem  Kragen. 

ALBERT-D-G-DVX-MEG   —   A-FRID-ET-SAG-PR- 
VAN* 
Rs.  Wie  300,  jedoch  ohne  Verzierungen  zu  Seiten  der  ftinf- 
blättrigenRosette.  C0M-SVE-D0:R08-ET  STARGAR: 
IÖ33  —  Gew.  14-65  Gr.,  Dm.  35-5  Mm.  _  A.  M.  —  Berl. 

307.  Darstellung  wie  297,  nur  durchschneidet  das  Scheitelhaar 
des  Brustbildes  die  innere  Kreislinie  und  reicht  ein  wenig 
in  den  Legendeuraum  hinein,  der  erste  Buchstabe  der 
Legende  über  solchem. 

Vs.  ALBERT -D-G-DVX-MEGA  -  FRID-ET-SAG-PR- 
VAN 

Rs.  COM*SVE:DO:ROS  —  ET* STARGAR :IÖ33  —  Gew. 
14-55  Gr.,  Dm.  35  Mm.  —  A.  M.  —  Berl.,  Grossh.  M.  - 
Schwerin.  Abb.  s.  Taf.  VI. 


308. 


Klippe  vom  Halbgulden. 

1633. 

Von   den    Stempeln   Nr.    311.   —    Gew.    14-2  Gr. 
32—32  Mm.  —  J.  Sp.  —  Wien. 


Dm. 


Halbgulden. 

1631. 

309.  Vs.  Brustbild  von  vorne,  ein  wenig  nach  links,  reicht  in  den 
Legendenkreis  hinein,  mit  hohem  Kragen,  jedoch  stehen 
die  Anfangs-  und  Schlussbuchstaben  der  Legende  über 
solchem;  über  dem  Kopfe  eine  fünf  blättrige  Rosette. 
ALBERTVS-D-G-DVX  —  MEGAPOL  •  FRn)L 


Herzog  von  Friedlaiul  und  iseiiu-  Miinzi-n.  ölö 

Ks.  Wie  300,  nur  bildet  der  Fürsteniiut  oben  eine  gerade 
Linie.  ET-SAG^E-PIUNC-  —  VANDAL-IÖ3I-  —  Gew. 
7-5  Gr.,  Dm.  263  Mm.  —  K.  Münz,  und  A.  M.  -  Berl., 
K,  Münz.  —  Dresd.,  Grossh.  M.  —  Schwerin. 

Abb.  s.  Taf.  V. 
1632. 

310.  Vs.  Wie  309.  Das  Scheitelliaar  berührt  nur  die  innere  Kreis- 

linie. ALBERTVS-D-G-  —  DVX-MEGAPOL-FRIDL 
Rs.  Wie  289.  ET-SAG^-PRIN  —  C  •  VAND AL  •  IÖ3Z 

Die  Leg-endenbuchstaben  der  Vs.  und  Rs.  von  auffallend 
unregelmässiger  Grösse.  —  Gew.  7*12  Gr.,  Dm.  29  Mm. 
-  A.  M.  -  Berl.  Abb.  s.  Taf.  V. 

1633. 

311.  Darstellung  wie  289,  nur  das  Brustbild  auf  der  Vs.  frei  im 
inneren  Perlenkreis. 

Vs.  ALBERTVS-D-G-DVX  -  MEGAPOL-FRIDL 
Rs.  ET-SAG^-PRINC  -  VANDAL-/633  —  Gew.  7-17  Gr., 
Dm.   30-7   Mm.    —    Univ.    —    Rostock,    Grossh.   M.    — 
Schwerin.  Abb.  s.  Taf.  VI. 

Groschen. 
1630. 

Vs.  Brustbild  mit  hohem  schmalem  Kopfe,  die  innere  Kreis- 
linie durchschneidend  nach  links  wie  1 79.  Unten  im  Zirkel, 
die  Legende  trennend,  der  wachsende  Löwe  nach  rechts. 
Ueber  dem  Kopfe  eine  fünf  blättrige  Rosette  mit  beider- 
seitigen Verzierungen. 

Rs.  Die  kleeblattartig  zusammengestellten  Wappenschilde  von 
Friedland  (oben),  Sagan  (links)  und  Mecklenburg  (rechts). 
Oben  im  Legendenraume  fünf  blättrige  Rosette  mit 
arabeskenartigen  Verzierungen.  Zwischen  den  Wappen- 
schikien lilienartige  Verzierungen. 

312.  Vs.  ALBERT-D-G-D-  -  MEG  FRI-ET-SAG 

Rs.  SAC-RO-EM-  {£)  PRIN-/630  -  Gew.  1-7  Gr.,  Dm. 
21-22  Mm.  _  A.  M.  —  Berl. 

33* 


516 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  "SVallenstein  (Waldstein) 


313.  Vs.  Kopf  ein  kleinwenig  niedriger  als  312.  ALBERT'D*G- 

D-  —  MEG-FRI-ET-SAG 
Rs.  SAC-RO-IM-    (£)   PRIN-l63a-   —    Gew.    1-52  Gr.    - 
Gebr.  E.  —  Dresd.,  A.  M.  —  Berl. 

314.  Vs.  ALBERT-D-G-D-  -  MEG-FRI-ET-SAG 

Rs.  SAC-RO-IM-  (£)  PRIN  IÖ30  -  Univ.  —  Rostock. 

1631. 

315.  Darstellung  wie  312. 

Vs.  ALBERT -D  G-D  —  MEG-FRI  ET -SAG 

Rs.  SAC-R0-IM-£PRIN-IÖ3I-  -  Gew.  1-6  Gr.  -  A.  M. 

—  Berl. 

316.  Darstellung  wie  315,  nur  Vs.  über  dem  Kopte  fünfblättrige 
Rosette  ohne  Verzierungen. 

Vs.  ALBERT -D G-D  -  MEG-FRI-ET-SAG 
Rs.  SAC-RO-IM  (£)  PRIN-IÖSI  -  Gew.  1-6  Gr.  —  A.  M.  - 
Berl. 

317.  Wie  312. 

Vs.  ALBERT-D-G-D-  -  MEG-FRI-ET-SAG 
Rs.  SAC-RO-IM  (£)  PRIN-I63I-  —  A.  M.  -  Berl. 

Abb.  s.  Taf.  VI. 

318.  Wie  316. 

Vs.  ALBERT-D:GD-  —  MEG-FRI-ET  SAG 

Rs.  SAC-RO-IM-  {£)  PRIN-IÖ3I:  —  A.  M.  -  Berl. 

1632. 

319.  Wie  312,  nur  Vs.  fünf  blättrige  Rosette  mit  weniger  Ver- 
zierung. 

Vs.  ALBERT-D-G-D  -  MEG-FRI-ET-SAG 

Rs.  SAC-RO-IM  {£)  PRIN-IÖ5Z   -   Gew.   16  Gr.  -  A.  M. 

-  Berl. 

320.  Wie  316. 
Vs.  ALBERT-D-G-D-  —  MEG-FRI-ET-SAG 
Rs.  SAC-RO-IM  (£)  PRm-/63Z  —  A.  M.  -  Berl. 


Herzog  von  Friedlaml  und  seine  Münzen. 


517 


321.  Wie  316,  jedoch  auch  Rs.  über  dem  Friedländer  Wappen- 
schilde  nur  eine  fttnfblättrige  Rosette. 

Vs.  ALBERT-D-G-D  — MEG-FRI-ET-SAG 
Rs.  SAC-RO-IM-.r)  PRm-l63Z  -  A.  M.  -  Berl. 

322.  Wie  319. 
Vs.  Wie  320. 

Rs.  SAC-RO-IM  £  PRIN-I63Z  —  Grossh.  M.  --  Schwerin. 

1633. 

Kleineres  Brustbild  nach  links,  das  Scheitelhaar  verdrängt  nur 
die  innere  Kreislinie. 

323.  Wie  316. 

Vs.  ALBERT  D-G-D  -  MEG-FRI-ET-SAG 
Rs.  SAC-RO  IM  {£)  PRIN  IÖ33  -  A.  M.  -  Berl. 

324.  Wie  321, 

Vs.  ALBERT-D-G-D  -  MEG-FRI  ET-SAG 
Rs.  SAC-RO-IM  (£)  PRIN  IÖ33  -  A.  M.  -  Berl. 

325.  Wie  324,  nur  Rs.  SAC-RO-IM  {£)  PRIN-IÖ33-  — 
Fürst.  M.  ^  Don.,  A.  M.  —  Berl. 

326.  Wie  325,  nur  fehlt  der  Rosette  über  dem  Brustbilde  das 
fünfte  Blatt.  —  A.  M.  —  Berl. 

327.  Wie  325,  nur  über  dem  Brustbilde  ein  einem  liegenden 
Halbmonde  ähnliches  Zeichen.  —  A.  M.  —  Berl. 

328.  Wie  325,  nur  Rs.  SAC-RO-IM  i2)  PRIN-I633  —  A.  M. 

—  Berl. 

1634. 

329.  Darstellung  wie  vorstehend,  über  dem  Kopfe  der  Vs.  eine 
fUnfblättrige  Rosette,  so  auch  Rs.  über  dem  Friedläuder 
Wappenschilde. 

Vs.  ALBERT-D-G-D  -  xMEG-FRI-ET-SAG 

Rs.  SAC-RO-IM  (£)  PRIN-IÖ34  —  K.  Münz.  —  Berl.,  E.  M. 

—  Prag,  K.  Münz.  —  Wien. 


518 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  Wallenstein  (Waldstein) 


330.  Nur  auf  der  Vs.  eine  vierblättrige  Rosette,  sonst  wie  329. 
Vs.  ALBERT-D-G-D  —  MEG  FR-ET-SAG  —  Ad.  Jungfer 

-  Berl. 

Halber  Kreuzer. 
1632. 

331.  Die  Wappenschilde  oben  Mecklenburg,  rechts  Sagan^ 
links  Friedland,  kleeblattförmig  zusammengestellt;  oben 
zu  den  Seiten  des  mecklenburgischen  Wappenschildes 
16  —  3Z,  unten  der  wachsende  Löwe  nach  rechts  im 
Perlenkreise.    Ohne   Schrift.    Einseitig.    Gew.   0*45  Gr., 

—  Dm.  13-5— 15-5  Mm.  —  M.  D.  und  E.  M.  —  Prag, 
K.  Münz.  —  Wien. 


Münzzeichen:  Wachsender  Löwe;  Titel:  Mecklenburg,  Fried- 
land, Sagan  und  Glogau. 

F  ü  n  f  d  uk  a  t  e  n  s  t  ü  c  k. 
1634. 

332.  Vs.  Darstellung  wie  271,  über  dem  Kopfe  fünf  blättrige  Rosette. 

ALBERTVS-D:G:DVX.ArE   —  r.ÄP:FRTD:SAG:ET« 
GLOG: 
Rs.  Wie  271,  mit  Wappen,  Taf.  1,  Nr.  4.  PRIN:VAND:COM: 
SVER:  —  DO:ROST:ET-STAR:l634-Gew.l7-36Gr.^ 
Dm.  36  Mm.  —  K.  Münz.  —  Wien. 
Evers  in   seiner  mecklenburgischen  Mtinzverfassung,  Band  II, 
Seite  122    erwähnt  eines   Guldens   von    1634   mit   ganz   gleicher 
Legende,  nur  anderer  Interpunktion,  wie  vorstehendes  Fünfdukaten- 
sttick;  ich  habe  solches  aber  nicht  auffinden  können. 

Klippe  Walditz. 

1632. 

333.  Vs.  Brustbild  ein  wenig  nach  links,  mit  hochstehendem  Hals- 

kragen —  ähnlich  wie  auf  den  Münzen  —  innerhalb  eines 
Perlenkreises. 


Herzog  von  Friedland  und  seine  Münzen. 


519 


Rs.  Rosette   mit  beiderseitig  arabeskenarti^en  Verzierungen, 
darunter  in  8  Zeilen  in  einer  glatten  doppelten  Kreislinie: 
ALBERTVS-  |  D-G-DVX-MEG  |  FRIDL-ET-SAG  | 
FVND-CARJC:  |  CA8TRI-B-M-V-  |  IN-WALDITZ-  | 
AMPLLS-  I  /Ö3Z-  -  Gew.  718  Gr.,  Dm.  26— 26  Mm.  — 
A.  M.  —  Berl.  Abb.  s.  Taf.  VI. 

334.  Vs.  Darstellung  wie  333,  nur  ein  wenig  kleinerer  Kopf. 

Rs.  Rosette  mit  mehr  Verzierungen  als  333,  darunter  in 
7  Zeilen:  ALBERTVS  |  D-G-DVX-MEG-  |  FRIDL-ET 
SAG  I  FVND-CAR.E:  |  CASTRI-B-M-V-  |  IN-WAL- 
DITZ  I  AMPLIS  —  Dm.  26—26  Mm.  —  K.  Münz.  — 
Berl.,  Gebr.  E.  —  Dresden. 

Diese  beiden  Gepräge  sind  laut  Manuscript  des  Decbanten 
Czerwenka  bei  Gründung  des  Walditzer  Karthäuser  Klosters  unter 
das  Volk  ausgeworfen  worden.  In  runder  Form  sind  sie  mir  — 
ungeachtet  Hanka  und  Neumann-Miltner  derselben  erwähnen  — 
nur  in  neueren  Falsificaten  vorgekommen;  die  Klippe  Nr.  333  habe 
ich  aus  der  Sammlung  des  Dr.  Matejka  in  Prag  erworben,  sie  ist 
von  unzweifelhaft  altem  gleichzeitigem  Gepräge.  Die  Abkürzungen 

FVND-CARtE:  ii)CASTRI- AMPLIS-    werden    wohl   durch 

FVNDator  CARThusi^  CASTRI-  •  •  AMPLIS simi  aufzulösen  sein. 

Raitpfennige. 

Im  Besitze  einer  Anzahl  Raitpfennige,  die  ich  zum  grösseren 
Theile  sehr  theuer  bezahlt  habe,  da  deren  Arbeit  sowohl,  als  auch 
die  Kenntniss  der  Vorbesitzer  mich  keinen  Augenblick  an  deren 
Echtheit  zweifeln  Hess,  fühle  ich  mich  dennoch  veranlasst,  auf  den 
Aufsatz  des  Herrn  Max  Donebauer,  Prag,  in  Band  XII,  Jahrgang 
1 880,  Seite  405  u.  f.  der  Wiener  Numismatischen  Zeitschrift  zu  ver- 
weisen, welcher  Seite  442  und  443  unter  Nr.  96 — 98  drei  gefälschte 
Stempel  beschreibt.  Während  ich  Nr.  5563  aus  der  Sammlung 
Kilian  einen  Raitpfcnnig  vom  Jahre  1630  (Abschlag  in  Silber  als 


<i)  Teil  halte  die  letzte  liuchstabonverbindiui^-  für  ein  vereinigtes  TAE. 


520 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  AVallenstein  (Waldstein) 


gehenkelte  Klippe),  der  mir  vor  mehreren  Jahren  noch  vor  Erschei- 
nen des  Donebauer'schen  Aufsatzes  zum  Kaufe  angeboten  wurde, 
ungeachtet  der  anerkannten  Ehrenhaftigkeit  des  Verkäufers  sofort 
als  zvreifelhaft  zurückwies,  sind  die  Abprägungen  in  Kupfer  so  vor- 
züglich gefälscht,  dass  ich  die  nachstehenden  Stempel  nur  unter 
Keserve  beschreibe,  weil  ich  nicht  dazu  beitragen  mag,  dass  auf 
Grund  gegenwärtiger  Arbeit  Falsificate  als  echte  Stücke  ausgege- 
ben werden. 

Durch  Donebauer  wurden  als  neue  Nachprägungen  erwiesen 
und  somit  zur  Warnung  sind  zu  erwähnen: 

a)  Vs.  Der  gekrönte  Adler,  Kopf  nach  rechts,  mit  je  7  Schwanz- 

federn in  den  Fittigen  und  geviertem  Brustschilde,  mit 
den  Waidstein'schen  Löwen,  frei  in  einem  sogenannten 
spanischen  Schilde.  Darüber  der  hermelinverbrämte  Für- 
stenhut mit  drei  Querspangen,  zu  den  Seiten  je  eine  fünf- 
blättrige Rosette. 

Es.  RAITPFEN  |  DER-FVRS  |  TUCH:  CAM  |  MF^R-DES- 
H  I  ERTZOGTH  |  VMS-FRID  |  LAND  Verzierung. 
Sieben  Zeilen  von  einer  einfachen,  rechtwinkeligen  Linie 
umschlossen.  Oben  und  unten  eine  fünfblättrige  Rosette. 
Zu  den  Seiten  i6  —  28. 
Der  beiderseitige  Rand  hat  einen  Perlenkreis. 

b)  Vs.  Der  Adler  wie  a),  nur  etwas  schmächtiger  und  kleiner. 

lieber  dem  Fürstenhute  mit  drei  Querstangen  ein  Punkt. 
Die  Rosetten  fehlen. 
Rs.  Legende  genau  wie  bei  a),  nur  etwas  feinere  Schrift- 
zeichen. Oben  und  unten  leerer  Raum.    Zu  den  Seiten 
i6  —  30 

Donebauer  erwähnt  noch  Stücke  wie  uj  von  lGo2,  die  mir 
aber  nicht  zu  Gesicht  gekommen  sind.  Dagegen  glaube  ich  als  unbe- 
zweifelt  echt  aufstellen  zu  können: 


335.  Vs.  Adler  wie  vorstehend,  mit  je  sechs  Schwungfedern  in  den 
Fittigen.  Der  Schild  hat  oben  in  den  Ecken  und  an  den 
Seiten  Verzierungen.  Der  hermelinverbrämte  Fürstenhut, 
ohne  Spangen,  ist  unverziert,  darüber  eine  Kugel. 


Herzog  von  Friedland  und  seine  Münzen. 


521 


Rs.  RAITPFP:  I  DER  •  FVR  |  STL  •  CAM  |  DES  •  HER  | 

TZOGTH  I  FRIDLAN  Sechs  Zeilen  kräftiger  Schrift  in 

einem    rechtwinkligen  Viereck.    Oben   und   unten  Ver- 

1  —  6 
zierungeUj  an  den  Seiten  « g  —  A.  M.  —  Berl.,  M.  D. 

—  Prag-.  Abb.  s.  Taf.  VI. 

336.  Wie  335  Jedoch  Legende  derRs.  RAITPFE  |  DER -FVR  | 
ST  •  CAM  I  DES  •  HER  |  TZOGTH :  |  FRIDLAN  •  — 
K.  Münz.  —  Wien. 

337.  Vs.  Adler  mit  sechs  Schwungfedern  in  jedem  Fittig.  Zu  den 

Seiten  des  Schildes  arabeskenartige  Verzierungen,  in 
deren  Mitte  (ebenso  auch  über  dem  oben  eine  gerade 
Linie  bildenden  unverzierten  Ftirstenhute)  ein  fünfstrahli- 
ger  Stern. 
Rs.  RAITPFEN  |  DER  •  FVRST  |  LICH  :  CAM  |  MER  •  DES 
H  I  ERTZOGTH  |  VMS  FRID  I  LAND  Verzierung. 

Sieben  Zeilen  in  kleinerer  Schrift  in  rechtwinkligem 
Viereck,  oben  und  unten  ein  fünf  strahliger  Stern  zwischen 
seitlichen  Verzierungen.   Zu  den  Seiten  l6  —  31  —  A.  M. 

—  Berl.,  M.  Donebauer  —  Prag. 

338.  Wie  337.  Vs,  an  den  Seiten  keine  Verzierungen,  an  deren 
Stelle  eine  Kugel.  Ebenso  über  dem  Fürstenhute,  Rs.  vor- 
letzte Zeile  VMS -FRID  —  A.  M.  -  Berl. 

339.  Vs.  Wie  338,  nur  an  den  Seiten  ein  fünfstrahliger  Stern,  über 

dem  Ftirstenhute  ein  Punkt. 
Rs.  Wie  337,  nur  vierte  Zeile  MER •  DES -H  und  letzte  LAND- 
Verzierung;  oben  und  unten  flinf blättrige  Rosette  ohne 
Verzierungen.  —  M.  D.  —  Prag. 

340.  Vs.  Der  Adler  in  verziertem  Wappenscliilde,  über  dem  glatten 

Ftirstenhute  ein  fünfstrahliger  Stern. 
Rs.  RAITPFEN  |  DER  •  FVRST  |  LICH :  CAM  |  MER  •  DES 
H  I  ERTZOGTH  |  VMS -FRID  |  LAND  Verzierung. 

Sieben  Zeilen  Schrift  in  rechtwinkligem  Viereck.  Oben 
und  unterhalb  desselben  eine  fünfblättrige  Rosette  mit 
Arabesken.  An  den  Seiten  16  —  55  —  K.  Münz.  —  Wien. 


522 


Adolph  Meyer:  Albrecht  von  Wallenstein  (Waldstein)  etc. 


Zusammenstellung  der  Ausmünzungen. 

Zehndukatenstück  Nr.  6,  7,  106,  189,  195,  209,  271,  272. 

Ftinfdukatensttick  Nr.  8,  9,  107,  108,  196,  210,  211,  273,  274,  332. 

Doppeldukaten  Nr.  10,  275—279. 

Dukaten  Nr.  11—18,  109,  110,  190,  191,  197,  198,  280—287. 

Doppeltbaler  Nr.  19,  20,  288. 

Thaler  Nr.  1—3,  21—31,  103-105,  111  —  121,  192—194,  199  bis 

207,  212—217,  219-221,  289-301. 
Klippe  von  Guldenstempeln  Nr.  32,  218. 
Gulden  Nr.  4,  5,  33-37,  122—125,  208,  302—307. 
Klippe  von  Halbguldenstempeln  Nr.  308. 
Halbgulden  Nr.  38—43,  126,  309—311. 
Groschen  Nr.  44—102,  127—188,  222-270,  312-330. 
Halbkreuzer  Nr.  331. 
Klippe  Walditz  Nr.  333,  334. 
Raitpfennige  Nr.  335—340. 


<>4j^K>> 


MiscclU 


523 


Miscelle 


Noch  einmal  die  Karolus-  und  Ludovicus-Fiorene.  — PaulJoseph  hat  in  seiner 
Beschreibung  des  Brezeuheimer  Goldfundes  die  zahlreichen  Goldgulden  mit 
den  Aufschriften  K  a  r  o  1  u  oder  L  o  d  o  v  i  c  i  r  ex  den  deutschen  Königen  Ludwig 
dem  Bayer  und  Karl  IV.  beigelegt.  Dieser  Zutheilung  ist  Dr.  Luschin 
V.  Ebengreuth  bei  Besprechung  der  obgenannten  Arbeit  (Numism.  Zeitschr. 
Bd.  XV,  S.  364  ff.)  entgegen  und  für  den  ungarischen  Ursprung  jener  Stücke 
eingetreten.  Ich  glaube  die  von  Luschin  ins  Treffen  geführten  Gründe  noch 
durch  ein  weiteres  Argument  unterstützen  zu  können,  welches,  wie  ich  hoffe, 
die  Frage  völlig  entscheidet,  und  recapitulire  dasselbe  inKürze  nach  der  Abhand- 
lung, welche  ich  darüber  in  Nr.  3  des  Archeologiai  Ertesitö,  Jahrgang  1884, 
unter  dem  Titel  „Magyar  aranyok  egy  rajnavideki  leletben"  (Ungarische 
Ducaten  in  einem  rheinländischen  Funde)  veröffentlichte. 

Man  vergleiche  nur  die  Karl-Ducaten  mit  denen  des  Königs  Ludwig.  Die 
ersteren  sind  ganz  nach  florentinischem  Muster  geprägt,  ferner  sind  die  Lud- 
wigs-Ducaten  der  I.  Species  bei  Rupp,  sowohl  hinsichtlich  der  Prägungsart,  als 
in  den  Buchstabenformen  der  Legenden,  mit  den  Karo.lu  rex-Ducaten  völlig 
gleich.  Aber  schon  die  IL  Species,  welche  Rupp  anführt,  weicht  bedeutend 
davon  ab;  es  zeigt  nämlich  der  Avers  den  Ungar.-Anjou'schen  Wappenschild, 
wogegen  der  Revers  den  Typus  mit  dem  heiligen  Johannes,  wie  bei  jenen 
der  I.  Species  aufweist. 

Aber  Ludwigs  Prägung  entwickelte  sich  noch  weiter,  eine  III.  Gattung 
ersetzt  auf  dem  Revers  das  Bildniss  des  heiligen  Johannes  durch  den  heili- 
gen Ladislaus. 

Die  Ludwigs-Münzen  lassen  also  die  stufenweise  Entwicklung  des  Ge- 
präges aus  dem  Florentiner  Typus  bis  zur  Ausbildung  selbständiger  Münz- 
bilder verfolgen. 

Diese  Umwandlung  beweist  vor  Allem,  dass  die  Karolu  rex-Ducaten 
älter  sind,  als  die  Ludwigs-Ducaten,  beide  sind  daher  ungarische  und  nicht 
deutsche  Münzen,  da  in  Ungarn  Ludwig  nach  Karl  regierte  und  nicht  umge- 
kehrt, wie  in  Deutschland. 

Von  den  mit  dem  Adler  als  Beizeichen  versehenen  Karl-Ducaten  glaube 
ich  hingegen  mit  Bestimmtheit  behaupten  zu  können,  dass  sie  dem  deutschen 
Herrscher  Karl  IV.  beizulegen  seien;  zum  mindesten  sind  die  Biichstabenformen 
den  Legenden  ungarischer  Münzsorten  fremd. 

Budapest.  Dr.  Ladislaus  R6thy. 
-^^^ 


524 


Numismatische  Literatur. 


Numismatisclie  Literatur. 


Dr.  Friedrich  Imhoof-B  lu  mer.  Porträtköpfe  auf  antiken  Münzen  hellenischer  und 

hellenisirter  Völker,  mit  Zeittafeln  der  Dynastien  dös  Alterthums  nach  ihren  Münzen. 

Mit  206  Bildnissen   in  Lichtdruck.    Leipzig,   Teubuer    1885.   4»,   9j  S.   und 

VIII  Tafeln  (von  Brunner  in  Winterthur). 

Es  ist  charakteristisch  für  Imhoof-B  lumers  Thätigkeit,  dass  sie  neben 
strenger  kritischer  Forschun«-,  von  welcher  so  viele  seiner  kleineren  und  grös- 
seren Arbeiten  glänzendes  Zeugniss  geben,  sich  bestrebt,  die  selbst  und  von 
Andern  gewonnenen  Ergebnisse  nach  besthnrnten  Gesichtspunkten  zusammen- 
zufassen und  weiteren  Kreisen  der  gelehrten  und  gebildeten  Welt  mitzutheilen. 
Die  eigene  reiche  Sammlung  und  der  umfassende  Ueberblick  über  die  neuere 
Literatur  seiner  Disciplin,  setzen  ihn  in  den  Stand,  dabei  die  grösste  Vollstän- 
digkeit zu  erreichen,  die  heute  überhaupt  erreichbar  ist;  dass  das  kostbare 
Materiale  einfach,  klar  und  l»ündig  miti^etheilt  wird,  gibt  ihm  einen  noch  hö- 
heren Werth. 

Als  Seitenstück  zu  (U-n  im  Jahre  187i'  juiblicirten  Porträtköpfen  auf 
römischen  Münzen,  werden  in  der  neuen  Schrift  jene  auf  den  griechischen 
Münzen  mitgetheilt;  Bildnisse  der  Könige  und  Machthaber  verschiedenen  Titels 
und  jene  der  berühmten  Männer.  Der  Text  bespricht  die  Entwickelung  des  Por- 
träts, erklärt  die  Verschiedenheit  der  Bildnisse  einer  und  derselben  Persönlich- 
keit aus  den  benützten  Vorlagen  —  sehr  häufig  sind  jene  nicht  nach  dem  Leben 
gearbeitet  —  erklärt  weiter  den  Kopfschmuck  (Diadem,  Tänie,  Lorbeerkranz, 
Stephane,  Tiara,  Helme,  Ohrringe  u.  s.  f.),  die  Schreibung  der  Namen,  die  Titel 
und  die  Schriftarten.  Es  folgen  dann  von  Seite  13  bis  i^S  die  Zeittafeln,  das 
heisst  eine  nach  Ländern  und  Dynastien  gegliederte  Zusammenstellung  der  Kö- 
nige mit  den  chronologischen  Daten  ihrer  Regierung,  der  Schreibung  ihrer  Na- 
men auf  der  Münze,  Bemerkungen  über  ihre  Bildnisse  und  reichen  Literatur- 
nachweisen. Dieser  Abschnitt  ist  der  wichtigste  und  mühevollste  Theil  der  neuen 
Publication,  durch  ihn  allein  schon  hat  sich  der  Verfasser  um  den  Leser,  mag 
er  Numismatiker  oder  Nichtnumismatiker  sein,  in  Wahrheit  verdient  gemacht. 
Der  Beschreibung  der  Münzen  (§.  70—90)  folgen  die  Indices.  Die  sorgfältig 
gewählten  und  ebenso  sorgfältig  ausgeführten  Abbildungen  werden  in  allen 


n9n 

Xunüsmatische  Literatur.  ^-^^ 

gebildeten  Kreisen  cl.is  grösste  Interesse  erwecken  und  das  Buch,  das  Alien, 
die  sich  mit  dem  Alterthume  in  irgend  einer  Richtung  beschäftigen,  nothwendig 
ist,  auch  7.U  einem  Allen  sympathischen  Besitz  von  bleibendem  Werthe  machen. 

Kenner. 


F.   Imhoof-Blumer  und   Percy  Gardner.  —  Numismatic  commentary  on   Pau- 

sanias.   (Reprinted  from  the  Journal   of  Hellenic  studies  .  —  1885.1.    Die  Bücher 

Megarica  und  Corinthiaca  betreffend. 

Den  viel  gelesenen  Fremdenführer  im  alten  Griechenland  ans  gleichzeiti- 
gen oder  nahezu  gleichzeitigen  Münzen  zu  illustriren,  kann  nicht  anders  als  ein 
höchst  verdienstlicl  i^r  und  fruchtbarer  Gedanke  genannt  werden.  Nicht  bloss 
zu  den  meisten  von  Pausanias  erwähnten  Kunstwerken,  sondern  auch  zu  man- 
chen Götterculten  und  Legenden,  von  denen  er  spricht,  finden  sich  auf  Mün- 
zen, die  einzigen  bildlichen  Belege,  die  man  vergeblich  anfandern  Objecten  der 
Kunst  und  des  Gewerbes  sucht.  Es  wohnt  den  Münzbildern  auch  eine  Art  offi- 
cieller  Beglaubigung  inne,  überdies  treten  sie  zumeist  nicht  vereinzelt,  sondern 
in  einer  Reihe  von  Exemplaren  aus  verschiedener  Zeit  auf,  so  dass  man  auf 
ihnen  die  Entwickelung  der  Götterideale  verfolgen  kann.  Insoferne  bildet  die 
Abtheilung  der  Provincialmünze  in  Griechenland,  das  Kupfergeld  der  mit  dem 
Münzrecht  begabten  Gemeinden,  eine  sehr  reich  fliessende  Quelle  für  kunst- 
geschichtliche Studien,  insbesondere  dasjenige,  welches  der  Zeit  Kaiser  Ha- 
drians,  Antonius  Pius  und  Marc  Aurel's,  deien  Zeitgenosse  Pausanias  war, 
angehörte.  Allein  es  muss  ein  vorzügliches  und  reiches  Materiale  sein,  mit  dem 
ein  derartiges  Unternehmen  gewagt  werden  kann;  daher  haben  sich  zwei  Nu- 
mismatiker von  schwerwiegenden  Namen,  die  jeder  unabhängig  von  dem  an- 
dern die  Arbeit  begannen,  vereinigt,  um  die  Aufgabe  in  einer  den  heutigen  Be- 
dürfniesen genügenden  Weise  zu  lösen. 

Der  vorliegende  erste  Theil  enthält  den  numismatischen  Commentar  zu 
Buch  I,  39—44  (Megarica)  und  zu  Buch  11  (Corinthiaca).  Die  bezüglichen  Stel- 
len des  Pausanias  werden  nach  ihrem  Wortlaut  vorangestellt,  dann  folgt  die 
Beschreibung  des  zur  Erläuterung  dienenden  Münzbildes,  endlich  in  kleinerem 
Druck  die  Angabe  des  Metalles,  der  Grösse  der  Münze,  ob  yie  eine  autonome 
oder  unter  welchem  Kaiser  sie  geprägt  sei,  die  Berufung  der  Werke,  die  ihre 
Beschreibung  enthalten  und  der  Hinweis  auf  die  Abbildungen,  welche  dem 
„Commentar"  beige;^eben  sind.  Letztere,  in  Lichtdruck  ausgeführt,  bringen  auf 
12  Tafeln  (8o)  276  vorzüglich  ausgeführte  Copien  nach  Gypsabgüssen. 

lieber  die  Bedeutung  dieser  Publication  genügt  es  zu  sagen,  dass  damit 
ein  lange  und  tief  empfundenes  Bedürfniss,  ein  brennender  Wunsch  der  Archäo- 
logen erfüllt,  aber  auch  eine  alte  Schuld  der  Numismatiker  getilgt  wird.  Die 
letzteren  werden  sich  nmsomehr  zu  freuen  haben  die  praktische  Wichtigkeit 
antiker  Münzbilder  demonstrirt  zu  sehen,  als  es,  wie  die  lange  Versäumniss 
bezeugt,  des  Zusammentreffens  besonders  günstiger  Umstände  bedurfte,  dies 
in  so  erfolgreicher  Weise  in's  Werk  gesetzt  zu  sehen.  Kenner. 


526 


Numismatische  Literatur. 


n 


Nlcolö  Papadopoli:  ,,Sul  valore  della  moneta  veneziana''.  Venezia  1885.  Die 
Xnmismatik  der  alten  Eepublik  Venedig  hat  in  dem  Grafen  Papadopoli  einen 
gründlichen  Forscher  und  eifrigen  Pfleger;  Besitzer  einer  werthvoUen  Sammlung 
von  Münzen  seiner  Vaterstadt,  hat  er  auch  deren  numismatische  Literatur  um  ein 
Bedeutendes  und  durchaus  Neues  bereichert,  so  u.A,  durch  seine  Publicationeu: 
„Üi  alcune  monete  Veneziane  per  Caudia",  „Mouete  inedite  della  zecca  Vene- 
ziana",  „Sülle  origini  della  Veneta  Zecca",  Der  Vorwurf,  den  Momrasen  den 
Numismatikern  macht,  dass  sie  das  Innere  der  Münze  zu  wenig  beachten, 
welches  doch  „ebenso  wichtig  ist  wie  das  Aeussere",  tritft  den  Verfasser  obiger 
Schriften  nicht,  denn  gerade  in  dem  vorliegenden  Werke  behandelt  er  fast  aus- 
schliesslich den  „inneren  "VVerth"  der  Venezianer  Münzen  und  weiss  dabei  den 
engeren  numismatischen,  wie  den  national-ökonomischen  Theil  seines  Gegen- 
standes passend  zu  vereinen  und  zu  einem  vortrefflichen  Ganzen  zu  gestalten. 
Es  ist  dies  ein  neuer,  aber,  wie  wir  glauben,  glücklicher  und  bedeutsamer  Weg 
für  die  Fortentwicklung  der  Numismatik  selbst,  und  durchaus  kein  blosser 
Zweig  dieser  Wissenschaft.  In  der  italienischen  numismatischen  Literatur  hatte 
Papadopoli  auf  gleichem  Wege  zwar  einen  berühmten  Vorgänger,  Carli-Rubbi, 
allein  dieser  blieb  lange  vereinsamt,  und  nur  noch  Vinc.  Lazari  wäre  ilim  ent- 
schieden gefolgt,  wenn  nicht  sein  vorzeitiger  Tod  das  vielverheissende  Streben 
unterbrochen  hätte;  nun  schreitet  Papadopoli  auf  dieser  Bahn  rüstig  vorwärts. 

Die  Geschichte  der  Entwicklung  des  venezianischen  Münzwesens  ist  sehr 
lehrreich ;  es  gehören  die  Venezianer  Münztypen  zu  den  interessantesten  nicht 
nur  in  Italien,  sondern  in  ganz  Europa;  lur  die  Geschichte  der  Preise  und 
Werthekönnen  jene  Münzen  mehr  denn  andere  als  Massstab  dienen,  weil  die  Regie- 
rung der  Republik  durch  lange  Jahrhunderte  ohne  besondere  politische  Störung 
sich  der  continuirlichen  Pflege  und  Sorgfalt  des  Münzwesens  widmen  konnte. 

Die  Münzeinheit  von  Venedig  war  die  Lira,  nach  carolingischer  Einthei- 
lung  bestehend  aus  20  Soldi,  wovon  jeder  zu  12  Denari;  in  der  ersten  Zeit  der 
Republik  und  einige  Jahrhunderte  hindurch  wurde  nur  der  Silberdenar,  der 
1/240  Theil  der  Lira  geprägt.  Die  Lira  war,  wie  bekannt,  ursprünglich  auch  ein 
Gewicht  (pondus  Caroli),  und  die  Schwere  derselben  nimmt  Papadopoli  nach 
Gu6rard  u.  A.  mit  7680  Grani  Veneti  =  407-1)2  franz.  Gramm  an.  (Für  die 
Richtigkeit  dieser  Rechnung  kann  der  Herr  Verfasser  eine  Bestätigung  in  seinen 
eigenen  Münzen  finden,  siehe  „Sülle  origini  della  Ven.  Zecca",  denn  die  ersten 
Venezianer  Denare  wiegen  durchschnittlich  32  Grani  Ven.  und  es  sind 
32  X  240  =  7680,  wie  oben.)  Daraus  berechnet  sich  der  Werth  der  carolingi- 
schen  Lira,  den  Werth  eines  Kilogramm  Silbers  zu  222*22  Francs  angenommen, 
mit  86-87  Francs,  der  Werth  des  Soldo  mit  4-34  Francs,  und  der  Werth  des 
Denars  mit  362  Centimes.  Der  innere  Werth  des  Denars  fiel  in  den  nachfolgen- 
den Jahrhunderten  durch  Verminderung  des  Gewichtes  und  Verschlechterung 
des  Feinhaltes,  und  es  wurden  später  in  Edelmetall  nur  mehr  Vielfache  des 
Denars,  der  Soldo,  der  Grosso,  die  Lira,  der  Ducato  geprägt. 

Daraus  folgt  der  vom  Verfasser  aufgestellte  Satz,  dass  die  fortwährende 
Steigerung  des  Werthes  der  grossen  Münze,   namentlich  des  Golddukatens, 


Numismatische  Literatur. 


527 


keine  reelle  war,  sondern  bloss  eine  numerische,  weil  in  dem  Maasse,  als  die 
Lire  im  Gewichte  und  Feinhalte  vermindert  wurden,  die  einen  Ducato 
bildende  Anzahl  der  Lire  sofort  stieg. 

Nach  weiteren  ausführlichen  Darstellungen  der  Entwicklung  der  einzelnen 
Münzsorten  und  der  späteren  Einführung  von  Rechnungsmünzen  (Lira  di  conto, 
moneta  di  banco  u.  s.  w.)  folgen  höchst  schätzenswerthe  Tafeln  über  den  Werth 
verschiedener  Gold-  und  Silbermünzen  in  den  Epochen  vom  13.  Jahrhundert 
bis  zum  Ende  der  Republik.  Bei  dem  Studium  dieser  geistvollen  Zusammen- 
stellung können  wir  den  Wunsch  nicht  unterdrücken,  der  geehrte  Herr  Ver- 
fasser möge  dieselbe  noch  vermehren,  indem  er  bis  zum  Anfange  der  Venezianer 
Münzpräge  herabginge  und  die  Darstellung  der  Werthe  auf  die  gesammten 
goldenen  und  silbernen  Münzsorten  ausdehnen  würde. 

Indem  wir  uns  von  dieser  fesselnden,  in  dem  elegantesten  Italienisch 
geschriebenen  Publication  trennen,  fügen  wir  noch  bei,  dass  sie  wie  die 
meisten  von  Papadopoli  herausgegebenen  Schriften,  ursprünglich  als  Vortrag 
im  R.  Istituto  di  scienze,  lettere  ed  arti  in  Venedig  gehalten  wurde,  dessen 
correspondirendes  Mitglied  der  Verfasser  ist.  Müller. 


-c^c©»- 


( 


N 


umismaf   Zeitschrift  .Wien  1885. 


Taf.  I. 


Numismaf    ZeitscliTMrt    AVionl885. 


Tar.i 


Ninnisniat. Zeitschrift  Wien  1885 


Taf.l 


Numisma*t.ZGitschrift^Wic>nl88ö 

196 


Taf.  rv. 


>J  u in  1  STii  a  l  . Z  ei t -sc  h  11 1  t .  VVio ii  1 8  8 5 . 


y 


^-.  --_ 


Numism.   Zcitsch.   188; 


Taf.   VII. 


Liclitdriick  von  JaflV!  iS:  Alhcrt,  Wici 


' 


^'iiinisra.Zeitscli.1885. 


Tat.  TM. 


.cül^  M^i% 


'MT 


V'^^Wi^h 


^'^WT^ 


^^f^^- 


iF^^ 


Tedin  .«rtJlnttj.ChtJlöllwyRwi 


i 


|! 


5^  ,^-V.  V^*i&%-<i^  Tt 


"1       5 


liumisma tische  Zeitschrift 


Ng 


PLEASE  DO  NOT  REMOVE 
CARDS  OR  SLIPS  FROM  THIS  POCKET 

UNIVERSITY  OF  TORONTO  LIBRARY